Adventskalender 2014 – 13. Türchen – Sancta Lucia, oder vom Licht in der Finsternis…(Aus dem Archiv)

lux in tenebris

Wer jemals am 13. Dezember in Schweden war wird den mystischen Anblick von jungen Mädchen die im Gedenken an die Heilige Lucia auf ihrem Kopf eine Krone aus Buchsbaumzweigen und brennenden Kerzen durch das morgendliche Halbdunkel tragen so schnell nicht vergessen.

Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. 1582 der aufgrund des im Vergleich zum Sonnenjahr zu „langen“ Julianischen Kalenders 10 Tage „ausfallen“ ließ (s. Anm.1) war der Lucientag gleichzeitig auch Mitwintertag. Aus diesem Grund wurden und werden an Skt. Lucien auch zahlreiche Rituale gepflegt, die mehr mit dem symbolischen „Sterben“ des Alten und „Wiederbeginn“ des Neuen Jahres und weniger mit der „Heiligen vom Unbesiegbaren Leben“( s. Anm. 2) zu tun haben.

Neben den Kerzenkronen welche – ähnlich wie die Lichter des Weihnachtsbaums oder des Adventskranzes – Christus und damit das (wiederbeginnende) „Licht in der Dunkelheit“ repräsentieren, gehört zu diesen „Bräuchen des Jahreswechsels“ auch noch der sogenannte „Lucienweizen“.

Man stellt eine Kerze in eine kleine Schüssel, gibt etwas Wasser, Erde oder Watte und einige Weizenkörner hinzu und wartet, bis sie an Weihnachten in etwa Handspannenhöhe erreicht haben,. Gelingt dies, wird die Kerze entzündet; danach lässt man die Keimlinge verdorren(damit sind ähnliche Orakel wie mit den Barbarazweigen (s. 4. Türchen) verbunden). Bemerkenswert an dem Brauch ist seine hohe Ähnlichkeit mit antiken „Adonisgärtlein“ (Adonis war ursprünglich ein aus Vorderasien stammender Vegetationsgott der im griechischen Pantheon gleichzeitig Gott der (männlichen) Schönheit war, das Keimen und Vergehen des Weizens symbolisierte das Werden und Vergehen der Pflanzen und den Lauf der Jahreszeiten). Auch zum kurdischen und persischen Neujahrsfest werden Weizenkeime ausgesät. Sie sollen Glück, Kraft und Erfolg im Neuen Jahr bringen, aber auch an die Vergänglichkeit des Seins erinnern.

Ein schöner Brauch, weil er einen mitten in Schnee und Eis an den bevorstehenden Frühling erinnert und gleichzeitig mahnt sich nicht immer so wichtig zu nehmen.

Kαὶ τὸ φῶς ἐν τῇ σκοτίᾳ φαίνει, καὶ ἡ σκοτία αὐτὸ οὐ κατέλαβεν

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.

(Joh 1, 5)

Anm. 1) Auf den 4. folgte der 15. Oktober 1582; Es dauerte jedoch bis 1949 bis dieser Kalender weltweit angenommen wurde.
Anm. 2) Die Heilige Lucia überstand gleich mehrere Martyrien, weder das Übergießen mit Siedendem Öl noch ein in den Hals gerammtes Schwert vermochten sie zu töten und auch die Übersendung ihrer Augen – laut einer Variante ihrer Heiligenlegende hatte sie sich die Augen selbst herausgerissen, was sie zur Patronin bei Augenleiden und Fehlsichtigkeiten macht  – an ihren ungeliebten Verlobten vermochten sie nicht zu töten…sorry, aber katholische Märtyrerlegenden sind nun mal  per se latent blutig und nicht unbedingt kindgeeignet ;-(

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Neulich im Weltkulturerbe

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Es ist Anfang Februar. Über meinem Kopf gleitet ein Motorsegler im Tieflug. Aus einem Fenster dröhnt lautstark fränkische Folklore. Die Tische der Straßencaffees sind überfüllt mit Sonnenbrillenträgern. Auf dem Weg zur Eisdiele stolpere ich durch eine Touristengruppe – Russen, Japaner, Chinesen?

Zum Mittagsläuten vor dem Traditionslokal die Versammlung der üblichen Säufer: Mitte Fünfzig, zwei einträglich an Studenten vermietete Mietshäuser in Innenstadtlage, Leberzirrhose im Endstadium, zwei Herzinfarkte und Rosenakne. Ich lächle, sie winken freundlich benebelt zurück.

Ich wandere weiter, und endtecke zwischen aecht fränkischer Kleingartenidylle und Bio-Gemüseständen frischgebackene Muttis an Designerbuggys mit Kind. Das zugehörige Vater-Accesoire trägt in dieser Saison neongrüne Daunensteppweste nebst farblich abgestimmtem Wildlederschuh in Himmelblau.

Zwei Straßen weiter geraten gerade Gästeführer und zugezogene (!) Philosophiestutentin aneinander: Es sei zu laut, die Touris eine Plage, und überhaupt drohe der Welt Komplettgentrifizierung. Der Gästeführer bleibt sehr ruhig, zupft Brille udn Barett zuerecht, nickt Halali und erklärt dann in flüssigem Französisch, wie begeistert doch die Einheimischen über all die vielen Besucher aus aller Welt seien. C’est la vie!

Im Stadtpark stehen Verbotsschilder in vier Sprachen. Ein verspäteter Paketlaster blockiert die Fußgängerzone – Aufenthalt nur auf Markierten Wegen: Geschützer Landschaftsbestandteil! Ich kehre Heim und starte auf der Suche nach Wetter den Computer. Die Ferienwohnungsdachwebcam liefert in Echtzeit Bilder vom Regnitzstrand mit Gefängniß, noch fünf Minuten und mein Besuch kommt. Private Vollüberwachung des öffentlichen Raums kann sehr praktisch sein!

Mein Nachbarskater blickt indigniert auf sich paarende Stechmücken und fordert dann lautstark und grummelmiauend von mir Milleuschutz wie am Prenzelberg. Ich lächle ihn an und verscheuche ihn aus meinem Blumenkasten. Schnittlauch und Blattläuse brauchen ihre Ruhe!

Es ist Frühling im Weltkulturerbe.

Reise nach Kythera 2 – The island that differs

Geschenkte Trauben aus Amir Ali

Kythera ist anders…wer kennt nicht solche und andere Werbesprüche aus unzähligen Prospekten, Anzeigen und ökonomisch aufgeschlossenen Web-Blogs selbsternannter Lokalexperten.

Die Kytheranischen Tourismus- und Marketingexperten sind da keine Ausnahme. Die Insel ist nicht nur anders, sie ist, laut Aussage gut unterrichteter Web-Sites „one island, one world“ oder mindestens „the island of joy and beauty, a meeting point of nature, civilisation and love.“

Vermutlich geht es einfach keine Nummer kleiner, wenn es um die Privatinsel der Göttin Aphrodite (in Antiken Quellen nicht selten einfach „Kytheraia“ genannt) geht. Richtig gehört: Kythera nicht Zypern! Wer mehr dazu wissen will darf gerne hier nachlesen!

Wo genau die meerschaumgeborene greichische Liebesgöttin das Licht der Welt erblickte ist hier freilich genauso umstritten, wie andernorts. Jeder will ein bisschen vom Ruhm der Göttin abhaben. Fragt man die Einheimischen war es ganz gewiss der nächstgelegene Strand am Ende der Schotterpiste, gleich links neben dem eigenen Häuschen oder Weinberg. Und wenn’s der vom Nachbarn war…auch gut, Kythera ist schließlich überall schön, und weshalb sollte sich die freigiebige Göttin nur für einen Strand entscheiden…Darunte rauch der eine oder andere, an dem bis heute Schilder mit recht eindeutig, zweideutigen Hinweisen darauf hinweisen, dass hier nicht nur gelegentliches Nacktbaden üblich ist, sondern sich die Menschen in etwas abgelegeneren Ecken auch auf andere Weise näher kommen…Ich liebe diese Art von Humor der Kytheraner, die es fertig bringen, selbst bei der abgelegensten Kapelle mit Edding die Karrikatur eines deutschen Oberlehrers mit erhobenem Zeigefinger auf den dort bereitstehenden Mülleimer zu malen und damit ihre griechischen Landsleute und Urlauber zur ordnungsgemäßen Entsorgung ihres Mülls auffordern. Wer das ansonsten im Mittelmeerraum omnipräsente Phänomen des unbedacht in die Gegend geworfenen Mülls kennt, wird vestehen, dass bereits das Vorhandensein dieses Mülleimers, un der Fakt, dass dieser ganz offensichtlich auch regelmäßig geleert wird, ganze Bände über die Kytheranische Mentalität und die Liebe der Kytheraner zu ihrer Insel erzählt!)

Doch zurück zur Frage, wo denn nun diese Aphrodite – Göttin der Liebe und der Schönheit – GENAU dem Meer entstiegen ist. Befrägt man den offiziellen Reiseführer, so wird dieser einem als den ultimativ einzigen und wahren Geburtsort sehr wahrscheinlich den großen Sandstrand von Paliopoli oder den hinter der – von den Alten einfach nur „Kastri“ genannten großen Sandsteinklippe in der Mitte des langezogenen Strandes – gelegenen Strand von Limni nennen, und einen gleich auch noch darauf hinweisen, dass es in den Klippen einen Ort namens „Aphrodite’s Bath“ gibt. Die Erklärung für diese nach deutschen Maßstäben etwas ungenaue Ortsangabe liegt nun weniger darin, dass man nicht sehr genau wüsste wo man suchen sollte (dazu komme ich gleich noch), sondern darin, dass dieser Strandabschnitt – der größte auf der ganzen Insel – bisher touristisch recht wenig erschlossen ist und man sich für zukünftige Großprojekte schon mal einen publikumssichernden Wettbewerbsvorteil sichern möchte. Was könnte da attraktiver sein als der Geburtsort der Göttin der Liebe?

Dass damit wohl endgültig einer der letzten einigermaßen naturbelassenen Strände des Mittelmeers und mit ihm auch die inzwischen äußerst seltene lokale Unterart der Pankratiuslilie (die der Sommertourist in aller regel nicht sieht, da sie erst mit Beginn der Regenzeit, also Ende September/Anfang Oktober blühen) verschwinden wird…Nur ein weiterer Kolateralschaden auf der Liste der durch den globalen Massentourismus verursachten Zerstörungen.

Und wenn ich grade schon bei etwas zweifelhaften Entwicklungen bin: die inzwischen überall angebotenen „Liebeskiesel bzw. Kiesel der Aphrodite“ – kleine herzförmige Kieselsteine, die gefasst oder ungefasst an einigen kleinen Ständen auf den Wochenmärkten und im einen oder anderen Souvenirshop angeboten werden und die es an diesen Stränden besonders häufig geben soll – sind auch erst eine geschickte, und außerdem recht junge Erfindung einiger geschäftstüchtiger Ausländer (wenn ich recht informiert bin, war es eine auf der Insel lebende Deutsche, die auf die Idee kam). Die auf dem Beipackzettel zu diesen „Pretiosen“ gleich mitverkaufte, tourismusgerecht aufgepoppte Legende berichtet denn auch, diese Kiesel seien Reste des Meerschaums aus dem Aphrodite entstiegen sei. Macht man sich allerdings klar, dass es sich dabei dem antiken Mythos gemäß um ein Gemisch aus Salzwasser und dem Sperma und Blut des Uranos handelte, überlegt man sich dreimal, ob man solch ein Schmuckstück mit nach Hause nehmen will…Aber welcher Tourist kennt sich heute schon noch so gut in antiker Mythologie aus?

Begiebt man sich auf seiner Sucher nach der Göttin der Liebe weiter ins Gelände, wird man recht schnell auf verwitterte Schilder stoßen, die auf den sogenannten „Thron der Aphrodite“ hinweisen. Dieser befindet sich – anders als das meist unten am Strand herumliegende Schild vermuten lässt – etwas versteckt über dem Strand unmittelbar an der höchsten Stelle des Felsabbruchs der bereits erwähnten Sandsteinklippe. Überwindet man erst einmal seine in dem Gelände keinesfalls unberechtigte Angst vor den Hinterlassenschaften der Sommertouristen, Giftschlangen und Skorpionen und findet den etwas verwilderten Einstieg hinter der Klippe, kann man vorbei an ein paar mit durchlöcherten Plastikfolien abgedeckten antiken Grüften hinauf zum „Thron“ steigen…und hier beginnt auch schon das Problem mit diesem Strand, seinem Thron und der Aphrodite…In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Gelände um nichts anderes als die traurigen Reste der antiken Nekropole Skandias, bzw. Paliopolis und der Thron der Aphrodite ist nichts anderes als der inzwischen überirdische Rest einer antiken Grabkammer. Mir ist es bis heute nicht gelungen herauszufinden ob das nun zwei Namen für den gleichen Ort, oder zwei nah benachbarte Orte waren…vermutlich lässt sich das Ganze auch nicht mehr so ganz beantworten, da heute entscheidende Teile der Orte fehlen. Warum? Nun…

Aufgrund des Tektonischen Wechselspiels unterschiedlicher Mikroplatten direkt vor der Südspitze des Pelopones ist Kytheras Untergrund alles andere als stabil. Wie auch auf dem benachbarten Kreta oder dem angrenzenden Festland sind auch heftigere Erdbeben hier alles andere als eine Seltenheit (im Durchschnitt gibt’s alle paar Jahre eines mit der Stärke 6-7, vereinzelt sind aber auch wesentlich stärkere Beben aus historischen Aufzeichnungen und geologischen Forschungen bekannt). Das eigentümliche daran ist, dass diese, obwohl die Insel vergleichsweise klein ist, an unterschiedlichen Orten sehr unterschiedlich stark ausfallen können – der Grund dafür ist, dass die Insel von zahllosen Spalten und Brüchen durchzogen wird und jede kleine Mikroplatte sich im Erdbebenfall mehr oder minder unabhängig von der anderen bewegt. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Erdbeben auf der einen Seite der Insel ganze Ortschaften schwer beschädigen oder gar zerstören kann, während man es am anderen Ende kaum bemerkt…

Doch zurück zum „Strand der Aprhodite“…Der muss in der Antike komplett anders ausgesehen haben. Vermutlich gab es hier einmal – ganz ähnlich wie heute in Kapsali – zwei weite und durch eine weit ins Meer hineinragende Halbinsel voneinander getrennte Buchten, die – anders als heute – den Schiffen ausreichend Schutz vor den Gefahren der hohen See boten. Auf der Halbinsel, von der heute nur noch die reichlich angeknabberte Klippe von Kastri / Paliopoli übrig ist stand dereinst eine große und , ausgehend von den doch recht beachtlichen Gruften ihrer Bewohner, auch reiche Hafenstadt, die inzwischen durch Erdbeben, Erosion und wohl auch den einen oder anderen Tsunami komplett ins Meer gerissen wurde. Zwar nennt sich eine zwei Hügel weiter gelegene Appartmentsiedlung (bei deren Bau nicht unbedingt pfleglich mit den antiken Überresten umgegangen wurde) auch Skandia, jedoch war dies allenfalls eine Art Vorort des eigentlichen Stadtgebiets, dass heute im Meer versunken, bzw. von diesem „verschlungen“ wurde. Weiß man dies, ist auch eine andere Sache ist sicher, es war – wenn überhaupt – weder der heutige Strand von Limni oder der von Paliopoli, der den Geburtsort der Liebesgöttin bildete, sondern eine heute etliche hundert Meter weiter draußen im Meer gelegene Stelle. Alles andere ist Legende und gutes Tourismusmarketing, Sorry..

Es gehört zu den großen Tragödien der Insel, dass von der in den Antiken Quellen beschriebenen Pracht wenig übriggeblieben ist – und das wenige, dass gefunden wurde (so z.B. der Antikytheraapparat und der zugehörige Schatz hochrangiger Kunstwerke) heute meist in Athen oder anderen Orten zu sehen ist. Das wenige, dass sich heute noch auf der Insel befindet, steht im  Museum steht im nach einem Erdbeben 2006 leider noch immer geschlossenen Inselmuseum…eine Lösung dieser Missere ist zwar angedacht, wird aber aufgrund der aktuellen Finanzkriese wohl noch etwas auf sich warten lassen…

Es ist ohnehin eher die Party mit Verwandten und Freunden, die wie eh und je im Sommer die Menschen auf die Insel zieht. Insgesamt ungefähr 50 bis 80 Tausend,  darunter nicht wenige Nachkommen der zwischenzeitlich in die ganze Welt ausgewanderten Kytheraner. Dazu kommen noch einige Hundert Remigranten, die’s halb- oder Ganzjährig aus der Diaspora auf ihre „Heimatinsel“ zurückzieht, ca. 500-700 Albaner, die in den 1990er Jahren zugewandert sind und in Orten wie Frilingianika und einigen anderen Weilern inzwischen die Bevölkerungsmehrheit stellen und im Frühjahr und Herbst inzwischen auch einige Wanderenthusiasten, die die wilde Schönheit der Landschaft genießen und auf der Suche nach Ruhe, auch die abgelegensten Schluchten unsicher machen, oder sich mit ihren gemieteten Kleinwagen über abenteuerliche Schotterpisten kämpfen (Ein Allrad-Jeep wäre hierzu zwar besser als ein kleiner Hjunday, aber der passt hier einfach nicht überall durch…). Den Rest des Jahres haben die Einheimischen die Insel und ihre Sturmwinde fast für sich allein – ob das noch lange so bleibt, ist allerdings zu bezweifeln, der Tourismus legt in den letzten Jahren auch in der Nebensaison zu, und so wird die Insel in Zukunft wohl kaum noch der „Geheimtip“ sein, der sie gerade – noch – ist.

Noch allerdings dauert die Hauptsaison auf Kytehra nur vom 15. Juli bis 15 September. Dann sind alle Zimmer zwei und dreifach ausgebucht, die Autos stauen sich auf den kleinen Straßen, das Leben ist ein einziges großes Fest und überall tanzen die Menschen auf den beleuchteten Straßen (vor allem bei den großen Abschiedsfesten der Exil-Kytheraner um den 25. August herum). Außerhalb dieser Zeit kommt täglich nur eine kleine Propellermaschine und zwei, ebenfalls recht kleine Fähren, die aber mehr Kleinlastwagen mit Gütern des täglichen Lebens, als Menschen auf die Insel bringen.

Vielleicht – nein ganz sicher – liegt es an dieser noch relativen „Unbekanntheit“ der Insel, dass man gelegentlich von einer alten Frau, die gerade auf dem Heimweg von der Weinernte ist angehalten wird und mit einem strahlenden Lächeln eine ganze Tüte Trauben einfach so in die Hand geddrückt bekommt – geschenkt und einfach so. Nichteinmal den Berg nach Karavas hochfahren durfte ich die alte Dame samt ihrer Lastenkraxe voller Trauben. Auf mein Anbebot sie die paar Meter mitzunehmen meinte sie nur: sie sei diese Strecke ihr ganzes Leben lang geloffen, und werde es mit ihren 84 Jahren nun auch nicht mehr anders halten.

Vielleicht grüßen deshalb auch noch beinahe alle Bauern auf den Äckern und Wiesen jedes vorbeifahrende Auto (inklusive Touristen), vielleicht wünscht einem der Priester deshalb auch noch am Dorfbrunnen einen schönen Abend und segnet einen selbst und das Auto gleich vorsorglich in einer improvisierten Kurzzeremonie mit, vielleicht gibt es deshalb noch immer Menschen, die im Herbst das Salz aus den kleinen Felslöchern am Strand aufsammeln und aufwändig von Hand von kleinen Steinchen säubern (das Kytheranische Salz schlägt dabei meiner Meinung nach jedes noch so feine Fleur du sel um Längen!), und vielleicht ist es wirklich nur der kurzen Saison geschuldet, dass man bei der Heimkehr ins Appartment einen Teller mit Kuchen und frischen Feigen vorfindet und einem – obwohl man gerade mit gefühlten zwei Dutzend Einkaufstüten vom Mini-Supermarkt wiederkommt – der Zimmerwirt vor dem Schlafengehen „noch schnell“ einen Teller mit von seiner Frau gerade frischgebackener „Spinat-Pita“ vorbeibringt, damit man nicht verhungert (Gott behüte!)…

Ich selbst bilde mir aufgrund dieser Erfahrungen ein, dass sich Kythera in diesem Punkt wirklich von anderen griechischen Inseln unterscheidet. Die Menschen hier sind eben (noch) nicht nur am Geld interessiert. Ihnen ist wichtig, dass man sich bei ihnen wohlfühlt und sie freuen sich (noch) über jeden Fremden, die auf ihre Insel kommen. Vielleicht ist das ja das Erbe der göttlichen Aphrodite. Wenn ja, hoffe ich, dass es den Kytheranern und ihren Besuchern noch sehr, sehr lange erhalten bleibt und die Bewohner dieser Insel nicht die gleichen Fehler begehen, wie sie auf Santorin oder Mykonos passiert sind. Einmal zerstört ist diese Welt und ihre Art des Lebens und gegenseitigen Umgangs nicht mehr herstellbar.

PS: Für alle, die sich jetzt fragen, wo denn dieses Bad der Aphrodite liegt…nun auch da gibt’s zwei Varianten:

Die erste liegt am südlichen Ende des Strands von Limni an einer Stelle die heute im Allgemeinen Asprogas genannt wird…Richtig geraten, es sind die komischen Löcher und Durchbrüche im Fels am südwestlichen Ende des Strandes durch die die Gischt wie in einer Waschstraße spritzt. Und ja, es gibt tatsächlich Verrückte, die meinen da ein Bad nehmen zu müssen, trotz gefährlicher Strömungen, Hoher Wellen und scharfer Felsen…Aphrodite muss einen sehr guten Neoprenanzug besessen haben).

Die Zweite liegt am Lykodemos Strand am Ende einer ziemlich abenteuerlichen Abfahrt. Es ist jedoch nicht die am eigentlichen Strand gelegene Höhle, in der angeblich auch eine Süßwasserquelle vorhanden sein soll, die aber im Bestreben den Strand „aufzuwerten“ wie auch einige der umgebenden Felsen in den letzten Jahren mit einem hässlichen Zementboden ausgegossen wurde, so dass von der einstigen wilden Schönheit wenig übrig blieb. Die Höhle die ich meine ist etwas kleiner und befindet sich ein wenig abseits des Strandes inmitten der Klippe. Für Nicht-Einheimische ist sie beinahe unauffindbar, da sie weder von See noch von Land besonders gut zu sehen und zu erreichen ist. Aufgrund des alles andere als ungefährlichen Geländes und des für Fremde gerade an dieser Stelle nur sehr schwer einschätzbaren Wellengangs, warne ich daher hier ausdrücklich sich ohne einheimische Begleitung auf eigene Faust auf die Suche zu machen! Wer jedoch das Glück hat, jemanden zu finden, wird sich an einem der schönsten und ursprünglichsten Orte der Insel wiederfinden, dessen Schönheit allenfalls mit der großen Höhle auf der vorgelagerten Felseninsel Hydra oder den Wasserfällen von Mylopotamos nach einem kräftigen Frühlingsregen zu vergleichen ist. Der Eingang zur Höhle liegt versteckt zwischen scharfkantigen Klippen knapp über Seehöhe. Im Inneren findet sich bei ruhiger See ein kleiner Strand aus großen vielfarbigen Kieseln und um einen herum leuchten im Dämmerlich zerklüftete Wände aus bizarr ineinander verschlungenen, vielfarbigen Steinbändern. Das schönste aber ist ein vor dieser Höhle gelegener und durch einige Felsen geschützter, kleiner natürlicher Meerwasserpool in dem sich, bei windstillem Wetter (und nur dann!) herrlich inmitten einer bizarren Szenerie aus türkisblauem Wasser und schwarz-zerklüfteten Felsen baden lässt – für mich ist dieser Ort das eigentliche Bad der Aphrodite, auch wenn diese Höhle wohl erst in den letzten paar hundert Jahren von den hier bei starkem Westwind wild an die Küste schlagenden Brechern aus dem Kliff gebrochen wurde und damit deutlich jünger als die antike Sage sein dürfte.

 

 

 

Morgen

Morgen

Morgen

Morgen

Ich wache auf. Zwischen den rostfarbenen Jalousielamellen ein erste, hellblaue Ahnung von Morgen. Gegenüber am Dachgiebel ein erstes, sehr gelbes Dreieck Sonnenlicht. Ich staune. Es ist früh, sehr früh – zu früh vielleicht. Mich umgibt unwirkliche Zeit jenseits des Normalmodus. Ich weiß, vor dem Fenster, unsichtbar hinter dem Bleidach des Anbaus blüht der Garten. Die Luft sieht nicht aus wie Herbst.

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Ich dreh‘ mich um, weg vom Licht, versuche noch einmal zu schlafen. Ich schließe die Augen und denke  möglichst an nichts. Schlaf reloaded – ein neuer Versuch. Etwas in mir grinst – no chance – Ich bin wach und genervt von so viel Morgen.

Ich stehe auf, fast schockartig. Das Bett ist noch warm und feucht. Am zweiten Fenster, jenseits des Bleidaches blicke ich hinaus, auf das in Schönheit eingefrorene Gartenbild. Farbe blättert vom Rahmen. Bevor der Frost kommt sollte ich streichen. Ich lächle und wandere herum, ohne Morgenmantel.

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Aus den noch dunklen Raumecken raunen taulose Spinnweben „putzen“. Ich ignoriere und lasse das Duschwasser laufen. Vorlaufen um genau zu sein. Es dauert bis es wird – Altbau mit Gastherme an der Außenwand, nur einmal in zwei Jahren warten!

Auf dem Vorleger liegt eine Wollmaus. Ich bücke mich, greife zu, entsorge – alles schon lustlos. Aus der Glaskabine steigt Dampf. Das Wasser ist fertig, endlich! Ich steige über den Kabinenrand. Duschen ist wie Fahrstuhlfahrn, nur mit fallendem Wasser.

Durch die geschlossene Tür dringt Morgenläuten. Man ist hier katholisch, ich und die Abluftanlage sind es nicht.

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Ich werde nass, stoppe die Flut. Erst heiß, dann kalt, dann trete trete ich heraus; Aus dem Dunst treten Wassertropfen auf Abwege. Ich fange sie, bevor sie fallen. Dann greife ich zum Handtuch. Es riecht muffig. Vermutlich falsch oder gar nicht gelüftet. Geistesarbeit macht unachtsam.

Ich schüttle den Kopf wie ein Hund. Ein Tropfen fällt, dann viele. Dann greife ich zu, diesmal fast herzhaft – und nutze das nichtnutzbare Riechhandtuch als Putzlappen für die Fliesen.

Ich gehe hinüber. Ein neues riecht besser. Das alte landet beim Rest. Ich trockne mich ab in der Linken den Fön. Der Rechte Daumen ist grade hinüber: Kollateralschadensfall am Nagel – beim Grillrostputzen!

Ich blicke hinauf in den Spiegel. Mein Gegenüber wünscht mir einen guten Morgen. Ich oder er könnten auch sauberer sein.

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Zwei Socken, sanft maronenbraun, wie die Lamellen der Jalousien.

Boxershort, karriert in Violett und Neongrün, dazwischen Haut und Baumwollhemdenweiß. Nein, heut kein V-Hals-T-Shirt als Unterhemd. Pullover aus dunkelbeigem Kaschmir(-imitat?). Dazu die Hose mit den weißen Nadelstreifen. Silberohring und Stahlarmband zur Verzierung. Zum Abschluss reichlich teures Aftershave. Ich seh mich an. Die äußre Hülle als Außenpersönlichkeit? Haltung bewahren, sich ja nicht gehen lassen. Den Schweinehund vertreiben: männlich, elegant, smart, uniform –  Das Sein als Schein? Heut eher nicht – mir ist einfach nach neubarocke Scheinparuren, und wenn’s nur dazu dient, um  Umwelt, Ich und Menschen mir von Leib uns Seele fernzuhalten.

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Ich steige aus, hinein ins untere Maisonette. Am Treppenende halbgedunkelt: Teppicharabesken. Über dem rechtsseitigen Chaiselongue die abgeliebte Polyesterdecke. Ihr Kopfweh steckt mich an. Ich lege mich – halbhoch, pro forma – und mach‘ Tee. Dann erst folgt die Fernbedienung. Und vor dem Fenster in der echten Welt blüht festgefroren schön der Garten.

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Es piept, die Spatzen kriechen spät aus ihren Löchern. Das gelbe Dreieck ist Viereck geworden, oben an der Giebelmauer – spät drann heute, nach mir!

Am ausgeblichnen Himmel ziehen letzte Mauersegler. Sie ziehen fort, fort in den Süden, fort  zu den Kindheitswohlfühlglückserinnerungen voller Sommer, Sonne, Strand und Eis und Meer – es ist doch Herbst.

Im Blumenkasten blühen schwarzgelb buntgestreifte Zuchtpetunien, darüber purpurne Magenta-Spinnenblumen – hübsch vor Efeugrund. „Maybe a little oversophisticated“ würde – käme sie denn je herein – meine leider nur teilfiktive englischspitzlippige Großgroßmutter sagen – sie mag Baudelaire und sie mag auch Bleilüsterkristalle in den Büschen. Ich ehre sie mit fünf gefälschten ganz aus Polyuretan und einem, ein ganz echtes – rauchglasfarben und antik aus Venedig.

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Ich gehe hinaus und greife zur Pfeife, im Glas zwischen Büchern noch Rotwein. Im Suchflug zur Probe nach Laptop und Terror der Staatsschutz. Wir sind hier in Bayern, ich hat’s fast vergessen. Ich gehe zurück, im Fernsehen läuft Skandalisierung. Der Postmann er klingelt: Paketlieferung – Bevor ich das Interface starte,  im realspace mein Ellenbogen an Teeporzellan. Noch ganz alle Tassen, zum Glück und im Schrank. Ich starte, der Tag kann beginnen.

Spiritus loci !?

Spiritus loci

Unbestimmte Ahnungen in einer lebendig gewordenen Schneekugel mit time-out modus zu leben kennen wohl alle Ur- und Wahl-Bamberger. Um so verwunderlicher, dass mich, ausgerechnet als ich letztes Wochenende durch die Gassen Tübingens ging der gedankliche Nachtmahr in einer Zeitschleife gestrandet zu sein verfolgte.

Platanenallée, Hölderlinturm, Österberg, Stiftskirche, Marktplatz, Stift, Schloss…Das Stadt gab sich alle Mühe mich mit Postkartenidyllen und steingewordener Gelehrsamkeit an meine lang zurückliegende Studienzeit im schwäbischen Athen zu erinnern. Sogar die Sonne bahnte sich ihren Weg durch die von den schroffen Abbrüchen herabfließenden Nebelbänke ins verschlafen daliegende Neckartal. Die steilen, schräggestellten Kopfsteinquader, die an einen Vampyr erinnerde Steinmaske über dem Tor der unteren Bastion, die Bank, deren schwäbische Inschrift stolz verkündet, dass dort“ die sitzen, die immer dort sitzen“ – Bis auf einen schwarzen Museumsraum voller 35.000 Jahre alter Eiszeitkunst schien alles unverändert.

Erst die vielen fremdjugendlichen Gesichter im Tagungsraum machten mich darauf aufmerksam, dass Zeit eben kein Zahnradgetriebe ist, welchesirgendwann Rost ansetzt und schließlich ganz den Geist aufgibt (well stimmt nicht ganz, wenn ich meine Astrophysikerfreunde ernst nehme, funktionierts prinzipiell genauso, nur das Rost Raum heißt und alles so unglaublich lang dauert, dass kein normaler Mensch noch von Zeit sprechen würde…Ewigkeiten wäre wohl das bessere Wort).

Zürück von den Sternen; Inmitten von Renaissancetüren und Burgenromantik bekam die Postkartenidylle eines „perfekten Tagungsortes“ Risse (gut so, ich mag Risse!). Eine wild schäumende Welle US-amerikanischen Aktivierungswahns schien über die einst so „beschauliche“ Disziplin gefegt zu sein und sich in Dynamisierungsdebatten, gutmenschlichen Interventionsphantasien, denglischen Wortneuschöpfungen und unbedingtem Jugendlichkeitswahn Raum zu schaffen.

Nicht, dass mir all dies nicht schon wie zuckende Fledermausschatten von Bücherseiten entgegengeflattert wäre. Auch nicht, dass mir irgendeiner der geäußerten weltbewegenden Gedanken neu oder gar revolutionär vorgekommen wäre;  Aber unter den barocken Hochbarockputten schien dies alles seltsam weit entrückt und einer nebelverhangenen Welt anzugehören, von der ich noch nichteinmal annahm, es könne meine sein.

Hier im gründerzeitlich aufgehübschten Fürstenzimmer des Tübinger Schlosses schien alles realer, nüchterner und greifbarer. Gedanken, vorher als aberwitzig verworfen hatte bekamen urplötzlich das Sexapeal beängstigender Inspiration. Kopfknoten, an denen ich mich jahrelang vergeblich abgearbeitet hatte platzten leicht wie Champagnerbläschen und ich fragte mich zwischen Wortmeldungen, inspirierend-leichten Gesprächen und Vorträgen die vorbeihuschten, als seien sie gerade 5 Minuten lang, permanent warum ich nicht früher an diesen Ort gekommen war.

Scheinepiphanien ähneln Opiumräuschen, wahrscheinlich weil dabei Unmengen chemischer Moleküle freigesetzt werden, die sich wie Siamesische Zwillinge gleichen…

Am Ende blieb eine schleimige Schicht Erkenntnis zurück. Tübingen besitzt – trotz Gutmenschen und aller pietistischen Fehlorientierung – etwas, was Bamberg schmerzlich abgeht : Geistige Beweglichkeit, Anregung und Trennschärfe. Die von Malzbierduft durchwehte fränkische Provinz ist Paradies, und wie Paradiese nuneinmal sind, bringen dienen sie eher dem entspannten Genießen, als geistigen Höhenflügen. Wenn Bamberg ein vanillecremeschwangerer Profiterolwindbeutel ist, ist Tübingen staubtrockenes Knäckebrot. Bier gegen Biosprossen…

Die Mähr vom Glauben an einen „spiritus loci“ – dessen unhinterfragte Existenz ich bei meinen „Forschungssubjekten“ stets als so eigenartig befremdlich empfunden hatte – ging mir nun selbst nicht mehr aus dem Kopf. Konnte es sein, dass der Ort die entscheidende Komponente auf der verzweifelten Suche nach Genialität war? Waren allemanisch-schwäbisches Fachwerk, Spitzbögen und Protestantische Wehmut tatsächlich inspirierender, als die barocke Sinnenlust Frankens? Oder liegt das ganze Geheimnis doch in ganz einfachen strukturellen Gründen begraben: Wohlstandsregion (Bamberg liegt auch wenn man’s angesichts der Mietpreise nicht glaubt im bettelarmen Oberfranken!), Eine Landesregierung die sich für Bildung interessiert, anstatt sie mit immerneuen Effiziensnormen abzutöten, „Multipersonenlehrstuhl“ vs. „Einfraubetrieb“, dass dort so viele „große“ nicht nur des eigenen Faches dort aus und eingegangen waren.

Als Kulturwissenschaftler sollte man sich vor postessentialistischen Höhenflügen hüten, dekonstruieren, hinterfragen und kritisch reflektieren…dennoch wurde ich den seltsamen Gedanken, dass Ort und geistige Leistung unmittelbar in Beziehung zueinander standen nicht mehr los. Warum sonst sollten die Bücher so vieler kluger Köpfe sonst so übervoll von Beschreibungen der besonderen Wirkung ganz bestimmter Orte sein? Weshalb sollten so viele Menschen vor mir die Erde von „gesegneten Orten“ in kleinen Beuteln, Gläsern oder anderen Behältnissen an Orte, die weniger „gesegnet“ waren mitgenommen haben und warum schmückten tausende Bilder mit wünderschönen (war Ästhetig gerade nicht noch etwas bourgoise-subjektives?) Landschafts- Gebäude- und Stadtansichten die Wände von Plattenbauwohnungen und Mietskasernen in aller Welt?

Warum sollten da Vinci und Dürer sich sonst so um den goldenen Schnitt und den Zusammenhang von Körper, Ort und Geist bemüht haben.

Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano

Der äußere Schein, Körper als Ort, Ort als Körper, Geistortkörper?

Ein gefährlicher Traum, nicht erst seit Juvenal. Zeichnet sich Schönheit nicht stets durch ihren Hang zur Oberflächlichkeit aus? Muss man nicht an Ort und Körper leiden um großes im Geistigen hervorbringen zu können? Braucht es nicht Brüche und Rupturen um die geradlinig-einfachen Bequemlichkeiten eines schlafenden Geistes zu wecken oder gilt heute, in einer Welt, in der alles zu brechen scheint, nicht das Gegenteil? Der schöne Schein als geistiger Inhalt? Leere Worthülsen und hohlgewordene Kategoriegebäude hinter der sich die Skylla des Nichtwissens mit der Carybdis des Nichtwissenwollens Scheingefechte liefern?

Ich philosophiere und ertappe mich noch immer bei dem Gedanken, dass es vielleicht kein Zufall ist, dass ich mir stets „schöne“ Orte zum Leben suche. Es wäre so einfach…zu einfach vielleicht.

Also zurück zur bewussten Hässlichkeit?

Beton statt Stuck, Fachwerk statt barocker Pomp…Das Meta-Narrativ von der Brotlosen Kunst, die in spitzwegschen Dachkammern haust…

Ein Irrgarten von Gespiegelten Phantasmen, die sich einbilden Wissen zu sein…

Ich nähere mich dem Zen und trinke Jasmintee im japanischen Vorgarten eines Wohlstandsghettos.