Mein guter Morgen

Während einer b-moll Nocturne von Chopin über die regenverhangene Alb fahren,

zärtlich für die Radarfallen am Eingang der Dörfer bremsen,

und den Flügeln der Windräder zusehen, wie sie ihre Bahnen durch Nebel ziehn.

Einmachzeit!

Sommer im GlasEs regnet in Bindfäden.

Im Überfluss Whiskey – der Gute –  ist wieder um 20 EuroCent glasweise teurer!

Rechts am vernächtlichten Fluss, nur die Reste der Griller.

Die Besitzer verschwunden und mit ihnen auch die, die nackt baden.

Geflohen sind sie jammerfeige hinauf ins Gewärme der Ganzjahreseisdielenbuntgarnitur.

Nur Sommermonds haben es wieder vergessen beim Schankbierschluss Licht aus Laterne zutun.

Und Nebelschnee wabert bei Birken. Das Radio sagt – auf dem Weg in die Stadt – dass um Peter und Paul auch dem Roggen und Weizen die Füße abfaul’n.

Ich lächle mit Eisbärengrimm, und ich liege im Bett und ich träume: von Mitsommerfeuern und Glühmet!

Als es morgens noch immer wie abends, schalt ich in Murmeltiermodus und mummle mich zitternd ein.

Und am Mittag im immer noch fallenden Regen sammle ich all die gewordenen Blüten und ertränk‘ sie in Zucker.

22 blassgelb geschämte Gläser Gelée, dazu 5 3/16 Flaschen froschlaichgrün glitzernder Sirup.

Im Juni das Wetter November soll üben! Das was ich vom veruntreuten Sommer begehre ist eingemacht!

…und für alle, denen’s gerade ähnlich geht, hier das Rezept:

Regen

Rosen- (duftende, am besten Damaszener, englische und ein paar Essigrosen tun’s aber auch, nur ausgemachte Masochisten wählen die Hundsrose!) und Hollunderblüten, soviel man eben bekommen kann, mindestens aber je 1 großer Topf voll, weil die Mühe sich sonst nicht lohnt.

Unmengen Zucker (Für die Rosen Gelierzucker, für den Holunder normaler, brauner verdirbt den Geschmack!)

Zitronen (viele!)

Rosengelée:

Den größten Topf den man hat bis zum Rand mit ungespritzten, stark duftende Rosenblüten (wer hat Damaszenerrosen, es gehen aber auch alle anderen Rosenarten, vorrausgesetzt sie duften) füllen, eventuell vorhandene Tierchen und Grün vorher aussortieren. (nicht weil sich das optisch nicht nett macht…aber Fleischeinlagen in Marmelade sind nicht jedermanns Sache und Grünzeug hat bei Kochen die ärgerliche Tendenz leicht bitter zu werden.)

Je nach Anweisung Gelierzucker und Wasser hinzugeben allerdings ca. 15% mehr Zucker als angegeben (Rosengelée geliert da Rosenblüten kaum Pektin enthalten ziemlich schlecht, also lieber mehr, als weniger!).

Je nach Geschmack (wer’s sehr süß mag, kann’s auch weglassen, allerdings heißt das noch mehr Zucker, weil die Säure neben der Frische auch das Gelieren fördert) Zitronensaft und kleingeschnittene Zitronenzeste zugeben (auf 1 l ca. 2 Zitronen).

Ganz langsam aufkochen lasen und dabei immer mal wieder durchrühren, damit nichts anbrennt.

Nur sehr kurz aufkochen lassen!

Etwas Gelée auf einen vorgekühlten Teller geben und damit Gelierprobe machen, wenn’s geliert, alles vorsichtig (Verbrennungsgefahr!) mit einem feinen Sieb abseien und in Marmelade oder Einmachgläser abfüllen.

Spar-Tip:

Am besten man sammelt für’s einmachen alle über’s Jahr anfallenden Einmachgläser mit Schraubverschlüssen (diese Eignen sich durchaus auch für Gemüse, Kompott’s u.ä. und machen weitaus weniger Arbeit als Weck-Gläser). Damit nichts schimmelt oder seltsam schmeckt muss man diese Gläser (und die Deckel!) aber sehr sorgsam reinigen. Am besten geht das in der Geschirrspülmaschine (Achtung: Papierettiketten vorher entfernen, da andernfalls Maschine verstoppft! Gläser und Deckel nach dem Spülen nochmals von Hand mit heißem Wasser ausspülen um eventuell vorhandene Spülmittelreste zu entfernen. Sauber, trocken und kühl lagern! Ggf. kurz vor dem Abfüllen des Inhalts nochmals mit heißem Wasser ausspülen).

Im Handel angebotene spezielle Marmeladengläser sind recht teuer, und vom Prinzip her auch nix anderes als die Dinger, die man eh im Supermarkt bekommt…

Holunderblütensirup:

Sirup geht im Prinzip gleich, nur dass man den Gelierzucker mit normalem Zucker und die Rosenblüten durch Holunderdolden (die Blüten sollten möglichst ganz frisch geöffnet sein) ersetzt (auf 1 l Wasser etwa 1,2-1,5 kg Zucker).

Verzehr-Tip:

Mit etwas Prosecco, einem Schuss Soda, einer Limettenscheibe und zwei Minzblättern wird aus dem Sirup flugs der „Cult-Drink“ „Hugo“ (besonders schön sieht der aus, wenn ihr ihm einen Limetten Zucker-Rand gönnt und ein zwei Johannis- und Heidelbeeren die dann auf und abkullern ins Glas gebt)

Rosengelée MUSS auf echten Buttercroisants oder Scones oder weichen Madelaines mit vieeeeeel Süßrahmbutter oder Clotted Cream gegessen werden. Sauerteig-, Schwarz- oder Vollkornbrot geht garnicht! (man kann’s aber auch pur essen…und wenn ihr kein Gelèe sondern Sirup mögt, einfach den Gelierzucker durch normalen ersetzen und etwas mehr Zucker als Wasser nehmen)

Viel Spaß beim verregneten Nachkochen.