Tageshaiku 36 _ keuchende Neonleberwürste

Durch geschlossene Jalousien: Jubelschreie!
Ich öffne die Tür und sehe keuchende Neonleberwürste.
Marathon in der Stadt.

Werbeanzeigen

Tageshaiku 15_Enten und Jogger

Zwei Eichen, ein Himmel und Schneeglöckchen.
Auf dem Teich drei sich jagende Enten, daneben ein Jogger.
Es ist wohl doch Frühling.

Der Ball ist rund und muss ins Eckige…

der Ball ist rundDa sitzen sie wieder, die wohlbeleibten Männer (und Frauen!) mit deutschlandfarben gestyltem Fokuhila und den obligatorischen Tennissocken zu braunen Salamandersandaletten essen Pressack und fachsimpeln schon zwei Tage vor der Direktübertragung über die spielerischen Finessen des angetäuschten Abseits und der „gegnergerechten“ Schwalbe, aber sie sind ein Auslaufmodell.
Der „echte Fußbalfan“ von Heute sitzt nicht mehr in der Eckbar, er geht noch nicht mal zum Public Viewing oder hortet- für alle Fälle- unterschiedlichste Nationalflaggen für den obligatorischen Autocorso danach.
Nein, der moderne Fan ist mindestens komplettdigitalisiert, studiert Spieler wie Spielstrategien im Netz, voted online und sitzt inklusive perfekt abgestimmtem Stereosurroundsoundsystem mit maximal 1 Bekannten auf einsamen Parkbänken, Brückengeländern und Cafeehauststühlen (von Thonet) und schreit in rhythmischen Abständen – zur allgemeinen Freude der aussterbenden Spezies  nichtdurchdigitalisierter Individuen – voller Begeisterung auf sein Smartphone oder den Tablett-PC ein.
Sicher, irgendwann erwischt auch mich garantiert noch der Fußbahlwahnsinn aber so ganz versteh ich nicht, was so toll daran sein soll, sich schwitzend mit hunderten anderen in praller Sonne stundenlang vor eine Leinwand zu hocken und darauf zu warten das 22 narzistische Spornosexuelle auf einen Ball eintreten…Ja, ja, jetzt kommt wieder der Satz ich sei noch immer im 19. Jahrhundert steckengeblieben und hätte mich nie von der „Fußlümmelei-Ideologie“ unseres guten Kaiser Willhelms (zwo, wenn ich nicht irre) distanziert. Ne, nicht wirklich, ich weiß nur nicht, warum ich für etwas Eintritt zahlen soll, bei dem ich genau weiß, dass ich am Ende heißer und taub bin und dazu noch einen Hitzschlag samt Sonnenbrand habe, von dem leicht schlechten Gewissen, dass mir die nationalistisch-dekadente Freude an einem geglückten deutschen „Gegenschlag“ angesichts der brassilianischen Favela Realität(en) auf den Mozarella-mit-Tomate-gefüllten Magen schlagen könnte

Vielleicht geht es ja mehr Leuten wie mir und vielleicht ist das ja der wahre Grund für den neuen Trend des „Smartphone-viewings“ – diskret, überall, auf Flat, im Schatten und- sofern man die Twitter- und Facebookoption abschaltet auch ohne jegliche Gefahr politisch korrektweisender Gutmenschen! Wenn das mal keine Argumente für die Komplettdigitalisierung des everyday fan life sind…nur etwas einsam, so ganz ohne Körperkontakt, Vuvuzela im Ohr und Bratwürstchenfett unter der Gürtellinie.

Euch allen eine schöne WM, hoffentlich ohne Sonnenstich und Trommelfellriss 😉

Von renitenten RamsauerianerInnen und anderen gesetzes(un-)treuen Bürgern.

„Sie sind wohl farbenblind!“

Wer kennt ihn nicht, den Ausruf wenig hilfreicher Mitmenschen meist fortgeschrittenen Altes, wenn man als Fahradfahrer gesetzeskonform (?) die rote Fußgängerampel (die ohne Fahradsymbol, und ohne dass eine andere Fahradampel daneben existiert) ignoriert und sich nach der grünen Fahrbahnampel (der großen runden für die Autos ;-)) richtet?

Aber haben wir nicht alle schon als Grundschulkinder im Verkehrssicherheitsunterricht gelernt, dass für Fahradfaher die Fußgängerampel gilt?

Richtig…aber seit dem 1.9.2012 stimmt das nicht mehr, alles ist anders, oder doch nicht?

Hm…

Wie so häufig im realen Leben kann man die Sache dank des gut-deutschen Überregelungswahns so und so sehen…

Fakt 1:

Mit Inkrafttreten der 46. Novellierung der Straßenverkehrsordnung am 1.9.2012 ist eine komplette Neuordnung  der Verkehrszeichengültigkeit für Radfahrer gültig geworden, derzufolge reine Fußgängerampeln (also jene ohne Fahradsymbol, oder einer 2. „Fahrradampel“ daneben) keine Gültigkeit mehr für Fahradfahrer haben, sondern die Signalfarbe der Ferkehrsampel (also der großen runden für Autos…;-)) gilt, und das egal ob ich auf der Fahrbahn oder einem wie auch immer gekennzeichneten Radweg (Es gibt eine Fahrradfurt und einen Fahrradweg, und einen gemeinsamen Fahrad- und Fußweg ,die Unterschiede sind aber dank der unterschiedlichen und alles andere als stringenten Markierungspraxis von Radwegen selbst für Fachleute manchmal äußerst schwierig zu erkennen…) radle…

Kurz, reine Fußgängerampeln haben mich als Radfahrer jenseits des Gebots zur gegenseitigen Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer nicht mehr zu interessieren

Doch langsam…Es gibt da noch Fakt 2.:

Dank eines kleinen Teufels namens „Zitierfehler“ ist Bundesverkehrsminister Ramsauer der Meinung es gelte bis zu einer etwaigen für 2015 angestrebten Neufassung der 46. Novellierung der STVO, nicht die 46. sondern  nach wie vor die alte 45. Novellierung, die vorschreibt dass reine Fußgängerampeln auch für Radfahrer gelten..Das Bundesjustitzministerium ist aber der Meinung, dass die 46. Novellierung rechtens ist und demnach seit 1.9.2012 auch gilt.

Und was sage ich jetzt der echauffierten Mitsechzigerin, die zwischen Austraße und Unterer Brücke (die ist übrigens KEINE Fußgängerzone!) anhält und einen lautstark auffordert dasselbe zu tun? Oder dem dabeistehenden Verkehrspolizisten in Zivil, der meint einen Bußgeldbescheid wegen Nichtbeachtens der Ampelanlage ausstellen zu müssen, weil er sich gemäß Verkehrsminister Ramsauer an die alte, angeblich noch gültige 45. Novellierung der STVO hält…

Die Welt der radfahrenden und radfahrerüberwachenden Menschheit ist gespalten in Ramsauerianer und Justitzministeriumsanhänger.

Rechtssicher Radfahren kann man eigentlich nur noch auf ampelfreien Feldwegen (die selbstredend zuerst für die Nutzung als Fahrweg zugelassen sein müssen, aber dass ist eine ganz andere Geschichte…) oder man lässt bis zum Inkrafttreten der  Neufassung der 46. Novellierung der STVO 2015 das Fahrrad stehen und mutiert evolutionär zurück zum homo pedes.

Für alle, die das Schlamassel genauer aufgedröselt gaben wollen noch ein kleiner, hilfreicher Link:

http://www.radverkehrspolitik.de/welche-ampel-gilt-fur-den-radverkehr/

Von Gartenlust und Unwettermeldungen – oder – warum meine Pflanzen eine Loggia haben.

Mein persönliches Hantelgewicht ;-)

Mein persönliches Hantelgewicht 😉

Ha, wie kann es schön denn sein, in dem kleinen Gärtelein…Keine Angst ich hör schon wieder auf zu reimen…

Wie immer hat das gestrige Unwetter Bamberg, die legendäre Stadt der Säufertürme, Kirchturmspitzen und 60.000 Blitzableiter mal wieder verschont. Ich schiebs ja auf den Steigerwald, der wie der Name schon sagt, die Wolken einfach über die Stadt weglupft, aber meine Nachbarin ist der festen Überzeugung, dass es dem legendären Schleier der Heiligen Kunigunde zu verdanken ist, dass Bamberg kein Wetter kennt. Irgendwer knipst Ende Mai Lichtschalter und Heizung an und stellt sie Ende September wieder aus, und wer sollte das außer der heiligen Kaiserin schon anderes sein – Petrus ist in Rom beschäftigt und die Vierzehn Nothelfer sitzen faul in Vierzehnheiligen rum…bleibt also nur die Gute alte Kunni – Sie bzw. ihr schicker Kopfputz schützen vor amerikanischen Bomben, Stechmücken, griesgrämigen Ehemännern, UV-Strahlen und allem anderen, was einer „Dame von Welt“ besser nicht vor die Augen kommen sollte. Regen, Sturm, Blitzschlag, Hagel? No Problem, Kunni und ihr Schleier bekommen das hin!

Von reformatorischem Eifer getrieben hab ich als ungläubiger Protestant natürlich so meine Probleme mit dieser Art archaischen Denkmustern und deshalb in original altdeutsch-preußischem-Angst²-Modus beim allerkleinsten  Vorabzeichen einer dunklen Wolke am vorschriftsmäßig weiß-blau zu seienden Himmel meine sämtlichen Kübelplfanzen/Balkonkastenschönheiten inklusive mundgeblasener Pseudo-Muranoglaskugeln wieder einmal brav vor dem bösen Gevatter Hagel, oder dem Bruder Wind, oder der Schwester Fallender Ast, der Mutter Ziegel, der Tante Katzen, dem Cousin Vogel, der Großtante Blattlaus, dem Schwippschwager saure Milch und der angeheirateten Erbtante verdorbener Hefeteig und allen anderen bei Gewittern drohenden Unbill-Verwandten unter das wärmende Dach meiner Ex-Wäschetrockenraum-Loggia in Sicherheit gebracht.

Dem nicht genug, wurde – meiner erzkatholisch-eichstädtisch-leicht superstitiös angehauchten Großmutter selig sei dank – auch gleich noch flugs und präventiv auch noch eine geweihte schwarzlilane Wetterkerze aus Walddürn angezündet und ein schmerzhafter Rosenkranz (der mit dem durchbohrten Herzen Mariens) gebetet. Dabei fällt mir ein: Es lebe die stets vorbildliche Vorab-Terrorismus-Bekämpfung des bayerischen Innenministeriums und ihre Voralpenhagelfliegerstaffel! Die sind nicht von denen, sondern vom Landkreis? Egal, ich schick ihnen trotzdem mal ein Paket von den Dingern…funktioniert wirklich!…Ich hôn ja âa bloos gmaant Barrack Hussein…ehrlich!

Bodybuilding und Yoga inklusive!

Ach ja…man hat’s einfach schwer als stetig engagierter Kulturwissenschaftler, der sich immer bemüht die Binnenexotik des Moments voll auszukosten…(Sorry, aber diese Portion lamoyanter Selbstironie musste jetzt einfach sein…)

Nach einer unter den Schlägen des Fahnenseils am Eisernen Mast bitterbang durchwachten Mitsommernacht, ging’s dann noch vor dem Frühstück (sic!) wieder raus. Schließlich sollten die armen Petunien nicht zu Nachtschattengewächsen verkommen – sind sie eh schon? Na egal…Nach nur zehn Minuten (Neuer Rekord!) sah alles wieder aus wie vorher (Ordnung muss sein, dass sagen wir hier auch den Austauschtouristen!), und ich? Ich war trotz eintreffender Kaltfront noch vor dem Frühmessläuten der Karmeliter stolz  bätschnass geschwitzt und reif für die zweite Dusche zu sein! Warum ich davor überhaupt im Bad war, hat vermutlich mit den ewig verkannten Italienischen bzw. Englischen Erbanlagen (Die Gene…bin ich heut wirklich so einfallslos?) in mir zu tun, die sich grundsätzlich nur in Tropenhelm und weißem Leinenanzug zum morgendlichen Schneckenabsammeln trauen…

Am Himmel sehe ich schon wieder kleine Schäfchenwolken…

und wir als gute deutsche Kleingartenbesitzer –

wir wissen, ja wir wissen ja, wie schnell aus –

schnell aus einer kleinen, harmlos blökenden Cumulus humilis,

so ein alleszestörend, garstig, blödes Sch…-Ding namens Cumulonimbus (capillatus) incus wird!

Oder inetwa nicht…nicht wenn, wenn nicht, dann jetzt…

drumm jetzt, ja jetzt ganz schnell, hinaus, hinaus…

hinaus und raus ist nun Herr Biedermann im Kittelschürz,

und holt die armen Pflanzen in die Kammer-Loggia,

Die Wetterkerze an?

Ne…

Scheiße verdammt und zack Zement…

Ein Zündholz fällt, ein andres bricht…der blaue Himmel leuchtet wieder…

und Kunigund und Gott und Bruder Zephir…

Aphrodite…allen, allen Dank!

Ich lächle, danke Odysseus und Arte für die Inspiration (freie Adaptionen antiker Dramen mit homoerotischen Einlagen und kulleraugenrollenden Bösewichten sind so CineCitta!)…und Dank auch meiner Großmutter selig, die so wunderbar gutkatholischeichstädtischsuperstitiös veranlagt war und diesen guten deutschen Angstfluch an mich weitergab (Per Lourdesstatuette auf dem Volksempfänger!).

Drumm mein Motto für Heute:

Keine Wetterwarnmeldungen mehr, der angekündigte Tornado und die 5 Zentimeter großen Hagelkörner sind einfach nix für süddeutsche Kübelpflanzen- und Balkongartenbesitzer/Präventivangsjunkeys! Und um jetzt flugs auch noch die Kontinuitätsthesenfraktion unter uns zufriedenzustellen, laut meinen auto-ero-epischen Selbstethnographien ist:

Die interdependent-rekursive Inkompatibilität von Gewittern mit Hagelschauern und fremdländischem Balkongewächs mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit kausal verantwortlich für das tief in der kollektiven Erinnerungskultur der Deutschen verwurzelte Unbehagen ihrer keltischen Vorfahren, dass der Himmel auf den frisch angepflanzten Salat fällt!

Buon Di und dass der Himmel dort bleibt, wo er hingehört!

Euer

Alexnikanor

PS: irgendwann schaff ich’s schon noch alle Kategorien in einem Artikel unterzubringen 😉

7. Türchen: Sport ist Mord…oder: …was Hyazinthengläser mit antiken Eifersuchtsdramen gemeinsam haben

Hyazinthenglas

Auch wenn die Forschung inzwischen bezweifelt, ob es wirklich die Hyazinthe war, die beim wohl bekanntesten Sportunfall der Antike aus dem Blut des dahinsiechenden Hyakinthos entstand, musst ich beim Aufstellen meiner diesjährigen Hyazinthengläser an diesen Mythos denken (ich hab ein bisschen gemogelt und mir das Anziehen mit Aluhütchen im Keller gespaart und fertige mit Blumenerde vom Marktgärtner gekauft).

Hyakinthos, Sohn des spartanischen Königs Amyklas erregte mit seiner Schönheit die Aufmerksamkeit von Zephyr, Gott des Westwindes.

Bedauerlicherweise fand auch Apollon Gefallen an dem feschen Jüngelchen und er und Hyakynthos beschlossen flugs gemeinsam ins Fitnesstudio (die sahen damals noch etwas anders aus und hießen Gymnasien, außerdem turnte man grundsätzlich nackt und ohne Mädchen!) zu gehen und dort dem ungehemmten Körperkult zu frönen.

Nach Lukian von Samosata (ca. 120-180/200 n. Chr.), Berufszyniker, Religionskritiker, Satiriker, Mit-Erfinder des Sience-Fiction-Romans und außerdem einer meiner antiken Lieblings-Autoren, wurde der gehörnte Zephyr daraufhin derart eifersüchtig, dass er einen von Apollon geschleuderten Diskos in der Luft durch einen Windstoß ablenkte und dieser den armen Hyakinthos derart unglücklich am Kopf traf, dass dieser – ganz getreu dem olympischen Sandbackförmchen-Prinzip: Wenn’s nicht meins ist, mach ich’s wenigstens kaputt, damit der andere auch nix davon hat! – prompt daran starb.

Besonders eindrucksvoll stellt die Szene ein 1752/53 entstandenes Gemälde von Gianbattista Tiepolo im Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid dar, dort wurde Hyakinthos nicht von dem damals etwas aus der Mode gekommenen Diskos, sondern – totally revamped – von einem topmodischen Tennisball getroffen! (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Giovanni_Battista_Tiepolo_-_The_Death_of_Hyacinth_-_WGA22345.jpg?uselang=de)

Und was lernen wir daraus?

Willst Du lange leben, vermeide Beziehungen mit Göttern und so lebensgefährliche Dinge wie Sport!