Ich bin dann mal weg – Do’s and Don’ts im…Elsaß

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Strassbourg bei Nacht

Deutsch/Französisch oder Französisch/Deutsch…oder doch Englisch – (Mehr als) nur eine Frage der Reihenfolge!

Bonjour!“
Tut mir leid, geliebte Mit-Teutonen, soviel romanisches Sprachvorspiel muss im Elsaß einfach sein! Schließlich gehört der (oder doch das?) Elsaß seit nicht ganz so kurzer Zeit zur Grande Nation. Und auch und gerade weil einem auf Orts- und Straßenschildern des öfteren recht „deutsch“ anmutende Namen entgegengrüßen, ist das noch lange kein Grund sofort und ungefragt im deutschem Befehlston ins „maison“ zu stapfen und sich darüber zu „echauffieren“, dass die Bedienung im Caffée so grottenschlecht (Hoch-)Deutsch spricht – denn auch wenn sie’s vielleicht nicht (mehr) spricht, verstehen tut sie’s dann doch meist, und man braucht sich dann auch nicht wundern, wenn’s mit dem Cafè au lait etwas länger dauert und vielleicht Salz statt Zucker drinn ist…würd ich jedenfalls so machen!

Ja, wir sprechen schon auch (noch) Deutsch…aber nur, wenn wir wollen!

Will man also bei seinem Elsässischen Gegenüber nicht sofort als der „chaibi Schwôb“ oder – noch schlimmer – als komplett geschichtsignoranter „Bessernazi“* gelten, tut man westlich von Kehl und Freiburg sehr gut daran, eine Konversation erstmal mit den paar Brocken Französisch zu beginnen, die jeder ordentliche Europäer nunmal in seiner DNA gespeichert haben sollte! Alles Andere ergibt sich dann meist von allein…Nur bitte liebe Teutonen, überlasst es gefälligst den Elsässern, wann und ob sie die Sprache wechseln wollen (und können!).

*Internationaler Jugendsprech kann in seiner durchaus beabsichtigten Zweideutigkeit und political incorrectness manchmal so wunderbar eindeutig sein – Der oder die „Bessernazi“ Danke liebe Strasser für dieses wunderbar perfekte Wort, dass sowohl den Deutschen Gutmenschen bzw. Betroffenheitstouri, die dauermaulende Kaffeefahrtoma, wie auch den deutschtümelnden Hooligan auf Auslandstour abdeckt!

Und damit wären wir dann gleich beim zweiten typisch teutonischen faux pas: Längst nicht jeder*e Elsässer*in spricht (noch) Deutsch, und auch nicht (mehr) Elsässisch und ein Gutteil der heute im Elsaß wohnenden Menschen hat das auch nie, weil sie:

A) aus anderen Gegenden Frankreichs , den ehemaligen französischen Kolonien oder sonst irgendwelchen nicht deutschsprachigen Ländern ins Elsaß zugewandert sind und nie Deutsch, geschweigedenn Elsässisch gelernt haben.

oder

B) und das lässt jetzt erahnen wie schwierig und manchmal auch traumatisch schmerzhaft das Thema Deutsche Sprache bzw. Elsässisch im Elsaß sein kann – es nicht lernen und sprechen durften und/oder wollten und manchmal auch aus sehr guten Gründen nie wieder sprechen wollen, obwohl sie es eigentlich könnten…

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Selestat

Die Folge ist, dass Elsässisch und damit indirekt auch (Hoch-)Deutsch – trotz zahlreicher Bemühungen diesen Trend zu stoppen –  im Elsaß weitestgehend eine Sache der Generation 60+ geworden ist und – wenn sich der Trend so fortsetzt wie bisher – als aktiv gesprochenes Idiom in ein oder zwei Generationen weitgehend ausgestorben sein wird.

Verstärkt wird dieser Trend durch die ebenso dumme wie kurzsichtige Ansicht vieler neoliberal denkender Eltern wie Politiker auf beiden Seiten des Rheins, die auf Elternabenden und in programmatischen Sonntagsreden munter fordern, endlich die von De Gaule und Adenauer mit viel Mühe und Herzblut ins Leben gerufenen „Modelschulen“ an denen jeweils die Sprache des Nachbarn als erste Fremdsprache gelehrt wird zugunsten einer ökonomisch angeblich besser „verwertbaren“ früheren Ausbildung in der „Weltsprache“ Englisch und anderen „nützlicheren“ Sprachen abzuschaffen! Natürlich nur, damit ihre Kinder durch das erzwungene Erlernen der „unnützen“ Sprachen Deutsch und Französisch  als erste Frendsprache im globalen Wettbewerb keine Nachteile erdulden müssten…

Oh Herr schmeiß Hirn ra!

Folge: Seit Jahren sinkt die Zahl der Schüler, die die jeweilige Nachbarsprache erlernen kontinuierlich. Und weil man den je anderen nicht versteht, kommt es dann auch gleich noch, wie es kommen muss: man entfremdet sich zunehmend – Europa hin, offene Grenzen her! Wohin dann soviel Ignoranz, Dummheit und Desinteresse führen sollte man gerade beiderseits des Rheins eigentlich besser wissen…aber so ist sie nunmal, die schöne neue globalisierte und durchökonomisierte Welt von heute, in der Englisch alles, die eigene Sprache nichts und die Sprache des Nachbarn „unnütz“ ist…

Und nein ich übertreibe nicht, und es wundert mich auch garnicht mehr, dass es mitten in Basel, Freiburg oder Colmar, Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm und Kehl doch tatsächlich Deutschschweizer, Schwaben, Badener und Elsässer gibt, die alle zusammen ihres gegenseitigen, recht nah verwandten Dialektes (noch!) durchaus mächtig sind, sich aber aus politischer Korrektheit und falschverstandener Weltläufigkeit lieber in grottestschlechtem Englisch unterhalten, anstatt sich verdammt noch mal ihrer gemeinsamen Sprache dem Allemannischen und seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu bedienen!

Gott sei Dank gibt es im Zweifelsfall dann doch noch einen Platz wie das Tomi Ungerer Museum, gleich hinterm ehemaligen Kaiserpalast (heute Palais de la Republique) am Place de la Republique in Straßburg, wo man auf ebenso lehrreich-amüsante wie nachdenkliche-hintergründige Art lernen kann, wie man mit all diesen Be- und Empfindlichkeiten, Ängsten und Elephanten im Deutsch-Französischen Porzellanladen kreativer umgehen kann – anstatt sie einfach totzuschweigen oder unter der fadenscheinigen Decke globaler Denglischphrasen zu verstecken…

Und ja, es lohnt sich davor oder danach auch durchaus, sich die „Mühe“ zu machen, sich die ganze verzwickte Geschichte der Region am Beispiel Straßburgs auch einmal in aller Ruhe via Audioguide gleich hinter der Kathedrale bei einem Rundgang durchs historische Museum der Stadt Straßburg erklären zu lassen. Vielleicht macht’s dann ja bei Einigen Klick und sie sehen die Gebäude des Europäischen Parlaments und Gerichtshof für Menschenrechte am Rande der Straßburger Innenstadt nicht mehr als teure Geldverschwendung und Ort nationalistischer Hahnenkämpfe, sondern als den Ort, an dem gut zwei Dutzend Nationen den – zugegeben nicht immer ganz einfachen – Versuch unternehmen, aus der gemeinsamen Geschichte zu lernen und es irgendwie zu schaffen, dass wir uns nicht wie in der Vergangenheit bei jedem noch so kleinen Konflikt gegenseitig die Köpfe einschlagen, oder Menschen via staatlichen  Unrechtsdekreten vorschreiben, wer oder was sie zu sein und nicht zu sein haben.

Das liebe Geld _ oder: Warum man in Frankreich eine Kreditkarte braucht und nicht darauf spekulieren sollte, seinen 1000 Euroschein einfach mal so bei der Bank umtauschen zu können…

Colmar 2

Colmar

Bargeld

Wer erinnert sich nicht sehnsüchtig an den Moment beim ersten Schüleraustausch, als er nassgeschwitzt, völlig fertig und mit mindestens 400 Kilo Übergepäck verzweifelt auf dem Pariser Gare de l’Est nach einer 10 Francsmünze für den Gepäckwagen suchte…

Inzwischen sind diese Zeiten passé und wir alle zahlen mit dem netten kleinen Ding nabems EURO bei dem ich es auch nach zehn Jahren nicht geschafft habe, 10 und 20 Centstücke sauber zu unterscheiden.

Während nun aber der oder die Durchschnittsdeutsche eine ausgesprochene Vorliebe für Bargeld hat, sieht das bei unseren französischen Geschwistern ein klein wenig anders aus. Im Land von Russeau und Napoleon gilt: L’homme aime sa carte de crédit! oder auf Deutsch: Plastik statt Bares! Das heißt nun nicht, dass man- wie z.B. in Dänemark jedes Croisant und jeden Apfel mit der Plastikkarte bezahlt, aber man sollte eben auch nicht erwarten, dass die Sache mit dem Baren überall (noch) so problemlos funktioniert wie in Deutschland.

Denn spätestens wenn man an einer der (im Elsaß recht seltenen) Autobahnmautstellen steht wird einem dann doch ganz schnell klar: Barzahlung ist hier nicht (na ja, meistens nicht, gelegentlich gibt’s in einer der 15 Durchlässe doch noch ein kleines Kassenhäuschen an dem man mit Cent und Euromünzen (möglichst passend bitte!) zahlen kann, aber verlassen sollte man sich halt nicht darauf, vor allem nicht Nachts) und nein: die normale EC bzw. Girocard der deutschen Hausbank funktioniert hier i.a.R. auch nicht. Man braucht schon eine „echte“ Kreditkarte.

Ansonsten kann’s einem sehr schnell so gehen wie unlängst jenem etwas älteren Ehepaar aus Bergisch-Gladbach, dass es nicht nur fertig brachte, als Wohnwagengespann in das Durchgangstor für Autofahrer zu fahren, nein sie hatten gleich auch noch das für die automatische Zahlung ausgewählt (dazu braucht man eine spezielle Chipkarte, die Deutsche Autos leider nicht serienmäßig eingebaut haben!).

Folge des „kleinen Versehens“ war, dass sie beim Zurücksetzen nicht nur in der zuvor geflissentlich übersehenen Höhenkontrolle steckenblieben, sondern auch gleich die halbe Autobahn vestopft haben. Dass nichts Schlimmeres passiert ist, lag ausschließlich daran, dass ihre französischen Hintermänner das Ganze schon gewöhnt waren und an dieser Mautstation tatsächlich noch ein paar echte Menschen anwesend waren, die ihnen dann beim „umparken“ und „zahlen“ behilflich waren.

Alors, ich schweife ab, oder eigentlich auch nicht…denn was für französische (und damit auch elsässische) Mautstellen gilt, gilt i.a.R. auch für Tankstellen. Während nämlich bargeldlose u. automatische Tankstellen in Deutschland eine recht rare Spezies sind, sind sie in Frankreich eher die Regel. V.a. Nachts und am Wochenende läuft hier ohne Kreditkarte garnix!. Und ja, auch die Parkuhren und Fahrkartenautomaten (und ich vermute neuerdings auch die Gepäckwagen, ich hab schon lang keinen mehr benötigt!) mögen sie am liebsten: La carte plastique! Und nein, längst bei nicht allen lässt sich zusätzlich (noch) Bargeld einwerfen, aber wer die Deutsche Bahn oder die Telekom kennt, weiß auch als Deutscher um das Problem mit dem fehlenden Bargeldeinwurf!

Umtausch großer Geldscheine – Une impossibilité?

Wirklich kompliziert wird es aber, wenn man sich als Deutsche*r einbildet, man müsse seine Reisekasse in realen 200, 500 oder gar 1000 Euroscheinen mit sich herumschleppen. Man glaubt nicht, wie viele Leut das tatsächlich (noch) machen, es könnt ja sein, dass den französischen Bankautomaten plötzlich das Geld aus geht…ja sind wir denn in Griechenland! Wenn man dann auch noch erwartet, dass man diese, wie in Deutschland zumeist üblich, bei jeder Bankfiliale in Kleingeld umtauschen könne, das die Bedienung im Kaffee auch annimmt…

Alas…oder auf Deutsch: Oh weh und Nix da! Zuerstmal besitzt längst nicht jede französische Bankfiliale sowas wie einen „Kassenschalter“ an dem Aus- und Einzahlungen in Bar möglich wären…In aller Regel sind Bankfilialen in Frankreich eher eine Art Versicherungsagentur mit angeschlossenem Bankautomaten (manchmal fehlt sogar der, oder ist irgendwo an der nächsten Straßenecke, wo man ihn als dappiger deutscher Tourist garantiert nicht findet!). Wenn man dann doch mit viel Glück und nach SEHR langem Herumfragen und Suchen eine der mit doppelten Panzerglasschiebetürschleusen gesicherten und in aller Regel irgendwo jenseits der Innenstädte gelegenen „Hauptfilialen“ gefunden hat an denen Barauszahlungen theoretisch möglich sind (hier kann man dann wirklich lernen, wozu der französische Subjonctif so alles gut ist!), wird man sehr schnell feststellen, dass diese sich – wenn überhaupt – nur nach Betätigen eines videoüberwachten Öffungsschalters für handverlesenes Puplikum öffnen, (oft muss man sich, will man zum Kassenschalter, sogar vorher im vorderen Bereich der Bank persönlich und unter Vorlage des Ausweises „anmelden“).

Damit ist dann aber noch lange nicht gesagt, dass man dort sein gottverdammtes deutsches Großgeld auch in Kleingeld umtauschen kann. In aller Regel braucht man dazu nämlich ein Konto bei der betreffenden Bank, und selbst dann wird das Geld zumeist nicht in Bar ausgezahlt, sondern erstmal auf das Konto gutgeschrieben (was je nach Bank gerne mal 1-2 Tage dauern kann, mit Glück geht’s aber auch in 2 Minuten), von dem es dann – in hoffentlich kleineren Scheinen – am Automaten im Vorraum wieder abgehoben werden kann (vorausgesetzt man findet die Funktion zur Scheinauswahl, die ist in Frankreich genauso gut im Menü versteckt wie in Deutschland und garantiert nicht in der Deutschen Übersetzung des Interfaces enthalten!).

Und wer jetzt glaubt, er könne stattdessen einfach so mit einem 200er oder gar 1000er irgendwo bezahlen…Das mag vielleicht irgendwo an der Cote d’Azur gehen, wo man an geldbündelschwingende Russen (oder eben auch Teutonen) gewohnt ist…Im Rest des französischen Binnenlandes ist das aber i.a.R. noch weitaus schwieriger als in Deutschland, da auch hier in den meisten Restaurants, Geschäften und Hotels gilt: Kleinere Beträge gerne in Bar, alles über 50 Euro aber nach Möglichkeit bitte in Plastik, das ist sicherer und nein, wir nehmen leider keine Scheine größer als 50 oder 100 € an und schon garnicht, wenn sie damit ihr Baguett für 1€ zahlen wollen…

Kurz: Wer keine hat möge sich für seinen Frankreichurlaub bitte möglichst schnell eine Kreditkarte zulegen und bitte, bitte keine Geldscheine über 50€ mit sich herumschleppen…man wird sie einfach nicht los, noch nichtmal bei der Bank und wenn man’s trotzdem versucht ist ganz schnell ein halber Urlaubstag mit der Suche nach einer passenden Bankfiliale weg (und das Geld am Ende des gleichen Tages sehr wahrscheinlich immer noch nicht in kleinere Scheine umgetauscht)!

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Blick von der Aussichtsterasse der Vauban-Befestigung auf Strassbourg

Navigation und Straßenverkehr

Ums gleich vorweg zu sagen:

Jedem, aber auch jedem und jeder der oder die nach Frankreich fährt sei dringenst empfohlen sich nicht nur ein funktionierendes (also keines dass nur „Durchfahrtsstraßen“ o.ä. anzeigt) sondern auch ein einigermaßen aktuelles Navigationssystem oder zumindest ein paar wirklich aktuelle Straßenkarten, die auch sämtliche Innenstädte in Großformat und inklusive aller Einbahnstraßen enthalten anzuschaffen…

Der Grund dafür ist ganz einfach:

Frankreich brummt – entgegen aller anderslautenden Gerüchte!

Konkreter: Die Franzosen scheinen gerade auf Teufel komm raus ihre sämtlichen Infrastrukturen reformiern zu wollen und es werden jede Menge neuer Straßen (und Kreisverkehre, Franzosen lieben Kreisverkehre inzwischen noch mehr als die Deutschen, allein schon deshalb, weil sich damit eine neue Attraktion für die ville fleuri verbinden lässt!) gebaut.

Das alles mag dem normalen Navinutzer garnicht auffallen, sollte er oder sie aber mit den „Kastratenprogrammen“ so mancher deutscher Premiummarkenhersteller geschlagen sein, die jenseits der reichsdeutschen Grenzen (sorry, das musste jezt sein!) nur noch die „Durchgangsstraßen“ – sprich meist nur die Autobahnen – anzeigen, sieht das ganz schnell ganz anders aus.

Man mag sich ja irgendwo im allerhintersten Burgund, wo zwischen den zwei Weilerchen Sichtverbindung herrscht und es auch nur genau einen Feldweg gibt noch mit der „großzügigerweise“ in diesen Programmen eingebauten Himmelsrichtungsfunktion orientieren können; Aber schon in der nächsten französischen Kleinstadt funktioniert das garantiert nicht mehr, und zu erwarten, dass man mit so einem Ding jemals wieder aus Strasbourg, Dijon oder gar Paris herausfindet ist einfach nur utopisch…

Der Grund: Noch mehr als ihre Deutschen Kollegen – die Straßen meist irgendwie so planen, dass man relativ problemlos wenden und in die andere Richtung fahren kann, wenn man merkt, dass man falsch ist – lieben Französische Straßenbauer Einbahnstraßenkreisverkehrsregelungen, die sie zu allem Ungemach dann auch noch sehr gerne mit Sackgassen (die nicht immer auf Anhieb als solche erkennbar sind und an deren Ende sich nicht zwingend eine „Wendeplatte“ findet) kombinieren. 

Einen an das im guten alten graoeco-römischen Decumanus-Cardio-System angelegte Straßennetz gewöhnten Durchschnittsdeutschen kann das dann ziemlich schnell in den vollständigen Wahnsinn treiben, vor allem, wenn er dazu noch mit Kartenmaterial oder einem fehlerhaften bzw. unvollständigen Navi geschlagen ist, dass es einfach nicht schafft ihn in einer Kleinstadt von 2000 Einwohnern  a nach b zu bugsieren ohne am Ende garantiert wieder bei a oder a‘ herauszukommen. Ich frage mich noch immer, warum das von Uderzo nicht in der einschlägigen Asterix-Folgen visualisiert wurde…

Will heißen: Einfach an der nächsten Kreuzung wenden und in die andere Richtung fahren ist in Frankreich in aller Regel nicht, weder im Stadtverkehr, noch auf der Autobahn und schon garnicht in Paris, Lyon, Straßbourg oder Wissembourg oder irgendwo im nächsten Industriegebiet!

Auch sollte man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass – wie auf deutscher Seite inzwischen ziemlich üblich – im Elsaß (oder sonstwo in Frankreich) der jeweils nächstgelegene Deutsche, Spanische oder Italienische Ort (oder die Paralell zur Staatsgrenze verlaufende „ausländische“ Autobahn) durch französische Staßenschilder ausgewiesen ist. Das kann sein, muss aber nicht. I.a.R. verweisen die Schilder auf französischer Seite nämlich in guter zentralstaatlicher Tradition nur auf französische Orte, Autobahnen u.ä.. Sprich, man hat entweder ein Navi, dass diesen nationalchauvinistischen Blödsinn nicht mitmacht, oder muss einfach aus der letzten Erdkundestunde wissen welcher Ort gegenüber von sagen wir mal Mühlhausen, Colmar oder Straßburg auf der östlichen Rheinseite liegt und wie man da hinkommt ohne erst über die französische Autobahn bis nach Paris und zu der Ausfahrt fahren zu müssen, die dann hoffentlich den Deutschen Anschlussort anzeigt…

Und nein, selbst mit Navi ist das mit dem Abbiegen in Frankreich nicht so ganz einfach, denn – wie schon angedeutet – die klassische zweispurige Straße samt zugehöriger 180° Kreuzung scheint in Frankreich und vor allem im Elsaß ziemlich unbekannt zu sein. Wie in Italien macht man auch hier mal ein Sträßchen dahhin, biegt dort auch mal auf der linken Seite der Autobahn ab und wurschtelt sich im großen Bogen schlangenartig irgendwie durch (genau so sehen dann auch französische Autobahnzufahrten/Autobahnkreuze aus…eher gewunden-verschlungen und mit für Deutsche Verhältnisse sehr gewöhnungsbedürftiger Verteilung von Zu- und Abfahrten, die ganz gerne auch mal 10 Kilometer bzw. 14 Straßenblocks voneinander entfernt liegen können). Und ja, da hilft im Zweifelsfall auch der beste Straßenatlas nicht weiter, vor allem dann nicht wenn er aus 2004 ist…

Auch, dass manin Frankreich  beim Fahren permanent irgendwelche „Wälle“, Hügel“, „Grünstreifen“ und sonstige Barrieren überfahren muss, die in Deutschland eindeutig ein „hier geht’s beim besten Willen absolut nicht weiter“ bedeuten würden, in Frankreich aber ganz normale Fahr- und Abbiegespuren sind ist für Teutonische Sonntagsfahrer anfangs eher „gewöhnungsbedürftig“ – ganz ehrlich, das Bild verwirrter „Bosch’s“ die mit ihrem wackeldackelverzierten SUV mal wieder vor der zur Geschwindigkeitsverrringerung minimal erhöhten Wendeinsel stehenbleiben und damit den Verkehr ganzer Innenstädte lahmlegen, bis ihnen dann ein altes Bäuerchen mit Handkarren vormacht, dass man da durchaus auch drüberfahren kann, ist in Frankreich einfach nur legendär!

Kurz: Wer für die 3 Kilometer von Straßburg nach Kehl keine 6 Stunden brauchen will, weil er sich irgendwo hinter dem EU Parlament heillos verfahren hat und dank der Einbahnstraßen zum sechsten Mal in Petite Venise rauskommt, braucht ein frankreichkompatibles Navi und dessen Funktionstüchtigkeit möglichst VOR Reiseantritt überprüft haben!

Der komische Gelbe Pfeil

Ist eigentlich was ganz Einfaches, das man aber wissen muss: In Frankreich ist der grüne Pfeil beim Abbiegen gelb und blinkt manchmal, sowohl auf den sehr seltenen Schildern als auch bei den Ampeln und er ist meist irgendwo anders, als man ihn vermutet, also ruhig etwas links und rechts von der Ampel schauen und sich nicht wundern, warum der Hintermann plötzlich hupt wenn man vor einer roten Ampel steht…meistens hat man ihn dann übersehen – den Gelben Pfeil…

Bodenwellen

Bodenwellen sind Teil der französischen Straßenfolklore, oder anders gesagt: so ziemlich jede Ortsein- und ausfahrt und beinahe jeder Zebrastreifen hat zwei bis drei dieser rot-weiß gezackten Monster, die jedem deutschen Golf-Inhaber den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Denn anders als in Deutschland setzt Frankreich anstatt auf teure Radaranlagen (die gibt’s schon auch, aber sie sind deutlich seltener als auf Deutscher Seite, verlassen sollte man sich darauf aber nicht) eher auf die martialisch-materielle Lösung des Problems: sprich künstliche Bodenwellen, die schon den Gedanken mit 70 durch das nächste Winzerdörfchen zu brettern zum Achsbruchharakiri machen. Und wer nun meint er könnt innerorts mal schneller als 40 fahren, dem wird garantiert der nächste Zebrastreifen oder die nächste Kreuzung (da gibt’s die Dinger nämlich auch – wegen der Kinder, Alten, Kranken, Schwachen, Veteranen, Katzen, Kaninchen, Hühner, Witwen und Waisen und was in so einem Vogesendorf eben sonst noch so rumläuft) zum Verhängnis.

Daraus folgt die einfache Weisheit: Wer in Frankreich partout nicht langsam fahren will, der hat danach eben einen Achsbruch oder zumindest eine ruinierte Auspuffanlage…

Und nein, Autobahn heißt in Frankreich nicht dass man da brettern kann wie man will, sondern maximal mit 130 kmh und dass auch nur dann, wenn sie nicht grad mitten durch den Ort (inklusive Ampel!) geht und auch nur dann, wenn nicht ganz so viele Kurven und Schlaglöcher drinn sind (und nein, es gibt vor solchen Abschnitten nicht immer eine Geschwindigkeitsbegrenzung…der französische Autofahrer sieht sowas, und hat außerdem Autos, deren Unterboden ganz offensichtlich aus spezialtitanverstärkten Lastwagenfedern besteht…). Nur der Vollständigkeit sei erwähnt, dass auf Landstraßen, wenn sie nicht ausdrücklich als Schnellstraßen ausgewiesen sind 90 kmh, anderenfalls 110 kmh Höchstgeschwindigkeit gilt…und ja es ist eine saublöde Idee mit Höchstgeschwindigkeit durch die Kurven der Vogesen zu brettern, auch wenn da grad keine Geschwindigkeitsbeschränkung sein sollte…

Und wenn ich grad dabei bin…Dadurch, dass man insgesamt langsamer fährt und Autobahnen relativ aprupt in normale Land- und sogar Durchgangsstraßen übergehen (ich meine die nichtgebührenpflichtigen Elsässischen, nicht die Privaten mautpflichtigen im Rest des Landes) gilt auch eher das (nicht unbedingt legale, aber ziemlich übliche) Prinzip des „Durchwurschtelns“, sprich: Nicht wundern wenn sich auf der Autobahn irgendein Bäuerlein mit seinem doch recht schnellen Traktor rechts an einem vorbeidrängt, ohne zu blinken auf die Linke Spur wechselt nur um dann links in die nächste Feldwegausfahrt zu brettern…

Aber genug der Stereotype!

Es gibt auch etwas, das ich an Frankreichs Straßenverkehr absolut liebe:

Erstens: Man fährt man langsamer, was vor allem das Fahren über Land sehr viel entspannter und risikoärmer aber eben auch ein klein wenig langwieriger macht (aber wo kann man denn in Deutschland wirklich noch mit 160 kmh über die Autostrada brettern?).

Zweitens: Irgendwie kommt man immer weiter…ich habe keine Ahnung wie, aber ich kam in Frankreich immer irgendwie an und habe auch immer wieder zurückgefunden…nur eben nicht unbedingt so, wie ich mir das zuvor in meinem auf organisiert-unilineare Vorgänge programmierten Deutschen Quadratschädel vorgestellt habe.

Drittens, und das ist das absolute Highlight: Anders als in Deutschland muss man sich als erster an der Ampel nicht den Hals nach der Leuchtzeichenanlage verrenken. In Frankreich gibt’s quasi an jedem Ampfelpfosten kleine „Miniampeln“ in Augenhöhe, welche zusätzlich zu den oben angebrachten „großen“ die aktuellen Ampelphasen anzeigen…nur muss man manchmal ein klein wenig aufpassen, dass man diese Ampeln der richtigen Fahrspur zuornet bzw. den daneben angebrachten Gelben Pfeil (der von den nur dreifarbigen Miniampeln i.a.R. nicht mit anzegeitg wird) nicht übersieht. Und noch was: Eine grüne Miniampel oder ein leuchtender Gelber Pfeil heißen nicht, dass die Fusgängerampel direkt dahinter rot zeigt…

Und für alle, die’s jetzt noch immer nicht kapiert haben: Entgegen dem Klichée: Rasen und Saufen is in Frankreich nicht, denn der nächste Polizist, das nächste Schlagloch oder die nächste Bodenwelle ist niemals fern sind! (PS: Die Sache mit den Alkomaten ist inzwischen eher obsolet…meint jedenfalls der ADAC…).

Schilder

Bis auf kleinere Farbliche Unterschiede und die etwas nervige Angewohnheit, dass die Franzosen anstatt von Symbolen auch ganz gern mal mit Worten (also Französischen Worten!) arbeiten, funktionieren Schilder in Frankreich ziemlich ähnlich wie in Deutschland…nur dass sie etwas anders aufgestellt werden.
Während wir Deutschen Schilder in aller Regel so aufstellen, dass sie ziemlich genau in die Richtung weisen, in der das auf dem Schild erwähnte Ziel bzw. der Weg zu selbigem liegt, nimmt man in Frankreich mehr Rücksicht auf den/die Autofaher*in und „dreht“ die Schilder zur besseren Sichtbarkeit gerne mal um 30-90° in Richtung der Herkunftsrichtung des Zielsuchenden, was bei Deutschen Schildersuchern gelegentlich zu größerer Verwirrung und beinahe permanenten Wiedersprüchen zwischen Navi und Schild führt.

Kurz: Man tut im Ausland immer gut drann, sich zumindest die gängigsten französischen „Wortschilder“ und ihre Bedeutung vorher einzuprägen und immer drann zu denken, dass man in Frankreich die Schilder bzw. ihre Richtung im Geiste immer etwas von sich wegdrehen muss…dann klappts mit der Richtung eigentlich ganz gut.

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Colmar

Das Essen…eigentlich alles bekannt…oder doch nicht?

Kougelhupf mit Überraschungen

Kougelhupf und Sauerkraut sind etwas feines…nur sollte man wenn man sie im Elsaß bestellt nicht unbedingt das haargenau Gleiche erwarten, wie in Deutschland. Der elsässische Kougelhoupf ist süß oder herzhaft (sic!) eher eine Art Brot, dass gerne auch mal Speck, Walnüssen oder anderen „französischen“ Überraschungen angereichert ist. Die zuckersüße, eher an Marmorkuchen erinnernde Variante scheint im Elsaß dagegen weitestgehend unbekannt zu sein

Sauerkraut und und mehr

…und auch wer auf wirklich saures deutsches Sauerkraut mit deutlichem Kohlgeschmack steht ist im Elsaß absolut falsch. Sauerkraut ist hier eine leichte, kaum nach Kohl oder Säure Schmeckende Offenbarung, die als zarter Flaum die taufrischen Frühkartoffeln umgibt (so viel zu den leider nur allzu offensichtlichen Qualitätsunterschieden!) Das gleiche gilt auch für die dazu meist reichlich dazu gereichten Wurst und Rauchwaren – im Elsaß ist das alles etwas leichter, raffinierter, feiner und nicht ganz so teutonisch herzhaft, dafür gibt es aber mindestens das 8-fache einer durchschnittlichen deutschen Protion davon! Es reicht also wenn man drei Gänge bestellt…5 wie in Frankreich üblich schafft der ungeübte deutsche Magen einfach nicht!

Im übrigen sollte man auch ein paar französische Nahrunsgmittel-Vokabeln wie „Nierchen“ (rognons), „Froschschenkel“ (cuisses [de grenouilles]), oder „Schnecken“ (escargots) gepaukt haben. Das alles ist zwar unglaublich lecker, aber nicht jede tierschutzbegeisterte Teutonin mit akut xenophober Nahrungsmittelunverträglichkeitsstörung möchte sowas unbedingt essen und es kommt einfach ziemlich blöd den vollen Teller dank der eigenen Blödheit wieder in die Küche zurückgehen zu lassen und dafür auch noch voll bezahlen zu müssen (und ja, es soll tatsächlich einige teutonische Vollpfosten geben die in diesem Fall anfingen mit dem Wirt darüber zu diskutieren, dass man ja nicht bezahlen müsse, was man aus Dummheit bestellt hat und das einem dann nicht geschmeckt hat…Oh mon Dieu! Je vous spuplie de jeter un peu d’esprit!

„Rognons à la crème mit Spatze„, „Krumbeeritüfel“ und „Baeckoeffe“ – oder was ess ich da eigentlich?

Und wer jetzt meint sich auf die (außerhalb der Touri-Hot-Spots meist eh nicht vorhandene) Deutsche oder Englische Übersetzung der Speisekarte verlassen zu können…  A) gibt’s die meist nur für die Standartgerichte, und damit entgeht einem das Beste (namentlich die tagesfrischen lokalen Spezialitäten!) und B) gleicht diese Übersetzung nicht selten einem sehr phantasiereichen Computerprogramm, wenn man Französisch kann ist das durchaus amüsant, für den der Sprache nicht mächtigen aber eher eine Art Überraschungsei, da er nicht zwingend das bekommt, was in der Übersetzung steht, oder sich aus der Übersetzung auch keinen Reim darauf machen kann, was da auf seinem Teller liegt (das gleiche gilt meist auch für die weitverbreiteten Elsässischen Bezeichnungen der Gerichte, oder wer weiß schon was ein „Krumbeeritüfel“ oder ein „Baeckoeffe“ ist?)…

Und sonst…

Fois Gras

Nein, man streitet mit Franzosen besser nicht darüber, ob fois gras nun Tierquälerei oder kulinarische Delikatesse ist. Das Land hat sich entschieden: Es ist Kulturgut und damit absolut unantastbar, basta! und ja, Französisch und die Französische Kultur sind die beste, tollste und größte der Welt! Noch irgendwelche Zweifel liebe amerikanophile Teutonen?

Strasbourg

EU-Parlamentsgebäude in Strassbourg

Arglos im falschen Viertel, oder: Die Sache mit den leichtbekleideten Damen

Auch wenn im Elsaß alles so aussieht als sei’s gerade aus einer Puppenstube gefallen – auch hier gilt: es gibt Viertel und Stadtteile, in die man als Tourist v.a. nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht mehr geht. V.A. die „Banlieus“ von Straßbourg und Mühlhausen sind nicht unbedingt der richtige Ort um dort sein teures Luxusauto abzustellen oder mit sündhaft teuren Kameraausrüstungen samt Reisekasse (wir erinnern uns an die Sache mit den 1000 Euroscheinen!) rumzuscharwänzeln. Auch das des Nachts doch recht einsame Areal um das Europaparlament oder die Orangerie, sowie das Bahnhofsviertel in Straßbourg sollte man als Tourist eher meiden, wenn man keine unliebsamen Bekanntschaften machen will. Und ja, die leichtbekleideten Damen (und gelegentlich auch die jungen Herren in den hautengen Jeans) an den Aus- und Einfallstraßen gehören zum Straßenstrich…auch wenn Prostitution in Frankreich seit De Gaules Zeiten verboten und der Kauf von Sex neuerdings sogar unter Strafe steht…

Marmoutier

Stiftskirche in Marmoutier

Nicht versäumen!

Nicht versäumen sollte man hingegen einen Besuch im Töpferort Soufflenheim – auch und gerade weil dieser etwas abseits gelegen in der Nähe des nicht ganz so reizvollen Städtchens Haguenau (dt. Hagenau) im Nordelsaß liegt. Wo anders hat man Gelegenheit in die Auslagen von gleich einem Dutzend Töpfern zu sehen, die mit etwas Glück schon in der 23. Generation Geschirr herstellen, dass man bedenkenlos auch in einen 500°C heißen Backofen stellen kann? (PS: das funktioniert aber nur, wenn man die rottonige autochtone Ware wählt und sie vor der ersten Nutzung 12 Strunden wässert und bei 120 Grad „vorfettet“ und sie nie, aber wirklich auch nie in dei Spülmaschine stellt oder mit Spüli ausspült (einfaches Ausschwischen nach dem Backen ist am besten!), dann hat man die perfekte natürliche „Teflonpfanne“, die – etwas Vorsicht vorausgesetzt – ein Leben lang hält.Die im Ort ebenfalls angebotete Ware aus weißtonigem südfranzösischen Ton hergestellte „Sonntags- und Designerware“ verträgt das allerdings nicht…sie ist eher „Zierstück“ und für die Vitrine und den Kaffeetisch gedacht…

Auch eine Bootsfahrt in Strasbourg  (Im Sommer am besten mit einem der klimatisierten „Glasaquarienbote“ von der Anlegestelle am Palais du Rohan aus), oder Colmar (hier fällt sie auf den kleinen, motorbetriebenen Fischerkähnen besonders romantisch aus) sollte man trotz der manchmal etwas längeren Schlangen vor den Kartenhäuschen keinesfalls versäumen, da man so nicht nur einen Über- sondern auch einen ganz anderen Blick auf die schönsten Seiten der Stadt hat, die sonst etweder ganz unsichtbar sind, oder „im Vorbeifahren“ einfach übersehen werden.

Wer zufällig am Ersten Sonntag im Monat in Straßbourg ist, sollte den freien Eintritt zu den Städtischen Museen (und das sind fast alle!) unbedingt ausgiebig nutzen! Ob feinste gotische Skulptur, Karrikaturen, Zoologische Raritäten, Moderne Kunst, Barocke Prunkgemächer, Volkskunst oder ein riesiges Stadtmodell, Straßbourgs Musseen quellen über vor absolut sehenswerten Prunkstücken! Zu allem Überfluss kann man dabei auch noch den Ausblick von der Terasse des Musée d’Art Moderne auf Straßburg genießen! (Ob man dort allerdings seinen Cafée und Kuchen einnehmen muss, sollte man sich angesichts der doch etwas arg ambitionierten Preise lieber zweimal überlegen). Sehenswert ist auch der Museumsshop dieses Museums, der nicht nur didaktisch höchst wertvolles, dabei aber trotzdem herrlich amüsantes „Kunstspielzeug“ für Kinder im Angebot hat, sondern an dessen Decke auch originelle Mobiles hängen, welche selbst einen Mondrian oder Warhol neidig machen würden…

Bewegen tut man sich dabei am Besten mit der Straßenbahn und mit dem Bus. Strass wie die Einheimischen sagen, setzt voll und ganz auf die „Öffentlichen“ und daher sind EInzel und Tagestickets im Vergleich zu Deutschland spottbillig (6,40 € für das gesamte Netz und 24 Stunden und bis zu 3 Personen, und das nicht nur an Sonntagen, Einzeltickets sind sogar noch billiger!). Dank der ziemlich engen Taktung und des äußerst umfangreichen Liniennetzes kommt man damit wirklich gut herum und auch in  die weniger bekannten Ecken der Stadt, wie den hinreißend schönen Stadtpark (L’Orangerie) mit seinem kleinen Zoo und den nahegelegenen Gebäuden der EU in bester moderner Architektur. Nur eins darf man nicht vergessen: Alle Tickets müssen VOR Fahrtantritt an den kleinen Säulen bei den Haltestellen nochmals extra entwertet werden, sonst wird’s teuer…und keine Angst vor den Automaten mit den seltsamen Rollbuttons, die funktionieren im Grunde viel logischer als ihre Deutschen Vettern – ungefähr so wie ein guter altmodischer Joystick…einfach mal ausprobieren und ab ins Autofreie Vergnügen!

Und wenn man eh schon in der Straßburger Miniaturausgabe von Venedig ist…unbedingt die 3 Meter weiter zur „Pont Vauban“ laufen und innen über die Stiegen auf die Aussichtsterasse hinaufsteigen. Das kostet nix, und man kommt auf der anderen Seite der Brücke auch wieder runter, sprich man kann anstatt unten auch oben die Ill überqueren und hat dabei gleich noch den absolut besten Blick auf die Straßburger Altstadt (außer man steigt auf’s Münster rauf natürlich!). Der einzige Wehrmutstropfen: Nachts ist die Pont leider geschlossen…

Pflicht für jeden Archäologiebegeisterten ist die „Archäologiegruft“ in der über 1100 Jahren alten Klosterkirche von Marmoutier. Hier hat man die einmalige Gelegenheit eine „Kirchengrabung“ samt der Fundstücke quasi in situ betrachten zu können. Der Eingang liegt etwas versteckt im rechten Seitenschiff.

Wer ein Faible für Kirchenfenster hat ist entweder im Straßbourger Münster oder aber im Chor des Münsters von Schlettstadt (fz. Selestat) richtig. Hier kann man den Fenstern von Peter Hemmel von Andlau ganz nahe kommen…und auch ein kleiner Abstecher in die evangelische Kirche in Schlettstadt wo an sonnigen Nachmittagen moderne Glasfenster den Innenraum in ein wunderbar mystisches Farbenspiel tauchen lohnt. Außerdem kann man dann gleich die quasi gegenüberliegende Humanistischen Bibliothek besuchen. Ein „absolutes Muss“ – nicht nur für Bibliophile und passionierte Büchernarren!

Saverne 2

Klassizistische Fassade des Rohan-Schlosses in Saverne

Nicht verpassen sollte man auch einen Abstecher ganz in den Norden des Elsaß. Dort lockt in Savergne (deutsch: Zabern) nicht nur mit einer hinreißend pitturesken Altstadt auf einem Hügel, sondern mit dem wohl schönsten Fachwerkhaus des ganzen Elsaß (Haus Katz) in dem sich auch ganz ausgezeichnet speisen lässt,  sondern auch mit der wirklich beeindruckenden und längsten klassizistische Schlossfassade ganz Frankreichs (Rohanschloss).

Und wer schon immer einen riesigen Christophorus sehen, oder im Schatten der Stadtpfarrkirche zu Brunnengeplätscher einen Salat aus hausgeräucherter Entenbrust und Feigen verdrücken wollte, oder auf riesigen Stadtwällen spazieren und/oder einfach nur seine Füße in einen der Stadtbäche strecken wollte, der ist in Wissembourg (dt. Weißenburg) ganz im Nordwesten des Elsaß sehr gut aufgehoben.

Wo man nicht unbedingt hin muss…oder: The most Overestimated Places in Alsace…

Auch wenn ich i.a.R. nicht dafür bin irgendjemand davon abzuhalten etwas zu besuchen, das er unbedingt besuchen will gibt es doch ein, zwei Orte im Elsaß die seltsamerweise in jedem Touriführer auf der Übersichtsseite ganz oben stehen und/oder mit drei Sternen markiert sind, die man sich meinem bescheidenen Dafürhalten aber zumindest beim einem ersten Kurzaufenthalt eher (er)spaaren sollte…

Haute Koenigsburg

Ganz oben auf dieser meiner zugegebenermaßen sehr persönlichen Liste der am meisten überschätzten Ausflugsziele steht die Hochkönigsburg bei Schlettstadt. Das hat jetzt weniger damit zu tun, dass ich’s als Kulturhistoriker und Archäologe nicht so unbedingt mit schlecht gemachten Kopien von Raubritterburgen aus dem frühen 20. Jahrhundert habe. Meiner Reiselaune bekommt’s einfach ziemlich schlecht, wenn ich bei 38° Hitze erstmal 5 Kilometer an parkenden Autos und quer durch den Ausflugsverkehr steil bergauf laufen muss um mich dann in praller Sonne 2 1/2 Stunden für sündhaft teure Eintrittskarten anzustellen um dann im Boxgalopp mit 200 anderen Leuten durch eine Art Disneyland (bei dem auch noch die meisten, eh schon nicht orginalen Ausstattungsstücke abhanden gekommen sind) gejagt zu werden. Wenn ich mich dann auf der Suche nach dem danach wohlverdienten Cafée auch noch neben einer amerikanischen Touristengruppe in Trubadour-Velourkostümen auf Plastikstühlen direkt an der stark befahrenen Durchgangsstraße (das ist die gleiche wie die bei den Parkplätzen – richtig es ist eine Einbahnstraße udn alle müssen da durch!) wiederfinde nur um aus lauter Frust und Not mitten im Elsaß überteuertes Fastfood zu essen und dabei von 20.000 anderen Besuchern am Tag fotografiert werde, weil ich blöderweise an der einzigen Stelle hock, von der man ohne Eintritt zu bezahlen einen einigermaßen ordentlichen Ausblick hat, obwohl das Mistding von Basel bis Karlsruhe am Horizont zu sehen ist, dann hält sich begreiflicherweise meine Begeisterung für dieses „elsässische Neuschwanstein“ in doch sehr beengten Grenzen…

Nichtsdestotrotz, es soll ja durchaus Leute geben, die sowas als gelungenes Urlaubserlebnis einstufen, und die möcht ich auch garnicht davon abhalten!

Alle anderen sollten zumindest beim ersten Besuch der Region lieber eine der nicht gerade seltenen anderen Elsässischen Burganlagen besuchen. Schließlich herrscht selbst in unmittelbarer Nähe des überlaufenen Burgen(alp)traums Kaiser Willhelm II. nun wirklich kein Mangel an anderen Burgen, Schlössern, Ruinen, Klöstern, bildhübschen Winzerörtchen, Aussichtspunkten oder einfach nur anderen weit weniger überfüllten Attraktionen, wie dem Affenberg oder der hinreißend pitturesken Altstadt von Schlettstadt mit ihrer berühmten Humanistischen Bibliothek.

Petite Venice (Straßbourg) und die Krutenau in Colmar

Ja, sie sind zugegebenermaßen wunderschön, das straßburger Klein Venedig (Petite Venise) oder die Krutenau in Colmar. Dummerweise wissen das aber auch 8 Millionen andere Besucher und entsprechend eng, laut und ungemütlich wird es hier an lauen Sommerabenden.

Straßbourg

Sicher, die Lage am Fluss ist verlockend, und es ist wirklich nett in Petite Venise…aber mal ehrlich: die Gastronomie an diesem touristischen Hot spot ist entweder grottenschlecht und – es sei Lucullus geklagt und Dyonisos gesungen – eher auf geschmacklich eher mittelmäßige Massenabfertigung ausgerichtet, und/oder zwar gut, aber eben dank der „Lage“ auch sündhaft überteuert…

Wer nun also nicht so ganz auf schlechten Flammkuchen, Currywurst oder matschige Burger steht, und auch keinen privaten Goldesel bei sich hat und/oder es auch nicht besonders schätzt, dass der Kellner leicht nervös auf die Uhr schaut, wenn man für seinen Expresso mehr als 2 Minuten braucht, dem sei als Ersatz für Klein Venedig die gleich gegenüber liegende südlichste der Illinseln wärmstens anempfohlen. Dort gibt’s in der (praktischerwerise direkt hinter Petite Venise über den Fluss abzweigenden) Rue des Moulins genauso nette Restaurants mit vielleicht noch viel schöneren Flussterassen- oder Gassen-Blick. Einfach mal beim Garcon oder der Mademoiselle am Eingang nachfragen ob sie noch ein lauschiges Plätzchen frei haben. Wenn man mittags, oder vor 19.00h kommt findet sich eigentlich immer was,  und das zu weitaus „vernünftigeren“ Preisen und mit Speisen, die den Vergleich mit dem teuren Petite Venise keinesfalls scheuen müssen. Natürlich gilt auch hier, wie an jedem anderen Tourihotspot der Welt auch: wer sichergehen will, sollte rechtzeitig (via internet oder noch besser: persönlich!) reservieren und sich die Speisekarte samt zugehörigen Preisen ansehen, bevor er sich hinsetzt!

Und wenn wir schon bei Restaurants und dem Sich Niederlassen sind: Genau wie in jedem einigermaßen ordentlichen Restaurant in Deutschland, man wird in Frankreich gesetzt und pflanzt sich nicht selber irgendwo hin, zumindest aber fragt man aber bei unangemeldetem Besuch den am Eingang bereitstehenden Kellner, Platzanweiser, Reservierungsbuchüberwacher*in oder Besitzer des Restaurants, ob noch ein Platz frei ist, und wo man sich hinsetzen darf.  Dass heißt nicht, dass man nicht, sofern das Restaurant nicht vollkommen überfüllt bzw. ausgebucht ist, den Kellner/Platzanweiser/Besitzer bei nicht-gefallen charmant fragen kann, ob man vielleicht doch noch einen noch schöneren Platz haben könnte, als derjenige, den er gerade für den allerschönsten für einen hält… Es ist einfach eine Sache von Anstand und Respekt – oder wie würden Sie es finden, wenn jemand einfach in ihr Wohnzimmer stapft und sich ungefragt auf das Familiensofa pflanzt? Und mal ehrlich, meist wird man auf Nachfrage eh zu hören bekommen, dass natürlich alle nichtreservierten Plätze frei sind, oder man bekommt eine sehr schöne Auswahl wirklich annehmbarer Platzierungsmöglichkeiten präsentiert…Der Vorteil des Prozederes ist ganz nebenbei, dass man dadurch überhaupt erst entdeckt, dass es im Hinterhaus oder im zweiten oder gar dritten Stock, oder um die Ecke an der Küche vorbei und durch den Weinkeller und Souvenirshop durch (alles schon erlebt!) noch ein paar wirklich nette, ruhige und ganz wunderbar gelegene Terassenplätze direkt über dem Fluss und mit phantastischem Kathedralblick gibt, die man in dem verwinkelten Elsässischen Fachwerkbau niemals selbst gefunden/gesehen hätte, wenn einen der ausgesprochen polyglotte und fesche garcon nicht „bei der Hand“ genommen und sie einem gezeigt hätt…Alles klar? Dann is ja gut…

Colmar

Colmar

Colmar 2

Das gleiche wie für das Straßburger Klein Venedig gilt leider auch für das inzwischen ebenfalls reichlich überlaufene Colmar. Nur dass man dort von der vielbestaunten Krutenau nicht flussab, sondern etwas flussaufwärts Richtung der alten Markthalle muss. Wegen der vielen dort angebotenen Spezialitäten und den kleinen Bistros im Inneren ist aber allein diese schon den klitzekleinen „Umweg“ wert. Wer dann auch noch das Glück hat in einem der nahegelegenen Restaurants direkt am oder besser über dem Fluss und mit Blick auf die vorbeigleitenden Fischerkähne den besten Flammkuchen des ganzen Elsass zu essen, der kann gut und gerne auf das Gedränge und den Gastro-Schnickschnack in der Krutenau verzichten. Und weil ich grad dabei bin: Noch was für die, die gerade planen nach Colmar zu fahren: Im Moment wird das berühmte Unterlindenmuseum in Colmar (und auch die halbe Innenstadt drumherum) renoviert. Das wird zwar alles sehr schön, und auch der berühmte Isenheimer Altar von Matthis Grünwald kann trotzdem gemeinsam mit etlichen anderen nach dort ausgelagerten Ausstellungstücken in einer der benachbarten Kirchen angesehen werden, aber so wirklich gut gelungen ist diese „Notlösung“ nicht und viele der Schätze des Museums sind gerade einfach im Depot. Daher ich würde persönlich mit einem Besuch noch so lange warten, bis die Renovierungen abgeschlossen sind. Dann macht’s auch wieder Spaß in der Stadt unterwegs zu sein, ohne dass man alle drei Meter über einen Bauzaun klettern muss…

Und jetzt hör ich einfach auf mit vorkauen und besserwissen und lass Euch selber hinfahren:

Bon vacance!

…und für alle, die noch ein paar mehr Bilder sehen wollen: http://wp.me/p4eIN4-7C

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Adventskalender 2014 – 16. Türchen: Von echtem und falschem Schnee oder warum ein öffentliches Linienboot der absolut beste Ort zum Dübeln ist…

Venexia„Anche un po di dope?“
Meine deutsche Cafébekanntschaft war sich nicht ganz sicher, ob sie richtig verstanden hatte. Schließlich verhört man sich gern in fremden Sprachen und der Schiffsmotor eines Vaporetto ist einer fehlerfreien Kommunikation auch nicht geradeeben zuträglich. Allerdings ließ die Szenerie, die sie mir gerade aufgeregt schilderten, relativ wenig Platz zur Interpretation:

Ein winziges Außendeck einer unbedeutenden Nebenlinie am frühen Nachmittag, die noch dazu nicht eben die übliche „Touristenroute“ durch den Canal Grande nach San Marco fährt, eine kleine Plastiktüte mit einer braun-krümeligen Substanz darin, ein etwas heruntergekommen aussehender Erwachsener mit Rastalocken und eifrige Jugendliche die sich kurz darauf vergnügt schnatternd einen Joint basteln…
Well, ich hab als Antwort nur gelächelt und Ute und Hans aus dem schönen Kiel erstmal darüber aufgelärt, dass in Venedig ganz normale Menschen leben und es hier daher auch nicht anders zuginge als im Rest der Welt.

Die Venezianische Giovanezza ist allenfalls ein bisschen tolldreister und selbstherrlicher als man es ihr zugetraut hätte. Aretino* hätte nun vermutlich gesat: Gli Veneziani soni degli divini…, aber auch das ist hier schon seit Jahrhunderten so, und anders kommt man hier auch nicht weit…Außerdem zwingt einen ja niemand mit zu rauchen ….

Well, Hans und Ute gehören offensichtlich zu den Menschen die immer noch an die Heile Welt glauben und Venedig für eine Art Blitzsauberes Disneyland halten…Ich war gemein und hab sie in den nächsten Sottoportego, um eine Ecke und nochmal um eine Ecke mitgenommen, und siehe da: Obwohl die Stadtverwaltung seit Jahren behauptet der Drogenumschlagsplatz Nahe San Stefano sei trockengelegt, habe ich doch tatsächlich ein paar frischbenuzte Spritzen gefunden. Meine beiden Kieler waren entsetzt haben mir aber dann doch zähneknirschend geglaubt, dass die Serenissima eine der größten Drogenszenen Italiens ihr eigen nennt.

Ich war dann doch noch nett und hab auf dem Rückweg gemeint, dass sie sich deswegen wirklich keine Sorgen machen müssen, als Tourist wird man sich- ohne meine tatkräftige Hilfe – nur recht selten in die wirklich schlimmen Gassen verirren, auch und vor allem, wenn sie gleich hinter dem nächsten Sottoportego liegen…Außerdem ist Venedig sicher, so sicher jedenfalls wie eine Stadt in der Welt überhaupt sein kann…hier und da ein paar Einbrüche und ziemlich viele Taschendiebstähle in der Karnevalssaison…das war’s…Morde, Vergewaltigungen und wirklich schwere Raubdelikte sind hier, anders als bei Comissario Brunetti eher selten…man kommt einfach so verdammt schlecht weg vom Tatort, wenn um einen herum ein Labyrinth mit Wassergräben liegt…Auf eine Sache sollte man allerdings achten: Die unterschriftensammelden Gutmenschen vom Rialto die einen mit allen möglichen Komplimenten gleich mehrsprachig dazu bringen wollen, dass man für die Kinder, die Umwelt, die Tiere oder eben gegen Drogen unterschreibt…Nicht nur dass diese Dodel eine weltweite Pest sind (James Bowen hat sie am Londonder Exempel in seinen „Bob“ Bänden hinlänglich beschrieben…); Nein, wenn man es wagt nicht zu unterschreiben, werden sie ausfällig, drohen einem damit einen zu bestehlen oder mit Farbe anzugreifen und rennen einem auch noch nach!

Ich bin mir außerdem nicht ganz sicher, ob diese übereifrigen Jung-Idealisten in Wirklichkeit nicht staatlich lizenzierte (oder eben unlizensierte) Kumpanen der Taschendiebe sind…Die einen lenken ab, die anderen klauen…

Zum Abschied habe ich den zwei Kielern dann noch geraten sich die Nasen und Bootsränder ihres nächsten Gondoliere lieber genauer anzusehen…Es ist ein offenes Geheimnis das Schnee in diesen Kreisen nicht nur im Winter fällt…

Ist halt ein verdammt harter Job den ganzen Tag für ein Heidengeld dumme Touristen durch die Gegend zu schippern und ihnen dabei immer wieder die gleichen neapolitanischen Schnulzen ins Ohr zu säuseln…allerdings…eigentlich singen sie kaum mehr, die Gondolieri…die Stadt und ihre Einwohner mögen es nicht (ob es ein richtiges Verbot gibt ist mir unbekannt, aber es fällt auf, dass in den letzten ein, zwei Jahren kaum mehr ein O sole mio durch die Gassen klingt) und auch die Touristen scheinen endlich kapiert zu haben, dass es ohne Schnulz einfach schöner ist…

Buon di e tante auguri….

*Pietro Aretino: Berühmter Rennaisance-Literat und Philosoph, v.a. Berühmt für seine bößartigen Spottgedichte und „Hurengespräche“.

PS: Wer die Tage mal in die Serenissima kommt, dem sei ein Besuch der Ca‘ d’Oro dringend anempfohlen. Nicht nur, dass es herrlich witzig ist, wenn einen zwanzigtausend japanische, russische und indische Touris fotografieren, weil man gerade auf einem der Balkone steht und sie einen für den Besitzer des Palazzo halten, nein, es gibt auch tollen Modeschmuck aus den ganz großen Filmen des Goldenen Zeitalters der Cine Citta zu bestaunen!

Das leise Bröckeln des Ebracher Herkulesbrunnens, oder: warum ich manchmal laut fluchend durch Barockgärten marschiere

Herkulesbrunnen Ebrach, Winter

Herkulesbrunnen Ebrach, Winter

Herrgottzackzement, muss man denn hinter allem selber her sein!“

Vermutlich hatte sich meine Begleitung den kleinen Ausflug ins Oberfränkische Kloster Ebrach etwas geruhsamer vorgestellt. Jetzt jedenfalls schaut er mich an, als sei ich wieder einmal ein ganz klein wenig verrückt geworden. Zugegeben, die wenigsten Besucher eines  verwilderten Barockgartens brauchen fünf Minuten, bis sie sich auf der Parkbank exakt so platziert haben, dass sie absolut parallel in der Hauptachse sitzen und dozieren dann auch nicht über falsch gepflanzte Apfelbäume, die ebenjene verstellen. Sie stellen sich auch nicht feuer- und mordio-zeternd vor zutrittsverweigernde Absperrketten, die den baldigen Absturz weiterer Teile der Gartenpavillions verkünden, vor allem aber fangen sie nicht an, mitten in einem weiteren Exkurs über Herkules, Gaia, Anteus und die Jahreszeitensymbolik von Kohl- und Lattichblättern an Flussgötterstatuen lauthals fluchend den sofortigen Ersatz der wind- und wetterumtosten Orginalstatuen durch Kopien zu fordern…

Leider! Denn würden ein paar weniger Besucher ihr Riesenschnitzel, die ach so hübschen Unkräuter oder die sich paarenden Feuerwanzen filmen und sich stattdessen über den gottserbärmlich-ruinösen Zustand großer Teile ihres Kulturerbes aufregen, würden vielleicht ein paar mehr Verantwortliche auf die Idee kommen, dass Wasser und Salpeter kein wirklich guter Haftgrund für barocke Fresken sind…Well, vermutlich verhält es sich damit genau so wie mit dem Mann, der sich inmitten des perfekt achsialsymetrischen Wandaufbaus des Ebracher Fast-Kaisersaals über die angebliche Assymetrie der Säulenbasen aufregt!

Immerhin, es grasen keine vandalischen Pferde der Forstverwaltung mehr im Barockgarten, und auch die ersten Mini-Restaurierungen einiger Zwergfresken im Hausgang ist angedacht (…eigentlich schon dieses Jahr, aber jetzt kommts doch erst im nächsten. (oder im übernächsten, oder im überübernächsten, grrrr…) Ansonsten werden wir uns wohl weiter an pitturesk zerbröselnde Grottenarchitekturen, frostgesprengte Figurengruppen und Netze, die uns vor herabfallenden Stuckteilen bewahren gewöhnen müssen. „Des hom mir scho immer so g’mocht, und do möchdn mir a nix vo Fremdn dron gännert hom!“. Vermutlich ist diese aecht urfränkische Verweigerungshaltung auch die Erklärung für den hartnäckigen Wiederstand der Steigerwäldler gegen einen Nationalpark…es könnten ja wirklich Menschen aus der Stadt oder gar Ausländer auf die Idee kommen hier Urlaub zu machen und Geld auszugeben, Gott bewahre!

Lassen wir das lieber, sonst könnt’s am End sein, dass ich mich länger in Ebrach aufhalten darf, als mir lieb ist…obwohl…dafür bin ich gottlob schon zu alt, die JVA nimmt nur hochbestrafte Täter bis 24.

Reise nach Kyhtera 3 – Von der Totenstadt durchs „Kytheranische Outback“ auf Aphrodites Thron

Vor meinem Fenster knattert ein strahlend weißes Sonnensegel im auch um diese Jahreszeit noch warmen Westwind. Über den dunkelblauen Himmel ziehen kleine weiße Wolken und unten am Hafen kommen in bunt gestrichenen Booten die letzten Fischer über das türkisblaue Meer vom nächtlichen Fang an den Sandstrand von Diakofti zurück. Ich sitze bei griechischem Kaffee, Dolmades, einigen Süßigkeiten und den herrlichen Trauben die ich gestern von einer alten Dame geschenkt bekommen habe auf der Terasse meines Hotelzimmers und denke mir: Dieser Tag ist eigentlich zu schön um zu Arbeiten…und doch es muss sein. Ich transkribiere also zwei Stunden lang die gestrigen Interviews und ziehe dann einen Stapel eingesammelter Tourismusprospekte aus meiner Tasche um sie auf Stereotype und Superlative zu durchsuchen…und ja, es stimmt:

Wer immer sich den von mir bereits im Ersten Beitrag dieses Features zitierten Werbespruch „eine Insel, eine Welt“ für Kythera ausgedacht hat, der hatte nicht nur einen sehr feinen Riecher für publikumswirksame Werbebotschaften in Zeiten des Cocoonings bewiesen, er oder sie hatte vielleicht auchein sehr feines Gespür für das Finden abgelegenster und schwer zugänglicher Orte auf dieser Insel, die diesen doch ein wenig nach Center Park, Mini Mundus und Legoland klingenden Werbeslogan einmal nicht Lügen strafen.

Die meisten Besucher – heutige, wie jene des 19. und frühen 20. Jahrhunderts – waren, als sie nach kleineren oder größeren Strapazen endlich die in zahllosen Mythen und Legenden versprochene Insel der Seligen, als die Kythera auch bekannt ist, erreicht hatten, vor allem eines – bitter enttäuscht.

Weder war die Insel ein irdisches Eden, noch ein überdimmensionales Bordell in dem der freien Liebe gehuldigt wurde, noch standen hier großartige Tempel oder üppige Gärten. Kythera war ganz einfach das, was es immer gewesen war, ein windumtoster, ziemlich trockener und öder Felsen, jenseits des –ebenfalls nicht eben einladenden – Arkadiens, direkt gegenüber des Eingangs zur Unterwelt (der liegt nur etwa 20 Seemeilen von hier entfernt am Fuße des Peloponnes).

Der Eindruck mag heute durch die überall wie Pilze aus dem Boden schießenden Luxusvillen der reichen Australo-Kytheraner und einige villenartige Privatappartmentanlagen etwas gemildert werden, Fakt bleibt aber, dass die Insel, abgesehen von sehr wenigen, sehr guten, vor allem aber immer bedrohten Zeiten nie über große Reichtümer, noch üppig blühende Haine noch über großartige Städte oder goldglänzende Bauten verfügte. Die allermeiste Zeit konnten die Bewohner der Insel froh sein, wenn die mühsam bewirtschaften Äcker, Gärten und Olivenhaine genug abwarfen, dass man davon einigermaßen leben konnte und keine Piraten oder fremde Besatzer die Dörfer und Scheunen plünderten. So waren, abgesehen von einer nie besonders großen und nie besonders reichen Oberschicht die meisten Bewohner einfache Landarbeiter und Bauern, die so garnicht dem entsprachen, was sich der klassizistisch verbildete Gutmensch und Bildungsbürger des 19. und 20. Jahrhunderts unter „edlen Griechen“ so vorstellte (und leider manchmal heute noch vorstellt…).

Liest man die garnicht so alten Beschreibungen, waren die Tsirigotes (so die Selbstbezeichnung der Inseleinwohner) von eher kleinem Wuchs und meist schon in jungen Jahren durch harte Arbeit an der Sonne und der salzigen Seeluft vorzeitig gealtert. Vor allem aber waren und sind die meisten von ihnen gute orthodoxde Christen, keine Hetären und erst recht keine Lustknaben (auch wenn das der eine oder andere venezianische Nobili oder englische Lord anders sah…). Kurz, wer hier sein irdische Gegenstück zum Illysium und/oder seine/n ganz private/n Aphrodite/Apollon suchte, der war an diesem Ort definitiv falsch und ist es meist heut noch (auch wenn es da gewisse Gerüchte um die Urlaubsbekanntschaften einiger jugendlicher Herren mit älteren und manchmal auch garnicht so alten Touristinnen gibt…aber bei welcher Tourismusdestination gibt es die nicht…).

Heutige Touristen sind da meist etwas aufgeklärter, haben vorher im Bedeker gelesen und sind nur noch ganz selten auf der Suche nach einem drittklassigen Bordell, wenn sie den Namen Kythera hören. Was bleibt ist die Suche nach dem irdischen Paradies, und wer darunter Ruhe, eine in weiten Teilen zwar karge, aber dennoch abwechslungsreiche Landschaft, einige kleine, aber wundervoll ausgemalte byzantinische Kapellen, stille Klöster, etwas in die Jahre gekommene Venezianische Festungen, verwunschene Ruinen, ein paar kleine Kaffees und Tavernen mit bodenständiger Küche und freundliche Menschen versteht, der ist hier – zumindest in der Nebensaison – ganz gut aufgehoben.

Kythera ist – noch – nicht der typische Yuppie-Treff wie Mykonos oder Santorini. Auch fehlt ihr die elitäre Abgehobenheit von Hydra, oder die Menschenmassen von Rhodos, Zypern oder Kreta (auch wenn’s im Sommer durchaus mal eng werden kann). Zwar genießt die Insel aufgrund der vielen reichen Exil-Kytheraner die hier im Sommer „Heimaturlaub“ machen und sich dafür anstatt der alten Bauernkate des Großvaters auch mal die eine oder andere Ferienvilla mit Ausblick gönnen, schon jetzt bei den Festlandsgriechen den zweifelhaften Ruf einer „Insel der Reichen und Schönen“, aber deswegen ist sie noch lange nicht ein zweites Ibiza oder Marbella.

Wenn man nicht eben im Juli oder August kommt ist Kythera eher ein verschlafen daliegendes Stück Felsen im Mittelmeer auf dem es sich dank des in der Diaspora erworbenen Reichtums und des in den letzten Jahren langsam anlaufenden Tourismus inzwischen auch recht gut leben lässt. Gerade in den Wintermonaten, wenn wegen des Sturms manchmal tagelang keine Fähre geht und der Strom gelegentlich für einige Stunden ausfällt, verläuft das Leben hier etwas ruhiger als auf dem Festland – wenn auch manchmal eher notgedrungen als freiwillig. Man muss in dieser Jahreszeit etwas Zeit mitbringen, bereit sein selber aktiv zu werden anstatt Rundumbespaßung zu erwarten und vor allem keine Angst vor dem Alleinsein, Ruhe, kurvigen Straßen, steilen Klippen und körperlicher Anstrengung haben. Manches geht hier eben nur zu Fuß und gutes Schuhwerk, gepaart mit Trittsicherheit und ein paar basalen Kletterkenntnissen sind gelegentlich auch ganz nützlich… Ist man dazu bereit, öffnet die Insel und ihre Bewohner einem auch und gerade in der Nebensaison bereitwillig Tor und Tür. Und was man dahinter oft an ganz unerwarteten Orten und etwas versteckt in einer Schlucht oder auf einem unzugänglichen Bergrücken findet lohnt allemal den Besuch.

Da sind zunächst die zahlreichen Grotten und Höhlen, die verwunchenen Schluchten mit ihren kleinen Bächen und Wasserfällen in denen im Oktober Trauben geerntet werden, die Bananenstauden in voller Blüte stehen und Gänse und Enten zusammen mit Fischen und geisterhaft bleichen Süßwasserkrabben in kleinen Teichen schwimmen. Da ist das raue, von Wind zerzauste und in strahlendes Heidekrautpurpur gehüllte Hochland, da sind die himmelhoch aufragenden Felsen und Klippen um die Bussarde und Raben ziehen und auf denen alte Wachtürme und neue Militärantennen stehen. Da sind die zahllosen, leider meist geschlossenen Kapellen (so langsam glaube ich es gibt mehr davon als Einwohner…) in deren Inneren sich, sofern man es fertig bringt den Schlüssel zu organisieren, oder zufällig zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist, die herrlichsten Fresken verbergen.

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Traumatischer Erinnerungsort – Paleochora

Aber da sind auch die dunklen Orte, wie die Ruinenstadt Paleochora. Glaubt man der lokalen Überlieferung geschah hier im Jahr 1571 Grauenvolles. Nachdem die den Ort umgebenden Schluchten bisher sämtliche Angreifer abgehalten hatten, hatte Chairedin Barbarossa – ein in osmanischen Diensten stehender algerischer Korsar (man könnte weniger nett auch von Pirat und Sklavenhändler sprechen), dessen Prunkgrabmal man noch heute in Istanbul bewundern kann – in diesem Jahr zum erfolgreichen Angriff auf die damals noch unter dem Namen „Agios Dimitrios“ bekannte Hauptstadt der Insel geblasen. Angeblich hatten die rauchenden Kamine der Stadt den Piraten ihre Lage verraten. Diese waren mit schwerem Geschütz auf die umliegenden Hügel gestiegen und beschossen nun aus vollen Rohren die Stadt. Es dauerte nur Stunden bis den ca. 1000 Einwohnern klar wurde, dass die mittelalterlichen Mauern keinen ausreichenden Schutz vor den neuzeitlichen Feuerwaffen bieten würden. Und so kam es, wie es kommen musste: Um nicht, wie ihre weniger glücklichen Mit-Insulaner, die die Piraten längst in den weniger gut geschützten Dörfern der Insel zusammengetrieben und als Menschliche Fracht auf ihre Schiffe verladen hatten, in der Sklaverei zu enden oder noch schlimmeres zu erleben,  stürzten sich die Überlebenden des Angriffs mitsamt ihren Kindern und Kindeskindern von den Zinnen der brennenden Stadt in den Tod. Die einst blühende Hauptstadt der Insel war mitsamt ihren Bewohnern ausgelöscht worden, und sie sollte nie wieder besiedelt werden.

Als Geistes- Migrations- und Medienwissenschaftler weiß man aus Erfahrung, dass solche Traumata Wunden hinterlassen, die nur sehr, sehr langsam heilen und für die die Menschen ihre ganz eigenen Erklärungen und Trauerrituale entwickeln. Auch auf Kythera war dies nicht anders. Glaubt man den älteren unter den Einheimischen, ist der Ort bis heute verflucht und die ruhelosen Seelen der Toten irren noch immer auf der Suche nach ihren verschwundenen Angehörigen in den Ruinen der einstigen Inselhauptstad umher. Auch wird erzählt, dass ihre Entsetzensscheie und Klagen noch immer durch die Schluchten hallen. Und Nachts würden über der Stadt und in den Schluchten kleine statt der üblichen Totenkerzen seltsame Irrlichter über den verstreuten und ausgebleichten Knochen der zahllosen Toten  Wache halten. Nach der Auslöschung der Stadt und ihrer Bevölkerung sei einfach keiner mehr da gewesen, der für die vielen hundert Toten und Vermissten beten und eine Kerze hätte anzünden können, so würden das die Toten selbst tun.

Auch wenn diese Legenden in den letzten Jahren zunehmend verblasst sind, und auch dieser im Gedächtnis der Kytheraner traumatische Erinnerungsort von findigen Tourismusmanagern zunehmend zu einer „Attraktion“ ausgebaut wurde, Auch wenn in den letzten Jahren mit ersten, nicht immer sehr fachgrerecht durchgeführten Sicherungs- und Renovierungsarbeiten begonnen wurde – Es soll es bis heute Kytheraner geben, die sich strikt weigern das alte Agios Dimitrios zu betreten. Die einen aus Respekt vor den Toten, die anderen aus Angst die Toten könnten sich für das angeblich mangelnde Interesse, das man ihnen in den letzten Jahrhunderten entgegenbrachte an den Lebenden rächen.

Auch wenn das alles in den Bereich der Legende gehört – wirklich geheuer ist mir der Ort auch nicht, vor allem nicht bei schlechtem Wetter oder gegen Abend. Auch ich bin ich jedesmal heilfroh, wenn irgendwoher ein paar Geisen oder ein paar verirrte Wanderer daherkommen und ich nicht ganz mutterselenallein mit den Toten durch die Ruinen streichen muss…Genausowenig kann ich mich auch mit dem neuen Touristenparkplatz und einer rabiat durch die Ruinen getriebenen Zufahrtsstraße anfreunden…Ehrlichgesagt, als Europäischer Ethnologe, Archäologe und Kunstgeschichtler, der durchaus auch etwas von Bauforschung und Denkmalpflege versteht, bin ich sogar ziemlich sauer auf die kytheranischen Behörden. Die Bauarbeiter, die die Ruinen als Touristenattraktion herrichten sollten waren offensichtlich nicht unbedingt gelernte Restauratoren (oder aber, sie haben einfach nicht gemacht, was man ihnen gesagt hat). Mit Sicherheit aber waren sie offensichtlich zu faul die schweren Zementsäcke per Schubkarre die paar Meter vom neu angelegten Parkplatz zu den Ruinen zu karren. Wie in Griechenland in solchen Fällen leider oft üblich, entschied man sich für einen einfacheren Weg. Man nahm einfach einen Bulldoser rammten damit durch die Pampa und machten dabei nicht nur die einheimische Flora und Fauna, sondern gleich auch noch die Ruinen der halben Vorstadt platt. Dass der ehemalige Provedittorenpalast jetzt aussieht als sei er bei einem Zahnbleaching gewesen ist da noch ein kleineres Problem, dass die Witterung in den nächsten Jahren hoffentlich korrigieren wird. Dass man aber das, was beim „restaurieren“ übrig blieb einfach neben eine der Kapellen gut sichtbar in der Landschaft entsorgt spricht für ein Ausmaß an Diletantismus wie er kaum zu Überbieten ist…

Vermutlich sind das nun aber wieder einmal die typisch abgehobenen Problemchen und Empfindlichkeiten eines „Geisteswissenschaftlers“. Wen interessiert es denn angesichts der aktuellen griechischen Finanzkriese schon noch, dass unter den umgestürzten Wänden und in den Schluchten des neu erkorenen Tourismusattraktion noch heute die Überreste der unglücklichen Bewohner einer ganzen Stadt liegen? Wer schwert sich schon darum, wenn man auf den Gebeinen der Toten einen Parkplatz baut und ein paar rissige Mauern abreißt und die restlichen mit etwas Zement aufmöbelt, damit die Touristen nicht stundenlang über Ziegenpfade hierher wandern müssen und „den richtigen Eindruck“ bekommen? (Und ja, der Ausblick ist atemberaubend schön) Ist es denn wirklich so schlimm, dass keine Hinweistafel auf das Schicksal dieses Ortes und seiner Einwohner hinweißt? (es gab einmal eine, die ist aber seit der letzten Restaurierung 2012 „verschwunden“ – vermutlich passte sie nicht mehr ins Konzept des hippen Ausflugsortes), und kein Kreuz, oder Denkmal an die Verschleppten und Toten erinnert. Ja es gibt – und hier bewahrheitet sich die Legende – an diesem Ort noch nichteinmal einen Bildstock oder ein ewiges Licht das für die Toten entzündet werden würde und ob in den vielen umliegenden Kapellen in den letzten 100 Jahren irgendjemand an sie, die sie einst erbaut und ausgeschmückt haben, jemand der verschwundenen Mütter, Väter und Kinder gedacht hat, die einst hier lebten – ich weiß es nicht. Auch sie liegen einsam und verlassen da, und nicht wenige von ihnen sind zu Ruinen verfallen oder dienen als Unterstand für die allgegenwärtigen Ziegen. Von den zwischen den Gebeinen der Toten (man findet sie mit etwas Anstrengung immer noch) ahnungslos picknickenden Touristen und den Gerüchten um neuerdings auch hier mit Metallsonden umherstreifenden „Hobbyarchäologen“, die die Ruinen nach übriggebliebenen Schätzen durchwühlen und dabei auch noch die letzen übriggebliebenen Mauern zum Einsturz bringen fang ich nun besser garnicht erst nicht an…

Auf der anderen Seite – wer sagt mir denn, ob die Toten von Agios Dimitrios über das ganze moderne Treiben so unglücklich sind. Zu ihren besten Zeiten war die Stadt ein Schmelztiegel aller Kulturen des Mittelmeerraums. Flüchtlinge und Zuwanderer aus Byzanz und Monemvasia, der Östlichen Ägais, von Zypern, Samos und Kreta und noch entfernteren Orten und Inseln hatten hier eine – vermeintliche – Zuflucht gefunden. Sie hatten ihre Kunst, Musik und auch einen Gutteil ihres Reichtums mitgebracht. Ihre unterschiedlichen Kulturen, Kunststile, Bau- und Lebensweisen verschmolzen im neu zur Hauptstadt der Insel aufgestiegenen Agios Dimitrios mit jener der Venezianischen Gouvaneure und Soldaten  zu einer ganz eigenen, schillernden und ungemein produktiven Lebensweise. Auf dem Schmalen Grat über den Schluchten fühlten sie sich alle sicher, bauten dutzende Kirchen und Kapellen, kleine Paläste, Mühlen und Werkstätten, Wohnhäuser und kleine, über dem Abgrund schwebende Gärten.

Leider war dieser kulturelle Blüte nur eine kurze Lebenszeit vergönnt, vielleicht 80, höchstens aber 100 Jahre, dann war Schluss. Wie so oft davor und danach kamen die Feinde wieder einmal übers Meer und Kythera, nicht eben arm an Ruinen, hatte eine Ruinenstadt mehr und war wieder einmal weitgehend verwüstet. Aphrodite, so sagen es bis heute die Alten, sei eine launische Göttin. Sie liebe ihre Kinder genauso überschwänglich, wie sie hassen und strafen könne…Aber es bliebe immer ein Band aus Liebe und Heimweh, dass die Weggegangenen und Verschleppten auf die Insel zürückziehe.

Für nicht wenige Kytheraner wurde diese Erzählung Wirklichkeit. Die Insel war zu karg, zu trocken, zu arm um ihre vielen, vielen Kinder ausreichend zu ernähren. Irgendwann zwischen dem 18. und Mitte des 20. Jahrhunderts sind viele von ihnen ausgewandert. Anfänglich noch in die Nähe: nach Smyrna, Alexandria, Venedig und Piräus, später als die Schiffe größer und schneller wurden immer weiter weg: nach Argentinien, die USA und Australien. Auf der Insel, die in ihren besten Zeiten gute 15.000 Einwohner hatte (von den angeblich 40.000 die sich hier auf der Flucht vor den Deutschen und Alliierten Truppen gegen Ende des II. Weltkriegs drängten ganz zu schweigen), leben heute mit etwas gutem Willen vielleicht 4000 Tsirigotes (so die Eigenbezeichnung der Kyhteraner, nach dem alten venezianischen Inselnamen „Cerigo“) noch auf der Insel. Ihnen stehen weit über 80.000 in der ganzen Welt verstreute „Landsleute“ gegenüber. Die meisten davon in Australien.

Und wie es die Geschichte von der Göttin der Liebe und ihren Kindern erzählt: vergessen haben die Weggegangenen ihre Heimat nie. Überall wo sie hinkamen erzählten sie von der Schönheit und dem Licht der Insel, gründeten Vereine und Organisationen, und hielten „geradezu halsstarrig“ an althergebrachten Gewohnheiten, Sitten und Bräuchen fest und heirateten lange Zeit nur Frauen von der Insel, die dafür um die halbe Welt reisten – Ein Grund, weshalb auf Kythera bereits um 1900 die ersten Fotostudios aufmachten…schließlich wollte man(n) in der Ferne wissen, wie „seine“ Tsirigotissa aussah, die ihm ein treusorgender Cousin oder Onkel nach Sydney, Kapstadt oder New York schickte. Und auch die eine oder andere Dame – immerhin eine Tochter der Aphrodite! – wollte nicht so einfach mit einem dahergelaufenen Nichtsnutz, der vielleicht auch noch schlechte Zähne und ein abstoßendes Äußeres hatte verheiratet sein. Nein…ein Photo gehörte einfach dazu. Außerdem war es oft die einzige Möglichkeit die Lieben in der Ferne an Familienfesten, neuen Erdenbürgern, Trauerfällen oder dem Stolz auf das in der Fremde neu erbaute Geschäft oder – und dafür waren die Kytheraner lange Zeit in der ganzen Welt berühmt – am neuen „Griechischen Caffee“ teilhaben zu lassen. Oft genug waren es allein diese heute verblichenen Photos, die denen die weg gegangen oder zurückgeblieben waren begreiflich machen, was aus ihren Liebsten jenseits des Meeres geworden war. Auf ihnen ließ sich in den Gesichtern der Dargestellten das Alter und die Zeit, seitdem sie fortgegangen waren nachzeichnen, in Form von Totenbildern gaben sie den Zurückgebliebenen die letzte Gewissheit, dass der andere nie zurückkehren würde und die Hoffnung, dass er an einem anderen, fernen Ort einen ruhigen, sanften und guten Tod gestorben war, und nicht etwa einem der „in der wilden neuen Welt“ häufigen wilden Tiere, einem Laster oder irgendeinem anderen Unglück zum Opfer gefallen und fern der Heimat in geweihter Erde beigesetzt worden war. Dort zeugte und zeugt oft genug auch heute noch eine auf eine Emailplatte gebrannte Kopie desselben Bildes als letzte Erinnerung davon, dass auch in Australien, Argentinien oder den USA Kinder der Aphrodite lebten. Gleichzeitig weckten diese Bilder die Sehnsucht: Die der Zurückgebliebenen auf ein besseres Leben in einem Fernen Land, und die der Weggegangenen nach der in ihren Erinnerung zum Paradies gewordenen Heimat. Beide Seiten begannen ihre jeweilige Welt so zu sehen, wie sie auf den Photographien dargestellt wurde, nicht so, wie sie wirklich war.

Und so war es oft eine bittere Enttäuschung, wenn der eine oder andere Nachkomme der Ausgewanderten auf „Heimaturlaub“ oder „Brautschau“ doch auf die Insel zurückkehrte. Kythera war kein irdisches Paradies, sondern eine kleine Felseninsel im Mittelmeer, deren Bewohner viel zu oft nicht wussten wie sie ihre vielen Kinder ernähren sollten. Wirklich gheändert hat sich das , von den wenigen Reichen abgesehen, die es immer gab und geben wird, für die breite Masse der Bevölkerung erst in den 1980er und 1990er Jahren. Und so war es Neben gelegentlichen Besuchen in der Alten Heimat, lange Zeit vor allem eines, das aus der „neuen“ in die „alte“ Heimat zurückkam: Das in der Fremde verdiente Geld der Migranten. Dieses hielt die Insel am Leben. Ermöglichte den Bau von Schulen, Museen, Krankenhäusern und Altenheimen. Nichts, aber auch garnichts hätte in Zeiten von Krieg, Bürgerkrieg und Diktatur ohne dieses Geld funktioniert. Ohne dieses Geld der Migranten hätte Kythera vermutlich das Schicksal vieler anderer einst dicht bevölkerter griechischer Inseln und Landstriche geteilt… Es wäre ein von Ruinen und verlassenen Feldern übersäter Felsen geworden, leer und von jeder Menschenseele verlassen…

Kytherian Outback

Doch es kam – Gott und den „Xeni“ (es wäre nicht ganz richtig dieses Wort mit „Fremde“ zu übersetzen…aber eben auch nicht ganz falsch – mit der Zeit und der halben Welt zwischen einem wurden Zurückgebliebene und Fortgegangene sich ja tatsächlich „fremd“, auch wenn sie das vielleicht garnicht wollten) sei Dank! – ganz anders, und neben ihrem Geld brachten die Kytheraner aus den Ländern in die sie ausgewandert und wieder heimgekehrt waren auch ganz andere Dinge mit. Zwar glaube ich immer noch nicht, dass sie wirklich Känguruhs und Emus auf der Insel ausgesetzt haben (ihre Nachbarn vom Peloponnes behaupten das manchmal schwerzhaft und nennen die Insel wegen der vielen Kythero-Australier auch „Känguruhinsel“) aber dass sie den ganzen Norden der Insel mit Eukalyptusbäumen bepflanzt haben stimmt. Würde dort nicht gelegentlich ein typisch griechischer Bildstock oder ein verwittertes Schild mit griechischen Buchstaben den Weg (nicht) weisen, man könnt emeinen, dass jenseits von Gerakari und Petrouni, nicht Griechenland, sondern  der ferne Australische Outback  läge, so sehr ähnelt die Szenerie aus Roter Erde und Eukalyptusbäumen dem Kontinent „down under“. Es ist daher nicht ganz zufällig, dass die Kytheraner diesen Teil der Insel (manchmal auch die ganze Insel) „Mikri Afstralia“ – „Klein Australien“ nennen, genauso, wie ihre fortgegangenen Cousins und Cousinen Australien manchmal im Scherz auch „Makro Kythera“ – „Groß Kythera“ nennen.

Wie immer bei „Geschenken“ waren aber auch diese nicht ganz unproblematisch. Nicht nur, dass der eine oder andere neureiche Kythero-Australier sich aufgrund des erworbenen Reichtums seinen daheimgebliebenen Verwandten überlegen fühlte und die Zurückgebliebenen nicht nur mit Dankbarkeit, sondern auch mit Neid und Miderwertigkeitskomplexen auf den offen zur Schau gestellten Reichtum ihrer Verwandten blickten – nein die gutgemeinte Ansiedlung des schnell wachsenden Eukalyptusbaumes, von dem man sich Bauholz und ein kleines Zusatzeinkommen erhoffte, brachte das sensible ökologische Gleichgewicht der Insel derart durcheinander, dass heute ernsthaft darüber nachdedacht wird, die „Bäume der Freundschaft“ wieder von der Insel zu entfernen. Nicht nur, dass sie hier aufgrund des ständigen Windes nicht richtig wachsen wollen, nein, sie trocknen mit ihrem immensen Wasserverbrauch auch die ohnehin durch den Klimawandel schwindenen Wasserreserven der Insel zusätzlich aus und stellen bei den hier alles andere als seltenen Buschbränden ein gewaltiges Problem dar, da ihre mit ätherischen Ölen gesättigten Stämme und Blätter wortwörtlich wie Zunder brennen und dazu führen, dass binnen kürzester Zeit ganze Landstriche in Flammen stehen – Noch allerdings kann sich niemand recht zu diesem Schritt durchringen – zu sehr stehen die Bäume für das gegenseitige Band zwischen der Insel und ihren nach Australien ausgewanderten Söhnen und Töchtern.

Es würde einfach etwas fehlen, wenn der charakteristische Geruch der silbergrünen Blätter nicht mehr die Nachmittagsstunden erfüllte…Ich wende meinen Wagen und fahre über erschreckend steile, meist unbefestigte und von tiefen Regenrinnen durchzogene „Straßen“ wieder Richtung Süden.

Auf dem Weg zurück „in die Zivilisation“ empfiehlt sich ein kleiner Zwischenstop in der heutigen Inselhauptstadt Potamos, allein schon, um nicht zu vergessen, dass es auf der Insel auch ganz reale und sehr lebendige Einwohner gibt. Der Kinderspielplatz neben dem großen, aber etwas schlecht zu erreichenden öffentlichen Parkplatz (irgendwie ist die Einfahrt etwas zu eng und zu steil geraten) ist ein Traum aus Kunstrasen und quietschbunten Spielgeräten, die nicht nur Elefteria und ihren Bruder Jannis, sondern auch die kleine Joselynn aus New York und den kleinen Thorben-Jonas aus Berlin glücklich machen.

Wer am Sonntag kommt, erlebt den Bauernmarkt. Sicher, alles hat seinen Preis, aber dafür bekommt man den herrlichen Singsang des lokalen Dialektes, der voller italienischer, arabischer, türkischer und natürlich vor allem griechischer Wörter steckt umsonst. Wer dann noch Lust auf einen Kaffee oder einen kleinen (oder, wie immer in Griechenland, einen etwas größeren) Snack hat kann es sich in einer der angrenzenden Kaffes und Tavernen gut gehen lassen – sorry Leutles, es nutzt nix, wenn ihr sagt ihr wollt nur etwas Kleines, der dreifachrahmige Honigjoghurt gehört als Gratisdessert einfach dazu, ob ihr jetzt platzt oder nicht, und außerdem MÜSST ihr, wenn ihr denn schon von soweit herkommt einfach noch die extra fettigen (es ist gutes Olivenöl!) zweifach fritierten Käseschnitten probieren…

Nein, Kythera ist kein Abnehmcamp, auch wenn man den ganzen Tag in den Felsen herumklettert, oder einem mal wieder bei einer besonders steilen Abfahrt mit dem kleinen Hundai der Angstschweiß auf der Stirn steht…schon garnicht weil meine Zimmerwirte offensichtlich der festen Meinung sind, ich wäre ganz kurz vor dem Verhungern und mir in treusorgender Zuneigung jeden Tag Obst, Gemüse und Kuchen bringen…aber sind es nicht gerade diese kleinen Gesten der liebevoll sorgenden Gastfreundschaft ein sicheres Zeichen dafür, dass hier noch nicht alles komplett durchkommerzialisiert ist. Und ist es nicht genau diese noch nicht komplett von ökonomischen Interessen geleitete Einstellung der Einheimischen, weswegen man die Insel immer wieder aufsucht?

Fragt sich, wie lange dies noch so bleiben wird…Erste Probleme gab’s schon in den 1990ern als die großen Kreuzfahrtschiffe anlegten. Kaum waren auf einmal 1000 Touris auf einmal auf der Insel, schon wurde jeder Ziegenhierte zum Immobilienspekulanten und in Hora und Kapsali begann das große foppen, neppen, hauen und stechen…jedenfalls so lange, bis es den Agenturen zu dumm wurde und von heute auf morgen keine Schiffe mehr kamen. Der Katzenjammer der touristenlos zurückgebliebenen Kytheraner war groß und nachhaltig, hoffentlich auch der Lerneffekt…Heute ist es eher das Geld der aus Australien und den USA zurückkehrenden Exil-Kytheraner und der Zustrom der wegen der Finanzkriese auf die Insel zuwandernden „Festlandskytheraner“ aus Athen und Piräus, der der Insel zu schaffen macht und das auf Maßhalten angewiesene, labile Gleichgewicht der Insel durcheinanderbringt.

Genug Probeme! Die Insel ist schön, und schon um die nächste Ecke wartet ein neues Wunder. Jedenfalls für die, die sich mit antiker Mythologie auskennen, und ein Faible für Räuberpistolen uns Sagen haben (als echter Volkskundler, Archäologe und Kunsthistoriker, der hier ganz nebenbei auch noch für seine Dissertation forschen darf, hab ich selbstredend für alle drei Dinge eine berufsbedingte Vorliebe!)

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Hier geht’s lang!

Und wenn geade sonst nichts los ist, gibt’s eben Sturm…irgendwann um kurz vor acht Uhr morgends fangen dann ein paar Männer draußen an laut rumzubrüllen, zu pfeifen und an die eine oder andere Tür zu klopfen…als erfahrener Nicht-mehr-ganz-Insel-Grünschnabel weiß man spätestens dann, dass nun wieder eine dieser unberechenbaren, mehr oder minder langen, und hochgradig unerfreulichen Überraschungen bevorsteht, oder schon eingetreten ist, die man als Einwohner des doch sehr perfekten Deutschlands nicht mehr wirklich kennt…Man schaut, noch leicht schläfrig aus dem Fenster, und da die Männer diesmal nicht zum Strand laufen (dann wäre irgendwas auf See passiert), sondern auf die Strommasten klettern, braucht man eigentlich garnicht mehr versuchen das Licht oder die Kaffemaschine anzuschalten…es ist – Aphrodite, Boreas, Zeus und Poseidon sei Dank – Stromausfall! Meistens dauert das dann nur ein paar Stunden und Abends ist die Welt dann wieder in Ordnung. Also kein Grund zur Aufregung, außer man muss an dem Tag Ab- oder Anreisen…meist fährt/oder fliegt nämlich dann auch nichts, weil a) Wellen zu hoch, b) Wind zu stark und c) kein Strom (letzteres muss nicht zwingend so sein, oft ist es nur die lokale Hauptleitung die mal wieder mit etwas Klebeband und Draht zum Laufen gebracht werden muss…)

Da ich aber weder vorhabe zu fliegen, noch mit dem Schiff zu fahren ist eigentlich alles halb so schlimm, Kaffee trink ich später einfach da wo’s noch, oder schon wieder Strom gibt, und die Haare trocknen bei dem Wetter zur Not schließlich auch so – und da mich eh den ganzen Tag kaum jemand sieht, muss ich danach auch nicht aussehen wie Brad Pit persönlich…

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Es war genau dieser Strand, genau diese Welle! ganz sicher!

Übrigens bin ich, nachdem ich mein Tagespensum an Arbeit erledigt hatte, gestern dann doch noch ganz in den Süden an den Strand von Paliopoli gefahren, habe mich auf den Thron der Aphrodite gesetzt und mir von dort aus in aller Seelenruhe den Sonnenuntergang angesehen, ja Feldforschung kann auch schön sein…

Giassas!

PS: Gerade lese ich, dass es hierher laut Werbeslogan nur „35 Minuten vom Athener Flughafen und 2 Stunden von Europa!“ sind…jeder mag sich jetzt selbst denken, was diese Worte für ihn bedeuten… 😉

Im Bamberger Sand zur Kerwa 2013

S-Kerwa 2013

S-Kerwa 2013

„Scheiß drauf“ es macht Bum und ist Kerwa!

Schwarzgelbe Security die eifrigst die Einbahn bewacht, denn das Falschwählen ist hier verboten, so wie (fast) alles hier. Hier heißt Bamberg!

Durchfahrt frei nur bis 11, Aufenthalt nur auf Wegen, Alkohol an der Luft ist verboten, für den Lieferverkehr ist aber frei, aber eigentlich ist Parken nur von 8 bis um 12 und nach 9, frei für städtische Angestellte mit Ausweis ist meist auch, oder nicht?

An den rotweisen Barken zum Paradies tönen Schwanengesänge testosteronausgefüllter Prachtbullen vom Lande. Bayrisch Leder in wildbambibraun, made down in Bangla Desh. Und die altfränkische Tracht?

Gibts beim Schützenumzug! Schallala und scheiß drauf, es ist Kerwa und Senioren mit Kindern in Plastikdummdirndeln mit echt Plauener Ätzspitze fühlen sich (noch) nicht in ihrem tiefsbürgerlichen Sicherheitsempfinden gestört. Ich schon, von den Senioren und den klebrigen Kindern mit schwarzroten Liebesäpfeln an neongefärbten Dirndeln, testosteronschwangere Burschen vom Lande sind mir vertrauter, Jungesellenabschiedstraining in der Gastro härtet diesbezüglich ab!

Gradeaus kokelnd Bratwurstbetrieb. Echte Coburger gibt’s nur noch hier.  Noch mehr Testosteron, noch mehr Land, noch mehr Jung, noch mehr Volk, noch mehr Hip und auch Hop, noch mehr Busen, noch mehr Leder und Neon und Waden und Dirndl und Bum: Auch das Sandmädchen trägt Polyester.

„Ich glaab nôch der duads aa nimmä long, middn nai in die Scherm!“ Mitfühlend ist sie ja, die Bamberger Jungjugend und kaut dabei zweierlei Sorten Langós mit Zucker und Zimt und mit Knoblauch und Speck.

„Host noch gheert, s war doch noch a Mortschlächerei“ – Warum „doch“ denkt mein Hirn und denkt gutschwäbisch: Drauf geschissen, ich lebe ja noch und ich sauf! Denn die Kerwa, ja die Kerwa ist schließlich nur einmal im Jahr, auch wenn das bei fünf Kirchen im Blick, Fisch-, Wein-, Kanal-, Bier- und Austraßenfest und den anderen 600 jährlichen Dauerevents längst nicht mehr stimmt.

Und das Blut, und das Bier, und den Wein, und die Zwiebel, und die Heimat, auf die Madla und Burschn, auf den Hahn, und den Schlag, und die Musi und Trachten, Krüge hoch!, und die russischen Eier, und die Bratwürst, und as Lager, noch a U, und a Radler, und die Kaiserin Kunigund, und den Heinrich, und as Rathaus, Klein Venedig mit Illumination, und die Fahnen am Kranen ganz in rot und in weiß und in blau.

„Und es sin nach hald alls lauder Verrüchde! S’is noch hold nimmä so, wiäs môl woor, und miä gängan noch gaa nimmä hin, höchschdns schaun!“

Vor der Au sperren Alphörner den Weg. Eine Blonde in zünftig gelackten Ballerinas blickt mich an. Ertapt und fotografiert für die Ewigkeit nicht für’s Netz nur für  privaten Gebrauch, Feind hört mit!

Hinter ihr steht der Notarzt, Präventiv wie (fast) alles im Land. Noch zu früh, viel zu früh für noch für Schlägereien, und den Terror, und die Panik und die Vergewaltigung…die gibt’s erfahrungsgemäß nur bei gutem Wetter, und erst nach Mitternacht, und im Suff, und nur durch dunkelhäutige Menschen mit Migtationshintergrund…alles klar?

Und unser Frankenland es lebe hoch! Und die Jungen im Dreck, und die Kotze am Boden, und die Wildpisser und potentiellen Gefährder ganz hinten in dunklen Ecken.

Noch zu hell für die Schlampen auf Wahlfang, und die mordenden Gondeln, und das unökologische Feuerwerk (is as ned immä wiedä soooo scheh?). Und die stechenden Fischer, und die leuchtenden Lichter, und die funkelnden Augen, und die Zuckerwatte in Justins Haar und den Fisch, heute grün, leicht geräuchert und vom Hering.

Man möchte es eigentlich sagen dieser Dame, dass die hauteng um Celluliddis geschlungenen  Jeans ab drei Zentnern gutostfränkisch-steigerwälder Überspeck durchaus von Nachteil sind. Doch es ist Kerwa, ihr netzförmiges Neontop ist noch schlimmer und außerdem: Sieht Man(n) denn selber in Buisnesshemd Gröe 46 und mit Hosen um die 60 besser aus? Eher nicht!

Dreh dich um, kennst mich, ach ja doch, und wie geht’s, ja doch gut, und man selbst, ja man lebt, und die Eltern, ja doch auch, und Beruf, alles gut, und die Liebe, ach man lebt, und überhaupt schlechten Leut geht’s ja immer gut. Aber wie du nach heist weiß ich nimmä!

Hier, hier, nur hier gibt es Bratwürst…die mit Ausrufezeichen! Eine Hand ganz in Rot warnt am Schlidpfosten laut vor Gefahren von Geisterfahrrädern. Die Sicherheitswacht schläft nicht…nicht in Bamberg, und erst recht nicht zur S-Kerwazeit, weil es könnt, ja es könnt wirklich was passiern, Gott allmächt!

Auf der Mauer ein Paar, sehr versunken in sie gibt er sich Liebe hin, oder ist es nur Sex?  Andre gaffen im Neid, noch nichts selber geschossen, und ich lächle und denke nur: Mut!

Neben mir zwei gepimpte in Muskelschweißhemden von KIK!

„Bist nach abbä aa subbä aufgebumbd“

„Allmächt, ma duud  hold wos ma noch konn!“

Ich will ficken, sagt sie und taucht ab.

Kinderwoochngewühl auf der Brüggn, Klaana Bieschdä, und Handtaschn im Escher-Gedächtnißlook. Selbstverständlich umklammert…die Rumään köndns sonst klaun!

In der Nase läuft einem von Karamel, und am Himmel, am Himmel da hängen die Herzen aus Lebkuchen, nicht aus Marzipan! Alles rennt, alles schiebt und es drängt mich hindurch, wohin denn, drauf geschissen es ist Kerwa! Über Mir unter Sonne sind Wimpel und ganz tief mitten drinn, mitten drinn dort im goldenen Schnitt nur 3,80, Nicht mal 4 für ein Maß, Tempo 30 verdammt!

An der Ecke in Kinderarbeit: Festabzeichenverkauf…Mutter nervt, das Kind heult, Vater tut, als gehöre er anderswo hin, nach Mallorca vielleicht, oder doch nach Kambodscha?

Erste Glühbirnenschatten im Wasser an den Ufern die Haifischbar, mit drei Kumpels ein Bier hinterm Rattanzaun dazu ganz sanft das Geknatter von im Wind aufgeschnatter Rentner.

Es gibt fünf oder zehn Süßzeugsgestände, aber wir kaufen hier, hier wo sie IHRE zuckergesüßten Kracherlesmandeln einkaufen will. Nicht die schlechten von drüben, sondern die, die beim Essen ganz sicher die die Zähne ausreißen! Ich Depp stehe mit an, bin solidarisch, so wie all die andern, zwei bis drei Stunden lang sicher – Mandeln sind aus! Drauf geschissen und notiert: Nächstes Jahr keine Freundin im Sand!

Weiter hinten hat wegen des längst überfälligen Fettabscheidereinbaus der Pelikan zwangsweise Urlaub. All der Stuck, und Substanz und die Pflanzen müssen weg, schon am 19. mitten drinn in der Kerwa kommt der Bagger, gottverdammt! Und am Haus gegenüber is fei geschmückt!

Auf dem Schreibtisch daheim liegen Bücher, und zum Frühschoppen zwei halbe Maß und ein Radler und 4  Weißwurst, und süßer Senf, zwei Servietten, 10 Freunde und ja, auch ein ganz kleines bisschen Volksnähe im Suff.

Auf der Bühne ein Hühne mit Frau, schlechter Reim. Neben dem Klo gibt’s Fanartikel und CDs.

Glotz net blöd, wer ist Zoo und wer draußen? Die japanische Touristin im Kakitarnkleid schießt schnell ein Photo von so unglaublich viel echt deutschländerischem Gorillabrauchtum. Krüge hoch, draus gesch…denn die Kerwa, ja die Kerwa, die ist schließlich nur einmal im Jahr, auch wenn’s  das bei Fünfkirchenblick, Fisch-, Wein-, Kanal-, Bier- und Austraßenfest und den all den andren gefühlten 652 Events längst nicht mehr stimmt! Letzen Monat DIE allererste erschreckende graue Wimper. Frau Kasamoto aus Tosashimizu hat recht, auch ich bin nur ein Silberrücken laut Facebook!

Ich bin glücklich und nass, und vom Himmel tropft Regen in Scharen. Nicht als Hunde und Katzen tropft er dieses Jahr, nein, es regnet verhagelte Zahlen. Statt 100.000 nur 52 im Nasskalten nichts und nicht einer ist Wurst oder hält wenigstens eine Maß in der Hand, auch nicht für 3,80!…

In der Gasse am Stand leere Gesichter, entgangene Gier und verscheuchter Profit. Mutter Natur kann sehr grausam sein und all die Burschen und Madln, sie tuen mir Leid, wirklich Leid richtig schmerzhaft und ich Kaufe die Maas und zahl sogar Pfand, und ich trinke, ja ich trinke das eiskalte, wässrige Bier, hier im  Regen der mir hinten den Rücken abläuft.

Mir ist kalt, meine Zehen quietschen im Schuh. Nur schnell heim, aus dem Nass! Meine Beine sind Gummi und mein Weg ist ein schlammiger Bach und ein See. Eine letzte gebratene Zwiebel nur noch, eine nur! und dann raus aus den modernden, nadelgestreiften Hosen. Lederhosen sind kurz, und mit Spritzklappenschutz!

Vor dem Licht aus dem Stand fahle Lippen. Nicht nur Bier, noch was andres ist drinn in dem unterernährten Kerl mit den blassgrünen Augen. Geht mich alles nichts an, und ich will keinen Stress, nicht heut Abend und morgen, Kerwa ist, ich bin selig,  und sie ist – Gott sei Dank – nur einmal, dann ist Schluss, ob nun mit oder ohne das Hochfeuerwerk, drauf geschissen, noch a U und seid’s nett, ruft dem Kerl noch den Notarzt!

Sommer

Im Radio, ein Blick zum Bosporus verstellt durch grimmiges „Nachrichten aus Gerichenland“.

Der Mensch beschwert sich wellenweise – über Hitze, Volumenprozent/d 95% >Feuchtigkeit!

Ägypten ist im Winter – Vorsicht Rutschgefahr – doch auch ein Reiseziel; bei Nebelschwaden…

Der Deutsche Herbst zieht mit und schießt mit Blättern auf gelackte #Autodächer#

Im Frühjahr gibt es Heu und Schnupfen (Herr Biedermann hasst die Natur?)

Sommer

Sommer

„Geliebtes Bamberg“ oder „Auszug aus dem Tagebuch eines Feldforschenden“

Apfelweib

Bamberger Apfelweib

Ok, ok, ich geb’s ja zu, die Nora vom Künstlerhaus ist mal wieder schuld… und ihr wundervoller Bambergtext-Like-Post vom netten (s. Kommentareinträge auf Facebook)  Herrn Ritter und die Rattl vom Kaulberg, E.T.A. Hoffmann und natürlich Hegel…sie alle sind schuld. An was?

Selber lesen, sonst wär’s ja einfach…

1. Juni: Auszug aus dem Feldforschungstagebuch, O-Töne:

„Das Unsicherheitsgefühl normaler Passanten kann da durchaus nachvollzogen werden!“

„Nimmä noch soffad daana Bressoggbrôdzn von maim Lugsusorsch du Dreckszupfä‘…“

„Bambergerinnen sind herzlich, das ist schon E.T.A. Hoffmann aufgefallen, und der „Kriech“ um den Freibierausschank im Sand ist mindestens so alt wie die Elisabethenkirch, meint jedenfalls der Paschke, und wenn der’s nicht weiß, dann wer denn sonst?“

„Da sitzen’s wieder die Studenten und verschandeln uns as ganze schöne Bedongländer auf der Unteren Brück’n! Am besten wir rufen beim Tourismusamt an und streichen die nächste Expedition ins Quartier Latin [int. Touristensprech = Austraße] bis wir die inadäquat gekleidete Subrenitenzkultur gegen ordentlich zurechtgezupfte arisch-blonde blauäugige  BWLer mit Smartphonedirektberatungsapp und cappuchinosaufende Latte-Matschiado Mütter OHNE sichtbehindernden Kinderwagen ausgetauscht haben, schließlilch ist man sich das als Weltkulturerbe-Premium-Marke einiges schuldig, als allererstes Ordnung!“

„Am End sind’s dänn nôch voa unsärrä Ferienwohnungn die lônghôorichn Hôschischgiftspritzä…Ledtzda Wochn hôdd nôch scho aans obgsächd, zu Fronleichnôm, stelln’s innä des môl vô, Fraa Müllä, 400 Euro Verlust, ich sôochs innän…in aanä Wôchn…wenn des nôch so weidägechd…Ôllmächd…un älls bloß wegn denna G’schdudierdn…ich brauch’s fei ned!…“

„Allmächt die Ferienwohnungsmafia…auch wenn das hier niemand sagt, man ist am Kaulberg froh über jedes abbruchreife Häckerhaus.“

„Dô reißn mir öllas ôb, des gônz öld Grôffl, un nôch, nôch baun’ mir äs widdä neu auf und vermiedn’s rechd deuä! (schelmisches Lachen, Verbrüderungsgeste)“

„Und der Denkmalschutz?“

“ […] der Nachbar macht’s schließlich genau so…und wenn’s a Geld bringt…“

„Bratwurstschwaden ziehen über den Platz, eine junge, modisch gekleidete Frau nähert sich mit einem Kleinkind“

„Wenn’s d nôch da Roffl ned häldst sschdopf ich sä diä mid Rossäpfln…“

„Als ob’s die noch gäb! Aber die Geschichte von den armen Barock-Kindern in der Sutte, die nichts anderes zum Spielen als Rossäpfel und sich selber hatten ist einfach zu nett um darauf zu verzichten. Fast so gut, wie die von der Rattl in der Advendlichen Besinnung bei den Karmeliten!“

„Und ôch, hôssd as aa schô g’hörd, As Kunni vom Äußeren Löwengrôbn is g’schdôrm…aanfôch a so…“

„Und wôrum erzälds’t miä des nôch?“

„Nô ich hônn noch hold docht…Ihrä Wohnung wird nôch denn jô frei…“

„…und bevor’s as an Türgn odr Sschdudendn vermieten dunn…“

MAXQDA-Vermerk im Transscript:

„Xenophobie“?

Interviewauszüge, merken!: 

„Nein mit Fremdem hat man es hier nicht in der Fränkischen Provinz, außer sie sind reich, kaufen ein, trinken Schlenkerlá [int. Touristensprech = Touristenbier] und verschwinden nach spätestens zwei Tagen wieder…“

„Und überhaupt:  Man stelle sich vor, Studenten in der eigenen Nachbarschaft! Alkoholparties, Orgien, Drogen und am End und überhaupt…am End müsst man das gute Gästezimmer dann auch noch billiger weggeben. Und die Plätz auf’m Keller machn’s einem auch streitig…Touristn-Ausländer-Studenten-Gwaaf elendich’s!“

O-Ton II: 

„Bombay please…“

„Um meinen seit 10 Jahren andauernden Binnenexotikschok zu bekämpfen ziehe ich mich vorschriftsmäßig in die „Außenauschankfläche“ zurück.  Vielleicht klappt die sprachliche Inversionstäuschung ja diesmal und ich bekomm wirklich meinen Pompeij-Cocktail…andersrum funktioniert’s jedenfalls.“

Kolloquiums-Ankündigung: 

„Bamberg ein leicht psychodelischer Adventskalender mit latentem Touristen- und Alkoholproblem“

Eigengedanke: [Ja Herr Professor.]

Auszug aus literarischer Reisebeschreibung: 

„Ich schiebe mich durch die Pfingstwochenende-Massen, beobachte schrumplige Amerikaner in Kakibraun beim Bierkrugkauf, Japaner mit gespenstischen Mundschutzvorrichtungen, die sich gegenseitig vor dem Alten Rathaus ablichten, umherbewundernde Russen auf Antiquitätenshoppingtour…Ja mai frängisches Römla ist schön…“

Werbeauszug, Bamberg: 

„Unsere Marktanalyse unterstreicht mit dreistelligen Amortisationsraten das hohe Investment-Potential der lebens- und liebenswürdigen Bamberger Kernstadt…“

Experten-Interview, Gentrifizierung: 

„Könnt man jetzt auch Venezianisierung nennen. [Sie kennen Venedig?] Der Metzger wird zur Konditorei, das Modegeschäft für die übergewichtige Frau Ab 50 zur Eisdielen-Franchise-Konzeptgastronomie-Filiale (ob das aber ein Rückschritt war, weiß ich nicht…na ja, vielleicht für die übergewichtige Frau ab 50), das Kurzwarenfachsortiment mit angeschlossen-obligatem Ratsch zum aseptisch-stillen Innendesign-Mekka für Fortgeschrittene und die Stammkneipe zum Pizza-Döner-Imbiss…Nein, da ändern auch die nettn „Gschichtla“ von der Rattl nix. [Sie kennen die Rattl?]“

„Und doch man lebt und lebt recht gut zwischen Mälzereiduftwolken und zum letzten Abwehrkampf rot beleuchteten Burgzinnen.“

Anwohnerstimmen: 

“ Gônz billich is es nôch hald ned…“

„Aber wer will das schon [meint Jugendkultur], außer den Haschischgift-Studenten und alleinerziehenden Zupferschlampen, die zu blöd waren „ihren“ Ami zu heiraten? (lacht heftig).“

„Maana Döchdr heirôdn ämml reich, sonst ändärb ich’s!“

Eigengedanken, Forschungstagebuch, 1.06.2013: 

„Na dann, dann ist ja gut…“

Schlusswort/Fazit: 

„Schönen verregneten Nachmittag noch…und ja, ich liebe Euch, liebe Bamberger, liebe Bäckersfrau, liebe Rettl, liebe cappuchinossaufende Latte-Macchiato-Mutter, lieber Haschischgiftspritzer, lieber Immobilienmakler und auch Euch liebe Touristen, Ferienwohn(-ungs)hausbauer, Studenten von der oberen und Unteren Brücke, geliebte Zupferschlampen & Zupfer, Metzger, liebe Geschäftsinhaber ohne Öffnungszeiten, übergewichtige Frauen ab 50 und auch Du, hochgeliebter Eisdielen-Franchisenehmer und ja,  ich liebe auch Euch [ehrlich!]: liebe Nora & lieber Herr Ritter, der immer so nett ist [Komentarfunktion].“

PS: 

„Und ja…ich bin nicht nett…das sind genug andere!“

„Danke!“