Tageshaiku 72 _ Novemberende

Graue Kälte, Graupelschauer.
Bockbier und heißer Wein.
Über den Köpfen:
Fliegende Bäume und Lichterketten!

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Tageshaiku 71 – Winterende

winterendeErste Tulpenblüten
neben späten Christbaumkugeln!

Auf dem Bildschirm:
Schellen und Narrenmasken!

Ist der Winter denn so schnell vergangen?

German Angst

Mich fröstelt!

Trotz „tropischer“ 31°C und mehr als nur ein wenig und vor allem am werten deutschen Adamsapfel.
Grunsätzlich solidarisch mit allem und jedem, verwandeln sich meine Zehen flugs zu Cocktaileisklumpen und ich dusseliger Nordbarbar folge meinem unbeherrschbar aecht-altgermanischem Sommergrippeabwehraktionismus in Form von isländischem Kratzewollschal und Eiderdaunendecken.

Und da wir Germanen für derartige national bedeutsame Katastrophenereignisse ein jahrelanges Briefing von der Bundesabwehrstelle für Katastrophen und sonstige Plagen hinter uns haben, folgen flugs noch Unmengen Vitamin C, die in solchen Fällen obligatorische Kunstpelzdecke und zwei Liter Pfefferminz-Kamillentee.

Zwei knappe Schwitzestunden später:

Die Desillusion:

Nix Grippe…noch nichtmal ein winzigkleiner grippaler Infekt…

Nur ein nicht gezogener USB-Ventilator gut getarnt im sommerlichen Jalousiendämmerlicht zwischen usbekischen Ikatvorhängen und australischem Haizahnarmband…

Aber welcher blondgelockter Germane sucht die Ursache seiner heißgeliebten Sommergrippe denn auch in seinen Writingdesk-Gadgets!

Warum’s nix brächte Berlin-Mitte zu sprengen, es wo andes auch nicht anders ist als dort wo man ist und der ganz sicher weltbewegenden Frage wie man denn jetzt Reis politisch und ethisch korrekt kocht!

Bumm!!!Es ist Pfingstmontagmittag und gerade hat mich der Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen mit der allmonatlich wiederkehrenden Frage beglückt ob man denn ganz Berlin-Mitte sprengen müsse.

(http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/berlin-hass-muss-man-ganz-mitte-sprengen-14233568.html#GEPC;s6)

Natürlich ist das alles spätestens seit den Zeiten der Prenzelschwäbin – die im Übrigen gerade in ihrer angeblichen garnicht so urheimlichen schwäbischen Heimat größte Erfolge feiert, warum ist eine andere Frage – nicht neu. Und irgendwie gehört es ja seit Cindy aus Marzahn ein wenig zum guten gesambtbundesdeutschen Ton sich über Latte-Macchiato-schlürfende Helikoptermütter und Teriaki-Suppengrün-Toppings zu echauffieren.

Und ja, auch ich erwische mich in meinen ganz schwachen Momenten manchmal dabei, dass ich mich allen ernstes frage, ob es jetzt ethisch noch o.k. ist, wenn ich einfach mal die ganze verpackungsempfohlene Quell- und Wasserreismethode zu komplettem Bullshit erkläre und meine ganz eigene urschwäbische: „Wir-tun-das-ganze-verdammte-Reiszeug-einfach-von-vornherein-gemeinsam-mit-dem-Wasser-in-den-Topf-;-lassen-es-nicht-erst-stundenlang-dumm-herumquellen-; und-geben-einfach-von-vornherein-nur-soviel-Wasser-dazu-dass-wir-am-Ende-auch-nix-wegschütten-müssen-Methode, draus mache? Oder ob das nun (doch und schon wieder) ein eurozentristisch-rassistischer und selbstverstäntlich total sexistischer Totalfauxpas ist, weil ich das als Mann und Nicht-veganer-nicht-Bio-Reisanbauer (und -esser!) eigentlich garnicht darf?

Nach wirklich(!) längerem Nachdenken entscheide ich mich für den sozial gerade noch akzeptablen KönigInnenweg, nenne das Ganze „Fusionsküche“ – Selbstverständlich nicht ohne mich kurzzeitig mit der politisch nicht völlig korrekten Frage herumzuschlagen, ob das verdeutschte fusion food bei empfindlichen Gemütern nicht doch eine unangenehme Assoziation eines atomaren Störfalls heraufbeschwören könnte.

Spätestens beim Lamento der Autorin über umfallende Bierbikes und dem beliebten Ratespiel Hipster oder/und Tourist fühle ich mich jedoch wieder ans kleine heimische Bamberg und seine gefühlt 10 Millionen Touristen pro Jahr (die reale Zahl liegt nur unwesentlich darunter) erinnert. Während sich die hiesige Tourismus GmbH seit Jahren weitgehend vergeblich bemüht die wenigen verbliebenen Innenstadtbewohner mit immer neuen Initiativen, Info-Veranstaltungen und großangelegten Werbeaktionen von der Nützlichkeit des Tourismus zu überzeugen, ziehen diese ihre eigenen Schlüsse und ziehen entweder weg, oder greifen zu mehr oder minder kreativen Mitteln des Widerstandes (irgendwie muss man schließlich auf die 296 Liter Bier pro Jahr und Kopf kommen…).

Was nun Berlin Mitte und die Frage ob man es in die Luft sprengen müsste angeht…Well, das Ganze nennt sich Innenstadt-Vermarktung, ist in jedem noch so kleinen Provinzstädtchen im äußersten Nordosten Bayerns auch nicht anders, nur macht es eben viel mehr Sinn sich medial über das verkommene Sündenbabel Berlin auszulassen, weil das – naturgegeben – ein paar mehr Leutchen kennen als sagen wir mal…Bamberg…

Kurz, ich esse jetzt meine gefüllten Paprika mit Reis, mache mir vorerst keinerlei Gedanken mehr ob ich damit den Untergang des Abendlandes (oder gar des ganzen Planeten) fördere und beruhige mein Gewissen zusätzlich damit, dass es anderswo auch nicht besser oder schlechter ist als da, wo ich gerade bin.

Guten Appetit zusammen!

Tageshaiku 65_Tiger zum Frühstück

indexTiger zum Frühstück –

Pekingoper zu Abend!

Eine andere Welt!