Geschnittene Büsche, Bärlauchesotherikerinnen und warum meine Teppiche eigentlich nach Australien müssten…

daffodil

daffodil

Ich liebe es, wenn meine Nachbarn Büsche schneiden, und Apfelbäume von ihren Wasserästen trennen – ich sehe einfach besser weit.
Meine anderen Nachbarn haben mit Kunstmohnblumen und blauen Bändern Türen dekoriert – Ich vermute Mörike-Fans* – ob außer mir irgendwer die Anspielung erkennt…oder schlägt bei meinem Hirn gerade wieder der „oversophisticated Geisteswissenschaftler“ durch und sie (die Nachbarn) (er)kennen selbst nicht was sie tun und es gefiel ihnen einfach nur die Kombi von Crème und Blau? In einem fränkischen Freiluftaltersheim mit gerade noch so geduldeter Universität (und deren unterirdischem Milieu, das nur Dreck macht) ist alles möglich…

Als Fan von Narzissen in Sektgläsern*² find ich’s gut, vermutlich auch, weil ich gestern den ersten Zitronenfalter, das erste Kind des Jahres, dass vor lauter Frühlingsfreude im Teich gelandet ist, und die erste pummelige Esotherikerin in Crème-Lila gesehen habe, die aus dem Biosphärenreservat Bärlauch klaut (die wahren Freuden des Lebens eben…). Kann man jetzt verstehen – muss man aber nicht und Kind und Esotherikerin sind wohlauf, was das weitere Schicksal des Zitronenfalters anging bin ich mir nicht sicher, er verschwand hinter einigen Frühkrokussen…

Meine Teppiche müssten mal wieder gründlich gesaugt und gestäupt werden – Zu wenig Pulverschnee (besser als jedes Teppichspray, wenn man den Teppich davor eine Nacht lang durchfrieren lässt) in diesem Winter um sie wirklich darin sauberzuklopfen – Freiwillige vor! Schließlich kann ich die Dinger nicht zum Ausklopfen nach Australien schicken (da beginnt er grad, der Winter und die Idee wär verlockend. Leider weiß ich nicht, wer sie von Sydney in die Blauen Berge und zurück fahren soll, jemanden zum Ausklopfen gäb’s da immerhin – Vielleicht geb ich sie aber auch nur ein paar Kumpels auf den Osterskiurlaub mit (der Australier wäre zuverlässiger…) – Well, wieder einmal Luxusprobleme…aber wir haben Frühling, und wenn das nicht Luxus ist, weiß ich auch nicht. Kann man jetzt übrigens auch verstehen, oder eben nicht…

 

*Frühling lässt sein Blaues Band…(wer’s noch nicht kennt, findet das hinreißend schöne Gedicht hier: http://www.derkleinegarten.de/mehr-infos-bilder/gedichte/fruehlingsgedichte/moerike-fruehling-er-ists.html).

*² Vgl. Mein Artikel zum Sektglasikebana: http://wp.me/p2SJFH-rf.

 

 

voluptous tulips

Nehmen wir mal an, ich wäre Gott oder – etwas weniger ambitioniert – einfacher Genetiker und ich müsste aufgrund schwächelnder Bilanzen eine Blume aus dem Hut zaubern, die in sich schlichte Eleganz, puren Luxus und laszive Erotik vereint…es würden wohl ziemlich genau ein paar panaschierte „Queen of night“  dabei rauskommen.

Als typischer, reichlich verschrumpelter und absolut falsch gelagerter Mitleidskauf (ja, auch die als chronisch geizig verschrieenen Schwaben haben sowas manchmal) im 99 Cent Discounter erworben, mit wenig Hoffnung auf Erfolg lustlos in die schon halb gefrorene Balkonkastenerde gestopft…und dann das! Christoph Weickmann* würde vor Neid erblassen!

(*Christoph Weickmann, *1617, + 1681 in Ulm, wolhabender Kaufmann, Humanist, Richter, Sammler (vgl. Weickmann’sche Kunst und Wunderkammer im Museum Ulm)  und Besitzer eines legendären Tulpengartens.)

voluptous tulips1

voluptous tulips 2

8. Türchen: …wie aus einer Grabbeigabe ein vorweihnachtlicher Dekoartikel wurde…

Nelkenorange

Würde mich jemand fragen, wie Weihnachten riecht, ich würde antworten:

Nach Nelken und Orangen!

Der Duft exotischer Inseln und südlicher Sonne gehört für mich zur „staden Zeit“ wie Schneeflocken und das Funkeln der Adventsbeleuchtung. Dabei hatten die mit Gewürznelken gespickten Zitrusfrückte ursprünglich mit Weihnachten garnichts zu tun. Sie zierten als seltene und sündhaft teure Gastgeschenke (eine Handvoll Nelken hatte im 17. Jahrhundert in etwa den Gegenwert einer gut ausgestatteten Wohnung und auch frische Orangen oder Zitronen waren nördlich der Alpen nicht gerade einfach zu bekommen) die Tische von Königen, Fürsten und reichen Handelsherren. Doch waren Orangen, Zitronen und insbesondere Nelken mehr als bloße Dekorationsobjekte. Seit der Antike glaubte man Krankheiten, ja das Böse an sich, würde sich schlechte Gerüche, sog. „Miasmen“ fortpflanzen. So kam es, dass man nicht nur die schnabelartigen Masken der Pestärzte mit Gewürznelken, frischen Orangenschalen und anderen Gewürzen füllte um sich so vor Ansteckung zu schützen (der Glühwein diente ursprünglich einem ganz ähnlichen Zweck), nein man gab sie auch als Apotrophaion und „imitatio christi“ (die Nelken sollten an die Nägel mit denen Christus ans Kreuz genagelt wurde und die Dornen der Dornenkrone erinnern) mit ins Grab (vgl.: http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Freiberg-Goldene-Nelken-im-Kindergrab-artikel8126906.php).

Erst die billiger werdenden Gewürze und die leichte Verfügbarkeit von Südfrüchten machte Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Luxusgut den verlockend duftenden Dekoartikel, der uns heute in vorweihnachtliche Stimmung versetzt.