Tageshaiku 57_Welt und Logik…

Im Garten die letzten Rosenblüten.
Im Netz explodiert, was wir sind.
Ist die Welt noch ein logischer Ort?

Advertisements

Beobachteter Alltag_Neulich am Osterbrunnen von Oberstadion…

Oberstadion, Osterbrunnen

Oberstadion, Osterbrunnen

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ Würde der gute alte Goethe seinen Osterspaziergang heute schreiben, er würde wohl weniger über die unbestrittenen Reize von Mutter Natur, sondern über die strömenden Massen pastellgetönter FrührentnerInnen auf Osterbrunnentour schreiben. Zwar weiß der informierte Geist längst, dass die neuerdings allüberall zur Osterzeit aus dem Boden schießenden grellbunten Gebilde, samt ihrer 10, 20 oder gar 30tausend „garantiert handgemalten Ostereier“ definitiv nichts, aber auch garnichts mit den seit Weinhold immer wieder gern zitierten, angeblichen „urgermanischen“ Quellen- und Fruchtbarkeitskulten zu tun haben, sondern der geschickten Marketingidee und dem Geschäftsgeist einiger oberfränkischer Gemeinden, welche kurz nach dem 1. Weltkrieg für ihren darniederliegenden „Fränkischen Schweiz Tourismus“ noch eine Attraktion für die besucherarme Frühjahrszeit brauchten, geschuldet sind – Aber mal ehrlich: welche oberschwäbische, fränkische, rheinländische, italienische oder friesische Landfrau mit „horror vacui-Symptomatik“ und akutem Putz- Schmuckbedürfniss will schon wissen, dass die nette Idee, den bei der missglückten Dorfkernerneuerung in den 1980ern in totschickem Vollsichtbeton ausgeführten „Gemeinschaftsbrunnen“ mit bunten Eiern und Thujagrün zu schmücken nichts anderes als eine sich parasitär ausbreitende Form des Touristenschröpfens ist?

Zugegeben, es gibt weitaus weniger kreative und pittureske Arten des Zeitvertreibs, und im besten Falle schafft der seit den 1990er Jahren europaweit ausgebrochene erbitterte Wettbewerb um den „größten, schönsten, buntesten, authentischsten, liebevollsten und einfach nur prächtigsten“ Osterbrunnen sogar etwas wie „Ästhetische Ersatzbefriedigung“ und „Scheingemeinschaft“ angesichts der tristen Alltagsrealität der längst zu menschenleeren, resopaltürverstärkten Toskana-Kopien mit Tempo-30-Zone verkommenen Vorstadtschlafgemeinden. Anders ausgedrückt: Den Leuten gefällts, Trachtenverein und Landfrauen finden nach der endgültigen Aufgabe des letzten Vollerwerbsbetriebs vor Ort eine neue Form der Daseinsberechtigung, die bereits ausgestorben geglaubte Gattung ländlich-naiver Kleinkunst erlebt einen neuen Besucherboom und auch die örtlichen Busunternehmer und Gastronomen sind glücklich ob der osterbrunnentourismusbedingt sprudenlden Einnahmen.

Dass es dabei gelegentlich zu weng österlich anmutenden Rangeleien um Routenverläufe, gezielte Vernichtungsattacken auf den festlich geschmückten Brunnen der Konkurrenzgemeinde und medialen Totalangriffen auf den ästhetischen Wert des je anderen kommt, dass in manchem „Osterbrunnenclub“ statt dörflicher Gemeinschaft längst kleinstdöftlicher Geltungswahn und Gitantismus Einzug gehalten haben, und dass so mancher Gemeinderat unter dem Vorwahnd drohender Osterbrunnenschändung nonchalant  27.000 Euro für die 24-h-Totalüberwachung  „ihres“ Osterbrunnens genehmigt, eine Osterbrunnensicherheitswacht ins Leben gerufen, und damit auch gleich auf elegante Weise das Problem der vorgeblich „die Dörfliche Idylle schädigenden komasaufenden Dorfjugend“ und angeblich „scharenweise einfallenden ortsfremden Klau-Romabanden“ angegangen zu haben glaubt, dass Hinterburgtrellingsfurth im letzten Jahr vielleicht doch noch einen größeren Osterbrunnen als wir hatten und somit unser Eintrag im Guinessbuch der kuriosen Dorfrekorde gebrochen wurde…Ja gottverdammt nocheinmal: Irgendwas muss man ja immer zu reden, zu tun und zu motzen haben, sonst wär das Leben ja nicht mehr lebenswert!

Und überhaupt: Der Osterbrunnenbesuch: Da wird possiert, fokussiert, schwadroniert, fabuliert, beurteilt, bekrittelt, bewundert und gleich noch gemütlich bei Kaffe und Kurchen munter über den Unterschied eines auf ein Wachtelei getuschten Vaterunsers zum mit Eisvögeln verzierten Straußenei debattiert. Für die oft abgelegenen und den Rest des Jahres von akuter Verödung bedrohten Kleinstgemeinden ist der österliche Besucherandrang ein Segen, für die aus dem aktiven Berufsleben und damit meist auch aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld ausgeschiedenen RentnerInnen ebenfalls „weil man halt mal wieder unter die Leut kommt“. Der Osterbrunnen als kombinierte Dorfrevitalisierung, Gewerbesteuersteigerung und Beschäftigungstherapie in einem eben…Wenn bei diesem hären Zweck schon mal eine jahrunderte Streuobstwiese oder ein baufälliges Schloss dem für genau 2 Wochen im Jahr genutzten, überdimmensionierten Reisebusparkplatz in Lochsteinoptik weichen muss. Hony sois qui mal y pense!
Und mal ehrlich, lieben wir nicht alle unser Jesusmosaik aus 12000 mundausgeblasenen und von den letzten Kindergartenkindern bemalten Wachteleiern, oder die aus je 13000 liebevoll mit Zweibelschalensud besprenkelten Bio-Freiland-Eiern zusammengesetzten Schafe, Hühner, Weltkugeln oder Schmucktorbögen? Quetschen wir uns nicht gerne durch überhitzte und vollkommen überfüllte Ostereiausstellungen, in denen wir mit politisch nicht ganz korrekten Massaiszenen bemalte Straußeneier als Remineszenz an die letzte Afrikasafari unserer 82-jährigen Nachbarin bestaunen können? Und genießen wir danach nicht alle die selbstgebackenen Käsekuchen der Landfrauen Hinterstreußlingen? und ja…planen wir nicht alle nach einem solchen Highlight für unsere eigene Dorfmitte, den eigenen Vorgarten oder auch nur das eigene kleine Zimmer im Altersheim unseren eigenen, noch schöneren, größeren und besseren Osterbrunnen?

Was würden wir denn mit unseren Sonntag-Nachmittagen anfangen, wenn nicht gnädige Reisebusunternehmer auf die Idee gekommen wären sämtliche 423 Osterbrunnen Nordostmittel und Unterfrankens in ihr Rund-um-Heizdecken-Sorglosprogram aufzunehmen? Und wo wäre die abendländische Kultur heute ohne mit Zahnarztbohrern gravierte Taubeneier mit eingebauter Spieluhr und Plastikmaus mit LED-beleuchteten Äuglein?

„A kleins bissle Kitsch isch’s ja scho, aber, s’isch hald au emmr wieadr sooooo scheee, ond erschd dui vieale Arbät die dô drinn schdeggd. Oifach schea halt, ônd dr Kuacha isch au guad dohanna!…“

Besser als diese Besucherin des Oberstadion’schen Osterbrunnens  kann man das Erlebnis „Osterbrunnen“ einfach nicht zusammenfassen – und dass dieser Osterbrunnenstandort geschickterweise neben Kafee und Kuchen gleich auch noch die Kombi-Karte für den Besuch der Ostereier- UND Krippenausstellung anbietet – Wenn man schon was macht, dann ordentlich – Stillstand bedeutet Rückschritt!

Some Schwäbisch_En dr Oschdrnachd

En dr OschdrnachdMa hoggad em Donklá, zmidschd en dr Meng. Vor ôim a glôine dôngla Krz, midd am komischa Blaschdigbächr, wo ônda a Loch hodd…S isch so schdill, dass ma a Gluaf z’Boda falla heara.

Däad, wenn dui alda Frau hendr ôim ed prmanend huaschdá miaßd (s’geid oifach emmr sodde, ônd I frôg me jeads Môl, warom soddiche schderbensgrange Leid sich mengisch no end Krch, ens Keano, ens Konzärd odr ens Kaffe schläbba mend…). Au irgadd a Allmachtswaidaag vom a Kend brabblad ond blärrad d’ganza Zeid vor sich ná. Ond au do frôg e me mengisch, warôm Eldra heidzudaag môinad Ihre offasichdlich boggiche ond vollkomma iabrnächdigde Kendr, dia liabr drhoim em Bedd iran hoiliga Schloof schlofa däadad, midd en Middrnachtsmäss schloifa mend…

Abbr mir sen en dr Krch, also semmr tolrand, säll moind dr Herr Jesus schliaßlich au. Jedenfalls der wendlwoichgwaschane vom Pfa`rr. Vom Hailigá Zôrá oddr Geddlichr Wuad hod där offasichdlich no garnix gherd…Godd light hald, damidd sich au jo koia vo de fromme Welfla em Schoofspelz aufreagd…

Dass Sällr dô oba edd emmr bloaß dr liabe abbr au au weng domme Laggl vo näabaa isch, dean ma gedroschd zom Narrá halda ka, sondrn au ganz andschd ka wennr denn widd ond an Gluaschdhodd; Dass R‘ oim meh als bloß oin mords Briagl zwischa d’Boi schmeißa ká, ohne dass ma räachd wissa däd warôm, säll said ma de Leid heid bessr nemme…

D‚Muadr vom Kend hodd ihran Jonas (jetzd wissa mr des au) endlich aus dr Krch gschaffd. Edd jeds Kennd isch a engl oddr auf Ritalean. Godd sei Dank edd! Sälls ganza scheana fromma Aidrachd war oifach nix fr da Gloina, z’langweilich! …Ond ehrlich…wenn e d’Miamich vom Pfarrr räachd deid, war selbschd eam säll kendlichs Katzág’schroi a weng vl dr Begaischdrich!

Drfir kommad izônd andre, a weng greaßre Kendr midd Krz rai. Z’Erschd schdandad se no a Weng em Donglá, noch hold ebbr d’Oschdrkrz aus dr Sagrischdei, ond’s wrd’s ganz häalenga häll. S’isch scho vrwondrlich, wia oim oi oinziga Krz en de Auga brenna ká, ond noch erschd hondrd odr dausad drvó! Wenn noch d’ganza K’rra leichdad ond d’Leid em Schai vo de Krzá grensad wia dr Baur wennr fr sai lamá Mähr‘ an ovrscheamd guada Preis gr’gd hodd – noch isch säll frisch azendads Krzalichd a ganz andrs Licht wia normal. Aagneamr, warm, faschd als hädd säll Lichd a Oigaleabá, ond wemma am Pfarr zuahorchad, hodd’s des ja au.

I hau s’Gligg auf ra behoizda Bangg zom hogga, oddr isch’s oifach bloß as zammahogga mid so vlle andre, des mr’s warm oms Hrz wärra lessd? I kempf midd de Dräana, warôm ka e ehrlichgsaid gared sa. Irgendwann ghods noch zr Komunijoo. Sisch komisch, en dr bloß vo Kärza ond a baar ganz nondrdemmde Gliahbirá en dr dongla Krch omanandrzomlaufa.

Schpäadr geids draußa no a Oschdrfeir. D‘ Leid wuaslad ommanandr alls häddad se ällesamd Moizgalr vrschluggd. Am am Dabezierdisch midd ra Babierserviett drauf gibds belegde Weggá, Kuachá, Hefezopf, frischá Kafffee ônd da ledschda Gilahwai vr des Jôhr- d’Nachdkälld lässd da Schnaufr Wolga vor am Gsichd machá. Älle om me rom lachad, schwäzad, träffad Leid, ond Kendr schpialad z’midschd en dr Nachd Fangrles ond machad drbei vor laudr Oschdriabrzwärch an Lärm, dass ma sich s‘ Gloggaleida grad hädd schbara kenna. I sälbr schdand bloß dô ônd grenz, graad asoo, als däad ebbr maine Mondwengl mid Fleiß nach Oba drugga.

Wär do ed dia Oschdrkärza en dr Hand, ma kheed moina s’sei noamôle Sld’väschdr.

I gang hoim, laad mr drvoor abbr no a baar Leid zôm Oschdrsuppaässa ai. S senn bloß a baar Meadr, abr mir mend no dean mordsschdeila Buggl nauf. En dära Nachd machdr mir ond de Andre abbr nix. S‘ schaind sich leichdr zôm laufa als sondschd.

Mir ässad Supp ônd d’erschde Oschdroir, drzua gaids Proseggo, Tea ônd au a biz Wassr – de andre meand schliaßlich no Hôim!

Drvor beh e abbr noml en da Hof, zwoi Dutzend Tealichdr ázendá. Au do widdrhold sich’s gleiche Wondr. Älls siagd so friadlich ond fraindlich aus, als däd dia Reed vom Oschdrfriadá daadsächlich schdemma…Mir wissad älle, dass es edd so isch, abbr fr dia nachd, demmr älla amôle, als g’hed dr Glauba ond d’Hoffnong taadsächlich Brg vrsetzá ônd d’Leid drzua brengá wrglich amôle bessr zôm wrrá…Vlleichd isch säll ja s’ächde Geheimnis vo Oschdrá…

Sisch iabrigens arg schbäad worra…halba viere war’s wo e ens Bedd khoa be, faschd hodd mr’s deichd als seig hendr de Krchtrmschbidza scho wiadr d‘ Sonn aufgangá.

Froe Oschdrá!

 

Betrachteter Alltag, oder: warum habe ich heute eigentlich noch keinen Aprilscherz gemacht?

AprilWarum ich heute noch niemanden in den April geschickt habe?

Ich könnte kurz antworten und sagen, ich mag einfach diese ganze „Scherznummer auf Kalenderbefehl“ nicht, genauso wenig wie den Valentins- oder Muttertag, Geburtstage oder andere Jubiläen…Schließlich legen wir sonst auch gesteigerten Wert darauf keine zahlengesteuerten Roboter zu sein – warum also irgendetwas machen, fühlen, schreiben oder denken nur weil ein bestimmter Tag ist?

Etwas reflektierter könnte ich mich fragen, warum ich dann trotzdem über das Thema „Aprilscherz“ am 1. April schreibe und antworten: weil ich mir ausrechnen kann, dass das Thema am 1. April die größte Reichweite besitzt und so der eine oder andere Wert in meiner Blog-Statistik steigt…Das mag zwar clever sein, aber ist auch reichlich trivial.

Eigentlich weiß ich garnicht so genau, weshalb ich mich jetzt nochmal hingesezt habe und wie wild in die Tasten drücke – vermutlich hat es auch etwas mit Vermeidungsverhalten und geistiger Ablenkung von wichtigerem / dringenderem zu tun – und der seltsamen Macht des hegemonialen Agendasettings durch soziale Netzwerk-Medien…Muss man jetzt nicht verstehen.

Also gut, 1. April, Aprilscherz, warum eigentlich…

Nun, wie bei vielen Konventionen weiß eigentlich auch bei dieser niemand, warum wir uns ausgerechnet an diesem Tag gegenseitig kollektiv verarschen. Vielleicht stimmt ja die Geschichte mit dem französischen König Karl IX. der im 16. Jahrhundert eines schönen Tages einfach den Jahresanfang vom 1. April auf den 1. Januar verschob und den Witzbolden die danach weiterhin stur zum Neujahrsfest am 1. April einluden, diejenigen, die diese Einladungen aber als echt ansahen als tumbe Trottel und Narren verspotteten? Hört sich weit hergeholt an? Nun, wir machen noch immer ganz ähnlichen Quatsch, nur dass wir heute etwas länger brauchen um zu merken welche Idioten wir, bzw. „die da oben“ denn sind…Man denke nur an das unselige Thema der Sommerzeit…

Vielleicht ist das „in den April schicken“ aber auch schon viel älter und hat mit dem altrömischen Fest der Quirinalien, einer Art antiker Karneval bei dem die Narren und Dummen gefeiert wurden (fragt mich jetzt bitte nicht warum) zu tun, der ursprünglich um den 17. Februar herum gefeiert, durch die Kalenderreform (hatten wir das grad nicht schonmal…) Papst Gregor XIII. aber um 13 Tage nach vorne auf den 1. April fiel. Stimmt das, dürften Fasching, Karneval und 1. April den gleichen Ahnherren zurückblicken.

Zwar ist die Redewendung „In den April schicken“ in Bayern schon im 16. Jahrhundert belegt, und auch „Aprilnarren“ kennt man schon kurz danach, was damit aber genau gemeint war bleibt unklar. Wirklich populär scheint der Brauch andere mit erfundenen Scherzen und Lügengeschichten am 1. April bewusst zu foppen erst im 18. und 19. Jahrhundert geworden zu sein. Mit Auswanderern ist er dann auch gleich in die USA übernommen worden.

Ach und noch eins…wenn ihr in Spanien oder Lateinamerika seid ist der Tag für einen Aprilscherz nicht der 1. April, sondern der 28. Dezember…warum weiß der Kuckuck (der vertauscht ja auch mal gern was…)…und damit: lasst euch bloß nicht einfallen wieder am Kalender herumzudeuteln, ihr werdet auch Jahrhunderte später noch als Narren im Gedächtnis bleiben 😉

 

Aus dem Archiv – Reise nach Kythera 11 – Von Zeus und El Greco (16.10.2013)

Zeus

Zeus

Und weil ich grade dabei bin – hier noch eine Kleinigkeit aus meinem „Kythera-Blog“ von 2013. Es geht um Zeus, El Greco, schwefelgelben Himmel und einen Schatz…Wer mehr wissen will:

http://wp.me/p2SJFH-ko

 

Aus dem Archiv: Reise nach Kythera 8 – Von Eisvögeln und Erdbeben (12.10.2013)

Talassa

Weil ich gerade wieder sehr viel an Griechenland und die Griechen denke – hier ein kleiner Auszug aus meinem „Feldforschungs-Blog“ von 2013:

Die Eisvögel sind wieder da!“ So hat es mir gestern morgen stolz und mit freudvollem Grinsen ein kleiner Junge verkündet als ich auf der Suche nach meinem Kugelschreiber auf der kleinen Mole des Fischerhafens von Diakofi umherirrte. Da „Eisvogel“ nicht zu meinem gängigen Griechischen Wortschatz gehört (der ist eher für so lebensnotwendige Dinge wie tanken, essen, Rechnungen, Entschuldigungen und Waschmittel reserviert ;-)) hab ich zuerst nicht verstanden was der kleine Dreikäsehoch von mir wollte.

Doch ein rascher Blick in Richtung der aufgeregt hin und herwedelnden Ärmchen machte sofort klar, was der Kleine mir mit glänzenden Augen versuchte zu erklären: Gleich zwei der schillernden Juwelen der Lüfte hatten sich – einfach so, und ohne sich um die etwas triste Umgebung zu kümmern – auf den weiß-rot gestrichenen Reelings der kleinen hölzernen Fischerboote niedergelassen und versuchten nun indem sie laut pfeifend hin und herflogen einige kleine Fische aus dem türkisfarbenen Wasser zu fischen.

Es brauchte wohl diesen optischen Schlüsselreiz um dann doch noch den entscheidenden „Klick“ in meinem klassisch gebildeten Hirn auszulösen. Genauer: wie (fast) immer in Griechenland gibt es selbstverständlich auch für das winterliche Auftauchen von Eisvögeln eine passende antike Sage: Ceyx Gemahl von Halcyone, Tochter des Windgottes Äolus, fuhr eines Tages über das winterliche Meer, um bei einem Orakel Rat zu suchen. Sein Schiff geriet in einen Sturm und sank – Ceyx und mit ihm alle seine Mitreisenden ertranken. Daraufhin erhielt Halcyone im Traum eine von den Göttern gesendete Botschaft von dem Unglück. Verzweifelt ob des Verlusts ihres Gatten stürzte sie sich ebenfalls in die Fluten. Die Götter, von der Treue Halcyones beeindruckt, verwandelten sie und ihren toten Gatten in Eisvögel und gewährten der Schiffahrt alljährlich im Winter vierzehn ruhige, windstille Tage, die sog. Halcyon-Tage. Diese spielen auch eine ganz besondere Rolle in Henry Purcells „The Enchanted Island„, und welche andere Insel könnte mit diesem Titel gemeint sein als…richtig Kythera“

Der Grund für diese windstillen Tage ist allerdings etwas kurios und spricht nicht unbedingt für die genaue Beobachtungsgabe antiker Ornithologen. Nicht der Schutz der Seefahrer lag den Göttern am Herzen (wie häufig bei den launischen Olympiern handelt es sich hierbei eher um einen angenehmen Nebeneffekt), nein, die gnädige Zurückhaltung des Windgottes Äolus gilt seiner in einen Eisvogel verwandelten Halcyone, welche zu dieser Zeit angeblich brütend auf ihrem schwimmenden Nest auf dem glatten Spiegel des Meeres sitzt…

Und hier beginnt das Problem: Entweder antike Eisvögel verhielten sich komplett anders als ihre modernen Nachfahren – diese brüten in aller Regel in selbstgegrabenen Höhlen an sandigen Steilufern und Geländeabbrüchen und haben so recht wenig von einer ruhigen See, oder aber die antiken Urheber der Sage haben schlichtweg Seeschwalben (die brüten tatsächlich in ruhigen Meereslagunen auf schwimmenden Flößen aus Grünpflanzen) und Eisvögel miteinander verwechselt bzw. zu einer Art vermischt – Lebensraum und Umrisse beider Arten sind recht ähnlich und beide fangen bekanntlich Fisch…Sicher ist nur, dass ich das griechische Wort „(H)Alcyon“ für Eisvogel so schnell nicht mehr vergessen werde…

Nicht genug damit, gegen Mittag riss der stärker werdende Zephir etliche Blüten von den Bouganveliennüschen und Hibiskussträuchern (wir haben hier immer noch Sommer!) und verteilte sie im kristallklaren Wasser der Bucht. Das Ganze sah aus, als hätte man in einem vernöstlichen Spa für Riesen eine gewaltige Badewanne voller türkis-rosa-weiß-rot gesprenkelten Ajurvedabadewasser mit „Exotikblütenbeilage“ vorbereitet. Und ja, ich hab Bücher, Bücher sein lassen, mir nicht den Photo (der wär eh vom aufgewirbelten Sand kaputt gegangen) sondern die vorsorglich mitgebrachten Badesachen geschnappt und bin  mit Eisvögeln, Silberreihern, Bussarden und Falken als Zuschauern durch die ganze buntgetupfte Bucht geschwommen!

Mitten drinn im romantischen Herumgeplantsche begann es dann oben in den Bergen um Agia Moni zu rumoren. Erst ganz leise, dann lauter, als würde eine ganze Ziegenherde auf einmal über eine der Geröllhalden laufen. Aber da waren keine Ziegen, nur kleinere und größere Felsbrocken die von den Hängen hinunter ins Tal kullerten. Normalerweise ist das hier nicht weiter der Rede wert, kleinere Felsstürze passierten hier quasi im Minutentakt. Was mich dann aber doch etwas beunruhigte, waren die besorgten Gesichtern der Fischer, denen anzumerken war das es diesmal wohl etwas ernsteres war. Leicht besorgt und schweren Herzens verließ ich also meine Privatbadewanne (ich hatte wirklich die gesamte Bucht von Diakofti für mich allein!) und hab am Strand nachgefragt was denn los sei. „Seismos“ Erdbeben, nicht besonders schlimm, aber man sollte sich wohl sicherheitshalber doch ein paar Meter den Hügel hinaufbewegen…Tzunami und so…

Gesagt getan, ich in den Badeklamotten durch den Ort, ab ins Auto und den Berg hochgefahren. Ob das wirklich eine Gute Idee war weiß ich im Nachhinein nicht so unbedingt; Ein Nachbeben auf der durch Felswände verlaufenden Straße von Diakofti zum Flughafen ist sicherlich kein Vergnügen…aber immer noch sicherer als eine Flutwelle unten in der Bucht…

Oben angekommen kam mir schon ein Baggerfahrer mit der Entwarnung entgegen. Es sei wirklich nicht so schlimm. Das Erdbeben habe vor Chan(d)ia – einer Stadt auf Kreta – ca. 80 Kilometer südöstlich von hier stattgefunden, Stärke 6,7. Auf Kythera gäb’s nur kleinere Schäden, keine Tzunamigefahr…

Dumm war blos, dass ich bei der ganzen Aufregung vergessen hatte, Sonnencreme und mein Hemd anzulegen! Resultat: Ein erdbebenverursachter Sonnenbrand! Mein vergessenes Hemd hab ich dann übrigens in der Bucht wiedergefunden, der Wind hatte es zwischenzeitlich über den Strand ins Wasser geweht…noch mehr Wäsche!

Die Fischer hatten sich erst garnicht vom Fleck bewegt. Ein Tzunami, so die einhellige Meinung, sehe anders aus…wie haben sie mir nicht verraten und ich glaub, sie haben sich insgeheim auch ein ganz klein wenig darüber gefreut, dass sie dem bleichen Touristen ein wenig Angst eingejagt hatten…jedenfalls lachten sie alle und fragten, warum ich denn so rot sei…

Zurück im Appartment war ich dann um drei echt Kytheranische Weißheiten reicher:

1) Traue keinem Riesen der Bouganvelienblüten in eine Mittelmeerbucht streut, er will spielen und macht dabei kleine Erdbeben! 😉

2) Ein Erdbeben ist noch lange kein Grund auf den Sonnenschutz zu verzichten!

3) Tzunamis sehen anders aus…wie weiß niemand so genau, da’s bisher vermutlich niemand der’s je gesehen hat weitersagen konnte…

Ein Blick in die Abendnachrichten belehrte mich dann übrigens, dass die Warnung der Fischer vielleicht doch nicht nur scherzhaft gemeint war. Auf dem nur 80 Kilometer entfernten Kreta hat das Erdbeben doch erhebliche Schäden angerichtet und wenn ich’s richtig verstanden habe hat’s auch Schwerverletze und eine, wenn auch sehr kleine Flutwelle gegeben.

PS: Noch etwas ist mir heute aufgefallen. Augenscheinlich verursacht nur Nordsturm (Boreas) Stromausfall. Zephir (Westwind)-Stürme sind zwar stärker (und unangenehmer, da sie heiß und sehr feucht sind, haben hier gerade gefühlte 35°C im Schatten) verursachen aber aus unerfindlichen Gründen keine blackouts. (jedenfalls noch nicht…).

Giassas!

„If live would be like opera“…

Sometimes you wonder why life can not be like the Overture to Hasse’s L‘Eroe Cinese… Even if this overture is missing one part (it has only two), and sounds like a balett,  together with the quite defiant and a bit bulky opening part of Handel’s Semele“ it belongs to to my favorites baroque musical pieces. Hilariously, maybe even a bit playful, phased sometimes in minor, but always with anundertone‘ that – unlike the overture of Handel’s Semele leaves no doubt that life is a pleasure!

It may sound crazy from today’s perspective but sometimes I wonder quite seriously, when we have actually forgotten how to think and act in terms of pleasure, sensuality, hatred, murder, manslaughter and unrestrained love and whether this development of mankind is the promised „good sense, which was promised us as dowry by the great Enlighteners for our departure from the scary ambivalent world of Baroque, in which science and superstition, hatred and love, reason and feeling, understanding and faith just not made those strictly separate spheres, as which we define them today.If I’m thenlost in thoughts – look to the news tickers and live circuits of my multimedia blessed environment, I‚m no longer sure if we are really on the way to the enlightened paradise, or are in the midst of a self-made hell in which we only with enourmous difficulties are maintaining the illusion that man is really that noble, good and wise being, as which we love to see him.

There are no means of hollow pathos, false nostalgia and utopia, that let me ask occasionally whether the ancien régime actually was such a much poorer place for that I appreciate the blessings of modern dentistry and fundamental human rights really too much! But I continue to ask myself every day more, what’s the price we pay for that? Not that I aim with my lament at the increasing restriction of these blessings by the pervasive ideology of unbridled neo-liberalism against the last remnants of what the welfare state once was, or the secret and not so secret general supervision in the united names of commerce and counter-terrorism at least for the moment I do not

.No,

what I was wondering about was the question, what has reasonableness“ done to our senses, feelings and sensations. Compared to our ancestors who drank, ate, played, had sex, plucked, believed and aligned quite openly, today we are miserable self-perfection trimmed perfectionist, vegan castrati with lactose- and glutenintollerance that hardly dare open their loved one to describe feelings, for fear they might hold for potential rapist or nymphomaniacs.O tempore o mores

On the other side: you have today at least most of us no more fear to be tapped

and eviscerated during night-time and in Europe (at least the part belonging to the European Union) four divisions, burning of witches and famines now seem to be somewhat out of fashion come. I formulate this in this way deliberately , since man are beings easily seduced, and given the nonchalance with which we’re tolerating such things in other, not so distant parts of the world, I’m not so sure whether most of us would actually stand still behind their values or rather would opt for their maximum possible profit. For the latter, it matters nothing if journalists are tortured, homosexuals are burned and women are reduced to sex slaves as long as their profit isn’t endangered No, we are not better than our ancestors, which Semiramis, Galatea and Alcina still drove tears in her eyes and Rogiero, Polyphemus or a aria of Bajazet still drove a flush of anger in the face. We are just more subtle (if we are more sublime is another question). Hiding our feelings and resentments, our hatred and our contempt, the everyday little mobbing and our deadly prejudices better behind a facade of bleeched appearence and openness, common sense and decency (oh how I hate this word!). Even our bodies are not spared from this „Bourgeois ideologyof self-optimization. We fear the roast pork, condemn alcohol and nicotine, and carry a constant battle with our baser instincts not to stop the daily fitness programm and what’s this all about? Because we want to be like the gods: durable, flexible, mobile, fit, beautiful, desirable, rich and powerful while we should all know that the gods are dead, and we have killed them, like Nietzsche wrote. Maybe this godlessness is precisely the problem yet.

In such a world neither Haendel’s „Ambition, I was never defeated“ (HWV 202) nor the warning of Cyrus before the limits of that „destructive war“ (HWV 61) has any real chance to be heared.

Maybe, no quite for sure, it’s this duplicity, this increasingly unbearable Charade in everyday life, the hybris of self-ability, self-improvement and merciless effciency even conquering the last parts of privateness, which makes so many peoole yearning for a supposedly better and happier times, even at the risk that one there – quite literally loses his head.

In harmless cases, those Disapointed seek refuge in Middle Ages Festival, knights tournaments, venetian carnival clubs, folklore groups and other reenactment activities. In less good cases they end up with racist brotherhoods, fascist patriot associations, AL Qaeda or the IS.

For my part I am content to live in aWunderkammer‘, occasionally spending an evening with an opera, dancing a minuet not too frequently, and then quickly return to the here and now knowing exactly what benefits it has to live in Germany in 2015. To be honest: there was only one Luis XIV and even he had to live with a more than pesky court ceremonial, bigoted idiots, horrible toothache, gout, and gangrene half of his life

Maybe we should all go into ourselfes at this Ash Wednesday and think very carefully about how we want to be our world, it might could happen that our desires become reality!

Behold in this mirror
Whence comes my surprise!
Search luster and terror
Unite in your eyes,
That mine can not fix on a radiance so bright,
‚Tis unsafe for the sense and too slipp’ry for sight.

(Excerpt from a libretto by Newburgh Hamilton for G.F. Haendel’s  drama in musica „Semele“

(first performance in 1744) Aria of Juno, Act 3, Second Scene)

Manchmal fragt man sich, warum das Leben nicht so sein kann, wie die Overture zu Hasses „L’Eroe Cinese“… Auch wenn dieser Overtüre eigentlich ein Satz  fehlt (sie hat nur zwei), und sie eher klingt wie eine Baletteinlage, gehört sie neben jener ganz und gar trotzigen Eröffnung von Haendels „Semele“ zu meinen barocken Favoriten. Vergnügt, vielleicht sogar ein bisschen verspielt, phasenweise auch mal in moll, aber immer mit einem Unterton, der – ganz anders als die Auftraktsätze von Haendels Semele – keinerlei Zweifel daran lassen, dass das Leben ein Genuss ist.

Es mag aus heutiger Sicht fast verrückt klingen – aber gelegentlich frage ich mich ganz ernsthaft, wann wir es  verlernt haben in Kategorien von Lust, Sinnlichkeit, Hass, Mord, Todschlag und hemmungsloser Liebe zu denken und zu handeln; und ob diese Entwicklung der Menschheit wirlich jene versprochene „Vernunft“ gebracht hat, welche uns die großen Aufklärer als Morgengabe – für unseren Abschied aus der beängstigend ambivalenten Welt des Barock in der Wissenschaft und Aberglaube, Hass und Liebe, Geist und Gefühl, Verstand und Glaube eben noch nicht jene strikt voneinander getrennten Sphären bildeten, als die wir sie heute allzu gerne betrachten – versprochen hatten.

Wenn ich dann gedankenverloren die Newsticker und Liveschaltungen meiner multi-mediagesegneten Umwelt Revue passieren lasse bin ich mir plötzlich garnicht mehr so sicher, ob wir wirklich auf dem Weg ins aufgeklärte Paradies sind, oder uns nicht vielmehr längst inmitten einer selbstgeschaffenen Hölle befinden, in der wir nur noch mühsam die Illusion aufrechterhalten, dass der Mensch wirklich jenes edle, gute und kluge Wesen ist, als das wir ihn alle so gerne sähen.

Es sind dabei keinesfalls hohler Pathos, falsche Nostalgie und Heileweltseligkeit, die mich gelegentlich fragen lassen, ob jenes ancien régime tatsächlich ein so viel schlechterer Ort gewesen ist – dazu schätze ich die Segnungen einer modernen Zahnmedizin und grundlegender Menschenrechte denn doch zu sehr. Doch frage ich mich mit jedem Tag mehr, welchen Preis wir dafür bezahlen. Nicht dass ich mit meinem Lamento auf die zunehmende Einschränkung dieser Segnungen durch die um sich greifende Ideologie des schrankenlosen Neo-Liberalismus gegen die letzten Reste des Wohlfahrtsstaates oder die allumfassende geheime und garnicht so gemeime Generalüberwachung im vereinten Namen des Kommerzes und der Terrorabwehr abziele…jedenfalls im Moment nicht.

Nein, ich frage mich, was die Göttin der „Vernunft“ (im Deutschen gerne und alles andere als zutreffend auch gesunder Menschenverstand genannt) unseren Sinnen, Gefühlen und Empfindungen angetan hat. Verglichen mit unseren Vorfahren, die ganz ungeniert soffen, fraßen, hurten, spielten, rauften, glaubten und fluchten, sind wir heute jämmerliche auf Perfektion und Selbstvervollkommnung getrimmte, vegane Kastraten mit Laktose- und Glutenintolleranz, die sich kaum mehr trauen einem geliebten Menschen offen ihre Empfindungen zu schildern, aus Angst man könnte sie für potentielle Vergewaltiger oder Nymphomaninen halten.

O tempore o mores…

Auf der anderen Seite: Man muss heute – zumindest meistens – keine Angst mehr haben zu nächtlicher Stunde abgestochen und ausgeweidet zu werden und zumindest in Europa (jedenfalls dem Teil, der zur Europäischen Union gehört) sind Vierteilungen, Hexenverbennungen und Hungersnöte inzwischen einigermaßen aus der Mode gekommen. Ich formuliere dies nun absichtlich so, da der Mensch ein mehr als verführbares Wesen ist, und ich mir Angesichts der Nonchalance mit der wir derartige Dinge in anderen, garnicht so weit entfernten Gegenden der Welt dulden, ja durch unsere Gier befördern, garnicht so sicher bin, ob die meisten von uns im Zweifelsfall  tatsächlich noch hinter den zugehörigen Werten stehen würden, oder sich nicht doch lieber für die maximalmögliche Profitmaximierung entschieden, bei der es auch nichts ausmacht, wenn Journalisten gefoltert, Homosexuelle verbrannt und Frauen zu Sexsklavinnen degradiert werden…

Nein, wir sind nicht besser als unsere Vorfahren, denen Semiramis, Galatea und Alcina noch die Tränen in die Augen trieben und denen ein Rogiero, Polyphem oder die Arie eines Bajazet noch die Zornesröte ins Antlitz trieb. Wir sind nur subtiler (ob wir sublimer sind, ist eine andere Frage), verstecken unsere Gefühle und Resentiments, unseren Hass und unsere Verachtung, die ganz alltäglichen kleinen Quälereien und unsere tödlichen Vorurteile nur besser hinter einer gebleeachten Fassade aus scheinbarer Aufgeschlossenheit, Vernunft und Wohlanständigkeit. Selbst unsere Körper sind von dieser „Biedermannideologie“ der Selbstoptimierung nicht verschont geblieben. Wir fürchten den Schweinebraten, verdammen den Alkohol und das Nikotin und führen einen permanenten Kampf mit dem uns vom täglichen Fitnesswahn abhaltenden inneren Schweinehund – und wofür das alles? Weil wir sein wollen wie die Götter: belastbar, flexibel, mobil, fit, schön, begehrenswert, reich und allmächtig…dabei sollten wir doch alle wissen, dass die Götter tot sind und wir sie selbst umgebracht haben (wie schon Nietzsche schrieb)…aber vielleicht ist diese Gottlosikeit ja gerade das Problem (auch dass wusste Nietzsche schon…).

 Da hat Händels „…Ehrgeiz hat mich nie besiegt“ (HWV 202) ebensowenig eine Chance auf Gehör, wie die Warnung des Cyrus vor den Grenzen jenes „zerstörerischen Krieges“…(HWV 61).

Vielelicht, nein ganz sicher, ist es ja diese Doppelzüngigkeit, diese von vielen als zunehmend unerträglich empfundene Charade des Alltags, die Hybris von der Allmachbarkeit, Selbstverbesserung und bis ins privaten übergreifenden Effzienz, die heute so viele dazu bringt sich nach vermeintlich besseren, glücklicheren, menschlicheren Zeiten zurückzusehnen, auch auf die Gefahr hin, dass man dabei – ganz wörtlich – seinen Kopf verliert.

Im harmlosen Fall landen die von der Welt wie sie ist Enttäuschten dann bei Mittelalterfestspielen, Rittertournieren, venezianischen Karnevalsvereinen, Trachtengruppen und anderen Reenactmentbespaßungen. Im weniger guten Fall landen sie bei rassistischen Bruderschaften, faschistischen Patriotenvereinigungen, AL Qaida oder dem IS.

Ich für meinen Teil begnüge mich damit in einer Wunderkammer zu leben, gelegentlich einen Abend mit der einen Oper zu verbringen, ganz selten auch ein Menuett zu tanzen um dann ganz schnell wieder im Hier und Jetzt anzukommen und ganz genau zu wissen: Es hat verdammt viele Vorteile im Deutschland des Jahres 2015 zu leben, denn sind wir nur einmal ehrlich: Es gab nur einen Luis XIV. und selbst der hatte es neben einem mehr als lästigen (selbst ausgedachten!) Hofzeremoniell, sein halbes Leben lang mit bigotten Idioten, grauenhaften Zahnschmerzen, Gicht und Wundbrand zu tun…

Vielleicht sollten wir alle am heutigen Aschermittwoch in uns gehen und uns ganz genau überlegen, wie wir uns unsere Welt wünschen, es könnte passieren, dass unsere Wünsche in Erfüllung gehn‘!

Behold in this mirror
Whence comes my surprise!
Such lustre and terror
Unite in your eyes,
That mine cannot fix on a radiance so bright,
‚Tis unsafe for the sense and too slipp’ry for sight.“

(Auszug aus dem Libretto von Newburgh Hamilton zu G.F. Händels 1744 uraufgeführtem Drama in musica „Semele“ Arie der Juno, 3. Akt, zweite Szene)

Are we all terrorists? – Überlegungen zum „guten“ und zum „schlechten“ Islam

IstanbulZugegeben, es war eine mehr als hitzige Debatte, die da am Abend nach den Pariser Anschlägen in einem Bamberger Traditionslokal um die Themen Islam, Muslime, Integration und Terrorismus geführt wurde.

Da waren die Scharfmacher. Jene die unbesehen und im Brustton der Überzeugung, den nur einige Saidla Bier verleihen, „den“ Islam mit Terrorismus und unmenschlicher Barbarei gleichsetzten und am liebsten gleich alle Muslime des Landes verweisen wollten. Wenn das schon bei den verweichlichten Politikern nicht durchzusetzen sei, sollten „die“ zumindest die Grenzkontrollen und die Vorratsdatenspeicherung wiedereinführen, und  am besten auch gleich sämtliche Ausländer und Scheinasylanten ausweisen.

Die sollen erstmal richtig Deutsch [Fränkisch?] lernen und ihrer verdammten Terroristen-Religion abschwören, bevor sie bei uns leben dürfen!“, „Es ist ein Skandal, dass „die“ bei uns frei rumlaufen dürfen!“, „Wen’s ihnan dô ned bôssd solln’s hôld wider zrück wo’s hing’hörn!“ – Ja die fränkische Volksseele kann mitunter sehr eindeutig in ihrer absoluten und totalen Verdammniß alles Andersarigen sein.

Da waren dann aber – Gott sei Dank – auch die nicht ganz so besoffenen, dummen und ignoranten. Jene die sich auch schon in den vergangenen Monaten und Jahren gegen die geistige Dumpfheit eines braunen Mobs eingesetzt haben, jene die sich in Projekten und Cooperationen für Flüchtlinge und Integration einsetzen, und jene, die einfach nicht einsehen können, dass ein Mensch nur deshalb besser als ein anderer sein soll, weil er und seine Vorfahren hier geboren sind, blonde Haare und blaue Augen hat. Doch sie waren an diesem Abend seltsam leise. Zu frisch und unfassbar war noch der Eindruck der Pariser Taten, zu rat- und fassungslos standen die meisten dem Ausmaß der für undenkbar gehaltenen Taten gegenüber…Bis dann doch jemand aufstand und zu der arischen Stammtischgruppe am Nachbartisch meinte:

Dann machen sie uns doch gleich alle zu Terroristen, weißen sie uns aus, und dann haben wir endlich alle unsere Ruhe, nur dass dann auch niemand mehr da ist, der ihnen die Drecksarbeit macht und ihre Rente finanziert!“

Ich kannte den Jungen Mann, er gehört zu meinem engeren Freundeskreis und ist eigentlich ein sehr liebenswürdiger, ruhiger, besonnener Kerl, den sonst nichts so leicht aus der Ruhe bringt.

Ob er Muslim, Christ, Jude, Buddhist oder garnichts ist, hatte mich bisher nie interessiert. Es war einfach nicht wichtig. Erst jetzt begann ich darüber nachzudenken – Ja, ich glaube er hatte irgendwann mal erzählt seine Eltern seien aus der Türkei. Mehr wusste ich nicht und es spielte auch keine Rolle. Ich mag ihn, und da ist es schließlich egal, woher jemand kommt, welche Religion er hat oder ob sein Nachname nun „deutsch“, „türkisch“ oder „hinteroberniederöstereischisch“ klingt.

Und jetzt saß er neben mir, vor Wut bebend und gleichzeitig eine Resignation ausstrahlend, die mir Angst machte.

Ich habe dann gezahlt und ihn gefragt, ob er vielleicht an einem etwas besser geeigneten Ort – möglichst weit weg von oberfränksischen Stammtischweißheiten und rauchbierbenebelten Möchte-Gern-Welterklärern – mit mir noch einen Absacker, Tee oder Caffee trinken mag.

Er entschied sich für Tee, und ich mich für den nächstgelegenen Dönerladen.

Da saßen wir nun, einen Abend nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo und der Geißelnahme im koscheren Supermarkt. Wir saßen auf Plastikstühlen, über uns das nervöse Flackern des Neonlichts. Im Fernsehen lief eine türkische Soapopera, deren hauptsächlicher Handlungsstrang aus herzzereißenden Heimatballaden bestand. Eigentlich hatten wir keine Lust zu reden. Es passte einfach nicht und wir fanden außer ein paar nichtssagenden Floskeln an diesem Abend einfach keinen Draht mehr zueinander. Keiner von uns wollte den Anderen verletzen, ihm zu Nahe treten, vielleicht genau auf die Tretmine treten, die die Pariser Anschläge gerade freigelegt hatten. Da war er plötzlich, der interkulturelle Graben. Niemand von uns beiden wollte ihn, aber er war da: Groß, schweigsam, dunkel und bedrohlich.

Erst als einer der Dönerverkäufer uns Tee machte – sehr starken und süßen Tee – und fragte, ob wir vielleicht etwas Bakhlava dazu wollten – es gehe alles auf’s Haus, wie wir aussähen, könnten wir’s brauchen…fanden wir unsere Sprache wieder.

Manchmal sind Dönerfachverkäufer einfach die besseren Psychologen….

Wir beide wussten plötzlich einfach, dass, wenn wir dieses Gespräch, dass weit über den sonst üblichen freundschaftlichen Smaltalk hinausgehen würde, wirklich führen wollten, wir uns gegenseitig etwas genauer erzählen mussten, wer wir waren und woher wir kommen, aber auch, was wir dachten, fürchteten, was uns verletzte, worüber wir uns freuten, was uns grenzenlos aufregte und wo die Grenzen unserer Toleranz lagen.

Bassam – eigentlich nenen wir ihn im Freundeskreis nur schlicht „Baas“, was mich immer ein wenig an eine Mischung aus dem englischen „boss“ und der schwäbische Bezeichnung für „Cousine“ erinnert – hat mir dann erzählt, dass er mit seinen Eltern als Kleinkind aus der Osttürkei nach Deutschland gekommen war. Seine Eltern seien syrische Alewiten, die es trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – geschafft hatten, schon vor Jahrzehnten mit dem Assadregime Ärger zu bekommen und erst in die Osttürkei, und als sie dort auch nicht mehr sicher waren – Alewiten sind in der Türkei nicht eben beliebt, sie sind den anderen Muslimen zu „liberal“, „westlich“ und „aufgeklärt“, ja gelten häufig noch nichteinmal als „echte“ Muslime – nach Deutschland geflohen waren. Sie hatten Glück gehabt, bekamen erst eine Duldung, dann Asyl. Irgendwann hätten sie sich dann für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Alles nicht einfach, weil weder die Türkei noch Syrien die nötigen Papiere ausstellen wollten.

Weist Du, für mich war Religion eigentlich nie ein Thema. Meine Eltern haben es mir überlassen was ich daraus mache. Das heißt nicht, dass ich nichts darüber weiß, aber mir waren die Menschen immer wichtiger – vielleicht bedeutet es ja das, Alewit zu sein…für uns steckt in jedem Menschen etwas göttliches, und wir haben kein Recht uns an diesem göttlichen zu vergreifen. […] Auf der anderen Seite fühle ich mich auch als Muslim, aber eben nicht so, wie das die meisten Muslime das Muslim sein hier definieren.“

Ich nickte. Anders als den meisten Deutschen hatte ich das Glück von klein auf muslimische Freunde zu haben und viel Zeit in muslimisch geprägten Ländern zu verbringen, daher war mir längst klar, dass es „den“ Islam so nicht gibt.Wie immer, wenn es um Religion geht, gibt es hunderte miteinander konkurrierende Auslegungen, Überlieferungen, Spielarten, Praktiken, Gruppen. Und wie immer gibt es auch die, die diese Vielfalt im Namen des eigenen Machtstrebens leugnen und den einen, einzigen, wahren, fundamentalistischen und alternativlosen Islam propagieren. Hier und der Islamischen Welt…

„Weißst Du, das Problem ist, dass die meisten Leute die sich Muslime nenen, gar keine Ahnung haben, was das wirklich heißt. Sie haben irgendwann ein paar Suren auf arabisch auswendig gelernt, aber sie haben es nie verstanden – wie auch, die meisten hier können gar kein Arabisch, sondern sind Türken oder Kurden, wie sollen sie denn da überhaupt verstehen, was ihre Religion ist und das vieles von dem, was als Verhaltensregeln und angeblichen Aussprüchen Mohammeds garnicht im Koran steht, sondern einer zweifelhaften Überlieferung entspricht? […] Es ist ein bisschen so, wie früher bei den Katholiken – die konnten die Bibel auch nicht lesen, weil sie auf Latein war, und in der Kirche haben sie auch nix kapiert, weil da auch das meiste auf Latein gebetet wurde […] So ähnlich ist das auch hier in den Moscheen, der Imam sagt wo’s lang geht, jeder glaubt ihm, und kommt garnicht auf die Idee darüber nachzudenken ob der Imam sich eventuell irren könnte. Das schlimme daran ist, dass diese Imame meist nicht von hier kommen, sondern ein Bild vom Islam verbreiten wie es vielleicht irgendwo in einem Dorf in Ostanatolien oder einer erzkonservativen Medressa in Ägypten gelehrt wird. Einen modernen, aufgeklärten und westlichen Islam gibt es hier einfach so gut wie nicht“

Bassam hatte recht: Einen echten Diskurs um Glaubensinhalte und eine ernsthafte historische Auseinandersetzung mit dem Islam gibt es in Deutschen Moscheen ebensowenig, wie eine echte Emanzipation der meisten Deutschen Muslime von den religiösen und politischen Vorgaben ihrer Heimatländer…wie auch…Bassam hatte denselben Gedanken…

„Daran seid ihr aber auch selbst schuld. Ihr Deutschen ja. Ihr habt es Euch bequem gemacht und einfach zugelassen, dass die islamischen Geistlichen von Organisationen aus dem Aussland geschickt werden. So können sich die Leute hier garnicht integrieren, weil sie nie gelernt haben, dass Religion etwas ist, was man hinterfragen und selbst begreifen muss. Die meisten Muslime hier sind wie Schafe, die willig nachbeten, was ihnen irgendwelche Hinterwäldler aus der Türkei oder dem Iran vorbeten. Nein, schlimmer noch, sie haben so wenig Ahnung vom Islam, dass sie sogar auf Salafisten und anderen Mist hereinfallen!“

Ich schluckte und begriff, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt war, um Bassam nun meine Geschichte zu erzählen. Stattdessen blieb ich still und hörte weiter zu.

Und weißt Du was wirklich nervt? Die Leute hier, die setzen mich einfach mit genau diesen Leuten gleich, nur weil ich vielleicht nicht blond und blauäugig bin und nur weil mein Name nicht ganz reinrassig „Deutsch“ klingt…Für sie bin ich einfach der dumme Türke der einer menschenverachtenden Religion angehört, seine Freundin prügelt und den nächsten Terroranschlag plant. Hast Du irgendeine Ahnung, wie oft ich mich deshalb schon hab rechtfertigen müssen? Wie oft ich schon von irgendwelchen Bereitschaftspolizistlern nach meinen Personalien und einem Visum gefragt wurde, und welch saublöde Kommentare ich mir dann von denen hab anhören dürfen als ich meinen Deutschen Perso aus dem Geldbeutel gezogen habe? Die kapieren einfach nicht, dass das hier genauso meine Heimat ist, wie ihre…Und sie haben keine Ahnung davon, was im Nahen Osten abgeht, und dass es „den Islam“ in Wirklichkeit garnicht gibt…es gibt da so viele Dinge, so viele Gruppen und Untergruppen, so viel gegenseitigen Hass und Gewalt… Hast Du eine Ahnung davon, dass mein Vater in Syrien im Knast gefoltert wurde, weil er nicht zu allem Ja und Amen gesagt hat als der Alte Assad 1982 die Muslimbrüder in Hama bombardieren ließ, dass wir dann in die Türkei geflogen sind und dass meine Mutter dort von mehreren Polizisten vergewaltigt wurde, nur weil sie Alewitin ist? Weißt Du, dass die genau gleichen Muslimbrüder für die sich mein Vater damals eingesetzt hat, jetzt bei der IS kämpfen und meine Verwandten in Syrien abschlachten? Nein…das wissen die Leute hier alles nicht und es interessiert sie auch nicht…für sie bin ich nur der muslimische Terrorist, der ihnen ihre Arbeitsplätze wegnimmt, ihre Töchter vergewaltigt und die Scharia einführen will.

Bassam „der Lächelnde“ lächelte an diesem Abend nicht. Er war sauer, entäuscht und frustriert von einem Deutschland, dass er als Heimat betrachtete und dessen Bewohner nun entweder „Lügenpresse“ schrien oder sich, ohne wirklich zu wissen, was das bedeutete: „Je suis Charlie“-Schilder umhängten und Stifte in die Höhe hielten. Er war wütend und verzweifelte zugleich an einer Menschheit, die einfach zu dumm, zu bequem und zu egoistisch war, in Eintracht und Frieden miteinander zu leben. Er war es zurecht, wie ich meine.

Während Bassam redete begann ich mir Fragen zu stellen. Unangenehme Fragen. Fragen denen auch ich mich stellen musste. Fragen, die auch mir klar machten, dass ich längst nicht so liberal, freundlich und aufgeschlossen bin, wie ich es manchmal gerne hätte. Fragen, die mir klar machten, wie leicht wir alle Verführte und Verführer werden, wenn wir uns von unseren Ängsten leiten lassen.

Warum genügt es in diesem Land „türkisch“ oder „muslimisch“ auszusehen um gleich als Vergewaltiger, Islamist und Terrorist verdrächtigt zu werden?

Warum setzen deutsche Lehrer „ausländisch“ aussehende Kinder mit der Begründung in die letzte Reihe, dass diese „ja eh nicht lernfähig“ seien?

Warum wissen wir in diesem Land so wenig über islamische Kultur, Geschichte und Religion?

Warum sind aufgeklärte, liberale und weltoffene Muslime wie Bassam, dem es reichlich egal ist ob sein Gegenüber Alkohol trinkt, an Christus glaubt oder schwul ist in Deutschland eine derart kleine Minderheit, und stimmt dieser Eindruck überhaupt?

Warum empfinden die meisten Deutschen den Islam als Bedrohung und wechseln die Straßenseite, wenn ihnen Abends eine Gruppe muslimisch aussehender Jugendlicher entgegenkommt?

Warum gelingt es salafistischen Predigern immer wieder Jugendliche für ihre Ziele einzuspannen?

Warum tolerieren wir katholische, protestantische, jüdische und freikirchliche Fundamentalisten, während wir muslimische Terroristen und Hassprediger nennen?

Wo endet konstruktive Kritik und beginnt Intolleranz, Hass und „Muslimfeindlichkeit“?

Warum reisen immer wieder junge Männer und Frauen aus Europa in Terrorcamps oder kämpfen sogar an der Seite von IS und CO?

 

Wo liegt die Grenze der Toleranz, und kann es diese Grenze überhaupt geben?

Wann wird Sicherheit zur Bedrohung der Freiheit, und wie viel Sicherheit brauchen wir, um frei zu sein?

Warum ist es uns nicht gelungen, dass Integration in diesem Land oft nicht mehr ist, als ein misstrauisches nebeneinanderherleben und unwilliges Tolerieren?

Warum finden es so viele immer noch seltsam, einen türkischen Chef der perfekt Deutsch, Türkisch, Englisch und Französisch spricht zu haben?

Warum spreche auch ich mit meinem Dönerverkäufer kaum je mehr als ein paar Sätze und das in einer Art „Pidgin-Deutsch“ ohne korrekte Grammatik und „schwierige Wörter“?

Warum habe ich meinen VHS-Türkischkurs nach dem ersten Semester nicht mehr fortgesetzt? Und warum kann mein Dönerverkäufer, obwohl er nun schon über 15 Jahre in Deutschland wohnt, immer noch kein „richtiges“ Deutsch?

Und warum bekommen wir es in diesem Land partout nicht hin, dass Menschen die zu uns geflohen sind und bei uns leben und sich einbringen wollen, sich hier wirklich als Mensch angenommen und willkommen fühlen?

Es würde hier viel zu weit führen, alle diese Fragen angemessen zu beantworten. Vielleicht geht das im einen oder anderen Fall auch garnicht. Aber es hilft sich diese Fragen zu stellen. Sie machen achtsamer…

Es war denn auch nicht dieses, vielleicht etwas eitle Vorhaben, dass mir an diesem Abend mit dem wütenden, entäuschten und frustrierten Bassam durch den Kopf ging.

Es war ein Satz aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas, vielmehr, es waren eigentlich nur zwei Worte mit denen ich an diesem Abend versuchte , Bassam wieder ein Lächeln zu entlocken.:

 

 Μη φοβάiστε – fürchte Dich nicht…

 

Fürchte Dich nicht vor denen, die meinen die Welt mit Terror und Angst unter ihre Kontrolle stellen zu können.

Fürchte Dich nicht vor den Dummen, den Idioten, den Ungebildeten und den Heuchlern.

Fürchte Dich nicht vor der Angst, schon garnicht vor jener, die dir Andere einzureden versuchen.

Fürchte Dich nicht Du selbst zu sein.

Fürchte Dich nicht vor den Dingen, die Du nicht kennst, sondern versuche sie zu verstehen.

Fürchte Dich nicht vor Wissen.

Fürchte Dich nicht andere zu lieben, mitzuleiden und sich für sie einzusetzen.

Fürchte Dich nicht vor dem Urteil der anderen, sondern stehe für Deine Träume und Ideale einer besseren und menschenfreundlicheren Welt ein.

Fürchte dich nicht vor den Bigotten, den Fundamentalisten, Kleingeistigen, Falken und Sicherheitsfanatikern, die meinen mit Regeln, Gesetzen, Ausgrenzung, Überwachung und Mord die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Fürchte Dich nicht vor jenen, die dir vorschreiben wollen, wer Du bist und wie Dein Leben auszusehen hat.

Sei Du selbst, und fürchte Dich vor allem nicht vor Dir selbst und Deinem großen Herz, wenn man erst einmal keine Angst mehr hat, wird man feststellen, dass es viel größer und weiter ist, als wir es uns vorstellen können.

 

Liebe und Achtung vor dem Anderen und Furchtlosigkeit beim Einstehen für diese Haltung.

 

Vermutlich sind es diese zwei so einfach klingenden und allen Religionen gemeinsamen Grundforderungen, in denen die Lösung der ganzen Wut, des ganzen Hasses, der ganzen Frustration und des ganzen Unverstandes liegen könnten. Doch bin ich mir auch bewusst, dass jeder meiner Fragen, jeder meiner „Fürchte Dich nicht“ Sätze zu Missbrauch einläd‘ und in sein Gegenteil verkehrt werden kann, wenn er mit Intolleranz, Fundamentalismus und Egoismus geäußert wird…Religion ist per se nicht gut oder böse, es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Deshalb gibt es auch keinen „guten“ oder „schlechten“ Islam, kein „gutes“ oder „schlechtes“ Christen- oder Judentum, keinen „guten“ oder „schlechten“ Buddhisten, Freikirchler oder Atheisten…Nein, es gibt immer nur den Mensch und seinen Umgang mit seinen Mitmenschen.

Dort wo Macht, Bereicherung, Intolleranz, Egoismus und Hierarchie die Oberhand über das Wohl des Einzelnen übernehmen, werden Religionen, genauso wie politische Ideologien, ja jegliche Ideale zur Diktatur, zu Extremismus, Terror und Hass.

Dort hingegen wo wir sie zum Leitfaden für einen liebevollen und achtsamen Umgang mit jedem einzellen unter unseren Mitmenschen machen, gerade wenn diese uns „fremd“ und „anders“ erscheinen, können sie tatsächlich zum Keim einer besseren, gerechteren und menschenfreundlicheren Welt werden.

Jede Religion, jede Ideologie, jedes Wertesystem und jedes Ideal, jeder Traum – auch und gerade wenn sie uns unter dem „Label“ Wohlfahrt,Vernunft, gesunder Menschenverstand, Fortschrit, Laizismus und Aufklärung entgegentreten  – jeder Wunsch und jede Hoffnung hält das Potential für beide Wege in ihren Händen. Wir sollten auch nicht vergessen, dass in den letzten zweihundertfünfzig Jahren mehr Menschen im Namen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit umgebracht wurden, als in allen Religionskriegen zusammen…

Hass oder Liebe, wir haben stet’s die Wahl, egal was uns andere erzählen. Der Maßstab für unser Tun ist dabei der Andere.

Davon bin ich überzeugt – auch wenn es verdammt naiv und gutmenschlich klingt.

 

Und ja, Bassam hat an diesem Abend doch noch gelächelt. Und ich bin ihm sehr dankbar dafür!

 

...Für alle die nun nicht so genau wissen, was Alewiten sind, und für was sie einstehen, hier noch ein Info-Link:

http://www.religion24.net/wofuer-treten-die-alewiten-ein.html

 

 

 

 

 

 

 

Je suis Charlie

Je Suis CharlieJe suis Charlie. Nous sommes tous. Et nous avons tous été attaqués aujourd’hui, même et surtout les musulmans. L’interprétation aberrante de les assassins n’a rien – rien du tout – en commun avec ce, que je sais que l’Islam, et ne le sera jamais! Il est temps que nous reconnaissons et acceptons que les droits de l’homme, la tolérance, la liberté – même et surtout de la presse et d’opinion – et le respect de la vie de l’autre sont pas quelque chose de soi, mais devez de plaider activement et partout – non seulement pour nous mais aussi pour les autres et étrangers.

Ich bin Charlie. Wir alle sind es. Und wir alle wurden heute angegriffen, auch und ganz besonders die Muslime. Der verquere Interpretation der Attentäter hat nichts, aber auch garnichts gemeinsam mit dem, was ich als Islam kenne, und wird es auch nie! Es wird Zeit, dass wir Menschenrechte, Toleranz, Freiheit – auch und gerade der Presse, Rede und Meinung – und die Achtung vor dem Leben des Anderen nicht als etwas selbstverständliches hinnehmen, sondern uns aktiv und überall dafür einsetzen, nicht nur für uns, sondern auch für den Anderen und Fremden.

I‚m Charlie. We all are. And we all were attacked today, even and especially the Muslims. The wrong-headed interpretation of the assassins has nothing – nothing at allin common with what I know as Islam, and never will! It is time that we recognize and accept, that human rights, tolerance, freedom – even and especially of press, speach and opinion – and respect for the life of the otheras are nothing self-evident, but must be actively and everywhere advocated. Not only for ourselves but also for others and strangers.

Adventskalender 2014 – 24. Türchen – Von heiligen Abenden und Gabenbescherern

Venedig, San Marco, Nordfassade, Weihnachtsdarstellung

Venedig, San Marco, Nordfassade, Weihnachtsdarstellung

„Fürchtet Euch nicht“ so der Engel zu den Hirten als er sie mit der Botschaft von der Geburt des Christkinds erschreckte…ja es kann einem schon Angst und Bange werden, wenn da plötzlich mitten in einer Winternacht eine wildgewordene Horde Engel mit riesen Tamtam am Himmel erscheint und ein lautstarkes Haleluja anstimmt…

Aber halt, wie war denn das eigentlich nochmal mit diesem „Christkind“ und warum um alles in der Welt feiern unsere russischen Nachbarn erst am 6. oder gar 7. Januar Weihnachten? Warum gibt es bei uns immer Kartoffelsalat mit Würstchen, und warum ist das Nürnberger Christkind ein Mädchen, wo doch Jesus ziemlich klar ein Junge war?

Well, mit Weihnachten ist es ein bisschen so wie mit allen großen Dingen, sie machen viel Arbeit, viel Freude und manchmal eben wie überall wo Menschen am Werk sind auch ein bisschen Chaos.

Zuerst einmal zum Datum. Die Bibel gibt darauf keinerlei wirklichen Hinweis, selbst das Jahr ist unklar, nur der Ort ist einigermaßen sicher: irgendwo in Bethlehem, einer kleinen, eher dorfähnlichen Stadt nahe Jerusalem…Und der Stern, und dieser Kaiser Augustus, und jener Kyrenius, der Statthalter in Syrien war, und die drei Weisen (gr. magoi) aus dem Morgenland.

Nun, der Einzige aus dieser Reihe von dem wir einigermaßen sicher wissen was bzw. wer er war und wann er gelebt hat ist Gaius Octavius, uns heute meist als Kaiser Augustus bekannt, der herrschte als Kaiser zwischen 31 vor und 14 nach Christus. Sprich man kann sich nun eines dieser Jahre als das Geburtsjahr Christi heraussuchen, und da sich unser Kalender nunmal an der Geburt Christi orientiert haben wir heute irgendwas zwischen 2045 und 2000 (vielleicht kommt der Milleniumskrach also erst dieses Jahr…). Kyrenius ist den Archäologen und Historikern leider außer in der Bibel noch nirgends untergekommen, und vermutlich hatte derjenige der die Weihnachtsgeschichte aufschrieb (ein gewisser Lukas, dessen Identität so klar aber auch nicht ist) einfach vergessen wie der damalige Gouvaneur in Syrien hieß und einfach „Kyrenius“ was soviel wie Syrer (Syrenius/Cyrenius) heißt geschrieben.

Und der Stern? Komet, Supernova, Asteroid, astrologische Konstellation im Sternbild Fische…die Astronomen streiten sich seit Jahrhunderten darüber was die „Magoi“ also jene gelehrten und ein bisschen unheimlichen Männer aus dem Morgenland denn da gesehen haben – die Zahl drei ist übrigens eine spätere Erfindung, und auch dass es Könige waren ist eine nette kleine Mittelalterliche Zutat…aber sie machen sich einfach so nett im Krippenspiel, die prächtig austaffierten Orientalen samt Gefolge…

Und wie ist das nun mit diesem Christkind? Mann, Frau, Jesus, Webefigur, Nazi-Erfindung, Engel oder doch von Martin Luther, und was soll eigentlich die Sache mit diesem Weihnachtsmann, und dem Nikolaus, und warum um alles in der Welt bringt in Russland Väterchen Frost an Sylvester und in Italien eine Hexe die Geschenke und dass auch erst am Dreikönigstag?

Well, das ganze Kuddelmuddel fängt eigentlich damit an, dass wie gesagt anfangs garnicht so ganz klar war, wann und ob Weihnachten überhaupt gefeiert werden sollte. Vor allem die Jerusalemer Urgemeinde und auch einige andere ostkirchliche Gemeinschaften taten sich mit diesem Fest recht schwer und führten es erst lange nach den kleinasiatischen und lateinischen Gemeinden (damals war das alles noch mehr oder minder eine Kiche, allerdings wesentlich weniger zentralisiert als heute, im Prinzip machte die ersten paar Jahrhunderte jeder was er wollte) im 6. bzw. 7. Jahrhundert ein.

Warum in den Westkirchen (und auch in einigen Ostkirchen) ausgerechnet der 25. Dezember das Weihnachtsfest wurde, ist nicht ganz klar, hat aber vermutlich mit der Anlehnung der frühen Christen an den von den römischen Kaisern Aurelian und Heliogabal eingeführten Feiertag des „sol invictus“ (also der unbesigbaren Sonne) am 25. Dezember zu tun (dies v.a. darum, weil Christus schon sehr früh mit dem „Licht in der Finsternis“ gleichgesetzt wurde). In den Ostkirchen existierten hingegen von Beginn an andere Termine die teils bis mitten in den April reichten, teils bereits Anfang Dezember lagen.

Zusätzlich verkompliziert wurde die Lage durch die Kalenderreform Papst Gregors 1582 der aufgrund des ungenauen Julianischen Kalenders einfach 13 Tage „ausfallen“ lies. Dies machten, und machen viele der inzwischen durch ein Schißma getrennten Ostkirchen nicht mit (übrigens auch die meisten der inzwischen entstandenen Protestantischen Staaten Europas nicht), so dass deren Kalender bis weit ins 18. und in einigen Fällen sogar bis heute um 13 Tage „nachgeht). Auch hatte im Osten das Weihnachtsfest nie die Bedeutung, wie in den westlichen Kirchen. Wichtiger war hier der 6. Januar, das Fest der Epiphanie, also der Taufe Christi im Jordan (das auf das gleiche Datum das Fest der heiligen Drei Könige fällt, die ebenfalls als Gabenbringer auftreten – schließlich waren sie es, die laut Bibel dem Christkind die ersten Geschenke brachten – macht die Sache mit Weihnachten und den unterschiedlichen Gabenbringern nicht einfacher.

Wirklich kompliziert wird es dann aber, wenn noch Nikoklaus, Väterchen Frost oder die Befana als Geschenkebringer auftreten.

Traditioneller Weise war es nämlich in Westeuropa so, dass es bis weit ins 16. Jahrhundert hinein nicht zu Weihnachten, sondern bereits zu Nikolaus Geschenke gab. Das ganze leitete sich von einer Passage in der Heiligenlegende des Nikolaus von Myra ab, der eines Nachts drei unschuldig aufgrund von Schulden bzw. Armut zur Prostitution gezwungenen Mädchen (einige Varianten der Legende legen auch nahe, dass es Jungen gewesen sein könnten) mit drei Kugeln Gold dieses Schicksal erspaarte, die er Nachts unbemerkt in deren Schlafzimmerfenster gleiten ließ – es ist manchmal schon seltsam wie Heilige zu Geschenkebringern werden, aber so war’s nunmal, wenn ihr mich fragt hat das Ganze trotzdem ein Gschmäckle…

Nicht nur ich, sondern auch die um 1520/30 wie die Pilze aus dem Boden schießenden Protestanten hatten mit diesem „Heligen Nikolaus“ ihre Probleme, so dass Martin Luther sich etwas anderes einfallen ließ und als neuen Geschenkebringer den „Heiligen Christ“ erfand und auch gleich das Datum der Bescherung auf den 24. festlegte damit es da auch ja keine Missverständnisse und Verwurschtelungen geben konnte…

Nun, so ganz funktioniert hat das nicht. Aus dem „Heiligen Christ“, mit dem in erster Linie der erwachsene und nicht der gerade eben geborene Jesus gemeint war, wurde nach und nach das Christkind, dem immer mehr kindliche aber auch engelhafte Züge angedichtet wurden. Der Grund dafür ist unklar, aber vermutlich sprachen die weißgekleideten Engel aus dem Krippenspielen und ein kleines, neugeborenes Kind die Menschen einfach wesentlich stärker ästhetisch und emotional an, als ein manchmal etwas cholerischer und abgehobener Zimmermansgeselle aus Nazareth.

Auch war es längst nicht so, dass nun die Katholiken brav den Nikolaus und die Protestanten das Christkind als Gabenbringer bevorzugt hätten. Die Dinge vermischten sich doch, an manchen protestantischen Orten gab es weiterhin am 6. Dezember vom Nikolaus Geschenke, an manchen katholischen kam zusätzlich das Christkind und in wieder anderen Regionen entwickelten sich noch ganz andere Gabenbräuche, die auf teils ganz andere Heilige zurückgingen (z.B. den Heiligen Martin, die Heilige Lucia oder eben auch die Heiligen Drei Könige).

Letztere hatten ihre Hochburg offenbar in Italien, denn dort wurde Weihnachten zwar am 25. Dezember mit einer festlichen Messe gefeiert, aber die Geschenke gab’s wohl erst – wie in den Ostkirchen – am 6. Januar. Nur dass die heiligen Drei Könige dort mehr und mehr (wann ist nicht ganz klar, vermutlich aber schon zu Beginn der Neuzeit) von einem kleinen Dämon oder einer Hexe namens Befana (von Epiphanias) abgelößt wurde. Diese/r hatte sich laut einer populären Sage gemeinsam mit den Hirten aufgemacht um das Christkind anzusehen, kam aber zu spät und traf so erst mit den Heiligen Drei Königen am 6. Januar ein. Anfangs ein eher zwielichtges Wesen wurde Befana ab dem 18. Jahrhundert mehr und mehr zum Gabenbringer und darin v.a. in der Zeit des Faschismuses durch eine „Befana für Arme“ zusätzlich popularisiert.

Eine ähnliche Geschichte hat Väterchen Frost. Diese Figur stammt aus dem reichen Reich der russischen Märchen und war ursprünglich die durchaus nicht immer ganz freundliche Verkörperung des Winters. Schon zu Zeiten von Peter dem Großen verlagerte sich in Russland der Geschenkeabend vom 6. Januar auf die Silvesternacht, da Peter ausgesprochen antikirchlich eingestellt war und alternative weltliche Bräuche schaffen wollte. In wie weit dabei auch schon Väterchen Frost als Gabenbringer auftrat bleibt unklar, jedoch scheinen sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Russland mehr und mehr „weltliche“ Gabenbringer (wie die Verkörperung des Neuen Jahres oder Genien) durchgesetzt zu haben.

Wirklich populär wurde Väterchen Frost als Gabenbringer aber erst mit der Oktoberrevolution. Diese schaffte im Alltag der Menschen sämtliche religiösen Bezüge ab (oder versuchte dies zumindest) und propagierte stattdessen eine säkulare Weihnachtsfeier mit Väterchen Frost als Gabenbringer.

…und warum um alles in der Welt ist das Nürnberger Christkind nun ein Mädchen? Nun, das ist auch eine etwas komplizierte Geschichte. Ich habe ja schon geschrieben, dass der von Luther entworfene Gabenbringer des „Heiligen Christ“ sich recht schnell zu einem lieblichen, engelsgleichen Säugling oder zumindest Kind oder Jugendlichen entwickelte, das mehr und mehr seinen Bezug zum christlichen Hintergrund verlor und spätestens im 19. Jahrhundert ein Eigenleben jenseits der Christlichen Heilslehre zu führen begann. Entscheidend für das Nürnberger Christkind sind aber die Nationalsozialisten. Diese führten Prolog und Christkind 1933 als bewussten blondgelockt-arischen Gegenentwurf und „Marketinggag“ gegen Christliche Bezüge des Weihnachtsfestes ein.

Bis 1968 behielt das Nürnberger Christkind allerdings sein männliches Geschlecht und wurde von Schauspielern verkörpert. Erst dann kamen die Organisatoren des Nürnberger Weihnachtsmarktes auf die Idee das Christkind von einem jungen Mädchen verkörpern zu lassen – vermutlich weil sie sich hierdurch eine größere Aufmerksamkeit (man kann beim Christkind ja schlecht von Sexappeal sprechen) erwarteten.

Und was ist jetzt mit dem Weihnachtsmann? Nun der stellt eine Art Fortentwicklung des Heiligen Nikolaus dar, ist mit diesem aber nicht identisch (es ist ganz ähnlich wie beim Christkind, dass ja auch ein Eigenleben entwickelte), der sich irgendwann mit Väterchen Frost kreuzte und noch dazu in den 1920er Jahren von Coca-Cola für seien Weihnachtswerbung entdeckt wurde (die Amerikaner haben ihn allerdings nicht erfunden, wie es fälschlicherweise oft heißt.

So, jetzt war’s aber genug Kuddelmuddelentwirrung für heute. Ich wünsche Euch frohe, liebevolle, ruhige, freundliche, freudenreiche, selige und gesegnete Weihnachten und natürlich auch ganz viele Geschenke, egal wer sie nun wann bringt.

Wen’s genauer interessiert, hier wie immer noch ein paar Wiki-Links dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Augustus

http://de.wikipedia.org/wiki/Christkind

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A4terchen_Frost

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsmann

http://de.wikipedia.org/wiki/Befana

http://de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_K%C3%B6nige

http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Christkindlesmarkt

PS: gerade habe ich gelesen, dass man inzwischen wohl doch weiß, wer dieser Cyrenius oder Quirinius gewesen sein könnte (Wikipedia sei dank lernt man nie aus!), es scheint den Herrn tatsächlich gegeben zu haben und er hat sogar um 6 nach Christus (passt!) in Judäa eine Volkszählung für die Steuerlisten durchgeführt (was ein Zufall!)…Wer mehr über Publius Sulpicius Quirinius wissen will:

http://de.wikipedia.org/wiki/Publius_Sulpicius_Quirinius#cite_note-7