18. Türchen: Fitnessmaultaschen und Bio-Ahornsirup

Weihnachtskugeln

Neulich im Supermarkt:

Ich bin auf der Suche nach ganz normalem Räucherschinken, falls möglich in kochfreundliche Würfel vorgeschnitten. Aus dem Lautsprecher ertönt das für die Jahreszeit übliche Kauderwelsch aus Ginglebells und Last Christmas. Nummer 17 bitte in die Getränkeabteilung!

Vor dem Kühlregal sehe ich mich Horden buntbedruckter Packungen gegenüber. Fertig-Currywurst, Käseaufschnitt und Pizzateig. Es gibt Walnusssalami, luftgetrockneten italienischen Qualitätsschinken, eine mit einem magersüchtigen Kind bedruckte Antipastiplatte, Griechischen Ziegenjoghurt und Bio-Ahornsirup aus Kanada.

Ich suche weiter, überlege ob sich mit italienischem Crudo wohl Schupfnudeln kochen lassen. Etwas dekadent vielleicht…Die Schweinepaté mit Pistazien und Preiselbeeraspik sieht gut aus, ich lege sie vorsichtig neben die Topinambur und den normannischen Camembert. Den guten alten Schwarzwaldschweinebauch habe ich immer noch nicht gefunden. Irgendwann gebe ich auf. Offensichtlich sind meine Geschmacksnerven zu bodenständig für das Gourmet-Angebot meines Stammdiscounters. Heute Mittag gibt es Fitnessmaultaschen mit Thai-Koriander, Parmesan und blanchierten Champignonköpfen produced in Israel!

Merry X-mas!

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10. Türchen: …Weihnachts-pastete im Blätterteig-mantel oder wie werde ich all die seltsamen Weihnachts-zutaten los!

paté du noel

Böse Zungen nennen dieses Gericht auch „falsches Beuf Wellington“ oder „mit Zitronat gestreckter Hackbraten“. Meiner Ansicht nach hat das Gericht, dass ich erstmals am Dreikönigstag in in einer kleinen Gastwirtschaft in Straßburg gegessen habe aber besseres verdient. Es ist das perfekte „Weihnachts-Resteessen“ mit dem man die ganzen seltsamen Weihnachtszutaten, die man als halboffene Packungen oder Essensreste (z.B. das Blaukraut von der Gans, die übriggebliebenen Semmelknödel, die Kapern von den Königsberger Klopsen oder die Unmengen von Orangeat, Zitronat, Zimt und Nelkenpulver, von denen man natürlich wieder viel zu viel eingekauft hat) eh irgendwo rumstehen hat einer sinnvollen Verwertung zukommen lassen kann…außerdem lässt sich sowohl in die Sauce als auch in die Pastete der eine oder andere übriggebliebene Lebkuchen reinschmuggeln (schmeckt wunderbar!). Nimmt man fertigen Blätterteig aus dem Supermarkt (ich bin bei so Dingen immer für die einfachsten Lösungen, schließlich hat man an den Weihnachtstagen anderes zu tun, als stundenlang in der Küche zu stehen!) ist es außerdem sehr leicht zu machen (niemand zwingt einen, sich bei der Verzierung derart zu „verkünsteln“ wie ich!). Außerdem schmeckt’s einfach ganz wunderbar!

Viel Spaß beim nachkochen!

Weihnachtspastete im Blätterteigmantel:

500 gr. Blätterteig länglich ausgerollt. Ein kleines Stück (ca. 10×10 cm für Verzierungen aufsparen)

250 gr. Geräucherter Schinken, in kleinen Würfeln (wer will kann auch kurz angebratenen geräucherten Schinken nehmen, dadurch wird das Gericht würziger)

200 gr. Getrocknete Pilze, eingeweicht und kleingeschnitten

100 gr. Leberpastete

250 gr. Hackfleisch vom Wildschwein oder Hirsch (ausnahmsweise tut’s bei diesem Gericht aber auch ganz ordinäres gemischtes Hack aus dem Supermarkt, da der Wildgeschmack relativ stark von den Gewürzen überdeckt wird)

6 Eßl. Preiselbeergelee

½ Becher (125 gr.) Sahne, flüssig

3-4 Scheiben Toastbroat, in kleine Stücke zerpflückt

2-3 Eier

1 Bund frischer Petersil, feingehackt

1 Eßl. Kapern, fein geschnitten

1 Teel. Zimt, gemahlen

1 Messerspitze Nelkenpulver

1 Prise Safran

1 Eßl. Curry

1 Eßl. Asiatisches 5-Gewürz

Pfeffer

Salz

Je 1 gehäufter Eßl. Orangeat und Zitronat, fein gewiegt

Je nach Geschmack der eine oder andere übriggebliebene Lebkuchen

1 mit etw. Wasser verquirltes Ei

Zubereitung:

Alle Zutaten bis auf den Blätterteig zu einer Füllung verrühren (Wer möchte kann gerne mehr Gewürze hinzugeben, die Originalmengen aus dem frühen 19. Jhdt. liegen bei etwa dem dreifachen, dafür fehlt der Petersil). Füllung vorsichtig in den ausgerollten Blätterteig füllen, gut verschließen, mit der Nahtseite nach Unten auf’s Backpapier legen.  Je nach Geschmack verzieren (die Verzierteile mit verquirltem Ei ankleben). Die fertige Pastete mit Eigelb bestreichen und bei ca. 170°C 20-25 Minuten goldgelb Backen lassen (wenn der Teig zu dunkel wird mit Alufolie abdecken). Noch warm aufschneiden (ein wirklich scharfes Messer hilft dabei erheblich!) und mit einer Sauce aus Preiselbeermarmelade und Rotwein/Rahmsauce/Sauerbratensauce servieren.

Beilagen:

Alles was auch sonst zu Wild passt. Z.B. Sahne-Mandel-Rosenkohl, Blaukraut, Semmelknödel, Serviettenknödel, Spätzle, Kroketten, Noisettekartoffeln, Bandnudeln, Sahnewirsing, caramelisierte Möhren mit Zitronensaft und Safran, Muskat-Sahne-Lauchstreifen etc..