German Angst

Mich fröstelt!

Trotz „tropischer“ 31°C und mehr als nur ein wenig und vor allem am werten deutschen Adamsapfel.
Grunsätzlich solidarisch mit allem und jedem, verwandeln sich meine Zehen flugs zu Cocktaileisklumpen und ich dusseliger Nordbarbar folge meinem unbeherrschbar aecht-altgermanischem Sommergrippeabwehraktionismus in Form von isländischem Kratzewollschal und Eiderdaunendecken.

Und da wir Germanen für derartige national bedeutsame Katastrophenereignisse ein jahrelanges Briefing von der Bundesabwehrstelle für Katastrophen und sonstige Plagen hinter uns haben, folgen flugs noch Unmengen Vitamin C, die in solchen Fällen obligatorische Kunstpelzdecke und zwei Liter Pfefferminz-Kamillentee.

Zwei knappe Schwitzestunden später:

Die Desillusion:

Nix Grippe…noch nichtmal ein winzigkleiner grippaler Infekt…

Nur ein nicht gezogener USB-Ventilator gut getarnt im sommerlichen Jalousiendämmerlicht zwischen usbekischen Ikatvorhängen und australischem Haizahnarmband…

Aber welcher blondgelockter Germane sucht die Ursache seiner heißgeliebten Sommergrippe denn auch in seinen Writingdesk-Gadgets!

Blutige Straßenschilder – oder: Bastelstunde für „besorgte“ Helicoptereltern

Wer kennt sie nicht, die „besorgten“ Helicoptereltern, die hornissengleich und auf der nimmermüden Suche nach dem nächsten Sexualstraftäter um die selbstverständlich mit UV- und mobilfunkstrahlenabwehrenden Designersonnenbrillen aus fairem Handel bestückten Köpfchen von Klein Emma-Luise und Luca-Fynn schwirren.

Dass diese hochinvasive Spezies Mensch in ihrem, an fundamentalistische Gotteskrieger erinnernden, schrankenlosen Kampfeinsatz für’s eigene Kind,  Colateralschäden an der Nötigungsgrenze zur Geschmacklosigkeit billigend in Kauf nimmt, fällt aus wutbürgerlicher Akteursperspektive wohl unter den Sammelbegriff „Peanuts“.

Bei allen – trotz allem unermüdlich-elterlichen Einsatzes – „Nichtbetroffenen“ hingegen könnte, angesichts des unlängst am Bamberger Torschuster gesehenen, gekonnt mit weißem Kabelbinder am elterlichen Marterpfahl der Empörung befestigten, und in stundenlanger Handarbeit liebevollst eigenblutverzierten „Zusatzstraßenschilds“ zur Bamberger Tempo-30-Zone, denn doch der angelegentlich blasphemische Gedanke aufkommen, dass dieser höchst kreative Ausdruck elterlicher Alltagssorge, dann wohl doch ein „Besorgnis erregender“ Anlass für einen erkenntniserweiternden Ausflug zur einen Hügel weiter gelegenenen Neurologischen Ambulanz darstellen könnte…

Aber wie gesagt, diese der allüberall in Kindergärten, Schulen und Universitäten, und sogar in so renomierten Publikationen wie der Bildzeitung propagierten reinen elterlichen Besorgnislehre in höchst ketzerischer Weise wiedersprechenden Gedanken, sie können wirklich nur von einem vollkommen vom rechten Glauben abgefallenen „Nichtelternschaftsbetroffenen“ stammen…

Shocking sign

Betrachteter Alltag, oder: warum habe ich heute eigentlich noch keinen Aprilscherz gemacht?

AprilWarum ich heute noch niemanden in den April geschickt habe?

Ich könnte kurz antworten und sagen, ich mag einfach diese ganze „Scherznummer auf Kalenderbefehl“ nicht, genauso wenig wie den Valentins- oder Muttertag, Geburtstage oder andere Jubiläen…Schließlich legen wir sonst auch gesteigerten Wert darauf keine zahlengesteuerten Roboter zu sein – warum also irgendetwas machen, fühlen, schreiben oder denken nur weil ein bestimmter Tag ist?

Etwas reflektierter könnte ich mich fragen, warum ich dann trotzdem über das Thema „Aprilscherz“ am 1. April schreibe und antworten: weil ich mir ausrechnen kann, dass das Thema am 1. April die größte Reichweite besitzt und so der eine oder andere Wert in meiner Blog-Statistik steigt…Das mag zwar clever sein, aber ist auch reichlich trivial.

Eigentlich weiß ich garnicht so genau, weshalb ich mich jetzt nochmal hingesezt habe und wie wild in die Tasten drücke – vermutlich hat es auch etwas mit Vermeidungsverhalten und geistiger Ablenkung von wichtigerem / dringenderem zu tun – und der seltsamen Macht des hegemonialen Agendasettings durch soziale Netzwerk-Medien…Muss man jetzt nicht verstehen.

Also gut, 1. April, Aprilscherz, warum eigentlich…

Nun, wie bei vielen Konventionen weiß eigentlich auch bei dieser niemand, warum wir uns ausgerechnet an diesem Tag gegenseitig kollektiv verarschen. Vielleicht stimmt ja die Geschichte mit dem französischen König Karl IX. der im 16. Jahrhundert eines schönen Tages einfach den Jahresanfang vom 1. April auf den 1. Januar verschob und den Witzbolden die danach weiterhin stur zum Neujahrsfest am 1. April einluden, diejenigen, die diese Einladungen aber als echt ansahen als tumbe Trottel und Narren verspotteten? Hört sich weit hergeholt an? Nun, wir machen noch immer ganz ähnlichen Quatsch, nur dass wir heute etwas länger brauchen um zu merken welche Idioten wir, bzw. „die da oben“ denn sind…Man denke nur an das unselige Thema der Sommerzeit…

Vielleicht ist das „in den April schicken“ aber auch schon viel älter und hat mit dem altrömischen Fest der Quirinalien, einer Art antiker Karneval bei dem die Narren und Dummen gefeiert wurden (fragt mich jetzt bitte nicht warum) zu tun, der ursprünglich um den 17. Februar herum gefeiert, durch die Kalenderreform (hatten wir das grad nicht schonmal…) Papst Gregor XIII. aber um 13 Tage nach vorne auf den 1. April fiel. Stimmt das, dürften Fasching, Karneval und 1. April den gleichen Ahnherren zurückblicken.

Zwar ist die Redewendung „In den April schicken“ in Bayern schon im 16. Jahrhundert belegt, und auch „Aprilnarren“ kennt man schon kurz danach, was damit aber genau gemeint war bleibt unklar. Wirklich populär scheint der Brauch andere mit erfundenen Scherzen und Lügengeschichten am 1. April bewusst zu foppen erst im 18. und 19. Jahrhundert geworden zu sein. Mit Auswanderern ist er dann auch gleich in die USA übernommen worden.

Ach und noch eins…wenn ihr in Spanien oder Lateinamerika seid ist der Tag für einen Aprilscherz nicht der 1. April, sondern der 28. Dezember…warum weiß der Kuckuck (der vertauscht ja auch mal gern was…)…und damit: lasst euch bloß nicht einfallen wieder am Kalender herumzudeuteln, ihr werdet auch Jahrhunderte später noch als Narren im Gedächtnis bleiben 😉

 

When Vampires gleam in the Moonlight or Romance starts to get „Poetic“…

poetic is the new romantic

poetic is the new romantic

It is one of those super-cooled, Northern Europe Sunday evenings, when you know exactly that one’s favorite pub has closed, and you have no desire to continue working on the next earth-shattering volume of poetry / academic paper / art piece to the state of to self-abandonment.

Fridge’s empty, on the table some fading tulips. Since the neighbor cat instead of pats has spring fever in his head and therefore prefers to stay outside, you’ve no choice but to throw yourself in front of the TV and make your decision between a repetition of a documentary about „Hitler and the war“, Carnival in Hessen or a heavy dose of your favorite Soap – preferably American!

Since I’ve already had an as disturbing as onerous overdose of Dresden memorial culture this week, and also do have no desire for more staged slapstick from Kassel, and since I also do cultivate a quite healthy distrust of the Hitler-mania of some Anglo-Saxon documentary channels, my decision was quite clear:

Soap until I’d get sick of it!

Whether it was a wise decision?

Not really. Actually, I should indeed have been accustomed to, but, every time when American helicopter parents try to make their offspring the next Bill Gates during pre-school age via instilling complexes and phobias and rectify their behavior with dignity and respect, my hackles begin to bristle, and I realize how a almost holy wrath starts to get dominance over my guts.

And there they are: The young man, who is forced by his radical-feminist mother (of course, a single parent!) into a therapy for potential rapist during which he has apologize to every of his ex-girlfriends, just because he does not confuse sex with a promise of marriage. There is of cause the innocent teenage girl, who becomes pregnant because she has participated in sex education, which has led her to the path of sinful lust of the flesh. And of course there is no lack of suicidal gay teenagers, who are realizing that their sinful behavior leads them directly into hell and eternal damnation; Cured of their morbid aberration with the help of an exorcist / psychologist they manage to marry a Mormon, get 15 children and end their days in happiness and fear of God …

Admittedly, those examples are brushed on riot, but they are by no means fictitious and yes, they’re unfortunately ubiquitous – especially on German private TV- channels taking over greedily everything that’s hip and trendy in Hollywood since the 1980s.

Why do I instead not visit  one of the few remaining art cinemas, watching some winning film of any European “micro” film festival? Well, I do occasionally, but a) Going to the cinema is terribly costly in time; b) this week really there’s only very strange stuff running; and c) Last week, my projectionist / barceeper of confidence confused me with his enthusiasm about new „special gin offers“ with „special tonic“ for „special customers“ to an amount, that I do not want to have this very special experience repeated again (and yes, I am a non-hipster barbarian, satisfied with a simple sapphire – if in need even a Castelgy … the main thing is, that there’s some cucumber and CINNAMON in it! (or saffron!)) …

Besides … it just has a certain psychopathic charm to listen some teen vampires, while they’re creating brand new pce’s (politically correct expressions) not forgetting to glitter in the moonlight…

One of my latest discoveries in this field is next to the disturbing fact that American undead seem to be all wimps with anorexic evangelical girl-friends, is their peculiar attempt to replace the word „romantic“ with the word „poetic“.

I’m wondering if this “waistcoat pocket” (like we say in Germany) Casanovas alias Soap-Opera-Textwriters are sniffing glue too long, or had to repeat some classes and so got an overdose of „synonym & grammar“ tests…But maybe, It’s just a pc-thing I don’t understand…(may the word „romantic“ could be far to „sexual“ in some biblebelt states?…)

In my world man can may be predisposed poetically in mostly regrettable isolated cases, for example while conferring his romantic feelings for female, male, goat or icecream – but this relationship itself or the feeling associated with it can never ‘poetic’ themself, cause poetry (speech / language) can be poetic, maybe a peace of art (this would already mean to stretch the words original meaning extreamly, cause it’s cloesely connected with the word „poet“ and therefore refers some act of doing „poetry“)…but some sort of behaviour or feeling? Whether I can expect these kind of linguistic correctness of a media genre, whose core business is false pathos? Not really …

Es ist einer dieser unterkühlten, nordeuropäischen Sonntagabende, an denen man ganz genau weiß, dass die eigene Stammkneipe geschlossen hat und man auch keine Lust hat, bis zur Selbstaufgabe am nächsten weltbewegenden Gedichtband/wissenschaftlichen Aufsatz / Kunstwerk weiter zu arbeiten.

Der Kühlschrank ist leer, auf dem Tisch stehen einige vor sich hinwelkende Tulpen. Da auch der Nachbarskater statt Streicheleinheiten Frühlingsgefühle im Kopf hat und deshalb heute lieber draußen bleibt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich vor den Fernsehr zu werfen und eine Entscheidung zwischen der x. Wiederholung einer x-beliebigen Doku über „Hitler and the war“, Karneval in Hessen und einer – möglichst amerikanischen – Soap-Opera zu treffen.
Da ich diese Woche bereits eine ebenso verstörende, wie belastende Überdosis Dresden-Gedenkkultur intus habe, keinerlei Lust auf inszenierten kasselaner Klamauk verspüre und überdies ein gesundes Misstrauen gegenüber der Hitler-Manie mancher angelsächsischer Dokukanäle teile, lautete meine Entscheidung:

Soap satt!
Ob es eine weise Entscheidung war?
Nicht wirklich. Eigentlich sollte ich mich ja inzwischen daran gewöhnt haben, aber jedes mal, wenn amerikanische Helikoptereltern in ihrem Bemühen aus ihrem Nachwuchs den nächsten Bill Gates zu machen bereits im Vorschulalter damit beginnen ihren Kindern Komplexe und Phobien einimpfen und das dann auch noch mit Achtung und Respekt begründen, stehen mir noch immer die Nackenhaare zu berge und ich merke, wie mich ganz langsam ein nahezu heiliger Zorn überkommt. Da wird ein junger Mann von seiner feministischen Mutter (selbstverständlich alleinerziehend!) gezwungen sich einer Therapie für potentielle Vergewaltiger zu unterziehen an deren Ende er sich bei jeder einzelnen seiner Exfreundinnen zu entschuldigen hat, welch unverbesserliches Schwein er denn sei, nur weil er Sex nicht gleich mit einem Eheversprechen gleichsetzt. Da gibt es die anfangs unschuldige Teenagerin, die schwanger wird, weil sie am Sexualkundeunterricht teilgenommen hat, der sie erst auf den Pfad der sündigen Fleischeslust geführt hat. Und da fehlt natürlich auch nicht der suizidale schwule Teenager der erkennt, dass sein sündiges Verhalten ihn auf direktem Weg in Hölle und ewige Verdammniss führt und dem es mit Hilfe eines Exorzisten/Psychologen gelingt sich von seiner krankhaften Verirrung zu befreien, eine Mormonin zu heiraten, 15 Kinder zu bekommen und in Glück und Gottesfurcht seine Tage zu beschließen…
Zugegeben, die Beispiele sind auf Krawall gebürstet, aber sie sind keinesfalls fiktiv und leider Alltag – auch und gerade im deutschen Privatversehen, dass seit den 1980ern brav alles kopiert was in Hollywood gerade hip und angesagt ist.
Warum ich mich nicht stattdessen in eines der wenigen übrigebliebenen Programmkinos zurückziehe und mir den Gewinnerfilms eines beliebigen Europäischen Kleinstfilmfestivals ansehe? Nun, mach ich gelegentlich, aber a) geht Kino auf Dauer furchtbar ins Geld und b) läuft diese Woche wirklich nur sehr stranges Zeug und c) hat mich mein Filmvorführer/Barceeper des Vertrauens letzte Woche derart mit seiner Schwärmerei über den neuen „Spezial-Gin“ mit „Spezial-Tonic“ für „Spezial-Kunden“ verwirrt, dass ich mir dieses sehr spezielle Szene-Erlebnis heute nicht schon wieder antun muss (und ja, mir genügt auch ein Saphire und wenn’s sein muss sogar ein Castelgy…hauptsache mit etwas Gurke und ZIMT! (oder Safran!))…
Außerdem…es hat einfach einen gewissen psychopathischen Charme Teenievampiren dabei zuzuhören, wie sie permanent neue pce’s (political correct expressions) kreieren und dabei trotzdem nicht vergessen im Mondlicht zu glitzern…

Eine meiner neuesten Entdeckungen auf diesem Feld ist neben der vestörenden Tatsache, dass amerikanische Untote samt und sonders anämische Schlapppschwänze mit anorektisch-evangelikalen Freundinnen sind, der eigentümliche Versuch das Wort „romantisch“ durch „poetisch“ zu ersetzten.
Entweder der kleine Westentaschencasanova von Textwriter hat zu lange am Klebstoff geschnüffelt, oder aber er ist ein oder zweimal sitzengeblieben und hat zu viele der mehr als stupiden „Synonym&Grammar“ Tests amerikanischer Highschools absolviert.
Man(n) mag in meist bedauerlichen Einzellfällen dichterisch veranlagt sein, wenn man seinen romantischen Gefühlen für Frau, Mann, Ziege oder Eiscreme Ausdruck verleiht. Die Beziehung selbst oder das mit ihnen verbundene Gefühl ist niemals poetisch, da das Wort einerseits eng mit dem Begriff des „Poeten“ verbunden ist und seine Verwendung daher einen im weitesten Sinne dichterischen Akt erfordert, also allenfalls noch auf ein durch sich selbst „erzählerisches“ Kunstwerk angewendet werden könnte (das wäre aber schon das Ende der Fahnenstange), oder es sich bei der Wendung „poetisches Gefühl“ um eine klassische Tautologie bei der mit zwei Wörtern eigentlich das Gleiche gesagt wird, da einige des Griechischen nicht ganz mächtige Zeitgenossen im 15. Jahrhundert auf die Idee kamen, ein Dichter müsse stets auch besonders gefühlvoll sein…Ob ich derartige sprachliche Korrektheit von einem Mediengenre, dessen Kerngeschäft falscher Pathos ist erwarten kann? Eigentlich nicht…

 

Alltagsgeschichten oder: Von Monteuren und Thermen

Mensch und TechnikUnd wieder eine dieser kleinen, liebevollen Geschichten aus unserer allseits beliebten Rubrik:

Wie anthropomorphisiere ich meine Gastherme richtig oder: Die hohe Kunst des guten Zuredens!

Kommt der (fränkische, kaum dem Teenageralter entwachsene!) Heizungsmonteur um eine defekte Therme wieder in Gang zu bringen; Kriegt sie nach einer halben Stunde Telephonat mit dem Herstellerkundendienst und mit reichlich Schraubenziehereinsatz auch wieder zum laufen; Mockiert sich noch ein ganz klein wenig über den, denn doch etwas exzentrischen „Heißwasserbereitungsmodus“, stellt den Thermostat auf 30°, ermahnt die Kundschofft eindringlich, dass auch ja so zu lassen, auch wenn ich dann halt ein bissl schwitz; Betont auf Nachfrage, dass mit dem Gas garnichts passieren könnt, solang das Umschlagventil (?) passt; und meint dann ganz lakonisch zum Abschied: „Mai ich waas jetzt aa ned was sie hadd, sie is halt scho a bissl alt und dann kriegn’s eben ihre Fisematenten! Beobachdn’s se’s hald a bissl und reedn’s ihr gud zu…“

Ich werd deswegen vermutlich auch gleich noch eine Kerze bei den Karmeliten oder in der „Oberen“ aufstellen 😉

Juwelen der Reiseliteratur – Venedig

Ecke Dogenpalast/Marciana, ganz weit weg von Santa Marta...

Ecke Dogenpalast/Marciana, ganz weit weg von Santa Marta…

Ich weiß es ist nicht geradeeben leicht 300 oder mehr Seiten ohne gröbere Fehler, Wiederholungen und Plattheiten über an sich nicht besonders reizvolle Orte wie Venedig, Florenz oder Island zu schreiben. Und so ist dieses Hobby vielleicht ein ganz klein ein bisschen gehässig und bößartig, und man darf mir deshalb auch getrost vorwerfen, dass ich es erstmal besser machen soll… Aber es ist einfach zu herrlich  in Reiseführern zu schmöckern. Wie keine zweite Literaturgattung dürfen sich hier hier Plattitüden, falscher Pathos, wilder Aktionismus und höchst subjektive Ein- und Ausdrücke aneinanderreihen und bilden so den perfekten Jagdgrund für Stilblüten!

Beispiel gefällig?

„Weniger erfreulich ist ein Gang durch den sich westlich anschließenden Stadtteil Santa Marta, der zum größten Teil erst während des Faschismus mit ärmlichen Behausungen bebaut wurde. Die Außenmauern des Gefängnisses lassen erahnen, wie ungemütlich solche Etablissements in Italien sind. Die berühmte und renomierte Architektur-Fakultät der venezianischen Universität ist auch in diesem Viertel untergebracht.“

(Auszug aus: Weichmann, Birgitt: Venedig und die Lagune. 5. , neu bearb. und komplett akt. Aufl.. REISE-KNOW-HOW Verlag Peter Rump GmbH. Bielefeld 2009, S. 209.)

Ja, man weiß jetzt garnicht so recht, wer einem mehr leid tun soll, die armen Venedig-Touristen die sich in dieses schäbige Faschistenviertel verirrt haben, die Insassen des ungemütlichen italienischen Gefängnisses oder die Studenten und Dozenten der berühmten und renomierten venezianischen Architektur-Fakultät, die in einer so unerfreulichen Umgebung ihrer Arbeit nachgehen müssen…