Von Herrgottsbscheißerlen und Raviolen oder: Versuch eines fast perfekten Karfreitagsessens

Raviolen mit Kräuter Avocado-Füllung an süßem Tomatensugo

Raviolen mit Kräuter Avocado-Füllung an süßem Tomatensugo

Raviolen mit Kräuter-Avocado-Füllung an süßem Tomatensugo – ein (fast) perfektes Karfreitagsgericht

Manchmal entstehen die besten Dinge, wenn man vergessen hat einzukaufen. Zugegeben, da kribbelte eine leichte Ahnung in meinem Hinterkopf, dass die Geschäfte am morgigen Karfreitag eventuell geschlossen haben würden, aber wie das Leben oder eben die seltsamen Tiefen meines Unterbewussten so spielen, habe ich diese Information schlichtweg ausgeblendet, bzw. mich in schlichtem Gottvertrauen darauf verlassen, dass sich wohl noch die eine oder andere Zutat in meiner Küche würde finden lassen um daraus irgendetwas essbares zu zaubern.

Well…

Als ich dann heute Mittag meine Regale durchforstete fand sich da nicht viel mehr, als ein paar Zwiebeln, eine halbe Knoblauchknolle, Eier, etwas Butter, Zucker, eine überreife aber noch nicht schimmlige Avocado (also genau in dem Zustand, wie man sie eigentlich immer essen sollte) und etwas Gries, dazu noch ein paar Gewürze…nicht eben viel um daraus ein halbwegs vernünftiges Essen zu zaubern…oder doch? Vermutlich würden sämtliche Köche und Köchinnen in den Hungergebieten dieser Welt ob eines derart verschwenderischen Überflusses in reinstes Frohlocken ausbrechen…aber ich bin eben Europäer und daher vielleicht ein ganz klein wenig verwöhnt was das Vorhandensein gewisser „unentbehrlicher Grundzutaten“ angeht…

Glücklicherweise verfüge ich hier noch über so etwas ähnliches wie einen begrünten Innenhof mit ein paar Töpfen in denen alle möglichen eigentlich absolut nicht zueinander passenden Kräuter still vor sich hinwuchern…Estragon, Ruccula, Schnittlauch, Thymian, Minze und Melisse…

Obwohl man ja an Karfreitag fasten soll (ich habe immerhin mein Frühstück zugunsten eines Milchkaffees ausfallen lassen…das langt!) meldete sich beim Gang durch den „Garten“ das wohlvertraute Grummeln von Herrn Hunger.

Was tun?

Erstmal in guter alter Jäger- und Sammlermanier alles einsammeln, was sich eventuell zu „Nahrung“ umwandeln lässt (prinzipiell hat sich daran seit gut drei Millionen Jahren nichts geändert, nur dass wir heute Supermärkte haben, die aber leider aufgrund nicht nachvollziehbarer tradiert-religiöser Empfindlichkeiten an Karfreitag eben geschlossen sind).

Gut denn…Mehl, Ei und Gries…ergibt Nudelteig, nicht ganz koscher für einen Fastentag, aber wozu haben die Schwaben das „Hergottsbscheißerle“ (schwäbisch für Maultasche oder Ravioli) schließlich erfunden.

Fehlt noch eine Füllung und eine Sauce…ähm Sugo…wenn wir schon den Herrgott austricksen dann italiensch mit Ravioln und die brauchen eine ordentliche Füllung, und wenn wir schon dabei sind, irgendetwas salattechnisches wäre auch nicht schlecht, wir leben schließlich im Zeitalter der Gesundheitsapostel:

Also Kräuter und Knoblauch kleingeschnippelt, die Hälfte der Avocado dazu und alles mit etwas Salz, Pfeffer und Muskat (der fand sich auch noch irgendwo) zu einer Farce verrührt.

Teig ausgerollt, Füllung plaziert und nach dem Motto „Wenn man sich schon mal die Fieselei macht…“ allerlei lustige Italienische Teigwaren geformt (dreieckige- runde- quadratische- Ravioli und sogar drei Tortelini (die nichts anderes sind als dreieckige Ravioli mit nem Knick und nem Knoten drinn…)) und ins heiße Wasser geworfen.

Solang das Ganze gemütlich vor sich hinköchelt, die Tomaten kleinschnibbeln, aus einer Hälfte mit etwas Butter (Gott sieht nicht alles ;-), zumindest meiner nicht!)m, Öl, Essig, Zucker und Berberitzen (die liegen bei mir in Erwartung des Jünsten Tages seltsamerweise immer irgendwo rum…) und einer feingeschnippelten Zwiebel sowie ein paar Gewürzen und einen wirklich winzigen Schluck Weißwein eine süße Sauce…ähm Sugo…gezaubert, flugs die andre Hälfte der Avocado mit den Tomaten und dem Rest der Zwiebelwürfel, etwas Salz, Essig, Öl, Kräutern und Liebe vermischt…und fertig ist das (fast) perfekte Karfreitagsessen!

 

Frohe Ostern!

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Ghori Yoshd – die afghanische Alternative zu Schäuferla, Schnitzel und Co.!

Ghori Yoshd

Ghori Yoshd

(Gemüse-Eintopf auf afghanische Art)

Für 4 Personen:

3-4 Eßl. Sonnenblumen- oder Rapsöl

4 mittelgroße Kartoffeln

1 rote Paprika

2 mittelgroße Zwiebeln

½-1 Hand voll getrocknete rote! Berberitzen (ergeben einen fein-säuerlichen Geschmack), Vorsicht: die häufig angebotenen braunen oder schwarzen Berberitzen sind zumeist stark geräuchert und für dieses Gericht vollkommen ungeeignet.

1 Limone frisch (im Original 3-4 getrocknete Limonen)

1 Hand voll Mandeln, ungeschält

200 gr Butter (wer’s herzhafter will: Butterschmalz oder Ghee)

Wasser

4 Eßl. Madras-Curry (leicht scharf)

1 Eßl. Paprikapulver (je nach Geschmack mild oder scharf)

Pfeffer, Salz, Muskat, Zimt

1 -2 Tassen Joghurt (im Original von Ziege oder Schaf, alternativ etwas Ayran (leicht säuerlich), wenn dieser verwendet wird etwas weniger Salz hinzugeben)

Je nach Geschmack 1-2 Eßl. Semmelbrösel

1 Knoblauchzehe

1 Eßl. fein gewürfelter Ingwer

Beilagen:

Basmatireis, mit Butter und Safran gekocht

Chapatis

Zubereitung:

Die Originale Zubereitung erfolgt in einem irdenen oder blechernen Topf, welcher über Nacht in die Glut eines erlöschenden Feuers gestellt, und mit Asche abgedeckt wird. Alternativ kann das Gericht in einem Schmortopf (hierfür einfach alle Zutaten zusammen in einen Schmortopf geben und ca. 2-3 Stunden bei mittlerer Hitze (ca. 160-180°C) ins Ofenrohr geben, ggf. nachsehen ob Flüssigkeit benötigt wird , damit nichts ansetzt gelegentlich umrühren).

Die Zubereitung auf dem Herd erfolgt wie folgt:

Öl in einer Pfanne erhitzen, währenddessen ungeschälte Mandeln grob würfeln und anbräunen. Kartoffeln, Paprika und Zwiebeln säubern, in grobe Stücke schneiden und in die Pfanne geben. Gegen Ende des Anbräunens fein geschnittenen Knoblauch und Ingwer hinzugeben. Mit Wasser bedecken. Joghurt, Butter (Butterschmalz, Ghee), Berberizen, 1-2 Eßl Semmelbrösel (gibt eine noch cremigere Konsistenz und spart Joghurt) und Gewürze hinzugeben.Geriebene Schale der Limone hinzugeben, Saft der Limone auspressen und hinzugeben, die ausgedrückte Limone mitkochen (alternativ kann man 3 -4 aufgeschnittene getrocknete Limonen mitkochen, diese sind in Nordeuropa jedoch sehr schwer aufzutreiben und müssen ggf. vorher eingeweicht werden). Gericht langsam einkochen lassen bis Kartoffeln gar sind. Bei Bedarf noch etwas Wasser hinzugeben.

Als Beilagen werden mit Safran und Butter gekochter Basmatieis (dieser sollte im Optimalfall am Boden eine leicht braune Kruste aufweisen…dies erfordert etwas Übung, auf 1 Tasse Reis kommen Tassen Wasser und ein großes Stück Butter, die Kochtemperatur sollte gegen Ende leicht reduziert werden, damit die Kruste nicht anbrennt!) und Chapatis (kleine Pfannkuchen aus etw. Öl, Mehl, Salz und Wasser) gereicht.

…so ich hoff ich hab jetzt nix wichtiges vergessen…wer will kann auch noch ein paar Karotten, Auberginen, etwas Schwarz- oder Kreuzkümmel (im Curry meistens eh schon drinn) o.ä. hinzugeben.

Guten Appetit!