Adventskalender 2014 – 24. Türchen – Von heiligen Abenden und Gabenbescherern

Venedig, San Marco, Nordfassade, Weihnachtsdarstellung

Venedig, San Marco, Nordfassade, Weihnachtsdarstellung

„Fürchtet Euch nicht“ so der Engel zu den Hirten als er sie mit der Botschaft von der Geburt des Christkinds erschreckte…ja es kann einem schon Angst und Bange werden, wenn da plötzlich mitten in einer Winternacht eine wildgewordene Horde Engel mit riesen Tamtam am Himmel erscheint und ein lautstarkes Haleluja anstimmt…

Aber halt, wie war denn das eigentlich nochmal mit diesem „Christkind“ und warum um alles in der Welt feiern unsere russischen Nachbarn erst am 6. oder gar 7. Januar Weihnachten? Warum gibt es bei uns immer Kartoffelsalat mit Würstchen, und warum ist das Nürnberger Christkind ein Mädchen, wo doch Jesus ziemlich klar ein Junge war?

Well, mit Weihnachten ist es ein bisschen so wie mit allen großen Dingen, sie machen viel Arbeit, viel Freude und manchmal eben wie überall wo Menschen am Werk sind auch ein bisschen Chaos.

Zuerst einmal zum Datum. Die Bibel gibt darauf keinerlei wirklichen Hinweis, selbst das Jahr ist unklar, nur der Ort ist einigermaßen sicher: irgendwo in Bethlehem, einer kleinen, eher dorfähnlichen Stadt nahe Jerusalem…Und der Stern, und dieser Kaiser Augustus, und jener Kyrenius, der Statthalter in Syrien war, und die drei Weisen (gr. magoi) aus dem Morgenland.

Nun, der Einzige aus dieser Reihe von dem wir einigermaßen sicher wissen was bzw. wer er war und wann er gelebt hat ist Gaius Octavius, uns heute meist als Kaiser Augustus bekannt, der herrschte als Kaiser zwischen 31 vor und 14 nach Christus. Sprich man kann sich nun eines dieser Jahre als das Geburtsjahr Christi heraussuchen, und da sich unser Kalender nunmal an der Geburt Christi orientiert haben wir heute irgendwas zwischen 2045 und 2000 (vielleicht kommt der Milleniumskrach also erst dieses Jahr…). Kyrenius ist den Archäologen und Historikern leider außer in der Bibel noch nirgends untergekommen, und vermutlich hatte derjenige der die Weihnachtsgeschichte aufschrieb (ein gewisser Lukas, dessen Identität so klar aber auch nicht ist) einfach vergessen wie der damalige Gouvaneur in Syrien hieß und einfach „Kyrenius“ was soviel wie Syrer (Syrenius/Cyrenius) heißt geschrieben.

Und der Stern? Komet, Supernova, Asteroid, astrologische Konstellation im Sternbild Fische…die Astronomen streiten sich seit Jahrhunderten darüber was die „Magoi“ also jene gelehrten und ein bisschen unheimlichen Männer aus dem Morgenland denn da gesehen haben – die Zahl drei ist übrigens eine spätere Erfindung, und auch dass es Könige waren ist eine nette kleine Mittelalterliche Zutat…aber sie machen sich einfach so nett im Krippenspiel, die prächtig austaffierten Orientalen samt Gefolge…

Und wie ist das nun mit diesem Christkind? Mann, Frau, Jesus, Webefigur, Nazi-Erfindung, Engel oder doch von Martin Luther, und was soll eigentlich die Sache mit diesem Weihnachtsmann, und dem Nikolaus, und warum um alles in der Welt bringt in Russland Väterchen Frost an Sylvester und in Italien eine Hexe die Geschenke und dass auch erst am Dreikönigstag?

Well, das ganze Kuddelmuddel fängt eigentlich damit an, dass wie gesagt anfangs garnicht so ganz klar war, wann und ob Weihnachten überhaupt gefeiert werden sollte. Vor allem die Jerusalemer Urgemeinde und auch einige andere ostkirchliche Gemeinschaften taten sich mit diesem Fest recht schwer und führten es erst lange nach den kleinasiatischen und lateinischen Gemeinden (damals war das alles noch mehr oder minder eine Kiche, allerdings wesentlich weniger zentralisiert als heute, im Prinzip machte die ersten paar Jahrhunderte jeder was er wollte) im 6. bzw. 7. Jahrhundert ein.

Warum in den Westkirchen (und auch in einigen Ostkirchen) ausgerechnet der 25. Dezember das Weihnachtsfest wurde, ist nicht ganz klar, hat aber vermutlich mit der Anlehnung der frühen Christen an den von den römischen Kaisern Aurelian und Heliogabal eingeführten Feiertag des „sol invictus“ (also der unbesigbaren Sonne) am 25. Dezember zu tun (dies v.a. darum, weil Christus schon sehr früh mit dem „Licht in der Finsternis“ gleichgesetzt wurde). In den Ostkirchen existierten hingegen von Beginn an andere Termine die teils bis mitten in den April reichten, teils bereits Anfang Dezember lagen.

Zusätzlich verkompliziert wurde die Lage durch die Kalenderreform Papst Gregors 1582 der aufgrund des ungenauen Julianischen Kalenders einfach 13 Tage „ausfallen“ lies. Dies machten, und machen viele der inzwischen durch ein Schißma getrennten Ostkirchen nicht mit (übrigens auch die meisten der inzwischen entstandenen Protestantischen Staaten Europas nicht), so dass deren Kalender bis weit ins 18. und in einigen Fällen sogar bis heute um 13 Tage „nachgeht). Auch hatte im Osten das Weihnachtsfest nie die Bedeutung, wie in den westlichen Kirchen. Wichtiger war hier der 6. Januar, das Fest der Epiphanie, also der Taufe Christi im Jordan (das auf das gleiche Datum das Fest der heiligen Drei Könige fällt, die ebenfalls als Gabenbringer auftreten – schließlich waren sie es, die laut Bibel dem Christkind die ersten Geschenke brachten – macht die Sache mit Weihnachten und den unterschiedlichen Gabenbringern nicht einfacher.

Wirklich kompliziert wird es dann aber, wenn noch Nikoklaus, Väterchen Frost oder die Befana als Geschenkebringer auftreten.

Traditioneller Weise war es nämlich in Westeuropa so, dass es bis weit ins 16. Jahrhundert hinein nicht zu Weihnachten, sondern bereits zu Nikolaus Geschenke gab. Das ganze leitete sich von einer Passage in der Heiligenlegende des Nikolaus von Myra ab, der eines Nachts drei unschuldig aufgrund von Schulden bzw. Armut zur Prostitution gezwungenen Mädchen (einige Varianten der Legende legen auch nahe, dass es Jungen gewesen sein könnten) mit drei Kugeln Gold dieses Schicksal erspaarte, die er Nachts unbemerkt in deren Schlafzimmerfenster gleiten ließ – es ist manchmal schon seltsam wie Heilige zu Geschenkebringern werden, aber so war’s nunmal, wenn ihr mich fragt hat das Ganze trotzdem ein Gschmäckle…

Nicht nur ich, sondern auch die um 1520/30 wie die Pilze aus dem Boden schießenden Protestanten hatten mit diesem „Heligen Nikolaus“ ihre Probleme, so dass Martin Luther sich etwas anderes einfallen ließ und als neuen Geschenkebringer den „Heiligen Christ“ erfand und auch gleich das Datum der Bescherung auf den 24. festlegte damit es da auch ja keine Missverständnisse und Verwurschtelungen geben konnte…

Nun, so ganz funktioniert hat das nicht. Aus dem „Heiligen Christ“, mit dem in erster Linie der erwachsene und nicht der gerade eben geborene Jesus gemeint war, wurde nach und nach das Christkind, dem immer mehr kindliche aber auch engelhafte Züge angedichtet wurden. Der Grund dafür ist unklar, aber vermutlich sprachen die weißgekleideten Engel aus dem Krippenspielen und ein kleines, neugeborenes Kind die Menschen einfach wesentlich stärker ästhetisch und emotional an, als ein manchmal etwas cholerischer und abgehobener Zimmermansgeselle aus Nazareth.

Auch war es längst nicht so, dass nun die Katholiken brav den Nikolaus und die Protestanten das Christkind als Gabenbringer bevorzugt hätten. Die Dinge vermischten sich doch, an manchen protestantischen Orten gab es weiterhin am 6. Dezember vom Nikolaus Geschenke, an manchen katholischen kam zusätzlich das Christkind und in wieder anderen Regionen entwickelten sich noch ganz andere Gabenbräuche, die auf teils ganz andere Heilige zurückgingen (z.B. den Heiligen Martin, die Heilige Lucia oder eben auch die Heiligen Drei Könige).

Letztere hatten ihre Hochburg offenbar in Italien, denn dort wurde Weihnachten zwar am 25. Dezember mit einer festlichen Messe gefeiert, aber die Geschenke gab’s wohl erst – wie in den Ostkirchen – am 6. Januar. Nur dass die heiligen Drei Könige dort mehr und mehr (wann ist nicht ganz klar, vermutlich aber schon zu Beginn der Neuzeit) von einem kleinen Dämon oder einer Hexe namens Befana (von Epiphanias) abgelößt wurde. Diese/r hatte sich laut einer populären Sage gemeinsam mit den Hirten aufgemacht um das Christkind anzusehen, kam aber zu spät und traf so erst mit den Heiligen Drei Königen am 6. Januar ein. Anfangs ein eher zwielichtges Wesen wurde Befana ab dem 18. Jahrhundert mehr und mehr zum Gabenbringer und darin v.a. in der Zeit des Faschismuses durch eine „Befana für Arme“ zusätzlich popularisiert.

Eine ähnliche Geschichte hat Väterchen Frost. Diese Figur stammt aus dem reichen Reich der russischen Märchen und war ursprünglich die durchaus nicht immer ganz freundliche Verkörperung des Winters. Schon zu Zeiten von Peter dem Großen verlagerte sich in Russland der Geschenkeabend vom 6. Januar auf die Silvesternacht, da Peter ausgesprochen antikirchlich eingestellt war und alternative weltliche Bräuche schaffen wollte. In wie weit dabei auch schon Väterchen Frost als Gabenbringer auftrat bleibt unklar, jedoch scheinen sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Russland mehr und mehr „weltliche“ Gabenbringer (wie die Verkörperung des Neuen Jahres oder Genien) durchgesetzt zu haben.

Wirklich populär wurde Väterchen Frost als Gabenbringer aber erst mit der Oktoberrevolution. Diese schaffte im Alltag der Menschen sämtliche religiösen Bezüge ab (oder versuchte dies zumindest) und propagierte stattdessen eine säkulare Weihnachtsfeier mit Väterchen Frost als Gabenbringer.

…und warum um alles in der Welt ist das Nürnberger Christkind nun ein Mädchen? Nun, das ist auch eine etwas komplizierte Geschichte. Ich habe ja schon geschrieben, dass der von Luther entworfene Gabenbringer des „Heiligen Christ“ sich recht schnell zu einem lieblichen, engelsgleichen Säugling oder zumindest Kind oder Jugendlichen entwickelte, das mehr und mehr seinen Bezug zum christlichen Hintergrund verlor und spätestens im 19. Jahrhundert ein Eigenleben jenseits der Christlichen Heilslehre zu führen begann. Entscheidend für das Nürnberger Christkind sind aber die Nationalsozialisten. Diese führten Prolog und Christkind 1933 als bewussten blondgelockt-arischen Gegenentwurf und „Marketinggag“ gegen Christliche Bezüge des Weihnachtsfestes ein.

Bis 1968 behielt das Nürnberger Christkind allerdings sein männliches Geschlecht und wurde von Schauspielern verkörpert. Erst dann kamen die Organisatoren des Nürnberger Weihnachtsmarktes auf die Idee das Christkind von einem jungen Mädchen verkörpern zu lassen – vermutlich weil sie sich hierdurch eine größere Aufmerksamkeit (man kann beim Christkind ja schlecht von Sexappeal sprechen) erwarteten.

Und was ist jetzt mit dem Weihnachtsmann? Nun der stellt eine Art Fortentwicklung des Heiligen Nikolaus dar, ist mit diesem aber nicht identisch (es ist ganz ähnlich wie beim Christkind, dass ja auch ein Eigenleben entwickelte), der sich irgendwann mit Väterchen Frost kreuzte und noch dazu in den 1920er Jahren von Coca-Cola für seien Weihnachtswerbung entdeckt wurde (die Amerikaner haben ihn allerdings nicht erfunden, wie es fälschlicherweise oft heißt.

So, jetzt war’s aber genug Kuddelmuddelentwirrung für heute. Ich wünsche Euch frohe, liebevolle, ruhige, freundliche, freudenreiche, selige und gesegnete Weihnachten und natürlich auch ganz viele Geschenke, egal wer sie nun wann bringt.

Wen’s genauer interessiert, hier wie immer noch ein paar Wiki-Links dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Augustus

http://de.wikipedia.org/wiki/Christkind

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4terchen_Frost

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsmann

http://de.wikipedia.org/wiki/Befana

http://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige

http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Christkindlesmarkt

PS: gerade habe ich gelesen, dass man inzwischen wohl doch weiß, wer dieser Cyrenius oder Quirinius gewesen sein könnte (Wikipedia sei dank lernt man nie aus!), es scheint den Herrn tatsächlich gegeben zu haben und er hat sogar um 6 nach Christus (passt!) in Judäa eine Volkszählung für die Steuerlisten durchgeführt (was ein Zufall!)…Wer mehr über Publius Sulpicius Quirinius wissen will:

http://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Sulpicius_Quirinius#cite_note-7

 

 

 

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Von Gartenlust und Unwettermeldungen – oder – warum meine Pflanzen eine Loggia haben.

Mein persönliches Hantelgewicht ;-)

Mein persönliches Hantelgewicht 😉

Ha, wie kann es schön denn sein, in dem kleinen Gärtelein…Keine Angst ich hör schon wieder auf zu reimen…

Wie immer hat das gestrige Unwetter Bamberg, die legendäre Stadt der Säufertürme, Kirchturmspitzen und 60.000 Blitzableiter mal wieder verschont. Ich schiebs ja auf den Steigerwald, der wie der Name schon sagt, die Wolken einfach über die Stadt weglupft, aber meine Nachbarin ist der festen Überzeugung, dass es dem legendären Schleier der Heiligen Kunigunde zu verdanken ist, dass Bamberg kein Wetter kennt. Irgendwer knipst Ende Mai Lichtschalter und Heizung an und stellt sie Ende September wieder aus, und wer sollte das außer der heiligen Kaiserin schon anderes sein – Petrus ist in Rom beschäftigt und die Vierzehn Nothelfer sitzen faul in Vierzehnheiligen rum…bleibt also nur die Gute alte Kunni – Sie bzw. ihr schicker Kopfputz schützen vor amerikanischen Bomben, Stechmücken, griesgrämigen Ehemännern, UV-Strahlen und allem anderen, was einer „Dame von Welt“ besser nicht vor die Augen kommen sollte. Regen, Sturm, Blitzschlag, Hagel? No Problem, Kunni und ihr Schleier bekommen das hin!

Von reformatorischem Eifer getrieben hab ich als ungläubiger Protestant natürlich so meine Probleme mit dieser Art archaischen Denkmustern und deshalb in original altdeutsch-preußischem-Angst²-Modus beim allerkleinsten  Vorabzeichen einer dunklen Wolke am vorschriftsmäßig weiß-blau zu seienden Himmel meine sämtlichen Kübelplfanzen/Balkonkastenschönheiten inklusive mundgeblasener Pseudo-Muranoglaskugeln wieder einmal brav vor dem bösen Gevatter Hagel, oder dem Bruder Wind, oder der Schwester Fallender Ast, der Mutter Ziegel, der Tante Katzen, dem Cousin Vogel, der Großtante Blattlaus, dem Schwippschwager saure Milch und der angeheirateten Erbtante verdorbener Hefeteig und allen anderen bei Gewittern drohenden Unbill-Verwandten unter das wärmende Dach meiner Ex-Wäschetrockenraum-Loggia in Sicherheit gebracht.

Dem nicht genug, wurde – meiner erzkatholisch-eichstädtisch-leicht superstitiös angehauchten Großmutter selig sei dank – auch gleich noch flugs und präventiv auch noch eine geweihte schwarzlilane Wetterkerze aus Walddürn angezündet und ein schmerzhafter Rosenkranz (der mit dem durchbohrten Herzen Mariens) gebetet. Dabei fällt mir ein: Es lebe die stets vorbildliche Vorab-Terrorismus-Bekämpfung des bayerischen Innenministeriums und ihre Voralpenhagelfliegerstaffel! Die sind nicht von denen, sondern vom Landkreis? Egal, ich schick ihnen trotzdem mal ein Paket von den Dingern…funktioniert wirklich!…Ich hôn ja âa bloos gmaant Barrack Hussein…ehrlich!

Bodybuilding und Yoga inklusive!

Ach ja…man hat’s einfach schwer als stetig engagierter Kulturwissenschaftler, der sich immer bemüht die Binnenexotik des Moments voll auszukosten…(Sorry, aber diese Portion lamoyanter Selbstironie musste jetzt einfach sein…)

Nach einer unter den Schlägen des Fahnenseils am Eisernen Mast bitterbang durchwachten Mitsommernacht, ging’s dann noch vor dem Frühstück (sic!) wieder raus. Schließlich sollten die armen Petunien nicht zu Nachtschattengewächsen verkommen – sind sie eh schon? Na egal…Nach nur zehn Minuten (Neuer Rekord!) sah alles wieder aus wie vorher (Ordnung muss sein, dass sagen wir hier auch den Austauschtouristen!), und ich? Ich war trotz eintreffender Kaltfront noch vor dem Frühmessläuten der Karmeliter stolz  bätschnass geschwitzt und reif für die zweite Dusche zu sein! Warum ich davor überhaupt im Bad war, hat vermutlich mit den ewig verkannten Italienischen bzw. Englischen Erbanlagen (Die Gene…bin ich heut wirklich so einfallslos?) in mir zu tun, die sich grundsätzlich nur in Tropenhelm und weißem Leinenanzug zum morgendlichen Schneckenabsammeln trauen…

Am Himmel sehe ich schon wieder kleine Schäfchenwolken…

und wir als gute deutsche Kleingartenbesitzer –

wir wissen, ja wir wissen ja, wie schnell aus –

schnell aus einer kleinen, harmlos blökenden Cumulus humilis,

so ein alleszestörend, garstig, blödes Sch…-Ding namens Cumulonimbus (capillatus) incus wird!

Oder inetwa nicht…nicht wenn, wenn nicht, dann jetzt…

drumm jetzt, ja jetzt ganz schnell, hinaus, hinaus…

hinaus und raus ist nun Herr Biedermann im Kittelschürz,

und holt die armen Pflanzen in die Kammer-Loggia,

Die Wetterkerze an?

Ne…

Scheiße verdammt und zack Zement…

Ein Zündholz fällt, ein andres bricht…der blaue Himmel leuchtet wieder…

und Kunigund und Gott und Bruder Zephir…

Aphrodite…allen, allen Dank!

Ich lächle, danke Odysseus und Arte für die Inspiration (freie Adaptionen antiker Dramen mit homoerotischen Einlagen und kulleraugenrollenden Bösewichten sind so CineCitta!)…und Dank auch meiner Großmutter selig, die so wunderbar gutkatholischeichstädtischsuperstitiös veranlagt war und diesen guten deutschen Angstfluch an mich weitergab (Per Lourdesstatuette auf dem Volksempfänger!).

Drumm mein Motto für Heute:

Keine Wetterwarnmeldungen mehr, der angekündigte Tornado und die 5 Zentimeter großen Hagelkörner sind einfach nix für süddeutsche Kübelpflanzen- und Balkongartenbesitzer/Präventivangsjunkeys! Und um jetzt flugs auch noch die Kontinuitätsthesenfraktion unter uns zufriedenzustellen, laut meinen auto-ero-epischen Selbstethnographien ist:

Die interdependent-rekursive Inkompatibilität von Gewittern mit Hagelschauern und fremdländischem Balkongewächs mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit kausal verantwortlich für das tief in der kollektiven Erinnerungskultur der Deutschen verwurzelte Unbehagen ihrer keltischen Vorfahren, dass der Himmel auf den frisch angepflanzten Salat fällt!

Buon Di und dass der Himmel dort bleibt, wo er hingehört!

Euer

Alexnikanor

PS: irgendwann schaff ich’s schon noch alle Kategorien in einem Artikel unterzubringen 😉

12. Türchen: Von Matrioschkas, kleinen Klimts und Wohnzimmer-diktatoren

Eigentlich sind sie jMatrioschkasa ganz niedlich, die kleinen, rundlichen Holzpüppchen, die als 3er, 5er, 7er, 9er oder 35er Set nicht nur zur Adventszeit den Kaminsims unsicher machen. Mit ihren Kulleraugen und bunten Kleidchen betteln sie darum mitgenommen zu werden. Kaum ein Osteuropa-Tourist (oder Ethnologe) wird ohne ein oder zwei Exemplare wieder gen Westen reisen. Doch scheinen die klassischen „Volkskunst-Matrioschkas“ mit Trachtenspitze oder russischer Winterlandschaft auf der Brust in letzter Zeit ziemlich aus der Mode gekommen zu sein…

Fragt man die Händler nach den Top-Ten der Matrioschka-Hitparade muss es für den modernen Globetrotter und Cosmopoliten, der/oder die eh schon alles hat, überall war  und die nichts mehr überrascht (traurig!) mindestens die gesamte Romanov-Dynastie im Miniaturformat, ein Potpurri aus Klimt-Bildern oder die stolze Reihe echt altrussischer Heilger mir kirchenslawischen Umschriftbändern, die selbst die meisten Russen nicht ohne weiteres entziffern können sein; Selbstverständlich alle von Schülern der berühmten Petersburger Kunstakademie in Öl auf das eigentlich wenig malfreundliche „Rohformat“ der Matrioschkas gebannt!

Auch das Diktatoren-Quartet aus „Väterchen“ Stalin, Pol Pott, Mao und einem gewissen Hitler erfreut sich als Matrioschka allergrößter Beliebtheit als geschmackvolles Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

Aber will man sowas wirklich neben den Nippesdelfinen aus Murano-Glas, dem Thailändischen Muschellämpchen, den falschen Musketen oder Omas gutem Pralinenservice aus der „guten alten Zeit“ in der Wohnzimmervitrine stehen haben?

Da bleibe ich doch lieber bei den niedlichen kleinen Mütterchen, die unter Stickereien, Spitze und Kopftuch immer noch eine kleinere Ausgabe ihrer Selbst beinhalten!

С Рождеством Христовым!

3. Türchen, oder: Warum Maria heute vermutlich in der Antiterrordatei landen würde und dem heiligen Thomas die Hände abfielen…

Verkündigung Mariens, peruanische Krippe

Ich weiß, ich weiß, meine Überschrift ist heute etwas barock geraten, und auch der Blog-Artikel ist definifiv viel länger als es der Ratgeber für den erfolgreichen Blog-Autor empfiehlt, aber ich kann versprechen, Durch- und Nachlesen lohnt sich, nicht nur für Katholiken! (vermutlich behaupten das aber alle Leut‘, die sich schlichtweg nicht kurzfassen können oder wollen ;-))

Alors…Passend zum Advent habe ich mal wieder in meiner leicht angestaubten Bibel gelesen (auch ohne dass man drann glaubt ist es ein verdammt gutes Stück Weltliteratur!)

Marx und Engels wären stolz gewesenauf die zickige Teenager-Mutter, die wir heute als Maria kennen.

Sie las (damals für Mädchen ziemlich ungewöhnlich) leidenschaftlich gern, sah nicht besonders gut aus (eine dunkle Hautfarbe galt damals – anders als heute – nicht unbedingt als dernier cri), war von einem unbekannten Vater schwanger  (ich will die Eltern und das Jugendamt sehen, die sich mit der Erklärung, der heilige Geist habe ihre Tochter geschwängert zufriedengeben!), und war drauf und dran einen deutlich älteren Mann (Josef, immerhin selbstständiger Unternehmer und Chef eines Handwerksbetriebes) zu heiraten. Außerdem hatte sie ziemlich linksradikale Ansichten (jedem der’s nicht kennt sei dazu der 2. Teil des Magnificat (LK1, 51a-55) empfohlen, die Schlüsselstelle hab ich unten im griechischen Original wiedergegeben, weil’s in der Deutschen Übersetzung viel zu zahm klingt).

Kurz, Maria würde heute vermutlich in die Kategorie „linksterroristischer Gefährder“ fallen, hätte Einreiseverbot in den USA und garantiert einen Eintrag in der Antiterrordatei des BND. Nebenbei gesagt: Jesus war – wenn er nicht gerade die Nachbarskinder tot umfallen ließ (leider nicht in den Bestand der regulären Bibelausgabe aufgenommen, aber wunderbar im Petrusevangelium nachzulesen), einem empfahl sich ein Auge oder wahlweise einen Arm abzureißen (Bergpredigt) oder die „Kapitalistenschweine“ (vermutlicher O-Ton) aus dem Tempel vertrieb der Gemäßigte in der Familie! Und der arme Josef? Der hatte eh nix zu sagen – Kein Kunststück bei der Ehefrau und einem leibhaftigen Gott als Ziehsohn! Armer Kerl!

Auch Marias Verwandte waren nicht viel besser: Elisabeth war eine „Mutter im Fortgeschrittenen Alter“. Ich fühle mich bei ihr immer peinlich an den Medialen Hype um die Italienerin (oder war’s eine Rumänin?) erinnert, die vor kurzem dank der modernen Pränatalimplantationsmedizin mit über 60 schwanger wurde. Noch „schlimmer“ triebs aber Elisabeths Sohn: Täufer Johannes (nicht umsonst haben sich Thomas Müntzer und die Wiedertäufer diverser Coleur mit Vorliebe auf ihn bezogen). Er galt – neben dem Christkind-Jesus – schon Herodes als absoluter Staatsfeind Nummer 1. Der Tanz der 1000 Schleier den Herodes Tochter Salome aufführte damit der unverschämte Kerl endlich einen Kopf kürzer gemacht wurde ist legendär! Dank ihr entwickelten sich in der katholischen Tradition anatomisch äußerst detailreich ausgearbeitete Abbildungen abgeschlagener „Johanneshäupter“. Fast immer schon ein wenig in Verwesung übergegangen, inmitten von Zinnschüsseln, Hoztellern und anderen Gefäßen und gelegentlich von reichlich geschnitztem Blut umgeben führen die Johanneshäupter seit dem 2. Vatikanischen Konzil zumeist ein Schattendasein in den Vitrinen abgelegener Heimatmuseen oder den Dachböden katholischer Landkirchen fristen. Auch die einst überaus zahlreichen Bilder, auf denen Herodias (die Frau von Herodes) oder Salome mit einem Messer in den toten Augen des „Johanneshauptes“ herumfuchteln um auch ganz sicher zu sein, dass der Plagegeist wirklich tot ist (ein besonders schönes Exemplar der Szene, in der Herodias einen Pfauenschweif als modisches Accesoire trägt hat sich in der Darstellung des Johanneslebens auf den Außenflügeln des Altars der Blaubeurer Klosterkirche erhalten, leider sind die in aller Regel aufgeklappt und man kann die Darstellung nur in einem Modell im Vorraum bzw. in diversen Bildbänden betrachten), sind heute meist schamhaft versteckt oder stehen als weitgehend unverkäufliche Ware in den Depots diverser Kunstauktionshäuser

Zu unrecht, wie ich finde, denn wann bitte hat man sonst die Gelegenheit seinen leicht indignierten koreanischen Geschäftsgästen zu erklären, dass die künstlerisch ausgearbeitete Replik eines abgeschlagenen Kopfes ganz normaler Teil katholischer Alltagsfrömmigkeit ist! Ich erinnere mich gerade an den Besuch der Klosterkirche von Banz mit zwei aus der Provinz Assam stammenden Inderinnen…es war nicht ganz leicht ihnen zu erklären, dass es im Barock völlig üblich war, ganze Skelette von Heiligen mit Goldflitter und Glassteinen zu überziehen und sie dann schön drapiert auf den Altar zu stellen (Im übrigen befindet sich bis heute in jedem Katholischen Altar mindestens 1 Reliquie eines Heiligen, nur ist sie heut meist so winzig und gut versteckt, dass man sie nicht mehr unbedingt sieht…

Well, ich schweife ab, aber Johanneshäupter sind wirklich was tolles!…eigentlich wollt ich ja was über Maria volgo „Θεοτόκος“ die „Gottesgebärerin“ schreiben.

Ich habe keine Ahnung, wie aus dem aufgeweckten Zeloten-Mädel mit der Sicherheitsnadel in der Nase, der Ratte auf der Schulter und den durchlöcherten schwarzen Strumfhosen (so würd ich sie mir heute vorstellen, irgendwas zwischen Punk und Gothic) das süßliche Zerrbild geworden ist, dass heute so manch Ultrakonservativem als Rollenvorbild und Rechtfertigung „selbstverleugnender Mutterliebe“ und „weiblicher Unterordnung in Kirche und Gesellschaft“ dient (meine Schönstattbewegte Großmutter selig konnt mir das leider auch nicht erklären).

Selbst nach ihrem Tod war Maria nicht ganz harmlos. Einer apokryphen (nicht-biblisch-kanonisierten) aber dafür bis ins 18. Jahrhundert hinein umso beliebteren Legende zufolge sollen dem Hl. Thomas (der gleiche der mit seinem Zeigefinger unbedingt in der Seitenwunde Christi herumfuchteln musste und dann nach Goa verschwand) beide Hände abgefallen sein, als er auch die Leiche Mariens näher begutachten wollte – daher übrigens die Redewendung „ungläubiger Thomas“ (Wer eine wirklich schöne Darstellung des Ganzen sehen will, sollte mal in der Sakristei von San Zaccharia in Venedig vorbeischauen (leider nur gegen Eintritt möglich). Dort hängt über der Tür inmitten vergoldeter Ranken und schräg gegenüber eines Dogenthrons ein Bild, auf dem Thomas ziemlich entsetzt auf seine blutenden Armstümpfe schaut, während seine Hände wie angenagelt am Sarg Mariens kleben…Ich hab bis heut keine Ahnung, wie der Arme wieder an seine Hände gekommen ist…).

Noch interessanter finde ich allerdings die Darstellungen in denen Maria zum „Apokalyptischen Weib“ mutiert (sorry Mädels, ist leider der feststehende Fachausdruck und „Apokalyptische Frau“ hat in seiner aseptischen political correctness einfach nicht die gleiche Durchschlagskraft!). Die Meisten dürften sich garnicht(mehr) bewusst sein, welch furchterregendem Wesen sie da an mancher gutkatholioschen Hausecke und Kirche in form der altbekannten Mondsichelmadonna gegenüberstehen (gekrönt mit 12 Sternen, gekleidet mit der Sonne und auf dem Mond stehend gebiert sie schmerzschreiend  einen Sohn und wird gleichzeitig von einem feuerspeienden Drachen verfolgt (den sie gelegentlich auch noch sanft lächelnd und hochgenüsslich zertritt) (Offb. 12, 1-6): Isis, die wütende Artemis (Armer Aktaion!) und ein paar dutzend beutegreifende Mänaden in einem…wenn das nicht hollywoodreif ist, weiß ich auch nicht! Leider haben sich Guido Reni, Multscher und Co. keine besondere Mühe dabei gegeben das ganze als den Horror-Splatter darzustellen, der er eigentlich ist. Die Bamberger Apokalypse ist da besser!)

Um noch eins klar zu stellen: Das ganze hier ist kein Katholikenbashing. Ganz im Gegenteil; eher ein Ausdruck meiner manchmal leicht morbiden Vorliebe für extrablutrünstige Heiligenlegenden (Dank meiner gutkatholischen Oma meine Lieblingskindergutenachtgeschichten! Eindeutig spannender als Sandmännchen, Michel von Lönneberga, die Kleine Raupe Nimmersatt und Pippi Langstrumpf zusammen, ehrlich!). Was ich hier schreibe ist eher eine Liebeserklärung an die ungezügelte, eigensinnige, bockige und äußerst aufmüpfige Gottesmutter (auch wenn Ich sonst eher in die protestantische Richtung tendiere).

Maria ist für mich eine Mischung aus Alice Schwarzer, Mata Hari, Lola Montez, Hella von Sinnen, Rosa Luxemburg (wahlweise auch Clara Zetkin), Indira Ghandi, Xena, der roten Zora, Penthesilea und meiner Großmutter, die in ihrer überschäumenden Mutterliebe zwar nie verstanden hat, weshalb man nicht noch mindestens 2 Ochsen am Spies und 5 weitere Semmelklöße essen konnte („Kend, iss ebs, nix bisch schô!“), mit der man sich aber besser auch nicht anlegte, weil’s dann schon mal echtbayerisch-fränksisch-schwäbische Kutscher-Flüche und einen Zornesausbruch gratis zum Nachtisch gab!
καθεῖλε δυνάστας
ἀπὸ θρόνων
καὶ ὕψωσε ταπεινούς!

Es lebe die Neokommunistisch-Marianische Bewegung!