Adventskalender 2014 – 13. Türchen – Sancta Lucia, oder vom Licht in der Finsternis…(Aus dem Archiv)

lux in tenebris

Wer jemals am 13. Dezember in Schweden war wird den mystischen Anblick von jungen Mädchen die im Gedenken an die Heilige Lucia auf ihrem Kopf eine Krone aus Buchsbaumzweigen und brennenden Kerzen durch das morgendliche Halbdunkel tragen so schnell nicht vergessen.

Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. 1582 der aufgrund des im Vergleich zum Sonnenjahr zu „langen“ Julianischen Kalenders 10 Tage „ausfallen“ ließ (s. Anm.1) war der Lucientag gleichzeitig auch Mitwintertag. Aus diesem Grund wurden und werden an Skt. Lucien auch zahlreiche Rituale gepflegt, die mehr mit dem symbolischen „Sterben“ des Alten und „Wiederbeginn“ des Neuen Jahres und weniger mit der „Heiligen vom Unbesiegbaren Leben“( s. Anm. 2) zu tun haben.

Neben den Kerzenkronen welche – ähnlich wie die Lichter des Weihnachtsbaums oder des Adventskranzes – Christus und damit das (wiederbeginnende) „Licht in der Dunkelheit“ repräsentieren, gehört zu diesen „Bräuchen des Jahreswechsels“ auch noch der sogenannte „Lucienweizen“.

Man stellt eine Kerze in eine kleine Schüssel, gibt etwas Wasser, Erde oder Watte und einige Weizenkörner hinzu und wartet, bis sie an Weihnachten in etwa Handspannenhöhe erreicht haben,. Gelingt dies, wird die Kerze entzündet; danach lässt man die Keimlinge verdorren(damit sind ähnliche Orakel wie mit den Barbarazweigen (s. 4. Türchen) verbunden). Bemerkenswert an dem Brauch ist seine hohe Ähnlichkeit mit antiken „Adonisgärtlein“ (Adonis war ursprünglich ein aus Vorderasien stammender Vegetationsgott der im griechischen Pantheon gleichzeitig Gott der (männlichen) Schönheit war, das Keimen und Vergehen des Weizens symbolisierte das Werden und Vergehen der Pflanzen und den Lauf der Jahreszeiten). Auch zum kurdischen und persischen Neujahrsfest werden Weizenkeime ausgesät. Sie sollen Glück, Kraft und Erfolg im Neuen Jahr bringen, aber auch an die Vergänglichkeit des Seins erinnern.

Ein schöner Brauch, weil er einen mitten in Schnee und Eis an den bevorstehenden Frühling erinnert und gleichzeitig mahnt sich nicht immer so wichtig zu nehmen.

Kαὶ τὸ φῶς ἐν τῇ σκοτίᾳ φαίνει, καὶ ἡ σκοτία αὐτὸ οὐ κατέλαβεν

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.

(Joh 1, 5)

Anm. 1) Auf den 4. folgte der 15. Oktober 1582; Es dauerte jedoch bis 1949 bis dieser Kalender weltweit angenommen wurde.
Anm. 2) Die Heilige Lucia überstand gleich mehrere Martyrien, weder das Übergießen mit Siedendem Öl noch ein in den Hals gerammtes Schwert vermochten sie zu töten und auch die Übersendung ihrer Augen – laut einer Variante ihrer Heiligenlegende hatte sie sich die Augen selbst herausgerissen, was sie zur Patronin bei Augenleiden und Fehlsichtigkeiten macht  – an ihren ungeliebten Verlobten vermochten sie nicht zu töten…sorry, aber katholische Märtyrerlegenden sind nun mal  per se latent blutig und nicht unbedingt kindgeeignet ;-(

Adventskalender 2014 – 5. Türchen – Warum in meiner Krippe Affen, Schildkröten und ein wilder Eber hausen…

Peruanische Weihnachtskrippe

Peruanische Weihnachtskrippe

Wisst ihr noch, wie es damals am heiligen Abend war, als man mit vier oder fünf Jahren noch an das Christkind und/oder den Weihnachtsmann glaubte und es garnicht erwarten konnte bis endlich ein kleines Glöcklein erklang und man in das Zimmer mit dem Chrisbaum und der Krippe durfte?
Eigendlich hatten sich meine Eltern ausgedacht, dass wir Kinder in der Woche vor Weihnachten überhaupt nicht ins Wohnzimmer sollten, weil dort angeblich das Christkind dabei war den Weihnachtsbaum zu schmücken und – viel wichtiger – unsere Geschenke einzupacken, und wenn wir es dabei stören würden, würde es nichts geben…well so ganz geglaubt haben ich und mein Bruder das glaube ich damals schon nicht, schließlich waren wir nicht auf den Kopf gefallen (na ja, mein Bruder manchmal schon, aber das ist eine andere Geschichte und hat viel mit Obstbäumen und Skifahren ohne wirklich Bremsen zu können zu tun) und konnten uns halbwegs ausrechnen, dass der Christbaum vom Chrisbaumverkauf und die vielen Bunden Geschenke vom Weihnachtsmarkt nicht von irgendwelchen Engeln auf die Autodächer geschnallt und in den Kofferaum gelegt wurden und nach Hause gefahren wurden…

Trotzdem trotteten wir bis weit in die Grundschulzeit hinein jedes Jahr brav hinter meinen Großeltern in den damals noch tief verschneiten Wald und positionierten unsere Wunschzettel ans Christkind in einem Vogelhäuschen, dass rein zufällig nur wenige dutzend Meter vom Waldrand entfernt über der Lieblingsbank meines Großvaters hing.

Nebenbei gesagt war mein Großvater – wie übrigens auch unsere Kindergartentanten und Grundschullehrerinnen – nicht ganz unschuldig, dass wir schon ziemlich früh nicht mehr so ganz an die Geschichte mit dem Christkind und dem Weihnachtsmann glaubten*.

Grund dafür war, dass alle eine ausgeprägte Vorliebe dafür teilten, irgendwelche kleineren oder größeren Krippen zu basteln. Erst aus Papier und mit Fingerfarben, dann durften wir unsere ersten Tonkrippenfiguren kneten (das meine ich jetzt ganz wortwörtlich) und als diese dann fertig gebrannt und bemalt waren brauchten die natürlich auch eine echt schwäbische Krippe mit Stall und allem sonstigen Bremborium (das ist vermutlich der Grund, weshalb zwar Maria und Josef mitsamt dem Jesuskindlein und einem Schaf heute hart gebrannt sind, Ochs und Esel, der Hirte, die restlichen Schafe, ein Hund und vor allem die heiligen Drei Könige aber nicht – was heißt, dass diese im Laufe der Jahre x-mal geklebt werden mussten).

Wirklich ins Grübeln gebracht hat uns aber die Mammutaufgabe des Krippenbaus, derer sich selbstverständlich mein Großvater mitsamt seiner ziemlich Umfangreichen Werkstatt im Ölkeller annahm. Eigentlich durften wir da ja nicht rein…wegen der Explosionsgefahr…und wer uns zwei Racker kannte, der weiß dass wir durchaus auch auf die Idee hätten kommen können versuchsweise auszuprobieren ob man den Öltank nicht mit der Bohrmaschine, der Flex, oder dem Stemmeisen aufbekommt…Well, ich und mein Bruder leben noch, ich nehme also an, dass wir das nicht wirklich ernsthaft ausprobiert haben…

Kurz, es wurde geschnitzt, genagelt, geschraubt, kleine Schuppen von Fichtenzapfen als Dachziegel aufgeklebt und gemalt…Und tatsächlich wurde das Meisterwerk, wenn auch erst zwei Jahre später,  tatsächlich vollendet – Inklusive Riesenbatterie und winziger Laterne mit noch winzigeren Birnchen. Dass das Ganze ein wenig zu klein für die Tonfiguren ausgefallen ist, liegt ganz bestimmt nicht drann, dass sich mein Großvater eventuell vermessen hat…das war eindeutig das Christkind, das, weil mein Bruder und ich immer ins Weihnachtszimmer geschlichen sind und die dort aufbewahrten Weihnachtsbrötchen gegessen haben, zur Strafe unsere Krippe geschrumpft hat!.

Ja, und da steht sie nun, neben unseren 5 anderen Krippen (inzwischen haben wir glaub noch mehr, wenn man die in divesen  Streichholzschachteln, Kürbissen, Glaskugeln etc. mitzählt…)…Ich werd sie auch dieses Jahr wieder bei meinen Eltern aufbauen, vorrausgesetzt es findet sich noch ein Plätzchen…

Jahre später – ich hatte gerade zu studieren begonnen – habe ich dann zufälligerweise ein Gespräch zweier Verkäuferinnen im Dritte Welt Laden (der hieß damals wirklich noch so) angehört. Sie hatten ein garnicht so kleines Problem: Irgendeine ihrer gutmeinenden Kolleginnen hatte nämlich eine das gesamte linke Schaufenster ausfüllende Peruanische Krippenszene aus ca. 30 cm hohen Tonfiguren zum weiterverkauf erstanden…und die blockierte jetzt schon seit über 4 Jahren zu jedem Weihnachtsfest das Schaufenster, weil sie niemand kaufen wollte. Die Krippe hatte nämlich zwei Probleme: a) war sie fürchterlich teuer und b) sah sie einfach überhaupt nicht so aus, wie ein normaler oberfränkischer Käufer sich eine Krippe vorstellt. Es gab zwar einen Engel, aber der fasste sich an die Brüste, Maria und Josef und ein Esel waren mit Müh und Not auch noch irgendwie am Hirtenstab den Zöpfen und den Langen Ohren zu erkennen, aber der Rest? Irgendwie waren die Heiligen Drei Könige und Hirten zu kleinen Inkas mutiert, die Fische, Chilischoten, Bananen, Schildkröten und sogar Affen anschleppten. Am schlimmsten aber war, dass der Ochse, dieses vertraute dummtreue Tier aus der oberammergauer Hirtenidylle aus unerfindlichen Gründen zu einem fetten, grimmig dreinblickenden Eber mit riesigen Stoßzähnen mutiert war. Das mag ja in Peru so üblich sein, aber unter dem eigenen Christbaum wollte das ganz offensichtlich kein Bamberger haben…

…und so stand sie nun da, die peruanische Monsterkrippe, und stand, und stand und stand…Nach der Lautstärke ihres Gesprächs war es den Verkäuferinnen im Jahr als ich zu studieren anfing offensichtlich endgültig zu bunt geworden und sie beschlossen, während ich nach biologischdynamischsozialgerechter Schokolade suchte, dass Ding loszuwerden – egal zu welchem Preis!

Als Schwabe mit einem ausgesprochenen Faible für kuriose Krippendarstellungen habe ich mir das natürlich nicht zweimal sagen lassen – und ganz beiläufig gemeint, dass ich sie – aus reiner Herzensgüte – für einen Fünfziger von dem Ding erlösen würde…Das war ungefähr ein fünftel dessen, was die Krippe eigentlich kosten sollte und ehrlichgesagt nicht ganz ernst gemeint.

Und dann geschah das Wunder: Offensichtlich hatten die Verkäuferinnen nicht damit gerechnet die Krippe des Schreckens – wie sie in Bamberger Gutmenschenkreisen inzwischen hieß – jemals wieder loszuwerden, schon garnicht für Geld…und sie fingen an zu jauchzen und zu jubilieren, mich als ihren Retter zu preisen und eine Geschäftigkeit zu entwickeln, wie sie selbst die Himmlischen Heerscharen beim großen Gloria in excelsis nicht entwickelt haben…Da wurde eingepackt und verstaut, nach Bananenkisten gesucht und ganz schnell die Kasse aufgeschlossen und kassiert, bevor der Verrückte der sich ernsthaft eine Peruanische Horrorkrippe unter den Christbaum stellen wollte es sich doch noch im letzten Augenblick anders überlegt hat…Ja ich krigte meine Tafel Schokolade sogar noch umsonst obendrauf und eine Gratisprobe Apfelsinen aus Equador gabs auch noch obendrauf!

Uns so stehen sie nun seit Jahren bei mir, die wackeren kleinen Peruaner mit ihren Affen, Schildkröten, Fischen, Chilischoten, dem Monsterschwein und dem sich vor lauter weihnachtlicher Wonne an die Brüste greifenden Engel.

Ich mag sie – und manche Gäste sind, nachdem sie sich nach dem ersten Schreck wieder eingekriegt haben, sogar ein bisschen neidisch, dass ich eine so ungewöhnliche, große und teure Krippe mein Eigen nenne…

 

*Wir haben aber trotzdem mitgespielt, schließlich machte das unseren Eltern einen Heidenspaß uns angeblich an der Nase herumzuführen – und warum soll man den den Erwachsenen als Kind nicht auch mal gönnen.

Weihnachtsbaum vorraus!

Weihnachtsbaum voraus!Ist es eine optische Täuschung, oder tanzen hinter meinem Computerbildschirm tatsächlich die ersten Schneeflocken des Jahres? Ein morgendlicher Blick auf die letzten in der Sonne schwankenden rosa Geranien im Blumenkasten täuschte Septemberwäre vor, doch spätestens ein Schwenk auf die kahl in den Himmel ragenden Äste des Apfelbaums daneben genügte um diese Illusion zu zerstreuen. Der heißere Dialekt der Saatkrähen verschiebt meinen inneren Kalender auf Ende November, auf den Dächern liegt Reif und gegen Nachmittag kapituliert selbst der stets neugierig vor meinem Schreibtischfenster lauernde Nachbarskater vor den ersten Schneeflocken. Zu Kalt!

Wundert es da noch einen, wenn ich heute Vormittag spontan beschlossen habe, dass es endlich Zeit wird, meine Kümmerkonifere wie in jedem Jahr in einen Hofweihnachtsbaum zu verwandeln, den Adventskalender auszumotten und dicke Watteschneeflocken an die Fenster zu hängen?

Weihnachten kann kommen, aber bitte noch nicht so schnell…Deshalb bleibt die Christbaumspitze auch vorerst eingepackt…

23. Türchen: Weihnachten und anderee Naturgewalten

neige

Stress, Unlust, Überdruss.

Die letzten Tage vor dem Fest der Feste könnte man für die meisten von uns vermutlich aus dem Kalender streichen.

Könnte, denn was wäre Weihnachten ohne den vorwurfsvollen Blick von Frau, wenn Mann wieder einmal einen zu großen, kleinen, schiefen oder zu geraden Baum mitgebracht hätte? Was wäre das Fest der Liebe ohne die bange Frage ob das lieblos ausgewählte Geschenk, die Chancen auf das Erbe von Onkel Theodor wirklich verbessert. Und was würden wir in der staden Zeit bloß ohne all die Parfümpröbchen, Spendenaufrufe und moralinsauren Sonntagspredigten tun?

Was, wenn es über die Weihnachtszeit ausnahmsweise keinen Streit gäbe, was wenn wir uns nicht verpflichtet fühlten, uns pünklich zum 24. Dezember mit ebenso ungeliebten wie nervigen Personen zu umgeben und Menschen Fröhliche Feiertage und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen, die wir allenfalls aus Berechnung, nicht aber aus echtem Interesse unserer Aufmerksamkeit für würdig erachten?

Was, wenn wir wirklich einmal die alljährliche Drohung wahrmachenn und Weihnachten tatsächlich ausfallen ließen?

Wäre es wirklich so schlimm, allein und ohne Weihnachtsbaum bei einem guten Gläschen Wein und etwas Seranoschinken vor der Glotze zu sitzen und die Welt und ihrem infantilen Weihnachtsrausch den Rücken zuzukehren?

Vermutlich würde es uns nicht gelingen. Wir hätten ein spätestens gegen fünf Uhr einschlechtes Gewissen, würden uns unwohl fühlen unruhig wie ein Panter hin und herlaufen und irgendwann würden uns zwei Dutzend Kinderchöre davon überzeugt, dass irgendetwas ganz und garnicht stimmt.

Ich habe in meinem Leben genug  traurige Gestalten mit feuchten Augen am mit Plastikchristbäumen geschmückten Kneipentresen eines x-beliebigen Tropenmotels sitzen sehen um die Unentrinnbarkeit des Weihnachtsfestes zu leugnen. Endfünfziger, die sich nach Scheidung und Nachlassen der eigenen Potenz spätestens Ende November nach Puket oder Koh Samui flüchten und sich nicht vor Mitte Januar in die Gefilde des Weihnachtsmannes zurücktrauen, aus Angst vielleicht doch feststellen zu müssen, dass es wichtigeres gibt als Sex, Drugs and Rockn`Roll (ganz abgesehen davon, dass nur wenige zum Rockstar geboren sind…bei allen anderen wirkt’s verzweifelt…sorry…)

Weihnachten kann man nicht entfliehen. Es ist im Zeitalter der Globalisierung zu einer Naturgewalt mutiert, die uns bis in die funkelnden Hochhausschluchten von Hong Kong, den Dschungel von Brasilien und ins Südseekönigreich Tonga verfolgt.

Vielleicht besinnen wir uns ja eines Tages wirklich wieder darauf, dass es bei Weihnachten ursprünglich weder um Familie, Glühwein, Kommerz, Liebe, Harmonie oder sonst irgendeinen süßlichen Werbezuckerguss ging. Es ist natürlich  schön, wenn’s mit den ganzen stereotypen Vorstellungen von weißen Tannenspitzen, Eiszapfen, Weihanachtsliedern und trauter Idylle trotzdem klappt, wenn nicht…sei`s drumm…Weihnachten findet auch so statt, für jeden und ganz egal ob er nun darauf Bock hat, oder nicht. Und das ist sehr gut so!