Tageshaiku 47 _ Plötzlicher Sommer

Trug ich gestern nicht noch den Pullover?
Plusterten sich die Spatzen nicht gegen die Kälte?
So plötzlich – der Sommer!

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Summertime…

Summertime

Summertime

Summertime and the livin‘ is easy„, so steht es  im von Heyward DuBose verfassten Libretto der 1935 von George Gershwin komponierten „American folk opera“ Porgy and Bess…

Ich hingegen konnte den Sommer trotz, oder vielleicht gerade wegen der diversen geistigen Aussetzer falschbrüstiger Wettermoderatorinnen, welche im Privatfernsehen schon Ende Februar von Sommer, Party, Sonneschein faseln und einem einen dringend Kurztrip an die türkische Riviera zum „Sonnetanken“ empfehlen noch nie ab. Es ist heiß, man schwitzt und eigentlich möchte man sich für vier bis fünf Monate im Jahr nur noch ins nächste Baggerloch oder auf den Vatnajökull verziehen. Ja, es ist eben ein echter Eiszeit-Neandertaler an mir verlorengegangen ;-).

Manchmal gibt es sie dann aber doch, die lauen Sommerabende an denen langsam die Sterne aus dem graublauen Nachthimmel auftauchen, das Temperaturniveau wieder auf ein menschenwürdiges Maß sinkt, der Mond durch die Zweige des Apfelbaums spickt und im Nachbarsgarten eine Nachtigall mit ihrer Galavorstellung beginnt. Dann schnappe auch ich mir ein paar Lampions, und – je nach Temperatur – ein gutes Glößchen Vino Nobile aus Montepulciano, einen Rosé aus Sancerre oder doch einen furztrockenen Chablis, setze mich in meinen begrünten Innenhof, ziehe mir Händel, Porpora oder eben auch die gute alte Ella Fitzgerald rein (ich liebe die Berliner Aufnahme mit dem the Tee Carson trio von 1968!) und genieße mein ganz privates „summer feeling“.

Summertime,
And the livin‘ is easy
Fish are jumpin‘
And the cotton is high…

Früh-Jahr alias Spring!

Buschwindrößchen!

Buschwindrößchen!

Spatzen, die trotz türkischem Twitterverbot ihr Zwitschern zwecks Paaranbindung unbeeindruckt fortsetzen; Krähende Hähne, die schon morgends um 4 mutig der städtischen Ruhezeitenverordnung trotzen;  Jubilierende Amseln, deren Haupt-Lebenszweck die totalderbleckung des Nachbarskaters zu sein scheint…

Es ist Frühling, zarte Buschwindrößchenblüten schwanken heiter im Wind, klebrige Phallusknospen lauern an Kastanienbäumen und auf dem dreibeinigen Cafeehaustischchen steht passend zur Annektion der Krim die erste Russenhalbe!

Wären da nicht fleißige Nachbarn, die beim ersten Sonnenstrahl zum fröhlichen Frühlingssynchronsägen blasen, die dunkel dräuende Gefahr einer Schlechtwetterfront aus Nord-Nord-West würde mich nur perifer in meinen Überlegungen zum wissenschaftlichen Langzeitprojekt tangieren – kurz, es ist Frühjahr und das Leben ist einigermaßen perfekt…
(gerade habe ich über einen Doktoranden gelesen, der seit bald 50 Jahren promoviert, der war „zwischendurch“ aber auch noch Allgemeinmedizinier)

Á propos Medizin: Unsere Frühlingsgefühle werden trotz Mafiasonnenbrille nicht von frischerblühten Veilchenteppichen, sondern vom dazwischen verrottetenden Gras ausgelößt (Methylenschock ;-), fast wie damals beim Orakel von Delphi), aber was solls, Gefühle fragen ohnehin nicht nach dem woher und wohin, was gelegentliche Messaliancen erfolgreich und jedes Jahr auf’s neue bestätigen.

und ich frage mich, ob ich nicht im vorletzten Jahr, den gleichen Stuss zum gleichen Thema fabuliert habe – vermutlich schon, und das ist gut so, denn (frisch erfundene) Traditionen, oder wie es meine akademisch verbildeten amerikanischen Freunde ausdrücken „Roots & Heritage“ (kurz: HR) halten im potmodernen Kontinuum der Zweiten Moderne schließlich Welt & Seele zusammen!

Was wäre aus uns global dislozierten Maybes denn schon ohne das noch aus herrlichen Jungmädelzeiten stammende Eintopfrezept unserer Großmütter geworden? – Erbsen, Kartoffeln, Karotten, Nudeln und Leberkäs – bodenständig deutsch eben! Welches narzistische Wrack (alias Businessperson / Veganischer Gutmensch)  wären wir heute, ohne die weisen Ermahnungen des Grundschulreligionspädagogen, der uns dereinst in weihevollem Ernst schon in der Ersten Klasse darauf hinwies das „Mildtätigkeit der Anfang aller Liederlichkeit sei, und die Armen eh allesamt in die Hölle kämen, weil sie von GOTT verworfen worden seien?“ – gut, der Mann war prädestinativer Pietist (nicht zu verwechseln mit pädophilen Creationisten!), aber ganz unwahr ist die Sache ja nicht, und gelernt haben wir dabei immerhin auch was:

Nicht jede lächelnden Blondine, die nach Einbruch der Dunkelheit in Sanitäteruniform an der Tür um mildtätige Gaben bettelt ist eine angenehme Überraschung! – die heiligen Drei Könige langen vollauf!

Zurück zum Frühjahr! Ich habe Schneckenkorn gestreut und dem Wasserhahnen im Hof einen Messingschlauchanschluss verpasst! Vorbereitung ist alles – schließlich wollen wir das Gartenjahr nicht mit nagender „german angst“ vor Nacktschnecken und unvermittelt abbrechenden Plastikdruckventilen beginnen! Die gleiche „german angst“ trieb mich vermutlich auch dazu, kurz nach Aschermittwoch meinen begrünten Pseudo-Garten-Innenhof in einen handbemaltem plastikostereibewehrtem Frühlingstraum samt Osterbrunnen, Osterstrauch und Osterhecke umzudekorieren – Es wär ja schad drum, das ganze Zeug zu haben und es dann nicht maximalsemantisch-mehrwertschaffend einzusetzen. Ein Frühlingspräventivrundumschlag sozusagen, und außerdem: der Nachbar macht’s auch! – ich mein das Ostereiergehänge. Schneckenkorn braucht er nicht, sie haben Laufenten. Und überhaupt: was kann ich dafür, das Ostern dieses Jahr so spät ausfällt?

Fehlt nur noch der Frühjahrsputz – also der drinnen – nicht der draußen, schließlich haben wir wie jedes ordentliche Haus ‚Kerwoch‘! Vermutlich verschieb ich den aber auf Sommer, irgendwas muss man ja bei 30 Grad im Schatten machen.

Schönes Frühjahr noch,

ALexnikanor

Klassisch & sommerlich (fast) ;-)): Ossobucco mit Gremolata

Ossobucco mit Tagliolini und Gremolata

Ossobucco mit Tagliolini und Gremolata

Ich liebe Metzger, bei denen es noch (oder wieder) gut abgehangene und fachmännisch zerteilte Rinderfußscheiben gibt!

Wunderbares, rotes, zart durchwachsenes Muskelfleisch und in der Mitte ein weißes Knochenauge mit Mark!

Schon der Rohzustand ist verlockend.

Wenn man sich dann aber noch die Mühe macht, ein wenig Wurzelgemüse, Petersilie, Tomaten (wenn man gerade mal wieder nur die nichtsschmeckenden holländischen bekommt, spricht nördlich der Alpen absolut nichts dagegen die eingemachten aus der Dose zu nehmen) Lauch, Sellerie, Knoblauch, Zwiebeln und was immer der Garten sonst noch gearade hergiebt (wer mag darf gerne auch etwas Paprika, ein Paar Kartoffeln und Pastinaken reinschnibbeln, ich bin da nicht so puristisch) kleinzuschneiden, das Ganze mit etwas Rotwein, einem Hauch Zimt und 2 Nelken (ich weiß das ist auch nicht klassisch, aber es funktioniert!) in eine Reine (süddt. für Bratenform) zu geben, es 3-4 Stunden bei mäßiger Hitze schmoren zu lassen und es dann mit ein paar frisch abgekochten und mit Butter überlassenen Tagliolini und einer aus Zitronenzesten, Petersilie und Knoblauch gewiegten Gremolata (die gibt dem ganzen erst den richtigen, heiter-herzhaft südlichen Geschmack und balanciert das manchmal doch etwas schwere Schmoraroma des Fleisches perfekt aus) der erlebt das Paradies! Versprochen!

Leider gibt’s von der ganzen Herrlichkeit keine vegetarische Variante…Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass das ganze mit Sojafleischersatz auch nur annähernd funktioniert, bin aber gerne bereit dazu zu lernen!

PS: Das Knochenmark ist das beste daran…am besten man röstet es ganz vorsichtig (damit es nicht zerläuft) kurz vor dem servieren mit etwas Trüffelöl an…

Und für alle, die sich jetzt fragen, welchen Wein man zu einer derart herrlichen und gleichzeitig einfachen Speise trinkt…

Einen Italiener natürlich!

Gut passte der 2011 Cirò, ein herrlich schwerer, beeriger, leicht pfeffrig schmeckender und intensiv rubinrot schimmernder Gaglioppo von der Società Tenuta Iuzzolini in Cirò Marina der auch etwas schwerere und mit Knoblauch gewürzte Gerichte problemlos verträgt.

Buon Appetitò und viel Spaß beim Nachkochen!

PPS: Wer den Fehler im Bild findet bekommt ein etwas ausführlicheres Rezept!

Sommer

Im Radio, ein Blick zum Bosporus verstellt durch grimmiges „Nachrichten aus Gerichenland“.

Der Mensch beschwert sich wellenweise – über Hitze, Volumenprozent/d 95% >Feuchtigkeit!

Ägypten ist im Winter – Vorsicht Rutschgefahr – doch auch ein Reiseziel; bei Nebelschwaden…

Der Deutsche Herbst zieht mit und schießt mit Blättern auf gelackte #Autodächer#

Im Frühjahr gibt es Heu und Schnupfen (Herr Biedermann hasst die Natur?)

Sommer

Sommer

Scaloppine alla palermitana

Scaloppine alla palermitana

Farfalle an Zitronenbutter, butterzarte in Rotwein gesottene Rinderschnitzelchen (lila!), herrlich geschmortes Zucchini-Melanzane-Gemüse und darüber fruchtig-würzige Orangen-Gremolata…Das perfekte Sommergericht!

Schnee

Schneeflöckchen, Weißröckchen…

Ich bin fasziniert von Schnee!

Glühwein, eine warme Decke, das heimelige Knistern des Kaminfeuers und der fröhliche Tanz der eisigen Flocken vor meinem Fenster…Auch wenn ich mich mit dem folgenden Statement vermutlich bei der Hälfte der Menschheit ungläubiges Kopfschütteln hervorrufe:

Für mich könnte das Ganze Jahr Winter sein!

Richtiger Winter! Der mit zwei Metern Schnee, minus 25 Grad, gesperrten Straßen, um die Ecke pfeifenden Schneestürmen und Schlittschuhlaufen auf zugefrorenen Seen ohne die nagende Sorge, dass das Eis doch zu dünn sein könnte; Kalter, vor Frost klirrender Winter, Nicht die mediteran-durchfeuchtete Dauermisere der letzten Jahre!

Bis heute treibt mir der Gedanke an nubuklederfarbene Börsengurus und zarte Röstaromen verströmende Damen der besseren Gesellschaft, die sich freiwillig der Tortur eines UV-Sonnenbades unterziehen und sich dabei auch noch nach der schweißtreibenden Hitze der Südtürkei im August zurücksehenen zarte Eissschauer über den Rücken. Lästige Zugverspätungen, das allmorgendliche Schneeschippen und die horrend steigenden Heizkosten, was ist das alles gegen das wunderbare Gefühl über frisch gefallenen Schnee zu schweben?

Wahrscheinlich ist an mir ein echter Sami, Tunguse, Inuit oder gar eine bisher unbekannte europäische Unterart des Yeti verlorengegangen.

Sicher, ein Frühlingswald voller blühender Scilla, Schlüsselblumen und Buschwindrößchen, duch die silbrige Gischt eines Viermasters springende Delphine im hochsommerlichen Azur des  Mittelmeers oder die funkensprühende herbstliche Farbenpracht der gemäßigten Zonen, sie alle haben ihren je ganz eigenen Reiz, und auch der Anblick einer seltenen Orchidee oder lianenumrankter Tempel mitten im dampfenden Dschungel gehört zu jenen tiefbewegenden Traumbildern deren Verlust das Leben sehr viel ärmer machen würde…aber an das still vor sich hin funkelde Wunder einer polaren Vollmondnacht reicht nichts davon heran!

Willkommen Schneeflöckchen und hüt mir die Blumen!