Blutige Straßenschilder – oder: Bastelstunde für „besorgte“ Helicoptereltern

Wer kennt sie nicht, die „besorgten“ Helicoptereltern, die hornissengleich und auf der nimmermüden Suche nach dem nächsten Sexualstraftäter um die selbstverständlich mit UV- und mobilfunkstrahlenabwehrenden Designersonnenbrillen aus fairem Handel bestückten Köpfchen von Klein Emma-Luise und Luca-Fynn schwirren.

Dass diese hochinvasive Spezies Mensch in ihrem, an fundamentalistische Gotteskrieger erinnernden, schrankenlosen Kampfeinsatz für’s eigene Kind,  Colateralschäden an der Nötigungsgrenze zur Geschmacklosigkeit billigend in Kauf nimmt, fällt aus wutbürgerlicher Akteursperspektive wohl unter den Sammelbegriff „Peanuts“.

Bei allen – trotz allem unermüdlich-elterlichen Einsatzes – „Nichtbetroffenen“ hingegen könnte, angesichts des unlängst am Bamberger Torschuster gesehenen, gekonnt mit weißem Kabelbinder am elterlichen Marterpfahl der Empörung befestigten, und in stundenlanger Handarbeit liebevollst eigenblutverzierten „Zusatzstraßenschilds“ zur Bamberger Tempo-30-Zone, denn doch der angelegentlich blasphemische Gedanke aufkommen, dass dieser höchst kreative Ausdruck elterlicher Alltagssorge, dann wohl doch ein „Besorgnis erregender“ Anlass für einen erkenntniserweiternden Ausflug zur einen Hügel weiter gelegenenen Neurologischen Ambulanz darstellen könnte…

Aber wie gesagt, diese der allüberall in Kindergärten, Schulen und Universitäten, und sogar in so renomierten Publikationen wie der Bildzeitung propagierten reinen elterlichen Besorgnislehre in höchst ketzerischer Weise wiedersprechenden Gedanken, sie können wirklich nur von einem vollkommen vom rechten Glauben abgefallenen „Nichtelternschaftsbetroffenen“ stammen…

Shocking sign

Advertisements

Betrachteter Alltag _ Die abstinente Mittelschicht, oder: Eine Welt voller angstgeplagter Asketen

Genießen verbotenSie sind eben ein echter Barockmensch!“
Ist es heute wirklich noch ein Lob, wenn jemandem dieser Satz entgegengeschleudert wird, oder verbirgt sich dahinter nicht schon der aufklärerische Vorwurf des angeblich überflüssigen Exzesses, der Unbeherrschtheit, der Faulheit und Verschwendung? Ist das Wort „barock“ seit den Zeiten eines Kants, Leibnitzs und Voltaires nicht geradezu ein Synonym für die selbstverschuldete Unfähigkeit zu Zurückhaltung, Enthaltsamkeit und Fokussierung auf das „Notwendige“geworden? Eine Beleidigung, die man denjenigen mit entsetzter Verve entgegenschleudert, welche sich nicht an die alternativlosen Regeln einer Gesellschaft, welche Jugend, Gesundheit, Sicherheit, Leistung, Effizienz und Selbstoptimierung zu ihren Abgöttern erklärt hat? Ein Stigma, mit dem man die sorg- und verantwortungslose „Verschwendungssucht“ des nicht nur in seiner psychischen, sondern auch physischen Konstitution „barocken“ Verschwenders öffentlich geißelt? Und habe ich nicht gerade über jene laktosefreien Latte Macchiato aus tiergerecht-fairem Anbau trinkenden, veganen Hipster in extraeng geschnittenen Jeans als Idealtyp der Moderne geschrieben?

Es braucht manchmal andere kluge Köpfe, damit aus einem unguten Gefühl in der Magengrube Gewissheit wird. Diesmal war es Hasso Spode, Sozial- und Kulturwissenschaftler an der FU Berlin, der mich mit seiner kürzlich in einem Interview für Deutschlandradio Kultur geäußerten These von einer „Phase des Asketismus“ auf den erkenntnissspendenden Weg führte.

Sicher, auch mir waren sie längst in meinem Alltag begegnet, die militanten NichtraucherInnen und Veganer, die Milchhasser und Weißen-Zucker-Verteufler, die Öko- Fairtrade- und Bio-Fetischisten, die Freilandhuhnlober und Sportfanatiker. Seit ihrem erstmaligen Auftreten irgendwann kurz nach der Deutschen Wiedervereinigung ruinierten sie mit ihrem aktionistischen Bekehrungseifer jede weinselige Runde, vermießten Backhendel und Hamburger, erzwangen ein eigenes Vegetarisches, später sogar Veganes Menü bei WG-Parties und geißelten jeden als Menschenfeind, der nicht die politisch-korrekte und selbstverständlich maßlos überteuerte, milchfreie Bio-Schokolade bei dem „Eine Welt Laden“ ihrer Wahl kaufte und sie in einem möglichst selbstgesponnenen und abgetragen aussehenden Jutetäschchen im Triumphzug nach Hause trug.

Lange Zeit tat auch ich diese Gestallten als harmlose Spinner, von der Werbung verleitete Geistesschwache oder bedauerliche Einzelindividuen ab. Später, als die Gruppe der „Wutbürger“, die Schnaps, Butter und Sahne für Teufelszeug hielten, Bœuf bourguignon zum Mordinstrument erklärten und Tabak und Alkohol als Massenvernichtungswaffen bezeichneten größer wurde, flüchtete ich mich in Ironie und Spott…doch es war zu spät: spätestens mit der Einführung öffentlicher Alkoholverbote hatte sich der asketische „Gutmensch“ zum Mainstream entwickelt und forderte nun zum Kampf gegen die Volksdroge Alkohol, die Aufgabe der Ärztlichen Schweigepflicht bei Depressiven und die Zwangstherapie von die Volkswirtschaft schädigenden Übergewichtigen auf.

Auch wenn ich gelegentlich mit vegetarischem Döner, Sellerie- und Parasolschnitzeln und einer Fruchtsaftdiät geliebäugelt hatte, wusste ich spätestens zu diesem Zeitpunkt: diese schöne, neue und von allem „Überflüssigen“ befreite Welt askesepredigender Ökofaschisten war nicht mehr die meine. Nur eines war mir immer noch nicht klar geworden…warum waren aus individualistischen, exzessiv schlemmenden und genussmittelfreudigen Yuppies plötzlich lauter kleine kalorienzählende, moralinsaure, antidemokratische und jede Form von Genuss und Überfluss bekämpfende Weizengras-Savonerolas geworden?

Die endgültige, und von mir im tiefsten Innern seit Jahren geahnte Antwort kam mit eben jenem am Anfang dieses Beitrags zitierten Interview Hasso Spodes:
Die neue, selbstoptimierte, dauergestresste, permanent-burnoutgefährdete, und sich im Fieber des Akadiemisierungswahn auf dem ökologisch einwandfreien, fair gehandelten und produzierten, allergenfreien Hartgummifouton wälzende Mittelschicht hatte nur noch eines: Angst vor dem sozialen Abstieg!

Nun weiß man aus der Geschichte, dass Angst der schlechteste aller Ratgeber in Lebensfragen ist. Sie treibt die Menschen in panischen Aktionismus, neigt zu ademokratischer Intolleranz gegenüber allem was als Anders und Fremd definiert wird, regt zu schonungsloser Selbstausbeutung bis weit über die Grenze des Erträglichen an, und verschlingt schließlich alles, was uns menschlich und frei sein lässt – „Angst essen Seele auf“, so lautete der Titel eines 1974 erschienenen Melodrams Rainer Werner Fassbinders, dass sich anhand der zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen der verwitweten Putzrau Emmi Kurowski und dem zwanzig Jahre jüngeren Marokkanischen „Gastarbeiter“ Ali mit Intoleranz, gesellschaftlicher Kälte, Vorurteilen, Lieblosigkeit und sozialer Ausgrenzung auseinandersetzt.

Bereits dass ich gerade das Wort Gastarbeiter in Anführungszeichen gesetzt habe und das Wort Putzfrau als politisch-inkorrekten Terminus am liebsten mit Reinigunsfachkraft oder „Facility Managerin“ ersetzt hätte, zeigt wie verlogen wir inzwischen mit unseren Ängsten vor Sozialem Abstieg und Vorurteilen genenüber Fremden umzugehen gelernt haben, und wie groß die aus Amerika importierte Schere im Kopf inzwischen geworden ist. Auch diese politisch korrekte Askese von einer klaren und die Dinge beim Namen nennenden Sprache ist Teil des neuen Angst-Mainstreemings. In Zeiten allgemeiner sozialer, ökonomischer und politischer Verunsicherung sind Klartext, offene Kommunikation und divergierende Meinungen zum Luxus geworden und der von einer durch soziale Netzwerke von allen Hemmungen entfesselte  permanente Shit-Storm im Netz, der längst reflexartig gegen alles hetzt was irgendwie anders, nicht-normal oder überflüssig erscheint, bestärkt Otto-Normalverbraucher/In noch in dieser Angst, gibt ihr aber auch die Macht in die Hand, ihre eigenen, individuellen Ängste zur einzig verbindliche Weltanschauung zu erklären. Für Muße, freies Denken, nutzfreies Kinderspiel oder auch nur vom allgemeinen Massentrend abweichende Meinungen und Lebensweisen bleibt hier nicht viel Raum.

In Form öffentlicher Rauch- und Alkoholverboten, Immobilienboom, verpflichtenden Veggy-Days in Werkskantinen, proaktiver Fitness-Apps, militanten Stuttgart21-Gegnern und PEGIDA, Pränatalen-Gen-Tests, vorsorglichen Brustentfernungen, Vorratsdatenspeicherung, Sicherheitsverwahranstalten, sowie hysterisch geführten Tierrechts- und Kinderpornographiedebatten hat diese auch mit dem Kürzel „SHE“ (Security-Health-Efficency / Sicherheit-Gesundheit-Effizienz) überschriebene Ideologie der Angst längst tiefe Wurzeln in unserem Denken und Handeln geschlagen, ist „Mode“ und „Zeitgeist“ geworden, prägt das ohnehin immer ununterscheidbarer gewordene Arbeits- und Privatleben und bereitet uns allen schlaflos verbrachte Nächte voller Versagensängste.
Und wir? In unserer von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien permanent geschürten Angst nicht mehr zu  diese schöne, neue, gebildete, hochqualifizierte, rundumoptimierte, leistungsorientierte und durch ausgefeilte Ernährungspläne gestählte Gesellschaft zu gehören nehmen wir uns zurück, werden leise, essen weniger, schwören dem blauen Dunst ab, passen uns an. Selters statt Sekt, Askese statt Überfluss, Geistige Verarmung statt Vielfalt, erzwungener Mainstream statt gesellschaftlicher Vielfalt, work and life blending statt work and life balance, moralinsaure Frigidität statt sexueller Revolution, politisch korrekte Intoleranz statt geistiger Offenheit, nur nicht auffallen, anecken, oder gar scheitern…kurz: die gnadenlose und keine Ausnahmen kennende Diktatur des komplettangepassten Mittelmaßes  – so könnte man den neuen Leben und Denke der neuen selbstoptimierten, alkohol- und pornographiebefreiten, und auf permanente Fexibilität und Maximalleistung getrimmten Mittelschicht zusammenfassen.

Das Ganze erinnert mich fatal an jene Zeiten des „Grande Terreurs“ und der 20er, 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in der die Angst schon einmal regierte und im Namen des Allgemeinwohls und angeblicher Vernunft schon einmal zur Jagd auf alles Andere, Abnormale und Schädliche aufgerufen wurde. Die Folgen dieser Politik der Intoleranz scheinen wir heute vergessen zu haben, oder wir wollen sie einfach nicht mit dem, was wir heute denken, tun und urteilen in Verbindung bringen – denn wir sind ja besser, klüger, gestählter und härter…Man könnte auch von angstbedingter Hybris alles durch stetige (Selbst-)Optimierung beherrschen zu können sprechen.

Vielleicht ist es ja gar kein Zufall, dass in Zeiten, in denen humanistische Bildung, ja Bildung im weiten, allgemeinen und humboldt’schen Sinne als „nutzlos“ und „unpraktisch“ gilt ja garkein Zufall, dass die Kenntnis des Altgriechischen und damit der tieferen Bedeutung des Wortes „Hybris“ als „verzichtbar“ ja gesellschaftsschädigender da unwirtschaftlicher Luxus gilt. Vielleicht ist es ja gewollt, dass man nicht mehr weiß, das dieses Wort sich von „hybitzomai“ ableitet und ursürünglich eine Art selbstmörderische und im goebbelschen Sinne „totale“ Kriegstechnik bezeichnete bei der man zwar dem Gegner kurzfristig schadet, in erster Linie aber Gefahr läuft sich selbst zu verstümmeln.

Ich übertreibe?

Versuchen Sie doch mal mit 40 Kilo Übergewicht in ein Fitnessstudio zu gehen, auf einem Kinderspielplatz zu rauchen, setzen Sie sich mit einer prall gefüllten Tüte ihres Lieblingsfastfoodanbieters in den Bus, trinken sie Vormittags eine Flasche Bier auf einer Parkbank, oder probieren Sie einmal, ohne von Videokammeras überwacht zu werden durch eine Fußgängerzone zu laufen oder Bahn zu fahren, als offen schwuler Mann eine Jugendfreizeit zu leiten, sagen Sie ihrem Arbeitgeber offen, dass sie Depressionen und Bluthochdruck haben, oder versuchen sie einfach nur mal beim nächsten Picknick ihre veganen Freunde von den Vorzügen von Chicken McNuggets zu überzeugen…

Glaubt man Hasso Spode wird sich deren – je nach Standpunkt – „Offenbarung der Askese“ oder „Diktatur der Angst vor dem sozialen Abseits“ noch zwanzig oder mehr Jahre halten – meiner Meinung nach ist dies die wahre und einzig echte beänstigende Aussicht.

Sonntags im Hinterhaus

Betreten des Grundstücks auf eigene Gefahr!

Betreten des Grundstücks auf eigene Gefahr!

Ja es ist soweit: Über meinem Schreibtisch kreisen Gänseschnüre, Acrobat Pro spricht seit dem letzten Update nur noch Englisch, und mittels automatischer Benachrichtigung teilte mir heute mein Blog-Account in Form eines goldenen Pokals mit, dass ich vor genau einem Jahr glücklich damit begonnen hätte, die Welt an allen möglichen und unmöglichen Ereignissen meines Lebens online teilhaben zu lassen. Endlich die richtige Gelegenheit für eine tiefgreifende Reflektion über die Chancen und Risiken der Neuen Medien, die Beschleunigung von Zeit und Raum, die schleichende Mediatisierung des Alltags und die zunehmende Digitalisierung des Alltags…

Geschenkt! und ein dickes Sorry an alle Profi-Nerds, Kämpfer gegen das Böse im Netz (oder das gute darin?) und Stubenhockermisanthropen, ich bin auch schockiert & ihr habt meine vollste Solidarität!

Es regnet. Dicke kalte Novemberregentropfen. Auf dem Bleidach liegen die verlorengegangenen Blätter der Nachbarsbäume und durch die Altbauwohnung im Hinterhaus geistert der erste kalte Winterhauch. Es ist still.  Nur das gelegentliche Aufblitzen des roten Kontrolllichts der Solaranlage der Nachbarn verrät Leben. Selbst die Krähen und der stets von wilder Neugier und Raublust geplagte Nachbarskater haben es offenbar vorgezogen sich ein trockenes Fleckchen zu suchen. Das nur 20 Meter weiter eine stark befahrene Durchgangsstraße liegt bemerkt man nicht.

Sonntage am Karmelitengarten sind gemein, die Glocken klingeln eine halbe Stunde eher, und da das nächstgelegene vollfunktionsfähigem Geläut nur knappe 100 Meter entfernt steht, heißt das für mich automatisch: Sonntag Auschlafen ist nicht! Stattdessen Milchkaffe und aufgewärmte Butterhörnchen um halb sieben…

Meine Nachbarn sind endlich mit ihrem Dach fertig. Sieht ungewohnt aus. Neu, mit Chromkanten, zweifarbigen Schneefängern, einem Plastikphallus der reichlich unfolkloristisch auf Holzkaminabzug macht und im Mittagslicht reflektierenden Dachrinnen. Ihre mobile Rumpelkammer im Hinterhof haben sie deshalb nicht abgebaut, vermutlich eine Konzession an den Denkmalschutz ?…als kehrwochensozialisierter Schwabe werde ich wohl nie vollständig verstehen, wie Franken völlig ungerührt riskieren, dass ein Nachbar ihren „Gruschthaufen“ sehen könnte…

Trotzdem sind sie ja eigentlich ganz nett, die Einheimischen, wenn sie einen so nach zwei bis vier Wochen des Hustens, Schniefens, der Erkältung und des Fiebers, kurz: kurz vor dem finalen Exitus dann doch mal fragen, warum man denn ausgerechnet heut so schlecht aussehen würde…Und danke, Hühnersuppe aus dem krähenden Eigenanbau mit obskuren Zuckerkügelchen hilft da nicht wirklich…außer ihr wärt so nett, den Hahn in einem heidnischen Ritual zu opfern und das Kloster endgültig in eine Wellnesslandschaft umzuwandeln (sie sind dabei, ein Hotel ist schon drinn…)…Leider ist auch mein neugierig-panischer Nachbarskater wesentlich mehr an Pommes Frittes, Dönerspezialsauce und Hausmacherleberwurst, als an Federvieh interessiert…und ja, er kann (!) den Kühlschrank aufmachen, mag aber nicht, wenn ihm dabei eine eisgekühlte Gurke auf den Kopf fällt! Überlege gerade ob ich ihn in „Obama“ umbenenne. Vermutlich steckte er hinter der Präventivflyeraktion: „Kein Lärm am Kaulberg!“ Und überhaupt, diese Veranstaltungen, ständig jugendliche Komasäfer, und erst dieser allgemeine moralische Verfall der Jugend! (Nicht das wir hier irgendwas davon mitbekämen, hier giebt’s nur BWLer in billigen Lederhosen, die  im Vollsuff nach dem 14. Bockbieranstich gegen das frischgestrichene Garagentor urinieren. Da kann man dann als entrüsteter Wutbürger der hauptberuflich für das Aufhängen von „Prozesionsfahnen„, die Wahrung des „guten christlichen Andachtsbildes“ und gegen die „Bamberger Mauer“ einsetzt, schonmal Überwachungskameras an Wildpinklerstellen und präventive Starkstromleitungen marke „Bullenzaun“ fordern… Wie viele von den „Absurdbürgern„, die sich fleißig mit liebevoll gestallteten Verbotszetteln an den Pinwänden des „1. Innenstadthearings“ beteiligten wohl von hier oben kamen? Je ruhiger das Leben, desto größer das Luxusproblem…Habe gerade das sehr stereotype Bild eines eplanten Werbefilms für die Genussregion Oberfranken vor mir zweier Saidlaschwingender Vollfranken vor mir, die in einem indischen Slum nach dem nächsten Keller fragen und am Ende tatsächlich in einem „Aecht Deutschländer-Kerwa“ mit passender Vollplastikbestuhlung landen (Bollywood sei dank wissen wir alle, wie leicht so etwas im realen Leben möglich ist! Ich sage nur der „Eacht Szwartzwälder Biergarten“ zwischen der Wanfujing und dem Kaiserpalast in Peking! …Und dank kürzlicher Expedition ins land der nichtmehrganzsobefreundeten Westbarbaren wissen wir auch im Facebookfreundeskreis, dass es leichter ist ein Spezial Weißbier in einem US-amerikanischen Supermarkt zu bekommen als hier…

Aber eigentlich sind sie ja garnicht so, die Menschen am Kaulberg. Vor allem dann nicht, wenn sie mit gezücktem Kuchenmesser hinter mir herrennen (der Kleine Blonde von der Bäckerei fand, das sei ein ganz tolles Spiel), Sonntags morgends um halb acht mit dem Laubsauger durch ihre Gärten spazieren, tagelang mit dem echt antiken Benzinmotorbetriebenen Rasenmäher Marke „Trommelfellbeißer“ liebevoll ihr englisches Grün pflegen, ihren Nachwuchs brüllend in, oder aus den Apfelbäumen jagen oder nachts um drei als verschwörerische Elfen Gongs schwingend und Mantras singend durch die Gärten huschen (well, sowas kommt in einem ökologischen Mehrgenerationenprojekt in der Nachbarschaft eben vor…).

Und ja, ich liebe Euch Alle! Und ja, ich liebe auch die tägliche Absurdität meiner fränkischen Kleinstadtheimat!…bedankt euch beim Wetter!