Blutige Straßenschilder – oder: Bastelstunde für „besorgte“ Helicoptereltern

Wer kennt sie nicht, die „besorgten“ Helicoptereltern, die hornissengleich und auf der nimmermüden Suche nach dem nächsten Sexualstraftäter um die selbstverständlich mit UV- und mobilfunkstrahlenabwehrenden Designersonnenbrillen aus fairem Handel bestückten Köpfchen von Klein Emma-Luise und Luca-Fynn schwirren.

Dass diese hochinvasive Spezies Mensch in ihrem, an fundamentalistische Gotteskrieger erinnernden, schrankenlosen Kampfeinsatz für’s eigene Kind,  Colateralschäden an der Nötigungsgrenze zur Geschmacklosigkeit billigend in Kauf nimmt, fällt aus wutbürgerlicher Akteursperspektive wohl unter den Sammelbegriff „Peanuts“.

Bei allen – trotz allem unermüdlich-elterlichen Einsatzes – „Nichtbetroffenen“ hingegen könnte, angesichts des unlängst am Bamberger Torschuster gesehenen, gekonnt mit weißem Kabelbinder am elterlichen Marterpfahl der Empörung befestigten, und in stundenlanger Handarbeit liebevollst eigenblutverzierten „Zusatzstraßenschilds“ zur Bamberger Tempo-30-Zone, denn doch der angelegentlich blasphemische Gedanke aufkommen, dass dieser höchst kreative Ausdruck elterlicher Alltagssorge, dann wohl doch ein „Besorgnis erregender“ Anlass für einen erkenntniserweiternden Ausflug zur einen Hügel weiter gelegenenen Neurologischen Ambulanz darstellen könnte…

Aber wie gesagt, diese der allüberall in Kindergärten, Schulen und Universitäten, und sogar in so renomierten Publikationen wie der Bildzeitung propagierten reinen elterlichen Besorgnislehre in höchst ketzerischer Weise wiedersprechenden Gedanken, sie können wirklich nur von einem vollkommen vom rechten Glauben abgefallenen „Nichtelternschaftsbetroffenen“ stammen…

Shocking sign

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Tageshaiku 59_Sommerende

Zwischen den Wolken: Leises Grollen. 

Gestoppte Züge, verdichtete Grenzen.

Abendläuten zur Regenfront.

 

 

Aus dem Archiv_Aleppo war ein Märchen… (Erstpublikation am 27.03.2013)

Ein Stück Seife aus Aleppo…

Im schwachen Licht des Obergadens meines Dachbodens funkelten plötzlich goldene Ranken, Blüten und fremdartige Schriftzeichen. Neugierig geworden öffne ich die kleine Schachtel und augenblicklich umgibt mich das schwere Parfum eines orientalischen Suks. Aus meinem Inneren tauchen Bilder von halb im Wüstensand versunkenen Städte, Palmen, Dünen, Brunnen auf. Städte und Paläste von märchenhaftem Prunk, glitzerndes Gold und das verführerische Rascheln buntgeflammter Seide. So stark war der betäubende Geruch des kleinen Pakets, dass ich fast mit einem der Dachbalken zusammengestoßen wäre. Ich fühlte mich, als sei ich mit Sindbad dem Seefahrer, dem kleinen Muk, Sheherazade und Harun ar Rashid mitten in einem Märchen aus 1001 Nacht gelandet.

Es dauerte, bevor ich begriff, dass das kleine, mit Arabesken verzierte, bräunliche Etwas nichts anderes war als ein Stück acht allepiner Seife aus feinstem syrischen Olivenöl….

Mehr zum Weiterlesen unter:

https://alexnikanor.wordpress.com/2013/03/27/ein-ganz-normales-stuck-seife/

Betrachteter Alltag _ Die abstinente Mittelschicht, oder: Eine Welt voller angstgeplagter Asketen

Genießen verbotenSie sind eben ein echter Barockmensch!“
Ist es heute wirklich noch ein Lob, wenn jemandem dieser Satz entgegengeschleudert wird, oder verbirgt sich dahinter nicht schon der aufklärerische Vorwurf des angeblich überflüssigen Exzesses, der Unbeherrschtheit, der Faulheit und Verschwendung? Ist das Wort „barock“ seit den Zeiten eines Kants, Leibnitzs und Voltaires nicht geradezu ein Synonym für die selbstverschuldete Unfähigkeit zu Zurückhaltung, Enthaltsamkeit und Fokussierung auf das „Notwendige“geworden? Eine Beleidigung, die man denjenigen mit entsetzter Verve entgegenschleudert, welche sich nicht an die alternativlosen Regeln einer Gesellschaft, welche Jugend, Gesundheit, Sicherheit, Leistung, Effizienz und Selbstoptimierung zu ihren Abgöttern erklärt hat? Ein Stigma, mit dem man die sorg- und verantwortungslose „Verschwendungssucht“ des nicht nur in seiner psychischen, sondern auch physischen Konstitution „barocken“ Verschwenders öffentlich geißelt? Und habe ich nicht gerade über jene laktosefreien Latte Macchiato aus tiergerecht-fairem Anbau trinkenden, veganen Hipster in extraeng geschnittenen Jeans als Idealtyp der Moderne geschrieben?

Es braucht manchmal andere kluge Köpfe, damit aus einem unguten Gefühl in der Magengrube Gewissheit wird. Diesmal war es Hasso Spode, Sozial- und Kulturwissenschaftler an der FU Berlin, der mich mit seiner kürzlich in einem Interview für Deutschlandradio Kultur geäußerten These von einer „Phase des Asketismus“ auf den erkenntnissspendenden Weg führte.

Sicher, auch mir waren sie längst in meinem Alltag begegnet, die militanten NichtraucherInnen und Veganer, die Milchhasser und Weißen-Zucker-Verteufler, die Öko- Fairtrade- und Bio-Fetischisten, die Freilandhuhnlober und Sportfanatiker. Seit ihrem erstmaligen Auftreten irgendwann kurz nach der Deutschen Wiedervereinigung ruinierten sie mit ihrem aktionistischen Bekehrungseifer jede weinselige Runde, vermießten Backhendel und Hamburger, erzwangen ein eigenes Vegetarisches, später sogar Veganes Menü bei WG-Parties und geißelten jeden als Menschenfeind, der nicht die politisch-korrekte und selbstverständlich maßlos überteuerte, milchfreie Bio-Schokolade bei dem „Eine Welt Laden“ ihrer Wahl kaufte und sie in einem möglichst selbstgesponnenen und abgetragen aussehenden Jutetäschchen im Triumphzug nach Hause trug.

Lange Zeit tat auch ich diese Gestallten als harmlose Spinner, von der Werbung verleitete Geistesschwache oder bedauerliche Einzelindividuen ab. Später, als die Gruppe der „Wutbürger“, die Schnaps, Butter und Sahne für Teufelszeug hielten, Bœuf bourguignon zum Mordinstrument erklärten und Tabak und Alkohol als Massenvernichtungswaffen bezeichneten größer wurde, flüchtete ich mich in Ironie und Spott…doch es war zu spät: spätestens mit der Einführung öffentlicher Alkoholverbote hatte sich der asketische „Gutmensch“ zum Mainstream entwickelt und forderte nun zum Kampf gegen die Volksdroge Alkohol, die Aufgabe der Ärztlichen Schweigepflicht bei Depressiven und die Zwangstherapie von die Volkswirtschaft schädigenden Übergewichtigen auf.

Auch wenn ich gelegentlich mit vegetarischem Döner, Sellerie- und Parasolschnitzeln und einer Fruchtsaftdiät geliebäugelt hatte, wusste ich spätestens zu diesem Zeitpunkt: diese schöne, neue und von allem „Überflüssigen“ befreite Welt askesepredigender Ökofaschisten war nicht mehr die meine. Nur eines war mir immer noch nicht klar geworden…warum waren aus individualistischen, exzessiv schlemmenden und genussmittelfreudigen Yuppies plötzlich lauter kleine kalorienzählende, moralinsaure, antidemokratische und jede Form von Genuss und Überfluss bekämpfende Weizengras-Savonerolas geworden?

Die endgültige, und von mir im tiefsten Innern seit Jahren geahnte Antwort kam mit eben jenem am Anfang dieses Beitrags zitierten Interview Hasso Spodes:
Die neue, selbstoptimierte, dauergestresste, permanent-burnoutgefährdete, und sich im Fieber des Akadiemisierungswahn auf dem ökologisch einwandfreien, fair gehandelten und produzierten, allergenfreien Hartgummifouton wälzende Mittelschicht hatte nur noch eines: Angst vor dem sozialen Abstieg!

Nun weiß man aus der Geschichte, dass Angst der schlechteste aller Ratgeber in Lebensfragen ist. Sie treibt die Menschen in panischen Aktionismus, neigt zu ademokratischer Intolleranz gegenüber allem was als Anders und Fremd definiert wird, regt zu schonungsloser Selbstausbeutung bis weit über die Grenze des Erträglichen an, und verschlingt schließlich alles, was uns menschlich und frei sein lässt – „Angst essen Seele auf“, so lautete der Titel eines 1974 erschienenen Melodrams Rainer Werner Fassbinders, dass sich anhand der zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen der verwitweten Putzrau Emmi Kurowski und dem zwanzig Jahre jüngeren Marokkanischen „Gastarbeiter“ Ali mit Intoleranz, gesellschaftlicher Kälte, Vorurteilen, Lieblosigkeit und sozialer Ausgrenzung auseinandersetzt.

Bereits dass ich gerade das Wort Gastarbeiter in Anführungszeichen gesetzt habe und das Wort Putzfrau als politisch-inkorrekten Terminus am liebsten mit Reinigunsfachkraft oder „Facility Managerin“ ersetzt hätte, zeigt wie verlogen wir inzwischen mit unseren Ängsten vor Sozialem Abstieg und Vorurteilen genenüber Fremden umzugehen gelernt haben, und wie groß die aus Amerika importierte Schere im Kopf inzwischen geworden ist. Auch diese politisch korrekte Askese von einer klaren und die Dinge beim Namen nennenden Sprache ist Teil des neuen Angst-Mainstreemings. In Zeiten allgemeiner sozialer, ökonomischer und politischer Verunsicherung sind Klartext, offene Kommunikation und divergierende Meinungen zum Luxus geworden und der von einer durch soziale Netzwerke von allen Hemmungen entfesselte  permanente Shit-Storm im Netz, der längst reflexartig gegen alles hetzt was irgendwie anders, nicht-normal oder überflüssig erscheint, bestärkt Otto-Normalverbraucher/In noch in dieser Angst, gibt ihr aber auch die Macht in die Hand, ihre eigenen, individuellen Ängste zur einzig verbindliche Weltanschauung zu erklären. Für Muße, freies Denken, nutzfreies Kinderspiel oder auch nur vom allgemeinen Massentrend abweichende Meinungen und Lebensweisen bleibt hier nicht viel Raum.

In Form öffentlicher Rauch- und Alkoholverboten, Immobilienboom, verpflichtenden Veggy-Days in Werkskantinen, proaktiver Fitness-Apps, militanten Stuttgart21-Gegnern und PEGIDA, Pränatalen-Gen-Tests, vorsorglichen Brustentfernungen, Vorratsdatenspeicherung, Sicherheitsverwahranstalten, sowie hysterisch geführten Tierrechts- und Kinderpornographiedebatten hat diese auch mit dem Kürzel „SHE“ (Security-Health-Efficency / Sicherheit-Gesundheit-Effizienz) überschriebene Ideologie der Angst längst tiefe Wurzeln in unserem Denken und Handeln geschlagen, ist „Mode“ und „Zeitgeist“ geworden, prägt das ohnehin immer ununterscheidbarer gewordene Arbeits- und Privatleben und bereitet uns allen schlaflos verbrachte Nächte voller Versagensängste.
Und wir? In unserer von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien permanent geschürten Angst nicht mehr zu  diese schöne, neue, gebildete, hochqualifizierte, rundumoptimierte, leistungsorientierte und durch ausgefeilte Ernährungspläne gestählte Gesellschaft zu gehören nehmen wir uns zurück, werden leise, essen weniger, schwören dem blauen Dunst ab, passen uns an. Selters statt Sekt, Askese statt Überfluss, Geistige Verarmung statt Vielfalt, erzwungener Mainstream statt gesellschaftlicher Vielfalt, work and life blending statt work and life balance, moralinsaure Frigidität statt sexueller Revolution, politisch korrekte Intoleranz statt geistiger Offenheit, nur nicht auffallen, anecken, oder gar scheitern…kurz: die gnadenlose und keine Ausnahmen kennende Diktatur des komplettangepassten Mittelmaßes  – so könnte man den neuen Leben und Denke der neuen selbstoptimierten, alkohol- und pornographiebefreiten, und auf permanente Fexibilität und Maximalleistung getrimmten Mittelschicht zusammenfassen.

Das Ganze erinnert mich fatal an jene Zeiten des „Grande Terreurs“ und der 20er, 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts in der die Angst schon einmal regierte und im Namen des Allgemeinwohls und angeblicher Vernunft schon einmal zur Jagd auf alles Andere, Abnormale und Schädliche aufgerufen wurde. Die Folgen dieser Politik der Intoleranz scheinen wir heute vergessen zu haben, oder wir wollen sie einfach nicht mit dem, was wir heute denken, tun und urteilen in Verbindung bringen – denn wir sind ja besser, klüger, gestählter und härter…Man könnte auch von angstbedingter Hybris alles durch stetige (Selbst-)Optimierung beherrschen zu können sprechen.

Vielleicht ist es ja gar kein Zufall, dass in Zeiten, in denen humanistische Bildung, ja Bildung im weiten, allgemeinen und humboldt’schen Sinne als „nutzlos“ und „unpraktisch“ gilt ja garkein Zufall, dass die Kenntnis des Altgriechischen und damit der tieferen Bedeutung des Wortes „Hybris“ als „verzichtbar“ ja gesellschaftsschädigender da unwirtschaftlicher Luxus gilt. Vielleicht ist es ja gewollt, dass man nicht mehr weiß, das dieses Wort sich von „hybitzomai“ ableitet und ursürünglich eine Art selbstmörderische und im goebbelschen Sinne „totale“ Kriegstechnik bezeichnete bei der man zwar dem Gegner kurzfristig schadet, in erster Linie aber Gefahr läuft sich selbst zu verstümmeln.

Ich übertreibe?

Versuchen Sie doch mal mit 40 Kilo Übergewicht in ein Fitnessstudio zu gehen, auf einem Kinderspielplatz zu rauchen, setzen Sie sich mit einer prall gefüllten Tüte ihres Lieblingsfastfoodanbieters in den Bus, trinken sie Vormittags eine Flasche Bier auf einer Parkbank, oder probieren Sie einmal, ohne von Videokammeras überwacht zu werden durch eine Fußgängerzone zu laufen oder Bahn zu fahren, als offen schwuler Mann eine Jugendfreizeit zu leiten, sagen Sie ihrem Arbeitgeber offen, dass sie Depressionen und Bluthochdruck haben, oder versuchen sie einfach nur mal beim nächsten Picknick ihre veganen Freunde von den Vorzügen von Chicken McNuggets zu überzeugen…

Glaubt man Hasso Spode wird sich deren – je nach Standpunkt – „Offenbarung der Askese“ oder „Diktatur der Angst vor dem sozialen Abseits“ noch zwanzig oder mehr Jahre halten – meiner Meinung nach ist dies die wahre und einzig echte beänstigende Aussicht.

Crazy Greeks – ruthless Germans_or: How to learn to trust each other!

Hellas !

Hellas !

Some time ago, I’ve published in my blog an article under the German headline “Die spinnen die Greichen- oder: Warum wir alle lernen müssen, ein bisschen weniger Götter und Banker zu sein!“ – which more or less literally does mean in English: “Crazy Greeks – or why we all have to learn to be less bankers and gods!” in English.

The reason for this entry was not so much the actual election, won by the left-wing Syriza-party, but my own deep and not always easy relation to Greece and it’s people as a person, mainly grown up and socialized in Germany.

Going out from the actual controversy between both countries, it seems – superficially seen – as if there is some sort of natural antagonism, a gene or some sort of a biological antipathy between both nations (and maybe also between it’s people). But is this really so easy?

Well, the modern results of epigenetics are a interesting field for theories and speculations, but it’s also clear, that there are not one or two genes, which define a certain characteristic. It’s rather a extremely complicated and recursive three dimensional game of thousands and thousands of genes, which – together with thousands and thousands of social and cultural factors – form a pattern difficult to describe or even to predict. One day, there maybee will be found a “prussian murderer Gene” (but not all Germans are Prussians!) among the Germans, or a “trickster and insurgent” gene among the Greeks, but so what! Does there even exist such a thing like “the Greeks” or “the Germans”, or is this just a demagogic fiction of ambitious researches and politicians? Does not each individual deserves it, to be perceived beyond its ethnical/national “dispositions” as a human beeing, with it’s individual and unique history?

If doing so, genes and background (or should I say pedigree) lose dramatically in relevance.

For sure, you could – and that’s what I’ve done in my German article – write much about the not always beneficial exchange of ideas and values between both countries. It have been ultimately “the Germans”, who – together with the help of Bavarian officials, the first Greek King Otho of Wittelsbach and his Antiquity-loving father Ludwig I. of Bavaria – infiltrated “the Greeks” with the fantastic(al) idea, they would be direct descendants of antique philosophers and gods, for whom “normal” rules of “ordinary” people do not apply. It were “the Greeks” pleased by so much attendance and sympathy, who adopted this idea, internalised it and spread it out to the Greek diasporas all over the world.

For sure, it were also “German” occupation forces, who persecuted, tortured and killed or let “simply” starve to dead thousands and thousands of Greeks to break the heroic but not very “reasonable” Greek resistance. But since when resistance against occupation is “reasonable”? Since when war is a human affair? “War is not done!” my Prussian great-grandmother said, and given the cruelty and insanity committed in every war, you only can agree. There is no “Just war”, and regarding the immense suffering that war brings over people, there never will be one!

And yes – even if most Germans will brand me openly or behind closed doors as traitor for the following words – there does exist an open “question of German war-reparations”, not only on a legal level, but also on a ethical one. At the same moment, it’s absolutely obvious, that mutual accusations, revenge and vengeance thinking produces only new conflicts, fears and injuries. Mutual justice or understanding, however, they do not promote.

I will therefore not go down to the level of mutual offsets, hostilities, legal maneuvering and contempt. It’s useless.

The crucial point to think about is, how to organize help for those people in Greece who no longer know what to give to eat to their children, where to stay druing the next night or get their vitally needed diabetes medications. In other words: We all have to stop arguing and to think about how we can give Greece and the Greeks back a future worth living, without neglected the interests of other countries and their populations.

For achieving this goal, neither Greek demands for German reparations, nor constructing or maintaining new and old “feindbild”, or sticking to the utopia that debts does not have to be repaid are definitely the wrong way.

We must learn to trust us again, as a person, rather than as „the Greeks“ or „the Germans“ and without setting off each other’s bills at every little opportunity. Nothing more, nothing less.

If somebody’s interested reading the German article about the „Crazy Greeks“, here’s the link:

http://wp.me/p2SJFH-zi

„Die spinnen die Griechen“ – oder: „Warum wir alle lernen müssen, ein bisschen weniger Götter und Banker zu sein!“

Hellas !

Hellas !

„Die spinnen die Griechen!“ – In Abwandlung des berühmten Asterix-Zitats ließe sich so oder so ähnlich wohl am ehesten die Reaktion der nicht-griechischen Welt auf den heutigen Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza an diesem für das weitere Schicksal Griechenlands so bedeutungsschwangeren Abend zusammenfassen.
Griechenland hat gewählt und der Rest der Welt fasst sich an die Stirn und fragt sich: Wie um alles in der Welt kann man nur so dumm sein? Da posiert ein wildgewordener Linken-Chef in Siegerpose,  verspricht das Blaue vom Himmel und fordert im gleichen Atemzug hunderte von Milliarden an Reparationszahlungen von Deutschland für angeblich nie gesühne Nazi-Greul; und was geschieht? Der Großteil des griechischen Wahlvolkes glaubt und wählt ihn!

So weit so gut, und so viel Vorurteile und Missverständnisse.

Sicher, es soll tatsächlich – noch oder schon wieder – Griechen geben, die glauben, die EU und der Euro könnten ohne Griechenland nicht existieren. Schließlich sei Griechenland ja die Mutter der Demokratie und der Ursprung aller Europäischer Kultur; ja einige sollen sogar glauben, dass die einzig echten Menschen Griechen sind, und alle anderen nur eine Art „Untermenschen“…

Meine Erfahrungen mit „den Griechen“ ist eine vollkommen andere und die große Mehrheit von ihnen denkt auch nicht so. Sicher, die Reparationszahlungen sind ein heikler und rechtlich, wie moralisch alles andere als einfacher „Wunder Punkt“, der die gegenseitigen Beziehungen beider Länder seit langer Zeit belastet. Uns sicher, es erscheint aus Deutscher Perspektive geradezu verrückt ausgerechnet die Hand zu beißen, die einen füttert und statt auf die eigenen Fehler zu schauen, Deutschland (und die Deutschen) zum Feindbild nummer eins zu machen, welches für alles verantwortlich ist, was in Griechenland seit 70 oder noch mehr Jahren schief läuft.

Aus griechischer Sicht ist das aber nicht der entscheidende Punkt. Die meisten Griechen wissen nach 4 Jahren Krise schlichtweg nicht mehr, wie sie sich und ihre Familien ernähren sollen. Sie wissen nicht, wie sie ihre Ausbildung, Rente oder Krankenkasse finanzieren sollen und sie wissen nicht, ob es überhaupt je möglich sein wird, in ihrem eigenen Land je wieder ohne Angst vor dem was kommen wird zu leben. Da wird man anfällig für große Versprechen und scheinbar einfache Schuldzuweisungen. Gerade wir „Deutschen“ sollten das wissen.

Ersteren Griechen, so es sie den gibt, möchte ich nur sagen: Auch ihr seid ihnen aufgesessen, den romantischen Erfindungen fleißiger Weltverbesserer, den großen Ideen und Utopien, den Heldensagen und Traumvorstellungen von eigener Größe, Stärke und Bedeutung, die wir – die Deutschen – Euch mit Hilfe fleißiger bayerischer Staatsbeamter im Dienste Eures ersten Königs Otto um 1840 vermittelten. Wir waren es, die Euch, die gequälten, gedemütigten, erniedrigten und beinahe untergegangenen griechischen Bauern, Tagelöhner und Kleinunternehmer zu Halbgöttern (v)erklrärten und so garnicht verstanden, weshalb der oder die „normale“ Grieche/in kein Herakles, kein Apoll, keine Aphrodite und auch keine Athenä war (und es, zumindest damals noch, als gute/r Orthodoxer Christ/in auch garnicht werden wollte…) Inzwischen haben wir es mit Hilfe zahlreicher griechischer Politiker, Lehrer, Demagogen und Bauernfänger, Romantiker, Utopisten und sonstigen Weltverbesserern doch irgendwie geschafft Euch davon zu überzeugen, dass ihr, wenn schon nicht Götter, so doch beinahe göttliche Menschen seid, die im schönsten, größten und wichtigsten Land der Welt leben, in dem alles was je Kultur und Zivilisation ausmachte und ausmachen wird seinen Ursprung fand. Gut hat Euch diese Form „Hybris“, die sich, wie der Kundige weiß vom Wort „hybrizomai“ für „(sich) verletzen bzw. verletzt werden“ ableitet, nicht getan…

Und ihr? Anstatt den Deutschen zu erklären, dass die griechische Realität des frühen 19. Jhdts. die eines bitterarmen von Krieg und Ausbeutung gebeutelten und erzorthodoxen Bauern, der kaum seinen eigenen Namen schreiben konnte war, wart ihr geschmeichelt – wer wäre es nicht – und irgendwann habt ihr dann tatsächlich geglaubt; geglaubt dass Eure Vorfahren tatsächlich Götter und Heroen waren. Das schon die antike Realität anders aussah, dass Demokratie, Vernunft und Schönheit auch schon zu Platons Zeiten für die Meisten reine Utopie waren, und dass auch damals 99,9% der Bevölkerung weder das Geld, noch die Bildung, noch die Zeit noch das richtige Geschlecht hatten um in schattigen Wandelhallen zu philosophieren, nun…die Geschichte vom Volk der Götter und Philosophen war eben schöner – und mal ehrlich, wären wir nicht alle gerne ein bisschen Achilles und Helena, natürlich nur in der Besetzung mit Brad Pit?

Den Griechen aber, die sich nicht auf ihren inneren Olymp geflüchtet haben (sie hätten, wie jeder Mensch der in die Enge getrieben wird jedes Recht dazu!), jenen, die Angst vor dem Morgen und dem was noch kommen mag haben – und das sind die meisten – kann ich eigentlich nichts sagen. Jedenfalls nichts, was nicht irgendwie überheblich, besserwisserisch, gutmenschlich, geheuchelt oder auch nur mitfühlend aber falsch klingen würde. Die Lage ist hoffnungslos – da gibt es nichts zu beschönigen, und ob sie je wieder besser wird…wir können nur hoffen. Hoffnung, auch und gerade trotz allem! Dass einige von Euch jene Hoffnung nun in den Versprechungen der Syriza oder der Goldenen Morgenröte suchen…Allas…wirklich übelnehmen kann ich Euch das nicht. Ich kann nur davor warnen, die Realität mit einem Traum oder einem einfachen Feindbild zu verwechseln…Es wird nicht besser, wenn man davonläuft und statt auf die eigenen Fähigkeiten auf die Heils- und Lösungsversprechen anderer vertraut. Gerade wir „Griechen“ sollten das wissen. Wir haben wahrlich genug schlechte Erfahrungen mit noch schlechteren Politikern und ihren noch viel schlechteren und in höchstem Maße egoistischen Ideen gemacht…und trotzdem, wir hoffen immer weiter, vertrauen immer weiter…vielleicht ist das unsere größte Stärke, aber diese unerschütterliche, immerbleibende, unausrotbare und bis an und über die Grenzen aller Vernunft gehende Hoffnung auf ein besseres Morgen und eine bessere, gerechtere, schönere, glücklichere Welt ist eben auch unsere größte Schwäche, weil sie uns angreifbar macht für Demagogen;

Vielleicht hat aber auch Nikos Dimou – jener im eigenen Land so wenig geschätzter und gerade deshalb so weiser und scharfsichtiger Philosoph- recht; vielleicht stimmt es ja, und „Die Deutschen sind an allem Schuld“. Wir die „Germanoi“ und vielleicht auch noch ein bisschen Lord Byron waren es schließlich, die Euch erst den Floh vom „Griechen“ als Prototyp des „Schönen, Guten und Vernünftigen“, des Proto-Europäers, und Griechenland als Ursprung aller Kultur und Zivilisation ins Ohr gesetzt haben. Und wir sind es heute, die an Euch diesen von uns gezeugten Floh und seine unerwünschten Folgen als angeblich erzgriechische Unvernunft brandmarken!

Nicht genug damit. Wir waren es auch, die gemeinsam mit den anderen EU-Gründerstaaten in den 1980ern eine Expansion der „europäischen“ Idee in den Süden und in den 2000er Jahren einen Beitritt Griechenlands zum Euroraum für „wünschenswert“ hielten – und sei es nur, um damit der Sowjetunion zuvor zu kommen, ein wirschaftliches Gegengewicht zur USA zu schaffen, oder unserer Wirtschaft neue Märkte zu eröffnen. Um Euch, Eure Wünsche, Eure Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen –  geliebte Hellenen – gieng es dabei nie. Vielmehr haben wir gar nicht erst gefragt ob Eure Ideen, Wünsche, Ängste und Hoffnungen mit den unseren identisch waren. Wir haben einfach vorrausgesetzt, dass ihr genauso tickt wie wir. Schließlich seid ihr ja die wahren Väter und Mütter Europas (na ja, die stammte eigentlich aus dem Libanon und wurde erst von einem griechischen Stier namens Zeus entführt, aber wer kennt sich heute schon noch so gut in griechischer Mythologie aus…) Nachgefragt haben wir hingegen erst, als sich herausstellte, dass dem nicht so war.

Und mal ehrlich ebenfalls geliebe Γερμανοί (Deutsche): Würdet ihr euch um so etwas Schnödes wie Geld, Staatsverschuldung und ein effizientes Steuer- und Wirtschafssystem kümmern, wenn man Euch von Winckelmann bis zum Brigitte-Heftchen erzählen würde, dass ihr in direkter Linie von Göttern und Heroen abstammen würdet, ohne Euch die gesamte europäische Kultur nicht denkbar wäre, und Euer Land das schönste, beste und perfekteste unter der Sonne ist? Wohl eher nicht!

Vermutlich ist es dieses grundsätzliche Schisma (und ich verwende hier sehr bewusst das griechische Wort), diese grundsätzliche Unvereinbarkeit von Anspruch und der historischen, ökonomische, politischen und ganz physischen Wirklichkeit Griechenlands, dieses „Nicht-sehen-wollen“ und „Myhtologisieren“ von allen Seiten, die uns gemeinsam mit der fraglichen Lehre von ewigem Wachstum erst in diese Krise geführt haben. Ich sage uns, denn wir alle waren daran beteiligt. Wir alle wollten glauben, haben nicht so genau hingesehen und einfach vorrausgesetzt, dass der Andere genauso denkt und träumt und handelt wie wir. Leider haben wir dabei vergessen, dass Träume etwas sehr individuelles sind und längst nicht immer gut ausgehen.

Und nun?

Nun weigern sich alle aufzuwachen. Brüssel und die von Reichtum verwöhnten Länder des Nordens tun noch immer so, als würde sich alles lösen lassen, wenn man nur die „richtigen“ Reformen durchführen würde (und ich bin mir sehr sicher, dass niemand sicher ist, was eigentlich „richtig“ ist, abgesehen von ein paar Wirtschaftswissenschaftlern, aber die waren für die Zuverlässigkeit ihrer Prognosen noch nie sonderlich bekannt).

Auf der anderen Seite sagt, denkt, fühlt und erfährt die überwiegende Mehrheit der Griechen und der anderen Bewohner der „wirtschaftlich schwachen EU-Staaten“, dass es erst diese Reformen waren, die ihr Land von einem irdischen Paradies in eine menschenfeindliche Hölle verwandelt haben (ich vereinfache, aber das tun Märchen immer).

Es sind diese seltsam „egozentrischen“ Argumente beider Seiten, die beiden Seiten gemeinsame und vollständige Unfähigkeit über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, die mich fatal an die Symptome eines Krankheitsbild erinnern:

Manische Depression, von miraus auch Bi-Polare-Störung, vielleicht passt letzteres ja noch besser…

Gemeinsam ist beiden Krankheitsbildern, dass die Betroffenen nach und nach den Bezug zur Realität verlieren. Sie wollen wortwörtlich die Zeit anhalten, sehnen sich zurück in ein retrospektiv verklärtes goldenes Zeitalter, das so nie existierte, und verfallen in panischen Aktionismus und/oder Schreckensstarre, wenn sich diese Phantasie als Utopie entpuppt. Dabei können sie irgendwann nicht mehr zwischen „wichtig“ und „unwichtig“ unterscheiden, geraten ins Grübeln über den eigenen, als unerklärlich und unverschuldet empfundenen Misserfolg, verfangen sich in Gedankenschleifen, über- oder unterschätzen Dinge und werden in ihren Handlungen immer irrationaler und unberechenbarer – auch und nicht zuletzt für sich selbst, Kurz: Eine Art Kernschmelze des eigenen Ichs bei dem das eigene Denken und Handeln „aus dem Gleichgewicht“ gerät.

Es sind dabei nicht Faulheit oder mangelde Leistungsbereitschaft, die die meisten Personen in diesen Teufelskreis lenken, sondern gerade deren Gegenteil. Zwar befallen Depressionen alle Typen und Schichten, doch gerade besonders leistungsfähige, kreative, intelligente und gut ausgebildete Menschen scheinen besonders gefährdet an der schwersten Form Depressionen zu erkranken, da ihnen – wortwörtlich – die Realität ihres alltäglichen Lebens am ehesten „über den Kopf wächst“ und sie sich erfahrungsgemäß besonders lange weigern sich selbst einzugestehen, dass dem so ist. Und ja, es sind wohl auch die Gene. Nicht zuletzt ist es aber auch die Reaktion der Umgebung und Ereignisse in der eigenen Biographie, die die Symptome verursachen, verstärken oder abschwächen kann. Kurz: Einfache Erklärungen und Mechanismen für diese Krankheit gibt es ebensowenig, wie einfache und kurzfristige Lösungen.

Anders ausgedrückt: Eine Depression gleicht einem sehr wirren und über lange Zeit gewachsenen Gestrüpp von übersteigerten Erwartungen, falschen Selbstbildern, Vorurteilen und unerfüllbaren Lebensentwürfen über den sich eine neblige Winternacht gelegt hat, unter dem aber irgendwo noch ein formaler, wohlgeordneter Barockgarten verborgen liegt. Dieser Garten blitzt manchmal noch unter all dem Unkraut durch,  scheint für den Beroffenen aber in aller Regel auf alle Zeiten verloren. Und wie bei allen verwilderten Parks ist es, ohne eine genaue Ortskenntnis und überdies bei Nacht ziemlich schwierig wieder herauszufinden, aber es ist durchaus möglich, vor allem dann, wenn man bereit ist Hilfe anzunehmen, auch, oder gerade weil diese im Moment der akuten Krankheit als vollkommene Zumutung empfunden wird.

Medikamente können dabei helfen. Wie bei allen sogenannten „Geisteskrankheiten“ gehört auf lange Sicht aber auch die kritische Reflektion des eigenen Denkens und Handelns hinzu, wenn sich etwas ändern soll. Dies ist nicht einfach und ist schon garnicht in Eigentherapie zu leisten, sondern benötigt die Hilfe Anderer, die sehr genau wissen was sie tun. Wie bei keiner anderen Krankheit ist dabei die Gefahr an selbsternannte Wunderheiler und gutmenschliche Allesversteher zu geraten besonders hoch.

Auf staatliche Ebene und damit Griechenland bezogen wären die Medikamente die „Reformen“ – doch muss man hier, wie bei allen Medikamenten höllisch genau darauf achten, dass sie weder überdosiert noch falsch kombiniert werden. Schon garnicht darf man ein Medikament nur deshalb einsetzen, weil es vorgeblich alternativlos ist und deshalb sämtliche Nebenwirkungen ignoriert werden können. Vielmehr brauchen die Patienten eine individuelle, auf ihre eigenen Bedürfnisse, Zustand und Leistungsfähigkeit abgestimmte Behandlung. Schocktherapien führen dabei meist nur zu einer Verschlechterung mit nicht selten tödlichen Folgen.

Genauso wichtig ist aber auch, das die Patienten lernen sich und ihre Handlungen anders wahrzunehmen. Man muss vergessen, loslassen und wortwörtlich lernen die Welt und sich selbst „anders zu sehen“. Sie müssen lernen, nicht mehr hinter jedem Ereigniss, dass nicht so läuft,  wie man es sich vorgestellt hat gleich den Weltuntergang zu sehen – nicht mehr zuzulassen, dass das eigene Hirn einem vorgaukelt, man könne die Zeit anhalten indem man einfach stillsteht und hofft, dass nichts passiert, sich nicht dem Grübeln ergeben, sondern wieder zu unterscheiden lernen, was wichtig und was unwichtig ist und – und dies ist vielleicht das wichtigste, die Patienten müssen lernen die Trauer um die eigenen verlorenen Träume zuzulassen und diese auch ausleben können. Und sie müssen begreifen, dass die Depression nichts ist, was sich in Begriffen wie Schuld, Ursache, Lösung oder Effizienz messen lässt. Depressionen sind die Tochter des Erfolgs und die Mutter des Selbstmords. Vielleicht war es ja ein ausnahmsweise einmal weiser Wirtschaftswissenschaftler, der ein ähnlich Einschneidendes Ereignis der 1920er Jahre, namentlich die weltweite (Wirtschafts-)krise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre, mit „die große Depression“ benannte. Wir alle wissen in welche Katastrophe damals die Illusion „einfacher“ Lösungen geführt hat. Auch damals meinten Menschen „Götter“ zu sein und zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben, echten und „unter-“ Menschen unterscheiden zu können. Wir sollten uns also sehr gut überlegen, ob wir heute wieder auf die gleichen einfachen Lösungen setzen wollen, oder diesmal etwas klüger sind.

Dies gilt nicht nur für die Griechen, nein es gilt auch für jene, die über Jahrzehnte und Jahrhunderte durch Ignoranz und gutgemeinte Vergötterung, durch Wegsehen und unreflektierte Anbetung (Ob nun Griechenlands oder des Mammons ist dabei egal) dafür gesorgt haben, dass sich falsche Vorstellungen, Fremd- und Eigenbilder zu (Alp-)Träumen verfestigen konnten und jenseits aller Realitäten geträumt werden konnten.

Ich mache den Griechischen Wählern daher heute keinen Vorwurf. Sie machen nur das gleiche, wie die Menschen und Technokraten in Brüssel, Berlin oder London. Sie wollen weiter träumen, daran glauben, dass sich alles zum Guten verändern würde, wenn nur die Umstände anders wären…

Ich wünschte für uns alle, dass die Welt so einfach funktionieren würde und wirklich ein Märchen wäre und wir allein einer Zeit leben würden „in der das Wünschen noch geholfen hat“. Leider ist unsere Welt ein wenig komplizierter und Wünschen allein genügt nicht mehr, man muss auch etwas dafür tun, dass die Wünsche gedeihen. Wichtiger ist aber, dass man lernt sehr genau darauf achtzugeben, was man sich eigentlich wünscht…es könnte wahr werden!

Und nun?

Wir werden alle irgendwann erwachen, wir werden uns in einem Trümmerfeld aus enttäuschten Erwartungen, falschen Hoffnungen, zu hohen Zielen und falschen Forderungen wiederfinden. Und dann werden wir hoffentlich gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, uns kurz schütteln und aufräumen.

Wie?

Nun, wir werden nicht darum herumkommen Kompromisse und immer neue Kompromisse zu schließen, weil die Welt nunmal real und kein Wunschtraum ist und es in einer realen Welt immer Wiederstände, Probleme und Herausvorderungen gibt, die in Träumen nicht vorkommen. Vor allem aber müssen wir lernen, dass unsere Träume nicht die Träume anderer sind und Träume wenn sie Realität werden, radikal miteinander kollidieren können.

Wir, die Nicht-Griechen müssen „griechischer“ werden indem wir lernen, dass das Leben nicht planbar ist, dass erst der Traum es ermöglicht in einer unerträglich gewordenen Welt zu leben, wir müssen großzügiger und solidarischer werden, mehr auf den Anderen und dessen Fähigkeiten und Grenzen achten, wir müssen uns von unseren überzogenen Erwartungen befreien und das Leben genießen ohne an das morgen und übermorgen zu denken und wir müssen lernen, dass Geld nicht alles ist.

Wir, die Griechen müssen „ungriechischer“ werden. Wir müssen lernen misstrauisch, effizient und kalt zu werden, jenseits der eigenen Familie und des eigenen kleinen Klans zu denken, wir müssen uns dem Vergleich mit anderen stellen, zu unseren Versprechen und Fehlern stehen und sie nicht als philosophische Hypothesen in einer relativen Welt unendlicher Möglichkeiten zu betrachen, und wir müssen endlich aufhören Götter zu sein.

Einfach wird dieses Erwachen nicht, aber es muss werden, wir alle haben garkeine andere Wahl.

 

 

 

Are we all terrorists? – Überlegungen zum „guten“ und zum „schlechten“ Islam

IstanbulZugegeben, es war eine mehr als hitzige Debatte, die da am Abend nach den Pariser Anschlägen in einem Bamberger Traditionslokal um die Themen Islam, Muslime, Integration und Terrorismus geführt wurde.

Da waren die Scharfmacher. Jene die unbesehen und im Brustton der Überzeugung, den nur einige Saidla Bier verleihen, „den“ Islam mit Terrorismus und unmenschlicher Barbarei gleichsetzten und am liebsten gleich alle Muslime des Landes verweisen wollten. Wenn das schon bei den verweichlichten Politikern nicht durchzusetzen sei, sollten „die“ zumindest die Grenzkontrollen und die Vorratsdatenspeicherung wiedereinführen, und  am besten auch gleich sämtliche Ausländer und Scheinasylanten ausweisen.

Die sollen erstmal richtig Deutsch [Fränkisch?] lernen und ihrer verdammten Terroristen-Religion abschwören, bevor sie bei uns leben dürfen!“, „Es ist ein Skandal, dass „die“ bei uns frei rumlaufen dürfen!“, „Wen’s ihnan dô ned bôssd solln’s hôld wider zrück wo’s hing’hörn!“ – Ja die fränkische Volksseele kann mitunter sehr eindeutig in ihrer absoluten und totalen Verdammniß alles Andersarigen sein.

Da waren dann aber – Gott sei Dank – auch die nicht ganz so besoffenen, dummen und ignoranten. Jene die sich auch schon in den vergangenen Monaten und Jahren gegen die geistige Dumpfheit eines braunen Mobs eingesetzt haben, jene die sich in Projekten und Cooperationen für Flüchtlinge und Integration einsetzen, und jene, die einfach nicht einsehen können, dass ein Mensch nur deshalb besser als ein anderer sein soll, weil er und seine Vorfahren hier geboren sind, blonde Haare und blaue Augen hat. Doch sie waren an diesem Abend seltsam leise. Zu frisch und unfassbar war noch der Eindruck der Pariser Taten, zu rat- und fassungslos standen die meisten dem Ausmaß der für undenkbar gehaltenen Taten gegenüber…Bis dann doch jemand aufstand und zu der arischen Stammtischgruppe am Nachbartisch meinte:

Dann machen sie uns doch gleich alle zu Terroristen, weißen sie uns aus, und dann haben wir endlich alle unsere Ruhe, nur dass dann auch niemand mehr da ist, der ihnen die Drecksarbeit macht und ihre Rente finanziert!“

Ich kannte den Jungen Mann, er gehört zu meinem engeren Freundeskreis und ist eigentlich ein sehr liebenswürdiger, ruhiger, besonnener Kerl, den sonst nichts so leicht aus der Ruhe bringt.

Ob er Muslim, Christ, Jude, Buddhist oder garnichts ist, hatte mich bisher nie interessiert. Es war einfach nicht wichtig. Erst jetzt begann ich darüber nachzudenken – Ja, ich glaube er hatte irgendwann mal erzählt seine Eltern seien aus der Türkei. Mehr wusste ich nicht und es spielte auch keine Rolle. Ich mag ihn, und da ist es schließlich egal, woher jemand kommt, welche Religion er hat oder ob sein Nachname nun „deutsch“, „türkisch“ oder „hinteroberniederöstereischisch“ klingt.

Und jetzt saß er neben mir, vor Wut bebend und gleichzeitig eine Resignation ausstrahlend, die mir Angst machte.

Ich habe dann gezahlt und ihn gefragt, ob er vielleicht an einem etwas besser geeigneten Ort – möglichst weit weg von oberfränksischen Stammtischweißheiten und rauchbierbenebelten Möchte-Gern-Welterklärern – mit mir noch einen Absacker, Tee oder Caffee trinken mag.

Er entschied sich für Tee, und ich mich für den nächstgelegenen Dönerladen.

Da saßen wir nun, einen Abend nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo und der Geißelnahme im koscheren Supermarkt. Wir saßen auf Plastikstühlen, über uns das nervöse Flackern des Neonlichts. Im Fernsehen lief eine türkische Soapopera, deren hauptsächlicher Handlungsstrang aus herzzereißenden Heimatballaden bestand. Eigentlich hatten wir keine Lust zu reden. Es passte einfach nicht und wir fanden außer ein paar nichtssagenden Floskeln an diesem Abend einfach keinen Draht mehr zueinander. Keiner von uns wollte den Anderen verletzen, ihm zu Nahe treten, vielleicht genau auf die Tretmine treten, die die Pariser Anschläge gerade freigelegt hatten. Da war er plötzlich, der interkulturelle Graben. Niemand von uns beiden wollte ihn, aber er war da: Groß, schweigsam, dunkel und bedrohlich.

Erst als einer der Dönerverkäufer uns Tee machte – sehr starken und süßen Tee – und fragte, ob wir vielleicht etwas Bakhlava dazu wollten – es gehe alles auf’s Haus, wie wir aussähen, könnten wir’s brauchen…fanden wir unsere Sprache wieder.

Manchmal sind Dönerfachverkäufer einfach die besseren Psychologen….

Wir beide wussten plötzlich einfach, dass, wenn wir dieses Gespräch, dass weit über den sonst üblichen freundschaftlichen Smaltalk hinausgehen würde, wirklich führen wollten, wir uns gegenseitig etwas genauer erzählen mussten, wer wir waren und woher wir kommen, aber auch, was wir dachten, fürchteten, was uns verletzte, worüber wir uns freuten, was uns grenzenlos aufregte und wo die Grenzen unserer Toleranz lagen.

Bassam – eigentlich nenen wir ihn im Freundeskreis nur schlicht „Baas“, was mich immer ein wenig an eine Mischung aus dem englischen „boss“ und der schwäbische Bezeichnung für „Cousine“ erinnert – hat mir dann erzählt, dass er mit seinen Eltern als Kleinkind aus der Osttürkei nach Deutschland gekommen war. Seine Eltern seien syrische Alewiten, die es trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – geschafft hatten, schon vor Jahrzehnten mit dem Assadregime Ärger zu bekommen und erst in die Osttürkei, und als sie dort auch nicht mehr sicher waren – Alewiten sind in der Türkei nicht eben beliebt, sie sind den anderen Muslimen zu „liberal“, „westlich“ und „aufgeklärt“, ja gelten häufig noch nichteinmal als „echte“ Muslime – nach Deutschland geflohen waren. Sie hatten Glück gehabt, bekamen erst eine Duldung, dann Asyl. Irgendwann hätten sie sich dann für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Alles nicht einfach, weil weder die Türkei noch Syrien die nötigen Papiere ausstellen wollten.

Weist Du, für mich war Religion eigentlich nie ein Thema. Meine Eltern haben es mir überlassen was ich daraus mache. Das heißt nicht, dass ich nichts darüber weiß, aber mir waren die Menschen immer wichtiger – vielleicht bedeutet es ja das, Alewit zu sein…für uns steckt in jedem Menschen etwas göttliches, und wir haben kein Recht uns an diesem göttlichen zu vergreifen. […] Auf der anderen Seite fühle ich mich auch als Muslim, aber eben nicht so, wie das die meisten Muslime das Muslim sein hier definieren.“

Ich nickte. Anders als den meisten Deutschen hatte ich das Glück von klein auf muslimische Freunde zu haben und viel Zeit in muslimisch geprägten Ländern zu verbringen, daher war mir längst klar, dass es „den“ Islam so nicht gibt.Wie immer, wenn es um Religion geht, gibt es hunderte miteinander konkurrierende Auslegungen, Überlieferungen, Spielarten, Praktiken, Gruppen. Und wie immer gibt es auch die, die diese Vielfalt im Namen des eigenen Machtstrebens leugnen und den einen, einzigen, wahren, fundamentalistischen und alternativlosen Islam propagieren. Hier und der Islamischen Welt…

„Weißst Du, das Problem ist, dass die meisten Leute die sich Muslime nenen, gar keine Ahnung haben, was das wirklich heißt. Sie haben irgendwann ein paar Suren auf arabisch auswendig gelernt, aber sie haben es nie verstanden – wie auch, die meisten hier können gar kein Arabisch, sondern sind Türken oder Kurden, wie sollen sie denn da überhaupt verstehen, was ihre Religion ist und das vieles von dem, was als Verhaltensregeln und angeblichen Aussprüchen Mohammeds garnicht im Koran steht, sondern einer zweifelhaften Überlieferung entspricht? […] Es ist ein bisschen so, wie früher bei den Katholiken – die konnten die Bibel auch nicht lesen, weil sie auf Latein war, und in der Kirche haben sie auch nix kapiert, weil da auch das meiste auf Latein gebetet wurde […] So ähnlich ist das auch hier in den Moscheen, der Imam sagt wo’s lang geht, jeder glaubt ihm, und kommt garnicht auf die Idee darüber nachzudenken ob der Imam sich eventuell irren könnte. Das schlimme daran ist, dass diese Imame meist nicht von hier kommen, sondern ein Bild vom Islam verbreiten wie es vielleicht irgendwo in einem Dorf in Ostanatolien oder einer erzkonservativen Medressa in Ägypten gelehrt wird. Einen modernen, aufgeklärten und westlichen Islam gibt es hier einfach so gut wie nicht“

Bassam hatte recht: Einen echten Diskurs um Glaubensinhalte und eine ernsthafte historische Auseinandersetzung mit dem Islam gibt es in Deutschen Moscheen ebensowenig, wie eine echte Emanzipation der meisten Deutschen Muslime von den religiösen und politischen Vorgaben ihrer Heimatländer…wie auch…Bassam hatte denselben Gedanken…

„Daran seid ihr aber auch selbst schuld. Ihr Deutschen ja. Ihr habt es Euch bequem gemacht und einfach zugelassen, dass die islamischen Geistlichen von Organisationen aus dem Aussland geschickt werden. So können sich die Leute hier garnicht integrieren, weil sie nie gelernt haben, dass Religion etwas ist, was man hinterfragen und selbst begreifen muss. Die meisten Muslime hier sind wie Schafe, die willig nachbeten, was ihnen irgendwelche Hinterwäldler aus der Türkei oder dem Iran vorbeten. Nein, schlimmer noch, sie haben so wenig Ahnung vom Islam, dass sie sogar auf Salafisten und anderen Mist hereinfallen!“

Ich schluckte und begriff, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt war, um Bassam nun meine Geschichte zu erzählen. Stattdessen blieb ich still und hörte weiter zu.

Und weißt Du was wirklich nervt? Die Leute hier, die setzen mich einfach mit genau diesen Leuten gleich, nur weil ich vielleicht nicht blond und blauäugig bin und nur weil mein Name nicht ganz reinrassig „Deutsch“ klingt…Für sie bin ich einfach der dumme Türke der einer menschenverachtenden Religion angehört, seine Freundin prügelt und den nächsten Terroranschlag plant. Hast Du irgendeine Ahnung, wie oft ich mich deshalb schon hab rechtfertigen müssen? Wie oft ich schon von irgendwelchen Bereitschaftspolizistlern nach meinen Personalien und einem Visum gefragt wurde, und welch saublöde Kommentare ich mir dann von denen hab anhören dürfen als ich meinen Deutschen Perso aus dem Geldbeutel gezogen habe? Die kapieren einfach nicht, dass das hier genauso meine Heimat ist, wie ihre…Und sie haben keine Ahnung davon, was im Nahen Osten abgeht, und dass es „den Islam“ in Wirklichkeit garnicht gibt…es gibt da so viele Dinge, so viele Gruppen und Untergruppen, so viel gegenseitigen Hass und Gewalt… Hast Du eine Ahnung davon, dass mein Vater in Syrien im Knast gefoltert wurde, weil er nicht zu allem Ja und Amen gesagt hat als der Alte Assad 1982 die Muslimbrüder in Hama bombardieren ließ, dass wir dann in die Türkei geflogen sind und dass meine Mutter dort von mehreren Polizisten vergewaltigt wurde, nur weil sie Alewitin ist? Weißt Du, dass die genau gleichen Muslimbrüder für die sich mein Vater damals eingesetzt hat, jetzt bei der IS kämpfen und meine Verwandten in Syrien abschlachten? Nein…das wissen die Leute hier alles nicht und es interessiert sie auch nicht…für sie bin ich nur der muslimische Terrorist, der ihnen ihre Arbeitsplätze wegnimmt, ihre Töchter vergewaltigt und die Scharia einführen will.

Bassam „der Lächelnde“ lächelte an diesem Abend nicht. Er war sauer, entäuscht und frustriert von einem Deutschland, dass er als Heimat betrachtete und dessen Bewohner nun entweder „Lügenpresse“ schrien oder sich, ohne wirklich zu wissen, was das bedeutete: „Je suis Charlie“-Schilder umhängten und Stifte in die Höhe hielten. Er war wütend und verzweifelte zugleich an einer Menschheit, die einfach zu dumm, zu bequem und zu egoistisch war, in Eintracht und Frieden miteinander zu leben. Er war es zurecht, wie ich meine.

Während Bassam redete begann ich mir Fragen zu stellen. Unangenehme Fragen. Fragen denen auch ich mich stellen musste. Fragen, die auch mir klar machten, dass ich längst nicht so liberal, freundlich und aufgeschlossen bin, wie ich es manchmal gerne hätte. Fragen, die mir klar machten, wie leicht wir alle Verführte und Verführer werden, wenn wir uns von unseren Ängsten leiten lassen.

Warum genügt es in diesem Land „türkisch“ oder „muslimisch“ auszusehen um gleich als Vergewaltiger, Islamist und Terrorist verdrächtigt zu werden?

Warum setzen deutsche Lehrer „ausländisch“ aussehende Kinder mit der Begründung in die letzte Reihe, dass diese „ja eh nicht lernfähig“ seien?

Warum wissen wir in diesem Land so wenig über islamische Kultur, Geschichte und Religion?

Warum sind aufgeklärte, liberale und weltoffene Muslime wie Bassam, dem es reichlich egal ist ob sein Gegenüber Alkohol trinkt, an Christus glaubt oder schwul ist in Deutschland eine derart kleine Minderheit, und stimmt dieser Eindruck überhaupt?

Warum empfinden die meisten Deutschen den Islam als Bedrohung und wechseln die Straßenseite, wenn ihnen Abends eine Gruppe muslimisch aussehender Jugendlicher entgegenkommt?

Warum gelingt es salafistischen Predigern immer wieder Jugendliche für ihre Ziele einzuspannen?

Warum tolerieren wir katholische, protestantische, jüdische und freikirchliche Fundamentalisten, während wir muslimische Terroristen und Hassprediger nennen?

Wo endet konstruktive Kritik und beginnt Intolleranz, Hass und „Muslimfeindlichkeit“?

Warum reisen immer wieder junge Männer und Frauen aus Europa in Terrorcamps oder kämpfen sogar an der Seite von IS und CO?

 

Wo liegt die Grenze der Toleranz, und kann es diese Grenze überhaupt geben?

Wann wird Sicherheit zur Bedrohung der Freiheit, und wie viel Sicherheit brauchen wir, um frei zu sein?

Warum ist es uns nicht gelungen, dass Integration in diesem Land oft nicht mehr ist, als ein misstrauisches nebeneinanderherleben und unwilliges Tolerieren?

Warum finden es so viele immer noch seltsam, einen türkischen Chef der perfekt Deutsch, Türkisch, Englisch und Französisch spricht zu haben?

Warum spreche auch ich mit meinem Dönerverkäufer kaum je mehr als ein paar Sätze und das in einer Art „Pidgin-Deutsch“ ohne korrekte Grammatik und „schwierige Wörter“?

Warum habe ich meinen VHS-Türkischkurs nach dem ersten Semester nicht mehr fortgesetzt? Und warum kann mein Dönerverkäufer, obwohl er nun schon über 15 Jahre in Deutschland wohnt, immer noch kein „richtiges“ Deutsch?

Und warum bekommen wir es in diesem Land partout nicht hin, dass Menschen die zu uns geflohen sind und bei uns leben und sich einbringen wollen, sich hier wirklich als Mensch angenommen und willkommen fühlen?

Es würde hier viel zu weit führen, alle diese Fragen angemessen zu beantworten. Vielleicht geht das im einen oder anderen Fall auch garnicht. Aber es hilft sich diese Fragen zu stellen. Sie machen achtsamer…

Es war denn auch nicht dieses, vielleicht etwas eitle Vorhaben, dass mir an diesem Abend mit dem wütenden, entäuschten und frustrierten Bassam durch den Kopf ging.

Es war ein Satz aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas, vielmehr, es waren eigentlich nur zwei Worte mit denen ich an diesem Abend versuchte , Bassam wieder ein Lächeln zu entlocken.:

 

 Μη φοβάiστε – fürchte Dich nicht…

 

Fürchte Dich nicht vor denen, die meinen die Welt mit Terror und Angst unter ihre Kontrolle stellen zu können.

Fürchte Dich nicht vor den Dummen, den Idioten, den Ungebildeten und den Heuchlern.

Fürchte Dich nicht vor der Angst, schon garnicht vor jener, die dir Andere einzureden versuchen.

Fürchte Dich nicht Du selbst zu sein.

Fürchte Dich nicht vor den Dingen, die Du nicht kennst, sondern versuche sie zu verstehen.

Fürchte Dich nicht vor Wissen.

Fürchte Dich nicht andere zu lieben, mitzuleiden und sich für sie einzusetzen.

Fürchte Dich nicht vor dem Urteil der anderen, sondern stehe für Deine Träume und Ideale einer besseren und menschenfreundlicheren Welt ein.

Fürchte dich nicht vor den Bigotten, den Fundamentalisten, Kleingeistigen, Falken und Sicherheitsfanatikern, die meinen mit Regeln, Gesetzen, Ausgrenzung, Überwachung und Mord die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Fürchte Dich nicht vor jenen, die dir vorschreiben wollen, wer Du bist und wie Dein Leben auszusehen hat.

Sei Du selbst, und fürchte Dich vor allem nicht vor Dir selbst und Deinem großen Herz, wenn man erst einmal keine Angst mehr hat, wird man feststellen, dass es viel größer und weiter ist, als wir es uns vorstellen können.

 

Liebe und Achtung vor dem Anderen und Furchtlosigkeit beim Einstehen für diese Haltung.

 

Vermutlich sind es diese zwei so einfach klingenden und allen Religionen gemeinsamen Grundforderungen, in denen die Lösung der ganzen Wut, des ganzen Hasses, der ganzen Frustration und des ganzen Unverstandes liegen könnten. Doch bin ich mir auch bewusst, dass jeder meiner Fragen, jeder meiner „Fürchte Dich nicht“ Sätze zu Missbrauch einläd‘ und in sein Gegenteil verkehrt werden kann, wenn er mit Intolleranz, Fundamentalismus und Egoismus geäußert wird…Religion ist per se nicht gut oder böse, es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Deshalb gibt es auch keinen „guten“ oder „schlechten“ Islam, kein „gutes“ oder „schlechtes“ Christen- oder Judentum, keinen „guten“ oder „schlechten“ Buddhisten, Freikirchler oder Atheisten…Nein, es gibt immer nur den Mensch und seinen Umgang mit seinen Mitmenschen.

Dort wo Macht, Bereicherung, Intolleranz, Egoismus und Hierarchie die Oberhand über das Wohl des Einzelnen übernehmen, werden Religionen, genauso wie politische Ideologien, ja jegliche Ideale zur Diktatur, zu Extremismus, Terror und Hass.

Dort hingegen wo wir sie zum Leitfaden für einen liebevollen und achtsamen Umgang mit jedem einzellen unter unseren Mitmenschen machen, gerade wenn diese uns „fremd“ und „anders“ erscheinen, können sie tatsächlich zum Keim einer besseren, gerechteren und menschenfreundlicheren Welt werden.

Jede Religion, jede Ideologie, jedes Wertesystem und jedes Ideal, jeder Traum – auch und gerade wenn sie uns unter dem „Label“ Wohlfahrt,Vernunft, gesunder Menschenverstand, Fortschrit, Laizismus und Aufklärung entgegentreten  – jeder Wunsch und jede Hoffnung hält das Potential für beide Wege in ihren Händen. Wir sollten auch nicht vergessen, dass in den letzten zweihundertfünfzig Jahren mehr Menschen im Namen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit umgebracht wurden, als in allen Religionskriegen zusammen…

Hass oder Liebe, wir haben stet’s die Wahl, egal was uns andere erzählen. Der Maßstab für unser Tun ist dabei der Andere.

Davon bin ich überzeugt – auch wenn es verdammt naiv und gutmenschlich klingt.

 

Und ja, Bassam hat an diesem Abend doch noch gelächelt. Und ich bin ihm sehr dankbar dafür!

 

...Für alle die nun nicht so genau wissen, was Alewiten sind, und für was sie einstehen, hier noch ein Info-Link:

http://www.religion24.net/wofuer-treten-die-alewiten-ein.html

 

 

 

 

 

 

 

Je suis Charlie

Je Suis CharlieJe suis Charlie. Nous sommes tous. Et nous avons tous été attaqués aujourd’hui, même et surtout les musulmans. L’interprétation aberrante de les assassins n’a rien – rien du tout – en commun avec ce, que je sais que l’Islam, et ne le sera jamais! Il est temps que nous reconnaissons et acceptons que les droits de l’homme, la tolérance, la liberté – même et surtout de la presse et d’opinion – et le respect de la vie de l’autre sont pas quelque chose de soi, mais devez de plaider activement et partout – non seulement pour nous mais aussi pour les autres et étrangers.

Ich bin Charlie. Wir alle sind es. Und wir alle wurden heute angegriffen, auch und ganz besonders die Muslime. Der verquere Interpretation der Attentäter hat nichts, aber auch garnichts gemeinsam mit dem, was ich als Islam kenne, und wird es auch nie! Es wird Zeit, dass wir Menschenrechte, Toleranz, Freiheit – auch und gerade der Presse, Rede und Meinung – und die Achtung vor dem Leben des Anderen nicht als etwas selbstverständliches hinnehmen, sondern uns aktiv und überall dafür einsetzen, nicht nur für uns, sondern auch für den Anderen und Fremden.

I‚m Charlie. We all are. And we all were attacked today, even and especially the Muslims. The wrong-headed interpretation of the assassins has nothing – nothing at allin common with what I know as Islam, and never will! It is time that we recognize and accept, that human rights, tolerance, freedom – even and especially of press, speach and opinion – and respect for the life of the otheras are nothing self-evident, but must be actively and everywhere advocated. Not only for ourselves but also for others and strangers.

Adventskalender 2014 – 21. Türchen – Arrivederci Venexia!

Löwen mit Hüten

Löwen mit Hüten

Ja, auch die die schönste Zeit muss irgendwann zu Ende gehen, und da ich ja schlecht meine versammelte Verwandtschaft ohne mich (und vor allem ohne meine Geschenke) Weihnachten feiern lassen kann, heißt es nun zurück nach good old Germany!

Venedig war – nein, kein Traum – dazu war ich vermutlich schon zu oft hier, und dazu stehlen Deutsche Touristen auf Romantikurlaub hier zu oft Gondeln (http://www.stol.it/Artikel/Chronik-im-Ueberblick/Chronik/Deutsche-wegen-Gondel-Diebstahls-in-Venedig-angezeigt).

Die Stadt ist für mich Eher eine Art Lehrstunde in menschlicher Kreativität und Anpassungsfähigkeit. Schließlich benutzt man nicht jeden Tag Boote wie einen Bus oder verleitet andere Touristen dazu einem in die definitiv uninteressantesten Sackgassen zu folgen – eines meiner Lieblingsspiele in dem ich inzwischen eine gewisse Perfektion erreicht habe – mi scusa ;-).

Außerdem: Venedig ist für einen Traum einfach viel zu anstrengend – nicht wegen all der anderen Touristen, die werden erst wieder ab März zum Problem, und auch nicht wegen der 200-300 Bilder von Tizian, Tintoretto und Co. die man sich an einem durchschnittlichen Tag „reinzieht“ (wenn man’s drauf anlegt können es aber auch ganz locker mal zwei- oder dreitausend an einem Tag sein, das muss man dann vorher etwas trainieren um noch zu wissen, wo man was gesehen hat und selbst passionierten Kunsthistorikern soll es dabei schon vorgekommen sein, dass sie am Ende nicht mehr so genau wussten ob das Bild dass sie gerade in der kleinen entzückenden Kirche am Campo ichweißnichtmehr gesehen haben nun von Palma dem Älteren oder doch von Vittore Carpaccio gewesen ist…)

Nein, dass alles ist Genuß und wenn’s einem zu blöd wird kann man einfach ein viertel Stündchen auf die umgedrehten Hochwasserstege oder eine Bank sitzen und den anderen dabei zusehen wie sie gerade ihren kulturellen Overkill bekommen – Ich frage mich jedes mal, warum so wenige Menschen hier zu Wutausbrüchen neigen, selbst Kinder scheinen sich hier von Quengelmonstern in begeisterte Kulturtouristen zu verwandeln und suchen mit einer Engelsgeduld und unglaublichem Eifer den nächsten Markuslöwen oder Gondoliere…Nein, was diese Stadt so anstrengend macht sind die Wege – die muss man nämlich, von ein paar wohl zu plandenen, da relativ teuren Bootsfahrten nämlich allesamt zu Fuß zurücklegen.

Aber wie immer gibt’s auch hier eine bzw. mehrere Möglichkeiten zu spaaren:

http://www.actv.it/imob/cos%C3%A8imob

http://www.veneziaunica.it/en/ecommerce/products/pack/venice_citypass

Im übrigen habe ich inzwischen sogar an den, von mir so gehassten Selfi-Hipstern etwas Gutes entdeckt…nicht nur, dass sie etlichen Bangladeshi (das ist die Nation unter den fliegenden Händlern, die sich eigentümlicherweise auf die neuesten technischen Spielereien spezialisiert hat), das Überleben ermöglichen indem sie ihnen die überall angebotenen Selfie Sticks abkaufen, nein, sie haben es mit ihrem permanenten und absolut nicht zu stoppenden Selbstablichtungswahn inzwischen auch fertiggebracht, dass die sonst extrem strengen italienischen Regeln in Punkto photographieren in Museen und Kirchen inzwischen komplett errodiert sind. Die Wächter, die noch vor ein, zwei Jahren jedem der es auch nur wagte ein Handy oder eine Kamera zu zücken sofort ein schrofffes „no photo“ entgegenschleuderten, und bei Nichtbeachtung durchaus auch mal das entsprechende Gerät konfiszierten, haben inzwischen einfach aufgegeben. Selbst im hochheiligen Dogenpalast oder in der Markuskirche interessiert es absolut niemanden mehr, was, wer mit seinem Tablet oder seinem Handy abkupfert…Einzig die einsam herumstehenden Verbotsschilder erinnern noch daran, dass da irgendwann mal was war…

Und sonst? viel Neues, viel Altes und die Erkenntnis, dass vermutlich ein Leben nicht aussreicht um diese Stadt und all ihre Schätze wirklich zu kennen – wo sonst stolpert man beim Blick in eine verstaubte Vitrine einfach so über die Unterschriften von Karl V., Maria Theresia, Queen Ann und Mustafa II., das Tintenfass Napoleons, Reliquien vom heiligen Judas, oder den Sonnenhut des letzten Dogen? Manche werden jetzt sagen, dass dies alles nur verstaubtes alltes Gerümpel ist…letztendlich haben sie garnicht so unrecht. Aber wenn man verstehen will, warum die Dinge so sind, wie sie nuneinmal sind, dann kommt man um dieses Gerümpel eben nicht herum. Auserdem ist das Horten und die Begeisterung über altes Glummp urmenschlich. Man(n) ist nunmal ein Jäger und Sammler, ob nun von Selfies, Symbolen, Glasvasen oder Friedensverträgen ist dabei letztendlich egal. Und für wen’s dabei etwas mehr sein darf, für den ist Venedig genau der richtige Ort – wo sonst sollten wir schließlich unsere Plastikgondeln made in China, unsere echt falschen Muranogläser (na ja, hier gibt’s schon auch echte, aber die kosten eben dreimal so viel) und unsere völlig geschmacklosen Plastik-Karnevalsmasken (es gibt auch schöne, handgemachte aber die muss man suchen…) herbekommen? Sind es denn nicht genau diese Dinge, die das Leben erst lebenswert machen? …und ebay? wie langweilig – da kann es einen noch nichtmal über die istrischen Marmorstufen bei den Löwen auf der Piazetta dei Leoni hinschmeißen!

Buone feste und vergesst nicht euren Löwen Weihnachtsmannkaputzen aufzusetzen!

Adventskalender 2014 – 3. Türchen – Vom Leben und vom heiligen Zorn

Ein Stern

Ein Stern

Heute ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Ich könnte nun lange über Benachteiligung, Ausgrenzung und Ablehnung schreiben.

Aber ich mache das jetzt anders:

„Be my baby“ – Vor kurzem hatte ich bei den Filmfestspielen in Biberach a. d. Riß nicht nur die Gelegenheit diesen wirklich außergewöhnlichen Film zu sehen, sondern danach auch mit den Regisseuren und der Hauptdarstellerin über diesen Film zu diskutieren. Normalerweise vergisst man solche Ereignisse sehr schnell wieder, reiht sie ein in den Alltag. Bei diesem Film ging das nicht, er ließ mich nicht mehr los, und ich frage mich bis heute, weshalb er nur am 01.12.2014 um 0:05h als Teil der Sendereihe „kleines Fernsehspiel“ im ZDF zu sehen war (und dadurch keinen Kino-Verleih fand, da er sich – weil in der Mediathek abrufbar – wohl ökonomisch nicht mehr lohne…Filmförderung und PPP können ihre Nachteile haben…).

„Be my baby“ handelt von einer Jungen Frau mit Down-Syndrom, die sich lediglich etwas so „normales“ wie eine eigene Familie, Glück, Geborgenheit und Liebe wünscht, schwanger wird und sich damit plötzlich einer ganzen Phalanx aus Vorurteilen, Ablehnung, gesellschaftlichen Konventionen, Tabus und Verboten gegenübersieht.

Neben den eindringlichen Bildern und Szenen des Films, war es  vor allem die Hauptdarstellerin des Films Carina Kühne, deren selbstbewusste und keinesfalls „publikumskonformen“ Antworten auf die von falscher Zurückhaltung und Rücksichtnahme, Mitleid und Gutmenschentum geprägten Fragen des Festival-Publikums mich beeindruckten.

Daß eine Frau mit Down-Syndrom als Schauspielerin erfolgreich sein kann, mochte für die meisten im Saal ja gerade noch angehen. Daß dieselbe, kleine, ja zerbrechlich wirkende junge Frau der versammelten Presse und dem großteils aus GrundschullehrerInnen und Jung-AktivistInnen im Pollunder-Look bestehenden Publikum dann aber knallhart um die Ohren haute, dass seit der Einführung eines Schnelltests auf Trisomie 21* vor einigen Jahren über 99,5% der Föten mit dieser spezifischen Gen-Mutation abgetrieben würden – und man sie sich ruhig noch einmal genau ansehen sollte, weil die Menschen mit Down-Syndrom demnächst ausstürben, war einigen dann doch zu viel der selbstbewussten Inklusion.

Und doch, es stimmt, wir – d.h. unsere Gesellschaft will sich Menschen wie Carina Kühne nicht mehr „antun“. „Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation“ wie es so schön im Gesetz von 1995 heißt. Kinder mit Behinderung würden die „körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren, unter Berücksichtigung ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse, in unzumutbarer Weise beeinträchtigen“ so die Argumentation. Ihre Abtreibung ist in Deutschland bis zur 22. Schwangerschaftswoche üblich (und während der gesamten Schwangerschaft straffrei), in den Niederlanden und anderen Nachbarländern auch noch danach…Man will diese Kinder nicht, sie beeinträchtigen, verursachen Kosten, brauchen unsere Hilfe und Zuwendung…

…und so sterben sie aus, die Menschen wie Carina – oder besser gesagt, sie werden sehr bewusst und mit voller Absicht ausgerottet. Nicht weil sie nicht ein erfülltes Leben führen könnten,  sondern weil sich unsere auf Leistung und Maximaleffizienz getrimmte Wettbewerbsgesellschaft keine „mangelhaften“ Mitglieder mehr leisten will.

Es ist in Deutschland noch gar nicht lange her, das wir das „Euthanasie“ nannten…nur dass es damals noch keine Pränataldiagnostik und keine Schnelltests gab, und man die Behinderten nicht als Embryo, sondern erst nach ihrer Geburt als „lebensunwertes Leben“ entsorgte.

Und nein, ich verurteile hier nicht die Schwangeren, die heute nicht mehr wissen wie sie in dieser Weltnoch ein behindertes Kind  großziehen sollen und sich deshalb bei der Diagnose „Behinderung“ für einen Schwangerschaftsabruch entscheiden (müssen).

Ich verurteile die Welt, die Eltern mit behinderten Kindern ganz ernsthaft fragt „Ob sowas denn heute wirklich noch sein muss“.

Ich verurteile jene, die sich beschämt und angeekelt wegdrehen, wenn ein Mensch mit Behinderung sie anspricht oder um Hilfe bittet.

Ich verurteile jene, die meinen, ein behinderter Mensch sei kein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft.

Ich verurteile jene, die – vorgeblich aus besten Motiven – Behinderte bevormunden, wegsperren, ab- und aussondern.

Ich verurteile die Arbeitgeber, die sich lieber durch eine Strafzahlung freikaufen, als einen Menschen mit Behinderung einstellen.

Ich verurteile die Ökonomen und Ärzte, die im Namen des volkswirtschaftlichen Schadens die Abtreibung behinderter Föten fordern.

Ich verurteile die FrauenrechtlerInnen und FemministInnen, die sich im Namen eines angeblich selbstbestimmten Lebens der Schwangeren zu Richterinnen über Leben und Tod aufschwingen.

Ich verurteile die Nachbarn, Freunde, Väter, Verwandte und Großeltern, Behörden und Politiker, die die Schwächsten in unserer Gesellschaft am liebsten vergessen würden, und sie – dort wo dies nicht möglich ist – mit schönen Versprechungen auf den Sankt Nimmerleinstag vertrösten.

Ich verurteile und ich habe einen „heiligen Zorn“ – wie man im Schwäbischen so schön und treffend sagt.

Trotzdem, oder gerade deshalb lohnt es sich diesen ganz besonderen Film anzusehen, und selbst darüber nachzudenken, was es bedeutet, wenn es in unserer Welt bald keine Menschen mehr mit Down-Syndrom und anderen Behinderungen mehr gibt.

Link zur ZDF-Mediathek:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2280720/Be-My-Baby?setTime=6.75#/beitrag/video/2280720/Be-My-Baby

* So die medizinisch korrekte Bezeichnung von Down-Syndrom bzw. dem, was man früher als „Mongoloismus“ bezeichnete.