Von Schnee und Regen

Schnee

Schnee

 

Schnee ist ein Wunder das verlockt.

Er schönt, bedeckt, macht gleich und lässt verschwinden.

Ich blicke vor mich hin, und sehe sie, die Illusion:

Ein heiler, eisiger Planet ohne Bewegung.

Verlorn der Antrieb, jeder Ehrgeiz längst zu Eis erstarrt.

 

Die Welt in Schnee – ein anfangsloser Nicht-Ort ohne Ende.

Ein weißes, völlig unbeschrieb’nes Jahr.

Ohne Bedauern, ohne Erinnerung, ohne Anspruch, ohne Schuld!

Alles wie ausgelöscht und wie beerdigt.

Vor mir nur reines, reiches Nichts.

 

Der Lärm, die Hast, der Neid, die Effizienz;

Die echten und die falschen Freunde, der Zwang perfekt zu sein…

verstummt, erstarrt und weggesperrt unter dem weißen Leichentuch.

Die neue, helle Welt – vollkommen wie der Mond!

Ich fröstle, es wird dunkel.

 

Verstörend schön, die Winternacht –

Schneekugelparadies in engen Grenzen!

Da stehen sie, vor laubberaubten Zweigen,

der Schlaf, das Innehalten und das Nichts-mehr-tun.

Dem der sich hingibt winkt Verzückun.,

 

Nur einmal, einmal noch vom Leben ruhn.

Ein schönes, sanftens Nicht-mehr-Sein und grenzenloses Glück!

Der Preis des Daseins jedoch gilt dem Fleißigen –

dem Räumer, Schaffer, Karrer und dem Schaufler,

und ganz bestimmt sogar noch dem, der einfach und bescheiden kehrt.

 

Doch Seeligkeit? Die gibt es nur für jene, die noch träumen,

die hilflos und betroffen stillesteh’n,

und jedes mal auf’s Neue staunen,

wenn dann und wann zur Winterszeit,

die Sterne uns vom Himmel fallen.

Es soll es sehr schön sein zu erfrieren.

 

Und dann, dann kommt der Regen.

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The only true way of drinking espresso ;-)

Isn’t it wonderfull to smell the pure flavour of fresh roasted Espresso made from 100% arabica beans? Add a little carpet from Uzbekistan, and a japanese Art Deco cup, with delicate miniature paintings showing people celebrating the „Hanami“ festival, and you’ll turn a normal everyday action into the perfect postmodern and globalized springtime event!

Bild

 

Früh-Jahr alias Spring!

Buschwindrößchen!

Buschwindrößchen!

Spatzen, die trotz türkischem Twitterverbot ihr Zwitschern zwecks Paaranbindung unbeeindruckt fortsetzen; Krähende Hähne, die schon morgends um 4 mutig der städtischen Ruhezeitenverordnung trotzen;  Jubilierende Amseln, deren Haupt-Lebenszweck die totalderbleckung des Nachbarskaters zu sein scheint…

Es ist Frühling, zarte Buschwindrößchenblüten schwanken heiter im Wind, klebrige Phallusknospen lauern an Kastanienbäumen und auf dem dreibeinigen Cafeehaustischchen steht passend zur Annektion der Krim die erste Russenhalbe!

Wären da nicht fleißige Nachbarn, die beim ersten Sonnenstrahl zum fröhlichen Frühlingssynchronsägen blasen, die dunkel dräuende Gefahr einer Schlechtwetterfront aus Nord-Nord-West würde mich nur perifer in meinen Überlegungen zum wissenschaftlichen Langzeitprojekt tangieren – kurz, es ist Frühjahr und das Leben ist einigermaßen perfekt…
(gerade habe ich über einen Doktoranden gelesen, der seit bald 50 Jahren promoviert, der war „zwischendurch“ aber auch noch Allgemeinmedizinier)

Á propos Medizin: Unsere Frühlingsgefühle werden trotz Mafiasonnenbrille nicht von frischerblühten Veilchenteppichen, sondern vom dazwischen verrottetenden Gras ausgelößt (Methylenschock ;-), fast wie damals beim Orakel von Delphi), aber was solls, Gefühle fragen ohnehin nicht nach dem woher und wohin, was gelegentliche Messaliancen erfolgreich und jedes Jahr auf’s neue bestätigen.

und ich frage mich, ob ich nicht im vorletzten Jahr, den gleichen Stuss zum gleichen Thema fabuliert habe – vermutlich schon, und das ist gut so, denn (frisch erfundene) Traditionen, oder wie es meine akademisch verbildeten amerikanischen Freunde ausdrücken „Roots & Heritage“ (kurz: HR) halten im potmodernen Kontinuum der Zweiten Moderne schließlich Welt & Seele zusammen!

Was wäre aus uns global dislozierten Maybes denn schon ohne das noch aus herrlichen Jungmädelzeiten stammende Eintopfrezept unserer Großmütter geworden? – Erbsen, Kartoffeln, Karotten, Nudeln und Leberkäs – bodenständig deutsch eben! Welches narzistische Wrack (alias Businessperson / Veganischer Gutmensch)  wären wir heute, ohne die weisen Ermahnungen des Grundschulreligionspädagogen, der uns dereinst in weihevollem Ernst schon in der Ersten Klasse darauf hinwies das „Mildtätigkeit der Anfang aller Liederlichkeit sei, und die Armen eh allesamt in die Hölle kämen, weil sie von GOTT verworfen worden seien?“ – gut, der Mann war prädestinativer Pietist (nicht zu verwechseln mit pädophilen Creationisten!), aber ganz unwahr ist die Sache ja nicht, und gelernt haben wir dabei immerhin auch was:

Nicht jede lächelnden Blondine, die nach Einbruch der Dunkelheit in Sanitäteruniform an der Tür um mildtätige Gaben bettelt ist eine angenehme Überraschung! – die heiligen Drei Könige langen vollauf!

Zurück zum Frühjahr! Ich habe Schneckenkorn gestreut und dem Wasserhahnen im Hof einen Messingschlauchanschluss verpasst! Vorbereitung ist alles – schließlich wollen wir das Gartenjahr nicht mit nagender „german angst“ vor Nacktschnecken und unvermittelt abbrechenden Plastikdruckventilen beginnen! Die gleiche „german angst“ trieb mich vermutlich auch dazu, kurz nach Aschermittwoch meinen begrünten Pseudo-Garten-Innenhof in einen handbemaltem plastikostereibewehrtem Frühlingstraum samt Osterbrunnen, Osterstrauch und Osterhecke umzudekorieren – Es wär ja schad drum, das ganze Zeug zu haben und es dann nicht maximalsemantisch-mehrwertschaffend einzusetzen. Ein Frühlingspräventivrundumschlag sozusagen, und außerdem: der Nachbar macht’s auch! – ich mein das Ostereiergehänge. Schneckenkorn braucht er nicht, sie haben Laufenten. Und überhaupt: was kann ich dafür, das Ostern dieses Jahr so spät ausfällt?

Fehlt nur noch der Frühjahrsputz – also der drinnen – nicht der draußen, schließlich haben wir wie jedes ordentliche Haus ‚Kerwoch‘! Vermutlich verschieb ich den aber auf Sommer, irgendwas muss man ja bei 30 Grad im Schatten machen.

Schönes Frühjahr noch,

ALexnikanor

The day’s aphorism 12 or : how to make a fortune…or to get rich…or to be an entrepreneur…or to do a businessplan

Businessplan

Businessplan

Businessplans are post-modern fairytales!

Home office

Home Office

Home Office

Home Office

(english version below)

Zwischen Schreibtischlampe und Lautsprecher steht eine kleine Vase mit frischen Narzissen, davor einige Souveniers vom letzten Strandurlaub und ein kleines Antikes nordindisches Messing Pferdchen. Dahinter hängen einige Postkarten aus Büttenpapier mit historischen Abbildungen von Charaktären aus der Comedia dell Arte. Meine Unterarme werden durch einen schmalen Streifen handgeknüpften Orientteppich vor den Unbilden der Tischkante geschützt und in einer kleinen Schale aus Muranoglas Mosaik sammeln sich USB-Sticks, Taschenmesser und Bleistiftspitzer.

Wo anders als im Home Office hätte man eine derartige Freiheit seinen Arbeitsplatz nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu dekorieren? Wo anders stören einen keine lästigen Kollegen, das Kreischen des firmeneigenen Vollkaffeeautomaten im Großraumbüro oder das nervtötende Geschwätz redseliger Kolleginnen, welche von den Hämorrhiden ihres Göttergatten oder den Verdauungsstörungen ihres Hundes erzählen?

Gerade habe ich auf der Onlinesite des Deutschlandfunks den neuesten Artikel zur Verbreitung der „Home office“-Arbeit gelesen. Offensichtlich sind wir Deutschen auch hier wieder einmal sehr speziell. Während diese Arbeitsform sich in anderen Industrieländern geradezu explosionsartig vermehrt, geht sie hier zurück. Waren es 2008 noch 5,5 Millionen die den Großteil ihres Arbeitslebens vor dem heimischen Computer verbrachten, arbeiteten 2012 nur noch 4,8 Millionen hauptsächlich in den eigenen Vier Wänden.

Gehen wir Deutschen also wieder lieber ins Büro? Fehlen uns etwa die morgendlichen Meetings und die persönliche Standpauke des Abteilungsleiters? Flüchten wir von der Einsamkeit unseres isolierten aber gemütlichen heimischen Arbeitsplatzes zürück ins sterile Großraumbüro, oder hat sich die ganze Sache schlichtweg als wesentlich weniger profitabel herausgestellt, als sich das die auf lean-management, Prozessoptimierung und Personalkostenreduktion getrimmten selbsternannten Wirtschaftsweisen gedacht haben? Ging etwa zu viel der schwer erworbenen „Teamleader“-Qualitäten auf dem langen Weg zwischen Firmenzentrale udn Home-Office verloren, erzeugte das permanente Losgelößtsein von der Sozialwelt der Arbeit doch bleibene psychische Schäden, reichte der jährliche gemeinsame Kletterausflug ins Hintertuxer Tal plötzlich nicht mehr um die erforderliche Identifikation mit der Firma zu gewährleisten, oder hat sich schlichtweg doch mal ein Datenschutzbeauftragter Gedanken über die Ausspähung von Firmengeheimnissen auf den fragilen Wegen des world wide web gemacht?

Ich trinke eine Tasse frisch gebrühten Espresso (aus der eigenen Maschine, mit dem eigenen Pulver der eigenen Lieblingsmarke und in der eigenen himmelblauen Designertasse!) und freue mich über mein ungebundenes Dasein. Volle Flexibilität, keine Rücksicht auf niemanden, die Freiheit meinen Lebens- und Arbeitsraum so zu gestalte wie ich will!

Draußen wird es langsam dunkel. Wie lange ich hier schon sitze, heute? 12, 13 Stunden vielleicht, keine Ahnung. Aus der Ferne höre ich den leisen Lärm einer Eckkneipe…Ich habe niemanden den ich dort treffen könnte… Mein Leben spielt sich in der kleinen, feinen Welt des Home Office ab.

Home Office

Between desk lamp and speaker stands  a small vase with fresh daffodils;  Before some souvenirs from the last beach holiday: a small ancient North Indian horse made from brass. On the wall behind some postcards from handmade paper with historical illustrations of characters from the Comedia dell Arte. My forearms are protected by a narrow strip of hand-knotted Oriental rug from the rigors of the table edges and in a small Murano glass bowl USB sticks , pocket knives and sharpeners are accumulating by magic.

Where else but in your very own cosy home office you’d have such an inspirating freedom to decorate your workplace according to your own most secret desires and needs ? Where otherwise you are so perfectly protected from annoying co-workers , the screech of the company’s full- automatic coffee machines or the annoying small talk of a talkative fellow , who’s telling you the newest news about the haemorrhoids of her divine husband or the indigestion of her dog ?

Obviously I’m not alone with my thoughts about the benefits of working at home. So I’ve just read on the online site of the “Deutschlandradio” the latest article about the spread  of home office work. Obviously, we Germans are here again very special. While this type of work is increasing almost explosively in almost all other industrialized countries, it decreases here. In 2008 it were  5.5 million Germans spending most of her working life at home,  in 2012 only 4.8 million mainly work in the own four walls.

Are the Germans again prefer to go to a ‘real’ office? Do we lack the morning meetings and personal dressing downs by the head of department ? Are we taking refuge from the loneliness of our isolated but cozy domestic workplace looping back into the sterile cubicle of a large office, or has the whole thing simply proven to be much less profitable than trimming-on-lean-management and  personnel-cost-reducing self-appointed economic experts did expect?

Did too many of l hard acquired „Team Leader “ qualities vanish on the long road between headquarters and home offices ? Does the permanent absence from the social world produced severe psychological damage ? Was joining the annual climbing trip to the Hintertux valley suddenly no longer enough to ensure the necessary identification with the company? Or made the NSA affair a data protection officer thinking about the outspying of company secrets on the long and fragile routes of the world wide web ?

I’m drinking a cup of freshly brewed espresso ( from my own machine, with my own powder of my own favorite brand and in my own sky blue designer cup! ). I am pleased with my unbound existence. Full flexibility , no regard for anyone , the freedom of decorating my living and working space as I want !

Outside it is getting dark. Late Evening…

How long I’ve been sitting here today? 12, maybe 13 hours , no idea…really not… From a distance, I hear the faint noise of a pub on the corner … I do not have anyone I could meet there … My life is played in the small , fine world of my cozy Home Office .