Herrlich!

Deutsche Scones 😉 #deli

Rosinenbrötchen mit Butter, Zimt und Zucker

Rosinenbrötchen mit Butter, Zimt und Zucker

Advertisements

22. Türchen: Elchblutglögg, los alemanes loco und Fußballer im Flanellanzug

Sportschuh in Flanell

Kennt ihr das auch…man(n) sitzt völlig unschuldig vor dem Computer, transkribiert irgendein Interview zum vierten mal, weil man(n) bei der Aufnahme blöderweise vergessen hat, den Barista zu bitten keine Espresso Macchiato Bohnen frischzumahlen; Und urplötzlich öffnet zwischen biographischer Methode und objektiver Hermeneutik das Programmkino für assoziative Subgedanken…

Ich weiß, dass ist jetzt wieder eines dieser seltsam geisteswissenschaftlichen Luxusprobleme, mit dem sich Otto-Normalverbraucher nicht identifizieren kann…

Oder doch?

Fußballer in langen Winterunterhosen sehen für mich  immer ein bisschen wie Vater Ingalls im Flanellpyjama.

Ich transkribiere weiter durch Kaffeschaum und brechende Bohnen. Durch den Flur dringt penetranter Duft von Autonadelbäumen und in der zugehörigen Parfumabteilung fühlt man sich als gäb’s etwas umsonst. Die Bäume haben keine Blätter mehr, trotzdem wird’s wohl nichts mit weißer Weihnacht. Warmfronteinbruch – ein Wort wie im Kalten Krieg!

Und überhaupt und sowieso…wenn man sich gerade nich auf einer Super-Zombie-Apokalypse-Weltuntergangsparty herumtreibt, nähert sich die allseits beliebte Zeit der Jahresrückblicke, Glühweinpartys und Firmenweihnachtsfeiern ihrem Höhepunkt. Selbst die Uni veranstaltet einen Foto-Wettbewerb zum Thema „Weihnacht“ und verteilt Gewinnkarten für die’s – selbstredend nur gegen Vorlage des Studentenausweises –   Wichtelgeschenke to go im Dekanat gibt.

PS: für alle die, die’s vielleicht doch gemerkt haben: Ich benutze heute absichtlich das grammatikalisch korrekte Neutrum und nicht die vorgeblich genderneutrale Innen-Variante. Außerdem finde ich Partizipialkonstrukte immer noch anrüchig.

Zwei Denkgedangenschleifen weiter:

Zurück und vor zur vielwohlreichgeliebten Deutsche Sprache! (Es lebe das Grimm-Jubiläumsjahr!)

Im Kamingespräch der studienbegleitenden Glühweintutorengruppe des Elite-Zukünftige-Facharbeitermangelbekämpfungsprogramm des IHK Bezirkes Ostoberfranken-Nordbayern teilte mir vorletzte Woche eine junge Spanieren namens Maria-Anna voller Entrüstung mit, Deutsch sei so unglaublich kompliziert – Die ungewollte Doppeldeutigkeit der frohen Botschaft ist dem Kulturwissenschaftler in mir selbstredend nicht entgangen. Maria Anna meinte vermutlich Dinge wie Phonetik, Syntax und Grammatik, kurz: die Sprache, nicht das Sein! Ob beides aber miteinander nicht doch in kausal-semantischem Zusammenhang steht…keine Ahnung, aber wir haben zwanzig Bücher darüber in der Teilbibliothek 4!

Immer würden „die Deutschen“ irgendetwas an-, ab- oder dazuhängen, zusammen- und umstellen, permanent die Artikel wechseln und überhaupt sei alles viel zu überreglementiert und exakt – Also doch das Sein…

Im Spanischen gäb’s oft nur ein oder zwei Wörter für eine Sache und die würden vollkommen ausreichen, weil sich aus dem Kontext eh erschließen würde, was gemeint sei, alles sei viel einfacher, logischer und entspannter, aber hier…Los alemanes loco bräuchten ein ganzes Lexikon an Hilfswörtern und Vorsilben um etwas so simples wie den Weg zur nächsten Apotheke auszudrücken!

…Durch, herum, vorbei, hinunter, hinüber und gleich drüben…sie hätte eine ganze Stunde gebraucht um wieder zurück nach Hause zufinden und dann erst mal alle angeblich richtungsweisenden Ausdrücke in ihrem Wörterbuch nachzuschlagen!

und überhaupt uns sowieso sei „nachzuschlagen“ ja auch so ein typisch unlogisches und völlig überflüssiges deutsches Wort! Entweder man sucht in einem Buch nach einem Wort oder man schlägt es zu, aber beides zusammen, das können wirklich nur los alemanes!

Die junge Spanierin motzt weiter, Schweißperlen treten ihr auf die Stirn. Der Wut-Fandango geht weiter und steigert sich zu einem furiosen Stakato aus Bewegung und Wort…

…Die Suche nach der Apotheke als Paradigma innerer Zerissenheit: Ein einfaches zwei mal links und bei der Kirche rechts hättens doch auch getan. Warum, warum nur müsst ihr alemanes alles immer nur so unendlich kompliziert und unverständlich machen! Ist es das Wetter, die angeborene Griesgrämigkeit oder einfach nur die Lust an perversem Sprachsadismus?

Ich klinke mich innerlich aus dem Gwespräch, vermute still die arme Maria-Anna hatte es schlichtweg mit einem jener besonders hilfreichen Gutmenschen-Wesen zu tun, welche sich, wie es hier nunmal kulturell einkodiert scheint, in Anwesenheit fremdländisch dreinredender und -aussehender Wesen besonders deutlich und exakt ausdrücken wollten…wirklich sicher ob sie nicht doch an eine Gruppe oberbayerischer Touris geraten ist, die sich selbst nicht auskannten, das aber selbstredend in ihren Lederhosen und Haferelschuhen nicht zugeben wollten, bin ich mir aber nicht…

Arme Maria-Anna…wie soll man ihr jetzt erklären, dass Lederhosen zwar durchaus auch von Oberfranken bei Sandkerwa und Annaberg getragen werden, sie aber trotzdem vorsichtig sein muss, alle Menschen mit Lederhosen für einheimische Bamberger zu halten. Und was wird sie erst von Nietzsche, Schleiermacher oder Luhmann halten?

…Jedenfalls werde sie nicht in Deutschland bleiben…Es daure Jahre bis man sich auch nur halbwegs verständigen könne (sie hatte 7 Jahre Deutsch an der Schule und einen Kurs am Goethe-Institut, aber gebracht habe das allexs rein garnix!) und dann gebe es ja noch diese Dialekte und den „Nieselregen“…FÜRCHTERLICH!

Ich staune über das exakte Deutsch Maria-Annas, denke an Huntington und meine kläglich gescheiterten Versuche Ungarisch zu lernen…bis auf ein paar Essensvokabeln und liebevoll ausgewählte Flüche (Dank an meinen sehr darum bemühten Reitlehrer!) ist herzlich wenig hängen geblieben. Ich fühle Mitleid. Sprache kann frustrierend sein…Wetter auch. Leider bekommt das Maria-Anna nicht mehr mit…

Im Fernsehn läuft die dritte Staffel des Jahresrückblicks auf’s Special Prommi Dinner. Auch das bekannte südostschwedische Möbellager hat auf Elchblutglögg umgestellt. Die Krähenschwärme ziehen nordwärts, es wird wärmer. Ob das Christkind wohl mitsamt seinem Schlitten im Matsch steckengeblieben ist?