Tageshaiku 11_ Vorfrühlingsmorgen

Hahnengeschrei und erste Primeln.

Im Blumenkasten schläft die rote Katze!

Es wird Frühling!

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Tageshaiku 9 _Tea and dust

There’s dust in the tea bowl –

I blow it away and brew me a cup.

You’ve been not here for a too long time.

 

Staub in der Teetasse;

Ich blase ihn weg und schenke mir ein.

Du warst nicht hier für zu lange Zeit.

Heimweg mit König und Irrlichtern

Guten Heimweg noch….Gerade stand man noch bebend verschwitzt inmitten vom vielfarbig lärmenden Siegestaumel gröhlender Fußballfans. Jetzt ist man allein und nimmt einen Umweg ins stille Zuhause. Ein rascher Entschluss, eine Änderung der Richtung, und es kommt, wie es kommen musste. Aufleuchtende Luchter, ein ebenso unaufmerksamer wie falschparkender Porschefahrer – genommene Vorfahrt, herumgerissener Lenker, ein schneller Fluch bevor man für Sekunden einfach nur noch kopflos funktioniert…

Es nichts passiert – diesmal – Mann atmet aus. Noch einmal Glück gehabt.

Es geht weiter durch enge Gassen. Man regt seinen Frust ab am unpassenden Orange der Straßenbeleuchtung und an nutzlos abgestellten Blumentöpfen und verlassenen Eisständen, deren einziger Zweck das Behindern des eigenen Fortkommens ist. Es funktioniert nicht das Abregen.

2014-06-23_000904Den aufgeheizten Gassen folgt über dem Fluss ein erstes Frösteln. In der Luft liegt  ganz amberschwer Duft von blühenden Linden vermischt mit der Nähe des ewigmodernden Ufers. Es ist dieser erdschwere Geruch, der das Eigene Innen beruhigt und es dauert nicht lang, bis auf die Allee ein Wald und ein Blumenbeet folgt. Ich halte an, steige ab, im Zwielicht der ersten Sterne leuchten die panaschierten Blätter blühender Funkien und Fingerhutblüten. Tagsüber gibt es hier Kinder und Greise, abends ganz bürgerlich Kiffer auf Bänken. Jetzt bin ich allein und lausche den sich schüchtern öffnenden Seerosenblüten. An der Sonnenuhr rechts eine Nachtigall, geradeaus ist die Klappe seit Jahren geschlossen.

Zurück über Brücken und Wald auf die Lichtung. Am Ende der staubigen Wiese das jugendlich bronzene Abbild des Märchenkönigs. War er verrückt oder nur seiner Zeit um Äonen voraus? Je nachdem entscheidet man sich für einen der Sinne. Schönheit oder knallhartes poltisches Kalkül? Wer einen Garten hat lebt schon im Paradies und Parkstiftungen sind stehts eine Sache mit langen Schatten. Majestät schweigen dazu wie die Sphinx, dazu gibt es Lächeln so herzlich und öffentlichkeitswirksam wie es nur bronzene Könige können. War es nicht hier wo Berganza auf ETA Hoffmann lauerte? Majestät wollen herab und ins nächtliche Fastdunkel.

Und dann sind sie plötzlich da, die kleinen grünen Irrlichter im Unterholz. Sie narren mit giftgrünerm Flimmern das unsicher folgende Auge. Ich schalte trenne die Lichter vom Drahteselleib und in meinen Ohren sind Acis und Galatea auch ohne den Polyphem glücklich. Ich lasse mich ins taulose Gras fallen, blicke nach oben und denke an einen Fernsehthemenabend über Japan. Eine der Hainvillenkatzen schleicht sich heran und verkriecht sich nicht schnurrend in meiner Kniekehle. Titania und Oberon brauchen kein Nachtlicht. Aus dem Off eine leise kulturverstehende Dokumaentationsmoderatorin. Sie vergleicht all die letzten noch lebenden Geishas mit nächtlichen Schmetterlingen. Man müsste das Licht der Moderne für einige Momente löschen wollte man ihre tiefere Schönheit erkennen…Ich frage mich, ob eine Meiko im heutigen Kiyoto nicht eher einem einsamen Glühwürmchen als einer Motte gleicht. Das letzte Aufleuchten einer entschwundenen Zeit, seltsam kalt und kraftlos aber gerade deshalb so faszinierend.

Die Katze geht weiter und Trauerweiden am Ufer wiederholen meine Gedanken. Blätterschwer geworden beugen sich ihre Äste zum Kuss mit dem Wasser. Es riecht nach Moder, Feuchte und Moos, vielleicht auch etwas nach rostigen Fahrrädern, Karpfen und Wallern, die einsam zwischen Schlingpflanzen und Sandbänken am Flussgrund stehn. Ein nächtlicher Jogger huscht lichtlos vorbei und verbreitet Erschrecken. Ich fange mich kurz und bin froh um zwei flackernde Teelichter am Ufersaum. Das zugehörige Liebespaar hat sich zu wichtigeren Dingen in die Büsche zurückgezozen. Ich gehe vorbei und beginne zu lächeln, froh, dass es zumindest für diese beiden im Moment wichtigeres gibt als Torschützenkönige und Gewinnstatistiken.

 

 

The only true way of drinking espresso ;-)

Isn’t it wonderfull to smell the pure flavour of fresh roasted Espresso made from 100% arabica beans? Add a little carpet from Uzbekistan, and a japanese Art Deco cup, with delicate miniature paintings showing people celebrating the „Hanami“ festival, and you’ll turn a normal everyday action into the perfect postmodern and globalized springtime event!

Bild

 

Sektglasikebana – Ikebana in the champagne glass

Ikebana in a Champagne glass

Ikebana in the champagne glass

Sektglasikebana

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie ihr sicher schon gemerkt habt bin ich gerade voll in meiner Narzissenphase!

Hier ein kleiner Tip für alle die sich einmal an der Japanischen Kunst des Ikebana versuchen möchten, denen es aber an geeigneten echt japanischen Utensilien dafür fehlt:

Ikebana im Sektglas!

Hat selbst auf dem kleinsten Schreibtisch Platz, macht keine Probleme mit dem Anschneiden der Pflanzenstängel oder dem Hineinprfiemeln in obskure Steckmassen, ist in zwei Minuten fertig und die ganze Pflanze kommt optimal zur Geltung.

PS: Außerdem sieht man hier ganz genau, wenn die Blümchen wieder mal Wasser brauchen!

As you may already have noticed I’m just completely in my „daffodil-phase“!

Here’s a little tip for all of you, who want to take a try on the traditional Japanese art of Ikebana, but don’t posess appropriate Japanese utensils:

Ikebana in the champagne glass!

The whole plant comes to it’s best, There’s place for it even on the smallest desk, it causes no problems with cutting of the stems or complicated pricking into obscure floral-foams. And the best: It’s finished in less then two minutes!

PS: Also, you can see exactly when the flowers once again need some water!

Chablis zu Hanami

spring in Burgundy

Auf der Suche nach einem passenden Kirschblütenphoto für einen e-mail-Anhang zum Hanami-Fest (jap. Blütenbetrachten) an einen japanischen Freund stöberte ich vor einigen Tagen in den alten Photodateien meines kleinen, roten „Reisecomputers“ und entdeckte dabei lächelnd einige längst vergessene Bilder eines Frühlingsausflugs in ein kleines burgundischen Dorf.

Eigentlich hatten wir uns – wieder einmal – gründlich verfahren, weil sich unser Navi strikt weigerte zu den vielen gleichlautenden Ortsnamen auf St. Irgendwas die entsprechenden genaueren Ortsangaben (sur, les oder du irgendwas…) anzugeben. Vielleicht war’s uns aber   auch nur zu blöd geworden, uns ständig in typisch deutscher Baedecker-Manier „nach Reiseführer“ rastlos von a) nach b) zu begeben. Sewi’s wie es mag, als angehende Kunstgeschichtler nahmen ich’s sportlich und tat, was man im Burgund nunmal tut, wenn man sich gründlich verfranst hat: Man schaut zu, dass man jemand findet, der einen Schlüssel zum herrlich versteckten Chateau, dem örtlichen Weingut oder – wie in diesem Fall – der halb verfallenen Dorfkirche hat.

Garnicht so einfach in einem Dorf mit vielleicht 10 ständigen Einwohnern, die sofern sie tagsüber nicht in der nächsten Stadt arbeiten, im Frühjahr reichlich anderes zu tun haben, als zwei neugierigen Deutschen das „hübsche Örtchen“ vorzuführen. Der Weinberg will hergerichtet, das Ausschlagen der Reben beobachtet, die Cuvée ein letztes Mal auf ihre korrekte Zusammensetzung geprüft und der Weidezaun geflickt sein.

Schließlich fanden wir doch noch eine Alte Dame, welche uns zunächst kritisch durch ihre dicken Brillengläser musterte und uns aber nach bestandener Überprüfung mit einem riesigen, halb angerosteten Schlüssel umständlich das Kircheninnere öffnete.

Wie so oft erwartete uns auch hier eine Überraschung:  Im hellen Frühlingslicht das  mit uns durch die geöffnete Tür in die Kirche strömte erschienen die leuchtend-lustvollen Abbildungen eines Totentanzes des frühen 16. Jahrhundert. Es dauerte, bis wir zwischen stolzen Damen, Landsknechten und Kaisern den Bischoff und seinen blondgelockten Geliebten (sic!) auf ihrem Weg in den am Langhausende lauernden Höllenrachen entdeckten.  Zuerst verstanden wir nicht. Etwas auch nur annähernd Ähliches hatten wir nie gesehen.

Die Alte Dame amüsierte sich köstlich als sie uns begriffsstutzigen Kerlen in ihrem altertümlichen Charrolais-Dialekt und mit herrlich rollendem „r“ die Szene genüsslich zum dritten Mal erklärte. Auch wir hatten unser Vergnügen, denn jedes mal kam ein neues schlüpfiges Detail aus der Lebensgeschichte der Beiden hinzu. Irgendwann machte es klick. Ich habe selten so laut in einer Kirche gelacht. Auch der Tod schien uns aus seinem zahnlosen Mund mit einem lustvollen „Genießt…ich komme früh genug!“ zuzulächeln.

Die von Engeln geleiteten Frömmler der Gegenseite erschienen dagegen geradezu langweilg. Auch Madame du Brais hatte für sie kaum mehr als ein indigniertes  „les autres“ übrig.

Hinter dem Kirchhof lag ein Friedhof, und dahinter, am Ende einer langen Kastanienalee ein halb verfallenes Schloss (Nein, nicht verfallen. burgundische Schlösser MÜSSEN genau so aussehen. Was wäre das auch für ein Schloss, in dem es nicht irgendwo zumindest ein wenig zum Dach hereinregnen würde?…).

Längst hatte Madame du Brais, welche sich zwischenzeitlich als leibhaftige Comtesse entpuppt hatte, aber nichts darauf gab, mich am Sakkozipfel gepackt und mich in Richtung einer kleinen Tür in der Parkmauer gezogen.

Venez, venez,  j’ai une autre gâterie!“

Ich wurde ich den Gedanken an die Hexe aus Hänsel und Gretel, samt dem zugehörigen Lebkuchenhaus nicht los.

Als hätte man uns erwartet stand mitten auf einer von Schlüsselblumen bedeckten saftiggrünen Wiese ein mit einem weißen Leintuch gedeckter Tisch, dazu vier Stühle aus Schmiedeeisen und eine Schüssel mit frischem Kohlsalat mit kleinen, gebackenen Speckstückchen.

Bon appétit“

Statt mit zuckersüßen Zelten wurden wir mit selbst gebackener quiche und reichlich Chablis gefüttert.

Madame la Comtesse waren selig, wir auch!

Auf dem Weg zurück überquerten wir einen kleinen Bach. Die drei weit ausladenden  Bögen der alten Brücke wirkten ziemlich ambitioniert für das schmale Rinnsal. Aus seinem Wasser ragten einige Schwertlilienblätter, darüber ein kleiner, weiß blühender Kirschbaum, dessen Blütenblätter langsam ins Wasser vielen…

Madame du Brais verabschiedete sich, dankte für den amüsanten Nachmittag und gab uns noch eine Flasche von „ihrem Besten“ mit. Ein herrlicher, goldgelber „grand cru“ mit smaragdgrünen Reflexen und himmlischem Geschmack.

Schöner lässt sich selbst in Japan kein Hanami-Fest verbringen…