Adventskalender 2014 – 18. Türchen – Von venezianischen Mohren, Totenköpfen und anderen Glücksbringern

Moro

Moro

In der Lobby meines Hotels ist bereits Weihnachten. Aus dem Lautsprecher tönt stille Nacht und ein hyperbunter, typisch italienischer Christbaum mit viel Glitterband und kleinen Weihnachtsmannlampen verstömt seinen septischen Chrarme.

Neben ihm steht unbeachtet ein für in Venedig geradezu obligatorisches Möbelstück: Ein Leuchter in Form eines Mohren…

Ich bin mir nicht ganz sicher, wer zum ersten mal auf die Idee kam die aus Ebenholz geformte Figur eines Schwarzafrikaners mit einem Leuchter zu kombinieren. Ziemlich sicher bin ich allerdings, dass dies nur hier geschehen konnte und die Venezianer nicht erst seit Shakespeers Othello und den heute allgegenwärtigen Vucumbras (jenen mehr oder minder geduldeten und beinahe allgegenwärtigen meist aus Schwarzafrika stammenden fliegenden Händlern gefälschter Luxustaschen), ein besonderes Verhältnis zu „Mohren“ haben.

Wie keine zweite Stadt im Abendland betrieb Venedig Kontakte und Handel bis weit über das Mittelmeer hinaus ins innere Afrikas, und so finden sich selbst in den abgelegensten Gebieten des südlichen Afrikas bei archäologischen Grabungen Venezianische Glasperlen und andere Produkte der Serenissima. Venezianischer Schick war nicht nur bei Catherina di Medici oder Dürer gefragt, auch die Oberschicht Timbuktus, Sansibars oder des Monomotapa-Reiches trug gerne Schmuck nach neuester venezianischer Mode!

So verwundert es nicht, dass „ai mori“ hier anders als in anderen Europäischen Städten nicht nur gefesselt und in zerissenen Kleidern unter Denkmälern großer Herrscher oder deren Grabmählern als Allegorien überwundener „Wildheit“ das Repertoire gängiger kunsthistorischer Stereotypen bevölkern. Nein, hier sind Statuen von Mohren seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Wohnkultur, bedecken Leuchter und Konsoltische, lehnen sich an Säulen und sehen einen nicht selten von Decken und Kuppeln an. Doch geht die Verwandlung des „Mohrs“ hier noch weiter. Nicht nur, dass der eine oder andere Putto ganz offensichtlich afrikanische Züge trägt (und ich spreche hier nicht von den berühmten „schwarzen“ Christkindlein, sondern von den ganz normalen Putti unter die sich hier eben auch“ Indianer“, „Orientalen“ und „Mohren“ mischen.) Nardini und andere Juweliere haben den „Mohr“ schon vor Jahrhunderten in in reich mit Juwelen besetze kleine Broschen, Ohringe und Anhänger verwandelt.

Doch ist es wirklich nur die Nähe zum Orient, die diese seltsame Vorliebe zustandebrachte?

Jein…, offiziell wird es einem zwar kaum ein Venezianer verraten, dass die Dinge nicht ganz so „harmlos“ und unkompliziert sind. Weniger offiziell verbirgt sich hinter den kleinen, niedlichen Anhängern mit ihren schaukelnden Diamanten, Korallen und Perlen auch und vielleicht sogar hauptsächlich ein heute weitgehend totgeschwiegenes und recht dunkles Kapitel venezianisch-europäischer Geschichte:

Sklaven waren über Jahrhunderte eine der wichtigsten Einnahmequellen, nicht nur, aber eben vor allem der Serenissima.  Allerdings waren diese zumeist nicht schwarz, sondern weiß und stammten nicht aus Gebieten südlich der Sahara, sondern aus den Steppen des Schwarzmeerraums und – garnicht selten – von den jeweils gerade besiegten Inseln und Städten zwischen Adria, Aegais und Zypern.

Schwarze Sklaven hingegen waren vergleichsweise selten und meist nur zu vergleichsweise hohen Preisen über den osmanisch-ägyptischen Zwischenhandel „zu haben“. Sie stellten daher eine Art exotisches „Luxusobjekt“ (auch wenn das jetzt nicht sehr menschenfreundlich klingt, aber so sah man das damals) dar, das man sich als reicher Patrizier meist als privaten „Leibdiener“ oder, wenn dieser älter und nicht mehr ganz so „niedlich“ war, als Portier oder Gondoliere passend zu Schokolade, Papageien und Kaffee als zusätzlichen exotischen Luxus „gönnte“. Ein übrigens nicht nur in Venedig bekanntes Phänomen, nur dass es hier bereits im späten Mittelalter begann und sich bis weit ins 19. Jahrhundert hielt. Und ganz ehrlich: Angesichts der elenden Lebensbedingungen der meisten Vucumbras, chinesischen, indischen und bengalischen „Gastarbeiter“ in dieser Stadt frage ich mich gelegentlich, ob sich daran bis heute wirklich so sehr viel geändert hat…

Doch zurück ins Venedig der Rennaissance und des Barock. Anders als in Sachsen oder im fernen Paris, war und ist Venedig eine Stadt, in der sich die Dinge sehr schnell in ihr Gegenteil verkehren können. Macht und Ruin, unermesslicher Reichtum und Bankrott, Luxus und torale Armut, das alles lag und liegt und lebt hier enger beisamen als in anderen Städten der Welt…Und so konnte man in einer Republik deren Wohlstand vor allem auf dem Seehandel beruhte sehr schnell vom gutbetuchten Sklavenhändler bzw. –halter selbst zum Sklaven werden.

Es istnicht zuletzt ein Verdienst der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und großer Melodramen wie Roots, dass das globale Gedächtnis der Menschheit sich heute vor allem an den transatlantischen Sklavenhandel der großen europäischen Kolonialmächte erinnert und diesen als zutiefst menschenverachtend brandmarkt. Seltsamerweise haben wir dabei aber völlig vergessen, dass auch weiße Europäer noch bis ins 19. Jahrhundert hinein regelmäßig als Sklaven auf den Märkten Afrikas und des Nahen Ostens gehandelt wurden.  Es waren vor allem algerische Korsaren die im Auftrag der „Hohen Pforte“ in Konstantinobel/Istambul (also des osmanischen Sultans) bis nach Island und auf die Krim schipperten um auf den Sklavenmärkten der Levante und des nördlichen Afrikas für „Nachschub“ an „weißer Ware“ zu sorgen. Dass dabei die Venezianische Flotte – ob militärisch oder zivil war den Korsaren relativ egal – zum Lieblingsopfer der seefahrenden Sklavenhändler aus Afrika wurde, versteht sich eigentlich von selbst. Allerdings waren die Venezianer nicht die Einzigen die unter dieser „Plage“ zu leiden hatten. In jeder besseren europäischen Hafenstadt waren Versicherungen für den etwaigen Freikauf nach erfolgter Versklavung durch afrikanische Seefahrer bis weit ins 18. Jahrhundert hinein geradezu obligatorisch.

So sollen allein in Algier bis ins frühe 19. Jahrhundert jährlich über 8.500 europäische Sklaven „gehandelt“ worden sein. Aus Tunis, Alexandria, Cassablanca, Beirut, Timbuktu, Khartum, Kairo und zahlreichen anderen Städten Nordafrikas, Kleinasiens und der Levante liegen ähnlich hohe Zahlen vor, und auch in West- und Ostafrika (hier vor allem auf Sansibar), sowie in Persien existierte ein florierender Handel mit „weißen“ Sklaven . Hinzu kam die sogenannte „Knabenlese“, eine Art wohlorganisierter und staatlich sanktionierter Kinderraub durch das osmanische Militär, dass damit vor allem, aber eben nicht nur den Bedarf an Neu-Janitscharen deckte und dessen Truppen fast jedes Jahr in die Gebiete und Städte der Terra ferma (also den Festlandbesitzungen Venedigs) einfielen. Venezianische Gesandte berichten im 16. Und 17. Jahrhundert, dass sich allein in Istambul permanent ca. 35.000 bis 40.000 „Unfreie“ aufgehalten haben sollen, davon mehr als die Hälfte Europäer. Und anders als die Venezianische Flotte, deren Besatzungen sich weitgehend aus bezahlren einheimischen Handwerkern zusammensetzte, bestand ein Großteil des osmanischen „Schiffspersonals“ aus Sklaven. Nicht selten fand sich darunter auch der eine oder andere vermisste Verwandte, oder eine Cousine – Blonde Venezianerinnen galten in den Harems des Osmanischen Reiches als besonders begehrenswert…Aber auch hier waren die Dinge nicht so einfach wie sie zunächst scheinen. Venezianische, Dalmatische und Griechische Kaufleute profitierten nicht selten vom gewaltigen Bedarf des Osmanischen Reiches an Sklaven und verkauften nicht selten die eigenen Landsleute an türkische oder afrikanische Interessenten. Ja das Geschäft mit der Ware Mensch war derart lukrativ, dass sich selbst nordeuropäische Renaissance- und Barock-Potentaten nicht selten über ihre venezianische Dependance (also meist über das Fondacco dei Tedeschi) ihrer „überzähligen“ bzw. „kriminellen“ Landeskinder entledigten und diese bequem als „Galeerensklaven“ ins osmanische Reich entsorgten. Dass der venezianische Zoll und Zwischenhandel von diesem „Geschäft“ zu profitieren wusste, ist eines der am besten gehütetsten Geheimnisse der Serenissima.

Wer diese Zahlen und Praktiken kennt, den wird es nicht mehr verwundern, dass einige Historiker inzwischen sehr ernsthaft vermuten, dass im Laufe der Jahrhunderte wesentlich mehr Europäer als Sklaven nach Afrika und den Nahen und Mittleren Osten verschleppt und gehandelt wurden, als anders herum Afrikaner und Asiaten durch Europäer nach Amerika und in andere Kolonien. Und auch wenn die Sklaverei ähnlich wie in Europa und meist auf europäischen Druck hin auch im Osmanischen Reich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts  offiziell abgeschafft worden war – dauerte es bis weit ins frühe 20. Jahrhundert hinein bis die letzten Sklavenmärkte auch hier schlossen – die letzten europäischen Sklaven sollen noch kurz vor dem 1. Weltkrieg in Smyrna, dem heutigen Izmir gehandelt worden sein – on dies stimmt lässt sich aufgrund der fast völligen Zerstörung der Stadt während des griechisch-türkischen Krieges in Kleinasien 1922 nicht mehr überprüfen. Als sicher kann allerdings gelten, dass Sklaverei (wenn auch meist anders bezeichnet und nicht mehr mit europäischen Sklaven) in zahlreichen Staaten Afrikas nie vollständig ausgestorben ist und gerade in den von Islamisten heimgesuchten Gebieten Syriens, des Iraks, Somalias, Kenias und Malis die Sklaverei einen dramatische „Wiedergeburt“ erlebt.

Doch zurück ins Venedig des 17. und 18. Jahrhunderts. Hier entwickelten sich die kleinen „Mohren“ zu einer Art einer Art „Talisman“. Glaubt man einer lokalen Legende, hatten die Venezianischen Seefahrer so große Angst selbst auf einer der Handelsreisen zum Sklaven zu werden, dass man sich einen kleinen „Sklaven“ in Form eines „Mohrs“ um den Hals hängten – um sich zu tarnen und  damit das Schicksal an der Nase herumzuführen. Wie vieles in der Lagunenstadt dürfte aber auch diese Legende nur ein geschickter Marketingtrick sein. Vermutlich war es ein gewiefter Juwelier (und hier, auch wenn sich die Quellen nicht ganz einig sind, vermutlich ein Mitglied der Juwelierdynastie Nardini) der sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein Beispiel an den kostbaren Ebenholz-Mohren Andrea Brustulons nahm und damit einen genialen Werbeträger erfand.

Im Übrigen wendeten – und wenden – die Venezianer den „Trick“ mit der Verwirrung des Schicksals durch kleine Figuren nicht nur gegen Sklaverei an. Wer genauer hinsieht wird in den Auslagen der Juweliere auch überall kleine, überaus kunstvoll verzierte Totenköpfe finden. Auch sie ein klassisches „Apotrophaion“ – sieht der Tod sich selbst, denkt er, man sei schon tot und verschont einen – und diesmal stimmt die Geschichte, wenn sie auch ursprünglich anders gedacht war. So sollten kleinere oder größere Totenköpfe die in ihrem Luxus schwelgende Oberschicht bereits seit dem Mittelalter daran erinnern, dass auch sie sterblich war und in den Taschen des letzten Hemdes eben nichts mitgenommen werden konnte – ein klassisches memento mori eben. Viel genutzt hat das bei den Venezianern offensichtlich nicht, sie kehrten den Spieß um, machten aus den Totenköpfen luxuriöse kleine Kunstwerke, überhäuften sie mit Juwelen und versuchten – und versuchen mit ihnen sogar den Tod zu blenden…

Sklaverei und Tot...eigentlich keine wirklichen Themata für einen Adventskalender, aber wer mich kennt, weiß, dass ich ’s gelegentlich ein bisschen langweilig finde, immer nur über die schöne heile Welt zu schreiben…

Einen schönen Advent noch.

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Adventskalender 2014 – 15. Türchen: Wenn es statt Glühwein vin brulé gibt und der Babbo Natale mit der Gondel kommt…

Ihr habt es sicherlich schon erraten…wie garnicht mal selten um diese Jahreszeit bin ich mal wieder nach Venedig, oder wie man im hiesigen Dialekt, der mich immer an eine schwäbisch schnurrende Katze erinnert sagt: Venessia (geschrieben: Venexia…die Venezianer lieben ihr x und packen es einfach überall rein!) entfleucht.

P1400344Weihnachten, also Natale wirft auch hier seine Schatten (oder sollte man nicht besser sagen: seine Lichter) vorraus. Zwar gibt es auch hier – der Zeit der Österreicher sei Dank – Christbäume und Glühwein (vin brulé) und sogar soetwas ähnliches wie einen Weihnachtsmarkt. Aber sonst läuft hier doch so einiges anders:

Am Rialto hängt statt Sternen und Rauschgoldengeln, ein riesiger blau gold leuchtender Markuslöwe aus LEDs, überall gibt es kleine Wohltätigkeitsmärkte in den Kirchen mit den kuriosesten Dingen, Der Weihnachtsmarkt (außer dem bei San Stefano – aber der war irgendwie nicht von richtigem Erfolg gekrönt und ich bin mir garnicht mal sicher ob er noch existiert) ist hier eher eine Art Flohmarkt mit Kinderbespaßung und Showprogramm der freiwilligen Feuerwehr und auch die Militärkadetten scheinen keinerlei Probleme damit zu haben, in voller Uniform in der Pizzeria ihre Weihnachtsfeier abzuhalten (Kunststück, die Uniform sieht einfach um einiges besser aus, als das Zeug, was unsere armen Bundeswehrler tragen müssen…).

Und ja, ich geb’s zu: Auch wenn es manchem Tierfreund jetzt in der Seele weh tut: man hüllt sich in Pelz, viel Pelz. Zumindest die Einheimischen, und die, die sich’s leisten können. Und man tut es nicht nur, weil das nun so schick wäre (na ja, schon auch, so ein Zobel beim Mandarinenkauf ist einfach ein Hingucker, so oder so…) sondern weil bei der feuchten Kälte hier einfach nichts anderes funktioniert, Aktivkleidung, Thermounterwäsche, Cashmirschal, Kunstpelz, Wärmepflaster, Daunenmantel…vergesst es, das hilft allenfalls zusätzlich. Vor allem, wenn man längere mit den Schiffen übers offene Wasser fährt gibt es zu Waschbär, Polarfuchs und Co einfach keine Alternative (wer’s nicht glaubt, soll einfach mal bei schnuckeligen 10 Grad plus vorne in ein Vaporetto sitzen (außen natürlich!) und den Canal Grande entlangschippern (Ich rede hier garnicht erst von den offenen Wasserflächen und den Tagen, wenn die Bora einen halben Meter Schnee bringt und einem die Gischt an den Bart gefriert…)…

Genug davon…

Eigentlich wollt ich Euch ja vom Babbo Natale erzählen…An einem Tag kurz vor Weihnachten (ich muss jedes Mal nachfragen…) kommt der nämlich persönlich nach Venedig. Eigentlich gab’s ihn bis vor Kurzem hier genauso wenig, wie bei uns, und ich habe immer noch die große Peggy Guggenheim im Verdacht ihn höchstpersönlich hierher eingeladen zu haben. Und sie hat sehr gut daran getan! Anders als in anderen Städten, wo der Babbo Natale wirklich nur wie ein müder Abklatsch des Coca-Cola Emblems wirkt, haben die Venezianer sich nämlich etwas ganz besonderes für „ihren“ Weihnachtsmann überlegt.

Der Babbo kommt hier  nicht mit Rentieren und Schlitten – würde auch garnicht funktionieren –  sondern mit einer prunkvollen, extra für ihn erbauten, rot goldenen Weihnachtsgondel, die mich immer ein klein wenig an das leider von Napoleon zerstörte Buccintoro erinnert. Und er kommt nicht allein…alles was schwimmen kann oder Ruder hat ist dabei und so zieht hier jedes Jahr kurz vor Weihnachten eine komplette Regatta von Gondeln, Ruderbooten (ich denke mal es sind Sandolos und Puparins…sicher bin ich mir da aber nicht, und bevor ich mich jetzt in die Nesseln setz, sage ich einfach Ruderboote) und Weihnachts-Schwimmern durch die Kanäle, alle natürlich im Weihnachtsmannkostüm!

Das Beste: Die Venzianischen Schulkinder der 3. und 4. Klassen dürfen an diesem Tag einmal in ihrem Leben umsonst Gondel fahren! (denn wer hat schon einen echten Gondoliere als Pappa (weibliche gibt’s so gut wie nicht)?).

Und da fahren sie nun an den Palazzi des Canal Grande entlang, die hunderten Nikoläuse und Niccolettas auf ihren Gondeln, Ruderbooten und sonstigen schwimmenden Untersätzen, mit lautem oh, und ah, und sehr viel (E)viva il Babbo Natale! – und das Allerbeste: Es gibt schon jetzt Geschenke…nicht erst am 6. Januar!

Buone feste da Venexia!

PS: Den besten Vin Brulé gibt’s gerade an einem Stand an der (wärmebedingt nicht aktiven) Eisbahn auf dem Campo San Polo. Sucht einfach den mit dem Handgeschriebenen Schild auf dem Steht, dass der Glühwein mit Chianti gemacht wurde, und gönnt Euch dazu ruhig auch ein Pannino mit Schweinebraten und herrlichem Grillgemüse (gibt’s am gleichen Stand)…nehmt aber genug Kleingeld mit, dadurch dass gerade kaum Geschäft ist, haben die nämlich absolut kein Wechselgeld (eine allgemeine Italienische Krankheit…ich weiß auch nicht immer so genau warum…Museen, Stände, Bars, Geschäfte, niemand kann Wechselgeld rausgeben…furchtbar!).

Adventskalender 2014 – 14. Türchen – prejudices, or my perfect German christmas party in the middle of August!

Duftpomaden- Nelkenorange

Duftpomaden- Nelkenorange

Sometimes it’s true: prejudices do exist, to be confirmed!

But it’s also true that in quite a lot of cases, the pre-judged do everything to ensure that prejudices become true for the prejudicing ones, particularly, when they are profitable for the pre-judged!

One of those very precious and extremely profitable prejudices is the “German Christmas”!

Not only half of the world’s population seems to be absolutely convinced, the whole of Germany would mutate into a single giant Christmas market between October and March, no! – for some unexplainable reason my American, Chinese and Russian friends also are absolutely sure of the fact, that all Germans had nothing better to do, than drinking German mulled wine, eating German Lebkuchen – of coruse from the most German city Nuremberg – while carving incessantly Oberammergau crib figures wearing god-old German leather pants during this “holy time” of the year…

Well…I’ve tried to explain things are a bit more „complicated!… I’ve tried it…really!

To my big misfortune, we were visiting the beautiful German city of Bamberg…which unfortunately looks exactly like Disney would create a Christmas town…even in the middle of August. Things were as they had to come… my beloved multicultural Chrismas-seekers discovered the full-year Christmas paradise – a really awful shop, freshly imported from Rothenburg ob der Tauber!  Did I mention that it was the middle of August!

To make things short and worser: Any further attempt to explain that Christmas was not a quintessentially German invention with quintessentially German customs and quintesentially German “Gemütlichkeit“ was henceforth completely useless …

Instead, I grabbed my advent calendar from Aldi, took some gingerbread (foolishly, we visited Nuremberg too, there you can get gingerbread all arround the year, consequently I’ve must been wrong: Without any doubt, Germany is the land of eternal Christmas markets! damn!).

And then it happened … some idiot of touristshop-owner offered the ultimate beer mug: with a portrait of the Kaiser, an imperial eagle, good old Germany inscription (I’ver wondered why in Gods name there was no ; Für Gott, Kaiser, Reich und Vaterland-inscription!) , Santa Claus, some reindeers, Christmas market stalls, the “Chriskind-Rauschegoldengel” and of course the synonym of “real” German Christmas customs: a Christmas pickle! (I declared to “my” Americans for the 10,000st time that there is no such custom in Germany … they do not believe me! Of course not, if there’s a whole bunch of christmas pickles in the showcase!)

After this, I haven’t even tried to explain to my beloved Americans why Santa Claus isn’t the half-brother of the Christkind, or that reindeers belong to Norway and are a typical element of American folclore… I let them buy their goddamned pitcher “made in China”, and even drunk some “real” Franconian smoked beer from it (I’m drinking it exclusively when I’m forced to do so by friends on transit!).

At the end, I’ve managed to get some unripe oranges to show them how to make a genuine German Orange with cloves (those strange things, you already had to tinker in Kindergarten. Of course without a kindergarten aunt explaining that much less burning essential oils would get into your eyes, when you drill some holes into the orange with a with a small nail  first and then put the cloves in … may I’ve forgot to tell, that Oranges and cloves do not grew in germany and came to our country from Venice in the 15th or 16th century and therefore called „Duftpomaden“ or „Duftpommeranzen“ (scented oranges)…but my guests were Americans! I’m glad when they don’t mix Austria with Australia and – honestly said – for them everything that smells like German Chrismas must be genuinly German…It’s the same thing with socker, cars and beer…).

In short: I’ve done everything not to be the evil, deadly serious and oversophisticated German again… and I managed it! I’ve celebrated a perfect German Christmas, with Christmas baubles, a Christmas pickle, an Advent-Calendar and a genuinely German Orange with cloves in it! And I did all this in the middle of August, just to prove: Germany is Christmas genuine homeland!

Happy New Year!

Adventskalender 2014 – 13. Türchen – Sancta Lucia, oder vom Licht in der Finsternis…(Aus dem Archiv)

lux in tenebris

Wer jemals am 13. Dezember in Schweden war wird den mystischen Anblick von jungen Mädchen die im Gedenken an die Heilige Lucia auf ihrem Kopf eine Krone aus Buchsbaumzweigen und brennenden Kerzen durch das morgendliche Halbdunkel tragen so schnell nicht vergessen.

Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. 1582 der aufgrund des im Vergleich zum Sonnenjahr zu „langen“ Julianischen Kalenders 10 Tage „ausfallen“ ließ (s. Anm.1) war der Lucientag gleichzeitig auch Mitwintertag. Aus diesem Grund wurden und werden an Skt. Lucien auch zahlreiche Rituale gepflegt, die mehr mit dem symbolischen „Sterben“ des Alten und „Wiederbeginn“ des Neuen Jahres und weniger mit der „Heiligen vom Unbesiegbaren Leben“( s. Anm. 2) zu tun haben.

Neben den Kerzenkronen welche – ähnlich wie die Lichter des Weihnachtsbaums oder des Adventskranzes – Christus und damit das (wiederbeginnende) „Licht in der Dunkelheit“ repräsentieren, gehört zu diesen „Bräuchen des Jahreswechsels“ auch noch der sogenannte „Lucienweizen“.

Man stellt eine Kerze in eine kleine Schüssel, gibt etwas Wasser, Erde oder Watte und einige Weizenkörner hinzu und wartet, bis sie an Weihnachten in etwa Handspannenhöhe erreicht haben,. Gelingt dies, wird die Kerze entzündet; danach lässt man die Keimlinge verdorren(damit sind ähnliche Orakel wie mit den Barbarazweigen (s. 4. Türchen) verbunden). Bemerkenswert an dem Brauch ist seine hohe Ähnlichkeit mit antiken „Adonisgärtlein“ (Adonis war ursprünglich ein aus Vorderasien stammender Vegetationsgott der im griechischen Pantheon gleichzeitig Gott der (männlichen) Schönheit war, das Keimen und Vergehen des Weizens symbolisierte das Werden und Vergehen der Pflanzen und den Lauf der Jahreszeiten). Auch zum kurdischen und persischen Neujahrsfest werden Weizenkeime ausgesät. Sie sollen Glück, Kraft und Erfolg im Neuen Jahr bringen, aber auch an die Vergänglichkeit des Seins erinnern.

Ein schöner Brauch, weil er einen mitten in Schnee und Eis an den bevorstehenden Frühling erinnert und gleichzeitig mahnt sich nicht immer so wichtig zu nehmen.

Kαὶ τὸ φῶς ἐν τῇ σκοτίᾳ φαίνει, καὶ ἡ σκοτία αὐτὸ οὐ κατέλαβεν

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.

(Joh 1, 5)

Anm. 1) Auf den 4. folgte der 15. Oktober 1582; Es dauerte jedoch bis 1949 bis dieser Kalender weltweit angenommen wurde.
Anm. 2) Die Heilige Lucia überstand gleich mehrere Martyrien, weder das Übergießen mit Siedendem Öl noch ein in den Hals gerammtes Schwert vermochten sie zu töten und auch die Übersendung ihrer Augen – laut einer Variante ihrer Heiligenlegende hatte sie sich die Augen selbst herausgerissen, was sie zur Patronin bei Augenleiden und Fehlsichtigkeiten macht  – an ihren ungeliebten Verlobten vermochten sie nicht zu töten…sorry, aber katholische Märtyrerlegenden sind nun mal  per se latent blutig und nicht unbedingt kindgeeignet ;-(

Adventskalender 2014 – 10. Türchen – Von Baupfusch und Orientierungsmangel – oder: Warum man sein Haus besser nicht von Engeln transportieren lassen sollte…

Engel

Engel

Jetzt sitzen sie wieder auf den Tannenspitzen, lugen von Fenstersimsen und lächeln von Giebeln und Dächern: Engel! Sie gehören zur Weihnachtszeit wie Stollen und Marzipan und sind mindestens so schön wie Springerle und Glühweinsorbet!

Aber habt ihr Euch je gefragt, ob sich Engel wohl öfter verfliegen, wenn sie Häuser transportieren?

Ich weiß, Ich weiß – das ist wieder eine dieser abstrusen Fragen, die sich nur ein ausgebildeter Geisteswissenschaftler stellen kann, dessen katholische Großmutter ihm als Kind ein bisschen zu viel aus diversen Heiligenlexika und anderen Mirakelbüchern vorgelesen hat…

Aber mal im Ernst, wir haben heute den 10. Dezember und es gibt in Italien tatsächlich einen garnicht so unbedeutenden Wallfahrtsort namens Loreto an dem die Menschen heute die – leicht verunglückte – Übertragung des Geburtshauses Mariens aus Nazareth nach Mittelitalien im Jahr 1291 feiern.

Irgendwas muss damals beim Abbau und mit dem Lieferschein nicht so ganz geklappt haben, denn das Haus landete samt Engeln erstmal in Trsat bei Rijeka im heutigen Kroatien. Erst drei Jahre später fiel dann irgendjemand im Stabsbüro der Himmlischen Heerscharen das „kleine“ Missgeschick auf und das Häuschen wurde abermals von Engeln in die Höhe gehoben, flog bei Nacht und Nebel über die Adria und stand am Morgen des 10. Dezember 1291 im kleinen Ort Loreto in der Nähe von Ancona. Ob die Engel damit eigentlich nach Rom wollten und es – so ein Haus hat immerhin ein ziemliches Gewicht – vor lauter Weihnachtsvorfreude einfach nicht mehr „verheben“ konnten, wie man im schwäbischen so schön sagt, oder ob das Häuschen von anfang an für Loreto bestimmt war, lässt sich aufgrund der himmlischen Kommunikationssperre in derartigen Dingen leider nicht mit Gewissheit sagen. Sicher ist nur, dass das Häußchen danach nicht mehr weitergeflogen ist, und es noch heute mitten drinn in der riesigen drumherumgebautem  Basilika von Loreto steht.

Und weil es schon damals einige Zweifler an dem himmlischen Schwarzbau auf der grünen Wiese gegeben hat, und weil beim Transport außerdem dummerweise das Fundament nicht mitgeliefert wurde, sind doch tatsächlich gleich 16 Bürger Loretos in das damals frisch von den Sarazenen zurückbesetzte Nazareth gefahren und siehe da: sie fanden dort tatsächlich das vom englischen Umzugstrupp vergessene Fundament des Häuschens – geschickterweise lag auch gleich eine Inschriftentafel mit der Information, dass das Häuschen auf unerklärliche Weise verschwunden sei dabei.

Schnöder Baustoffraub, Erdbeben oder Wunder – Ihr dürft Euch jetzt selber aussuchen, was ihr glaubt, eine Reise nach Loreto lohnt sich auch ohne himmlischen Zustellungsmalheur, aber ich fand die Geschichte vom fliegenden Häusschen und den leicht orientierungsgestörten Engeln jetzt einfach zu nett, um sie Euch nicht zu erzählen!

 

Adventskalender 2014 – 9. Türchen – Als Jesus zur Hölle fuhr und warum die Vertreibung von Adam und Eva dran schuld ist, dass wir heute unsere Wohnungen mit Christbäumen, Adventskränzen und Weihnachtskrippen vollstellen

Adventskalender 2014 (8)

Fränkischer Paradiesbaum, Detail

…und schon gespannt, was es mit dem seltsamen Detail eines „Paradiesbaums“ hinter dem 2. Türchen dieses Adventskalenders auf sich hatte?

Nun, die Sache ist eigentlich ganz einfach – oder sollte man besser sagen war einfach. Bis vor wenigen Jahren war es jedem ordentlichen katholischen Kirchgänger nämlich klar, dass am 24. Dezember nicht nur der Heilige Abend gefeiert wurde, sondern auch der Gedenktag für Adam und Eva – oder anders ausgedrückt – der Paradiestag bzw. -abend gefeiert wurde.

In christlicher Logik bedeutete dies nicht mehr und nicht weniger, dass die durch Adam und Eva verkörperte und ob ihre Neugier und Hybris*1 aus dem Paradies verbannte Menschheit durch das an Weihnachten auf die Erde gekommene Christkind (das auch ganz gerne mal als Jesus bzw. „der neue Adam“ bezeichnet wird) ihre Sünden vergeben bekommt und somit wieder ins Paradies aufgenommen wird – allerdings erst postum, also nach dem Durchleben des Irdischen Jammertals…

Da man sich darüber aber zu allen Zeiten nie so ganz sicher war – schließlich ist, Adam und Eva einmal ausgeschlossen, noch keiner aus dem Paradies zurückgekommen – ist es kein Wunder, dass sich die noch tiefstgläubigen Menschen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit inmitten ihres jämmerlichen Erdendaseins sicherheitshalber schon einmal einen kleinen Vorschuss auf den verheißenen Garten Eden gönnen wollten. Und wann sollte man das besser tun, als an dem Tag, an dem – wie es so schön in einem alten Weihnachtslied heißt – Christus wieder die Tür zum Paradies aufstößt?

Also begannen die Menschen damit zu Weihnachten kleine Szenen aus dem Paradies aufzuführen – da lag dann der Löwe neben dem Lamm und der Wolf hatte keinerlei Appetit auf das frische Zicklein und mittendrinn und darüber stand ein kleines Paradiesbäumchen an dem selbstverständlich auch die Frucht der Erkenntnis – in Gestalt eines besonders rotbackigen Apfels hing!

Adam und Eva ließen den Herrgott derweil einen guten Mann sein – dumm nur, dass das der mit reichlich Special Effects gewürzten Highlights dieser Aufführungen grundsätzlich der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies waren – aber so stands nunmal im Biblischen Drehbuch (s.o.). Wenn man Glück und die Kirchgemeinde das nötige Kleingeld und Sitzfleisch besaß folgte auf diesen ersten Akt noch ein zweiter – das Krippenspiel, mit der Geburt des Erlösenden Jesusbuzzales, und manchmal – wenn man nicht bis Ostern warten, oder die Gemeinde besonders fromm und reich war, folgte noch ein dritter Teil: Die Auferstehung bzw. Kreuzigung und Auferstehung und wenn man ganz viel Glück hatte, die Apokalypse und der Jüngste Tag samt Weltgericht – Kurz, das volle Programm vom Anfang der Zeit bis an das Ende aller Tage!

Dazwischen – also zwischen Kreuzigung und Auferstehung , sah das Biblische Drehbuch aber noch einen kleinen Zwischenakt vor, den wir – abgesehen von ein paar Theologen und Kunsthistorikern – heute völlig aus unserem Gedächtnis gestrichen haben: Den Abstieg Jesu in die Hölle!

Ja richtig gehört! Jesus, diese Mischung aus Joschka Fischer und Rambo, hatte nach seinem frühen Tod am Kreuz nix besseres zu tun als auf direktem Wege zur Hölle zu fahren! Natürlich blieb er nicht dort, sondern – ganz Gutmensch und Gott – jagte er Höllenhunde und Monster dahin wo sie hingehörten, sprengte die Tore der Hölle und: Befreite Adam und Eva samt allen anderen Armen Sündern, Aposteln und Heiligen aus der Hölle. Und weil er eh grad auf dem Weg zur Wiedervereinigung mit Gottvater und Heiligem Geist war nahm er die ganze heilige Mischpoke gleich mit und lieferte sie prompt im Paradies ab…

Kein Wunder auch, dass diese Spielchen mit reichlich Action und Knalleffekten auch der offiziellen Kirche gefielen und sie sie als festen Bestandteil in ihr Jahresprogramm aufnahm – schließlich braucht jeder etwas Werbung.

Weil’s aber um Weihnachten meist ziemlich eisigen war, und nicht jeder Lust und Zeit hatte sich stundenlang „Jesus und seine Freunde“ als mittelalterliche Laienspiel-Soap-Opera mit fünfzehnhundert Fortsetzungen live auf dem ziemlich zugigen und kalten Kirchvorplatz anzusehen, kamen die Menschen irgendwann auf die Idee, dass man das ganze doch auch – und das meine ich jetzt sehr wörtlich – eine Nummer kleiner zum einpacken und aufstellen für zu Hause haben könnte. Und so kam es, dass sie sich im Wohnzimmer (na ja, das war damals noch nicht erfunden, also eher in dem All-inclusive-Raum, den die durchschnittliche mittelalterliche Ein-Raum Hütte bot) einen kleinen Paradiesbaum an die Decke hängten (der erst viel, viel später zum „Weihnachtsbaum“ wurde) mit Adam und Eva und allen möglichen Tieren aufstellten, oder besser gesagt, an der Decke aufzuhängen, denn wie gesagt, mittelalterliche Ein-Raum-Hütten waren recht klein…aber irgendwo musste man bei der Dekoration des Eigenheims ja anfangen.

Und natürlich gefiel auch das der Kirche – didaktisch waren die Brüder schon immer auf der Höhe der Zeit – jedenfalls bis zum Zweiten Vatikanum, als sie plötzlich anfingen Deutsch zu reden, jeder plötzlich verstand was der Herr Pfarrer für einen Stuss zusammenfaselte und dann auch noch am Goldbrokat und am Weihrauch gespaart wurde…Vielleicht hatte der letzte Papst (Ich meine den Ratzinger Bene aus Marktl am Inn) ja doch recht, als er das wieder rückgängig machen wollte…

Da war das Mittelalter und die Frühe Neuzeit besser: damals hatte die Kirche ja solche Sparmaßnamen bekanntlich noch nicht nötig – weil man aber trotzdem nicht jeden Tag eine ganze Schauspielertruppe die permanent das gerade passende Heiligenmartyrium aufführen wollte aushalten mochte (manche geistliche Orden wie Dominikaner und Jesuiten taten das sehr wohl), erfand man auch hier eine Miniaturlösung: Die Weihnachtskripppe…oder besser: die Ganz-Jahres-special-effect-action-Bibel-Heiligenlegenden und sonstige Begebenheiten-Allzeit-Krippe…Wie in manchen Kirchen noch heute, war man praktisch veranlagt, sparte sich die ganze lästige Auf- und Abbauerei des 1000-Teile Dings und stellte, jeweils passend zum gerade angesagten Event im Heiligenkalender, die Himmelfahrt Mariens, die Hochzeit zu Kanaan oder auch mal das Martyrium des heiligen Laurentius dar (das war besonders praktisch, weil Jesus und seine Kumpels irgendwie im Sommer nicht ganz so viele Wunder vollbracht haben…die Hitze in Israel…).

Kurz – Adam und Eva sind schuld, dass wir uns heute einbilden zu Weihnachten einen Christbaum (Mit Äpfeln…oder besser gesagt Christbaumkugeln…irgendwann im 19. Jahrhundert hatten wir es nämlich satt zu Weihnachten jedesmal Unmengen von Bratäpfeln essen zu müssen) und eine ordentliche handgeschnitzte Krippe aus Südtirol, Mexiko oder Afrika haben zu müssen…warum das heut jeder braucht – well daran ist ein anderes Liebespaar namens Vicki und Albert schuld… aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden…

…und die Sache mit dem Adventskranz?

Neben dem – heute fast nur noch im Heimatmuseum anzutreffenden – Paradiesbaum gab’s in Altbayern auch noch das sog. „Paradiesl“ eine Art Pyramide aus Stöckchen und vier Äpfeln (seltener auch Drei, wegen der Dreieinigkeit), die statt des Paradiesbaumes an die Decke gehängt wurden und später zu einer Art Vorläufer des Adventskranzes wurden. Wen’s genauer Interessiert kann ja mal unter Wikipedia nachsehen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Christbaumschmuck

http://de.wikipedia.org/wiki/Paradeisl

 

*1 Ich meine die Geschichte mit dem Apfel und der Schlange (Genesis 3,1-13; 3, 22-24). Wer will kann das Ganze zusammen mit einer hinreißend wundervollen Darstellung der Episode von Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle hier nachlesen: http://mv.vatican.va/6_DE/pages/x-Schede/CSNs/CSNs_V_StCentr_04.html.

Adventskalener 2014 – 8. Türchen – Von Weinachtsmärkten, Geistesgestörten und Turboschwangerschaften

neigeFrage ich meine amerikanischen, italienischen, spanischen, chilenischen oder norwegischen Gäste, die mir der Wind gelegentlich ins Wohnzimmer trägt danach, was sie am wintertrüben Deutschland am liebsten mögen, dann beginnen ihre Augen zu leuchten und sie antworten mir: Die vielen, vielen Weihnachtsmärkte natürlich! Vermutlich könnte es für sie das ganze Jahr Advent sein, und die Welt ausschließlich aus Glühweinständen, Würstelbuden und Dekoständen mit Christbaumkugeln und Krippenfiguren bestehen…

Ich selbst habe zu diesen „kleinen Dörfern aus Tuch und Holz“ ein etwas ambivalenteres Verhältnis…nicht das ich es gelegentlich nicht schätzen würde bei Eis und Schneeregen einen gepflegten Eierpunsch oder eine Kaminwurzen zu mir zu nehmen, nicht dass ich als Kind nicht auch vor der Krippe mit den Schafen und Eseln gestanden wäre und ungeduldig darauf gewartet hätte, bis das Christkind endlich verkünden würde, dass es jetzt wieder Weihnachten werden würde, nicht dass ich Märchenzelt, Zwergenbahn und dem herrlichen Stand mit den Steiff-Tieren die sich zu weihnachtlicher Musik hin und herbewegten nicht bis heute einen ganz besonderen Platz in meinem vorweihnachtlich erweiterten Herzen einräumen würde…

Leider geht diese von gewieften Werbestrategen, Marktbeschicktern und Tourismusmanagern kreierte Weihnachtsseligkeit nicht nur bei mir auf…und genau darin liegt das Problem. Ich hasse es schlichtweg mich mit gefühlt 300.000 weiteren Weihnachtsseligen durch die engen Gassen schieben zu lassen, vor lauter Menschen kaum mehr einen Blick auf die Auslagen werfen zu können und dann auch noch von Bessoffenen und anderweitig Geistesgestörten (am schlimmsten sind die „Spätgeschenkeinkäufer“, die spätestens ab dem 15. Dezember keinerlei Hemmungen mehr zu kennen scheinen und einen mitsamt Kind und Kegel auf der verzweifelten Suche nach „dem“ ultimativ einmaligen und ganz besonderen Geschenk einfach umrennen).

Nicht, dass ich diese Aversion nur an Weihnachten oder speziell an Weihnachtsmärkten hätte…ich kann es einfach auf den Tod nicht ausstehen, wenn Menschen mir ohne ausdrückliche vorherige Aufforderung näher als 50 cm kommen…Komfortzone nennt sich das wohl und ist zugegeben eines jener exotisch-westlichen Luxusprobleme, die uns unsere Urinstinkte inmitten einer überbevölkerten Welt globalisierter Egomanen gelegentlich spielen.

Trotzdem „gönne“ ich mir jedes Jahr auf’s Neue das „Gwörch“ (fränk. für hdt.: Gewürge/Gedränge). Ihr sehr also, ich muss sie sehr lieben, die Weihnachtsmärkte und Spätshopper, die Glühweinsäufer und Rauschgoldengel, die Schafe und die Esel, die Steiff-Stofftiere und auch die Zwergenbahn in die ich leider nicht mehr reinpasse…

Einen schönes Hochfest der unbefleckten Empfängnis Mariens Euch allen, und wenn ihr jetzt auch etwas Mühe mit der Geschichte mit der Unbefleckten Empfängnis, dem Heiligen Heist und der Turboschwangerschaft Mariens (3 Wochen!) habt, empfehl ich ganz dringend einen Besuch auf dem nächsten Weihnachtsmarkt: Glühwein und Eierpunsch helfen, immer!

 

Adventskalener 2014 – 7. Türchen – Von russischen Mütterchen und warum ihr Ineinanderpassen immer auch ein Qualitätsmerkmal ist…

Klassische Matrijoschka

Klassische Matrijoschka

Es dürfte kaum ein Wohnzimmer, einen Kellerschrank oder einen Dachboden geben, wo sie heute nicht mehr zu finden sind, die kleinen, rundlichen, stets fröhlich dreinblickenden Matrioschkas. Die in Deutschland auch unter dem liebevollen Pseudonym „Babutschkas“ (Omachen) bekannten Holzpuppen gelten dabei im Westen geradezu als Inbegriff und Metapher russischer Kultur und der großen „russischen Seele“, aber auch ihrer Abgründe und Undurchschaubarkeit.

Es mag daher die meisten überraschen, dass die zumeist aus Linden oder Birken- seltener auch aus Nadelbaumholz gefertigten, bunt bemalten und ineinander schachtelbaren Puppen erst auf eine gerade einmal etwas mehr als 120-jährige Geschichte zurückblicken können.

Die ersten Matrioschkas wurden um 1890 gemeinsam vom Holzschnitzer und Drechsler Wassili Swjosditschkin und Maler Sergei Maljutin nach dem Vorbild japanischer Fukurokuju-Puppen gefertigt und hatten die typische stark farbige (oft rote, das alt-russische Adjektiv „красный“ (krasny) bedeuteteursprünglich sowohl „rot“ als auch „schön“) und reich bestickten Kleidung russischer Bäuerinnen, den Sarafan, zum Vorbild.

Rasch erlangten die kleinen und leicht zu transportierenden Puppen große Beliebtheit als Souvenir. Auch wurden ihnen bald nach ihrer Erfindung in ihrem Heimatland talismanische und fruchtbarkeitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Hierbei wurde die äußerste Figur als Mutter, die kleineren Figuren als – gewünschte – Kinderschar interpretiert. Daneben etablierten sich bereits früh männliche Varianten, welchen die „männlichen“ Eigenschaften Wehrhaftigkeit, Fleiß und Kriegerische Tugenden zugeschrieben wurden. Im Deutschland hingegen gelten sie zumeist als nettes Souvenir und werden dort häufig auch und gerade zur Weihnachtszeit gemeinsam mit Nussknacker und anderen Produkten aus dem Erzgebirge als Weihnachtsdekoration aufgestellt – nicht zuletzt ein inzwischen gesamtdeutsch gewordenes Erbe aus der ehemaligen DDR, in der die Matrijoschkas aufgrund der engen Kontakte zur UDSSR und zu sowjetischen Besatzungssoldaten, die diese gerne als Geschenke an die Ostdeutsche Bevölkerung verschenkten besonders weit verbreitet waren.

Wie beliebt die kleinen Puppen auch außerhalb Russlands wurden zeigt sich an den zahlreichen, teils irrtümlichen Ableitungen und Bezeichnungen in unterschiedlichsten Landessprachen. Ging der Name Matrjoschka ursprünglich auf den häufigen russischen Vornamen weiblichen Namen „Matrjona“ (abgeleitet aus dem lateinischen matrona) zurück, kam es aufgrund der den Figuren zugeschriebenen Eigenschaften der Fruchtbarkeit und Mütterlichkeit schnell zu „Neu-„ und „Uminterpretationen“. So bürgerte sich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Babuschka oder Babutschka (von russisch „Oma“ oder „Großmütterchen“) ein. In den Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie bürgerte sich hingegen der Name „Piroschka“ (von ungarisch: piros, bzw. piroska = rot bzw. kleine Rote, häufiger Frauenname, zugleich die ungarische Bezeichnung für Rotkäppchen) ein. Auch die von der russischen Bezeichnungen „Mütterchen“ abgeleitete Bezeichnung „Mammutschka“ ist v.a. im deutschsprachigen Raum üblich.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erweiterte sich in den 1990er Jahren das Formenrepertoire der Matrjoschkas deutlich. Neben die traditionellen Formen traten satirische Darstellungen von Politikern, (v.a. Lenin, Stalin, Krustschov, Gorbatschow, Jeltzin und Putin), Zaren und Heiligen, häufig als „historische Ahnenreihe“.  Auch etablieren sich in letzter Zeit zunehmend „anlassbezogene“ Matrijoschkas, oder solche, die Motive aus Märchen und beliebten Zeichentrickserien oder Werbemotive aufnehmen. So stehen Weihnachtsmannmatrioschkas neben Stalin, klassische russische Mütterchen neben Pinups, Heilige neben Disneyfiguren.

Die wichtigsten Herstellungsregionen der Matrjoschkas liegen heute um Nischni Nowgorod, Moskau und Kirow. Wurden ursprünglich lediglich 3-, 5-, 7- und 10-teilige Figuren erzeugt, sind heute auch 13-, 15- und 20-teiliger (und noch größere) Figuren üblich. Da die Figuren meist von Innen nach Außen hergestellt werden, ist die Ähnlichkeit der Figuren und deren gutes Ineinanderpassen ein wesentliches Qualitätsmerkmal.

Adventskalener 2014 – 6. Türchen – Vom heiligen Nikolaus und anderen Nichtsnutzen

Ich hoffe, ihr alle habt gestern Abend brav Eure Schuhe geputzt, vor die Tür gestellt und der Nikolaus hat Euch etwas reingetan!

Warum ich zu diesem Kerl ein etwas ambivalentes Verhältnis habe könnt ihr unter:

http://wp.me/p2SJFH-5i

nachlesen.

Einen schönen Nikolaus Tag, und wenn er Euch dieses Jahr wieder nix gebracht hat…ab auf den nächsten Weihnachtsmarkt und zum Trost einen Eierpunsch mit gaaaaaaaanz viel Sahne trinken!

Nikolaustag!

Nikolaustag!

Adventskalender 2014 – 5. Türchen – Warum in meiner Krippe Affen, Schildkröten und ein wilder Eber hausen…

Peruanische Weihnachtskrippe

Peruanische Weihnachtskrippe

Wisst ihr noch, wie es damals am heiligen Abend war, als man mit vier oder fünf Jahren noch an das Christkind und/oder den Weihnachtsmann glaubte und es garnicht erwarten konnte bis endlich ein kleines Glöcklein erklang und man in das Zimmer mit dem Chrisbaum und der Krippe durfte?
Eigendlich hatten sich meine Eltern ausgedacht, dass wir Kinder in der Woche vor Weihnachten überhaupt nicht ins Wohnzimmer sollten, weil dort angeblich das Christkind dabei war den Weihnachtsbaum zu schmücken und – viel wichtiger – unsere Geschenke einzupacken, und wenn wir es dabei stören würden, würde es nichts geben…well so ganz geglaubt haben ich und mein Bruder das glaube ich damals schon nicht, schließlich waren wir nicht auf den Kopf gefallen (na ja, mein Bruder manchmal schon, aber das ist eine andere Geschichte und hat viel mit Obstbäumen und Skifahren ohne wirklich Bremsen zu können zu tun) und konnten uns halbwegs ausrechnen, dass der Christbaum vom Chrisbaumverkauf und die vielen Bunden Geschenke vom Weihnachtsmarkt nicht von irgendwelchen Engeln auf die Autodächer geschnallt und in den Kofferaum gelegt wurden und nach Hause gefahren wurden…

Trotzdem trotteten wir bis weit in die Grundschulzeit hinein jedes Jahr brav hinter meinen Großeltern in den damals noch tief verschneiten Wald und positionierten unsere Wunschzettel ans Christkind in einem Vogelhäuschen, dass rein zufällig nur wenige dutzend Meter vom Waldrand entfernt über der Lieblingsbank meines Großvaters hing.

Nebenbei gesagt war mein Großvater – wie übrigens auch unsere Kindergartentanten und Grundschullehrerinnen – nicht ganz unschuldig, dass wir schon ziemlich früh nicht mehr so ganz an die Geschichte mit dem Christkind und dem Weihnachtsmann glaubten*.

Grund dafür war, dass alle eine ausgeprägte Vorliebe dafür teilten, irgendwelche kleineren oder größeren Krippen zu basteln. Erst aus Papier und mit Fingerfarben, dann durften wir unsere ersten Tonkrippenfiguren kneten (das meine ich jetzt ganz wortwörtlich) und als diese dann fertig gebrannt und bemalt waren brauchten die natürlich auch eine echt schwäbische Krippe mit Stall und allem sonstigen Bremborium (das ist vermutlich der Grund, weshalb zwar Maria und Josef mitsamt dem Jesuskindlein und einem Schaf heute hart gebrannt sind, Ochs und Esel, der Hirte, die restlichen Schafe, ein Hund und vor allem die heiligen Drei Könige aber nicht – was heißt, dass diese im Laufe der Jahre x-mal geklebt werden mussten).

Wirklich ins Grübeln gebracht hat uns aber die Mammutaufgabe des Krippenbaus, derer sich selbstverständlich mein Großvater mitsamt seiner ziemlich Umfangreichen Werkstatt im Ölkeller annahm. Eigentlich durften wir da ja nicht rein…wegen der Explosionsgefahr…und wer uns zwei Racker kannte, der weiß dass wir durchaus auch auf die Idee hätten kommen können versuchsweise auszuprobieren ob man den Öltank nicht mit der Bohrmaschine, der Flex, oder dem Stemmeisen aufbekommt…Well, ich und mein Bruder leben noch, ich nehme also an, dass wir das nicht wirklich ernsthaft ausprobiert haben…

Kurz, es wurde geschnitzt, genagelt, geschraubt, kleine Schuppen von Fichtenzapfen als Dachziegel aufgeklebt und gemalt…Und tatsächlich wurde das Meisterwerk, wenn auch erst zwei Jahre später,  tatsächlich vollendet – Inklusive Riesenbatterie und winziger Laterne mit noch winzigeren Birnchen. Dass das Ganze ein wenig zu klein für die Tonfiguren ausgefallen ist, liegt ganz bestimmt nicht drann, dass sich mein Großvater eventuell vermessen hat…das war eindeutig das Christkind, das, weil mein Bruder und ich immer ins Weihnachtszimmer geschlichen sind und die dort aufbewahrten Weihnachtsbrötchen gegessen haben, zur Strafe unsere Krippe geschrumpft hat!.

Ja, und da steht sie nun, neben unseren 5 anderen Krippen (inzwischen haben wir glaub noch mehr, wenn man die in divesen  Streichholzschachteln, Kürbissen, Glaskugeln etc. mitzählt…)…Ich werd sie auch dieses Jahr wieder bei meinen Eltern aufbauen, vorrausgesetzt es findet sich noch ein Plätzchen…

Jahre später – ich hatte gerade zu studieren begonnen – habe ich dann zufälligerweise ein Gespräch zweier Verkäuferinnen im Dritte Welt Laden (der hieß damals wirklich noch so) angehört. Sie hatten ein garnicht so kleines Problem: Irgendeine ihrer gutmeinenden Kolleginnen hatte nämlich eine das gesamte linke Schaufenster ausfüllende Peruanische Krippenszene aus ca. 30 cm hohen Tonfiguren zum weiterverkauf erstanden…und die blockierte jetzt schon seit über 4 Jahren zu jedem Weihnachtsfest das Schaufenster, weil sie niemand kaufen wollte. Die Krippe hatte nämlich zwei Probleme: a) war sie fürchterlich teuer und b) sah sie einfach überhaupt nicht so aus, wie ein normaler oberfränkischer Käufer sich eine Krippe vorstellt. Es gab zwar einen Engel, aber der fasste sich an die Brüste, Maria und Josef und ein Esel waren mit Müh und Not auch noch irgendwie am Hirtenstab den Zöpfen und den Langen Ohren zu erkennen, aber der Rest? Irgendwie waren die Heiligen Drei Könige und Hirten zu kleinen Inkas mutiert, die Fische, Chilischoten, Bananen, Schildkröten und sogar Affen anschleppten. Am schlimmsten aber war, dass der Ochse, dieses vertraute dummtreue Tier aus der oberammergauer Hirtenidylle aus unerfindlichen Gründen zu einem fetten, grimmig dreinblickenden Eber mit riesigen Stoßzähnen mutiert war. Das mag ja in Peru so üblich sein, aber unter dem eigenen Christbaum wollte das ganz offensichtlich kein Bamberger haben…

…und so stand sie nun da, die peruanische Monsterkrippe, und stand, und stand und stand…Nach der Lautstärke ihres Gesprächs war es den Verkäuferinnen im Jahr als ich zu studieren anfing offensichtlich endgültig zu bunt geworden und sie beschlossen, während ich nach biologischdynamischsozialgerechter Schokolade suchte, dass Ding loszuwerden – egal zu welchem Preis!

Als Schwabe mit einem ausgesprochenen Faible für kuriose Krippendarstellungen habe ich mir das natürlich nicht zweimal sagen lassen – und ganz beiläufig gemeint, dass ich sie – aus reiner Herzensgüte – für einen Fünfziger von dem Ding erlösen würde…Das war ungefähr ein fünftel dessen, was die Krippe eigentlich kosten sollte und ehrlichgesagt nicht ganz ernst gemeint.

Und dann geschah das Wunder: Offensichtlich hatten die Verkäuferinnen nicht damit gerechnet die Krippe des Schreckens – wie sie in Bamberger Gutmenschenkreisen inzwischen hieß – jemals wieder loszuwerden, schon garnicht für Geld…und sie fingen an zu jauchzen und zu jubilieren, mich als ihren Retter zu preisen und eine Geschäftigkeit zu entwickeln, wie sie selbst die Himmlischen Heerscharen beim großen Gloria in excelsis nicht entwickelt haben…Da wurde eingepackt und verstaut, nach Bananenkisten gesucht und ganz schnell die Kasse aufgeschlossen und kassiert, bevor der Verrückte der sich ernsthaft eine Peruanische Horrorkrippe unter den Christbaum stellen wollte es sich doch noch im letzten Augenblick anders überlegt hat…Ja ich krigte meine Tafel Schokolade sogar noch umsonst obendrauf und eine Gratisprobe Apfelsinen aus Equador gabs auch noch obendrauf!

Uns so stehen sie nun seit Jahren bei mir, die wackeren kleinen Peruaner mit ihren Affen, Schildkröten, Fischen, Chilischoten, dem Monsterschwein und dem sich vor lauter weihnachtlicher Wonne an die Brüste greifenden Engel.

Ich mag sie – und manche Gäste sind, nachdem sie sich nach dem ersten Schreck wieder eingekriegt haben, sogar ein bisschen neidisch, dass ich eine so ungewöhnliche, große und teure Krippe mein Eigen nenne…

 

*Wir haben aber trotzdem mitgespielt, schließlich machte das unseren Eltern einen Heidenspaß uns angeblich an der Nase herumzuführen – und warum soll man den den Erwachsenen als Kind nicht auch mal gönnen.