Adventskalender 2014 – 24. Türchen – Von heiligen Abenden und Gabenbescherern

Venedig, San Marco, Nordfassade, Weihnachtsdarstellung

Venedig, San Marco, Nordfassade, Weihnachtsdarstellung

„Fürchtet Euch nicht“ so der Engel zu den Hirten als er sie mit der Botschaft von der Geburt des Christkinds erschreckte…ja es kann einem schon Angst und Bange werden, wenn da plötzlich mitten in einer Winternacht eine wildgewordene Horde Engel mit riesen Tamtam am Himmel erscheint und ein lautstarkes Haleluja anstimmt…

Aber halt, wie war denn das eigentlich nochmal mit diesem „Christkind“ und warum um alles in der Welt feiern unsere russischen Nachbarn erst am 6. oder gar 7. Januar Weihnachten? Warum gibt es bei uns immer Kartoffelsalat mit Würstchen, und warum ist das Nürnberger Christkind ein Mädchen, wo doch Jesus ziemlich klar ein Junge war?

Well, mit Weihnachten ist es ein bisschen so wie mit allen großen Dingen, sie machen viel Arbeit, viel Freude und manchmal eben wie überall wo Menschen am Werk sind auch ein bisschen Chaos.

Zuerst einmal zum Datum. Die Bibel gibt darauf keinerlei wirklichen Hinweis, selbst das Jahr ist unklar, nur der Ort ist einigermaßen sicher: irgendwo in Bethlehem, einer kleinen, eher dorfähnlichen Stadt nahe Jerusalem…Und der Stern, und dieser Kaiser Augustus, und jener Kyrenius, der Statthalter in Syrien war, und die drei Weisen (gr. magoi) aus dem Morgenland.

Nun, der Einzige aus dieser Reihe von dem wir einigermaßen sicher wissen was bzw. wer er war und wann er gelebt hat ist Gaius Octavius, uns heute meist als Kaiser Augustus bekannt, der herrschte als Kaiser zwischen 31 vor und 14 nach Christus. Sprich man kann sich nun eines dieser Jahre als das Geburtsjahr Christi heraussuchen, und da sich unser Kalender nunmal an der Geburt Christi orientiert haben wir heute irgendwas zwischen 2045 und 2000 (vielleicht kommt der Milleniumskrach also erst dieses Jahr…). Kyrenius ist den Archäologen und Historikern leider außer in der Bibel noch nirgends untergekommen, und vermutlich hatte derjenige der die Weihnachtsgeschichte aufschrieb (ein gewisser Lukas, dessen Identität so klar aber auch nicht ist) einfach vergessen wie der damalige Gouvaneur in Syrien hieß und einfach „Kyrenius“ was soviel wie Syrer (Syrenius/Cyrenius) heißt geschrieben.

Und der Stern? Komet, Supernova, Asteroid, astrologische Konstellation im Sternbild Fische…die Astronomen streiten sich seit Jahrhunderten darüber was die „Magoi“ also jene gelehrten und ein bisschen unheimlichen Männer aus dem Morgenland denn da gesehen haben – die Zahl drei ist übrigens eine spätere Erfindung, und auch dass es Könige waren ist eine nette kleine Mittelalterliche Zutat…aber sie machen sich einfach so nett im Krippenspiel, die prächtig austaffierten Orientalen samt Gefolge…

Und wie ist das nun mit diesem Christkind? Mann, Frau, Jesus, Webefigur, Nazi-Erfindung, Engel oder doch von Martin Luther, und was soll eigentlich die Sache mit diesem Weihnachtsmann, und dem Nikolaus, und warum um alles in der Welt bringt in Russland Väterchen Frost an Sylvester und in Italien eine Hexe die Geschenke und dass auch erst am Dreikönigstag?

Well, das ganze Kuddelmuddel fängt eigentlich damit an, dass wie gesagt anfangs garnicht so ganz klar war, wann und ob Weihnachten überhaupt gefeiert werden sollte. Vor allem die Jerusalemer Urgemeinde und auch einige andere ostkirchliche Gemeinschaften taten sich mit diesem Fest recht schwer und führten es erst lange nach den kleinasiatischen und lateinischen Gemeinden (damals war das alles noch mehr oder minder eine Kiche, allerdings wesentlich weniger zentralisiert als heute, im Prinzip machte die ersten paar Jahrhunderte jeder was er wollte) im 6. bzw. 7. Jahrhundert ein.

Warum in den Westkirchen (und auch in einigen Ostkirchen) ausgerechnet der 25. Dezember das Weihnachtsfest wurde, ist nicht ganz klar, hat aber vermutlich mit der Anlehnung der frühen Christen an den von den römischen Kaisern Aurelian und Heliogabal eingeführten Feiertag des „sol invictus“ (also der unbesigbaren Sonne) am 25. Dezember zu tun (dies v.a. darum, weil Christus schon sehr früh mit dem „Licht in der Finsternis“ gleichgesetzt wurde). In den Ostkirchen existierten hingegen von Beginn an andere Termine die teils bis mitten in den April reichten, teils bereits Anfang Dezember lagen.

Zusätzlich verkompliziert wurde die Lage durch die Kalenderreform Papst Gregors 1582 der aufgrund des ungenauen Julianischen Kalenders einfach 13 Tage „ausfallen“ lies. Dies machten, und machen viele der inzwischen durch ein Schißma getrennten Ostkirchen nicht mit (übrigens auch die meisten der inzwischen entstandenen Protestantischen Staaten Europas nicht), so dass deren Kalender bis weit ins 18. und in einigen Fällen sogar bis heute um 13 Tage „nachgeht). Auch hatte im Osten das Weihnachtsfest nie die Bedeutung, wie in den westlichen Kirchen. Wichtiger war hier der 6. Januar, das Fest der Epiphanie, also der Taufe Christi im Jordan (das auf das gleiche Datum das Fest der heiligen Drei Könige fällt, die ebenfalls als Gabenbringer auftreten – schließlich waren sie es, die laut Bibel dem Christkind die ersten Geschenke brachten – macht die Sache mit Weihnachten und den unterschiedlichen Gabenbringern nicht einfacher.

Wirklich kompliziert wird es dann aber, wenn noch Nikoklaus, Väterchen Frost oder die Befana als Geschenkebringer auftreten.

Traditioneller Weise war es nämlich in Westeuropa so, dass es bis weit ins 16. Jahrhundert hinein nicht zu Weihnachten, sondern bereits zu Nikolaus Geschenke gab. Das ganze leitete sich von einer Passage in der Heiligenlegende des Nikolaus von Myra ab, der eines Nachts drei unschuldig aufgrund von Schulden bzw. Armut zur Prostitution gezwungenen Mädchen (einige Varianten der Legende legen auch nahe, dass es Jungen gewesen sein könnten) mit drei Kugeln Gold dieses Schicksal erspaarte, die er Nachts unbemerkt in deren Schlafzimmerfenster gleiten ließ – es ist manchmal schon seltsam wie Heilige zu Geschenkebringern werden, aber so war’s nunmal, wenn ihr mich fragt hat das Ganze trotzdem ein Gschmäckle…

Nicht nur ich, sondern auch die um 1520/30 wie die Pilze aus dem Boden schießenden Protestanten hatten mit diesem „Heligen Nikolaus“ ihre Probleme, so dass Martin Luther sich etwas anderes einfallen ließ und als neuen Geschenkebringer den „Heiligen Christ“ erfand und auch gleich das Datum der Bescherung auf den 24. festlegte damit es da auch ja keine Missverständnisse und Verwurschtelungen geben konnte…

Nun, so ganz funktioniert hat das nicht. Aus dem „Heiligen Christ“, mit dem in erster Linie der erwachsene und nicht der gerade eben geborene Jesus gemeint war, wurde nach und nach das Christkind, dem immer mehr kindliche aber auch engelhafte Züge angedichtet wurden. Der Grund dafür ist unklar, aber vermutlich sprachen die weißgekleideten Engel aus dem Krippenspielen und ein kleines, neugeborenes Kind die Menschen einfach wesentlich stärker ästhetisch und emotional an, als ein manchmal etwas cholerischer und abgehobener Zimmermansgeselle aus Nazareth.

Auch war es längst nicht so, dass nun die Katholiken brav den Nikolaus und die Protestanten das Christkind als Gabenbringer bevorzugt hätten. Die Dinge vermischten sich doch, an manchen protestantischen Orten gab es weiterhin am 6. Dezember vom Nikolaus Geschenke, an manchen katholischen kam zusätzlich das Christkind und in wieder anderen Regionen entwickelten sich noch ganz andere Gabenbräuche, die auf teils ganz andere Heilige zurückgingen (z.B. den Heiligen Martin, die Heilige Lucia oder eben auch die Heiligen Drei Könige).

Letztere hatten ihre Hochburg offenbar in Italien, denn dort wurde Weihnachten zwar am 25. Dezember mit einer festlichen Messe gefeiert, aber die Geschenke gab’s wohl erst – wie in den Ostkirchen – am 6. Januar. Nur dass die heiligen Drei Könige dort mehr und mehr (wann ist nicht ganz klar, vermutlich aber schon zu Beginn der Neuzeit) von einem kleinen Dämon oder einer Hexe namens Befana (von Epiphanias) abgelößt wurde. Diese/r hatte sich laut einer populären Sage gemeinsam mit den Hirten aufgemacht um das Christkind anzusehen, kam aber zu spät und traf so erst mit den Heiligen Drei Königen am 6. Januar ein. Anfangs ein eher zwielichtges Wesen wurde Befana ab dem 18. Jahrhundert mehr und mehr zum Gabenbringer und darin v.a. in der Zeit des Faschismuses durch eine „Befana für Arme“ zusätzlich popularisiert.

Eine ähnliche Geschichte hat Väterchen Frost. Diese Figur stammt aus dem reichen Reich der russischen Märchen und war ursprünglich die durchaus nicht immer ganz freundliche Verkörperung des Winters. Schon zu Zeiten von Peter dem Großen verlagerte sich in Russland der Geschenkeabend vom 6. Januar auf die Silvesternacht, da Peter ausgesprochen antikirchlich eingestellt war und alternative weltliche Bräuche schaffen wollte. In wie weit dabei auch schon Väterchen Frost als Gabenbringer auftrat bleibt unklar, jedoch scheinen sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Russland mehr und mehr „weltliche“ Gabenbringer (wie die Verkörperung des Neuen Jahres oder Genien) durchgesetzt zu haben.

Wirklich populär wurde Väterchen Frost als Gabenbringer aber erst mit der Oktoberrevolution. Diese schaffte im Alltag der Menschen sämtliche religiösen Bezüge ab (oder versuchte dies zumindest) und propagierte stattdessen eine säkulare Weihnachtsfeier mit Väterchen Frost als Gabenbringer.

…und warum um alles in der Welt ist das Nürnberger Christkind nun ein Mädchen? Nun, das ist auch eine etwas komplizierte Geschichte. Ich habe ja schon geschrieben, dass der von Luther entworfene Gabenbringer des „Heiligen Christ“ sich recht schnell zu einem lieblichen, engelsgleichen Säugling oder zumindest Kind oder Jugendlichen entwickelte, das mehr und mehr seinen Bezug zum christlichen Hintergrund verlor und spätestens im 19. Jahrhundert ein Eigenleben jenseits der Christlichen Heilslehre zu führen begann. Entscheidend für das Nürnberger Christkind sind aber die Nationalsozialisten. Diese führten Prolog und Christkind 1933 als bewussten blondgelockt-arischen Gegenentwurf und „Marketinggag“ gegen Christliche Bezüge des Weihnachtsfestes ein.

Bis 1968 behielt das Nürnberger Christkind allerdings sein männliches Geschlecht und wurde von Schauspielern verkörpert. Erst dann kamen die Organisatoren des Nürnberger Weihnachtsmarktes auf die Idee das Christkind von einem jungen Mädchen verkörpern zu lassen – vermutlich weil sie sich hierdurch eine größere Aufmerksamkeit (man kann beim Christkind ja schlecht von Sexappeal sprechen) erwarteten.

Und was ist jetzt mit dem Weihnachtsmann? Nun der stellt eine Art Fortentwicklung des Heiligen Nikolaus dar, ist mit diesem aber nicht identisch (es ist ganz ähnlich wie beim Christkind, dass ja auch ein Eigenleben entwickelte), der sich irgendwann mit Väterchen Frost kreuzte und noch dazu in den 1920er Jahren von Coca-Cola für seien Weihnachtswerbung entdeckt wurde (die Amerikaner haben ihn allerdings nicht erfunden, wie es fälschlicherweise oft heißt.

So, jetzt war’s aber genug Kuddelmuddelentwirrung für heute. Ich wünsche Euch frohe, liebevolle, ruhige, freundliche, freudenreiche, selige und gesegnete Weihnachten und natürlich auch ganz viele Geschenke, egal wer sie nun wann bringt.

Wen’s genauer interessiert, hier wie immer noch ein paar Wiki-Links dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Augustus

http://de.wikipedia.org/wiki/Christkind

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4terchen_Frost

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsmann

http://de.wikipedia.org/wiki/Befana

http://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige

http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Christkindlesmarkt

PS: gerade habe ich gelesen, dass man inzwischen wohl doch weiß, wer dieser Cyrenius oder Quirinius gewesen sein könnte (Wikipedia sei dank lernt man nie aus!), es scheint den Herrn tatsächlich gegeben zu haben und er hat sogar um 6 nach Christus (passt!) in Judäa eine Volkszählung für die Steuerlisten durchgeführt (was ein Zufall!)…Wer mehr über Publius Sulpicius Quirinius wissen will:

http://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Sulpicius_Quirinius#cite_note-7

 

 

 

Adventskalener 2014 – 6. Türchen – Vom heiligen Nikolaus und anderen Nichtsnutzen

Ich hoffe, ihr alle habt gestern Abend brav Eure Schuhe geputzt, vor die Tür gestellt und der Nikolaus hat Euch etwas reingetan!

Warum ich zu diesem Kerl ein etwas ambivalentes Verhältnis habe könnt ihr unter:

http://wp.me/p2SJFH-5i

nachlesen.

Einen schönen Nikolaus Tag, und wenn er Euch dieses Jahr wieder nix gebracht hat…ab auf den nächsten Weihnachtsmarkt und zum Trost einen Eierpunsch mit gaaaaaaaanz viel Sahne trinken!

Nikolaustag!

Nikolaustag!

15. Türchen: Von Schneeflocken, schlafenden Blumen und heiligem Zorn

Ice on the Regnitz

Früher war alles besser! Sogar die Winter!“

Sicher, ab und an gab es Eisregen und wochenlange Nebelperioden, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass es jemals Mitte Januar geregnet und man kurzärmlig auf der Café-Terrasse gesessen hätte (Jagerteeexzesse auf Skihütten einmal ausgenommen, aber das ist eine ganz andere Kategorie!).

Stattdessen fielen pünktlich zu Sankt Martin die ersten Flocken. Wenn nicht, sang man mit wahrer Inbrunst das Lied vom „Schneeflöckchen“, dass einen so weiten Weg hatte, Blumen und Blätter an die Fenster malte und unter dem die ganzen Sommerblumen sicher den Winter verschlafen würden. Bis heute muss ich jedesmal ein paar Rührungs-Tränchen aus den Augenwinkeln wischen, wenn ich meine Nachbarskinder seh, die spätestens Mitte November sehnsüchtig in die Wolken blicken und immer noch genau dasselbe Lied singen.

Der Nikolaus fuhr im Schlitten vor und bereits vor Weihnachten hatte mein kleiner Bruder mindestens 1 Paar Ski in die ewigen Jagdgründe befördert. Man wurde  in drei dutzend Schichten selbstgestrickter Norwegerpullover, Schals und Pelzmützen gepackt, auf einen Holzschlitten gesetzt und mindestens drei mal pro Tag darauf eingeschworen bloß ja nicht mit der Zunge am Laternenpfosten zu lecken!

Damals als der Fluss noch „Im Eise erstarrt“ und die Bäume voll Rauhreif hingen bauten wir riesige Iglus, feierten Schneekuchenparties, hatten zu Fasching die letzte Schneeballschlacht und warteten Anfang März gespannt, wann dem um Neujahr gebauten Schneemann endlich die Karottennase abfallen und Frau Schneemann ihr Cappothütchen aus Tannenzapfen verlieren würde…und nein, auch wenn sich’s so anhört, ich bin weder während der kleinen Eiszeit noch auf Island oder Spitzbergen aufgewachsen, sondern in Süddeutschland.

Heute haben die Dächer braune Flecken, die Winterlinge blühen im Dezember, das Knirschen überflüssigen Rollsplits durchzieht den Hausflur, und auf den Straßen liegt bestenfalls Matsch.

Ich weiß, solche Sätze klingen nach schleimiger Nostalgie und zuckersüßen Kaufhauschören. Aber als ich letzte Woche durch Schneegestöber und Wind unterwegs war und vergnügte Kinderscharen auf Schlitten den Hang herunterrodeln sah, wurde mir schmerzlich bewusst, dass unsere Enkel vermutlich nur noch aus Retro-Bilderbuch-Aps und verklärten Youtube-Videos ihrer Großeltern wissen werden, was eine Schneebalschlacht ist.

Der Newsticker bringt die neuesten Hiobsbotschaften: Dohar, Halsstarrigkeit, Unvernunft, Gier und Erpressung…Auch wenn ich’s nicht will, überkommt mich der heilige Zorn (wahlweise auch eine tiefe Trauer oder schwärzester Zweckfatalismus).

Ich habe ein schlechtes Gewissen und könnt mich deswegen selbst ohrfeigen. Meine Lebenserfahrung flüstert mir ins Ohr: Extremisten jeder Art sind selten Helden, Fatalisten ebenfalls nicht.

Es tut mir leid: Ich neige nicht zu Gutmenschentalibantum und Ökoterrorismus, schon garnicht zu moralinsauren Entgleisungen wie der Forderung für den Weltfrieden weniger Fleisch zu essen, keine Palmölprodukte zu verwenden und lieber mit dem Rad 40 Kilometer durch Sturm und Wind zur Arbeit zu fahren als jemals ein Auto zu benutzen. Was nutzt ein ökologisch reines Gewissen, wenn einem dabei die Lust am Leben abhanden kommt?

Der Text eines umweltbewegten Autoaufklebers aus den 1980ern erscheint aus meinem Unterbewusstsein:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Man könnte genausogut hinzufügen:

„…und wenn die letzte Schneeflocke gefallen ist.“

Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich angefangen habe, Lokale mit Heizpilzschirmen zu meiden. Ein paar Pfund mehr auf den Rippen, dazu ein dicker Pullover, gute Stiefel, ein Wintermantel und eine ordentliche Chapka tun’s genausogut. Mann und v.a. Frau müssen nicht halbverhungert und im quietschgelben Minirock, den hautengen Designerjeans und auf Stöckelschuhen auf den Weihnachtsmarkt! Was wohl Großmutter Neandertal und Opa Cro-Magnon zu diesen eigenartigen Wesen gesagt hätten…Vermutlich sind es die gleichen, die mit Blasenentzündung im Bett liegen und die Weihnachtsferien auf Koh Samui oder in Neuseeland verbringen und sich einbilden, mit dem Kauf eines 2 Quadratmeter-Regenwaldzertifikats ihre Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben…

Genug der unfreiwilligen Glühweinkomik.

Wenn man in Zukunft schon noch Klimakonferenzen braucht, dann auf dem überfluteten Markusplatz anstatt in klimatisierten Luxushotels mitten in der Wüste.

Der Wortlaut eines alten schwäbischen Verzweiflungsschreis kommt mir in den Sinn:

„Oh Herr, schmeiß Hirn rá, am beschdá Oimrweiß!“

Oh Herr, sende deine Weißheit herab, am besten Eimerweise!

Was wir zu verlieren haben sind mehr als ein paar Schneebälle und schöne Kindheitserinnerungen…

6. Türchen: …oder wie es dazu kam, dass ich nicht mehr an den Nikolaus glaubte!

Sankt Niklas

Aber das ist ja garnicht der Nikolaus!“

Meine Kindergartentante Fräulein (wichtig!) Fleischberg (ich fürchte sie hieß wirklich so ähnlich) vom katholischen Kindergarten Sankt Maria im Sternenschutzmantel, Knecht Ruprecht, das Engelchen mit dem goldenen Buch und meine Mitkindergartenkinder von der „Igelgruppe“ waren entsetzt. Ich saß auf dem Boden, brüllte, warf vielleicht sogar mit Bauklötzen (soll vorgekommen sein, sorry Fräulein Fleischberg!) und weigerte mich strikt jedweden Bestechungsversuch mit vollmichschokoladenschwangeren Weihnachtsmännern und bunt glitzernden Liebeskugeln anzunehmen.

Der Grund des gesamten Aufstands war, dass der Nikolaus sich partout weigerte, mir zu erklären, warum er genau die gleichen schwarz-gelbe Moonbootsstiefel trug , die mein Pappa am morgen zur Arbeit angezogen hatte.

Stattdessen guckte mich das Engelchen (die Kindergartenleiterin, dass war mir auch schon vorher klar gewesen!) streng an und drohte, dass der Knecht Rupprecht mich gleich in den Sack stecken und mitnehmen würde, wenn ich nicht brav sei.

Ich war sauer!

Auch das nachfolgende ausführliche Verlesen meines Sündenregisiters und das alljährlich gleiche „Heißa, Hopsa Mandelstern“ und „Morgen kommt der Niklausmann“-Potpurri , das ich, so gut es in meiner Wut eben ging mitplärrte, halfen absolut garnichts:

Der Nikolaus war doof und außerdem eine Riesenpetze!

Es kam, wie es kommen musste:

Ich  war absolut nicht beeindruckt und wartete auf meine Geschenke und tat das, nachdem keine kamen auch ziemlich lautstark kund (die andern hatten schließlich auch alle was bekommen!).

Der Nikolaus nahm mich auf den Schoß (schwerer Fehler!) und fragte mit drohend erhobener Stimme ob ich ihm jetzt endlich versprechen würde in Zukunft bräver zu sein, denn nur brave Kinder bekämen was vom Nikolaus!

Anstatt nun wie alle anderen ungezogenen Kinder hoch und heilig zu versprechen in Zukunft das allerbrävste und lammfrommste Kind der Welt zu sein brüllte ich nur:

Du bist ja garnicht der Nikolaus, sondern mein Pappa!“

und machte mich wütend aus dem Staub. Dummerweise nahm ich den Bart gleich mit und die anderen Kinder merkten spätestens jetzt, dass etwas mit diesem seltsamen Heiligen mit den schwarz-gelben Moonboots ganz und garnicht stimmte.

So kam es, dass ich- trotz aller Bemühungen meines Umfelds -bereits mit 4 nicht mehr an den Nikolaus, und erst recht nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubte!

PS: An das Christkind hab ich bis in die zweite oder dritte Klasse geglaubt. Das saß ja auch brav auf der Christbaumspitze oder lag ruhig und zufrieden in seiner Krippe und kam nicht auf die saublöde Idee, einem aus irgendwelchen goldenen Büchern die Leviten zu lesen! (jedenfalls bei uns nicht!)

Einen schönen Niklaustag, und lasst Euch nicht ärgern!