Adventskalender 2014 – 20. Türchen – Von kleinen Helden und verschwundenen Schätzen

Tetrarchengruppe Venedig

Tetrarchengruppe Venedig

Ich bewundere sie, die kleinen Helden vom Vorplatz der Chiesa degli Gesuiti. Sie gleichen ein klein wenig an andere vier „Helden“: Die vier Tetrarchen – das porphyrene Abbild der 4 römischen „Kaiser“ unweit der Prunkpforte des Dogenpalastes – die dort, seitdem sie 1204 aus Konstantinopel hierher verschleppt stoisch und ohne sich von den Millionen Touristen auch nur im geringsten beeindrucken zu lassen ihren Dienst als kleine Wächter der Schatzkammer von San Marco tun.

Auch meine kleinen Helden vom Vorplatz der Jesuitenkirche – die mit den „Marmortapeten“, gleich hinter den Fondamente Nove – zeigen sich unbeeindruckt. Nicht nur, dass sie ihr lärmendes Fussbalspiel auch dann nicht unterbrechen, wenn im Winter viel zu früh die Dunkelheit hereinbricht, nein sie lassen sich auch von den vorbeieilenden Menschenmassen, die – gerade von ver Fähre nach/von Murano kommend und daher noch etwas unsicher auf den Beinen – permanent im Spielfeld herumtrampeln, nicht stören. Vielmehr betrachtet die Equipe Grundschuljungen – Mädchen dürfen nur mitspielen wenn es sich um die rabiaten Nachbarszwillinge oder die eigene Große Schwester handelt – die wandelnden Fleischberge aus Spanien, Frankreich und China als willkommene Hindernisse beim abendlichen Dribbletraining. Seltsam eigentlich, dass so wenige große Fussbalspieler aus Venedig kommen.

Da ich inzwischen gleich dem winterlichen aqua alta seit einem Guten Jahrzehnt die Stadt heimsuche, muss ich mich nicht mehr nach jedem Campanile und nach jeder hinreißend schönen Fassade recken. Es ist eher so, als würde man in all den Museen, Galerien, Kirchen und Palästen (die hier einfach nuf Ca‘ also Haus heisen), auf den Campi (Plätze) und in den Calle (Gassen), Rame (kurze Gassen, häufig auch Sackgassen), Salizade (Hauptstraßen) und Sottoportegi (niedrige Durchgänge unter den Häusern), und links und rechts der rii (Kanäle, Canal heißt hier innerhalb der Stadt nämlich nur einer, der Canal Grande), piscini (ehemalige Fischbecken, heute meist zugeschüttet) und strade (davon gibt’s eigentlich auch nur eine: die Strada Nuova in Cannareggio) alte Bekannte und Freunde besuchen und nachsehen, wie’s ihnen denn so geht.

Der eine oder andere verschwindet dabei im Laufe der Zeit – so wie die von mir immer noch schmerzlich vermissten Türgriffe der Ca’Marcello-Pindemonte zwischen Campo Santa Marina und Campo Santa Maria Formosa – Vor ein paar Jahren waren sie plötzlich verschwunden, die herrlichen Leoparden mit ihren vier gespreizten Füßen. Vermutlich von einem „Liebhaber“ gestohlen, oder verkauft, wie so vieles hier in den letzten 200 Jahren…

Manches kommt aber auch dazu, wie die Starenschreckanlage auf der Friedhofsinsel San Michele. Zartfühlenden Gemütern – wie dem lesbischen Pärchen heute auf der Fähre – jagt diese Neuanschaffung der Stadt immer noch einen riesen Schrecken ein, wenn sie in der Abenddämmerung an der berühmten Ruhestätte noch berühmterer Nicht-mehr-Zeitgenossen vorbeischippern und plötzlich kreischende, quietschende und heulende Laute vernehmen.

Ich glaube die Damen hatten für einen Moment gedacht die Toten Venedigs hätten sich erhoben und ihr letztes Stündlein hätte geschlagen. Dabei ist das Ganze nur dafür gedacht die Insel vor den nicht unerheblichen Mengen an Vogelkot zu bewahren, die Hunderttausende von Staren und anderen Zugvögeln, die sich nur allzu gern an diesem Idyllischen und Nachts vollkommen Ruhigen und Sicheren Ort niederlassen. Wie’s aussieht funktioniert das auch ganz gut. Trotzdem werde ich nie vergessen wie ich vor einigen Jahren im Garten der Fondatione Querini-Stampaglia an einer Hecke vorbeilief und plötzlich tausende von Staren daraus aufflogen…Hitchcocks Vögel waren ein Nichts dagegen und Ich? Ich musste mich wieder einmal verdammt zusammenreißen um bei den angstbleichen Gesichtern nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.

Aber auch für mich gibt es Dinge, an die ich mich vermutlich nie gewöhnen werde. Der neue Hubschrauberlandeplatz auf dem Hospital, der wie ein Ufo über der Stadt schwebt, die halbverrosteten Außenstreben der ehemaligen Gastanks daneben (sie stehen unter Denkmalschutz und dürfen deshalb nicht entfernt werden, da sie aber außer zu ihrer eigentlichen Funktion zu rein garnichts Nutze sind, rosten sie jetzt eben vor sich hin). Das mir am seltsamsten vorkommende Phänomen sind aber die vornehmlico steuropäischen und asiatischen Touristen, die den Ganzean lieben langen Tag nichts besseres zu tun haben als sich in die seltsamsten Posen zu werfen und Bilder von sich selbst, als Gruppe, als Paar oder sonstwie zu machen. Der Hintergrund ist dabei ziemlich egal. Hauptsache der eigene Quadratschädel ist irgendwie mit auf dem Bild!

Eine derartige Selbstbesessenheit hätte man früher mit einer Direkteinweisung nach San Servolo (der ehemaligen „Irreninsel“ Venedigs) bezahlt. Auch wenn das Selfie inzwischen ein globales Phänomen ist, halte ich dieses mehr als bizarre  Verhalten immer noch für eine Art übersteigerten Protest gegen die Entindividualisierung durch Überbevölkerung und repressive politische Ideologien in den Herkunftsländern der Durchführenden. Vermutlich spielt auch die Überkompensation der lange verwährten Reisefreiheit  eine gewisse Rolle…Beobachtet man die unterschiedlichen Gruppen von Selfie-Hipstern eine Weile, dann stellt man sehr schnell fest: Alle machen die gleichen „einmaligen“ Posen, stellen sich auf die gleichen einmaligen vier Felsbrocken und machen exakt das gleiche Photo der exakt gleichen Brücke, nur der jeweilige Kopf ist anders…Well, vermutlich sieht Individualität in einer Globalisierten, durchmedialisierten und durchdigitalisierten Welt eben genau so aus. Serien von immergleichen, scheinindividuellen Aufnahmen vor mehr oder minder historisch-ästhetisch durch die ewige Wiederholung des Gleichen bedeutungsgeladener Kulisse. Tragisch an der ganzen Sache ist, dass die selbstverliebten Jung-Selfisten überhaupt nicht mehr mitbekommen wo sie sich eigentlich befinden, da sie viel zu sehr damit beschäftigt sind, sich selbst wahrzunehmen – Venedig, Rom, Peking, New York…nurmehr austauschbares Hintergrundrauschen…Nicht erst seit meinem Artikel über die „nur“ 356 Photos an einem Tag frage ich mich sehr ernsthaft, ob wir nicht alle Urlaub vom Digitalen Über-Ich brauchen.

Immerhin das alles ist besser als die vollkommen bescheuerten Jugendlichen, die’s auch in Venedig nicht lassen können sämtliche Hauswände mit ihren Tags und Grafittis zu verunstalten. Ob sie dabei gerade eine Antike Statue oder ein byzantinisches Relief zerstören ist ihnen offensichtlich scheißegal. Hauptsage das eigene einmalige Tag prangt auf der nächstbesten Unterlage . Well – auch dafür hätte man im alten Venedig sicherlich eine – wenn auch etwas unschöne Lösung gehabt: Erst die Hände abhacken, dann die Wunden mit Schwefel ausgießen, dann Vierteilen und dann die einzellnen Teile an den Hauptdurchgänen der Stadt an eisernen Ringen und Haken aufhängen. Man war hier nicht zimperlich in diesen Dingen, und wenn ich mich richtig erinnere, war das genau die Strafe, die bei öffentlichem Vandalismus verhängt wurde (dafür reichte auch schon wesentlich weniger, Pinkeln in der Nähe von Zisternen, Sandabbau auf den Lidi oder auch nur das unerlaubte Verlassen der Stadt, alles todeswürdige Verbrechen). Die entsprechenden Vorrichtungen zum Aufhängen der Körperteile sind an der Ponte di San Canciano, unweit der Kirche San Apostoli bis heute vorhanden und dienen den Venezianern als etwas makabere Glücksbringer. Dass sie hier alles mögliche und unmögliche zu Glücksbringern umwandeln hatte ich ja bereits geschrieben…

Ach ja, und dann bin ich noch – ganz en passon – auf eine geradezu atemberaubende Räuberpistole gestoßen. Damals als dieser gottverdammte Franzose namens Napoleon und seine noch verdammteren Schergen hier alles mitgehen ließen was nicht niet- und nagelfest war (man schätzt dass damals ca. 70-80% der venezianischen Kunstschätze geraubt wurden, eigentlich eine unvorstellbare Zahl, wenn man bedenkt wie viel heute noch da ist) haben sie eine Sache nämlich nicht bekommen: den Staatsschatz, oder besser ausgedrückt: Das Gold der venezianischen Münze. Dieses wurde kurz bevor die Franzosen raubend und plündernd in der Serenissima einfielen in ein kleines Kloster auf einer Insel „ausgelagert“ und ist seither „verschwunden“. Venezianer und Nicht-Venezianer suchen seit nun bald 220 Jahren danach, aber entweder die Finder haben sich sehr diskret angestellt, oder aber irgendwo in der Lagune befindet sich bis heute ein riesiger Schatz, den bisher niemand gefunden hat. Wundern würde mich dass nicht, stösst man doch bei Bauarbeiten hier immer wieder auf völlig unerwartete und äußerst kostbare Funde, wie Keramiken aus dem 16. Jahrhundert, versteckten Schmuck von Kurtisanen und reichen Patrizierinnen, oder einige der Ringe, welche die Dogen alljährlich dem Meer übergaben.

Kurz, es gibt noch viel zu entdecken – man muss nur aufhören sich selbst abzulichten und endlich seine Augen weg vom Display hin zur ganz realen Welt der Wunder vor der eigenen Nasenspitze wandern lassen. Dann bekommt man vielleicht auch mit, dass es in der Stadt gerade brodelt. Wieder einmal will man weg, weg von Italien, weg von der Korruption, weg von der ungeliebten Regierung und vor allem weg vom noch ungeliebteren Süden. Dass dabei alle Register der Stereotype gezogen, der Süden und seine Bewohner ganz selbstverständlich allesamt als Mafiosi diskriminiert und die eigene große Vergangenheit der Serenissima als Weltmacht beschworen wird – nun alles schon gehabt. Man wird sehen, ob dies wieder alles nur viel Emotion und heiße Luft ist, oder ob wir demnächst wirklich wieder eine Repulica di San Marco haben…

Buon di da Venexia!

 

Adventskalener 2014 – 7. Türchen – Von russischen Mütterchen und warum ihr Ineinanderpassen immer auch ein Qualitätsmerkmal ist…

Klassische Matrijoschka

Klassische Matrijoschka

Es dürfte kaum ein Wohnzimmer, einen Kellerschrank oder einen Dachboden geben, wo sie heute nicht mehr zu finden sind, die kleinen, rundlichen, stets fröhlich dreinblickenden Matrioschkas. Die in Deutschland auch unter dem liebevollen Pseudonym „Babutschkas“ (Omachen) bekannten Holzpuppen gelten dabei im Westen geradezu als Inbegriff und Metapher russischer Kultur und der großen „russischen Seele“, aber auch ihrer Abgründe und Undurchschaubarkeit.

Es mag daher die meisten überraschen, dass die zumeist aus Linden oder Birken- seltener auch aus Nadelbaumholz gefertigten, bunt bemalten und ineinander schachtelbaren Puppen erst auf eine gerade einmal etwas mehr als 120-jährige Geschichte zurückblicken können.

Die ersten Matrioschkas wurden um 1890 gemeinsam vom Holzschnitzer und Drechsler Wassili Swjosditschkin und Maler Sergei Maljutin nach dem Vorbild japanischer Fukurokuju-Puppen gefertigt und hatten die typische stark farbige (oft rote, das alt-russische Adjektiv „красный“ (krasny) bedeuteteursprünglich sowohl „rot“ als auch „schön“) und reich bestickten Kleidung russischer Bäuerinnen, den Sarafan, zum Vorbild.

Rasch erlangten die kleinen und leicht zu transportierenden Puppen große Beliebtheit als Souvenir. Auch wurden ihnen bald nach ihrer Erfindung in ihrem Heimatland talismanische und fruchtbarkeitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Hierbei wurde die äußerste Figur als Mutter, die kleineren Figuren als – gewünschte – Kinderschar interpretiert. Daneben etablierten sich bereits früh männliche Varianten, welchen die „männlichen“ Eigenschaften Wehrhaftigkeit, Fleiß und Kriegerische Tugenden zugeschrieben wurden. Im Deutschland hingegen gelten sie zumeist als nettes Souvenir und werden dort häufig auch und gerade zur Weihnachtszeit gemeinsam mit Nussknacker und anderen Produkten aus dem Erzgebirge als Weihnachtsdekoration aufgestellt – nicht zuletzt ein inzwischen gesamtdeutsch gewordenes Erbe aus der ehemaligen DDR, in der die Matrijoschkas aufgrund der engen Kontakte zur UDSSR und zu sowjetischen Besatzungssoldaten, die diese gerne als Geschenke an die Ostdeutsche Bevölkerung verschenkten besonders weit verbreitet waren.

Wie beliebt die kleinen Puppen auch außerhalb Russlands wurden zeigt sich an den zahlreichen, teils irrtümlichen Ableitungen und Bezeichnungen in unterschiedlichsten Landessprachen. Ging der Name Matrjoschka ursprünglich auf den häufigen russischen Vornamen weiblichen Namen „Matrjona“ (abgeleitet aus dem lateinischen matrona) zurück, kam es aufgrund der den Figuren zugeschriebenen Eigenschaften der Fruchtbarkeit und Mütterlichkeit schnell zu „Neu-„ und „Uminterpretationen“. So bürgerte sich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Babuschka oder Babutschka (von russisch „Oma“ oder „Großmütterchen“) ein. In den Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie bürgerte sich hingegen der Name „Piroschka“ (von ungarisch: piros, bzw. piroska = rot bzw. kleine Rote, häufiger Frauenname, zugleich die ungarische Bezeichnung für Rotkäppchen) ein. Auch die von der russischen Bezeichnungen „Mütterchen“ abgeleitete Bezeichnung „Mammutschka“ ist v.a. im deutschsprachigen Raum üblich.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erweiterte sich in den 1990er Jahren das Formenrepertoire der Matrjoschkas deutlich. Neben die traditionellen Formen traten satirische Darstellungen von Politikern, (v.a. Lenin, Stalin, Krustschov, Gorbatschow, Jeltzin und Putin), Zaren und Heiligen, häufig als „historische Ahnenreihe“.  Auch etablieren sich in letzter Zeit zunehmend „anlassbezogene“ Matrijoschkas, oder solche, die Motive aus Märchen und beliebten Zeichentrickserien oder Werbemotive aufnehmen. So stehen Weihnachtsmannmatrioschkas neben Stalin, klassische russische Mütterchen neben Pinups, Heilige neben Disneyfiguren.

Die wichtigsten Herstellungsregionen der Matrjoschkas liegen heute um Nischni Nowgorod, Moskau und Kirow. Wurden ursprünglich lediglich 3-, 5-, 7- und 10-teilige Figuren erzeugt, sind heute auch 13-, 15- und 20-teiliger (und noch größere) Figuren üblich. Da die Figuren meist von Innen nach Außen hergestellt werden, ist die Ähnlichkeit der Figuren und deren gutes Ineinanderpassen ein wesentliches Qualitätsmerkmal.

Von Gartenlust und Unwettermeldungen – oder – warum meine Pflanzen eine Loggia haben.

Mein persönliches Hantelgewicht ;-)

Mein persönliches Hantelgewicht 😉

Ha, wie kann es schön denn sein, in dem kleinen Gärtelein…Keine Angst ich hör schon wieder auf zu reimen…

Wie immer hat das gestrige Unwetter Bamberg, die legendäre Stadt der Säufertürme, Kirchturmspitzen und 60.000 Blitzableiter mal wieder verschont. Ich schiebs ja auf den Steigerwald, der wie der Name schon sagt, die Wolken einfach über die Stadt weglupft, aber meine Nachbarin ist der festen Überzeugung, dass es dem legendären Schleier der Heiligen Kunigunde zu verdanken ist, dass Bamberg kein Wetter kennt. Irgendwer knipst Ende Mai Lichtschalter und Heizung an und stellt sie Ende September wieder aus, und wer sollte das außer der heiligen Kaiserin schon anderes sein – Petrus ist in Rom beschäftigt und die Vierzehn Nothelfer sitzen faul in Vierzehnheiligen rum…bleibt also nur die Gute alte Kunni – Sie bzw. ihr schicker Kopfputz schützen vor amerikanischen Bomben, Stechmücken, griesgrämigen Ehemännern, UV-Strahlen und allem anderen, was einer „Dame von Welt“ besser nicht vor die Augen kommen sollte. Regen, Sturm, Blitzschlag, Hagel? No Problem, Kunni und ihr Schleier bekommen das hin!

Von reformatorischem Eifer getrieben hab ich als ungläubiger Protestant natürlich so meine Probleme mit dieser Art archaischen Denkmustern und deshalb in original altdeutsch-preußischem-Angst²-Modus beim allerkleinsten  Vorabzeichen einer dunklen Wolke am vorschriftsmäßig weiß-blau zu seienden Himmel meine sämtlichen Kübelplfanzen/Balkonkastenschönheiten inklusive mundgeblasener Pseudo-Muranoglaskugeln wieder einmal brav vor dem bösen Gevatter Hagel, oder dem Bruder Wind, oder der Schwester Fallender Ast, der Mutter Ziegel, der Tante Katzen, dem Cousin Vogel, der Großtante Blattlaus, dem Schwippschwager saure Milch und der angeheirateten Erbtante verdorbener Hefeteig und allen anderen bei Gewittern drohenden Unbill-Verwandten unter das wärmende Dach meiner Ex-Wäschetrockenraum-Loggia in Sicherheit gebracht.

Dem nicht genug, wurde – meiner erzkatholisch-eichstädtisch-leicht superstitiös angehauchten Großmutter selig sei dank – auch gleich noch flugs und präventiv auch noch eine geweihte schwarzlilane Wetterkerze aus Walddürn angezündet und ein schmerzhafter Rosenkranz (der mit dem durchbohrten Herzen Mariens) gebetet. Dabei fällt mir ein: Es lebe die stets vorbildliche Vorab-Terrorismus-Bekämpfung des bayerischen Innenministeriums und ihre Voralpenhagelfliegerstaffel! Die sind nicht von denen, sondern vom Landkreis? Egal, ich schick ihnen trotzdem mal ein Paket von den Dingern…funktioniert wirklich!…Ich hôn ja âa bloos gmaant Barrack Hussein…ehrlich!

Bodybuilding und Yoga inklusive!

Ach ja…man hat’s einfach schwer als stetig engagierter Kulturwissenschaftler, der sich immer bemüht die Binnenexotik des Moments voll auszukosten…(Sorry, aber diese Portion lamoyanter Selbstironie musste jetzt einfach sein…)

Nach einer unter den Schlägen des Fahnenseils am Eisernen Mast bitterbang durchwachten Mitsommernacht, ging’s dann noch vor dem Frühstück (sic!) wieder raus. Schließlich sollten die armen Petunien nicht zu Nachtschattengewächsen verkommen – sind sie eh schon? Na egal…Nach nur zehn Minuten (Neuer Rekord!) sah alles wieder aus wie vorher (Ordnung muss sein, dass sagen wir hier auch den Austauschtouristen!), und ich? Ich war trotz eintreffender Kaltfront noch vor dem Frühmessläuten der Karmeliter stolz  bätschnass geschwitzt und reif für die zweite Dusche zu sein! Warum ich davor überhaupt im Bad war, hat vermutlich mit den ewig verkannten Italienischen bzw. Englischen Erbanlagen (Die Gene…bin ich heut wirklich so einfallslos?) in mir zu tun, die sich grundsätzlich nur in Tropenhelm und weißem Leinenanzug zum morgendlichen Schneckenabsammeln trauen…

Am Himmel sehe ich schon wieder kleine Schäfchenwolken…

und wir als gute deutsche Kleingartenbesitzer –

wir wissen, ja wir wissen ja, wie schnell aus –

schnell aus einer kleinen, harmlos blökenden Cumulus humilis,

so ein alleszestörend, garstig, blödes Sch…-Ding namens Cumulonimbus (capillatus) incus wird!

Oder inetwa nicht…nicht wenn, wenn nicht, dann jetzt…

drumm jetzt, ja jetzt ganz schnell, hinaus, hinaus…

hinaus und raus ist nun Herr Biedermann im Kittelschürz,

und holt die armen Pflanzen in die Kammer-Loggia,

Die Wetterkerze an?

Ne…

Scheiße verdammt und zack Zement…

Ein Zündholz fällt, ein andres bricht…der blaue Himmel leuchtet wieder…

und Kunigund und Gott und Bruder Zephir…

Aphrodite…allen, allen Dank!

Ich lächle, danke Odysseus und Arte für die Inspiration (freie Adaptionen antiker Dramen mit homoerotischen Einlagen und kulleraugenrollenden Bösewichten sind so CineCitta!)…und Dank auch meiner Großmutter selig, die so wunderbar gutkatholischeichstädtischsuperstitiös veranlagt war und diesen guten deutschen Angstfluch an mich weitergab (Per Lourdesstatuette auf dem Volksempfänger!).

Drumm mein Motto für Heute:

Keine Wetterwarnmeldungen mehr, der angekündigte Tornado und die 5 Zentimeter großen Hagelkörner sind einfach nix für süddeutsche Kübelpflanzen- und Balkongartenbesitzer/Präventivangsjunkeys! Und um jetzt flugs auch noch die Kontinuitätsthesenfraktion unter uns zufriedenzustellen, laut meinen auto-ero-epischen Selbstethnographien ist:

Die interdependent-rekursive Inkompatibilität von Gewittern mit Hagelschauern und fremdländischem Balkongewächs mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit kausal verantwortlich für das tief in der kollektiven Erinnerungskultur der Deutschen verwurzelte Unbehagen ihrer keltischen Vorfahren, dass der Himmel auf den frisch angepflanzten Salat fällt!

Buon Di und dass der Himmel dort bleibt, wo er hingehört!

Euer

Alexnikanor

PS: irgendwann schaff ich’s schon noch alle Kategorien in einem Artikel unterzubringen 😉