„Viel Ausschwitz denn vom Himmel?“- Fragen und Gedanken zum Gedenktag an die Opfer des Holocausts

Kann, soll, darf man an einem solchen Tag etwas schreiben?

Einem Tag, der für so viele Tote, so viel Leid, so viel Unrecht, so viel Hass und so viel menschliches Versagen steht?

Wäre es nicht besser, weiser und angemessener angesichts all dessen was Menschen anderen Menschen antun können, all dem unsagbaren Grauen einfach zu schweigen?

Oder müsste man der Wut, der Empörung, der Verzweiflung und dem Schmerz nachgeben und den ganzen Tag lang einfach nur gegen das, was geschehen ist anbrüllen, bis auch noch der letzte hirnverbrannte Idiot kapiert, was war, und dass es jederzeit wieder passieren kann – weil der Mensch und die Welt nun einmal nicht – nur – gut und edel und wunderbar und fortschrittlich und lernfähig, sondern eben auch eine Bestie ist und bleibt?

Sollte und darf und muss man sich angesichts der zahllosen wohlinszenierten und gesetzten Gedenkstunden, der Dokumentationen und Denkmäler, und all der hilflos-professionellen Inszenierungen von Schmerz und Betroffenheit an diesem Tag nicht auch fragen, in wie weit das alles nicht längst wohleinstudierter, sinnentleerer Ritus ist, der uns nicht mehr betrifft und berührt als all die anderen jeden Tag dahingeäußerten Worte des Bedauerns, Ent- und Beschuldigungen – schöne Worte, diplomatische Entlastungsübungen und Ausweichbewegungen auf dem glatten Parkett moralischer Überlegenheit, denen selten wirkliche Konsequenzen folgen und bei denen es noch viel seltener wirklich um die Opfer und das Gesagte, sondern viel zu oft um die Instrumentalisierung von deren Leid zur Sicherung und Rechtfertigung des je eigenen Status in einem mit spitzer Zunge und Feder geführten Krieg gegenseitiger Beschuldigungen, An- und Aufrechnungen geht?

Darf man das wirklich so sagen? Welche Feinde macht man sich mit dieser Form der „Ehrlichkeit“? Ist sie überhaupt „ehrlich“? Und tut man damit jenen, die ernsthaft bereuen, und jenen, die ernsthaft und ohne eigene Eitelkeiten zu bedienen versuchen zu verhindern, dass das Grauen wieder passiert, nicht unrecht? Und stärkt man damit nicht gewollt wie ungewollt all Jene, die den Schlussstrich ziehen –Wo endet die Kritik an der „Betroffenheitsindustrie“, wer pflegt sie, und warum, wo ist sie angebracht und wo „nur“ weiteres rassistisches Stereotyp?

Und schon sind wir ganz mittendrinn im Minenfeld des Müssens, Könnens und des Dürfens, ein Wald von selbst und fremdgemachten Stolperdrähten irgendwo zwischen Richtern und Rechten, zwischen Satire und Empörung, dem Hören-wollen und dem Hören-müssen, von Unrecht und Gerechtigkeit, dem Mein und Dein, den Unterschieden und der Unterscheidungen, Vertretungs- und Vergeltungsansprüchen, von Eingliederungen, Vereinnahmungen und Ausschlüssen…

Und dann sind da die Bilder und Geschichten von den Opfern, die Dinge und Erinnerungen die gegen den Plan das Auslöschen und Vergessen, das Schweigen und Verdrängen überstanden haben und uns blieben.

Da ist die Erinnerung an die Stille, die immer dann eintrat, wenn man die, die es wissen hätten könnten fragte. Da ist die allzu hastig umgeblätterte Seite im Familienalbum und der ganz offen und ausgesprochene Satz : „Solche wie Du gehören nach Dachau oder noch besser vergaßt…“, da ist die immer nette und geliebte Nachbarin, die zweite Oma, die – kurz bevor sie ins Heim kam – einen auf einen Kaffee herüberbat und einem einen Stapel Briefe, Bilder und ein kleines, mit Bleistift „Im Lager“ geschriebenes Tagebuch in die Hand drückte aus dem hevorging, dass ihr längst verstorbener Mann SS-Offizier war und Täter, und dann selbst zum Opfer wurde…erst der folternden Amerikaner, und dann im Gulag, weil er so dumm war einem „Kammeraden“ im Osten helfen zu wollen, erst `52 kam er zurück…als anderer Mensch…Und dann ist da die Hochzeit des eigenen Bruders, nur ein Tal weiter vom „Mord-Schloss“ von Grafeneck…

Da ist der Kleine Großonkel von dem lange niemand wusste wo er geblieben war – zutodegehungert im Namen der Euthanasie. Da ist die blinde Schulfreundin der Großmutter, die diesem Schicksal nur durch „Zufall“ entkam. Da sind die Erzählungen des Großvaters von der Ostfront, von abgebrannten Dörfern, Vergeltungsaktionen, Deportationen, Erschießungskomandos…Da ist die Flucht der Urgroßmutter, die Weigerung der Töchter zu erzählen, oder die „alte Heimat“ jemals wieder zu betreten und die eigene, unerwartet emotionale und von Wut und Rachegelüsten, Schuld und Sühne geprägte Reaktion als man die Brücke nach Polen überschritt. Da sind die Stolpersteine vor dem eignen Haus, da ist die kleine, silberne Menora – ein „Geschenk“ der „alten Nachbarn“ an den Urgroßvater bevor sie deportiert wurden, da sind die Erinnerungen an die manchmal gar nicht so „lieben“ Amerikanischen Besatzungssoldaten, die einem mit 15 oder 16 das Wort Nazi entgegen schleuderten, wenn sie volltrunken keine Lust hatten die Zeche zu bezahlen. Da sind aber auch die eigene weißrussische Schwägerin, die jüdischen Freunde, Geschäftspartner, Lehrer…und die manchmal gar nicht so unkomplizierten Altlasten und Gefühle, die das alles noch immer nicht „ganz normal“ machen…Auge um Auge, Zahn um Zahn, Schuld und Sühne, Rache und Vergebung, Dir und Mir, Grenze und Überschreitung, Angst und Vertrauen, Flucht und Heimat…

Und dann sind da jene, die meinen das alles sei nicht wichtig, sei Vergangenheit, müsse endlich enden, vergessen werden. Es müsse „endlich“ weitergehen. Man müsse die Vergangenheit auch einmal ruhen lassen…und überhaupt: Ist das Alles überhaupt geschehn?

Und ja, da sind auch jene, die doch wissen, durchaus auch wissen wollen…aber nicht um zu versöhnen sondern auf- und abzurechnen. Hilfe gegen gutes Gewissen, Schuldenerlass gegen Verzicht auf Schadensersatz, Meine Toten, Deine Toten…

Und dann gibt es noch jene, die auf den ersten Blick, das erste Hören, und das erste Sehn mit all dem nichts gemein haben. Die Stärke fordern, dichte Grenzen, Sicherheit und Abgrenzung. Die die Anpassung und Unterordnung an die selbst nicht unbedingt gelebten und gezeigten christlich-jüdische (welch Ironie!) Werte fordern, das Eigene als Fahne und als Schutzschild tragen, die „Anderen“ nicht um sich wollen, sich vor dem Wertverlust des eignen Hauses und vor Multi-Kulti fürchten.

Da sind auch die, die Männer anderer „Kulturen“ pauschal zu potentiellen Vergewaltigern machen, die Straßenseite wechseln, wenn sie kommen und sich längst das Pfefferspray besorgten. Da sind dann die, die Nebensätze schwingen – von denen die so anders sind, und uns, die wir so furchtbar überlegen und so zivilisiert…

Und da sind auch jene, die im Namen der Effizienz Menschen, die nicht die erwartete „Leistung“ bringen ausgrenzen, ihnen Faulheit unterstellen, sie beleidigen und sanktionieren. Und ja, da sind dann auch die Eltern die sich nicht mehr trauen das Kind mit „Behinderung“ zu bekommen – oder sollte man besser sagen: Die keinen Bock drauf haben, sich ihr Leben mit „so was“ zu versaun? Da sind die Ärzte und die Bekannten, die Schwiegereltern und die Lehrer, der Arbeitgeber und die Bäckersfrau, der Schaffner und die Familienberaterin die alle unisono meinen „so etwas sei doch heute wirklich nicht mehr nötig!“…und da ist dann der Arzt und die Klinik in der sie dann stattfindet, die Abtreibung des „defekten“ , „nicht-pferekten“ Kindes, das nicht so ist, und nie so wäre, wie wir, wie die Leistungs-Gesellschaft es fordert…

Da ist ein Trump, der Frauen weil er meint das er es kann in den Schritt zu fassen können glaubt, da ist der Redneck in den Bergen, der sich ausgebotet sieht von der Moderne und den andern, denen die nicht sind wie er und sein „Gott“ das wollen, da ist der Gouvaneur, der andren vorschreibt welche Toilette sie zu nutzen haben, da sind die Schwarzen und die Weißen, die Roten und die Gelben die sich gegenseitig und voller Hass die Schädel einschlagen und das Dach über dem Kopf anzünden. Da sind die vorgeblich so Klugen, die sich eitel über die Dummheit anderer Mockieren, und dabei nach eignem Gutdünken do’s und don’t‘s verkünden, als seien es ewiggültige und nichtzudiskutierende, indiskutabel-wahre Himbeerbonbons…

Da sind die Naiven, die alles für gegeben nehmen, die Überlegen-fühlenden, die es nicht mehr nötig haben andere Meinungen auch nur zu respektieren, die Wuterfüllten die längst nicht mehr diskutieren und die die sich Ausgeschlossen und –gebootet fühlen und es auch längst nicht mehr für nötig halten, die eigene narzistische Gedankenblase zu durchstoßen…

Da sind aber auch die, die gerade und auch an einem solchen Tag nicht in den bewährt-akzeptierten Ritualen üben, die ihn nicht nutzen um zu provozieren, die nicht ins übliche „Wehe Euch“ und „Wehe uns“ verfallen…sondern die einfach nur sagen, dass es Menschen waren, die ermordet wurden, weil ihr Mensch- und Dasein andren nicht gefiel. Die ihren Fokus nicht nur auf das eine Ereignis, die eine Gruppe, den einen Ort, die eine Zeit die einen Opfer und die einen Täter richten, sondern versuchen Vor- und Nachgeschichte des Geschehenen als Teil einer größeren, undendlich komplexeren und nicht selten beängstigend „nahen“ Geschichte zu sehen, die uns alle betrifft, und in der wir alle jederzeit Täter und Opfer werden können – und es vielleicht auch längst schon sind.

Viel Ausschwitz denn vom Himmel? War im Osten wirklich alles besser? Sind die Opfer der KZ’s „anders“, „wichtiger“ und/oder „besser“ als jene der sowjetischen Gulags? Ist der Holocaust wirklich so einmalig? Sind Juden die einzigen Opfer des Holocausts und der Shoah…und was ist mit den Anderen und wie nennen wir das dann, und wie „angemessen“ ist es Jene, die gemeinsam starben im Nachhinein genau in jene Gruppen du „Wertekategorien“ zu trennen und zu scheiden und getrennt oder gar nicht zu betrauern, in die sie ihre Mörder einteilten? Ist Leben nicht Leben, Mord nicht Mord und ein ausgelöschtes Leben nicht ein ausgelöschtes Leben, ist Töten nicht Töten? Darf man töten um anderes töten zu vermeiden? Gibt es den „gerechten Krieg“ und die „gerechtfertigten Opfer“? Gibt es „wichtigere“ und „unwichtigere“ Tote, „würdigere“ und „unwürdigere“ Opfer? Ist ein ermordeter katholischer Priester mehr wert, als ein ermordeter Homosexueller, ein „Colateralschadensopfer“ oder ein Mensch der aufgrund seiner geistigen oder physischen „Behinderung“ ermordet wird? Warum war und ist es so einfach für die Täter unterzutauchen, wer schützte sie, und warum? Wollten wirklich alle Deutschen nach 1945 nichts mehr wissen und konnten sich alle plötzlich nicht mehr erinnern und wie war das andernorts, mit anderen Mördern? Was wussten jene die nicht direkt mordeten aber davon profitierten? Und was macht eigentlich ein Opfer aus, und was einen Täter und was ist mit dem „Dazwischen“? Und nicht zuletzt, wie ist das alles „Jetzt“ und „Morgen“? Und sollte und darf man den Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts nicht zum Gedenktag für alle Opfer des nationalsozialistischen Terrors machen, oder gar zum Gedenktag an alle Opfer von Genoziden, Kriegen und unmenschlichen Ideologien machen? Was spräche dafür, was dagegen?

Vielleicht sind es genau diese schwierigen und schmerzlichen Fragen für die Tage wie der heutige gut sind.

 

 

 

 

Advertisements

Tageshaiku 59_Sommerende

Zwischen den Wolken: Leises Grollen. 

Gestoppte Züge, verdichtete Grenzen.

Abendläuten zur Regenfront.

 

 

Tageshaiku 57_Welt und Logik…

Im Garten die letzten Rosenblüten.
Im Netz explodiert, was wir sind.
Ist die Welt noch ein logischer Ort?

Fuck the LED! _oder: Warum ich ab heute bekennender Leuchtmittelrassist bin!

LED

 

 

 

Ja, ich habe es mal wieder getan: Ich habe mich in eine dieser superteuren ökobesiegelten LED-Glühbirnen verliebt!

Und ja, ich hätte es besser wissen müssen!

Nachdem bereits der letzte LED-Birnenkauf vor über drei Jahren in ein absolutes Desaster ausgeartet ist, und sich meine Wohnung dank des kleinen Lämpchen-Teufels in eine Art schlecht beleuchteten Autopsiesaal verwandelt hatte, hätte ich einfach aus Schaden klug werden und meiner zarten Liebesbeziehung mit einem Ding Namens LED endgültig den Laufpass geben sollen

Es fiel mir einfach verdammt schwer, so ein Ding mit dem Gemütlichkeitsfaktor null wirklich lieb zu haben. Vieleicht habe ich es aber auch nur falsch verstanden: Vielleicht sind drei gleißendweiße Punkte mit Regenbogenfarbeinfassung und permanentes Flackern in der Welt der LEDs ja der absolute und ultimativste aller Liebesbeweise!

Trotzdem – wenn auch schweren Herzens und nach langem Hadern mit meinem ökologischem Gewissen –  habe ich das freundlich blinkende LED wieder herausgeschraubt und mein inzestuöses Dauerverhältnis mit seinen beiden Geschwistern Glühbirne und Halogen fortgesetzt. Es ging einfach nicht gut zwischen uns, die interkulturellen Unterschiede waren einfach unüberbrückbar – Ich war LED-Geschädigter und habe ich mir in diesem schicksalsschwangeren Augenblick geschworen, dass nie wieder ein LED mein Herz erobern würde!

Aber der Mensch ist nuneinmal von Natur aus ein lernfähiges Wesen und lässt sich nur allzuleicht bequatschen. Und da nunmal meine sämtlichen umweltbewussten Bekannten Stein und Bein schworen, dass der Integrationsprozess der  LEDs in die Wohnumwelt eines durchschnittlichen Mitteleuropäers inzwischen weit fortgeschritten sei und die kleinen Tausendsassas inzwischen sogar etwas wie „warmes weiß“ produzieren könnten, habe ich meine Vorurteile und Stereotype überwunden und war heute wieder im Lampenladen.

Eingedenk des Clash of Habitate-Cultures bei meiner ersten Begegnung mit dem Stamm der Leuchtdioden, habe ich den Verkäufer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich etwas ähnliches wie einen Kienspan suche, vielleicht etwas heller – in meinem Alter muss man seine Erwartungen an Beleuchtungsmittel einfach etwas herunterschrauben, schließlich ist man selbst kein ganz taufrisches Gemüse mehr…

Das 19-jährige Jungverkaufstalent schilderte mir daraufhin in den allerbuntesten Farben, dass die LED-Technik ja unser aller Zukunft und sie überhaupt und sowieso das Non-plus-Ultra moderner Beleuchtungstechnik sei und mir angesichts der beinahe unendlichen Lebensdauer der Birnen eine geradezu atemberaubende Stromerspaarnis bevorstünde, die sicherlich ausreichen würde um mir davon meine Altersvorsorge finanzieren zu können. Ich willigte ein, und kaufte mit eine neue light-emitting diode.

Nun, entweder das aufstrebende Jungtalent aus der Elektronikbranche wusste nicht was ein Kienspan ist (meine Schuld, man sollte nie unterschätzen, was die heutige Generation von Turbo-Abiturienten alles nicht mehr lernt) oder er bekommt eine saftige Sonderprovision für jedes verkaufte LED-Birnlein. Sei es wie es mag; kaum hatte ich die kleine Diode ihrer grünen (sic!) Plastikverpackung entkleidet, sie zärtlich in die für sie vorgesehene Lampenfassung geschraubt und vorsichtig den Kippschalter betätigt erlebte ich einen erneuten Komplett-Clash!

Um es kurz zu machen: Zwar scheinen es die hochbezahlten Beleuchtungsmittel-Ingenieure inzwischen hinzubekommen, dass ihre Linsen des Todes etwas  ähnliches wie ein schmutziges Gelb-Orange produzieren: ja sie haben sogar eine garantiert lasergeprüfte Linsenoptik eingebaut, die die hierfür eingesetzten Farbtöne allesamt wieder in ihre Einzelbestandteile zerlegt; und auch mein heißgeliebtes Neonweiß ist wieder dabei; Aber sollte es nicht so sein, dass der Hauptstrahl des Lichts sich in der Mitte des Lichtkegels konzentriert und Nicht am Rand? Was macht es da noch, dass auch die Halo-Kreise der ersten Birnengeneration aus Traditionsgründen beibehalten wurden, und sich dank der hochmodernen Linsentechnik  gleich vervielfacht haben!

Kurz, auch LED-Birnen haben ein Lebensrecht, jedenfalls bei jenen, die seltsame Kringel und Streifen nicht stören und die darauf verzichten können, dass die untere Hälfte des normalen Lichtkegels einer Glühbirne zugunsten einer überdimmensionierten Fassung fehlt.

Für den konservativen Leuchtmittelnutzer, der in LEDs kein Multifunktionsinstrumend der Selbstkasteiung, sondern lediglich den Ersatz für eine alte Glühbirne in seiner Schreibtischlampe sieht – sind Leuchtdiodenbirnen leider vollkommen ungeeignet!

Daher mein Fazit: Fuck the Umwelt! Ich bleibe Leuchtmittelrassist und kehre reumütig zurück zu Kienspan, Teelicht und Glühbirne! Die sind zwar vielleicht nicht ganz so CO2-Neutral, aber wenigstens kann ich ohne einen schweren Augenschaden oder eine LSD-ähnliche Bewusstseinsstörung zu bekommen weiter lesen!

 

Are we all terrorists? – Überlegungen zum „guten“ und zum „schlechten“ Islam

IstanbulZugegeben, es war eine mehr als hitzige Debatte, die da am Abend nach den Pariser Anschlägen in einem Bamberger Traditionslokal um die Themen Islam, Muslime, Integration und Terrorismus geführt wurde.

Da waren die Scharfmacher. Jene die unbesehen und im Brustton der Überzeugung, den nur einige Saidla Bier verleihen, „den“ Islam mit Terrorismus und unmenschlicher Barbarei gleichsetzten und am liebsten gleich alle Muslime des Landes verweisen wollten. Wenn das schon bei den verweichlichten Politikern nicht durchzusetzen sei, sollten „die“ zumindest die Grenzkontrollen und die Vorratsdatenspeicherung wiedereinführen, und  am besten auch gleich sämtliche Ausländer und Scheinasylanten ausweisen.

Die sollen erstmal richtig Deutsch [Fränkisch?] lernen und ihrer verdammten Terroristen-Religion abschwören, bevor sie bei uns leben dürfen!“, „Es ist ein Skandal, dass „die“ bei uns frei rumlaufen dürfen!“, „Wen’s ihnan dô ned bôssd solln’s hôld wider zrück wo’s hing’hörn!“ – Ja die fränkische Volksseele kann mitunter sehr eindeutig in ihrer absoluten und totalen Verdammniß alles Andersarigen sein.

Da waren dann aber – Gott sei Dank – auch die nicht ganz so besoffenen, dummen und ignoranten. Jene die sich auch schon in den vergangenen Monaten und Jahren gegen die geistige Dumpfheit eines braunen Mobs eingesetzt haben, jene die sich in Projekten und Cooperationen für Flüchtlinge und Integration einsetzen, und jene, die einfach nicht einsehen können, dass ein Mensch nur deshalb besser als ein anderer sein soll, weil er und seine Vorfahren hier geboren sind, blonde Haare und blaue Augen hat. Doch sie waren an diesem Abend seltsam leise. Zu frisch und unfassbar war noch der Eindruck der Pariser Taten, zu rat- und fassungslos standen die meisten dem Ausmaß der für undenkbar gehaltenen Taten gegenüber…Bis dann doch jemand aufstand und zu der arischen Stammtischgruppe am Nachbartisch meinte:

Dann machen sie uns doch gleich alle zu Terroristen, weißen sie uns aus, und dann haben wir endlich alle unsere Ruhe, nur dass dann auch niemand mehr da ist, der ihnen die Drecksarbeit macht und ihre Rente finanziert!“

Ich kannte den Jungen Mann, er gehört zu meinem engeren Freundeskreis und ist eigentlich ein sehr liebenswürdiger, ruhiger, besonnener Kerl, den sonst nichts so leicht aus der Ruhe bringt.

Ob er Muslim, Christ, Jude, Buddhist oder garnichts ist, hatte mich bisher nie interessiert. Es war einfach nicht wichtig. Erst jetzt begann ich darüber nachzudenken – Ja, ich glaube er hatte irgendwann mal erzählt seine Eltern seien aus der Türkei. Mehr wusste ich nicht und es spielte auch keine Rolle. Ich mag ihn, und da ist es schließlich egal, woher jemand kommt, welche Religion er hat oder ob sein Nachname nun „deutsch“, „türkisch“ oder „hinteroberniederöstereischisch“ klingt.

Und jetzt saß er neben mir, vor Wut bebend und gleichzeitig eine Resignation ausstrahlend, die mir Angst machte.

Ich habe dann gezahlt und ihn gefragt, ob er vielleicht an einem etwas besser geeigneten Ort – möglichst weit weg von oberfränksischen Stammtischweißheiten und rauchbierbenebelten Möchte-Gern-Welterklärern – mit mir noch einen Absacker, Tee oder Caffee trinken mag.

Er entschied sich für Tee, und ich mich für den nächstgelegenen Dönerladen.

Da saßen wir nun, einen Abend nach den Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo und der Geißelnahme im koscheren Supermarkt. Wir saßen auf Plastikstühlen, über uns das nervöse Flackern des Neonlichts. Im Fernsehen lief eine türkische Soapopera, deren hauptsächlicher Handlungsstrang aus herzzereißenden Heimatballaden bestand. Eigentlich hatten wir keine Lust zu reden. Es passte einfach nicht und wir fanden außer ein paar nichtssagenden Floskeln an diesem Abend einfach keinen Draht mehr zueinander. Keiner von uns wollte den Anderen verletzen, ihm zu Nahe treten, vielleicht genau auf die Tretmine treten, die die Pariser Anschläge gerade freigelegt hatten. Da war er plötzlich, der interkulturelle Graben. Niemand von uns beiden wollte ihn, aber er war da: Groß, schweigsam, dunkel und bedrohlich.

Erst als einer der Dönerverkäufer uns Tee machte – sehr starken und süßen Tee – und fragte, ob wir vielleicht etwas Bakhlava dazu wollten – es gehe alles auf’s Haus, wie wir aussähen, könnten wir’s brauchen…fanden wir unsere Sprache wieder.

Manchmal sind Dönerfachverkäufer einfach die besseren Psychologen….

Wir beide wussten plötzlich einfach, dass, wenn wir dieses Gespräch, dass weit über den sonst üblichen freundschaftlichen Smaltalk hinausgehen würde, wirklich führen wollten, wir uns gegenseitig etwas genauer erzählen mussten, wer wir waren und woher wir kommen, aber auch, was wir dachten, fürchteten, was uns verletzte, worüber wir uns freuten, was uns grenzenlos aufregte und wo die Grenzen unserer Toleranz lagen.

Bassam – eigentlich nenen wir ihn im Freundeskreis nur schlicht „Baas“, was mich immer ein wenig an eine Mischung aus dem englischen „boss“ und der schwäbische Bezeichnung für „Cousine“ erinnert – hat mir dann erzählt, dass er mit seinen Eltern als Kleinkind aus der Osttürkei nach Deutschland gekommen war. Seine Eltern seien syrische Alewiten, die es trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – geschafft hatten, schon vor Jahrzehnten mit dem Assadregime Ärger zu bekommen und erst in die Osttürkei, und als sie dort auch nicht mehr sicher waren – Alewiten sind in der Türkei nicht eben beliebt, sie sind den anderen Muslimen zu „liberal“, „westlich“ und „aufgeklärt“, ja gelten häufig noch nichteinmal als „echte“ Muslime – nach Deutschland geflohen waren. Sie hatten Glück gehabt, bekamen erst eine Duldung, dann Asyl. Irgendwann hätten sie sich dann für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Alles nicht einfach, weil weder die Türkei noch Syrien die nötigen Papiere ausstellen wollten.

Weist Du, für mich war Religion eigentlich nie ein Thema. Meine Eltern haben es mir überlassen was ich daraus mache. Das heißt nicht, dass ich nichts darüber weiß, aber mir waren die Menschen immer wichtiger – vielleicht bedeutet es ja das, Alewit zu sein…für uns steckt in jedem Menschen etwas göttliches, und wir haben kein Recht uns an diesem göttlichen zu vergreifen. […] Auf der anderen Seite fühle ich mich auch als Muslim, aber eben nicht so, wie das die meisten Muslime das Muslim sein hier definieren.“

Ich nickte. Anders als den meisten Deutschen hatte ich das Glück von klein auf muslimische Freunde zu haben und viel Zeit in muslimisch geprägten Ländern zu verbringen, daher war mir längst klar, dass es „den“ Islam so nicht gibt.Wie immer, wenn es um Religion geht, gibt es hunderte miteinander konkurrierende Auslegungen, Überlieferungen, Spielarten, Praktiken, Gruppen. Und wie immer gibt es auch die, die diese Vielfalt im Namen des eigenen Machtstrebens leugnen und den einen, einzigen, wahren, fundamentalistischen und alternativlosen Islam propagieren. Hier und der Islamischen Welt…

„Weißst Du, das Problem ist, dass die meisten Leute die sich Muslime nenen, gar keine Ahnung haben, was das wirklich heißt. Sie haben irgendwann ein paar Suren auf arabisch auswendig gelernt, aber sie haben es nie verstanden – wie auch, die meisten hier können gar kein Arabisch, sondern sind Türken oder Kurden, wie sollen sie denn da überhaupt verstehen, was ihre Religion ist und das vieles von dem, was als Verhaltensregeln und angeblichen Aussprüchen Mohammeds garnicht im Koran steht, sondern einer zweifelhaften Überlieferung entspricht? […] Es ist ein bisschen so, wie früher bei den Katholiken – die konnten die Bibel auch nicht lesen, weil sie auf Latein war, und in der Kirche haben sie auch nix kapiert, weil da auch das meiste auf Latein gebetet wurde […] So ähnlich ist das auch hier in den Moscheen, der Imam sagt wo’s lang geht, jeder glaubt ihm, und kommt garnicht auf die Idee darüber nachzudenken ob der Imam sich eventuell irren könnte. Das schlimme daran ist, dass diese Imame meist nicht von hier kommen, sondern ein Bild vom Islam verbreiten wie es vielleicht irgendwo in einem Dorf in Ostanatolien oder einer erzkonservativen Medressa in Ägypten gelehrt wird. Einen modernen, aufgeklärten und westlichen Islam gibt es hier einfach so gut wie nicht“

Bassam hatte recht: Einen echten Diskurs um Glaubensinhalte und eine ernsthafte historische Auseinandersetzung mit dem Islam gibt es in Deutschen Moscheen ebensowenig, wie eine echte Emanzipation der meisten Deutschen Muslime von den religiösen und politischen Vorgaben ihrer Heimatländer…wie auch…Bassam hatte denselben Gedanken…

„Daran seid ihr aber auch selbst schuld. Ihr Deutschen ja. Ihr habt es Euch bequem gemacht und einfach zugelassen, dass die islamischen Geistlichen von Organisationen aus dem Aussland geschickt werden. So können sich die Leute hier garnicht integrieren, weil sie nie gelernt haben, dass Religion etwas ist, was man hinterfragen und selbst begreifen muss. Die meisten Muslime hier sind wie Schafe, die willig nachbeten, was ihnen irgendwelche Hinterwäldler aus der Türkei oder dem Iran vorbeten. Nein, schlimmer noch, sie haben so wenig Ahnung vom Islam, dass sie sogar auf Salafisten und anderen Mist hereinfallen!“

Ich schluckte und begriff, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt war, um Bassam nun meine Geschichte zu erzählen. Stattdessen blieb ich still und hörte weiter zu.

Und weißt Du was wirklich nervt? Die Leute hier, die setzen mich einfach mit genau diesen Leuten gleich, nur weil ich vielleicht nicht blond und blauäugig bin und nur weil mein Name nicht ganz reinrassig „Deutsch“ klingt…Für sie bin ich einfach der dumme Türke der einer menschenverachtenden Religion angehört, seine Freundin prügelt und den nächsten Terroranschlag plant. Hast Du irgendeine Ahnung, wie oft ich mich deshalb schon hab rechtfertigen müssen? Wie oft ich schon von irgendwelchen Bereitschaftspolizistlern nach meinen Personalien und einem Visum gefragt wurde, und welch saublöde Kommentare ich mir dann von denen hab anhören dürfen als ich meinen Deutschen Perso aus dem Geldbeutel gezogen habe? Die kapieren einfach nicht, dass das hier genauso meine Heimat ist, wie ihre…Und sie haben keine Ahnung davon, was im Nahen Osten abgeht, und dass es „den Islam“ in Wirklichkeit garnicht gibt…es gibt da so viele Dinge, so viele Gruppen und Untergruppen, so viel gegenseitigen Hass und Gewalt… Hast Du eine Ahnung davon, dass mein Vater in Syrien im Knast gefoltert wurde, weil er nicht zu allem Ja und Amen gesagt hat als der Alte Assad 1982 die Muslimbrüder in Hama bombardieren ließ, dass wir dann in die Türkei geflogen sind und dass meine Mutter dort von mehreren Polizisten vergewaltigt wurde, nur weil sie Alewitin ist? Weißt Du, dass die genau gleichen Muslimbrüder für die sich mein Vater damals eingesetzt hat, jetzt bei der IS kämpfen und meine Verwandten in Syrien abschlachten? Nein…das wissen die Leute hier alles nicht und es interessiert sie auch nicht…für sie bin ich nur der muslimische Terrorist, der ihnen ihre Arbeitsplätze wegnimmt, ihre Töchter vergewaltigt und die Scharia einführen will.

Bassam „der Lächelnde“ lächelte an diesem Abend nicht. Er war sauer, entäuscht und frustriert von einem Deutschland, dass er als Heimat betrachtete und dessen Bewohner nun entweder „Lügenpresse“ schrien oder sich, ohne wirklich zu wissen, was das bedeutete: „Je suis Charlie“-Schilder umhängten und Stifte in die Höhe hielten. Er war wütend und verzweifelte zugleich an einer Menschheit, die einfach zu dumm, zu bequem und zu egoistisch war, in Eintracht und Frieden miteinander zu leben. Er war es zurecht, wie ich meine.

Während Bassam redete begann ich mir Fragen zu stellen. Unangenehme Fragen. Fragen denen auch ich mich stellen musste. Fragen, die auch mir klar machten, dass ich längst nicht so liberal, freundlich und aufgeschlossen bin, wie ich es manchmal gerne hätte. Fragen, die mir klar machten, wie leicht wir alle Verführte und Verführer werden, wenn wir uns von unseren Ängsten leiten lassen.

Warum genügt es in diesem Land „türkisch“ oder „muslimisch“ auszusehen um gleich als Vergewaltiger, Islamist und Terrorist verdrächtigt zu werden?

Warum setzen deutsche Lehrer „ausländisch“ aussehende Kinder mit der Begründung in die letzte Reihe, dass diese „ja eh nicht lernfähig“ seien?

Warum wissen wir in diesem Land so wenig über islamische Kultur, Geschichte und Religion?

Warum sind aufgeklärte, liberale und weltoffene Muslime wie Bassam, dem es reichlich egal ist ob sein Gegenüber Alkohol trinkt, an Christus glaubt oder schwul ist in Deutschland eine derart kleine Minderheit, und stimmt dieser Eindruck überhaupt?

Warum empfinden die meisten Deutschen den Islam als Bedrohung und wechseln die Straßenseite, wenn ihnen Abends eine Gruppe muslimisch aussehender Jugendlicher entgegenkommt?

Warum gelingt es salafistischen Predigern immer wieder Jugendliche für ihre Ziele einzuspannen?

Warum tolerieren wir katholische, protestantische, jüdische und freikirchliche Fundamentalisten, während wir muslimische Terroristen und Hassprediger nennen?

Wo endet konstruktive Kritik und beginnt Intolleranz, Hass und „Muslimfeindlichkeit“?

Warum reisen immer wieder junge Männer und Frauen aus Europa in Terrorcamps oder kämpfen sogar an der Seite von IS und CO?

 

Wo liegt die Grenze der Toleranz, und kann es diese Grenze überhaupt geben?

Wann wird Sicherheit zur Bedrohung der Freiheit, und wie viel Sicherheit brauchen wir, um frei zu sein?

Warum ist es uns nicht gelungen, dass Integration in diesem Land oft nicht mehr ist, als ein misstrauisches nebeneinanderherleben und unwilliges Tolerieren?

Warum finden es so viele immer noch seltsam, einen türkischen Chef der perfekt Deutsch, Türkisch, Englisch und Französisch spricht zu haben?

Warum spreche auch ich mit meinem Dönerverkäufer kaum je mehr als ein paar Sätze und das in einer Art „Pidgin-Deutsch“ ohne korrekte Grammatik und „schwierige Wörter“?

Warum habe ich meinen VHS-Türkischkurs nach dem ersten Semester nicht mehr fortgesetzt? Und warum kann mein Dönerverkäufer, obwohl er nun schon über 15 Jahre in Deutschland wohnt, immer noch kein „richtiges“ Deutsch?

Und warum bekommen wir es in diesem Land partout nicht hin, dass Menschen die zu uns geflohen sind und bei uns leben und sich einbringen wollen, sich hier wirklich als Mensch angenommen und willkommen fühlen?

Es würde hier viel zu weit führen, alle diese Fragen angemessen zu beantworten. Vielleicht geht das im einen oder anderen Fall auch garnicht. Aber es hilft sich diese Fragen zu stellen. Sie machen achtsamer…

Es war denn auch nicht dieses, vielleicht etwas eitle Vorhaben, dass mir an diesem Abend mit dem wütenden, entäuschten und frustrierten Bassam durch den Kopf ging.

Es war ein Satz aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas, vielmehr, es waren eigentlich nur zwei Worte mit denen ich an diesem Abend versuchte , Bassam wieder ein Lächeln zu entlocken.:

 

 Μη φοβάiστε – fürchte Dich nicht…

 

Fürchte Dich nicht vor denen, die meinen die Welt mit Terror und Angst unter ihre Kontrolle stellen zu können.

Fürchte Dich nicht vor den Dummen, den Idioten, den Ungebildeten und den Heuchlern.

Fürchte Dich nicht vor der Angst, schon garnicht vor jener, die dir Andere einzureden versuchen.

Fürchte Dich nicht Du selbst zu sein.

Fürchte Dich nicht vor den Dingen, die Du nicht kennst, sondern versuche sie zu verstehen.

Fürchte Dich nicht vor Wissen.

Fürchte Dich nicht andere zu lieben, mitzuleiden und sich für sie einzusetzen.

Fürchte Dich nicht vor dem Urteil der anderen, sondern stehe für Deine Träume und Ideale einer besseren und menschenfreundlicheren Welt ein.

Fürchte dich nicht vor den Bigotten, den Fundamentalisten, Kleingeistigen, Falken und Sicherheitsfanatikern, die meinen mit Regeln, Gesetzen, Ausgrenzung, Überwachung und Mord die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Fürchte Dich nicht vor jenen, die dir vorschreiben wollen, wer Du bist und wie Dein Leben auszusehen hat.

Sei Du selbst, und fürchte Dich vor allem nicht vor Dir selbst und Deinem großen Herz, wenn man erst einmal keine Angst mehr hat, wird man feststellen, dass es viel größer und weiter ist, als wir es uns vorstellen können.

 

Liebe und Achtung vor dem Anderen und Furchtlosigkeit beim Einstehen für diese Haltung.

 

Vermutlich sind es diese zwei so einfach klingenden und allen Religionen gemeinsamen Grundforderungen, in denen die Lösung der ganzen Wut, des ganzen Hasses, der ganzen Frustration und des ganzen Unverstandes liegen könnten. Doch bin ich mir auch bewusst, dass jeder meiner Fragen, jeder meiner „Fürchte Dich nicht“ Sätze zu Missbrauch einläd‘ und in sein Gegenteil verkehrt werden kann, wenn er mit Intolleranz, Fundamentalismus und Egoismus geäußert wird…Religion ist per se nicht gut oder böse, es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Deshalb gibt es auch keinen „guten“ oder „schlechten“ Islam, kein „gutes“ oder „schlechtes“ Christen- oder Judentum, keinen „guten“ oder „schlechten“ Buddhisten, Freikirchler oder Atheisten…Nein, es gibt immer nur den Mensch und seinen Umgang mit seinen Mitmenschen.

Dort wo Macht, Bereicherung, Intolleranz, Egoismus und Hierarchie die Oberhand über das Wohl des Einzelnen übernehmen, werden Religionen, genauso wie politische Ideologien, ja jegliche Ideale zur Diktatur, zu Extremismus, Terror und Hass.

Dort hingegen wo wir sie zum Leitfaden für einen liebevollen und achtsamen Umgang mit jedem einzellen unter unseren Mitmenschen machen, gerade wenn diese uns „fremd“ und „anders“ erscheinen, können sie tatsächlich zum Keim einer besseren, gerechteren und menschenfreundlicheren Welt werden.

Jede Religion, jede Ideologie, jedes Wertesystem und jedes Ideal, jeder Traum – auch und gerade wenn sie uns unter dem „Label“ Wohlfahrt,Vernunft, gesunder Menschenverstand, Fortschrit, Laizismus und Aufklärung entgegentreten  – jeder Wunsch und jede Hoffnung hält das Potential für beide Wege in ihren Händen. Wir sollten auch nicht vergessen, dass in den letzten zweihundertfünfzig Jahren mehr Menschen im Namen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit umgebracht wurden, als in allen Religionskriegen zusammen…

Hass oder Liebe, wir haben stet’s die Wahl, egal was uns andere erzählen. Der Maßstab für unser Tun ist dabei der Andere.

Davon bin ich überzeugt – auch wenn es verdammt naiv und gutmenschlich klingt.

 

Und ja, Bassam hat an diesem Abend doch noch gelächelt. Und ich bin ihm sehr dankbar dafür!

 

...Für alle die nun nicht so genau wissen, was Alewiten sind, und für was sie einstehen, hier noch ein Info-Link:

http://www.religion24.net/wofuer-treten-die-alewiten-ein.html

 

 

 

 

 

 

 

Je suis Charlie

Je Suis CharlieJe suis Charlie. Nous sommes tous. Et nous avons tous été attaqués aujourd’hui, même et surtout les musulmans. L’interprétation aberrante de les assassins n’a rien – rien du tout – en commun avec ce, que je sais que l’Islam, et ne le sera jamais! Il est temps que nous reconnaissons et acceptons que les droits de l’homme, la tolérance, la liberté – même et surtout de la presse et d’opinion – et le respect de la vie de l’autre sont pas quelque chose de soi, mais devez de plaider activement et partout – non seulement pour nous mais aussi pour les autres et étrangers.

Ich bin Charlie. Wir alle sind es. Und wir alle wurden heute angegriffen, auch und ganz besonders die Muslime. Der verquere Interpretation der Attentäter hat nichts, aber auch garnichts gemeinsam mit dem, was ich als Islam kenne, und wird es auch nie! Es wird Zeit, dass wir Menschenrechte, Toleranz, Freiheit – auch und gerade der Presse, Rede und Meinung – und die Achtung vor dem Leben des Anderen nicht als etwas selbstverständliches hinnehmen, sondern uns aktiv und überall dafür einsetzen, nicht nur für uns, sondern auch für den Anderen und Fremden.

I‚m Charlie. We all are. And we all were attacked today, even and especially the Muslims. The wrong-headed interpretation of the assassins has nothing – nothing at allin common with what I know as Islam, and never will! It is time that we recognize and accept, that human rights, tolerance, freedom – even and especially of press, speach and opinion – and respect for the life of the otheras are nothing self-evident, but must be actively and everywhere advocated. Not only for ourselves but also for others and strangers.

Adventskalender 2014 – 3. Türchen – Vom Leben und vom heiligen Zorn

Ein Stern

Ein Stern

Heute ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Ich könnte nun lange über Benachteiligung, Ausgrenzung und Ablehnung schreiben.

Aber ich mache das jetzt anders:

„Be my baby“ – Vor kurzem hatte ich bei den Filmfestspielen in Biberach a. d. Riß nicht nur die Gelegenheit diesen wirklich außergewöhnlichen Film zu sehen, sondern danach auch mit den Regisseuren und der Hauptdarstellerin über diesen Film zu diskutieren. Normalerweise vergisst man solche Ereignisse sehr schnell wieder, reiht sie ein in den Alltag. Bei diesem Film ging das nicht, er ließ mich nicht mehr los, und ich frage mich bis heute, weshalb er nur am 01.12.2014 um 0:05h als Teil der Sendereihe „kleines Fernsehspiel“ im ZDF zu sehen war (und dadurch keinen Kino-Verleih fand, da er sich – weil in der Mediathek abrufbar – wohl ökonomisch nicht mehr lohne…Filmförderung und PPP können ihre Nachteile haben…).

„Be my baby“ handelt von einer Jungen Frau mit Down-Syndrom, die sich lediglich etwas so „normales“ wie eine eigene Familie, Glück, Geborgenheit und Liebe wünscht, schwanger wird und sich damit plötzlich einer ganzen Phalanx aus Vorurteilen, Ablehnung, gesellschaftlichen Konventionen, Tabus und Verboten gegenübersieht.

Neben den eindringlichen Bildern und Szenen des Films, war es  vor allem die Hauptdarstellerin des Films Carina Kühne, deren selbstbewusste und keinesfalls „publikumskonformen“ Antworten auf die von falscher Zurückhaltung und Rücksichtnahme, Mitleid und Gutmenschentum geprägten Fragen des Festival-Publikums mich beeindruckten.

Daß eine Frau mit Down-Syndrom als Schauspielerin erfolgreich sein kann, mochte für die meisten im Saal ja gerade noch angehen. Daß dieselbe, kleine, ja zerbrechlich wirkende junge Frau der versammelten Presse und dem großteils aus GrundschullehrerInnen und Jung-AktivistInnen im Pollunder-Look bestehenden Publikum dann aber knallhart um die Ohren haute, dass seit der Einführung eines Schnelltests auf Trisomie 21* vor einigen Jahren über 99,5% der Föten mit dieser spezifischen Gen-Mutation abgetrieben würden – und man sie sich ruhig noch einmal genau ansehen sollte, weil die Menschen mit Down-Syndrom demnächst ausstürben, war einigen dann doch zu viel der selbstbewussten Inklusion.

Und doch, es stimmt, wir – d.h. unsere Gesellschaft will sich Menschen wie Carina Kühne nicht mehr „antun“. „Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation“ wie es so schön im Gesetz von 1995 heißt. Kinder mit Behinderung würden die „körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren, unter Berücksichtigung ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse, in unzumutbarer Weise beeinträchtigen“ so die Argumentation. Ihre Abtreibung ist in Deutschland bis zur 22. Schwangerschaftswoche üblich (und während der gesamten Schwangerschaft straffrei), in den Niederlanden und anderen Nachbarländern auch noch danach…Man will diese Kinder nicht, sie beeinträchtigen, verursachen Kosten, brauchen unsere Hilfe und Zuwendung…

…und so sterben sie aus, die Menschen wie Carina – oder besser gesagt, sie werden sehr bewusst und mit voller Absicht ausgerottet. Nicht weil sie nicht ein erfülltes Leben führen könnten,  sondern weil sich unsere auf Leistung und Maximaleffizienz getrimmte Wettbewerbsgesellschaft keine „mangelhaften“ Mitglieder mehr leisten will.

Es ist in Deutschland noch gar nicht lange her, das wir das „Euthanasie“ nannten…nur dass es damals noch keine Pränataldiagnostik und keine Schnelltests gab, und man die Behinderten nicht als Embryo, sondern erst nach ihrer Geburt als „lebensunwertes Leben“ entsorgte.

Und nein, ich verurteile hier nicht die Schwangeren, die heute nicht mehr wissen wie sie in dieser Weltnoch ein behindertes Kind  großziehen sollen und sich deshalb bei der Diagnose „Behinderung“ für einen Schwangerschaftsabruch entscheiden (müssen).

Ich verurteile die Welt, die Eltern mit behinderten Kindern ganz ernsthaft fragt „Ob sowas denn heute wirklich noch sein muss“.

Ich verurteile jene, die sich beschämt und angeekelt wegdrehen, wenn ein Mensch mit Behinderung sie anspricht oder um Hilfe bittet.

Ich verurteile jene, die meinen, ein behinderter Mensch sei kein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft.

Ich verurteile jene, die – vorgeblich aus besten Motiven – Behinderte bevormunden, wegsperren, ab- und aussondern.

Ich verurteile die Arbeitgeber, die sich lieber durch eine Strafzahlung freikaufen, als einen Menschen mit Behinderung einstellen.

Ich verurteile die Ökonomen und Ärzte, die im Namen des volkswirtschaftlichen Schadens die Abtreibung behinderter Föten fordern.

Ich verurteile die FrauenrechtlerInnen und FemministInnen, die sich im Namen eines angeblich selbstbestimmten Lebens der Schwangeren zu Richterinnen über Leben und Tod aufschwingen.

Ich verurteile die Nachbarn, Freunde, Väter, Verwandte und Großeltern, Behörden und Politiker, die die Schwächsten in unserer Gesellschaft am liebsten vergessen würden, und sie – dort wo dies nicht möglich ist – mit schönen Versprechungen auf den Sankt Nimmerleinstag vertrösten.

Ich verurteile und ich habe einen „heiligen Zorn“ – wie man im Schwäbischen so schön und treffend sagt.

Trotzdem, oder gerade deshalb lohnt es sich diesen ganz besonderen Film anzusehen, und selbst darüber nachzudenken, was es bedeutet, wenn es in unserer Welt bald keine Menschen mehr mit Down-Syndrom und anderen Behinderungen mehr gibt.

Link zur ZDF-Mediathek:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2280720/Be-My-Baby?setTime=6.75#/beitrag/video/2280720/Be-My-Baby

* So die medizinisch korrekte Bezeichnung von Down-Syndrom bzw. dem, was man früher als „Mongoloismus“ bezeichnete.

Sankt Martin – oder, weshalb ich bis heute eine gewisse Abneigung gegen Gutmenschen, Femministinnen, katholische Dickschädel und Kindergartentanten hege

Sankt Martin Laterne

Sankt Martin Laterne

Sankt Martin Laterne 1 (3) Sankt Martin Laterne 1 (4) Sankt Martin Laterne 1 (5) Sankt Martin Laterne 1 (7)Ich weiß, ich bin ein Brauchfetischist, als Volkskundler ja auch irgendwie verständlich – auch wenn wir das jetzt Europäische Ethnologie nennen –  und ja, Sankt Martin bzw. sein heute stattfindender Namenstag sind für mich neben Weihnachten, Ostern, Schwörmontag, Fischerstechen und dem Sedanfeuer (ja, das feiern wir hier durchaus immer noch) eine Art Non-Plus-Ultra unter den Jahresbräuchen. Vermutlich liegt diese Vorliebe auch daran, dass heute mein Geburtstag ist, und ich mir als Kind ziemlich lange eingebildet habe, dass der Heilige Martin, samt Bettler, Laternenumzug, Schimmel, Musikkapelle und Weckmännern (dass sind kleine Männchen aus Hefeteig mit Rosinenaugen, die’s heute seltsamerweise nicht mehr gibt) einzig und allein mir zu ehren zum Abschluss meiner Kindergeburtstagsparty vor unserem Haus vorbeidefilieren würden. Als ich dann mit Hilfe einer wenig nützlichen Kindergartentante, die ich bis heute nicht ausstehen kann (sie wollte mich auch von den Vorzügen des Mittagsschlafes überzugen!) feststellen musste, dass es sich bei dem Brauch keinesfalls um meine persönliche Geburtstagsparade, sondern um die Feier des Namenstages des Ortsheiligen und Missionars der Gallier Skt. Martinus von Tours handelte (der mit der Gans) war ich wenn ich mich recht entsinne zwar kurzzeitig ein wenig verschnupft, tröstete mich aber mit em Gedanken. dass ich in ein paar Jahren ja mit den Großen hinter dem Heiligen die Fackeln tragen dürfe…
Well, daraus wurde dann nichts…und das lag nicht nur daran, dass ich Protestantisch war, ich zwar, weil’s keinen anderen Kindergarten gab,  noch im katholischen Kindergarten Skt. Mariä Lampignonkind war, aber eben kein fackelschwingender Firmling sondern Katechismusbetender Konfirmand wurde (und gute Protestanten beteiligen sich ja bei soetwas „papistischem“ wie einem Martinsumzug nicht, jedenfalls nicht bei uns, und die Katholiken hätten uns ganz sicherlich auch nicht gelassen…es waren die frühen 1990er, und die schwäbische Vorstadtidylle kannte noch keine gemischtkonfessionellen, interkulturellen oder sonstwie gender- und integrationsmaingestreamten „alle dürfen mitmachen“ Laternenumzüge)…und selbst wenn uns Erzketzer hätten mitmachen lassen…das Ganze wäre ohnehin ins Wasser gefallen, weil irgendeiner politisch linksbewegt-atheistischen Übermenschengutmutter/Femministin urplötzlich einfiel, dass die Fackeln ja doch sehr an die Machtergreifung Hitlers erinnerten und es außerdem im Interesse der Gleichberechtigung ja garnicht sein könne, dass Mädchen/Frauen weder den heiligen Martin, noch den Bettler noch die Fackelträger sein dürften, und außerdem sei das Ganze ja lediglich ein übler Priestertrug der zur konfessionellen und sozialen Stigmatisierung armer weiblicher Nichtkatholiken diene. Dass die Frau nix, aber auch gar nix von Brauchgenese/-praxis und historischer Authentizität verstand, und sich im Gegenzug der gestandene katholische Dorfpfarrer von einem „dahergelaufenen Weib“ nichts, aber auch garnichts anschaffen ließ, und dass diese Privatvendetta dann in eine Art intergalaktisches RabimmelRabammelRabumbumbum der Sterne und Lampignons ausartete, muss man hier glaub ich nicht extra dazu sagen… Jedenfalls endete der Streit dahingehend, dass am Ende in unserem Teilort garkein Martinsumzug mehr stattfand – den femministischen Gutmenschen und katholischen Dickschädeln sei Dank!
Und so steht sie jetzt eben auf unserer Küchenkommode, die Martinslaterne und harrt besserer Zeiten.

Einen schönen Martinstag noch!

ALexnikanor

Neulich im Weltkulturerbe

Bild

Es ist Anfang Februar. Über meinem Kopf gleitet ein Motorsegler im Tieflug. Aus einem Fenster dröhnt lautstark fränkische Folklore. Die Tische der Straßencaffees sind überfüllt mit Sonnenbrillenträgern. Auf dem Weg zur Eisdiele stolpere ich durch eine Touristengruppe – Russen, Japaner, Chinesen?

Zum Mittagsläuten vor dem Traditionslokal die Versammlung der üblichen Säufer: Mitte Fünfzig, zwei einträglich an Studenten vermietete Mietshäuser in Innenstadtlage, Leberzirrhose im Endstadium, zwei Herzinfarkte und Rosenakne. Ich lächle, sie winken freundlich benebelt zurück.

Ich wandere weiter, und endtecke zwischen aecht fränkischer Kleingartenidylle und Bio-Gemüseständen frischgebackene Muttis an Designerbuggys mit Kind. Das zugehörige Vater-Accesoire trägt in dieser Saison neongrüne Daunensteppweste nebst farblich abgestimmtem Wildlederschuh in Himmelblau.

Zwei Straßen weiter geraten gerade Gästeführer und zugezogene (!) Philosophiestutentin aneinander: Es sei zu laut, die Touris eine Plage, und überhaupt drohe der Welt Komplettgentrifizierung. Der Gästeführer bleibt sehr ruhig, zupft Brille udn Barett zuerecht, nickt Halali und erklärt dann in flüssigem Französisch, wie begeistert doch die Einheimischen über all die vielen Besucher aus aller Welt seien. C’est la vie!

Im Stadtpark stehen Verbotsschilder in vier Sprachen. Ein verspäteter Paketlaster blockiert die Fußgängerzone – Aufenthalt nur auf Markierten Wegen: Geschützer Landschaftsbestandteil! Ich kehre Heim und starte auf der Suche nach Wetter den Computer. Die Ferienwohnungsdachwebcam liefert in Echtzeit Bilder vom Regnitzstrand mit Gefängniß, noch fünf Minuten und mein Besuch kommt. Private Vollüberwachung des öffentlichen Raums kann sehr praktisch sein!

Mein Nachbarskater blickt indigniert auf sich paarende Stechmücken und fordert dann lautstark und grummelmiauend von mir Milleuschutz wie am Prenzelberg. Ich lächle ihn an und verscheuche ihn aus meinem Blumenkasten. Schnittlauch und Blattläuse brauchen ihre Ruhe!

Es ist Frühling im Weltkulturerbe.

Aphorismen zum Antrag der Länder für ein NPD-Verbot

An die Wirkung einfacher Lösungen und Verbote glauben nur hoffnungslose Idealisten, Ignoranten oder Demagogen. Die echte Welt indess ist kompliziert.

Nur wenn ich die Ängste meines Gegenübers – so absurd, menschenverachtend und irrational diese auch immer sein mögen – als tiefstes Bedürfnis seiner Seele ernst nehme, habe ich eine Chance ihn davon zu überzeugen, dass sie unbegründet sind.

Angst macht Menschen gefährlich, und lenkbar…in jede Richtung! Deshalb misstraue jedem, der Dir eine bessere, schönere, gerechtere, liebenswertere oder perfektere Welt verspricht und von Dir dafür ein Opfer erwartet!

Vergnügen ist das beste Heilmittel gegen Angst, leider auch das gefährlichste!