Fuck the LED! _oder: Warum ich ab heute bekennender Leuchtmittelrassist bin!

LED

 

 

 

Ja, ich habe es mal wieder getan: Ich habe mich in eine dieser superteuren ökobesiegelten LED-Glühbirnen verliebt!

Und ja, ich hätte es besser wissen müssen!

Nachdem bereits der letzte LED-Birnenkauf vor über drei Jahren in ein absolutes Desaster ausgeartet ist, und sich meine Wohnung dank des kleinen Lämpchen-Teufels in eine Art schlecht beleuchteten Autopsiesaal verwandelt hatte, hätte ich einfach aus Schaden klug werden und meiner zarten Liebesbeziehung mit einem Ding Namens LED endgültig den Laufpass geben sollen

Es fiel mir einfach verdammt schwer, so ein Ding mit dem Gemütlichkeitsfaktor null wirklich lieb zu haben. Vieleicht habe ich es aber auch nur falsch verstanden: Vielleicht sind drei gleißendweiße Punkte mit Regenbogenfarbeinfassung und permanentes Flackern in der Welt der LEDs ja der absolute und ultimativste aller Liebesbeweise!

Trotzdem – wenn auch schweren Herzens und nach langem Hadern mit meinem ökologischem Gewissen –  habe ich das freundlich blinkende LED wieder herausgeschraubt und mein inzestuöses Dauerverhältnis mit seinen beiden Geschwistern Glühbirne und Halogen fortgesetzt. Es ging einfach nicht gut zwischen uns, die interkulturellen Unterschiede waren einfach unüberbrückbar – Ich war LED-Geschädigter und habe ich mir in diesem schicksalsschwangeren Augenblick geschworen, dass nie wieder ein LED mein Herz erobern würde!

Aber der Mensch ist nuneinmal von Natur aus ein lernfähiges Wesen und lässt sich nur allzuleicht bequatschen. Und da nunmal meine sämtlichen umweltbewussten Bekannten Stein und Bein schworen, dass der Integrationsprozess der  LEDs in die Wohnumwelt eines durchschnittlichen Mitteleuropäers inzwischen weit fortgeschritten sei und die kleinen Tausendsassas inzwischen sogar etwas wie „warmes weiß“ produzieren könnten, habe ich meine Vorurteile und Stereotype überwunden und war heute wieder im Lampenladen.

Eingedenk des Clash of Habitate-Cultures bei meiner ersten Begegnung mit dem Stamm der Leuchtdioden, habe ich den Verkäufer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich etwas ähnliches wie einen Kienspan suche, vielleicht etwas heller – in meinem Alter muss man seine Erwartungen an Beleuchtungsmittel einfach etwas herunterschrauben, schließlich ist man selbst kein ganz taufrisches Gemüse mehr…

Das 19-jährige Jungverkaufstalent schilderte mir daraufhin in den allerbuntesten Farben, dass die LED-Technik ja unser aller Zukunft und sie überhaupt und sowieso das Non-plus-Ultra moderner Beleuchtungstechnik sei und mir angesichts der beinahe unendlichen Lebensdauer der Birnen eine geradezu atemberaubende Stromerspaarnis bevorstünde, die sicherlich ausreichen würde um mir davon meine Altersvorsorge finanzieren zu können. Ich willigte ein, und kaufte mit eine neue light-emitting diode.

Nun, entweder das aufstrebende Jungtalent aus der Elektronikbranche wusste nicht was ein Kienspan ist (meine Schuld, man sollte nie unterschätzen, was die heutige Generation von Turbo-Abiturienten alles nicht mehr lernt) oder er bekommt eine saftige Sonderprovision für jedes verkaufte LED-Birnlein. Sei es wie es mag; kaum hatte ich die kleine Diode ihrer grünen (sic!) Plastikverpackung entkleidet, sie zärtlich in die für sie vorgesehene Lampenfassung geschraubt und vorsichtig den Kippschalter betätigt erlebte ich einen erneuten Komplett-Clash!

Um es kurz zu machen: Zwar scheinen es die hochbezahlten Beleuchtungsmittel-Ingenieure inzwischen hinzubekommen, dass ihre Linsen des Todes etwas  ähnliches wie ein schmutziges Gelb-Orange produzieren: ja sie haben sogar eine garantiert lasergeprüfte Linsenoptik eingebaut, die die hierfür eingesetzten Farbtöne allesamt wieder in ihre Einzelbestandteile zerlegt; und auch mein heißgeliebtes Neonweiß ist wieder dabei; Aber sollte es nicht so sein, dass der Hauptstrahl des Lichts sich in der Mitte des Lichtkegels konzentriert und Nicht am Rand? Was macht es da noch, dass auch die Halo-Kreise der ersten Birnengeneration aus Traditionsgründen beibehalten wurden, und sich dank der hochmodernen Linsentechnik  gleich vervielfacht haben!

Kurz, auch LED-Birnen haben ein Lebensrecht, jedenfalls bei jenen, die seltsame Kringel und Streifen nicht stören und die darauf verzichten können, dass die untere Hälfte des normalen Lichtkegels einer Glühbirne zugunsten einer überdimmensionierten Fassung fehlt.

Für den konservativen Leuchtmittelnutzer, der in LEDs kein Multifunktionsinstrumend der Selbstkasteiung, sondern lediglich den Ersatz für eine alte Glühbirne in seiner Schreibtischlampe sieht – sind Leuchtdiodenbirnen leider vollkommen ungeeignet!

Daher mein Fazit: Fuck the Umwelt! Ich bleibe Leuchtmittelrassist und kehre reumütig zurück zu Kienspan, Teelicht und Glühbirne! Die sind zwar vielleicht nicht ganz so CO2-Neutral, aber wenigstens kann ich ohne einen schweren Augenschaden oder eine LSD-ähnliche Bewusstseinsstörung zu bekommen weiter lesen!

 

The only true way of drinking espresso ;-)

Isn’t it wonderfull to smell the pure flavour of fresh roasted Espresso made from 100% arabica beans? Add a little carpet from Uzbekistan, and a japanese Art Deco cup, with delicate miniature paintings showing people celebrating the „Hanami“ festival, and you’ll turn a normal everyday action into the perfect postmodern and globalized springtime event!

Bild

 

Im Bamberger Sand zur Kerwa 2013

S-Kerwa 2013

S-Kerwa 2013

„Scheiß drauf“ es macht Bum und ist Kerwa!

Schwarzgelbe Security die eifrigst die Einbahn bewacht, denn das Falschwählen ist hier verboten, so wie (fast) alles hier. Hier heißt Bamberg!

Durchfahrt frei nur bis 11, Aufenthalt nur auf Wegen, Alkohol an der Luft ist verboten, für den Lieferverkehr ist aber frei, aber eigentlich ist Parken nur von 8 bis um 12 und nach 9, frei für städtische Angestellte mit Ausweis ist meist auch, oder nicht?

An den rotweisen Barken zum Paradies tönen Schwanengesänge testosteronausgefüllter Prachtbullen vom Lande. Bayrisch Leder in wildbambibraun, made down in Bangla Desh. Und die altfränkische Tracht?

Gibts beim Schützenumzug! Schallala und scheiß drauf, es ist Kerwa und Senioren mit Kindern in Plastikdummdirndeln mit echt Plauener Ätzspitze fühlen sich (noch) nicht in ihrem tiefsbürgerlichen Sicherheitsempfinden gestört. Ich schon, von den Senioren und den klebrigen Kindern mit schwarzroten Liebesäpfeln an neongefärbten Dirndeln, testosteronschwangere Burschen vom Lande sind mir vertrauter, Jungesellenabschiedstraining in der Gastro härtet diesbezüglich ab!

Gradeaus kokelnd Bratwurstbetrieb. Echte Coburger gibt’s nur noch hier.  Noch mehr Testosteron, noch mehr Land, noch mehr Jung, noch mehr Volk, noch mehr Hip und auch Hop, noch mehr Busen, noch mehr Leder und Neon und Waden und Dirndl und Bum: Auch das Sandmädchen trägt Polyester.

„Ich glaab nôch der duads aa nimmä long, middn nai in die Scherm!“ Mitfühlend ist sie ja, die Bamberger Jungjugend und kaut dabei zweierlei Sorten Langós mit Zucker und Zimt und mit Knoblauch und Speck.

„Host noch gheert, s war doch noch a Mortschlächerei“ – Warum „doch“ denkt mein Hirn und denkt gutschwäbisch: Drauf geschissen, ich lebe ja noch und ich sauf! Denn die Kerwa, ja die Kerwa ist schließlich nur einmal im Jahr, auch wenn das bei fünf Kirchen im Blick, Fisch-, Wein-, Kanal-, Bier- und Austraßenfest und den anderen 600 jährlichen Dauerevents längst nicht mehr stimmt.

Und das Blut, und das Bier, und den Wein, und die Zwiebel, und die Heimat, auf die Madla und Burschn, auf den Hahn, und den Schlag, und die Musi und Trachten, Krüge hoch!, und die russischen Eier, und die Bratwürst, und as Lager, noch a U, und a Radler, und die Kaiserin Kunigund, und den Heinrich, und as Rathaus, Klein Venedig mit Illumination, und die Fahnen am Kranen ganz in rot und in weiß und in blau.

„Und es sin nach hald alls lauder Verrüchde! S’is noch hold nimmä so, wiäs môl woor, und miä gängan noch gaa nimmä hin, höchschdns schaun!“

Vor der Au sperren Alphörner den Weg. Eine Blonde in zünftig gelackten Ballerinas blickt mich an. Ertapt und fotografiert für die Ewigkeit nicht für’s Netz nur für  privaten Gebrauch, Feind hört mit!

Hinter ihr steht der Notarzt, Präventiv wie (fast) alles im Land. Noch zu früh, viel zu früh für noch für Schlägereien, und den Terror, und die Panik und die Vergewaltigung…die gibt’s erfahrungsgemäß nur bei gutem Wetter, und erst nach Mitternacht, und im Suff, und nur durch dunkelhäutige Menschen mit Migtationshintergrund…alles klar?

Und unser Frankenland es lebe hoch! Und die Jungen im Dreck, und die Kotze am Boden, und die Wildpisser und potentiellen Gefährder ganz hinten in dunklen Ecken.

Noch zu hell für die Schlampen auf Wahlfang, und die mordenden Gondeln, und das unökologische Feuerwerk (is as ned immä wiedä soooo scheh?). Und die stechenden Fischer, und die leuchtenden Lichter, und die funkelnden Augen, und die Zuckerwatte in Justins Haar und den Fisch, heute grün, leicht geräuchert und vom Hering.

Man möchte es eigentlich sagen dieser Dame, dass die hauteng um Celluliddis geschlungenen  Jeans ab drei Zentnern gutostfränkisch-steigerwälder Überspeck durchaus von Nachteil sind. Doch es ist Kerwa, ihr netzförmiges Neontop ist noch schlimmer und außerdem: Sieht Man(n) denn selber in Buisnesshemd Gröe 46 und mit Hosen um die 60 besser aus? Eher nicht!

Dreh dich um, kennst mich, ach ja doch, und wie geht’s, ja doch gut, und man selbst, ja man lebt, und die Eltern, ja doch auch, und Beruf, alles gut, und die Liebe, ach man lebt, und überhaupt schlechten Leut geht’s ja immer gut. Aber wie du nach heist weiß ich nimmä!

Hier, hier, nur hier gibt es Bratwürst…die mit Ausrufezeichen! Eine Hand ganz in Rot warnt am Schlidpfosten laut vor Gefahren von Geisterfahrrädern. Die Sicherheitswacht schläft nicht…nicht in Bamberg, und erst recht nicht zur S-Kerwazeit, weil es könnt, ja es könnt wirklich was passiern, Gott allmächt!

Auf der Mauer ein Paar, sehr versunken in sie gibt er sich Liebe hin, oder ist es nur Sex?  Andre gaffen im Neid, noch nichts selber geschossen, und ich lächle und denke nur: Mut!

Neben mir zwei gepimpte in Muskelschweißhemden von KIK!

„Bist nach abbä aa subbä aufgebumbd“

„Allmächt, ma duud  hold wos ma noch konn!“

Ich will ficken, sagt sie und taucht ab.

Kinderwoochngewühl auf der Brüggn, Klaana Bieschdä, und Handtaschn im Escher-Gedächtnißlook. Selbstverständlich umklammert…die Rumään köndns sonst klaun!

In der Nase läuft einem von Karamel, und am Himmel, am Himmel da hängen die Herzen aus Lebkuchen, nicht aus Marzipan! Alles rennt, alles schiebt und es drängt mich hindurch, wohin denn, drauf geschissen es ist Kerwa! Über Mir unter Sonne sind Wimpel und ganz tief mitten drinn, mitten drinn dort im goldenen Schnitt nur 3,80, Nicht mal 4 für ein Maß, Tempo 30 verdammt!

An der Ecke in Kinderarbeit: Festabzeichenverkauf…Mutter nervt, das Kind heult, Vater tut, als gehöre er anderswo hin, nach Mallorca vielleicht, oder doch nach Kambodscha?

Erste Glühbirnenschatten im Wasser an den Ufern die Haifischbar, mit drei Kumpels ein Bier hinterm Rattanzaun dazu ganz sanft das Geknatter von im Wind aufgeschnatter Rentner.

Es gibt fünf oder zehn Süßzeugsgestände, aber wir kaufen hier, hier wo sie IHRE zuckergesüßten Kracherlesmandeln einkaufen will. Nicht die schlechten von drüben, sondern die, die beim Essen ganz sicher die die Zähne ausreißen! Ich Depp stehe mit an, bin solidarisch, so wie all die andern, zwei bis drei Stunden lang sicher – Mandeln sind aus! Drauf geschissen und notiert: Nächstes Jahr keine Freundin im Sand!

Weiter hinten hat wegen des längst überfälligen Fettabscheidereinbaus der Pelikan zwangsweise Urlaub. All der Stuck, und Substanz und die Pflanzen müssen weg, schon am 19. mitten drinn in der Kerwa kommt der Bagger, gottverdammt! Und am Haus gegenüber is fei geschmückt!

Auf dem Schreibtisch daheim liegen Bücher, und zum Frühschoppen zwei halbe Maß und ein Radler und 4  Weißwurst, und süßer Senf, zwei Servietten, 10 Freunde und ja, auch ein ganz kleines bisschen Volksnähe im Suff.

Auf der Bühne ein Hühne mit Frau, schlechter Reim. Neben dem Klo gibt’s Fanartikel und CDs.

Glotz net blöd, wer ist Zoo und wer draußen? Die japanische Touristin im Kakitarnkleid schießt schnell ein Photo von so unglaublich viel echt deutschländerischem Gorillabrauchtum. Krüge hoch, draus gesch…denn die Kerwa, ja die Kerwa, die ist schließlich nur einmal im Jahr, auch wenn’s  das bei Fünfkirchenblick, Fisch-, Wein-, Kanal-, Bier- und Austraßenfest und den all den andren gefühlten 652 Events längst nicht mehr stimmt! Letzen Monat DIE allererste erschreckende graue Wimper. Frau Kasamoto aus Tosashimizu hat recht, auch ich bin nur ein Silberrücken laut Facebook!

Ich bin glücklich und nass, und vom Himmel tropft Regen in Scharen. Nicht als Hunde und Katzen tropft er dieses Jahr, nein, es regnet verhagelte Zahlen. Statt 100.000 nur 52 im Nasskalten nichts und nicht einer ist Wurst oder hält wenigstens eine Maß in der Hand, auch nicht für 3,80!…

In der Gasse am Stand leere Gesichter, entgangene Gier und verscheuchter Profit. Mutter Natur kann sehr grausam sein und all die Burschen und Madln, sie tuen mir Leid, wirklich Leid richtig schmerzhaft und ich Kaufe die Maas und zahl sogar Pfand, und ich trinke, ja ich trinke das eiskalte, wässrige Bier, hier im  Regen der mir hinten den Rücken abläuft.

Mir ist kalt, meine Zehen quietschen im Schuh. Nur schnell heim, aus dem Nass! Meine Beine sind Gummi und mein Weg ist ein schlammiger Bach und ein See. Eine letzte gebratene Zwiebel nur noch, eine nur! und dann raus aus den modernden, nadelgestreiften Hosen. Lederhosen sind kurz, und mit Spritzklappenschutz!

Vor dem Licht aus dem Stand fahle Lippen. Nicht nur Bier, noch was andres ist drinn in dem unterernährten Kerl mit den blassgrünen Augen. Geht mich alles nichts an, und ich will keinen Stress, nicht heut Abend und morgen, Kerwa ist, ich bin selig,  und sie ist – Gott sei Dank – nur einmal, dann ist Schluss, ob nun mit oder ohne das Hochfeuerwerk, drauf geschissen, noch a U und seid’s nett, ruft dem Kerl noch den Notarzt!

Staatsfeiertag, Discobeats und Karneval auf dem Wasser…Kleiner Nachtrag zum Ulmer Schwörmontag 2013G

...Mit Pauken und Trompeten

…Mit Pauken und Trompeten

Bauer und Bäuerin

Bauer und Bäuerin

Gabenspeere

Gabenspeere

Fischerinnen im Festtagsstaat

Fischerinnen im Festtagsstaat

Die Fahne Ulms und des Schwäbischen Reichskreises

Die Fahne Ulms und des Schwäbischen Reichskreises

In Tracht!

In Tracht!

Angetreten zum Menuett!

Angetreten zum Menuett!

Stadtgendarmen

Stadtgendarmen

Im Sonntagsstaat beim Stechen

Im Sonntagsstaat beim Stechen

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Ulm_Lichterserenade_2013 (33)

Geschmückt und beflaggt

Geschmückt und beflaggt

Die Lustige Forelle

Die Lustige Forelle

Nein, es hat keinen Sinn einem „Neigschmeckten“ zu erklären, warum die Ulmer jedes Jahr pünktlich kurz vor den großen Ferien ihren „Schwörmontag“ feiern.

Würde man des dennoc versuchen, könnte man ein dickes, abgegriffenes Buch aus dem Schrank herausholen und auf eine kleine, kaum lesbare Zeile in einer aus dem späten 14. Jahrhundert stammenden Urkunde zeigen und dann lang und breit von der ältesten noch „in Vollzug“ befindlichen Verfassung Deutschlands anfangen, dergemäß der hochedel und wohlgebohrene Oberbürgermeister alljährlich schwört gemein zu sein, jedem gegenüber und ohne allen Unterschied und in den gleichen, redlichen und gemeinsamen Dingen. Und weil die Meisten „Reingeschmeckten“ sich heute mit Mittelaltersprech etwas schwer tun, könnte man sie dann am letzten Montag im Juli auf den Weihnhof schleppen wo selbiger Bürgermeister von einem kleinen Balkon aus schwitzenden Bürgern, Großtanten, Neigschmeckten, Zufallstouristen, Gewerkschaftsfunktionären, Orchestermusikern, Gräfinnen und Stadtwachen in Allongeperücken erklärt was in diesem Jahr mit ebendiesen gemeinsamen und redlichen Dingen gemeint war.

Viel helfen würde das alles nicht, schon garnicht, wenn die von all den Zahlen und Projekten, Schwierigkeiten und Erfolgsmedlungen gelangweilten Auswärtigen Besucher neugierig nachfragen warum um alles in der Welt die Ulmer so seltsame Fahnen mit doppelköpfigen Adlern, Menschenfressenden Wölfen und inversen Schweizerkreuzen an ihren Gebäuden aufhängen.

Man könnte nun von „Ur-Ulmern“ (eine inzwischen ziemlich seltene, dafür umso halsstarrigere und renitente Rasse Mensch) reden, die bis heute weder den Frieden von Lunéville noch die illegale Besetzung durch Bayern und schon gar nicht die Anektion der Hälfte IHRES Staatsgebiets durch dahergelaufene Württemberger akzeptiert haben und deshalb immer noch die rotweißen Fahnen des Alten Reiches, den Reichsadler, die Schwarzweißen Farben der Ulmer Reichsstadt-Republik und die Gelbschwarzen des alten Herzogtums Schwaben als dessen stolze Metropole sie sich definieren hissen.

Dummerweise hilft diese Erklärerei ziemlich wenig, weil inzwischen selbst die meisten Ulmer nicht mehr so ganz genau wissen, was da genau abgeht. Es ist wichtig, man macht es schon immer so, und wer zuviel nachfragt holt sich schnell eine blutige Nase…

Und seien wir mal ehrlich, spätestens, wenn sich die verwirrten Besucher, Neigschmeckten und Zugewanderten dann urplötzlich weißgewandeten jungen Männern mit Tournierspeeren, fuchsschwanzgeschmückten Narren, Reifenschwingenden Gesellen, durch die Straßen gleitenden Prunkschiffen, goldbetressten Gendarmes oder einer riesigen Menschenmenge die mit allem was schwimmt auf der Donau eine Art feuchtfröhlichen Sommerkarneval (die Ulmer bevorzugen das Wort „Nabada“ an dessen – selbst für geübteste SWR-Kommentatoren keinesfalls einfacher – korrekt ulmischer Aussprache mit drei unterschiedlichen „a’s“ die jeden Chinesischlehrer stolz machen würden, erkennen sie sofort die reinrassige oder zumindest gut integrierte Abkunft des Gegenübers).

Dass dann auch noch eine junge Prinzessin zu vorgerückter Stunde mittels einer Leiter einen an einer Fassade klebenden Thron besteigt und in Negligée zu „Heil Dir im Siegerkranz“ und Nussecken (oder einem kleinen Song aus der Little Horror Picture Show, oder irgendetwas anderem das ihrer königlichen Hoheit gerade in den Kram passt) eine hochoffizielle Regierungserklärung alias Thronrede verkündet ist dann meist mehr, als der normale eventgestählte „Ausländer“ und „auswärtige jugendliche Komasäufer“ in seinem längst eingetretenen Feiertaumel versteht oder verstehen will…

Dabei wurden sie von ihren treusorgenden Gastgebern noch nichteinmal auf die Gefahren eines Regenwürmerfütternden Griesbadmichels oder den wüste Flüche ausstoßenden Kreddaweber hingewiesen oder über die selbst eingefleischtesten „Räsen“ (die Nachfahren der urulmischten der Urulmer) manchmal rätselhaften Regeln des Fischerstechens aufgeklärt…

Kurz gesagt…es hilft nix, als Fremder muss man entweder mindestens ein 10 jähriges Studium der ethnologisch-brauchtümlichen Insonderheiten der Ulmischen Festkultur hinter sich bringen oder, man muss da einfach durch, auch wenn man es nicht versteht und es vermutlich auch nie so ganz verstehen wird, warum sich tausende von Bürgern bei brütender Sommerhitze eineinhalbstunden lang Statistiken und Jubiläumsnachrichten anhören und bei den Worten: „Der Haushalt ist in Ordnung“ in wahre Begeisterungsrufe ausbrechen.

Es muss schon etwas sehr besonderes sein, die Verbindung der Ulmer mit ihrer uralten Republik.

Und wenn wir es dann ohne Tote und neuerlichem Grenzkrieg mit Bayern durch die wüsten Drohungen und kurzfristigen Straßensperrungen der sperrstundenbedrohten Wirte, die Sauforgien der Biberacher Nicht-mehr-Kirchweihhunfern, die grölenden Laupheimer Ochsen, schwankenden Ehinger Baule, taumelnden Blaubeurer Blaumännle, bierseligen Leipheimer Saufköpf, verirrten Blausteiner Jungesellen, spritzigen Heidenheimer Moschtdätz, hummelfrohen Dornstädter Obschwiesábronzr, grinsenden Wiblinger Gôga, nicht mehr ganz taufrischen Günzburger Leicháfleddr’r, alternden Cocktailbräute vom Safranberg und junggebliebenen coolen Caipirinha-Jungs aus der Weststadt geschafft haben, wenn wir nicht in der Straßenbahn von halbnackten Nabadern samt Gummiboot und Schwimmflügeln erdrückt wurden, wir nicht an einem echt ungarischen Langos erstickt sind und der völlig entnervte Busfahrer vor lauter Feiertagsfrust nicht beschlossen hat, heute Nacht einfach mal nicht an unserer Haltestelle zu halten, sondern stattdessen gleich wegen Überfüllung ins Busdepot zu fahren….dann, aber nur dann war es wieder das schönste, beste größte, tollste, wunderbarste und herrlichste Fest des Jahres und wir können „richtig abgschafft“ und mit wundgelaufenen Füßen (hatte ich schon erwähnt, dass das ganze auch was von einer Pilgerfahrt hat, bei der man 3-4 Tage lang ständig zwischen irgendwas hin und her rennen muss) sagen, dass wir uns schon jetzt mit einem „Ulmer Spatzá Wasserratzá“ auf’s nächste Mal freuen! Schön war’s!

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Was lange währt…

Fischerstechen, Sandkerwa und illuminierte Wasserfahrten

Es lässt sich nicht leugnen, wir – die Geistes-, Kultur-, Sozial-, und Medienwissenschaftler dieser Welt – schreiben tatsächlich Bücher über Bücher (manchmal auch über Filme, Poster, Bierwerbung, Grafitti, Virtual Comunities, Weblogs, Ewige Anbetungen und Keramikscherben)!

Manchmal hat man dabei Glück und man darf in sumpfigen Rundumschlägen von den Marschen des Alten Ägypters ins zeitgenössische Oberfranken schwelgen, komplizierten Familienverhältnissen habsburgischer Kardinäle und bamberger Fischerclans nachspüren, sich über ziemlich erotisch dargestellte Bauernhochzeiten freuen, über die Frage was Griechenland und Bayern gemeinsam haben nachsinnen und außerdem jede Menge Spaß bei der „Feldforschung“ zwischen“Caipi“, „Bredla“ und „Brôdwörschd“ haben. Irgendwann kommt dabei dann ein wissenschaftlicher Artikel raus, in dem sage und schreibe 27 mal das Wort „Stecher“ vorkommt. Völlig seriös natürlich!:

Er ist endlich da, der ultimativ kummulierende, aufklärende, kontextierende und mit 125 Fußnoten auf 20 Seiten garantiert nicht plagiierende Artikel zum Bamberger Fest der Feste!

Stolz!