Tageshaiku 50_Mondkirschen

Mondlicht auf ersten Kirschen;

Nachtfalter umschwirren die Sterne.

Schlafend in meiner Kniekehle: die junge Katze.

 

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Von Schnee und Regen

Schnee

Schnee

 

Schnee ist ein Wunder das verlockt.

Er schönt, bedeckt, macht gleich und lässt verschwinden.

Ich blicke vor mich hin, und sehe sie, die Illusion:

Ein heiler, eisiger Planet ohne Bewegung.

Verlorn der Antrieb, jeder Ehrgeiz längst zu Eis erstarrt.

 

Die Welt in Schnee – ein anfangsloser Nicht-Ort ohne Ende.

Ein weißes, völlig unbeschrieb’nes Jahr.

Ohne Bedauern, ohne Erinnerung, ohne Anspruch, ohne Schuld!

Alles wie ausgelöscht und wie beerdigt.

Vor mir nur reines, reiches Nichts.

 

Der Lärm, die Hast, der Neid, die Effizienz;

Die echten und die falschen Freunde, der Zwang perfekt zu sein…

verstummt, erstarrt und weggesperrt unter dem weißen Leichentuch.

Die neue, helle Welt – vollkommen wie der Mond!

Ich fröstle, es wird dunkel.

 

Verstörend schön, die Winternacht –

Schneekugelparadies in engen Grenzen!

Da stehen sie, vor laubberaubten Zweigen,

der Schlaf, das Innehalten und das Nichts-mehr-tun.

Dem der sich hingibt winkt Verzückun.,

 

Nur einmal, einmal noch vom Leben ruhn.

Ein schönes, sanftens Nicht-mehr-Sein und grenzenloses Glück!

Der Preis des Daseins jedoch gilt dem Fleißigen –

dem Räumer, Schaffer, Karrer und dem Schaufler,

und ganz bestimmt sogar noch dem, der einfach und bescheiden kehrt.

 

Doch Seeligkeit? Die gibt es nur für jene, die noch träumen,

die hilflos und betroffen stillesteh’n,

und jedes mal auf’s Neue staunen,

wenn dann und wann zur Winterszeit,

die Sterne uns vom Himmel fallen.

Es soll es sehr schön sein zu erfrieren.

 

Und dann, dann kommt der Regen.

Summertime…

Summertime

Summertime

Summertime and the livin‘ is easy„, so steht es  im von Heyward DuBose verfassten Libretto der 1935 von George Gershwin komponierten „American folk opera“ Porgy and Bess…

Ich hingegen konnte den Sommer trotz, oder vielleicht gerade wegen der diversen geistigen Aussetzer falschbrüstiger Wettermoderatorinnen, welche im Privatfernsehen schon Ende Februar von Sommer, Party, Sonneschein faseln und einem einen dringend Kurztrip an die türkische Riviera zum „Sonnetanken“ empfehlen noch nie ab. Es ist heiß, man schwitzt und eigentlich möchte man sich für vier bis fünf Monate im Jahr nur noch ins nächste Baggerloch oder auf den Vatnajökull verziehen. Ja, es ist eben ein echter Eiszeit-Neandertaler an mir verlorengegangen ;-).

Manchmal gibt es sie dann aber doch, die lauen Sommerabende an denen langsam die Sterne aus dem graublauen Nachthimmel auftauchen, das Temperaturniveau wieder auf ein menschenwürdiges Maß sinkt, der Mond durch die Zweige des Apfelbaums spickt und im Nachbarsgarten eine Nachtigall mit ihrer Galavorstellung beginnt. Dann schnappe auch ich mir ein paar Lampions, und – je nach Temperatur – ein gutes Glößchen Vino Nobile aus Montepulciano, einen Rosé aus Sancerre oder doch einen furztrockenen Chablis, setze mich in meinen begrünten Innenhof, ziehe mir Händel, Porpora oder eben auch die gute alte Ella Fitzgerald rein (ich liebe die Berliner Aufnahme mit dem the Tee Carson trio von 1968!) und genieße mein ganz privates „summer feeling“.

Summertime,
And the livin‘ is easy
Fish are jumpin‘
And the cotton is high…