Adventskalender 2014 – 14. Türchen – prejudices, or my perfect German christmas party in the middle of August!

Duftpomaden- Nelkenorange

Duftpomaden- Nelkenorange

Sometimes it’s true: prejudices do exist, to be confirmed!

But it’s also true that in quite a lot of cases, the pre-judged do everything to ensure that prejudices become true for the prejudicing ones, particularly, when they are profitable for the pre-judged!

One of those very precious and extremely profitable prejudices is the “German Christmas”!

Not only half of the world’s population seems to be absolutely convinced, the whole of Germany would mutate into a single giant Christmas market between October and March, no! – for some unexplainable reason my American, Chinese and Russian friends also are absolutely sure of the fact, that all Germans had nothing better to do, than drinking German mulled wine, eating German Lebkuchen – of coruse from the most German city Nuremberg – while carving incessantly Oberammergau crib figures wearing god-old German leather pants during this “holy time” of the year…

Well…I’ve tried to explain things are a bit more „complicated!… I’ve tried it…really!

To my big misfortune, we were visiting the beautiful German city of Bamberg…which unfortunately looks exactly like Disney would create a Christmas town…even in the middle of August. Things were as they had to come… my beloved multicultural Chrismas-seekers discovered the full-year Christmas paradise – a really awful shop, freshly imported from Rothenburg ob der Tauber!  Did I mention that it was the middle of August!

To make things short and worser: Any further attempt to explain that Christmas was not a quintessentially German invention with quintessentially German customs and quintesentially German “Gemütlichkeit“ was henceforth completely useless …

Instead, I grabbed my advent calendar from Aldi, took some gingerbread (foolishly, we visited Nuremberg too, there you can get gingerbread all arround the year, consequently I’ve must been wrong: Without any doubt, Germany is the land of eternal Christmas markets! damn!).

And then it happened … some idiot of touristshop-owner offered the ultimate beer mug: with a portrait of the Kaiser, an imperial eagle, good old Germany inscription (I’ver wondered why in Gods name there was no ; Für Gott, Kaiser, Reich und Vaterland-inscription!) , Santa Claus, some reindeers, Christmas market stalls, the “Chriskind-Rauschegoldengel” and of course the synonym of “real” German Christmas customs: a Christmas pickle! (I declared to “my” Americans for the 10,000st time that there is no such custom in Germany … they do not believe me! Of course not, if there’s a whole bunch of christmas pickles in the showcase!)

After this, I haven’t even tried to explain to my beloved Americans why Santa Claus isn’t the half-brother of the Christkind, or that reindeers belong to Norway and are a typical element of American folclore… I let them buy their goddamned pitcher “made in China”, and even drunk some “real” Franconian smoked beer from it (I’m drinking it exclusively when I’m forced to do so by friends on transit!).

At the end, I’ve managed to get some unripe oranges to show them how to make a genuine German Orange with cloves (those strange things, you already had to tinker in Kindergarten. Of course without a kindergarten aunt explaining that much less burning essential oils would get into your eyes, when you drill some holes into the orange with a with a small nail  first and then put the cloves in … may I’ve forgot to tell, that Oranges and cloves do not grew in germany and came to our country from Venice in the 15th or 16th century and therefore called „Duftpomaden“ or „Duftpommeranzen“ (scented oranges)…but my guests were Americans! I’m glad when they don’t mix Austria with Australia and – honestly said – for them everything that smells like German Chrismas must be genuinly German…It’s the same thing with socker, cars and beer…).

In short: I’ve done everything not to be the evil, deadly serious and oversophisticated German again… and I managed it! I’ve celebrated a perfect German Christmas, with Christmas baubles, a Christmas pickle, an Advent-Calendar and a genuinely German Orange with cloves in it! And I did all this in the middle of August, just to prove: Germany is Christmas genuine homeland!

Happy New Year!

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Adventskalener 2014 – 11. Türchen – Von Musketenmäulern, problematischen Geschenken und Säulenheiligen

Geschenke

Geschenke

Kennt ihr das:

Da freut man sich aus dem Barbaricum wieder für ein paar Tage in die „alte“ Heimat zu kommen und dann sitzt man beim Mittagsmenü beim Chinesen und der erste Satz den man vom Nachbartisch im altvertrauten Dialekt hört ist:

Ônd weanigschdens ká E mr itzônd wiadr as Fiadla aschmierá, weil ledschd Woch hau E me ja kaum meh riará kenná…“
Ja, sie sind manchmal dann doch äußerst liebenswert direkt  meine schwäbischen Hausfrauen im leicht fortgeschrittenen Alter – insbesondere wenn es darum geht ihren Gesundheitszustand oder gewisse Körperfunktionen zu beschreiben – für alle Nicht-Native- und Non-Native-Schwäbisch-Sprecher_innen, hier die wörtliche Übersetzung:

Und wenigstens kann ich mir jetzt wieder den Arsch reinigen, in der letzten Woche konnte ich mich bekanntlich nicht mehr bewegen [und das Arsch-abwischen daher nicht/kaum mehr durchführen]“. Den Teil in Klammern muss man sich dazudenken…auch so eine schwäbische Eigenart – Informationen die man sich denken kann (oder können sollte) werden nicht gegeben. Erschwert die Kommunikation mit nicht-Telepaten und Ärzten erheblich, ist aber unter Schwaben weit verbreitet und offensichtlich sehr effektiv, außer man stirbt daran…

Ohnehin, meine geliebten schwäbischen Musketen- Pistolen- und Schwertmäuler. Keiner lästert so virtuos und bößartig über die körperlichen Gebrechen seiner Mitmenschen wie eine schwäbische Altenheimbewohnerin! Auch und gerade in der Vorweihnachtszeit. Kostprobe gefällig?

Ônd noch beh e vô Zeida en dr Arztbraxis gwäa. Ônd ob des itzd glaubschd ôdr idda, dô ischd noch graad ôinr raikô wo de au edd gwusst hosch wo dr Ranzá aufherd ônd dr Arsch afengt. So a feddr Brômmr abr au, kaum laufá hôddr meh kenná. I moi, s keed ja au sai Är ischd granng…abbr so grang kasch garedd sai, dass de so fädd bisch!“

(Kurz zusammengefasst: Es geht um einen adipösen Mann der unvorsichtigerweise die Arztpraxis betrat, während meine „Mädels“ im Wartezimmer nicht wussten, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollten, nett ist jedenfalls etwas anderes!)

Nicht umsonst hatten und haben derartige Damen hier den recht treffenden Spitznahmen der „Schwert-, Musketen-, Pistolen- oder Maschinengewehrmäuler“, jedes Wort eine kleine Kugel, die selten danebentrifft – und die Fähigkeit sich das Hinterteil abwischen zu können wird allzuoft deutlich unterschätzt! (außerdem ist die Verwendung der Begriffe ein interessanter Hinweis darauf, wie „waffentechnisch modern“ bzw. altertümelnd martialisch das Gegenüber denkt).

A propos sich nicht mehr rühren können – zumindest im 4. und 5. Jahrhundert war diese doch etwas beengende Eigenschaft keinesfalls etwas worüber man sich beschwerte, sondern wofür man sogar Heilig gesprochen werden konnte – auch wenn man dafür nicht unbedingt allzu adipös gewesen sein sollte, der Dicke Mönch am Weinfass ist bekanntlich erst eine Erfindung Münchner Maler aus dem 19. Jhdt….

Wollte man im 4. und 5. Jahrhundert hingegen besonders „heilig“ sein setzte man sich als Mönch einfach auf eine der damals noch überall noch reichlich herumstehende antike Säulen und lebte dort wortwörtlich als Säulenheiliger.

Wie ich darauf komme? Nein das hat jetzt außnahmsweise nix mit Hämorhiden und Hexenschüssen zu tun…obwohl ich mir das als Nebenwirkung bei dem nachfolgend geschilderten Verhalten durchaus denken kann…

Eigentlich geht’s aber mal wieder um eines meiner Lieblingsthemen:
Lustige Stories aus dem leben noch lustigerer Heiliger, oder wie ich’s ganz gern nenne: Mein ganz persönliches Martyrologium…

Und weil ich bekanntlich seit ein paar Jährchen (wie viel verrat ich natürlich nicht) an einer Doktorarbeit über Griechen die ans andere Ende der Welt ausgewandert sind schreibe, dachte ich mir, wir machen dazu heut mal einen Ausflug zu unseren lieben Brüdern von der Orthodoxen Fraktion.

Diese feiern nämlich am 11. Dezember, je nach Orthodoxer Kirche also heute oder erst in 13/14 Tagen – der orthodoxe (Kirchen) Kalender ist seit 1923 ein Thema für sich, wen’s genauer interessiert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Orthodoxer_Kalender

den Gedenktag des 493 vestorbenen heiligen Daniel Sylitis aus Anaplus (heute ein Stadtteil Istanbuls).

Nach Simeon Stylitis ist dieser Daniel der zweitbekannteste der Heiligen „von/auf der Säule“ – nichts anderes heißt der Beinamen Stylitis nämlich übersetzt.

Im Gegensatz zu Simeon „wohnte“ Daniel nun nicht irgendwo in der Syrischen Bergwelt sondern in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt des Byzantinischen Reiches, so dass er neben einem Pelzmantel auch ständigen, und ziemlich zudringlichen Besuchen seiner besorgten Umgebung ausgesetzt war. Diese wollten ihn nicht nur bewundern und verehren, sondern ihn gleich auch noch mit Essen, Trinken, Pelzmänteln und anderen lebensnotwendige Dingen versorgen. Das Ganze war Daniel, der doch gerade versucht durch Askese „heilig“ zu werden alles andere als recht.

Folgt man der im 7. Jahrhundert entstandenen Heiligenvita, entwickelte war der zukünftige Heilige ein außerordentlich unleidlicher Zeitgenossen, dass er immer wieder Leute die sich um ihn sorgten, ihm etwas bringen, oder nur ein gepflegtes theologisches Streitgespräch mit ihm halten wollten mitsamt ihrer Leiter von seiner Säule zu Boden schmiss…

Erst als Ihm ein Wintersturm seinen Pelzmantel (ja auch auf Säulen lebende Heilige wollen modisch up to date sein) wegwehte und man ihn am nächsten morgen fast erfroren auffand hat Daniel dann doch zähneknirschend zugestimmt, dass man um ihn herum eine kleine „mini-Mönchszelle“ auf die Säule baute…bequemer wurde das Ganze so auch nicht, aber etwas wetterfester…

Auch ein anderes „Geschenk“ erwieß sich als nicht ganz unproblematisch. Der damals regierende öströmische Kaiser Leon I. wollte dem Säulensteher eine besondere Ehre zuteilkommen lassen und bat den Patriarchen daher den widerspenstigen Noch-Nicht-Heiligen zum Priester zu weihen…Nun ging das aber nach damaligem (und auch nach heutigem) Ritus nicht, ohne dass der Patriarch dem Priesteramtskandidaten dei Hand auf den Kopf legt…

Dumm nur, dass Daniel dazu weder von seiner Säule herunterkommen, noch den Patriarchen mit einer Leiter zu sich hochkommen lassen wollte (er hatte bekanntlich was gegen Leitern und Leute, die darauf zu ihm hochgeklettert kamen…).

Kurz und gut, irgendwann gab der Partiarch auf (vermutlich hatte er einfach keine Lust mehr ständig auf seinem Hinterteil zu landen), und hat den wiederspänstigen Daniel von der Säule dann ohne Handauflegen zum Priester ernannt. Wer die Byzantiner kennt, weiß, dass das naturlich nicht ohne darüber mindestes 4 Jahre zu diskutieren und bürgerkriegsähnliche Unruhen zu veranstalten war…In religiösen Dingen waren die Byzantiner ungemein empfindlich und spitzfindig).

Vielleicht war es dann ja doch eine besonders subtile Form imperialer Rache für soviel Ungehorsam die daraufhin den Kaiser dazu brachte neben der Säule Daniels eine zweite aufstellen zu lassen, auf die er die Reliquien des inzwischen verstorbenen und wesentlich berühmteren Säulenheiligen Simeon aus Antiochia umbetten ließ…Zu dem konnten die Leute nämlich sehrwohl hochklettern – er war praktischerweise schon tot…
– viel hilft viel oder Konkurrenz belebt das Geschäft…

Vielleicht war das ja auch der Grund, warum der unleidliche Daniel dann doch seine Säule – ein einziges Mal – verließ um sich für die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon (das lag praktischerweise nur ein paar Kilometer entfernt) einzusetzen. Chalkedon war die Sache mit der Doppelnatur Christi und dem Papst…ich sag ja die Byzantiner waren in so Sachen sehr spitzfindig und empfindlich.
Kurz: Falls ihr das nächste Mal einem Säulenheiligen begegnet: Am besten ignorieren, und um Gottes willen nicht raufklettern und ihm irgendwas schenken wollen, auch wenn’s Weihnachten ist. Das gleiche gilt übrigens auch für schwäbische Musketenmäuler und Schwertgoschen.

Schönen 11. Dezember noch- und fragt mich jetzt bloß nicht, wie das mit der Körperhygiene beim Daniel auf der Säule funktionierte!

wer das Ganze mit den Heiligen und der Säule nochmal genau nachlesen will:

http://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Daniel_Stylitis.html