Warum’s nix brächte Berlin-Mitte zu sprengen, es wo andes auch nicht anders ist als dort wo man ist und der ganz sicher weltbewegenden Frage wie man denn jetzt Reis politisch und ethisch korrekt kocht!

Bumm!!!Es ist Pfingstmontagmittag und gerade hat mich der Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen mit der allmonatlich wiederkehrenden Frage beglückt ob man denn ganz Berlin-Mitte sprengen müsse.

(http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/berlin-hass-muss-man-ganz-mitte-sprengen-14233568.html#GEPC;s6)

Natürlich ist das alles spätestens seit den Zeiten der Prenzelschwäbin – die im Übrigen gerade in ihrer angeblichen garnicht so urheimlichen schwäbischen Heimat größte Erfolge feiert, warum ist eine andere Frage – nicht neu. Und irgendwie gehört es ja seit Cindy aus Marzahn ein wenig zum guten gesambtbundesdeutschen Ton sich über Latte-Macchiato-schlürfende Helikoptermütter und Teriaki-Suppengrün-Toppings zu echauffieren.

Und ja, auch ich erwische mich in meinen ganz schwachen Momenten manchmal dabei, dass ich mich allen ernstes frage, ob es jetzt ethisch noch o.k. ist, wenn ich einfach mal die ganze verpackungsempfohlene Quell- und Wasserreismethode zu komplettem Bullshit erkläre und meine ganz eigene urschwäbische: „Wir-tun-das-ganze-verdammte-Reiszeug-einfach-von-vornherein-gemeinsam-mit-dem-Wasser-in-den-Topf-;-lassen-es-nicht-erst-stundenlang-dumm-herumquellen-; und-geben-einfach-von-vornherein-nur-soviel-Wasser-dazu-dass-wir-am-Ende-auch-nix-wegschütten-müssen-Methode, draus mache? Oder ob das nun (doch und schon wieder) ein eurozentristisch-rassistischer und selbstverstäntlich total sexistischer Totalfauxpas ist, weil ich das als Mann und Nicht-veganer-nicht-Bio-Reisanbauer (und -esser!) eigentlich garnicht darf?

Nach wirklich(!) längerem Nachdenken entscheide ich mich für den sozial gerade noch akzeptablen KönigInnenweg, nenne das Ganze „Fusionsküche“ – Selbstverständlich nicht ohne mich kurzzeitig mit der politisch nicht völlig korrekten Frage herumzuschlagen, ob das verdeutschte fusion food bei empfindlichen Gemütern nicht doch eine unangenehme Assoziation eines atomaren Störfalls heraufbeschwören könnte.

Spätestens beim Lamento der Autorin über umfallende Bierbikes und dem beliebten Ratespiel Hipster oder/und Tourist fühle ich mich jedoch wieder ans kleine heimische Bamberg und seine gefühlt 10 Millionen Touristen pro Jahr (die reale Zahl liegt nur unwesentlich darunter) erinnert. Während sich die hiesige Tourismus GmbH seit Jahren weitgehend vergeblich bemüht die wenigen verbliebenen Innenstadtbewohner mit immer neuen Initiativen, Info-Veranstaltungen und großangelegten Werbeaktionen von der Nützlichkeit des Tourismus zu überzeugen, ziehen diese ihre eigenen Schlüsse und ziehen entweder weg, oder greifen zu mehr oder minder kreativen Mitteln des Widerstandes (irgendwie muss man schließlich auf die 296 Liter Bier pro Jahr und Kopf kommen…).

Was nun Berlin Mitte und die Frage ob man es in die Luft sprengen müsste angeht…Well, das Ganze nennt sich Innenstadt-Vermarktung, ist in jedem noch so kleinen Provinzstädtchen im äußersten Nordosten Bayerns auch nicht anders, nur macht es eben viel mehr Sinn sich medial über das verkommene Sündenbabel Berlin auszulassen, weil das – naturgegeben – ein paar mehr Leutchen kennen als sagen wir mal…Bamberg…

Kurz, ich esse jetzt meine gefüllten Paprika mit Reis, mache mir vorerst keinerlei Gedanken mehr ob ich damit den Untergang des Abendlandes (oder gar des ganzen Planeten) fördere und beruhige mein Gewissen zusätzlich damit, dass es anderswo auch nicht besser oder schlechter ist als da, wo ich gerade bin.

Guten Appetit zusammen!

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Tageshaiku 65_Tiger zum Frühstück

indexTiger zum Frühstück –

Pekingoper zu Abend!

Eine andere Welt!

Ich bin dann mal weg – Do’s and Don’ts im…Elsaß

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Strassbourg bei Nacht

Deutsch/Französisch oder Französisch/Deutsch…oder doch Englisch – (Mehr als) nur eine Frage der Reihenfolge!

Bonjour!“
Tut mir leid, geliebte Mit-Teutonen, soviel romanisches Sprachvorspiel muss im Elsaß einfach sein! Schließlich gehört der (oder doch das?) Elsaß seit nicht ganz so kurzer Zeit zur Grande Nation. Und auch und gerade weil einem auf Orts- und Straßenschildern des öfteren recht „deutsch“ anmutende Namen entgegengrüßen, ist das noch lange kein Grund sofort und ungefragt im deutschem Befehlston ins „maison“ zu stapfen und sich darüber zu „echauffieren“, dass die Bedienung im Caffée so grottenschlecht (Hoch-)Deutsch spricht – denn auch wenn sie’s vielleicht nicht (mehr) spricht, verstehen tut sie’s dann doch meist, und man braucht sich dann auch nicht wundern, wenn’s mit dem Cafè au lait etwas länger dauert und vielleicht Salz statt Zucker drinn ist…würd ich jedenfalls so machen!

Ja, wir sprechen schon auch (noch) Deutsch…aber nur, wenn wir wollen!

Will man also bei seinem Elsässischen Gegenüber nicht sofort als der „chaibi Schwôb“ oder – noch schlimmer – als komplett geschichtsignoranter „Bessernazi“* gelten, tut man westlich von Kehl und Freiburg sehr gut daran, eine Konversation erstmal mit den paar Brocken Französisch zu beginnen, die jeder ordentliche Europäer nunmal in seiner DNA gespeichert haben sollte! Alles Andere ergibt sich dann meist von allein…Nur bitte liebe Teutonen, überlasst es gefälligst den Elsässern, wann und ob sie die Sprache wechseln wollen (und können!).

*Internationaler Jugendsprech kann in seiner durchaus beabsichtigten Zweideutigkeit und political incorrectness manchmal so wunderbar eindeutig sein – Der oder die „Bessernazi“ Danke liebe Strasser für dieses wunderbar perfekte Wort, dass sowohl den Deutschen Gutmenschen bzw. Betroffenheitstouri, die dauermaulende Kaffeefahrtoma, wie auch den deutschtümelnden Hooligan auf Auslandstour abdeckt!

Und damit wären wir dann gleich beim zweiten typisch teutonischen faux pas: Längst nicht jeder*e Elsässer*in spricht (noch) Deutsch, und auch nicht (mehr) Elsässisch und ein Gutteil der heute im Elsaß wohnenden Menschen hat das auch nie, weil sie:

A) aus anderen Gegenden Frankreichs , den ehemaligen französischen Kolonien oder sonst irgendwelchen nicht deutschsprachigen Ländern ins Elsaß zugewandert sind und nie Deutsch, geschweigedenn Elsässisch gelernt haben.

oder

B) und das lässt jetzt erahnen wie schwierig und manchmal auch traumatisch schmerzhaft das Thema Deutsche Sprache bzw. Elsässisch im Elsaß sein kann – es nicht lernen und sprechen durften und/oder wollten und manchmal auch aus sehr guten Gründen nie wieder sprechen wollen, obwohl sie es eigentlich könnten…

Selestat 2

Selestat

Die Folge ist, dass Elsässisch und damit indirekt auch (Hoch-)Deutsch – trotz zahlreicher Bemühungen diesen Trend zu stoppen –  im Elsaß weitestgehend eine Sache der Generation 60+ geworden ist und – wenn sich der Trend so fortsetzt wie bisher – als aktiv gesprochenes Idiom in ein oder zwei Generationen weitgehend ausgestorben sein wird.

Verstärkt wird dieser Trend durch die ebenso dumme wie kurzsichtige Ansicht vieler neoliberal denkender Eltern wie Politiker auf beiden Seiten des Rheins, die auf Elternabenden und in programmatischen Sonntagsreden munter fordern, endlich die von De Gaule und Adenauer mit viel Mühe und Herzblut ins Leben gerufenen „Modelschulen“ an denen jeweils die Sprache des Nachbarn als erste Fremdsprache gelehrt wird zugunsten einer ökonomisch angeblich besser „verwertbaren“ früheren Ausbildung in der „Weltsprache“ Englisch und anderen „nützlicheren“ Sprachen abzuschaffen! Natürlich nur, damit ihre Kinder durch das erzwungene Erlernen der „unnützen“ Sprachen Deutsch und Französisch  als erste Frendsprache im globalen Wettbewerb keine Nachteile erdulden müssten…

Oh Herr schmeiß Hirn ra!

Folge: Seit Jahren sinkt die Zahl der Schüler, die die jeweilige Nachbarsprache erlernen kontinuierlich. Und weil man den je anderen nicht versteht, kommt es dann auch gleich noch, wie es kommen muss: man entfremdet sich zunehmend – Europa hin, offene Grenzen her! Wohin dann soviel Ignoranz, Dummheit und Desinteresse führen sollte man gerade beiderseits des Rheins eigentlich besser wissen…aber so ist sie nunmal, die schöne neue globalisierte und durchökonomisierte Welt von heute, in der Englisch alles, die eigene Sprache nichts und die Sprache des Nachbarn „unnütz“ ist…

Und nein ich übertreibe nicht, und es wundert mich auch garnicht mehr, dass es mitten in Basel, Freiburg oder Colmar, Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm und Kehl doch tatsächlich Deutschschweizer, Schwaben, Badener und Elsässer gibt, die alle zusammen ihres gegenseitigen, recht nah verwandten Dialektes (noch!) durchaus mächtig sind, sich aber aus politischer Korrektheit und falschverstandener Weltläufigkeit lieber in grottestschlechtem Englisch unterhalten, anstatt sich verdammt noch mal ihrer gemeinsamen Sprache dem Allemannischen und seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu bedienen!

Gott sei Dank gibt es im Zweifelsfall dann doch noch einen Platz wie das Tomi Ungerer Museum, gleich hinterm ehemaligen Kaiserpalast (heute Palais de la Republique) am Place de la Republique in Straßburg, wo man auf ebenso lehrreich-amüsante wie nachdenkliche-hintergründige Art lernen kann, wie man mit all diesen Be- und Empfindlichkeiten, Ängsten und Elephanten im Deutsch-Französischen Porzellanladen kreativer umgehen kann – anstatt sie einfach totzuschweigen oder unter der fadenscheinigen Decke globaler Denglischphrasen zu verstecken…

Und ja, es lohnt sich davor oder danach auch durchaus, sich die „Mühe“ zu machen, sich die ganze verzwickte Geschichte der Region am Beispiel Straßburgs auch einmal in aller Ruhe via Audioguide gleich hinter der Kathedrale bei einem Rundgang durchs historische Museum der Stadt Straßburg erklären zu lassen. Vielleicht macht’s dann ja bei Einigen Klick und sie sehen die Gebäude des Europäischen Parlaments und Gerichtshof für Menschenrechte am Rande der Straßburger Innenstadt nicht mehr als teure Geldverschwendung und Ort nationalistischer Hahnenkämpfe, sondern als den Ort, an dem gut zwei Dutzend Nationen den – zugegeben nicht immer ganz einfachen – Versuch unternehmen, aus der gemeinsamen Geschichte zu lernen und es irgendwie zu schaffen, dass wir uns nicht wie in der Vergangenheit bei jedem noch so kleinen Konflikt gegenseitig die Köpfe einschlagen, oder Menschen via staatlichen  Unrechtsdekreten vorschreiben, wer oder was sie zu sein und nicht zu sein haben.

Das liebe Geld _ oder: Warum man in Frankreich eine Kreditkarte braucht und nicht darauf spekulieren sollte, seinen 1000 Euroschein einfach mal so bei der Bank umtauschen zu können…

Colmar 2

Colmar

Bargeld

Wer erinnert sich nicht sehnsüchtig an den Moment beim ersten Schüleraustausch, als er nassgeschwitzt, völlig fertig und mit mindestens 400 Kilo Übergepäck verzweifelt auf dem Pariser Gare de l’Est nach einer 10 Francsmünze für den Gepäckwagen suchte…

Inzwischen sind diese Zeiten passé und wir alle zahlen mit dem netten kleinen Ding nabems EURO bei dem ich es auch nach zehn Jahren nicht geschafft habe, 10 und 20 Centstücke sauber zu unterscheiden.

Während nun aber der oder die Durchschnittsdeutsche eine ausgesprochene Vorliebe für Bargeld hat, sieht das bei unseren französischen Geschwistern ein klein wenig anders aus. Im Land von Russeau und Napoleon gilt: L’homme aime sa carte de crédit! oder auf Deutsch: Plastik statt Bares! Das heißt nun nicht, dass man- wie z.B. in Dänemark jedes Croisant und jeden Apfel mit der Plastikkarte bezahlt, aber man sollte eben auch nicht erwarten, dass die Sache mit dem Baren überall (noch) so problemlos funktioniert wie in Deutschland.

Denn spätestens wenn man an einer der (im Elsaß recht seltenen) Autobahnmautstellen steht wird einem dann doch ganz schnell klar: Barzahlung ist hier nicht (na ja, meistens nicht, gelegentlich gibt’s in einer der 15 Durchlässe doch noch ein kleines Kassenhäuschen an dem man mit Cent und Euromünzen (möglichst passend bitte!) zahlen kann, aber verlassen sollte man sich halt nicht darauf, vor allem nicht Nachts) und nein: die normale EC bzw. Girocard der deutschen Hausbank funktioniert hier i.a.R. auch nicht. Man braucht schon eine „echte“ Kreditkarte.

Ansonsten kann’s einem sehr schnell so gehen wie unlängst jenem etwas älteren Ehepaar aus Bergisch-Gladbach, dass es nicht nur fertig brachte, als Wohnwagengespann in das Durchgangstor für Autofahrer zu fahren, nein sie hatten gleich auch noch das für die automatische Zahlung ausgewählt (dazu braucht man eine spezielle Chipkarte, die Deutsche Autos leider nicht serienmäßig eingebaut haben!).

Folge des „kleinen Versehens“ war, dass sie beim Zurücksetzen nicht nur in der zuvor geflissentlich übersehenen Höhenkontrolle steckenblieben, sondern auch gleich die halbe Autobahn vestopft haben. Dass nichts Schlimmeres passiert ist, lag ausschließlich daran, dass ihre französischen Hintermänner das Ganze schon gewöhnt waren und an dieser Mautstation tatsächlich noch ein paar echte Menschen anwesend waren, die ihnen dann beim „umparken“ und „zahlen“ behilflich waren.

Alors, ich schweife ab, oder eigentlich auch nicht…denn was für französische (und damit auch elsässische) Mautstellen gilt, gilt i.a.R. auch für Tankstellen. Während nämlich bargeldlose u. automatische Tankstellen in Deutschland eine recht rare Spezies sind, sind sie in Frankreich eher die Regel. V.a. Nachts und am Wochenende läuft hier ohne Kreditkarte garnix!. Und ja, auch die Parkuhren und Fahrkartenautomaten (und ich vermute neuerdings auch die Gepäckwagen, ich hab schon lang keinen mehr benötigt!) mögen sie am liebsten: La carte plastique! Und nein, längst bei nicht allen lässt sich zusätzlich (noch) Bargeld einwerfen, aber wer die Deutsche Bahn oder die Telekom kennt, weiß auch als Deutscher um das Problem mit dem fehlenden Bargeldeinwurf!

Umtausch großer Geldscheine – Une impossibilité?

Wirklich kompliziert wird es aber, wenn man sich als Deutsche*r einbildet, man müsse seine Reisekasse in realen 200, 500 oder gar 1000 Euroscheinen mit sich herumschleppen. Man glaubt nicht, wie viele Leut das tatsächlich (noch) machen, es könnt ja sein, dass den französischen Bankautomaten plötzlich das Geld aus geht…ja sind wir denn in Griechenland! Wenn man dann auch noch erwartet, dass man diese, wie in Deutschland zumeist üblich, bei jeder Bankfiliale in Kleingeld umtauschen könne, das die Bedienung im Kaffee auch annimmt…

Alas…oder auf Deutsch: Oh weh und Nix da! Zuerstmal besitzt längst nicht jede französische Bankfiliale sowas wie einen „Kassenschalter“ an dem Aus- und Einzahlungen in Bar möglich wären…In aller Regel sind Bankfilialen in Frankreich eher eine Art Versicherungsagentur mit angeschlossenem Bankautomaten (manchmal fehlt sogar der, oder ist irgendwo an der nächsten Straßenecke, wo man ihn als dappiger deutscher Tourist garantiert nicht findet!). Wenn man dann doch mit viel Glück und nach SEHR langem Herumfragen und Suchen eine der mit doppelten Panzerglasschiebetürschleusen gesicherten und in aller Regel irgendwo jenseits der Innenstädte gelegenen „Hauptfilialen“ gefunden hat an denen Barauszahlungen theoretisch möglich sind (hier kann man dann wirklich lernen, wozu der französische Subjonctif so alles gut ist!), wird man sehr schnell feststellen, dass diese sich – wenn überhaupt – nur nach Betätigen eines videoüberwachten Öffungsschalters für handverlesenes Puplikum öffnen, (oft muss man sich, will man zum Kassenschalter, sogar vorher im vorderen Bereich der Bank persönlich und unter Vorlage des Ausweises „anmelden“).

Damit ist dann aber noch lange nicht gesagt, dass man dort sein gottverdammtes deutsches Großgeld auch in Kleingeld umtauschen kann. In aller Regel braucht man dazu nämlich ein Konto bei der betreffenden Bank, und selbst dann wird das Geld zumeist nicht in Bar ausgezahlt, sondern erstmal auf das Konto gutgeschrieben (was je nach Bank gerne mal 1-2 Tage dauern kann, mit Glück geht’s aber auch in 2 Minuten), von dem es dann – in hoffentlich kleineren Scheinen – am Automaten im Vorraum wieder abgehoben werden kann (vorausgesetzt man findet die Funktion zur Scheinauswahl, die ist in Frankreich genauso gut im Menü versteckt wie in Deutschland und garantiert nicht in der Deutschen Übersetzung des Interfaces enthalten!).

Und wer jetzt glaubt, er könne stattdessen einfach so mit einem 200er oder gar 1000er irgendwo bezahlen…Das mag vielleicht irgendwo an der Cote d’Azur gehen, wo man an geldbündelschwingende Russen (oder eben auch Teutonen) gewohnt ist…Im Rest des französischen Binnenlandes ist das aber i.a.R. noch weitaus schwieriger als in Deutschland, da auch hier in den meisten Restaurants, Geschäften und Hotels gilt: Kleinere Beträge gerne in Bar, alles über 50 Euro aber nach Möglichkeit bitte in Plastik, das ist sicherer und nein, wir nehmen leider keine Scheine größer als 50 oder 100 € an und schon garnicht, wenn sie damit ihr Baguett für 1€ zahlen wollen…

Kurz: Wer keine hat möge sich für seinen Frankreichurlaub bitte möglichst schnell eine Kreditkarte zulegen und bitte, bitte keine Geldscheine über 50€ mit sich herumschleppen…man wird sie einfach nicht los, noch nichtmal bei der Bank und wenn man’s trotzdem versucht ist ganz schnell ein halber Urlaubstag mit der Suche nach einer passenden Bankfiliale weg (und das Geld am Ende des gleichen Tages sehr wahrscheinlich immer noch nicht in kleinere Scheine umgetauscht)!

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Blick von der Aussichtsterasse der Vauban-Befestigung auf Strassbourg

Navigation und Straßenverkehr

Ums gleich vorweg zu sagen:

Jedem, aber auch jedem und jeder der oder die nach Frankreich fährt sei dringenst empfohlen sich nicht nur ein funktionierendes (also keines dass nur „Durchfahrtsstraßen“ o.ä. anzeigt) sondern auch ein einigermaßen aktuelles Navigationssystem oder zumindest ein paar wirklich aktuelle Straßenkarten, die auch sämtliche Innenstädte in Großformat und inklusive aller Einbahnstraßen enthalten anzuschaffen…

Der Grund dafür ist ganz einfach:

Frankreich brummt – entgegen aller anderslautenden Gerüchte!

Konkreter: Die Franzosen scheinen gerade auf Teufel komm raus ihre sämtlichen Infrastrukturen reformiern zu wollen und es werden jede Menge neuer Straßen (und Kreisverkehre, Franzosen lieben Kreisverkehre inzwischen noch mehr als die Deutschen, allein schon deshalb, weil sich damit eine neue Attraktion für die ville fleuri verbinden lässt!) gebaut.

Das alles mag dem normalen Navinutzer garnicht auffallen, sollte er oder sie aber mit den „Kastratenprogrammen“ so mancher deutscher Premiummarkenhersteller geschlagen sein, die jenseits der reichsdeutschen Grenzen (sorry, das musste jezt sein!) nur noch die „Durchgangsstraßen“ – sprich meist nur die Autobahnen – anzeigen, sieht das ganz schnell ganz anders aus.

Man mag sich ja irgendwo im allerhintersten Burgund, wo zwischen den zwei Weilerchen Sichtverbindung herrscht und es auch nur genau einen Feldweg gibt noch mit der „großzügigerweise“ in diesen Programmen eingebauten Himmelsrichtungsfunktion orientieren können; Aber schon in der nächsten französischen Kleinstadt funktioniert das garantiert nicht mehr, und zu erwarten, dass man mit so einem Ding jemals wieder aus Strasbourg, Dijon oder gar Paris herausfindet ist einfach nur utopisch…

Der Grund: Noch mehr als ihre Deutschen Kollegen – die Straßen meist irgendwie so planen, dass man relativ problemlos wenden und in die andere Richtung fahren kann, wenn man merkt, dass man falsch ist – lieben Französische Straßenbauer Einbahnstraßenkreisverkehrsregelungen, die sie zu allem Ungemach dann auch noch sehr gerne mit Sackgassen (die nicht immer auf Anhieb als solche erkennbar sind und an deren Ende sich nicht zwingend eine „Wendeplatte“ findet) kombinieren. 

Einen an das im guten alten graoeco-römischen Decumanus-Cardio-System angelegte Straßennetz gewöhnten Durchschnittsdeutschen kann das dann ziemlich schnell in den vollständigen Wahnsinn treiben, vor allem, wenn er dazu noch mit Kartenmaterial oder einem fehlerhaften bzw. unvollständigen Navi geschlagen ist, dass es einfach nicht schafft ihn in einer Kleinstadt von 2000 Einwohnern  a nach b zu bugsieren ohne am Ende garantiert wieder bei a oder a‘ herauszukommen. Ich frage mich noch immer, warum das von Uderzo nicht in der einschlägigen Asterix-Folgen visualisiert wurde…

Will heißen: Einfach an der nächsten Kreuzung wenden und in die andere Richtung fahren ist in Frankreich in aller Regel nicht, weder im Stadtverkehr, noch auf der Autobahn und schon garnicht in Paris, Lyon, Straßbourg oder Wissembourg oder irgendwo im nächsten Industriegebiet!

Auch sollte man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass – wie auf deutscher Seite inzwischen ziemlich üblich – im Elsaß (oder sonstwo in Frankreich) der jeweils nächstgelegene Deutsche, Spanische oder Italienische Ort (oder die Paralell zur Staatsgrenze verlaufende „ausländische“ Autobahn) durch französische Staßenschilder ausgewiesen ist. Das kann sein, muss aber nicht. I.a.R. verweisen die Schilder auf französischer Seite nämlich in guter zentralstaatlicher Tradition nur auf französische Orte, Autobahnen u.ä.. Sprich, man hat entweder ein Navi, dass diesen nationalchauvinistischen Blödsinn nicht mitmacht, oder muss einfach aus der letzten Erdkundestunde wissen welcher Ort gegenüber von sagen wir mal Mühlhausen, Colmar oder Straßburg auf der östlichen Rheinseite liegt und wie man da hinkommt ohne erst über die französische Autobahn bis nach Paris und zu der Ausfahrt fahren zu müssen, die dann hoffentlich den Deutschen Anschlussort anzeigt…

Und nein, selbst mit Navi ist das mit dem Abbiegen in Frankreich nicht so ganz einfach, denn – wie schon angedeutet – die klassische zweispurige Straße samt zugehöriger 180° Kreuzung scheint in Frankreich und vor allem im Elsaß ziemlich unbekannt zu sein. Wie in Italien macht man auch hier mal ein Sträßchen dahhin, biegt dort auch mal auf der linken Seite der Autobahn ab und wurschtelt sich im großen Bogen schlangenartig irgendwie durch (genau so sehen dann auch französische Autobahnzufahrten/Autobahnkreuze aus…eher gewunden-verschlungen und mit für Deutsche Verhältnisse sehr gewöhnungsbedürftiger Verteilung von Zu- und Abfahrten, die ganz gerne auch mal 10 Kilometer bzw. 14 Straßenblocks voneinander entfernt liegen können). Und ja, da hilft im Zweifelsfall auch der beste Straßenatlas nicht weiter, vor allem dann nicht wenn er aus 2004 ist…

Auch, dass manin Frankreich  beim Fahren permanent irgendwelche „Wälle“, Hügel“, „Grünstreifen“ und sonstige Barrieren überfahren muss, die in Deutschland eindeutig ein „hier geht’s beim besten Willen absolut nicht weiter“ bedeuten würden, in Frankreich aber ganz normale Fahr- und Abbiegespuren sind ist für Teutonische Sonntagsfahrer anfangs eher „gewöhnungsbedürftig“ – ganz ehrlich, das Bild verwirrter „Bosch’s“ die mit ihrem wackeldackelverzierten SUV mal wieder vor der zur Geschwindigkeitsverrringerung minimal erhöhten Wendeinsel stehenbleiben und damit den Verkehr ganzer Innenstädte lahmlegen, bis ihnen dann ein altes Bäuerchen mit Handkarren vormacht, dass man da durchaus auch drüberfahren kann, ist in Frankreich einfach nur legendär!

Kurz: Wer für die 3 Kilometer von Straßburg nach Kehl keine 6 Stunden brauchen will, weil er sich irgendwo hinter dem EU Parlament heillos verfahren hat und dank der Einbahnstraßen zum sechsten Mal in Petite Venise rauskommt, braucht ein frankreichkompatibles Navi und dessen Funktionstüchtigkeit möglichst VOR Reiseantritt überprüft haben!

Der komische Gelbe Pfeil

Ist eigentlich was ganz Einfaches, das man aber wissen muss: In Frankreich ist der grüne Pfeil beim Abbiegen gelb und blinkt manchmal, sowohl auf den sehr seltenen Schildern als auch bei den Ampeln und er ist meist irgendwo anders, als man ihn vermutet, also ruhig etwas links und rechts von der Ampel schauen und sich nicht wundern, warum der Hintermann plötzlich hupt wenn man vor einer roten Ampel steht…meistens hat man ihn dann übersehen – den Gelben Pfeil…

Bodenwellen

Bodenwellen sind Teil der französischen Straßenfolklore, oder anders gesagt: so ziemlich jede Ortsein- und ausfahrt und beinahe jeder Zebrastreifen hat zwei bis drei dieser rot-weiß gezackten Monster, die jedem deutschen Golf-Inhaber den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Denn anders als in Deutschland setzt Frankreich anstatt auf teure Radaranlagen (die gibt’s schon auch, aber sie sind deutlich seltener als auf Deutscher Seite, verlassen sollte man sich darauf aber nicht) eher auf die martialisch-materielle Lösung des Problems: sprich künstliche Bodenwellen, die schon den Gedanken mit 70 durch das nächste Winzerdörfchen zu brettern zum Achsbruchharakiri machen. Und wer nun meint er könnt innerorts mal schneller als 40 fahren, dem wird garantiert der nächste Zebrastreifen oder die nächste Kreuzung (da gibt’s die Dinger nämlich auch – wegen der Kinder, Alten, Kranken, Schwachen, Veteranen, Katzen, Kaninchen, Hühner, Witwen und Waisen und was in so einem Vogesendorf eben sonst noch so rumläuft) zum Verhängnis.

Daraus folgt die einfache Weisheit: Wer in Frankreich partout nicht langsam fahren will, der hat danach eben einen Achsbruch oder zumindest eine ruinierte Auspuffanlage…

Und nein, Autobahn heißt in Frankreich nicht dass man da brettern kann wie man will, sondern maximal mit 130 kmh und dass auch nur dann, wenn sie nicht grad mitten durch den Ort (inklusive Ampel!) geht und auch nur dann, wenn nicht ganz so viele Kurven und Schlaglöcher drinn sind (und nein, es gibt vor solchen Abschnitten nicht immer eine Geschwindigkeitsbegrenzung…der französische Autofahrer sieht sowas, und hat außerdem Autos, deren Unterboden ganz offensichtlich aus spezialtitanverstärkten Lastwagenfedern besteht…). Nur der Vollständigkeit sei erwähnt, dass auf Landstraßen, wenn sie nicht ausdrücklich als Schnellstraßen ausgewiesen sind 90 kmh, anderenfalls 110 kmh Höchstgeschwindigkeit gilt…und ja es ist eine saublöde Idee mit Höchstgeschwindigkeit durch die Kurven der Vogesen zu brettern, auch wenn da grad keine Geschwindigkeitsbeschränkung sein sollte…

Und wenn ich grad dabei bin…Dadurch, dass man insgesamt langsamer fährt und Autobahnen relativ aprupt in normale Land- und sogar Durchgangsstraßen übergehen (ich meine die nichtgebührenpflichtigen Elsässischen, nicht die Privaten mautpflichtigen im Rest des Landes) gilt auch eher das (nicht unbedingt legale, aber ziemlich übliche) Prinzip des „Durchwurschtelns“, sprich: Nicht wundern wenn sich auf der Autobahn irgendein Bäuerlein mit seinem doch recht schnellen Traktor rechts an einem vorbeidrängt, ohne zu blinken auf die Linke Spur wechselt nur um dann links in die nächste Feldwegausfahrt zu brettern…

Aber genug der Stereotype!

Es gibt auch etwas, das ich an Frankreichs Straßenverkehr absolut liebe:

Erstens: Man fährt man langsamer, was vor allem das Fahren über Land sehr viel entspannter und risikoärmer aber eben auch ein klein wenig langwieriger macht (aber wo kann man denn in Deutschland wirklich noch mit 160 kmh über die Autostrada brettern?).

Zweitens: Irgendwie kommt man immer weiter…ich habe keine Ahnung wie, aber ich kam in Frankreich immer irgendwie an und habe auch immer wieder zurückgefunden…nur eben nicht unbedingt so, wie ich mir das zuvor in meinem auf organisiert-unilineare Vorgänge programmierten Deutschen Quadratschädel vorgestellt habe.

Drittens, und das ist das absolute Highlight: Anders als in Deutschland muss man sich als erster an der Ampel nicht den Hals nach der Leuchtzeichenanlage verrenken. In Frankreich gibt’s quasi an jedem Ampfelpfosten kleine „Miniampeln“ in Augenhöhe, welche zusätzlich zu den oben angebrachten „großen“ die aktuellen Ampelphasen anzeigen…nur muss man manchmal ein klein wenig aufpassen, dass man diese Ampeln der richtigen Fahrspur zuornet bzw. den daneben angebrachten Gelben Pfeil (der von den nur dreifarbigen Miniampeln i.a.R. nicht mit anzegeitg wird) nicht übersieht. Und noch was: Eine grüne Miniampel oder ein leuchtender Gelber Pfeil heißen nicht, dass die Fusgängerampel direkt dahinter rot zeigt…

Und für alle, die’s jetzt noch immer nicht kapiert haben: Entgegen dem Klichée: Rasen und Saufen is in Frankreich nicht, denn der nächste Polizist, das nächste Schlagloch oder die nächste Bodenwelle ist niemals fern sind! (PS: Die Sache mit den Alkomaten ist inzwischen eher obsolet…meint jedenfalls der ADAC…).

Schilder

Bis auf kleinere Farbliche Unterschiede und die etwas nervige Angewohnheit, dass die Franzosen anstatt von Symbolen auch ganz gern mal mit Worten (also Französischen Worten!) arbeiten, funktionieren Schilder in Frankreich ziemlich ähnlich wie in Deutschland…nur dass sie etwas anders aufgestellt werden.
Während wir Deutschen Schilder in aller Regel so aufstellen, dass sie ziemlich genau in die Richtung weisen, in der das auf dem Schild erwähnte Ziel bzw. der Weg zu selbigem liegt, nimmt man in Frankreich mehr Rücksicht auf den/die Autofaher*in und „dreht“ die Schilder zur besseren Sichtbarkeit gerne mal um 30-90° in Richtung der Herkunftsrichtung des Zielsuchenden, was bei Deutschen Schildersuchern gelegentlich zu größerer Verwirrung und beinahe permanenten Wiedersprüchen zwischen Navi und Schild führt.

Kurz: Man tut im Ausland immer gut drann, sich zumindest die gängigsten französischen „Wortschilder“ und ihre Bedeutung vorher einzuprägen und immer drann zu denken, dass man in Frankreich die Schilder bzw. ihre Richtung im Geiste immer etwas von sich wegdrehen muss…dann klappts mit der Richtung eigentlich ganz gut.

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Colmar

Das Essen…eigentlich alles bekannt…oder doch nicht?

Kougelhupf mit Überraschungen

Kougelhupf und Sauerkraut sind etwas feines…nur sollte man wenn man sie im Elsaß bestellt nicht unbedingt das haargenau Gleiche erwarten, wie in Deutschland. Der elsässische Kougelhoupf ist süß oder herzhaft (sic!) eher eine Art Brot, dass gerne auch mal Speck, Walnüssen oder anderen „französischen“ Überraschungen angereichert ist. Die zuckersüße, eher an Marmorkuchen erinnernde Variante scheint im Elsaß dagegen weitestgehend unbekannt zu sein

Sauerkraut und und mehr

…und auch wer auf wirklich saures deutsches Sauerkraut mit deutlichem Kohlgeschmack steht ist im Elsaß absolut falsch. Sauerkraut ist hier eine leichte, kaum nach Kohl oder Säure Schmeckende Offenbarung, die als zarter Flaum die taufrischen Frühkartoffeln umgibt (so viel zu den leider nur allzu offensichtlichen Qualitätsunterschieden!) Das gleiche gilt auch für die dazu meist reichlich dazu gereichten Wurst und Rauchwaren – im Elsaß ist das alles etwas leichter, raffinierter, feiner und nicht ganz so teutonisch herzhaft, dafür gibt es aber mindestens das 8-fache einer durchschnittlichen deutschen Protion davon! Es reicht also wenn man drei Gänge bestellt…5 wie in Frankreich üblich schafft der ungeübte deutsche Magen einfach nicht!

Im übrigen sollte man auch ein paar französische Nahrunsgmittel-Vokabeln wie „Nierchen“ (rognons), „Froschschenkel“ (cuisses [de grenouilles]), oder „Schnecken“ (escargots) gepaukt haben. Das alles ist zwar unglaublich lecker, aber nicht jede tierschutzbegeisterte Teutonin mit akut xenophober Nahrungsmittelunverträglichkeitsstörung möchte sowas unbedingt essen und es kommt einfach ziemlich blöd den vollen Teller dank der eigenen Blödheit wieder in die Küche zurückgehen zu lassen und dafür auch noch voll bezahlen zu müssen (und ja, es soll tatsächlich einige teutonische Vollpfosten geben die in diesem Fall anfingen mit dem Wirt darüber zu diskutieren, dass man ja nicht bezahlen müsse, was man aus Dummheit bestellt hat und das einem dann nicht geschmeckt hat…Oh mon Dieu! Je vous spuplie de jeter un peu d’esprit!

„Rognons à la crème mit Spatze„, „Krumbeeritüfel“ und „Baeckoeffe“ – oder was ess ich da eigentlich?

Und wer jetzt meint sich auf die (außerhalb der Touri-Hot-Spots meist eh nicht vorhandene) Deutsche oder Englische Übersetzung der Speisekarte verlassen zu können…  A) gibt’s die meist nur für die Standartgerichte, und damit entgeht einem das Beste (namentlich die tagesfrischen lokalen Spezialitäten!) und B) gleicht diese Übersetzung nicht selten einem sehr phantasiereichen Computerprogramm, wenn man Französisch kann ist das durchaus amüsant, für den der Sprache nicht mächtigen aber eher eine Art Überraschungsei, da er nicht zwingend das bekommt, was in der Übersetzung steht, oder sich aus der Übersetzung auch keinen Reim darauf machen kann, was da auf seinem Teller liegt (das gleiche gilt meist auch für die weitverbreiteten Elsässischen Bezeichnungen der Gerichte, oder wer weiß schon was ein „Krumbeeritüfel“ oder ein „Baeckoeffe“ ist?)…

Und sonst…

Fois Gras

Nein, man streitet mit Franzosen besser nicht darüber, ob fois gras nun Tierquälerei oder kulinarische Delikatesse ist. Das Land hat sich entschieden: Es ist Kulturgut und damit absolut unantastbar, basta! und ja, Französisch und die Französische Kultur sind die beste, tollste und größte der Welt! Noch irgendwelche Zweifel liebe amerikanophile Teutonen?

Strasbourg

EU-Parlamentsgebäude in Strassbourg

Arglos im falschen Viertel, oder: Die Sache mit den leichtbekleideten Damen

Auch wenn im Elsaß alles so aussieht als sei’s gerade aus einer Puppenstube gefallen – auch hier gilt: es gibt Viertel und Stadtteile, in die man als Tourist v.a. nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht mehr geht. V.A. die „Banlieus“ von Straßbourg und Mühlhausen sind nicht unbedingt der richtige Ort um dort sein teures Luxusauto abzustellen oder mit sündhaft teuren Kameraausrüstungen samt Reisekasse (wir erinnern uns an die Sache mit den 1000 Euroscheinen!) rumzuscharwänzeln. Auch das des Nachts doch recht einsame Areal um das Europaparlament oder die Orangerie, sowie das Bahnhofsviertel in Straßbourg sollte man als Tourist eher meiden, wenn man keine unliebsamen Bekanntschaften machen will. Und ja, die leichtbekleideten Damen (und gelegentlich auch die jungen Herren in den hautengen Jeans) an den Aus- und Einfallstraßen gehören zum Straßenstrich…auch wenn Prostitution in Frankreich seit De Gaules Zeiten verboten und der Kauf von Sex neuerdings sogar unter Strafe steht…

Marmoutier

Stiftskirche in Marmoutier

Nicht versäumen!

Nicht versäumen sollte man hingegen einen Besuch im Töpferort Soufflenheim – auch und gerade weil dieser etwas abseits gelegen in der Nähe des nicht ganz so reizvollen Städtchens Haguenau (dt. Hagenau) im Nordelsaß liegt. Wo anders hat man Gelegenheit in die Auslagen von gleich einem Dutzend Töpfern zu sehen, die mit etwas Glück schon in der 23. Generation Geschirr herstellen, dass man bedenkenlos auch in einen 500°C heißen Backofen stellen kann? (PS: das funktioniert aber nur, wenn man die rottonige autochtone Ware wählt und sie vor der ersten Nutzung 12 Strunden wässert und bei 120 Grad „vorfettet“ und sie nie, aber wirklich auch nie in dei Spülmaschine stellt oder mit Spüli ausspült (einfaches Ausschwischen nach dem Backen ist am besten!), dann hat man die perfekte natürliche „Teflonpfanne“, die – etwas Vorsicht vorausgesetzt – ein Leben lang hält.Die im Ort ebenfalls angebotete Ware aus weißtonigem südfranzösischen Ton hergestellte „Sonntags- und Designerware“ verträgt das allerdings nicht…sie ist eher „Zierstück“ und für die Vitrine und den Kaffeetisch gedacht…

Auch eine Bootsfahrt in Strasbourg  (Im Sommer am besten mit einem der klimatisierten „Glasaquarienbote“ von der Anlegestelle am Palais du Rohan aus), oder Colmar (hier fällt sie auf den kleinen, motorbetriebenen Fischerkähnen besonders romantisch aus) sollte man trotz der manchmal etwas längeren Schlangen vor den Kartenhäuschen keinesfalls versäumen, da man so nicht nur einen Über- sondern auch einen ganz anderen Blick auf die schönsten Seiten der Stadt hat, die sonst etweder ganz unsichtbar sind, oder „im Vorbeifahren“ einfach übersehen werden.

Wer zufällig am Ersten Sonntag im Monat in Straßbourg ist, sollte den freien Eintritt zu den Städtischen Museen (und das sind fast alle!) unbedingt ausgiebig nutzen! Ob feinste gotische Skulptur, Karrikaturen, Zoologische Raritäten, Moderne Kunst, Barocke Prunkgemächer, Volkskunst oder ein riesiges Stadtmodell, Straßbourgs Musseen quellen über vor absolut sehenswerten Prunkstücken! Zu allem Überfluss kann man dabei auch noch den Ausblick von der Terasse des Musée d’Art Moderne auf Straßburg genießen! (Ob man dort allerdings seinen Cafée und Kuchen einnehmen muss, sollte man sich angesichts der doch etwas arg ambitionierten Preise lieber zweimal überlegen). Sehenswert ist auch der Museumsshop dieses Museums, der nicht nur didaktisch höchst wertvolles, dabei aber trotzdem herrlich amüsantes „Kunstspielzeug“ für Kinder im Angebot hat, sondern an dessen Decke auch originelle Mobiles hängen, welche selbst einen Mondrian oder Warhol neidig machen würden…

Bewegen tut man sich dabei am Besten mit der Straßenbahn und mit dem Bus. Strass wie die Einheimischen sagen, setzt voll und ganz auf die „Öffentlichen“ und daher sind EInzel und Tagestickets im Vergleich zu Deutschland spottbillig (6,40 € für das gesamte Netz und 24 Stunden und bis zu 3 Personen, und das nicht nur an Sonntagen, Einzeltickets sind sogar noch billiger!). Dank der ziemlich engen Taktung und des äußerst umfangreichen Liniennetzes kommt man damit wirklich gut herum und auch in  die weniger bekannten Ecken der Stadt, wie den hinreißend schönen Stadtpark (L’Orangerie) mit seinem kleinen Zoo und den nahegelegenen Gebäuden der EU in bester moderner Architektur. Nur eins darf man nicht vergessen: Alle Tickets müssen VOR Fahrtantritt an den kleinen Säulen bei den Haltestellen nochmals extra entwertet werden, sonst wird’s teuer…und keine Angst vor den Automaten mit den seltsamen Rollbuttons, die funktionieren im Grunde viel logischer als ihre Deutschen Vettern – ungefähr so wie ein guter altmodischer Joystick…einfach mal ausprobieren und ab ins Autofreie Vergnügen!

Und wenn man eh schon in der Straßburger Miniaturausgabe von Venedig ist…unbedingt die 3 Meter weiter zur „Pont Vauban“ laufen und innen über die Stiegen auf die Aussichtsterasse hinaufsteigen. Das kostet nix, und man kommt auf der anderen Seite der Brücke auch wieder runter, sprich man kann anstatt unten auch oben die Ill überqueren und hat dabei gleich noch den absolut besten Blick auf die Straßburger Altstadt (außer man steigt auf’s Münster rauf natürlich!). Der einzige Wehrmutstropfen: Nachts ist die Pont leider geschlossen…

Pflicht für jeden Archäologiebegeisterten ist die „Archäologiegruft“ in der über 1100 Jahren alten Klosterkirche von Marmoutier. Hier hat man die einmalige Gelegenheit eine „Kirchengrabung“ samt der Fundstücke quasi in situ betrachten zu können. Der Eingang liegt etwas versteckt im rechten Seitenschiff.

Wer ein Faible für Kirchenfenster hat ist entweder im Straßbourger Münster oder aber im Chor des Münsters von Schlettstadt (fz. Selestat) richtig. Hier kann man den Fenstern von Peter Hemmel von Andlau ganz nahe kommen…und auch ein kleiner Abstecher in die evangelische Kirche in Schlettstadt wo an sonnigen Nachmittagen moderne Glasfenster den Innenraum in ein wunderbar mystisches Farbenspiel tauchen lohnt. Außerdem kann man dann gleich die quasi gegenüberliegende Humanistischen Bibliothek besuchen. Ein „absolutes Muss“ – nicht nur für Bibliophile und passionierte Büchernarren!

Saverne 2

Klassizistische Fassade des Rohan-Schlosses in Saverne

Nicht verpassen sollte man auch einen Abstecher ganz in den Norden des Elsaß. Dort lockt in Savergne (deutsch: Zabern) nicht nur mit einer hinreißend pitturesken Altstadt auf einem Hügel, sondern mit dem wohl schönsten Fachwerkhaus des ganzen Elsaß (Haus Katz) in dem sich auch ganz ausgezeichnet speisen lässt,  sondern auch mit der wirklich beeindruckenden und längsten klassizistische Schlossfassade ganz Frankreichs (Rohanschloss).

Und wer schon immer einen riesigen Christophorus sehen, oder im Schatten der Stadtpfarrkirche zu Brunnengeplätscher einen Salat aus hausgeräucherter Entenbrust und Feigen verdrücken wollte, oder auf riesigen Stadtwällen spazieren und/oder einfach nur seine Füße in einen der Stadtbäche strecken wollte, der ist in Wissembourg (dt. Weißenburg) ganz im Nordwesten des Elsaß sehr gut aufgehoben.

Wo man nicht unbedingt hin muss…oder: The most Overestimated Places in Alsace…

Auch wenn ich i.a.R. nicht dafür bin irgendjemand davon abzuhalten etwas zu besuchen, das er unbedingt besuchen will gibt es doch ein, zwei Orte im Elsaß die seltsamerweise in jedem Touriführer auf der Übersichtsseite ganz oben stehen und/oder mit drei Sternen markiert sind, die man sich meinem bescheidenen Dafürhalten aber zumindest beim einem ersten Kurzaufenthalt eher (er)spaaren sollte…

Haute Koenigsburg

Ganz oben auf dieser meiner zugegebenermaßen sehr persönlichen Liste der am meisten überschätzten Ausflugsziele steht die Hochkönigsburg bei Schlettstadt. Das hat jetzt weniger damit zu tun, dass ich’s als Kulturhistoriker und Archäologe nicht so unbedingt mit schlecht gemachten Kopien von Raubritterburgen aus dem frühen 20. Jahrhundert habe. Meiner Reiselaune bekommt’s einfach ziemlich schlecht, wenn ich bei 38° Hitze erstmal 5 Kilometer an parkenden Autos und quer durch den Ausflugsverkehr steil bergauf laufen muss um mich dann in praller Sonne 2 1/2 Stunden für sündhaft teure Eintrittskarten anzustellen um dann im Boxgalopp mit 200 anderen Leuten durch eine Art Disneyland (bei dem auch noch die meisten, eh schon nicht orginalen Ausstattungsstücke abhanden gekommen sind) gejagt zu werden. Wenn ich mich dann auf der Suche nach dem danach wohlverdienten Cafée auch noch neben einer amerikanischen Touristengruppe in Trubadour-Velourkostümen auf Plastikstühlen direkt an der stark befahrenen Durchgangsstraße (das ist die gleiche wie die bei den Parkplätzen – richtig es ist eine Einbahnstraße udn alle müssen da durch!) wiederfinde nur um aus lauter Frust und Not mitten im Elsaß überteuertes Fastfood zu essen und dabei von 20.000 anderen Besuchern am Tag fotografiert werde, weil ich blöderweise an der einzigen Stelle hock, von der man ohne Eintritt zu bezahlen einen einigermaßen ordentlichen Ausblick hat, obwohl das Mistding von Basel bis Karlsruhe am Horizont zu sehen ist, dann hält sich begreiflicherweise meine Begeisterung für dieses „elsässische Neuschwanstein“ in doch sehr beengten Grenzen…

Nichtsdestotrotz, es soll ja durchaus Leute geben, die sowas als gelungenes Urlaubserlebnis einstufen, und die möcht ich auch garnicht davon abhalten!

Alle anderen sollten zumindest beim ersten Besuch der Region lieber eine der nicht gerade seltenen anderen Elsässischen Burganlagen besuchen. Schließlich herrscht selbst in unmittelbarer Nähe des überlaufenen Burgen(alp)traums Kaiser Willhelm II. nun wirklich kein Mangel an anderen Burgen, Schlössern, Ruinen, Klöstern, bildhübschen Winzerörtchen, Aussichtspunkten oder einfach nur anderen weit weniger überfüllten Attraktionen, wie dem Affenberg oder der hinreißend pitturesken Altstadt von Schlettstadt mit ihrer berühmten Humanistischen Bibliothek.

Petite Venice (Straßbourg) und die Krutenau in Colmar

Ja, sie sind zugegebenermaßen wunderschön, das straßburger Klein Venedig (Petite Venise) oder die Krutenau in Colmar. Dummerweise wissen das aber auch 8 Millionen andere Besucher und entsprechend eng, laut und ungemütlich wird es hier an lauen Sommerabenden.

Straßbourg

Sicher, die Lage am Fluss ist verlockend, und es ist wirklich nett in Petite Venise…aber mal ehrlich: die Gastronomie an diesem touristischen Hot spot ist entweder grottenschlecht und – es sei Lucullus geklagt und Dyonisos gesungen – eher auf geschmacklich eher mittelmäßige Massenabfertigung ausgerichtet, und/oder zwar gut, aber eben dank der „Lage“ auch sündhaft überteuert…

Wer nun also nicht so ganz auf schlechten Flammkuchen, Currywurst oder matschige Burger steht, und auch keinen privaten Goldesel bei sich hat und/oder es auch nicht besonders schätzt, dass der Kellner leicht nervös auf die Uhr schaut, wenn man für seinen Expresso mehr als 2 Minuten braucht, dem sei als Ersatz für Klein Venedig die gleich gegenüber liegende südlichste der Illinseln wärmstens anempfohlen. Dort gibt’s in der (praktischerwerise direkt hinter Petite Venise über den Fluss abzweigenden) Rue des Moulins genauso nette Restaurants mit vielleicht noch viel schöneren Flussterassen- oder Gassen-Blick. Einfach mal beim Garcon oder der Mademoiselle am Eingang nachfragen ob sie noch ein lauschiges Plätzchen frei haben. Wenn man mittags, oder vor 19.00h kommt findet sich eigentlich immer was,  und das zu weitaus „vernünftigeren“ Preisen und mit Speisen, die den Vergleich mit dem teuren Petite Venise keinesfalls scheuen müssen. Natürlich gilt auch hier, wie an jedem anderen Tourihotspot der Welt auch: wer sichergehen will, sollte rechtzeitig (via internet oder noch besser: persönlich!) reservieren und sich die Speisekarte samt zugehörigen Preisen ansehen, bevor er sich hinsetzt!

Und wenn wir schon bei Restaurants und dem Sich Niederlassen sind: Genau wie in jedem einigermaßen ordentlichen Restaurant in Deutschland, man wird in Frankreich gesetzt und pflanzt sich nicht selber irgendwo hin, zumindest aber fragt man aber bei unangemeldetem Besuch den am Eingang bereitstehenden Kellner, Platzanweiser, Reservierungsbuchüberwacher*in oder Besitzer des Restaurants, ob noch ein Platz frei ist, und wo man sich hinsetzen darf.  Dass heißt nicht, dass man nicht, sofern das Restaurant nicht vollkommen überfüllt bzw. ausgebucht ist, den Kellner/Platzanweiser/Besitzer bei nicht-gefallen charmant fragen kann, ob man vielleicht doch noch einen noch schöneren Platz haben könnte, als derjenige, den er gerade für den allerschönsten für einen hält… Es ist einfach eine Sache von Anstand und Respekt – oder wie würden Sie es finden, wenn jemand einfach in ihr Wohnzimmer stapft und sich ungefragt auf das Familiensofa pflanzt? Und mal ehrlich, meist wird man auf Nachfrage eh zu hören bekommen, dass natürlich alle nichtreservierten Plätze frei sind, oder man bekommt eine sehr schöne Auswahl wirklich annehmbarer Platzierungsmöglichkeiten präsentiert…Der Vorteil des Prozederes ist ganz nebenbei, dass man dadurch überhaupt erst entdeckt, dass es im Hinterhaus oder im zweiten oder gar dritten Stock, oder um die Ecke an der Küche vorbei und durch den Weinkeller und Souvenirshop durch (alles schon erlebt!) noch ein paar wirklich nette, ruhige und ganz wunderbar gelegene Terassenplätze direkt über dem Fluss und mit phantastischem Kathedralblick gibt, die man in dem verwinkelten Elsässischen Fachwerkbau niemals selbst gefunden/gesehen hätte, wenn einen der ausgesprochen polyglotte und fesche garcon nicht „bei der Hand“ genommen und sie einem gezeigt hätt…Alles klar? Dann is ja gut…

Colmar

Colmar

Colmar 2

Das gleiche wie für das Straßburger Klein Venedig gilt leider auch für das inzwischen ebenfalls reichlich überlaufene Colmar. Nur dass man dort von der vielbestaunten Krutenau nicht flussab, sondern etwas flussaufwärts Richtung der alten Markthalle muss. Wegen der vielen dort angebotenen Spezialitäten und den kleinen Bistros im Inneren ist aber allein diese schon den klitzekleinen „Umweg“ wert. Wer dann auch noch das Glück hat in einem der nahegelegenen Restaurants direkt am oder besser über dem Fluss und mit Blick auf die vorbeigleitenden Fischerkähne den besten Flammkuchen des ganzen Elsass zu essen, der kann gut und gerne auf das Gedränge und den Gastro-Schnickschnack in der Krutenau verzichten. Und weil ich grad dabei bin: Noch was für die, die gerade planen nach Colmar zu fahren: Im Moment wird das berühmte Unterlindenmuseum in Colmar (und auch die halbe Innenstadt drumherum) renoviert. Das wird zwar alles sehr schön, und auch der berühmte Isenheimer Altar von Matthis Grünwald kann trotzdem gemeinsam mit etlichen anderen nach dort ausgelagerten Ausstellungstücken in einer der benachbarten Kirchen angesehen werden, aber so wirklich gut gelungen ist diese „Notlösung“ nicht und viele der Schätze des Museums sind gerade einfach im Depot. Daher ich würde persönlich mit einem Besuch noch so lange warten, bis die Renovierungen abgeschlossen sind. Dann macht’s auch wieder Spaß in der Stadt unterwegs zu sein, ohne dass man alle drei Meter über einen Bauzaun klettern muss…

Und jetzt hör ich einfach auf mit vorkauen und besserwissen und lass Euch selber hinfahren:

Bon vacance!

…und für alle, die noch ein paar mehr Bilder sehen wollen: http://wp.me/p4eIN4-7C

Und jetzt erst recht…oder: Warum man gerade jetzt seine Badesachen packen und in Griechenland Urlaub machen sollte!

Hellas !

Als ich heute morgen meinen Facebook-Account öffnete, flimmerte mir als Erstes das geteilte Abbild eines auf einem Bankautomaten angebrachten „handgemachten“ Zettels entgegen. Auf diesem erklärte ein griechischer Gastronom seinen Gästen, dass sich auch nach den katastrophalen Meldungen des Wochenendes und trotz der sich immer mehr zuspitzenden Krise nichts, aber auch garnichts an der griechischen Gastfreundschaft ändern werde. Er und die anderen Einwohner der Insel würden auch in Zukunft alles tun, um trotz der immer schwieriger werdenden Lage den Aufenthalt ihrer Gäste so angenehm wie möglich zu machen. Gemeinsam könnten sie es schaffen, trotzdem und trotz allem…Welch Chutzbe!

Kurz darauf verkündete die sonore Stimme des Radionachrichtensprechers zum gefühlt tausendsten Mal, dass die Griechenlandkriese keinerlei Auswirkungen auf den Wohlstand und das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben werde, nur um kurz darauf den stärksten Tageseinbruch des DAX in den letzten 3 Jahren zu verkünden und den baldigen Zusammenbruch des griechischen Bankensystems zu prognostizieren…No Panic we are Geramans and too big to fail!

Und ja, auch ich bin angesichts des G-Themas irgendwas zwischen erschüttert, entsetzt, nervös und gereizt. Das Ganze ist derart surreal, dass ich manchmal denke, ich bin im falschen Film. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ich einem befreundeten Historiker, den das Leben an eine der Eliteuniversitäten Englands verschlagen hatte, auf seine verwirrte Feststellung, dass er nicht so ganz nachvollziehen kann, weshalb der verordnete Volksentscheid als leuchtendes im Netz als Zeichen der Basisdemokratie gefeiert wird, schreibe dass man einen  Junkie nicht mit seiner Lieblingsdroge heilen könne…Mir ist erst danach aufgefallen, dass ich offen ließ, ob ich damit Geld oder Demokratie meinte, und auch offen ließ, ob damit die Institutionen oder Griechenland gemeint war.

Und was nun? Wie geht es weiter? Der Administrator eines griechisch-australischen Ethnospaces forderte die Leser seines öffentlichen Facebookaccounts heute auf, trotzdem und gerade wegen der Krise nach Griechenland zu fahren, Urlaub zu machen,  zu konsumieren und damit ihren „Verwandten in der Heimat“ aktiv beim Überleben zu helfen.

Vielleicht der sinnvollste Rat, den ich heute zwischen all den ungefragten Expertenmeinungen und Katastrophenszenarien gelesen habe. Allerdings ein Rat, der Mut erfordert. Mut in ein Land zu fahren, in dem gerade eben nicht alles perfekt funktioneren könnte. Mut, auch mal vor einem Bankautomaten zu stehen, bei dem das Geld gerade „aus“ ist. Mut sich – trotz allem – auf  die Freundlichkeit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Griechen zu verlassen. Mut nicht zu wissen, ob dass mit dem Abflugdatum oder der Fähre wirklich klappen wird. Mut die eigene Komfortzone zu verlassen und Mut die eigenen Vorurteile, Ängste und Zweifel an der Realität abzuarbeiten…

Viel verlangt ist das nicht, schließlich leben die meisten Griechen seit etlichen Jahren mit sehr viel größeren Problemen.
Giassas!

 

Aus dem Archiv_Aleppo war ein Märchen… (Erstpublikation am 27.03.2013)

Ein Stück Seife aus Aleppo…

Im schwachen Licht des Obergadens meines Dachbodens funkelten plötzlich goldene Ranken, Blüten und fremdartige Schriftzeichen. Neugierig geworden öffne ich die kleine Schachtel und augenblicklich umgibt mich das schwere Parfum eines orientalischen Suks. Aus meinem Inneren tauchen Bilder von halb im Wüstensand versunkenen Städte, Palmen, Dünen, Brunnen auf. Städte und Paläste von märchenhaftem Prunk, glitzerndes Gold und das verführerische Rascheln buntgeflammter Seide. So stark war der betäubende Geruch des kleinen Pakets, dass ich fast mit einem der Dachbalken zusammengestoßen wäre. Ich fühlte mich, als sei ich mit Sindbad dem Seefahrer, dem kleinen Muk, Sheherazade und Harun ar Rashid mitten in einem Märchen aus 1001 Nacht gelandet.

Es dauerte, bevor ich begriff, dass das kleine, mit Arabesken verzierte, bräunliche Etwas nichts anderes war als ein Stück acht allepiner Seife aus feinstem syrischen Olivenöl….

Mehr zum Weiterlesen unter:

https://alexnikanor.wordpress.com/2013/03/27/ein-ganz-normales-stuck-seife/

Beobachteter Alltag_Neulich am Osterbrunnen von Oberstadion…

Oberstadion, Osterbrunnen

Oberstadion, Osterbrunnen

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ Würde der gute alte Goethe seinen Osterspaziergang heute schreiben, er würde wohl weniger über die unbestrittenen Reize von Mutter Natur, sondern über die strömenden Massen pastellgetönter FrührentnerInnen auf Osterbrunnentour schreiben. Zwar weiß der informierte Geist längst, dass die neuerdings allüberall zur Osterzeit aus dem Boden schießenden grellbunten Gebilde, samt ihrer 10, 20 oder gar 30tausend „garantiert handgemalten Ostereier“ definitiv nichts, aber auch garnichts mit den seit Weinhold immer wieder gern zitierten, angeblichen „urgermanischen“ Quellen- und Fruchtbarkeitskulten zu tun haben, sondern der geschickten Marketingidee und dem Geschäftsgeist einiger oberfränkischer Gemeinden, welche kurz nach dem 1. Weltkrieg für ihren darniederliegenden „Fränkischen Schweiz Tourismus“ noch eine Attraktion für die besucherarme Frühjahrszeit brauchten, geschuldet sind – Aber mal ehrlich: welche oberschwäbische, fränkische, rheinländische, italienische oder friesische Landfrau mit „horror vacui-Symptomatik“ und akutem Putz- Schmuckbedürfniss will schon wissen, dass die nette Idee, den bei der missglückten Dorfkernerneuerung in den 1980ern in totschickem Vollsichtbeton ausgeführten „Gemeinschaftsbrunnen“ mit bunten Eiern und Thujagrün zu schmücken nichts anderes als eine sich parasitär ausbreitende Form des Touristenschröpfens ist?

Zugegeben, es gibt weitaus weniger kreative und pittureske Arten des Zeitvertreibs, und im besten Falle schafft der seit den 1990er Jahren europaweit ausgebrochene erbitterte Wettbewerb um den „größten, schönsten, buntesten, authentischsten, liebevollsten und einfach nur prächtigsten“ Osterbrunnen sogar etwas wie „Ästhetische Ersatzbefriedigung“ und „Scheingemeinschaft“ angesichts der tristen Alltagsrealität der längst zu menschenleeren, resopaltürverstärkten Toskana-Kopien mit Tempo-30-Zone verkommenen Vorstadtschlafgemeinden. Anders ausgedrückt: Den Leuten gefällts, Trachtenverein und Landfrauen finden nach der endgültigen Aufgabe des letzten Vollerwerbsbetriebs vor Ort eine neue Form der Daseinsberechtigung, die bereits ausgestorben geglaubte Gattung ländlich-naiver Kleinkunst erlebt einen neuen Besucherboom und auch die örtlichen Busunternehmer und Gastronomen sind glücklich ob der osterbrunnentourismusbedingt sprudenlden Einnahmen.

Dass es dabei gelegentlich zu weng österlich anmutenden Rangeleien um Routenverläufe, gezielte Vernichtungsattacken auf den festlich geschmückten Brunnen der Konkurrenzgemeinde und medialen Totalangriffen auf den ästhetischen Wert des je anderen kommt, dass in manchem „Osterbrunnenclub“ statt dörflicher Gemeinschaft längst kleinstdöftlicher Geltungswahn und Gitantismus Einzug gehalten haben, und dass so mancher Gemeinderat unter dem Vorwahnd drohender Osterbrunnenschändung nonchalant  27.000 Euro für die 24-h-Totalüberwachung  „ihres“ Osterbrunnens genehmigt, eine Osterbrunnensicherheitswacht ins Leben gerufen, und damit auch gleich auf elegante Weise das Problem der vorgeblich „die Dörfliche Idylle schädigenden komasaufenden Dorfjugend“ und angeblich „scharenweise einfallenden ortsfremden Klau-Romabanden“ angegangen zu haben glaubt, dass Hinterburgtrellingsfurth im letzten Jahr vielleicht doch noch einen größeren Osterbrunnen als wir hatten und somit unser Eintrag im Guinessbuch der kuriosen Dorfrekorde gebrochen wurde…Ja gottverdammt nocheinmal: Irgendwas muss man ja immer zu reden, zu tun und zu motzen haben, sonst wär das Leben ja nicht mehr lebenswert!

Und überhaupt: Der Osterbrunnenbesuch: Da wird possiert, fokussiert, schwadroniert, fabuliert, beurteilt, bekrittelt, bewundert und gleich noch gemütlich bei Kaffe und Kurchen munter über den Unterschied eines auf ein Wachtelei getuschten Vaterunsers zum mit Eisvögeln verzierten Straußenei debattiert. Für die oft abgelegenen und den Rest des Jahres von akuter Verödung bedrohten Kleinstgemeinden ist der österliche Besucherandrang ein Segen, für die aus dem aktiven Berufsleben und damit meist auch aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld ausgeschiedenen RentnerInnen ebenfalls „weil man halt mal wieder unter die Leut kommt“. Der Osterbrunnen als kombinierte Dorfrevitalisierung, Gewerbesteuersteigerung und Beschäftigungstherapie in einem eben…Wenn bei diesem hären Zweck schon mal eine jahrunderte Streuobstwiese oder ein baufälliges Schloss dem für genau 2 Wochen im Jahr genutzten, überdimmensionierten Reisebusparkplatz in Lochsteinoptik weichen muss. Hony sois qui mal y pense!
Und mal ehrlich, lieben wir nicht alle unser Jesusmosaik aus 12000 mundausgeblasenen und von den letzten Kindergartenkindern bemalten Wachteleiern, oder die aus je 13000 liebevoll mit Zweibelschalensud besprenkelten Bio-Freiland-Eiern zusammengesetzten Schafe, Hühner, Weltkugeln oder Schmucktorbögen? Quetschen wir uns nicht gerne durch überhitzte und vollkommen überfüllte Ostereiausstellungen, in denen wir mit politisch nicht ganz korrekten Massaiszenen bemalte Straußeneier als Remineszenz an die letzte Afrikasafari unserer 82-jährigen Nachbarin bestaunen können? Und genießen wir danach nicht alle die selbstgebackenen Käsekuchen der Landfrauen Hinterstreußlingen? und ja…planen wir nicht alle nach einem solchen Highlight für unsere eigene Dorfmitte, den eigenen Vorgarten oder auch nur das eigene kleine Zimmer im Altersheim unseren eigenen, noch schöneren, größeren und besseren Osterbrunnen?

Was würden wir denn mit unseren Sonntag-Nachmittagen anfangen, wenn nicht gnädige Reisebusunternehmer auf die Idee gekommen wären sämtliche 423 Osterbrunnen Nordostmittel und Unterfrankens in ihr Rund-um-Heizdecken-Sorglosprogram aufzunehmen? Und wo wäre die abendländische Kultur heute ohne mit Zahnarztbohrern gravierte Taubeneier mit eingebauter Spieluhr und Plastikmaus mit LED-beleuchteten Äuglein?

„A kleins bissle Kitsch isch’s ja scho, aber, s’isch hald au emmr wieadr sooooo scheee, ond erschd dui vieale Arbät die dô drinn schdeggd. Oifach schea halt, ônd dr Kuacha isch au guad dohanna!…“

Besser als diese Besucherin des Oberstadion’schen Osterbrunnens  kann man das Erlebnis „Osterbrunnen“ einfach nicht zusammenfassen – und dass dieser Osterbrunnenstandort geschickterweise neben Kafee und Kuchen gleich auch noch die Kombi-Karte für den Besuch der Ostereier- UND Krippenausstellung anbietet – Wenn man schon was macht, dann ordentlich – Stillstand bedeutet Rückschritt!

Aus dem Archiv – Reise nach Kythera 11 – Von Zeus und El Greco (16.10.2013)

Zeus

Zeus

Und weil ich grade dabei bin – hier noch eine Kleinigkeit aus meinem „Kythera-Blog“ von 2013. Es geht um Zeus, El Greco, schwefelgelben Himmel und einen Schatz…Wer mehr wissen will:

http://wp.me/p2SJFH-ko

 

Aus dem Archiv: Reise nach Kythera 8 – Von Eisvögeln und Erdbeben (12.10.2013)

Talassa

Weil ich gerade wieder sehr viel an Griechenland und die Griechen denke – hier ein kleiner Auszug aus meinem „Feldforschungs-Blog“ von 2013:

Die Eisvögel sind wieder da!“ So hat es mir gestern morgen stolz und mit freudvollem Grinsen ein kleiner Junge verkündet als ich auf der Suche nach meinem Kugelschreiber auf der kleinen Mole des Fischerhafens von Diakofi umherirrte. Da „Eisvogel“ nicht zu meinem gängigen Griechischen Wortschatz gehört (der ist eher für so lebensnotwendige Dinge wie tanken, essen, Rechnungen, Entschuldigungen und Waschmittel reserviert ;-)) hab ich zuerst nicht verstanden was der kleine Dreikäsehoch von mir wollte.

Doch ein rascher Blick in Richtung der aufgeregt hin und herwedelnden Ärmchen machte sofort klar, was der Kleine mir mit glänzenden Augen versuchte zu erklären: Gleich zwei der schillernden Juwelen der Lüfte hatten sich – einfach so, und ohne sich um die etwas triste Umgebung zu kümmern – auf den weiß-rot gestrichenen Reelings der kleinen hölzernen Fischerboote niedergelassen und versuchten nun indem sie laut pfeifend hin und herflogen einige kleine Fische aus dem türkisfarbenen Wasser zu fischen.

Es brauchte wohl diesen optischen Schlüsselreiz um dann doch noch den entscheidenden „Klick“ in meinem klassisch gebildeten Hirn auszulösen. Genauer: wie (fast) immer in Griechenland gibt es selbstverständlich auch für das winterliche Auftauchen von Eisvögeln eine passende antike Sage: Ceyx Gemahl von Halcyone, Tochter des Windgottes Äolus, fuhr eines Tages über das winterliche Meer, um bei einem Orakel Rat zu suchen. Sein Schiff geriet in einen Sturm und sank – Ceyx und mit ihm alle seine Mitreisenden ertranken. Daraufhin erhielt Halcyone im Traum eine von den Göttern gesendete Botschaft von dem Unglück. Verzweifelt ob des Verlusts ihres Gatten stürzte sie sich ebenfalls in die Fluten. Die Götter, von der Treue Halcyones beeindruckt, verwandelten sie und ihren toten Gatten in Eisvögel und gewährten der Schiffahrt alljährlich im Winter vierzehn ruhige, windstille Tage, die sog. Halcyon-Tage. Diese spielen auch eine ganz besondere Rolle in Henry Purcells „The Enchanted Island„, und welche andere Insel könnte mit diesem Titel gemeint sein als…richtig Kythera“

Der Grund für diese windstillen Tage ist allerdings etwas kurios und spricht nicht unbedingt für die genaue Beobachtungsgabe antiker Ornithologen. Nicht der Schutz der Seefahrer lag den Göttern am Herzen (wie häufig bei den launischen Olympiern handelt es sich hierbei eher um einen angenehmen Nebeneffekt), nein, die gnädige Zurückhaltung des Windgottes Äolus gilt seiner in einen Eisvogel verwandelten Halcyone, welche zu dieser Zeit angeblich brütend auf ihrem schwimmenden Nest auf dem glatten Spiegel des Meeres sitzt…

Und hier beginnt das Problem: Entweder antike Eisvögel verhielten sich komplett anders als ihre modernen Nachfahren – diese brüten in aller Regel in selbstgegrabenen Höhlen an sandigen Steilufern und Geländeabbrüchen und haben so recht wenig von einer ruhigen See, oder aber die antiken Urheber der Sage haben schlichtweg Seeschwalben (die brüten tatsächlich in ruhigen Meereslagunen auf schwimmenden Flößen aus Grünpflanzen) und Eisvögel miteinander verwechselt bzw. zu einer Art vermischt – Lebensraum und Umrisse beider Arten sind recht ähnlich und beide fangen bekanntlich Fisch…Sicher ist nur, dass ich das griechische Wort „(H)Alcyon“ für Eisvogel so schnell nicht mehr vergessen werde…

Nicht genug damit, gegen Mittag riss der stärker werdende Zephir etliche Blüten von den Bouganveliennüschen und Hibiskussträuchern (wir haben hier immer noch Sommer!) und verteilte sie im kristallklaren Wasser der Bucht. Das Ganze sah aus, als hätte man in einem vernöstlichen Spa für Riesen eine gewaltige Badewanne voller türkis-rosa-weiß-rot gesprenkelten Ajurvedabadewasser mit „Exotikblütenbeilage“ vorbereitet. Und ja, ich hab Bücher, Bücher sein lassen, mir nicht den Photo (der wär eh vom aufgewirbelten Sand kaputt gegangen) sondern die vorsorglich mitgebrachten Badesachen geschnappt und bin  mit Eisvögeln, Silberreihern, Bussarden und Falken als Zuschauern durch die ganze buntgetupfte Bucht geschwommen!

Mitten drinn im romantischen Herumgeplantsche begann es dann oben in den Bergen um Agia Moni zu rumoren. Erst ganz leise, dann lauter, als würde eine ganze Ziegenherde auf einmal über eine der Geröllhalden laufen. Aber da waren keine Ziegen, nur kleinere und größere Felsbrocken die von den Hängen hinunter ins Tal kullerten. Normalerweise ist das hier nicht weiter der Rede wert, kleinere Felsstürze passierten hier quasi im Minutentakt. Was mich dann aber doch etwas beunruhigte, waren die besorgten Gesichtern der Fischer, denen anzumerken war das es diesmal wohl etwas ernsteres war. Leicht besorgt und schweren Herzens verließ ich also meine Privatbadewanne (ich hatte wirklich die gesamte Bucht von Diakofti für mich allein!) und hab am Strand nachgefragt was denn los sei. „Seismos“ Erdbeben, nicht besonders schlimm, aber man sollte sich wohl sicherheitshalber doch ein paar Meter den Hügel hinaufbewegen…Tzunami und so…

Gesagt getan, ich in den Badeklamotten durch den Ort, ab ins Auto und den Berg hochgefahren. Ob das wirklich eine Gute Idee war weiß ich im Nachhinein nicht so unbedingt; Ein Nachbeben auf der durch Felswände verlaufenden Straße von Diakofti zum Flughafen ist sicherlich kein Vergnügen…aber immer noch sicherer als eine Flutwelle unten in der Bucht…

Oben angekommen kam mir schon ein Baggerfahrer mit der Entwarnung entgegen. Es sei wirklich nicht so schlimm. Das Erdbeben habe vor Chan(d)ia – einer Stadt auf Kreta – ca. 80 Kilometer südöstlich von hier stattgefunden, Stärke 6,7. Auf Kythera gäb’s nur kleinere Schäden, keine Tzunamigefahr…

Dumm war blos, dass ich bei der ganzen Aufregung vergessen hatte, Sonnencreme und mein Hemd anzulegen! Resultat: Ein erdbebenverursachter Sonnenbrand! Mein vergessenes Hemd hab ich dann übrigens in der Bucht wiedergefunden, der Wind hatte es zwischenzeitlich über den Strand ins Wasser geweht…noch mehr Wäsche!

Die Fischer hatten sich erst garnicht vom Fleck bewegt. Ein Tzunami, so die einhellige Meinung, sehe anders aus…wie haben sie mir nicht verraten und ich glaub, sie haben sich insgeheim auch ein ganz klein wenig darüber gefreut, dass sie dem bleichen Touristen ein wenig Angst eingejagt hatten…jedenfalls lachten sie alle und fragten, warum ich denn so rot sei…

Zurück im Appartment war ich dann um drei echt Kytheranische Weißheiten reicher:

1) Traue keinem Riesen der Bouganvelienblüten in eine Mittelmeerbucht streut, er will spielen und macht dabei kleine Erdbeben! 😉

2) Ein Erdbeben ist noch lange kein Grund auf den Sonnenschutz zu verzichten!

3) Tzunamis sehen anders aus…wie weiß niemand so genau, da’s bisher vermutlich niemand der’s je gesehen hat weitersagen konnte…

Ein Blick in die Abendnachrichten belehrte mich dann übrigens, dass die Warnung der Fischer vielleicht doch nicht nur scherzhaft gemeint war. Auf dem nur 80 Kilometer entfernten Kreta hat das Erdbeben doch erhebliche Schäden angerichtet und wenn ich’s richtig verstanden habe hat’s auch Schwerverletze und eine, wenn auch sehr kleine Flutwelle gegeben.

PS: Noch etwas ist mir heute aufgefallen. Augenscheinlich verursacht nur Nordsturm (Boreas) Stromausfall. Zephir (Westwind)-Stürme sind zwar stärker (und unangenehmer, da sie heiß und sehr feucht sind, haben hier gerade gefühlte 35°C im Schatten) verursachen aber aus unerfindlichen Gründen keine blackouts. (jedenfalls noch nicht…).

Giassas!

Geschnittene Büsche, Bärlauchesotherikerinnen und warum meine Teppiche eigentlich nach Australien müssten…

daffodil

daffodil

Ich liebe es, wenn meine Nachbarn Büsche schneiden, und Apfelbäume von ihren Wasserästen trennen – ich sehe einfach besser weit.
Meine anderen Nachbarn haben mit Kunstmohnblumen und blauen Bändern Türen dekoriert – Ich vermute Mörike-Fans* – ob außer mir irgendwer die Anspielung erkennt…oder schlägt bei meinem Hirn gerade wieder der „oversophisticated Geisteswissenschaftler“ durch und sie (die Nachbarn) (er)kennen selbst nicht was sie tun und es gefiel ihnen einfach nur die Kombi von Crème und Blau? In einem fränkischen Freiluftaltersheim mit gerade noch so geduldeter Universität (und deren unterirdischem Milieu, das nur Dreck macht) ist alles möglich…

Als Fan von Narzissen in Sektgläsern*² find ich’s gut, vermutlich auch, weil ich gestern den ersten Zitronenfalter, das erste Kind des Jahres, dass vor lauter Frühlingsfreude im Teich gelandet ist, und die erste pummelige Esotherikerin in Crème-Lila gesehen habe, die aus dem Biosphärenreservat Bärlauch klaut (die wahren Freuden des Lebens eben…). Kann man jetzt verstehen – muss man aber nicht und Kind und Esotherikerin sind wohlauf, was das weitere Schicksal des Zitronenfalters anging bin ich mir nicht sicher, er verschwand hinter einigen Frühkrokussen…

Meine Teppiche müssten mal wieder gründlich gesaugt und gestäupt werden – Zu wenig Pulverschnee (besser als jedes Teppichspray, wenn man den Teppich davor eine Nacht lang durchfrieren lässt) in diesem Winter um sie wirklich darin sauberzuklopfen – Freiwillige vor! Schließlich kann ich die Dinger nicht zum Ausklopfen nach Australien schicken (da beginnt er grad, der Winter und die Idee wär verlockend. Leider weiß ich nicht, wer sie von Sydney in die Blauen Berge und zurück fahren soll, jemanden zum Ausklopfen gäb’s da immerhin – Vielleicht geb ich sie aber auch nur ein paar Kumpels auf den Osterskiurlaub mit (der Australier wäre zuverlässiger…) – Well, wieder einmal Luxusprobleme…aber wir haben Frühling, und wenn das nicht Luxus ist, weiß ich auch nicht. Kann man jetzt übrigens auch verstehen, oder eben nicht…

 

*Frühling lässt sein Blaues Band…(wer’s noch nicht kennt, findet das hinreißend schöne Gedicht hier: http://www.derkleinegarten.de/mehr-infos-bilder/gedichte/fruehlingsgedichte/moerike-fruehling-er-ists.html).

*² Vgl. Mein Artikel zum Sektglasikebana: http://wp.me/p2SJFH-rf.