Adventskalender 2014 – 10. Türchen – Von Baupfusch und Orientierungsmangel – oder: Warum man sein Haus besser nicht von Engeln transportieren lassen sollte…

Engel

Engel

Jetzt sitzen sie wieder auf den Tannenspitzen, lugen von Fenstersimsen und lächeln von Giebeln und Dächern: Engel! Sie gehören zur Weihnachtszeit wie Stollen und Marzipan und sind mindestens so schön wie Springerle und Glühweinsorbet!

Aber habt ihr Euch je gefragt, ob sich Engel wohl öfter verfliegen, wenn sie Häuser transportieren?

Ich weiß, Ich weiß – das ist wieder eine dieser abstrusen Fragen, die sich nur ein ausgebildeter Geisteswissenschaftler stellen kann, dessen katholische Großmutter ihm als Kind ein bisschen zu viel aus diversen Heiligenlexika und anderen Mirakelbüchern vorgelesen hat…

Aber mal im Ernst, wir haben heute den 10. Dezember und es gibt in Italien tatsächlich einen garnicht so unbedeutenden Wallfahrtsort namens Loreto an dem die Menschen heute die – leicht verunglückte – Übertragung des Geburtshauses Mariens aus Nazareth nach Mittelitalien im Jahr 1291 feiern.

Irgendwas muss damals beim Abbau und mit dem Lieferschein nicht so ganz geklappt haben, denn das Haus landete samt Engeln erstmal in Trsat bei Rijeka im heutigen Kroatien. Erst drei Jahre später fiel dann irgendjemand im Stabsbüro der Himmlischen Heerscharen das „kleine“ Missgeschick auf und das Häuschen wurde abermals von Engeln in die Höhe gehoben, flog bei Nacht und Nebel über die Adria und stand am Morgen des 10. Dezember 1291 im kleinen Ort Loreto in der Nähe von Ancona. Ob die Engel damit eigentlich nach Rom wollten und es – so ein Haus hat immerhin ein ziemliches Gewicht – vor lauter Weihnachtsvorfreude einfach nicht mehr „verheben“ konnten, wie man im schwäbischen so schön sagt, oder ob das Häuschen von anfang an für Loreto bestimmt war, lässt sich aufgrund der himmlischen Kommunikationssperre in derartigen Dingen leider nicht mit Gewissheit sagen. Sicher ist nur, dass das Häußchen danach nicht mehr weitergeflogen ist, und es noch heute mitten drinn in der riesigen drumherumgebautem  Basilika von Loreto steht.

Und weil es schon damals einige Zweifler an dem himmlischen Schwarzbau auf der grünen Wiese gegeben hat, und weil beim Transport außerdem dummerweise das Fundament nicht mitgeliefert wurde, sind doch tatsächlich gleich 16 Bürger Loretos in das damals frisch von den Sarazenen zurückbesetzte Nazareth gefahren und siehe da: sie fanden dort tatsächlich das vom englischen Umzugstrupp vergessene Fundament des Häuschens – geschickterweise lag auch gleich eine Inschriftentafel mit der Information, dass das Häuschen auf unerklärliche Weise verschwunden sei dabei.

Schnöder Baustoffraub, Erdbeben oder Wunder – Ihr dürft Euch jetzt selber aussuchen, was ihr glaubt, eine Reise nach Loreto lohnt sich auch ohne himmlischen Zustellungsmalheur, aber ich fand die Geschichte vom fliegenden Häusschen und den leicht orientierungsgestörten Engeln jetzt einfach zu nett, um sie Euch nicht zu erzählen!

 

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Schnee

Schneeflöckchen, Weißröckchen…

Ich bin fasziniert von Schnee!

Glühwein, eine warme Decke, das heimelige Knistern des Kaminfeuers und der fröhliche Tanz der eisigen Flocken vor meinem Fenster…Auch wenn ich mich mit dem folgenden Statement vermutlich bei der Hälfte der Menschheit ungläubiges Kopfschütteln hervorrufe:

Für mich könnte das Ganze Jahr Winter sein!

Richtiger Winter! Der mit zwei Metern Schnee, minus 25 Grad, gesperrten Straßen, um die Ecke pfeifenden Schneestürmen und Schlittschuhlaufen auf zugefrorenen Seen ohne die nagende Sorge, dass das Eis doch zu dünn sein könnte; Kalter, vor Frost klirrender Winter, Nicht die mediteran-durchfeuchtete Dauermisere der letzten Jahre!

Bis heute treibt mir der Gedanke an nubuklederfarbene Börsengurus und zarte Röstaromen verströmende Damen der besseren Gesellschaft, die sich freiwillig der Tortur eines UV-Sonnenbades unterziehen und sich dabei auch noch nach der schweißtreibenden Hitze der Südtürkei im August zurücksehenen zarte Eissschauer über den Rücken. Lästige Zugverspätungen, das allmorgendliche Schneeschippen und die horrend steigenden Heizkosten, was ist das alles gegen das wunderbare Gefühl über frisch gefallenen Schnee zu schweben?

Wahrscheinlich ist an mir ein echter Sami, Tunguse, Inuit oder gar eine bisher unbekannte europäische Unterart des Yeti verlorengegangen.

Sicher, ein Frühlingswald voller blühender Scilla, Schlüsselblumen und Buschwindrößchen, duch die silbrige Gischt eines Viermasters springende Delphine im hochsommerlichen Azur des  Mittelmeers oder die funkensprühende herbstliche Farbenpracht der gemäßigten Zonen, sie alle haben ihren je ganz eigenen Reiz, und auch der Anblick einer seltenen Orchidee oder lianenumrankter Tempel mitten im dampfenden Dschungel gehört zu jenen tiefbewegenden Traumbildern deren Verlust das Leben sehr viel ärmer machen würde…aber an das still vor sich hin funkelde Wunder einer polaren Vollmondnacht reicht nichts davon heran!

Willkommen Schneeflöckchen und hüt mir die Blumen!