Juwelen der Reiseliteratur – Venedig

Ecke Dogenpalast/Marciana, ganz weit weg von Santa Marta...

Ecke Dogenpalast/Marciana, ganz weit weg von Santa Marta…

Ich weiß es ist nicht geradeeben leicht 300 oder mehr Seiten ohne gröbere Fehler, Wiederholungen und Plattheiten über an sich nicht besonders reizvolle Orte wie Venedig, Florenz oder Island zu schreiben. Und so ist dieses Hobby vielleicht ein ganz klein ein bisschen gehässig und bößartig, und man darf mir deshalb auch getrost vorwerfen, dass ich es erstmal besser machen soll… Aber es ist einfach zu herrlich  in Reiseführern zu schmöckern. Wie keine zweite Literaturgattung dürfen sich hier hier Plattitüden, falscher Pathos, wilder Aktionismus und höchst subjektive Ein- und Ausdrücke aneinanderreihen und bilden so den perfekten Jagdgrund für Stilblüten!

Beispiel gefällig?

„Weniger erfreulich ist ein Gang durch den sich westlich anschließenden Stadtteil Santa Marta, der zum größten Teil erst während des Faschismus mit ärmlichen Behausungen bebaut wurde. Die Außenmauern des Gefängnisses lassen erahnen, wie ungemütlich solche Etablissements in Italien sind. Die berühmte und renomierte Architektur-Fakultät der venezianischen Universität ist auch in diesem Viertel untergebracht.“

(Auszug aus: Weichmann, Birgitt: Venedig und die Lagune. 5. , neu bearb. und komplett akt. Aufl.. REISE-KNOW-HOW Verlag Peter Rump GmbH. Bielefeld 2009, S. 209.)

Ja, man weiß jetzt garnicht so recht, wer einem mehr leid tun soll, die armen Venedig-Touristen die sich in dieses schäbige Faschistenviertel verirrt haben, die Insassen des ungemütlichen italienischen Gefängnisses oder die Studenten und Dozenten der berühmten und renomierten venezianischen Architektur-Fakultät, die in einer so unerfreulichen Umgebung ihrer Arbeit nachgehen müssen…

 

 

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