Beobachteter Alltag_Neulich am Osterbrunnen von Oberstadion…

Oberstadion, Osterbrunnen

Oberstadion, Osterbrunnen

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ Würde der gute alte Goethe seinen Osterspaziergang heute schreiben, er würde wohl weniger über die unbestrittenen Reize von Mutter Natur, sondern über die strömenden Massen pastellgetönter FrührentnerInnen auf Osterbrunnentour schreiben. Zwar weiß der informierte Geist längst, dass die neuerdings allüberall zur Osterzeit aus dem Boden schießenden grellbunten Gebilde, samt ihrer 10, 20 oder gar 30tausend „garantiert handgemalten Ostereier“ definitiv nichts, aber auch garnichts mit den seit Weinhold immer wieder gern zitierten, angeblichen „urgermanischen“ Quellen- und Fruchtbarkeitskulten zu tun haben, sondern der geschickten Marketingidee und dem Geschäftsgeist einiger oberfränkischer Gemeinden, welche kurz nach dem 1. Weltkrieg für ihren darniederliegenden „Fränkischen Schweiz Tourismus“ noch eine Attraktion für die besucherarme Frühjahrszeit brauchten, geschuldet sind – Aber mal ehrlich: welche oberschwäbische, fränkische, rheinländische, italienische oder friesische Landfrau mit „horror vacui-Symptomatik“ und akutem Putz- Schmuckbedürfniss will schon wissen, dass die nette Idee, den bei der missglückten Dorfkernerneuerung in den 1980ern in totschickem Vollsichtbeton ausgeführten „Gemeinschaftsbrunnen“ mit bunten Eiern und Thujagrün zu schmücken nichts anderes als eine sich parasitär ausbreitende Form des Touristenschröpfens ist?

Zugegeben, es gibt weitaus weniger kreative und pittureske Arten des Zeitvertreibs, und im besten Falle schafft der seit den 1990er Jahren europaweit ausgebrochene erbitterte Wettbewerb um den „größten, schönsten, buntesten, authentischsten, liebevollsten und einfach nur prächtigsten“ Osterbrunnen sogar etwas wie „Ästhetische Ersatzbefriedigung“ und „Scheingemeinschaft“ angesichts der tristen Alltagsrealität der längst zu menschenleeren, resopaltürverstärkten Toskana-Kopien mit Tempo-30-Zone verkommenen Vorstadtschlafgemeinden. Anders ausgedrückt: Den Leuten gefällts, Trachtenverein und Landfrauen finden nach der endgültigen Aufgabe des letzten Vollerwerbsbetriebs vor Ort eine neue Form der Daseinsberechtigung, die bereits ausgestorben geglaubte Gattung ländlich-naiver Kleinkunst erlebt einen neuen Besucherboom und auch die örtlichen Busunternehmer und Gastronomen sind glücklich ob der osterbrunnentourismusbedingt sprudenlden Einnahmen.

Dass es dabei gelegentlich zu weng österlich anmutenden Rangeleien um Routenverläufe, gezielte Vernichtungsattacken auf den festlich geschmückten Brunnen der Konkurrenzgemeinde und medialen Totalangriffen auf den ästhetischen Wert des je anderen kommt, dass in manchem „Osterbrunnenclub“ statt dörflicher Gemeinschaft längst kleinstdöftlicher Geltungswahn und Gitantismus Einzug gehalten haben, und dass so mancher Gemeinderat unter dem Vorwahnd drohender Osterbrunnenschändung nonchalant  27.000 Euro für die 24-h-Totalüberwachung  „ihres“ Osterbrunnens genehmigt, eine Osterbrunnensicherheitswacht ins Leben gerufen, und damit auch gleich auf elegante Weise das Problem der vorgeblich „die Dörfliche Idylle schädigenden komasaufenden Dorfjugend“ und angeblich „scharenweise einfallenden ortsfremden Klau-Romabanden“ angegangen zu haben glaubt, dass Hinterburgtrellingsfurth im letzten Jahr vielleicht doch noch einen größeren Osterbrunnen als wir hatten und somit unser Eintrag im Guinessbuch der kuriosen Dorfrekorde gebrochen wurde…Ja gottverdammt nocheinmal: Irgendwas muss man ja immer zu reden, zu tun und zu motzen haben, sonst wär das Leben ja nicht mehr lebenswert!

Und überhaupt: Der Osterbrunnenbesuch: Da wird possiert, fokussiert, schwadroniert, fabuliert, beurteilt, bekrittelt, bewundert und gleich noch gemütlich bei Kaffe und Kurchen munter über den Unterschied eines auf ein Wachtelei getuschten Vaterunsers zum mit Eisvögeln verzierten Straußenei debattiert. Für die oft abgelegenen und den Rest des Jahres von akuter Verödung bedrohten Kleinstgemeinden ist der österliche Besucherandrang ein Segen, für die aus dem aktiven Berufsleben und damit meist auch aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld ausgeschiedenen RentnerInnen ebenfalls „weil man halt mal wieder unter die Leut kommt“. Der Osterbrunnen als kombinierte Dorfrevitalisierung, Gewerbesteuersteigerung und Beschäftigungstherapie in einem eben…Wenn bei diesem hären Zweck schon mal eine jahrunderte Streuobstwiese oder ein baufälliges Schloss dem für genau 2 Wochen im Jahr genutzten, überdimmensionierten Reisebusparkplatz in Lochsteinoptik weichen muss. Hony sois qui mal y pense!
Und mal ehrlich, lieben wir nicht alle unser Jesusmosaik aus 12000 mundausgeblasenen und von den letzten Kindergartenkindern bemalten Wachteleiern, oder die aus je 13000 liebevoll mit Zweibelschalensud besprenkelten Bio-Freiland-Eiern zusammengesetzten Schafe, Hühner, Weltkugeln oder Schmucktorbögen? Quetschen wir uns nicht gerne durch überhitzte und vollkommen überfüllte Ostereiausstellungen, in denen wir mit politisch nicht ganz korrekten Massaiszenen bemalte Straußeneier als Remineszenz an die letzte Afrikasafari unserer 82-jährigen Nachbarin bestaunen können? Und genießen wir danach nicht alle die selbstgebackenen Käsekuchen der Landfrauen Hinterstreußlingen? und ja…planen wir nicht alle nach einem solchen Highlight für unsere eigene Dorfmitte, den eigenen Vorgarten oder auch nur das eigene kleine Zimmer im Altersheim unseren eigenen, noch schöneren, größeren und besseren Osterbrunnen?

Was würden wir denn mit unseren Sonntag-Nachmittagen anfangen, wenn nicht gnädige Reisebusunternehmer auf die Idee gekommen wären sämtliche 423 Osterbrunnen Nordostmittel und Unterfrankens in ihr Rund-um-Heizdecken-Sorglosprogram aufzunehmen? Und wo wäre die abendländische Kultur heute ohne mit Zahnarztbohrern gravierte Taubeneier mit eingebauter Spieluhr und Plastikmaus mit LED-beleuchteten Äuglein?

„A kleins bissle Kitsch isch’s ja scho, aber, s’isch hald au emmr wieadr sooooo scheee, ond erschd dui vieale Arbät die dô drinn schdeggd. Oifach schea halt, ônd dr Kuacha isch au guad dohanna!…“

Besser als diese Besucherin des Oberstadion’schen Osterbrunnens  kann man das Erlebnis „Osterbrunnen“ einfach nicht zusammenfassen – und dass dieser Osterbrunnenstandort geschickterweise neben Kafee und Kuchen gleich auch noch die Kombi-Karte für den Besuch der Ostereier- UND Krippenausstellung anbietet – Wenn man schon was macht, dann ordentlich – Stillstand bedeutet Rückschritt!

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Tageshaiku 26_Ostern

Schneewolken über dem Osternest;

wir suchen trotzdem und finden:

die ersten Buschwindröschen!

Some Schwäbisch_En dr Oschdrnachd

En dr OschdrnachdMa hoggad em Donklá, zmidschd en dr Meng. Vor ôim a glôine dôngla Krz, midd am komischa Blaschdigbächr, wo ônda a Loch hodd…S isch so schdill, dass ma a Gluaf z’Boda falla heara.

Däad, wenn dui alda Frau hendr ôim ed prmanend huaschdá miaßd (s’geid oifach emmr sodde, ônd I frôg me jeads Môl, warom soddiche schderbensgrange Leid sich mengisch no end Krch, ens Keano, ens Konzärd odr ens Kaffe schläbba mend…). Au irgadd a Allmachtswaidaag vom a Kend brabblad ond blärrad d’ganza Zeid vor sich ná. Ond au do frôg e me mengisch, warôm Eldra heidzudaag môinad Ihre offasichdlich boggiche ond vollkomma iabrnächdigde Kendr, dia liabr drhoim em Bedd iran hoiliga Schloof schlofa däadad, midd en Middrnachtsmäss schloifa mend…

Abbr mir sen en dr Krch, also semmr tolrand, säll moind dr Herr Jesus schliaßlich au. Jedenfalls der wendlwoichgwaschane vom Pfa`rr. Vom Hailigá Zôrá oddr Geddlichr Wuad hod där offasichdlich no garnix gherd…Godd light hald, damidd sich au jo koia vo de fromme Welfla em Schoofspelz aufreagd…

Dass Sällr dô oba edd emmr bloaß dr liabe abbr au au weng domme Laggl vo näabaa isch, dean ma gedroschd zom Narrá halda ka, sondrn au ganz andschd ka wennr denn widd ond an Gluaschdhodd; Dass R‘ oim meh als bloß oin mords Briagl zwischa d’Boi schmeißa ká, ohne dass ma räachd wissa däd warôm, säll said ma de Leid heid bessr nemme…

D‚Muadr vom Kend hodd ihran Jonas (jetzd wissa mr des au) endlich aus dr Krch gschaffd. Edd jeds Kennd isch a engl oddr auf Ritalean. Godd sei Dank edd! Sälls ganza scheana fromma Aidrachd war oifach nix fr da Gloina, z’langweilich! …Ond ehrlich…wenn e d’Miamich vom Pfarrr räachd deid, war selbschd eam säll kendlichs Katzág’schroi a weng vl dr Begaischdrich!

Drfir kommad izônd andre, a weng greaßre Kendr midd Krz rai. Z’Erschd schdandad se no a Weng em Donglá, noch hold ebbr d’Oschdrkrz aus dr Sagrischdei, ond’s wrd’s ganz häalenga häll. S’isch scho vrwondrlich, wia oim oi oinziga Krz en de Auga brenna ká, ond noch erschd hondrd odr dausad drvó! Wenn noch d’ganza K’rra leichdad ond d’Leid em Schai vo de Krzá grensad wia dr Baur wennr fr sai lamá Mähr‘ an ovrscheamd guada Preis gr’gd hodd – noch isch säll frisch azendads Krzalichd a ganz andrs Licht wia normal. Aagneamr, warm, faschd als hädd säll Lichd a Oigaleabá, ond wemma am Pfarr zuahorchad, hodd’s des ja au.

I hau s’Gligg auf ra behoizda Bangg zom hogga, oddr isch’s oifach bloß as zammahogga mid so vlle andre, des mr’s warm oms Hrz wärra lessd? I kempf midd de Dräana, warôm ka e ehrlichgsaid gared sa. Irgendwann ghods noch zr Komunijoo. Sisch komisch, en dr bloß vo Kärza ond a baar ganz nondrdemmde Gliahbirá en dr dongla Krch omanandrzomlaufa.

Schpäadr geids draußa no a Oschdrfeir. D‘ Leid wuaslad ommanandr alls häddad se ällesamd Moizgalr vrschluggd. Am am Dabezierdisch midd ra Babierserviett drauf gibds belegde Weggá, Kuachá, Hefezopf, frischá Kafffee ônd da ledschda Gilahwai vr des Jôhr- d’Nachdkälld lässd da Schnaufr Wolga vor am Gsichd machá. Älle om me rom lachad, schwäzad, träffad Leid, ond Kendr schpialad z’midschd en dr Nachd Fangrles ond machad drbei vor laudr Oschdriabrzwärch an Lärm, dass ma sich s‘ Gloggaleida grad hädd schbara kenna. I sälbr schdand bloß dô ônd grenz, graad asoo, als däad ebbr maine Mondwengl mid Fleiß nach Oba drugga.

Wär do ed dia Oschdrkärza en dr Hand, ma kheed moina s’sei noamôle Sld’väschdr.

I gang hoim, laad mr drvoor abbr no a baar Leid zôm Oschdrsuppaässa ai. S senn bloß a baar Meadr, abr mir mend no dean mordsschdeila Buggl nauf. En dära Nachd machdr mir ond de Andre abbr nix. S‘ schaind sich leichdr zôm laufa als sondschd.

Mir ässad Supp ônd d’erschde Oschdroir, drzua gaids Proseggo, Tea ônd au a biz Wassr – de andre meand schliaßlich no Hôim!

Drvor beh e abbr noml en da Hof, zwoi Dutzend Tealichdr ázendá. Au do widdrhold sich’s gleiche Wondr. Älls siagd so friadlich ond fraindlich aus, als däd dia Reed vom Oschdrfriadá daadsächlich schdemma…Mir wissad älle, dass es edd so isch, abbr fr dia nachd, demmr älla amôle, als g’hed dr Glauba ond d’Hoffnong taadsächlich Brg vrsetzá ônd d’Leid drzua brengá wrglich amôle bessr zôm wrrá…Vlleichd isch säll ja s’ächde Geheimnis vo Oschdrá…

Sisch iabrigens arg schbäad worra…halba viere war’s wo e ens Bedd khoa be, faschd hodd mr’s deichd als seig hendr de Krchtrmschbidza scho wiadr d‘ Sonn aufgangá.

Froe Oschdrá!