Frisch aus dem Alltag, oder: Von Kontrastwirkungen, Sonnenschirmen und Chlor

KontrastwirkungDer Himmel ist himmelblau mit ein paar Schäfchenwolken drauf, It’s Summertime singt Ella und trotz nur mäßigen fränkisch-schwäbisch-venezianischen 14-22°C brennt mir die Sonne auf den Pelz. Na ja, das mag jetzt auch daran liegen, dass ich mich heute in einem jähen Anfall von post-gothic-Wahn dafür entschlossen habe komplett in schwarz auf den Markt zum Spargeleinkauf zu gehen (vielleicht war’s also doch nur mein angeborener Sinn für Kontrastwirkungen?…keine Ahnung). Auf jeden Fall war die Sonne zu heiß und wass macht man dann? Na man holt den Sonnenschirm aus der Versenkung!

Dumm bloß, dass ich letzten Herbst eindeutig zu faul war, das Ding vor dem Einmotten sauber zu machen…und da ich das auf Dauer dann doch etwas sperrige Ding auch noch aus dem Garten auf den Dachboden befördert habe – selbstredend ohne es vorher vorschriftsmößig in seinen mitgelieferten Stoffkondom einzupacken –  und sich selbstverständlich auch auf meinem Dachboden die Holzwürmer tummeln  – ja, so ist das nunmal, wenn man mitten im Weltkulturerbe wohnt ;-)) – hat sich zusätzlich zu all den lieblich bunten Hinterlassenschaften von Blattläusen – echt fießes Zeug dieser Honigtau! – Blütenstaub und Vogelkakka auch noch eine schöne rotbraune Schicht Holzwurmpups auf meinem ursprünglich einmal crémeweißen Sonnenschirm abgelagert – was kauf ich auch einen Sonnenschirm in einer derart dreckanfälligen Farbe!

Zwar ist bekanntlich Vintage gerade wieder in, und so ein wenig used-look hat noch niemand geschadet – andere streichen dafür Omas Barockkomode Grün über und fräsen dann mit der Flex stundenlang drann rum, nur damit das Ding am Schluss so aussieht wie im neuesten Design-Möbel-Landhaus-schöner- wohnen-Prospekt – aber so viel nackte, buntkleckernde und schmierige Natürlichkeit war mir dann doch etwas zuviel, auf meinem ehemals so schön crémefarbenen Sonnenschirm.

Was also tun?

Nun, man könnte das Ding einfach wegschmeißen und sich einen neuen besorgen. Da das Teil aber keines jener 0-8-15 Billigdingsbumsteile aus dem 1,50-shop ist sondern selbst im Ausverkauf noch richtig Asche gekostet hat, und ich sehr dran zweifel, dass ich jemals wieder einen Karbonspeichen-außreißverstärkten-tropfschutzbeschichteten-siliciumstahlschwenkgelenkbestückten und außerdem crèmefarbenen  – ich hasse weiß, zumindest bei Sonnenschirmen – Sonnenschirm zu einem auch nur annähernd erschwinglichen Preis bekommen werd, gibt’s jetzt nur eins:

WEG MIT DEM DRECK!

Nur wie?

Well, es gibt da was, bei dem man immer sagt, es sei so furchtbar ungesund und mache bei Kevin und Annika Allergien…

Richtig: die gute alte Chlorbleiche!

Da ich nun keines dieser Weicheier bin, die sich mit amerikanischer Sauerstoffbleiche abplagen (die ist auch nicht besser für meine Spülhände!) und auch keine anderen übertrieben teuren Spezialmittelchen einkaufen will – man ist schließlich Schwabe! – muss es nun einfach der gute Toilettenreiniger tun. Der hat auch den großen Vorteil, dass man ihn problemlos in eine Sprühflasche abfüllen und großzügig auf sich selbst und dem Sonnenschirm verteilen kann…

Selbstredend muss man vorher seine schwarze Gothic-Kleidung vom Vormittag ablegen!

Und dann schrubbt man, und schrubbt und schrubbt, ruiniert mit dem chlorgeschwängerten Abwasser noch schnell ein paar Balkonblumen – nein, Tagetes vertragen es nicht, wenn man sie mit Chlorwasser gießt…- und gießt das ganze noch schnell mit ungefähr 20 Gießkannen ganz frischen Leitungswaser ab…

Und was soll ich sagen…der Schirm ist …ja richtig: weiß! die Crème hat’s gleich mit rausgebleicht…

achöne Pfingsten und etwas mehr Erleuchtung als bei mir!

Von Frühlingsgefühlen und (guten) Vorsätzen

Wünsche-Dekonstruiert

Wünsche – Dekonstruiert

Ein Blick in den Balkonkasten verrät es: die frühsommerlichen Temperaturen mitten im Januar haben nicht nur bei den zartsprießenden Tulpen und Schnittlauchspitzen Frühlingsgefühle geweckt, nein, auch die Blattläuse sind schon wieder im Vermehrungsmodus (oder haben diesen garnicht erst eingestellt).

Irgendwo zwischen vergammelndem Laub vom Vorjahr und ersten Pollenschlieren liegen die ausgebrannten Hüllen der Silvesterböller und erinnern an bleigußverstärkte Vorhersagen und Vorsätze für’s neue Jahr. Sport, Gemüse, effizienteres Arbeiten…Pünklich zum Jahresbeginn hat die Menschheit ihr Gewissen wieder einmal mit einem reichlichen Packen ebenso guter wie irrationaler Vorsätzen beladen, deren Halbwertszeit vermutlich deutlich unter der jedes Jahr auf’s neue entflammenden Debatte darüber, wie lange man dem jeweiligen gegenüber (noch) ein „Gutes Neues“ wünschen darf, ohne als hoffnungslos antiquiert, vertrottelt, indoktrinär, reaktionär, fundamentalistisch oder gefühlsduselig zu gelten hat, liegen dürfte. Kürzere Sätze waren auch so ein Vorsatz, überhaupt: sich kürzer und effizienter durch eine Welt zu bewegen, deren Aufmerksamkeitsspanne unter die Länge einer Twittermeldung gefallen ist…Aber halt, ist das nun noch ein Vorsatz oder befinden wir uns hier schon im Bereich einsetzender Resignation vor den „Wirklichkeiten“ des Alltags?

Natürlich – und wer sich jetzt noch darüber wundert, dem oder der wird es vermutlich auch nicht mehr helfen, wenn ich nun irgendetwas über die apotrophaisch-psychologische Entlastungs- und Externalisierungsfunktion(en) und die narrativ-kommunikative Funktion rituell tradierter Idealismen bei der Transformation und Internalisierung grundlegender Erwartungs- und Rollenstereotype und der mit ihnen verbundenen gesellschaftlichen Muster akzeptierten/wünschenswerten Verhaltens (nichts anderes sind Gute Vorsätze, jedenfalls wissenschaftlich betrachtet ;-)) schreibe.

Prinzipiell genügt es zu wissen, das die schrecklichen Zwillinge Pragmatismus und Oportunität gepaart mit ihren liberal-postmodernen Adoptivschwestern Effizienz und Hybridität ausreichen um im globalisierten Alltag einer an „german angst“ leidenden Absicherungsgesellschaft gute Vorsätze (eigener wie fremder Art) allenfalls zum maximalprofitversprechenden Marktanteil allüberall sprießender Ratgeberabteilungen diverser (on- wie offline) Buchhandlungen und Internetchanells zu degradieren. Vielleicht sind das ja neben der archaischen Vermehrungslust von Blattläusen im Januar die einzig „wahren“ und „übriggebliebenen“ Frühlingsgefühle der reflexiven Moderne.

Also mehr Rationalität und Effizienz beim Wünschekauf?

Nein, es ist ja gerade unsere herrliche Inneffizienz und urhumane Irrationalität, welche uns davor bewahrt endgültig zum digital auslesbaren Steuerungsobjekt zu werden, aber vermutlich arbeitet der Neue Supercomputer der NSA auch schon an einer Varianzgleichung dieses „Problems“ und ich hänge wieder einmal am Vintage-Angelhaken der humboldtschen Neo-Humanismus-Nostalgie.

Was wünscht der geoutete Mann von heute also seiner wunschlos verängstigten Mitwelt zum Neuen Jahr?

…Lebt lustvoll, vergesst sämtliche gesellschaftlichen und sonstigen Vorgaben, verschwendet was ihr habt und denkt vor allem nicht ans Morgen, Gestern, Heute oder an irgendwelche anderen apokalyptischen Szenarien gesundheitlicher, beruflicher, sozialer, ökonomischer, kultureller oder sonstwelcher Provenienz.

Klingt verdächtig nach wilder Wasabi-Knabbermischung aus neoliberalen Finanzmarktstrategien, Coaching-Weisheiten, dem letzten „Kurs zum eigenen Ich“ und tantrischen Allerweltsphantasien mit eingeschlossenem Zwangsegotrip…aber genau dafür sind gute Vorsätze ja da, sie sind hedonistisch, selbstsüchtig, assozial und/oder egomanisch, alles andere ist Ideologie, oder zumindest ganz furchtbar chauvinistische, eurozentristische und rassistische kulturelle Hegemonie und die mag im Zeitalter der „maybe-generation“ keiner mehr wirklich, oder?

Esst die letzten Lebkuchen ohne Reue erst im August, schaut den Aphidoidea beim Partnertausch wärhend der Heterogonie zu (nein das ist kein Vorschlag für die neueste Adaption klassischer Mythen durch Hollywood & Co.), und bitte: lasst den Christbaum und die Weihnachtskrippe gemeinsam mit den chinesischen Neujahrsscherenschnitten und den iranischen Weizenkeimlingen bis mindestens Ostern stehen um das Vakuum des dekorativen „in-between“ mit Sinn zu erfüllen!

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für’s Neue Jahr!

Euer

wie immer viel zu lang bloggender ALexnikanor

Von Gartenlust und Unwettermeldungen – oder – warum meine Pflanzen eine Loggia haben.

Mein persönliches Hantelgewicht ;-)

Mein persönliches Hantelgewicht 😉

Ha, wie kann es schön denn sein, in dem kleinen Gärtelein…Keine Angst ich hör schon wieder auf zu reimen…

Wie immer hat das gestrige Unwetter Bamberg, die legendäre Stadt der Säufertürme, Kirchturmspitzen und 60.000 Blitzableiter mal wieder verschont. Ich schiebs ja auf den Steigerwald, der wie der Name schon sagt, die Wolken einfach über die Stadt weglupft, aber meine Nachbarin ist der festen Überzeugung, dass es dem legendären Schleier der Heiligen Kunigunde zu verdanken ist, dass Bamberg kein Wetter kennt. Irgendwer knipst Ende Mai Lichtschalter und Heizung an und stellt sie Ende September wieder aus, und wer sollte das außer der heiligen Kaiserin schon anderes sein – Petrus ist in Rom beschäftigt und die Vierzehn Nothelfer sitzen faul in Vierzehnheiligen rum…bleibt also nur die Gute alte Kunni – Sie bzw. ihr schicker Kopfputz schützen vor amerikanischen Bomben, Stechmücken, griesgrämigen Ehemännern, UV-Strahlen und allem anderen, was einer „Dame von Welt“ besser nicht vor die Augen kommen sollte. Regen, Sturm, Blitzschlag, Hagel? No Problem, Kunni und ihr Schleier bekommen das hin!

Von reformatorischem Eifer getrieben hab ich als ungläubiger Protestant natürlich so meine Probleme mit dieser Art archaischen Denkmustern und deshalb in original altdeutsch-preußischem-Angst²-Modus beim allerkleinsten  Vorabzeichen einer dunklen Wolke am vorschriftsmäßig weiß-blau zu seienden Himmel meine sämtlichen Kübelplfanzen/Balkonkastenschönheiten inklusive mundgeblasener Pseudo-Muranoglaskugeln wieder einmal brav vor dem bösen Gevatter Hagel, oder dem Bruder Wind, oder der Schwester Fallender Ast, der Mutter Ziegel, der Tante Katzen, dem Cousin Vogel, der Großtante Blattlaus, dem Schwippschwager saure Milch und der angeheirateten Erbtante verdorbener Hefeteig und allen anderen bei Gewittern drohenden Unbill-Verwandten unter das wärmende Dach meiner Ex-Wäschetrockenraum-Loggia in Sicherheit gebracht.

Dem nicht genug, wurde – meiner erzkatholisch-eichstädtisch-leicht superstitiös angehauchten Großmutter selig sei dank – auch gleich noch flugs und präventiv auch noch eine geweihte schwarzlilane Wetterkerze aus Walddürn angezündet und ein schmerzhafter Rosenkranz (der mit dem durchbohrten Herzen Mariens) gebetet. Dabei fällt mir ein: Es lebe die stets vorbildliche Vorab-Terrorismus-Bekämpfung des bayerischen Innenministeriums und ihre Voralpenhagelfliegerstaffel! Die sind nicht von denen, sondern vom Landkreis? Egal, ich schick ihnen trotzdem mal ein Paket von den Dingern…funktioniert wirklich!…Ich hôn ja âa bloos gmaant Barrack Hussein…ehrlich!

Bodybuilding und Yoga inklusive!

Ach ja…man hat’s einfach schwer als stetig engagierter Kulturwissenschaftler, der sich immer bemüht die Binnenexotik des Moments voll auszukosten…(Sorry, aber diese Portion lamoyanter Selbstironie musste jetzt einfach sein…)

Nach einer unter den Schlägen des Fahnenseils am Eisernen Mast bitterbang durchwachten Mitsommernacht, ging’s dann noch vor dem Frühstück (sic!) wieder raus. Schließlich sollten die armen Petunien nicht zu Nachtschattengewächsen verkommen – sind sie eh schon? Na egal…Nach nur zehn Minuten (Neuer Rekord!) sah alles wieder aus wie vorher (Ordnung muss sein, dass sagen wir hier auch den Austauschtouristen!), und ich? Ich war trotz eintreffender Kaltfront noch vor dem Frühmessläuten der Karmeliter stolz  bätschnass geschwitzt und reif für die zweite Dusche zu sein! Warum ich davor überhaupt im Bad war, hat vermutlich mit den ewig verkannten Italienischen bzw. Englischen Erbanlagen (Die Gene…bin ich heut wirklich so einfallslos?) in mir zu tun, die sich grundsätzlich nur in Tropenhelm und weißem Leinenanzug zum morgendlichen Schneckenabsammeln trauen…

Am Himmel sehe ich schon wieder kleine Schäfchenwolken…

und wir als gute deutsche Kleingartenbesitzer –

wir wissen, ja wir wissen ja, wie schnell aus –

schnell aus einer kleinen, harmlos blökenden Cumulus humilis,

so ein alleszestörend, garstig, blödes Sch…-Ding namens Cumulonimbus (capillatus) incus wird!

Oder inetwa nicht…nicht wenn, wenn nicht, dann jetzt…

drumm jetzt, ja jetzt ganz schnell, hinaus, hinaus…

hinaus und raus ist nun Herr Biedermann im Kittelschürz,

und holt die armen Pflanzen in die Kammer-Loggia,

Die Wetterkerze an?

Ne…

Scheiße verdammt und zack Zement…

Ein Zündholz fällt, ein andres bricht…der blaue Himmel leuchtet wieder…

und Kunigund und Gott und Bruder Zephir…

Aphrodite…allen, allen Dank!

Ich lächle, danke Odysseus und Arte für die Inspiration (freie Adaptionen antiker Dramen mit homoerotischen Einlagen und kulleraugenrollenden Bösewichten sind so CineCitta!)…und Dank auch meiner Großmutter selig, die so wunderbar gutkatholischeichstädtischsuperstitiös veranlagt war und diesen guten deutschen Angstfluch an mich weitergab (Per Lourdesstatuette auf dem Volksempfänger!).

Drumm mein Motto für Heute:

Keine Wetterwarnmeldungen mehr, der angekündigte Tornado und die 5 Zentimeter großen Hagelkörner sind einfach nix für süddeutsche Kübelpflanzen- und Balkongartenbesitzer/Präventivangsjunkeys! Und um jetzt flugs auch noch die Kontinuitätsthesenfraktion unter uns zufriedenzustellen, laut meinen auto-ero-epischen Selbstethnographien ist:

Die interdependent-rekursive Inkompatibilität von Gewittern mit Hagelschauern und fremdländischem Balkongewächs mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit kausal verantwortlich für das tief in der kollektiven Erinnerungskultur der Deutschen verwurzelte Unbehagen ihrer keltischen Vorfahren, dass der Himmel auf den frisch angepflanzten Salat fällt!

Buon Di und dass der Himmel dort bleibt, wo er hingehört!

Euer

Alexnikanor

PS: irgendwann schaff ich’s schon noch alle Kategorien in einem Artikel unterzubringen 😉