Beobachteter Alltag _ Botanische Insidergespräche am Gartenzaun

„Wisset Se, Ich bewunder scho die ganze Zeit ihre herrliche blaue Blumen!“

(Pflanze gerade Tagetes und reiße die blauen Blumen heraus möchte dabei möglichst nicht auch noch von neugierigen Nachbarn gestört werden – es ist eh schon genug Arbeit)

„Ja, gell, die waren schön“

„Brauchet Sie die noch?“

„Nein, die sind kaputt…“

„Aber die sind doch noch so schön blau..“

„Ja, scho, die sind ja auch anlakiert…“

„Ach so…“

(Ja Frau Nachbarin, des war jetzt nix mit der Gratis-Gartenbegrünung…auf der anderen Seite…hät ich mal nix gesagt, dann hät Sie die Dinger vielleicht auch noch für mich zu sich entsorgt…)

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„Ich glaub‘ mir müsset jetzt unsere Apfelwies endgültig in spätpersischer Blütengarten umbenennen…“

„Warum au des?“

„Ha no, as Internet…“

„Warom?“

„Ha, irgendwie waren auf der Packung Fritillaria meleagris drauf, und jetzt sind da einfach Fritillaria michailovskyi gewachsen…“

(Nachbarin geht kopfschüttelnd weiter…ich brauche ungefähr zwanzig Minuten bis ich begreife, dass die in meinem Kopf absolut logische Schlussfolgerung der notwendigen Gartenumbenennung aufgrund der versehendlichen Sendung Persischer Glockenblumen (F. michailovskyi) anstatt norddeutscher Kiebitzblumen (F. meleagris) vermutlich ein klitzekleinesbisschen arg nerd-mäßig gewesen ist, und meine Nachbarn jetzt entweder denken, ich sei komplett „nomgschnappt“ oder – noch schlimmer – morgen mit irgendwelchem Unkraut vor der Tür stehen und wissen wollen, welchen schönen lateinischen Namen das Ding den jetzt hat, damit sie sich auf der nächsten Gartenmesse das passende Porzellanschildchen malen lassen können – ja, das sind sie, die glückseligen Wonnen des gelebten Vorstadtidylls…)

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