Risi e bisi

P1290711Risi e bisi auch „Risibisi“, auf deutsch „Reis mit Erbsen“ gehört als Klassiker untrennbar zur Küche Venedigs und wurde traditionsgemäß am 25. April, dem Namenstag des Heiligen Markus, Staats- und Schutzheiliger der Serenissima, dem Dogen als erster Gang serviert. Neben dem ungleich berühmteren Risotto alla Milanese gilt Risi e bisi daher als vornehmstes aller Reisgerichte und wird noch heute in und um Venedig gerne zum Festtag des Heiligen zubereitet. Gleichzeitig frisch und doch herzhaft markiert das Gericht darüber hinaus den endgültigen Beginn des Frühlings, der hier durch das noch lange Zeit kalte Wasser der Lagune und den häufigen Nebel manchmal etwas länger braucht als im Landesinneren – dafür dauert es im Herbst durch das dann warme Wasser auch länger bis es wieder richtig kalt wird…

 

Was ihr für eine Protion Risi e bisi für 4 Personen braucht:

1 mittelgroße Zwiebel, geschählt und fein gewiegt

1 Tasse Risottoreis (Vialone gilt hier als Klassiker, zur Not tut es aber auch ganz normaler Milchreis (der ist nicht nur billiger, sondern mit etwas Glück sogar besser als mancher teure Risotto-Reis)

150 gr Bauchspeck, fein gewürfelt

600 gr ganz junge Erbsen (wer will kann sich gerne mit frischen abplagen, ich empfehle hier allerdings ausdrücklich Tiefkühlwahre, die ist – wenn man die Erbsen nicht direkt vom Feld bekommt – qualitativ deutlich besser und sehr viel einfacher zuzubereiten).

80 gr Butter

4 Tassen Brühe (klassisch nimmt man die Brühe von den abgekochten Erbsenschoten, heute verwenden die meisten venezianischen Hausfrauen (und- männer!) aber ganz einfach Instantbrühe (da aber eher sehr schwache, da der Schinken bereits viel Salz mitbringt).

200-300 gr geriebener Parmesan (je nach Geschmack)

etwas gehackte Petersilie

Pfeffer zum abschmecken

Zubereitung:

Zwiebel- und Schinkenwürfel mit etwas Butter glasig anbraten. Risottoreis hinzugeben und ganz kurz mit anrösten (nicht zu lange!). Nach und Nach Wasser hinzugeben und unter ständigem rühren weiterkochen bis ein cremiges, aber noch bissfestes Risotto entsteht (Risi e bisi sollte etwas suppiger als normales Risotto sein). Kurz vor Kochende (Je nach Reissorte, ca. 30 Minuten) die tiefgekühlten Erbsen hinzugeben und nochmals alles aufkochen. Gericht vom Feuer nehmen und – je nach Geschmack die restliche Butter, den Parmesan und gehackte Petersilie unterrühren, mit Pfeffer abschmecken, ggf. nachsalzen.

Buon appetito!

 

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Espresso Marie Antoinette

Manchmal sind des die „kleinen Dinge im Leben“, die einen auf große (und manchmal auch nicht so große) Ideen bringen. In diesem Fall war’s die Nachfrage einer Studentin, die wissen wollte, wer denn da eigentlich auf der „Familienerbstücksbrosche“ abgebildet sei…und weil ich es dann viel zu langweilig fand, ihr einfach nur den Wikipedia-Link zu schicken, hab ich mir gedacht: Warum nicht gleich eine Kaffee-Creation nach der Dargestellten benennen? Schließlich hat ihre Frau Mama, unsere noch immer heißgeliebte Kaiserin Maria Theresia schon lange ihren „Maria-Theresia-Caffé“, warum also nicht auch die Tochter?

Ihr wisst immer noch nicht wen ich mein? Well, lasst es mich mal so versuchen: Sie war der unumschränkte Superstarstar ihrer Zeit, schön, reich und vielleicht auch ein ganz klein wenig naiv, und sie viel tief, als Herrscherin, als Mutter und nicht zuletzt auch als Mensch. Maria Antonia Josepha Johanna von Habsburg-Lothringen, Erzherzogin von  Österreich, Prinzessin von Ungarn, Böhmen und Toskana, spätere Dauphine und Königin von Frankreich und Navarra unter dem Namen Marie Antoinette.

Und sie war ein anerkannter Feinspitz, wie man in ihrer Heimat Wien anstatt „Gourmet“ oder „Leckermaul“ sagen würde. Keine noch so raffinierte Mehlspeise, kein noch so außergewöhnliches Getränk, dass sie und ihre Köche nicht um eine entscheidende Nuance bereichert hätten. Vielleicht hätte er ihr ja geschmeckt, der Espresso Macchiato mit Mandarinensirup, Zimt und Veilchenzucker, den ich mir heute morgen genehmigt habe. Auch wenn ich stark vermute, dass sie die Variante mit Schokolade bevorzugt hätte. Wenn ihr also wieder mal eine Brosche oder eine kleine Miniatur habt, bei der ihr nicht so ganz genau wisst, wer oder was drauf abgebildet ist: immer her damit…vielleicht fällt mir ja noch der eine oder andere Cocktail oder Longdrink ein 😉

Espresso Macchiato Marie Antoinette

Espresso Macchiato „Marie Antoinette“ 

Zutaten:

1 starker Espresso (wienerisch: kleiner Schwarzer)

1/2 Teel. Mandarinensirup

1 Eßl. Milchschaum

etwas Zimt und Veilchenzucker zum garnieren.

Zubereitung:

Mandarinensirup auf den Boden der Tasse oder des Espressoglases geben, mit Espresso auffüllen,    Milchschaum vorsichtig obenauf platzieren so dass ein weißer Punkt mit braunem Rand aus Créma entsteht, mit Zimt und Veilchenzucker garnieren und servieren!

 

 

Adventskalender 2014 – 14. Türchen – prejudices, or my perfect German christmas party in the middle of August!

Duftpomaden- Nelkenorange

Duftpomaden- Nelkenorange

Sometimes it’s true: prejudices do exist, to be confirmed!

But it’s also true that in quite a lot of cases, the pre-judged do everything to ensure that prejudices become true for the prejudicing ones, particularly, when they are profitable for the pre-judged!

One of those very precious and extremely profitable prejudices is the “German Christmas”!

Not only half of the world’s population seems to be absolutely convinced, the whole of Germany would mutate into a single giant Christmas market between October and March, no! – for some unexplainable reason my American, Chinese and Russian friends also are absolutely sure of the fact, that all Germans had nothing better to do, than drinking German mulled wine, eating German Lebkuchen – of coruse from the most German city Nuremberg – while carving incessantly Oberammergau crib figures wearing god-old German leather pants during this “holy time” of the year…

Well…I’ve tried to explain things are a bit more „complicated!… I’ve tried it…really!

To my big misfortune, we were visiting the beautiful German city of Bamberg…which unfortunately looks exactly like Disney would create a Christmas town…even in the middle of August. Things were as they had to come… my beloved multicultural Chrismas-seekers discovered the full-year Christmas paradise – a really awful shop, freshly imported from Rothenburg ob der Tauber!  Did I mention that it was the middle of August!

To make things short and worser: Any further attempt to explain that Christmas was not a quintessentially German invention with quintessentially German customs and quintesentially German “Gemütlichkeit“ was henceforth completely useless …

Instead, I grabbed my advent calendar from Aldi, took some gingerbread (foolishly, we visited Nuremberg too, there you can get gingerbread all arround the year, consequently I’ve must been wrong: Without any doubt, Germany is the land of eternal Christmas markets! damn!).

And then it happened … some idiot of touristshop-owner offered the ultimate beer mug: with a portrait of the Kaiser, an imperial eagle, good old Germany inscription (I’ver wondered why in Gods name there was no ; Für Gott, Kaiser, Reich und Vaterland-inscription!) , Santa Claus, some reindeers, Christmas market stalls, the “Chriskind-Rauschegoldengel” and of course the synonym of “real” German Christmas customs: a Christmas pickle! (I declared to “my” Americans for the 10,000st time that there is no such custom in Germany … they do not believe me! Of course not, if there’s a whole bunch of christmas pickles in the showcase!)

After this, I haven’t even tried to explain to my beloved Americans why Santa Claus isn’t the half-brother of the Christkind, or that reindeers belong to Norway and are a typical element of American folclore… I let them buy their goddamned pitcher “made in China”, and even drunk some “real” Franconian smoked beer from it (I’m drinking it exclusively when I’m forced to do so by friends on transit!).

At the end, I’ve managed to get some unripe oranges to show them how to make a genuine German Orange with cloves (those strange things, you already had to tinker in Kindergarten. Of course without a kindergarten aunt explaining that much less burning essential oils would get into your eyes, when you drill some holes into the orange with a with a small nail  first and then put the cloves in … may I’ve forgot to tell, that Oranges and cloves do not grew in germany and came to our country from Venice in the 15th or 16th century and therefore called „Duftpomaden“ or „Duftpommeranzen“ (scented oranges)…but my guests were Americans! I’m glad when they don’t mix Austria with Australia and – honestly said – for them everything that smells like German Chrismas must be genuinly German…It’s the same thing with socker, cars and beer…).

In short: I’ve done everything not to be the evil, deadly serious and oversophisticated German again… and I managed it! I’ve celebrated a perfect German Christmas, with Christmas baubles, a Christmas pickle, an Advent-Calendar and a genuinely German Orange with cloves in it! And I did all this in the middle of August, just to prove: Germany is Christmas genuine homeland!

Happy New Year!

Von der Nachhaltigkeit des „Reißens“, oder: Warum ich manchmal einfach meine eigenen Kaisersemmel machen muss…

Manchmal gibt es Tage da „reißt’s“ einen – will heißen, man macht etwas, das man eigentlich schon immer vorhatte, zu dem der eigene Schweinehund aber nie gekommen ist.

…und manchmal ist das auch ganz gut so mit dem Schwein und dem Hund!

„Reißen“ ist unberechenbar, eine Naturgewallt, wilde, sich Bahn brechende Kreativität gepaart mit dem, was man im Schwäbischen „Gluscht“ (hdt. Gelüst(e)). Das Ganze entspricht in etwa dem „Gelüst“ von Rapunzels Mutter nach Ackersalat. Man kann es nicht begründen – will es auch nicht – es ist einfach so. Vermutlich würde jetzt irgendein neudeutscher Marketingmensch daherkommen und sagen: das ist nichts anderes als Bedarfserweckung ohne Bedarf…Richtig, nur dass mein Bedarf, also mein Gluscht nicht von Außen, sondern von Innen erzeugt wird…vielleicht sollt ich doch mal mit nem Genetiger sprechen und nachfragen, ob das, ähnlich wie das „Kerwochen- und Genialitäts-Gen“ auch etwas seit undenklichen Vorzeiten im urschwäbischen Genom vorhandenes ist?

Kurz: Reißen kann alles sein: Unmengen für eine an sich vollkommen nutzlose altjapanische Teedose auszugeben, weil nur die zum ebenfalls sündteuren japanischen Schattentee in Pulverform passt, sich trotz geplündertem Konto einen Kashmirpulli gönnen – einfach nur, weil der so herrlich himmelblau war, 20 Kilometer von einer Fete zu Fuß heimzulaufen, weil man schon immer bei Vollmond  ungestört von Mountainbikern und fröhlichen Wandervogelgruppen nachts durch den dunklen Wald stapfen wollte, oder eben sich von einem blonden Jüngelchen in Muskelshirt, das offensichtlich noch nie etwas von der zivilisatorischen Erungenschaft der Desodorantien vernommen zu haben scheint,  die allerneueste, luftgepolsterte und vollergodynamische Errungenschaft (nein es gab sie nicht mit Laser-Blinker, jedenfalls nicht in meiner Größe!) in Sachen Running Shoes hat aufschwatzen lassen – und das nur, weil man sich aufgrund aufschießender Frühlingshormone einbildet im März traditionellerweise sein gesamtes jährliches Joggingtraining absolvieren zu müssen…

Manchmal kann Reißen aber auch sehr viel „nachhaltiger“ (nachhaltig ist das neue produktiv! – habe ich mir sagen lassen ;-)) sein:

– nicht das himmelblaue Kashmirpullover, antike japanische Teedosen und Vollmondnächte im Wald unbedingt nicht nachhaltig wären, sie sind sogar ungemein produktiv und heben das „Staatswohl“ aber…bei miefenden, blondgelockten Sportwarenfachverkäufern bin ich mir da nicht so sicher…

Kurz manchmal kombinieren sich Reißen und Glück – vor allem dann, wenn es (fast) umsonst ist – das nennt sich dann Kunst.

Beim letzten „Reißen“ kam ein neonfarbener Originalnachbau eines echt japanischen Krähennestes aus Drahtkleiderbügeln namens „Fokushima 1“) heraus – fehlt nur noch der Galerist, der mir das ganze für, sagen wir mal 50.000 € abkauft…

Musik ist auch so ein „Reißen“-Ding, wie an dem Tag, an dem ich nichts anderes machte als solange alle Klappen meiner frisch bei einem großen Onlineauktionshaus erstandenen Querflöte zu maltretieren (es gibt eine Menge davon und ich halte nichts von Grifftabellen…ehrlich!), bis ich – bzw. meine Hirn-Finger-Koordination das mit der zweiten überpfiffenen Oktav auch kapiert hatte – jedenfalls theoretisch…ich brauche ein neues Mundstück, das alte ist zu ungenau/ausgepfiffen…aber wie gesagt, das hätte ich NIE herausgefunden, wenn ich nicht einen gesamten Tag nur mit blasen und Tastendrücken verbracht hätte!

Manchmal reißt’s mich aber auch nur auszuprobieren, ob ich es nicht doch hinbekomme meine heißgeliebten Kaiserbrötchen selbst zu machen – mit oder ohne Schnerpfel war dabei relativ sekundär – und ja, der öffentlich rechtliche Rundfunk unserer österreichischen Mitbrüder mit seinen k&k-patriotisch-heimeligen Dokus im Sissi-Stil ist mal wieder schuld daran!

…und mal ehrlich, für’s erste mal sind sie garnicht so schlecht geworden, oder?

 

und für alle Deli-Fans hier noch kurz das Rezept:

1 Stück Hefe

300 gr Mehl

Salz

1 Teel. Brotgewürz (da nehmt ihr einfach das, das euch am Besten schmeckt, empfehle viel Koriander, Anis und einen Hauch Zimt, zusammen mit Kreuzkümmel und einer winzigen Prise Safran 😉 )

etwas warmes Wasser (das muss man ausprobieren, normalerweise langt 1/2 Glas, der Teig sollte am Ende nicht mehr kleben, aber auch nicht fest sein…)

1 Eßl. Zucker

2-3 Eßl. Öl

etwas Mehl zum Bestäuben

 

Mehl auf einer Platte oder in einer Schüssel zu einem kleinen Haufen formen, in die Mitte ein kleines Loch formen. Hefe und Zucker in eine Tasse geben, mit etwas warmem (nicht heißem!) Wasser zu einem Brei anrühren und in das Mehlloch geben. Von Außen etwas Mehl anhäufeln und 5 Minuten stehen lassen. Mehl mit gegangener Hefe, Öl, Salz und Gewürz zu einem glatten, nicht mehr klebenden, aber nicht festen Teig formen, mit einem sauberen Leintuch zugedeckt bei Zimmertemperatur (oder etwas darüber) ca. 1 – 1 1/2 Stunden gehen lassen. Nochmals mit etwas Mehl einstäuben und sanft durchkneten bis ein sehr leichter Hefeteig entstanden ist. Danach nochmals ca. 1/4-1/2 Stunde (hängt vom Mehl, der Hefe und vom Wetter ab, Gewittrige Tage sind absolut ungeeignet, weil der Teig da „nicht gehen will“) gehen lassen.

Ofen auf ca. 180°C vorheizen (ganz mutige probieren 150°C aus, dabei muss man aber drauf achten, dass die Brötchen nicht zu sehr aufgehen).

Danach kleine, ca. handballengroße Stücke abtrennen und vorsichtig zu kleinen Kugeln formen (nicht zu fest drücken, sonst werden die Brötchen hart wie Kruppstahl!).

Die Kugeln nochmals kurz gehen lassen.

…und jetzt wird’s etwas knifflig. Man „zipft“ mit Daumen und Zeigefinger eine kleine Ecke von der Teigkugel ab, zieht sie leicht nach außen und drückt sie dann wieder in die Mitte.

Das ganze macht man so lang rundherum (idealerweise 5-7 mal) bis ein rundes „Kaiserbrötchen“ entstanden ist. Ob man dabei den letzten „Zipfel“ = „Schnerpf“ auch nach Innen drückt, oder aber ihn als Zeichen eines echten handgemachten Kaiserbrötchens außen stehen lässt ist im wahrsten Sinne des Wortes Geschmackssache. Mit Schnerpf werden die Brötchen röscher, weil der Schnerpf beim Backen aufgrund seiner exponierten Lage und dünneren Konsistenz besonders „resch“ wird, ohne Schnerpf ist die Gefahr das etwas anbrennt allerdings wesentlich niedriger…

Fertige Brötchen auf ein Blech mit Backpapier legen (auf genügend Abstand achten, die Brötchen „verdoppeln“ sich beim Backen – jedenfalls wenn ihr bis hier hin alles richtig gemacht habt…) und ca. 20 Minuten goldbraun ausbacken (kann je nach Form und Schnerpf (den sollte man nur bei 150°C machen, da er sonst zu leicht anbrennt) ein paar Minuten mehr oder weniger dauern.

und dann…abkühlen lassen, auch wenn der Duft frischer Brötchen zu sofortigem Hineinbeißen einläd (das macht man exakt einmal, danach kann man sich für zwei Wochen nur noch von Eistee ernähren ;-))

Es lebe der Kaiser!

 

 

Kaisersemmel

Kaisersemmel

Von Herrgottsbscheißerlen und Raviolen oder: Versuch eines fast perfekten Karfreitagsessens

Raviolen mit Kräuter Avocado-Füllung an süßem Tomatensugo

Raviolen mit Kräuter Avocado-Füllung an süßem Tomatensugo

Raviolen mit Kräuter-Avocado-Füllung an süßem Tomatensugo – ein (fast) perfektes Karfreitagsgericht

Manchmal entstehen die besten Dinge, wenn man vergessen hat einzukaufen. Zugegeben, da kribbelte eine leichte Ahnung in meinem Hinterkopf, dass die Geschäfte am morgigen Karfreitag eventuell geschlossen haben würden, aber wie das Leben oder eben die seltsamen Tiefen meines Unterbewussten so spielen, habe ich diese Information schlichtweg ausgeblendet, bzw. mich in schlichtem Gottvertrauen darauf verlassen, dass sich wohl noch die eine oder andere Zutat in meiner Küche würde finden lassen um daraus irgendetwas essbares zu zaubern.

Well…

Als ich dann heute Mittag meine Regale durchforstete fand sich da nicht viel mehr, als ein paar Zwiebeln, eine halbe Knoblauchknolle, Eier, etwas Butter, Zucker, eine überreife aber noch nicht schimmlige Avocado (also genau in dem Zustand, wie man sie eigentlich immer essen sollte) und etwas Gries, dazu noch ein paar Gewürze…nicht eben viel um daraus ein halbwegs vernünftiges Essen zu zaubern…oder doch? Vermutlich würden sämtliche Köche und Köchinnen in den Hungergebieten dieser Welt ob eines derart verschwenderischen Überflusses in reinstes Frohlocken ausbrechen…aber ich bin eben Europäer und daher vielleicht ein ganz klein wenig verwöhnt was das Vorhandensein gewisser „unentbehrlicher Grundzutaten“ angeht…

Glücklicherweise verfüge ich hier noch über so etwas ähnliches wie einen begrünten Innenhof mit ein paar Töpfen in denen alle möglichen eigentlich absolut nicht zueinander passenden Kräuter still vor sich hinwuchern…Estragon, Ruccula, Schnittlauch, Thymian, Minze und Melisse…

Obwohl man ja an Karfreitag fasten soll (ich habe immerhin mein Frühstück zugunsten eines Milchkaffees ausfallen lassen…das langt!) meldete sich beim Gang durch den „Garten“ das wohlvertraute Grummeln von Herrn Hunger.

Was tun?

Erstmal in guter alter Jäger- und Sammlermanier alles einsammeln, was sich eventuell zu „Nahrung“ umwandeln lässt (prinzipiell hat sich daran seit gut drei Millionen Jahren nichts geändert, nur dass wir heute Supermärkte haben, die aber leider aufgrund nicht nachvollziehbarer tradiert-religiöser Empfindlichkeiten an Karfreitag eben geschlossen sind).

Gut denn…Mehl, Ei und Gries…ergibt Nudelteig, nicht ganz koscher für einen Fastentag, aber wozu haben die Schwaben das „Hergottsbscheißerle“ (schwäbisch für Maultasche oder Ravioli) schließlich erfunden.

Fehlt noch eine Füllung und eine Sauce…ähm Sugo…wenn wir schon den Herrgott austricksen dann italiensch mit Ravioln und die brauchen eine ordentliche Füllung, und wenn wir schon dabei sind, irgendetwas salattechnisches wäre auch nicht schlecht, wir leben schließlich im Zeitalter der Gesundheitsapostel:

Also Kräuter und Knoblauch kleingeschnippelt, die Hälfte der Avocado dazu und alles mit etwas Salz, Pfeffer und Muskat (der fand sich auch noch irgendwo) zu einer Farce verrührt.

Teig ausgerollt, Füllung plaziert und nach dem Motto „Wenn man sich schon mal die Fieselei macht…“ allerlei lustige Italienische Teigwaren geformt (dreieckige- runde- quadratische- Ravioli und sogar drei Tortelini (die nichts anderes sind als dreieckige Ravioli mit nem Knick und nem Knoten drinn…)) und ins heiße Wasser geworfen.

Solang das Ganze gemütlich vor sich hinköchelt, die Tomaten kleinschnibbeln, aus einer Hälfte mit etwas Butter (Gott sieht nicht alles ;-), zumindest meiner nicht!)m, Öl, Essig, Zucker und Berberitzen (die liegen bei mir in Erwartung des Jünsten Tages seltsamerweise immer irgendwo rum…) und einer feingeschnippelten Zwiebel sowie ein paar Gewürzen und einen wirklich winzigen Schluck Weißwein eine süße Sauce…ähm Sugo…gezaubert, flugs die andre Hälfte der Avocado mit den Tomaten und dem Rest der Zwiebelwürfel, etwas Salz, Essig, Öl, Kräutern und Liebe vermischt…und fertig ist das (fast) perfekte Karfreitagsessen!

 

Frohe Ostern!

The only true way of drinking espresso ;-)

Isn’t it wonderfull to smell the pure flavour of fresh roasted Espresso made from 100% arabica beans? Add a little carpet from Uzbekistan, and a japanese Art Deco cup, with delicate miniature paintings showing people celebrating the „Hanami“ festival, and you’ll turn a normal everyday action into the perfect postmodern and globalized springtime event!

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Kerwazeit = Krapfenzeit!

Knui- und Fenschdrkieachle, Auszogne, Schmalznudel, Langos, Hut-, Hochzeits- und Kerwakrapfen, Pfannkuchen, evangelische und katholische Kiachle…

Ob herzaft mit Schmand, Käse, Paprika und Knoblauchsauce, süß mit Vanillepudding, Rosinen, Puderzucker und Marillenmarmelade oder einfach pur – Auch wenn sich heute nicht mehr unbedingt am Durchmesser des goldgewandeten Kreises aus Hefeteig ableiten lässt ob die Schöpferin bzw. das dazu notwendige Knie katholisch oder evangelisch war (die breiten nach oben gewölbten sind die katholische, die eher schmalen, nach unten gewölbten die evangelischen) und man selbst im tiefsten Oberfranken statt gutgefetteter Frauenknie (daher der Name: Kniekiachle) ein Krapfenstock der entfernt an die dem indischen Gott Shiva geweihten Phallussymbole erinnert verwendet wird, was wären Kirchweih, Dult, Volksfest, Kerwa, Hochzeit, Taufe und Erntedank ohne die wulstigen Leckereien mit dem zartgoldenen schmelz von echtem Schweineschmalz und dem bibelseitendünnen Innenleben!

Eine fröhliche Kerwazeit und lasst’s Euch schmecken!

 

Und für alle, die noch nicht wissen wie man sie macht:

Man bereite je nach gewünschter Anzahl (1 Kilo Teig reicht ca. für 10-12 Kiachle, bei spaarsamen Schwaben auch für ein paar mehr 😉

einen sehr feinen Hefeteig mit etwas Butter zu, lasse diesen mit einem sauberen Küchentuch zugedeckt, sehr gut an einem warmen Ort ziehen (am besten über Nacht auf dem Kachelofen oder in einer sommerlichen Dachgeschosswohnung). Knete ihn anderntags nochmal kurz durch (nicht zu fest!), trenne ca. faustgroße (bei Männerhänden auch etwas kleiner) Portionen ab, forme diese vorsichtig in mit Schmalz vorgefetteten Händen zu Kugeln und lasse diese nochmals auf einem mit Mehl bestreuten Untergrund ca. 1/2 Stunden gehen.

Währenddessen in einem möglichst großen Küchentopf Schweineschmalz (nur im allerhöchsten Notfall tut’s auch ordinäres Speiseöl, aber der Geschmack ist dann ein absolut anderer!) auf ca. 170-180°C erhitzen (dauert ne ganze Weile, wer kein Thermometer hat, kann versuchsweise ein kleines Teigstück mit der Dicke des Kiachlesrandes in das heiße Fett tun, wenn es nach ca. 1 Minute goldgelb ist und innen nicht noch roh, stimmt die Temperatur)

Das Originalrezept für Knuikieachle sieht am Ende der Ruhezeit das Formen über gut gewaschenen, möglichst enthaarten und mit Schmalz gut eingefetteten Knien vor (ersatzweise genügt auch ein Krapfenstock, allerdings ist das Formen der Kiachle darauf deutlich schwieriger), ganz mutige können auch die Freihandvariante wählen, allerdings benötigt diese einiges an Übung. Ziel ist es, eine möglichst dünne und große Innenfläche mit einem kreisrunden, nicht allzu dicken Rand zu versehen, ohne dass die Kiachle reißen. (wer am Fett spaart hat’s schwerer!).

Die fertig Ausgezogenen Kiachle sofort ins heiße Fett geben und goldgelb ausbacken, dabei mit heißem Fett übergießen und nach ca. 3/4 der Zeit Wenden (die Unterseite braucht immer etwas länger) . Die fertig gebackenen Kiachle kurz auf Küchenkrepp abtropfen lassen und mit Zutaten der Wahl noch warm servieren!

PS: Die ersten Kiachle gehen grundsätzlich daneben! Kein Grund aufzugeben! Und mit etwas Geschick bekommt man ganz schnell auch den Dreh für Hutkrapfen, evangelische und katholische Heraus (den Spaß überlass ich aber Eurem Experimentiertalent!).

 

Hutkrapfen mit Puderzucker

Hutkrapfen mit Puderzucker, Seitenansicht

klassisches /r (halbkatholisches) Knuikiachle, Krapfen, Pfannkuchen, Kerwakrapfen, Langos etc. mit Puderzucker

 

Lemon Curd

Lemon Curd

Lemon Curd

Angenommen ihr wacht nach einer romantischen Sommernacht mit Freund oder Freundin auf, Euer Kühlschrank ist leer und in der ganzen verdammten WG finden sich außer ein bisschen Toast, etwas H-Milch und zwei Beuteln Earl Grey nur noch ein Klumpen Butter, drei Zitronen, etwas Zucker und vier Eier?

Und daraus soll jetzt ein herrliches englisches Frühstück werden und dann auch noch binnen 15 Minuten (Freund und Freundin schlafen schließlich nicht ewig!)

Keine Panik, das wird!

Ihr setzt in einem Topf etwas Wasser auf, nehmt euch bis es kocht die Zitronen, reibt die Schale ab, presst sie aus, gebt sie zusammen mit den Eiern, dem Zucker und der Butter (die kann man Notfalls sogar weglassen und für den Toast aufspaaren!) in eine kleine Metallschüssel (die sollte allerdings in den Topf mit dem heißen Wasser passen, ganz so einfach ist die Welt schließlich nicht!). Dann verrührt ihr das ganze im Wasserbad so lange (am besten mit einem Schneebesen, zur Not tut’s aber auch ein stinknormaler Löffel) bis es zu einer sämigen, leicht glasigen, zitronenfarbenen Masse wird (wenn es klumpt habt ihr leider etwas falsch gemacht…). Das ganze kurz in den Kühlschrank stellen, Toast toasten, Tee aufsetzten, alles enigermaßen hübsch drappieren, Freund oder Freundin wecken (man kann das ganze aber auch alleine essen!) und fertig ist euer original Englisches Frühstück mit Lemon Curd…

PS: Man kann den Curd inzwischen auch in Deutschland fertig kaufen, dann ist er aber abstrus teuer und auch nicht besser als der selbergemachte der sich – nebenbei gesagt – im Kühlschrank durchaus eine Woche hält…

Klassisch & sommerlich (fast) ;-)): Ossobucco mit Gremolata

Ossobucco mit Tagliolini und Gremolata

Ossobucco mit Tagliolini und Gremolata

Ich liebe Metzger, bei denen es noch (oder wieder) gut abgehangene und fachmännisch zerteilte Rinderfußscheiben gibt!

Wunderbares, rotes, zart durchwachsenes Muskelfleisch und in der Mitte ein weißes Knochenauge mit Mark!

Schon der Rohzustand ist verlockend.

Wenn man sich dann aber noch die Mühe macht, ein wenig Wurzelgemüse, Petersilie, Tomaten (wenn man gerade mal wieder nur die nichtsschmeckenden holländischen bekommt, spricht nördlich der Alpen absolut nichts dagegen die eingemachten aus der Dose zu nehmen) Lauch, Sellerie, Knoblauch, Zwiebeln und was immer der Garten sonst noch gearade hergiebt (wer mag darf gerne auch etwas Paprika, ein Paar Kartoffeln und Pastinaken reinschnibbeln, ich bin da nicht so puristisch) kleinzuschneiden, das Ganze mit etwas Rotwein, einem Hauch Zimt und 2 Nelken (ich weiß das ist auch nicht klassisch, aber es funktioniert!) in eine Reine (süddt. für Bratenform) zu geben, es 3-4 Stunden bei mäßiger Hitze schmoren zu lassen und es dann mit ein paar frisch abgekochten und mit Butter überlassenen Tagliolini und einer aus Zitronenzesten, Petersilie und Knoblauch gewiegten Gremolata (die gibt dem ganzen erst den richtigen, heiter-herzhaft südlichen Geschmack und balanciert das manchmal doch etwas schwere Schmoraroma des Fleisches perfekt aus) der erlebt das Paradies! Versprochen!

Leider gibt’s von der ganzen Herrlichkeit keine vegetarische Variante…Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass das ganze mit Sojafleischersatz auch nur annähernd funktioniert, bin aber gerne bereit dazu zu lernen!

PS: Das Knochenmark ist das beste daran…am besten man röstet es ganz vorsichtig (damit es nicht zerläuft) kurz vor dem servieren mit etwas Trüffelöl an…

Und für alle, die sich jetzt fragen, welchen Wein man zu einer derart herrlichen und gleichzeitig einfachen Speise trinkt…

Einen Italiener natürlich!

Gut passte der 2011 Cirò, ein herrlich schwerer, beeriger, leicht pfeffrig schmeckender und intensiv rubinrot schimmernder Gaglioppo von der Società Tenuta Iuzzolini in Cirò Marina der auch etwas schwerere und mit Knoblauch gewürzte Gerichte problemlos verträgt.

Buon Appetitò und viel Spaß beim Nachkochen!

PPS: Wer den Fehler im Bild findet bekommt ein etwas ausführlicheres Rezept!