Alles Neu!

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Es gibt Tage, da ist alles neu.

Meist stellt sich dieses Gefühl ein, wenn man wieder einmal tagelang als Höhlenmensch in einem halb abgedunkelten Zimmer monoton irgendwelche Daten in den Computer eingegeben hat und – weils denn mal wieder ganz dringend und am besten Vorgestern fertig werden musste – um dem baldigen Hungertod zu entgehen allenfalls im Morgengrauen oder kurz vor Ladenschluss zum Bäcker über die Straße huschte, anstatt sich über Mittag ein, zwei Stunden Zeit zu nehmen und wirklich „nach draußen“ zu gehen.

Well…

Die Natur wartet nicht auf Bürohengste, schon garnicht im Frühjahr.

Und so kann es einem dann passieren, dass man nichtsahnend das Haus verlässt um sich inmitten fallender Kirschblüten urplötzlich von tiefstem Winter zur ersten Rosenblüte katapultiert sieht. Man sieht sich verwundert um, tatsächlich, es ist Frühling. In den Bäumen plündern Kohlmeisen die ersten Kastanienbäume und im Fluss planschen Entenkücken.

Der Wandel kann beängstigend sein – Wenn Zeit anfängt so schnell zu vergehen wird man alt hätte meine Großmutter gesagt.

Was tun, zurück ins Büro und Computer Computer sein lassen, oder möglichst schnell zurück in die Fledermaushöhle und alles ignorieren? 

Ich gebe auf, vergesse für ein paar Stunden die Zeit und ergebe mich dem Staunen über die Wunder des Frühlings! 

Und ja, ich habe mich absolut hemmungslos der kindlichen Freude über die ersten kleinen Federknäul die laut schnatternd ihrer „Mamma“ folgen hingegeben, mich mitten rein in das Schneegestöber der fallender Kirschblüten gestellt und dabei vergeblich versucht mit den Händen einige aufzufangen; Ich habe mir von der Sonne die Nase kitzeln lassen bis ich vor lauter Frühling nießen musste, und ja, ich habe auch voller Vorfreude auf den kommenden Sommer an einer nach Süden ausgerichteten Hausfassade die erste Rosenblüte des Jahres entdeckt und ihren Duft ganz, ganz tief in mich eingesogen. Und dann…dann habe ich mir ein Schälchen fränkische Treibhauserdbeeren mit Schlagsahne gegönnt! 

Schönen Frühling noch, rauß an die frische Luft und genießt ihn, solange er noch da ist!

Alexnikanor

Sektglasikebana – Ikebana in the champagne glass

Ikebana in a Champagne glass

Ikebana in the champagne glass

Sektglasikebana

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie ihr sicher schon gemerkt habt bin ich gerade voll in meiner Narzissenphase!

Hier ein kleiner Tip für alle die sich einmal an der Japanischen Kunst des Ikebana versuchen möchten, denen es aber an geeigneten echt japanischen Utensilien dafür fehlt:

Ikebana im Sektglas!

Hat selbst auf dem kleinsten Schreibtisch Platz, macht keine Probleme mit dem Anschneiden der Pflanzenstängel oder dem Hineinprfiemeln in obskure Steckmassen, ist in zwei Minuten fertig und die ganze Pflanze kommt optimal zur Geltung.

PS: Außerdem sieht man hier ganz genau, wenn die Blümchen wieder mal Wasser brauchen!

As you may already have noticed I’m just completely in my „daffodil-phase“!

Here’s a little tip for all of you, who want to take a try on the traditional Japanese art of Ikebana, but don’t posess appropriate Japanese utensils:

Ikebana in the champagne glass!

The whole plant comes to it’s best, There’s place for it even on the smallest desk, it causes no problems with cutting of the stems or complicated pricking into obscure floral-foams. And the best: It’s finished in less then two minutes!

PS: Also, you can see exactly when the flowers once again need some water!

Morgen

Morgen

Morgen

Morgen

Ich wache auf. Zwischen den rostfarbenen Jalousielamellen ein erste, hellblaue Ahnung von Morgen. Gegenüber am Dachgiebel ein erstes, sehr gelbes Dreieck Sonnenlicht. Ich staune. Es ist früh, sehr früh – zu früh vielleicht. Mich umgibt unwirkliche Zeit jenseits des Normalmodus. Ich weiß, vor dem Fenster, unsichtbar hinter dem Bleidach des Anbaus blüht der Garten. Die Luft sieht nicht aus wie Herbst.

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Ich dreh‘ mich um, weg vom Licht, versuche noch einmal zu schlafen. Ich schließe die Augen und denke  möglichst an nichts. Schlaf reloaded – ein neuer Versuch. Etwas in mir grinst – no chance – Ich bin wach und genervt von so viel Morgen.

Ich stehe auf, fast schockartig. Das Bett ist noch warm und feucht. Am zweiten Fenster, jenseits des Bleidaches blicke ich hinaus, auf das in Schönheit eingefrorene Gartenbild. Farbe blättert vom Rahmen. Bevor der Frost kommt sollte ich streichen. Ich lächle und wandere herum, ohne Morgenmantel.

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Aus den noch dunklen Raumecken raunen taulose Spinnweben „putzen“. Ich ignoriere und lasse das Duschwasser laufen. Vorlaufen um genau zu sein. Es dauert bis es wird – Altbau mit Gastherme an der Außenwand, nur einmal in zwei Jahren warten!

Auf dem Vorleger liegt eine Wollmaus. Ich bücke mich, greife zu, entsorge – alles schon lustlos. Aus der Glaskabine steigt Dampf. Das Wasser ist fertig, endlich! Ich steige über den Kabinenrand. Duschen ist wie Fahrstuhlfahrn, nur mit fallendem Wasser.

Durch die geschlossene Tür dringt Morgenläuten. Man ist hier katholisch, ich und die Abluftanlage sind es nicht.

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Ich werde nass, stoppe die Flut. Erst heiß, dann kalt, dann trete trete ich heraus; Aus dem Dunst treten Wassertropfen auf Abwege. Ich fange sie, bevor sie fallen. Dann greife ich zum Handtuch. Es riecht muffig. Vermutlich falsch oder gar nicht gelüftet. Geistesarbeit macht unachtsam.

Ich schüttle den Kopf wie ein Hund. Ein Tropfen fällt, dann viele. Dann greife ich zu, diesmal fast herzhaft – und nutze das nichtnutzbare Riechhandtuch als Putzlappen für die Fliesen.

Ich gehe hinüber. Ein neues riecht besser. Das alte landet beim Rest. Ich trockne mich ab in der Linken den Fön. Der Rechte Daumen ist grade hinüber: Kollateralschadensfall am Nagel – beim Grillrostputzen!

Ich blicke hinauf in den Spiegel. Mein Gegenüber wünscht mir einen guten Morgen. Ich oder er könnten auch sauberer sein.

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Zwei Socken, sanft maronenbraun, wie die Lamellen der Jalousien.

Boxershort, karriert in Violett und Neongrün, dazwischen Haut und Baumwollhemdenweiß. Nein, heut kein V-Hals-T-Shirt als Unterhemd. Pullover aus dunkelbeigem Kaschmir(-imitat?). Dazu die Hose mit den weißen Nadelstreifen. Silberohring und Stahlarmband zur Verzierung. Zum Abschluss reichlich teures Aftershave. Ich seh mich an. Die äußre Hülle als Außenpersönlichkeit? Haltung bewahren, sich ja nicht gehen lassen. Den Schweinehund vertreiben: männlich, elegant, smart, uniform –  Das Sein als Schein? Heut eher nicht – mir ist einfach nach neubarocke Scheinparuren, und wenn’s nur dazu dient, um  Umwelt, Ich und Menschen mir von Leib uns Seele fernzuhalten.

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Ich steige aus, hinein ins untere Maisonette. Am Treppenende halbgedunkelt: Teppicharabesken. Über dem rechtsseitigen Chaiselongue die abgeliebte Polyesterdecke. Ihr Kopfweh steckt mich an. Ich lege mich – halbhoch, pro forma – und mach‘ Tee. Dann erst folgt die Fernbedienung. Und vor dem Fenster in der echten Welt blüht festgefroren schön der Garten.

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Es piept, die Spatzen kriechen spät aus ihren Löchern. Das gelbe Dreieck ist Viereck geworden, oben an der Giebelmauer – spät drann heute, nach mir!

Am ausgeblichnen Himmel ziehen letzte Mauersegler. Sie ziehen fort, fort in den Süden, fort  zu den Kindheitswohlfühlglückserinnerungen voller Sommer, Sonne, Strand und Eis und Meer – es ist doch Herbst.

Im Blumenkasten blühen schwarzgelb buntgestreifte Zuchtpetunien, darüber purpurne Magenta-Spinnenblumen – hübsch vor Efeugrund. „Maybe a little oversophisticated“ würde – käme sie denn je herein – meine leider nur teilfiktive englischspitzlippige Großgroßmutter sagen – sie mag Baudelaire und sie mag auch Bleilüsterkristalle in den Büschen. Ich ehre sie mit fünf gefälschten ganz aus Polyuretan und einem, ein ganz echtes – rauchglasfarben und antik aus Venedig.

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Ich gehe hinaus und greife zur Pfeife, im Glas zwischen Büchern noch Rotwein. Im Suchflug zur Probe nach Laptop und Terror der Staatsschutz. Wir sind hier in Bayern, ich hat’s fast vergessen. Ich gehe zurück, im Fernsehen läuft Skandalisierung. Der Postmann er klingelt: Paketlieferung – Bevor ich das Interface starte,  im realspace mein Ellenbogen an Teeporzellan. Noch ganz alle Tassen, zum Glück und im Schrank. Ich starte, der Tag kann beginnen.

Von Gartenlust und Unwettermeldungen – oder – warum meine Pflanzen eine Loggia haben.

Mein persönliches Hantelgewicht ;-)

Mein persönliches Hantelgewicht 😉

Ha, wie kann es schön denn sein, in dem kleinen Gärtelein…Keine Angst ich hör schon wieder auf zu reimen…

Wie immer hat das gestrige Unwetter Bamberg, die legendäre Stadt der Säufertürme, Kirchturmspitzen und 60.000 Blitzableiter mal wieder verschont. Ich schiebs ja auf den Steigerwald, der wie der Name schon sagt, die Wolken einfach über die Stadt weglupft, aber meine Nachbarin ist der festen Überzeugung, dass es dem legendären Schleier der Heiligen Kunigunde zu verdanken ist, dass Bamberg kein Wetter kennt. Irgendwer knipst Ende Mai Lichtschalter und Heizung an und stellt sie Ende September wieder aus, und wer sollte das außer der heiligen Kaiserin schon anderes sein – Petrus ist in Rom beschäftigt und die Vierzehn Nothelfer sitzen faul in Vierzehnheiligen rum…bleibt also nur die Gute alte Kunni – Sie bzw. ihr schicker Kopfputz schützen vor amerikanischen Bomben, Stechmücken, griesgrämigen Ehemännern, UV-Strahlen und allem anderen, was einer „Dame von Welt“ besser nicht vor die Augen kommen sollte. Regen, Sturm, Blitzschlag, Hagel? No Problem, Kunni und ihr Schleier bekommen das hin!

Von reformatorischem Eifer getrieben hab ich als ungläubiger Protestant natürlich so meine Probleme mit dieser Art archaischen Denkmustern und deshalb in original altdeutsch-preußischem-Angst²-Modus beim allerkleinsten  Vorabzeichen einer dunklen Wolke am vorschriftsmäßig weiß-blau zu seienden Himmel meine sämtlichen Kübelplfanzen/Balkonkastenschönheiten inklusive mundgeblasener Pseudo-Muranoglaskugeln wieder einmal brav vor dem bösen Gevatter Hagel, oder dem Bruder Wind, oder der Schwester Fallender Ast, der Mutter Ziegel, der Tante Katzen, dem Cousin Vogel, der Großtante Blattlaus, dem Schwippschwager saure Milch und der angeheirateten Erbtante verdorbener Hefeteig und allen anderen bei Gewittern drohenden Unbill-Verwandten unter das wärmende Dach meiner Ex-Wäschetrockenraum-Loggia in Sicherheit gebracht.

Dem nicht genug, wurde – meiner erzkatholisch-eichstädtisch-leicht superstitiös angehauchten Großmutter selig sei dank – auch gleich noch flugs und präventiv auch noch eine geweihte schwarzlilane Wetterkerze aus Walddürn angezündet und ein schmerzhafter Rosenkranz (der mit dem durchbohrten Herzen Mariens) gebetet. Dabei fällt mir ein: Es lebe die stets vorbildliche Vorab-Terrorismus-Bekämpfung des bayerischen Innenministeriums und ihre Voralpenhagelfliegerstaffel! Die sind nicht von denen, sondern vom Landkreis? Egal, ich schick ihnen trotzdem mal ein Paket von den Dingern…funktioniert wirklich!…Ich hôn ja âa bloos gmaant Barrack Hussein…ehrlich!

Bodybuilding und Yoga inklusive!

Ach ja…man hat’s einfach schwer als stetig engagierter Kulturwissenschaftler, der sich immer bemüht die Binnenexotik des Moments voll auszukosten…(Sorry, aber diese Portion lamoyanter Selbstironie musste jetzt einfach sein…)

Nach einer unter den Schlägen des Fahnenseils am Eisernen Mast bitterbang durchwachten Mitsommernacht, ging’s dann noch vor dem Frühstück (sic!) wieder raus. Schließlich sollten die armen Petunien nicht zu Nachtschattengewächsen verkommen – sind sie eh schon? Na egal…Nach nur zehn Minuten (Neuer Rekord!) sah alles wieder aus wie vorher (Ordnung muss sein, dass sagen wir hier auch den Austauschtouristen!), und ich? Ich war trotz eintreffender Kaltfront noch vor dem Frühmessläuten der Karmeliter stolz  bätschnass geschwitzt und reif für die zweite Dusche zu sein! Warum ich davor überhaupt im Bad war, hat vermutlich mit den ewig verkannten Italienischen bzw. Englischen Erbanlagen (Die Gene…bin ich heut wirklich so einfallslos?) in mir zu tun, die sich grundsätzlich nur in Tropenhelm und weißem Leinenanzug zum morgendlichen Schneckenabsammeln trauen…

Am Himmel sehe ich schon wieder kleine Schäfchenwolken…

und wir als gute deutsche Kleingartenbesitzer –

wir wissen, ja wir wissen ja, wie schnell aus –

schnell aus einer kleinen, harmlos blökenden Cumulus humilis,

so ein alleszestörend, garstig, blödes Sch…-Ding namens Cumulonimbus (capillatus) incus wird!

Oder inetwa nicht…nicht wenn, wenn nicht, dann jetzt…

drumm jetzt, ja jetzt ganz schnell, hinaus, hinaus…

hinaus und raus ist nun Herr Biedermann im Kittelschürz,

und holt die armen Pflanzen in die Kammer-Loggia,

Die Wetterkerze an?

Ne…

Scheiße verdammt und zack Zement…

Ein Zündholz fällt, ein andres bricht…der blaue Himmel leuchtet wieder…

und Kunigund und Gott und Bruder Zephir…

Aphrodite…allen, allen Dank!

Ich lächle, danke Odysseus und Arte für die Inspiration (freie Adaptionen antiker Dramen mit homoerotischen Einlagen und kulleraugenrollenden Bösewichten sind so CineCitta!)…und Dank auch meiner Großmutter selig, die so wunderbar gutkatholischeichstädtischsuperstitiös veranlagt war und diesen guten deutschen Angstfluch an mich weitergab (Per Lourdesstatuette auf dem Volksempfänger!).

Drumm mein Motto für Heute:

Keine Wetterwarnmeldungen mehr, der angekündigte Tornado und die 5 Zentimeter großen Hagelkörner sind einfach nix für süddeutsche Kübelpflanzen- und Balkongartenbesitzer/Präventivangsjunkeys! Und um jetzt flugs auch noch die Kontinuitätsthesenfraktion unter uns zufriedenzustellen, laut meinen auto-ero-epischen Selbstethnographien ist:

Die interdependent-rekursive Inkompatibilität von Gewittern mit Hagelschauern und fremdländischem Balkongewächs mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit kausal verantwortlich für das tief in der kollektiven Erinnerungskultur der Deutschen verwurzelte Unbehagen ihrer keltischen Vorfahren, dass der Himmel auf den frisch angepflanzten Salat fällt!

Buon Di und dass der Himmel dort bleibt, wo er hingehört!

Euer

Alexnikanor

PS: irgendwann schaff ich’s schon noch alle Kategorien in einem Artikel unterzubringen 😉

voluptous tulips

Nehmen wir mal an, ich wäre Gott oder – etwas weniger ambitioniert – einfacher Genetiker und ich müsste aufgrund schwächelnder Bilanzen eine Blume aus dem Hut zaubern, die in sich schlichte Eleganz, puren Luxus und laszive Erotik vereint…es würden wohl ziemlich genau ein paar panaschierte „Queen of night“  dabei rauskommen.

Als typischer, reichlich verschrumpelter und absolut falsch gelagerter Mitleidskauf (ja, auch die als chronisch geizig verschrieenen Schwaben haben sowas manchmal) im 99 Cent Discounter erworben, mit wenig Hoffnung auf Erfolg lustlos in die schon halb gefrorene Balkonkastenerde gestopft…und dann das! Christoph Weickmann* würde vor Neid erblassen!

(*Christoph Weickmann, *1617, + 1681 in Ulm, wolhabender Kaufmann, Humanist, Richter, Sammler (vgl. Weickmann’sche Kunst und Wunderkammer im Museum Ulm)  und Besitzer eines legendären Tulpengartens.)

voluptous tulips1

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Kiefernzapfen gegen Amseln…

Anti-Amsel Kiefernzapfen im Blumenbeet

Zugegeben, der heutige Titel klingt etwas gewalttätig, aber ich war auch ernsthaft sauer…

Warum?

Nun, fangen wir am Anfang an:

Frühlingsluft liegt in der Luft, als ökologisch bewegter Man(n) wuchtet man wie in jedem Jahr gefühlte Tonnen von Blumenerde im viel zu kleinen Fahradkorb durch die Gegend (Es lebe die CO²-Billanz!), wird dabei gleich noch zur Belohnung von einem Gewitter überrascht (nein ich bin keine Pflanze, und ich brauche auch keinen Frühlingsregen, aber danke!), gab Unsinnig viel Geld für die neueste schwarz gelbe Petunienvariante aus, holt die mundgeblasenen Glaskugeln aus dem Keller (zerbricht dabei natürlich promt eine, aber ohne so ein gelegentliches Malheur wäre die ganze Gartensache ja nur halb so spaßig!), überlegt ob man vielleicht wegen des wundrsamen nächtlichen Leuchteffekts halber doch noch die rosanen gegen weiße Geranien austauschen sollte, harkt und jätet und putzt und freut sich nach getaner Arbeit über den sprießenden Schnittlauch, die (noch) blattlausfreien Salatpflänzchen und die niedlichen hellblauen Blüten des Immergrüns…

Und dann?

Dann kommt so ein saublödes rabenschwarzes Amselmistviech daher und meint, es müsse ausgerechnet im sauber zurechtgezupften Blumenkasten nach dort garantiert nichtvorhanden Regenwürmern suchen! Natürlich folgt das Tierchen nur seinem natürlichen Instinkt…aber muss es dabei wirklich die ganze geradeeben erst mühsam auf Vordermann gebrachte Gartenpracht in ein südostbengalisches Matschschlachtfeld kurz nach dem letzten Jahrhundert-Zyklon verwandeln?…Offensichtlich ja, und Aufräumen bringt nichts, Frau Amsel hat nunmal ganz genaue Vorstellungen wie so ein umgepflügter Garten am besten auszusehen hat…

Was nun?

Eigentlich würde man die renitenten und nicht besonders intelligenten Viecher ja am liebsten einfangen und auf nimmer wiedersehen im Tierheim abgeben…dummerweise lassen sich Amseln verdammt schlecht in Pappkartons sperren, und außerdem bin ich mir nicht so ganz sicher, ob die Sache legal wäre…

Aber weiterhin dulden dass die Turdus merula, der lebende Bulldoser unter den Vögeln alles umwühlt?

Eher nicht!

Also umgesehen, und nachgedacht.

…Netze, Leimruten, Schreckschussanlagen, der Nachbarskater…alles denn doch etwas matrialisch, und außerdem:

Ganz verscheuchen will man die emsigen Viecher ja  denn auch nicht, immerhin sind sie an anderem Ort im Garten beim Raupenbeseitigen ganz nützlich und zumindest Herr Amsel verfügt über ein nicht zu unterschätzendes Sangestalent, dass sich an lauen Sommerabenden doch ganz gut zu gebratenen Oberginen und Rosé-Wein macht…

Nach mehreren gescheiterten Versuchen mit Alufolienstreifen, einer Ersatzfutterstelle und einer kleinen Vogelscheuche, kam die Lösung dann wie immer aus einer dieser Ecken mit denen man am allerwenigsten rechnet:

Beim Auspacken des Grills!

Nein, ich hab Familie Schwarzdrossel nicht als Amusegeul verspeißt, obwohl sich in meinen noch garnicht so alten Kochbüchern bei gelegentlichem Nachstöbern tatsächlich recht interessante Rezepte fanden.

Die Lösung lag denn auch eher neben dem Grill: Ein riesen Haufen alter Kiefernzapfen, die ich vorletzten Herbst mit der Absicht sie als gesunde Altzernative zu Mineralölgrillanzündern zu verwenden eingesammelt, aber nicht aufgebraucht hatte.

Eher unabsichtig verteilte ich nahm ich einige auf die frisch bepflanzten Blumenkästen um sie aus dem weg zu haben. Und siehe da: schon kamen Herr und Frau Amsel trotz aller Mühe nicht mehr ans Erdreich (die Kiefernzapfen sind schlichtweg zu sperrig und schwer, als das Amsel sie ohne weiteres durch die Gegend wuchten kann, außerdem „bewegen“ sich die Dinger wenn sie nass werden, was insbesondere bei Frau Schwarzdrossel für erhebliche zusätzliche Verwirrung sorgte. )

Kurz, es wirkt, sieht einigermaßen hübsch aus, Ich kann meine schwarzgefiederten Raupenkiller mit Starsängerallüren behalten und auch die Pflanzen können weiter ungestört wachsen (Dafür sind die Kierfernzapfen nämlich leicht genug!) Und das Beste: Wenn dann in ein paar Tagen alles ordentlich angewachsen ist und der Boden sich soweit verfestigt hat, dass Herr und Frau Amsel kein Regenwurmbergwerk mehr in ihn hacken können, kann man die getrockneten Zapfen als den perfekten Grillanzünder recyceln!

Besser geht’s nicht, oder?!

Schnee

Schneeflöckchen, Weißröckchen…

Ich bin fasziniert von Schnee!

Glühwein, eine warme Decke, das heimelige Knistern des Kaminfeuers und der fröhliche Tanz der eisigen Flocken vor meinem Fenster…Auch wenn ich mich mit dem folgenden Statement vermutlich bei der Hälfte der Menschheit ungläubiges Kopfschütteln hervorrufe:

Für mich könnte das Ganze Jahr Winter sein!

Richtiger Winter! Der mit zwei Metern Schnee, minus 25 Grad, gesperrten Straßen, um die Ecke pfeifenden Schneestürmen und Schlittschuhlaufen auf zugefrorenen Seen ohne die nagende Sorge, dass das Eis doch zu dünn sein könnte; Kalter, vor Frost klirrender Winter, Nicht die mediteran-durchfeuchtete Dauermisere der letzten Jahre!

Bis heute treibt mir der Gedanke an nubuklederfarbene Börsengurus und zarte Röstaromen verströmende Damen der besseren Gesellschaft, die sich freiwillig der Tortur eines UV-Sonnenbades unterziehen und sich dabei auch noch nach der schweißtreibenden Hitze der Südtürkei im August zurücksehenen zarte Eissschauer über den Rücken. Lästige Zugverspätungen, das allmorgendliche Schneeschippen und die horrend steigenden Heizkosten, was ist das alles gegen das wunderbare Gefühl über frisch gefallenen Schnee zu schweben?

Wahrscheinlich ist an mir ein echter Sami, Tunguse, Inuit oder gar eine bisher unbekannte europäische Unterart des Yeti verlorengegangen.

Sicher, ein Frühlingswald voller blühender Scilla, Schlüsselblumen und Buschwindrößchen, duch die silbrige Gischt eines Viermasters springende Delphine im hochsommerlichen Azur des  Mittelmeers oder die funkensprühende herbstliche Farbenpracht der gemäßigten Zonen, sie alle haben ihren je ganz eigenen Reiz, und auch der Anblick einer seltenen Orchidee oder lianenumrankter Tempel mitten im dampfenden Dschungel gehört zu jenen tiefbewegenden Traumbildern deren Verlust das Leben sehr viel ärmer machen würde…aber an das still vor sich hin funkelde Wunder einer polaren Vollmondnacht reicht nichts davon heran!

Willkommen Schneeflöckchen und hüt mir die Blumen!