Adventskalender 2014 – 15. Türchen: Wenn es statt Glühwein vin brulé gibt und der Babbo Natale mit der Gondel kommt…

Ihr habt es sicherlich schon erraten…wie garnicht mal selten um diese Jahreszeit bin ich mal wieder nach Venedig, oder wie man im hiesigen Dialekt, der mich immer an eine schwäbisch schnurrende Katze erinnert sagt: Venessia (geschrieben: Venexia…die Venezianer lieben ihr x und packen es einfach überall rein!) entfleucht.

P1400344Weihnachten, also Natale wirft auch hier seine Schatten (oder sollte man nicht besser sagen: seine Lichter) vorraus. Zwar gibt es auch hier – der Zeit der Österreicher sei Dank – Christbäume und Glühwein (vin brulé) und sogar soetwas ähnliches wie einen Weihnachtsmarkt. Aber sonst läuft hier doch so einiges anders:

Am Rialto hängt statt Sternen und Rauschgoldengeln, ein riesiger blau gold leuchtender Markuslöwe aus LEDs, überall gibt es kleine Wohltätigkeitsmärkte in den Kirchen mit den kuriosesten Dingen, Der Weihnachtsmarkt (außer dem bei San Stefano – aber der war irgendwie nicht von richtigem Erfolg gekrönt und ich bin mir garnicht mal sicher ob er noch existiert) ist hier eher eine Art Flohmarkt mit Kinderbespaßung und Showprogramm der freiwilligen Feuerwehr und auch die Militärkadetten scheinen keinerlei Probleme damit zu haben, in voller Uniform in der Pizzeria ihre Weihnachtsfeier abzuhalten (Kunststück, die Uniform sieht einfach um einiges besser aus, als das Zeug, was unsere armen Bundeswehrler tragen müssen…).

Und ja, ich geb’s zu: Auch wenn es manchem Tierfreund jetzt in der Seele weh tut: man hüllt sich in Pelz, viel Pelz. Zumindest die Einheimischen, und die, die sich’s leisten können. Und man tut es nicht nur, weil das nun so schick wäre (na ja, schon auch, so ein Zobel beim Mandarinenkauf ist einfach ein Hingucker, so oder so…) sondern weil bei der feuchten Kälte hier einfach nichts anderes funktioniert, Aktivkleidung, Thermounterwäsche, Cashmirschal, Kunstpelz, Wärmepflaster, Daunenmantel…vergesst es, das hilft allenfalls zusätzlich. Vor allem, wenn man längere mit den Schiffen übers offene Wasser fährt gibt es zu Waschbär, Polarfuchs und Co einfach keine Alternative (wer’s nicht glaubt, soll einfach mal bei schnuckeligen 10 Grad plus vorne in ein Vaporetto sitzen (außen natürlich!) und den Canal Grande entlangschippern (Ich rede hier garnicht erst von den offenen Wasserflächen und den Tagen, wenn die Bora einen halben Meter Schnee bringt und einem die Gischt an den Bart gefriert…)…

Genug davon…

Eigentlich wollt ich Euch ja vom Babbo Natale erzählen…An einem Tag kurz vor Weihnachten (ich muss jedes Mal nachfragen…) kommt der nämlich persönlich nach Venedig. Eigentlich gab’s ihn bis vor Kurzem hier genauso wenig, wie bei uns, und ich habe immer noch die große Peggy Guggenheim im Verdacht ihn höchstpersönlich hierher eingeladen zu haben. Und sie hat sehr gut daran getan! Anders als in anderen Städten, wo der Babbo Natale wirklich nur wie ein müder Abklatsch des Coca-Cola Emblems wirkt, haben die Venezianer sich nämlich etwas ganz besonderes für „ihren“ Weihnachtsmann überlegt.

Der Babbo kommt hier  nicht mit Rentieren und Schlitten – würde auch garnicht funktionieren –  sondern mit einer prunkvollen, extra für ihn erbauten, rot goldenen Weihnachtsgondel, die mich immer ein klein wenig an das leider von Napoleon zerstörte Buccintoro erinnert. Und er kommt nicht allein…alles was schwimmen kann oder Ruder hat ist dabei und so zieht hier jedes Jahr kurz vor Weihnachten eine komplette Regatta von Gondeln, Ruderbooten (ich denke mal es sind Sandolos und Puparins…sicher bin ich mir da aber nicht, und bevor ich mich jetzt in die Nesseln setz, sage ich einfach Ruderboote) und Weihnachts-Schwimmern durch die Kanäle, alle natürlich im Weihnachtsmannkostüm!

Das Beste: Die Venzianischen Schulkinder der 3. und 4. Klassen dürfen an diesem Tag einmal in ihrem Leben umsonst Gondel fahren! (denn wer hat schon einen echten Gondoliere als Pappa (weibliche gibt’s so gut wie nicht)?).

Und da fahren sie nun an den Palazzi des Canal Grande entlang, die hunderten Nikoläuse und Niccolettas auf ihren Gondeln, Ruderbooten und sonstigen schwimmenden Untersätzen, mit lautem oh, und ah, und sehr viel (E)viva il Babbo Natale! – und das Allerbeste: Es gibt schon jetzt Geschenke…nicht erst am 6. Januar!

Buone feste da Venexia!

PS: Den besten Vin Brulé gibt’s gerade an einem Stand an der (wärmebedingt nicht aktiven) Eisbahn auf dem Campo San Polo. Sucht einfach den mit dem Handgeschriebenen Schild auf dem Steht, dass der Glühwein mit Chianti gemacht wurde, und gönnt Euch dazu ruhig auch ein Pannino mit Schweinebraten und herrlichem Grillgemüse (gibt’s am gleichen Stand)…nehmt aber genug Kleingeld mit, dadurch dass gerade kaum Geschäft ist, haben die nämlich absolut kein Wechselgeld (eine allgemeine Italienische Krankheit…ich weiß auch nicht immer so genau warum…Museen, Stände, Bars, Geschäfte, niemand kann Wechselgeld rausgeben…furchtbar!).

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