Adventskalener 2014 – 8. Türchen – Von Weinachtsmärkten, Geistesgestörten und Turboschwangerschaften

neigeFrage ich meine amerikanischen, italienischen, spanischen, chilenischen oder norwegischen Gäste, die mir der Wind gelegentlich ins Wohnzimmer trägt danach, was sie am wintertrüben Deutschland am liebsten mögen, dann beginnen ihre Augen zu leuchten und sie antworten mir: Die vielen, vielen Weihnachtsmärkte natürlich! Vermutlich könnte es für sie das ganze Jahr Advent sein, und die Welt ausschließlich aus Glühweinständen, Würstelbuden und Dekoständen mit Christbaumkugeln und Krippenfiguren bestehen…

Ich selbst habe zu diesen „kleinen Dörfern aus Tuch und Holz“ ein etwas ambivalenteres Verhältnis…nicht das ich es gelegentlich nicht schätzen würde bei Eis und Schneeregen einen gepflegten Eierpunsch oder eine Kaminwurzen zu mir zu nehmen, nicht dass ich als Kind nicht auch vor der Krippe mit den Schafen und Eseln gestanden wäre und ungeduldig darauf gewartet hätte, bis das Christkind endlich verkünden würde, dass es jetzt wieder Weihnachten werden würde, nicht dass ich Märchenzelt, Zwergenbahn und dem herrlichen Stand mit den Steiff-Tieren die sich zu weihnachtlicher Musik hin und herbewegten nicht bis heute einen ganz besonderen Platz in meinem vorweihnachtlich erweiterten Herzen einräumen würde…

Leider geht diese von gewieften Werbestrategen, Marktbeschicktern und Tourismusmanagern kreierte Weihnachtsseligkeit nicht nur bei mir auf…und genau darin liegt das Problem. Ich hasse es schlichtweg mich mit gefühlt 300.000 weiteren Weihnachtsseligen durch die engen Gassen schieben zu lassen, vor lauter Menschen kaum mehr einen Blick auf die Auslagen werfen zu können und dann auch noch von Bessoffenen und anderweitig Geistesgestörten (am schlimmsten sind die „Spätgeschenkeinkäufer“, die spätestens ab dem 15. Dezember keinerlei Hemmungen mehr zu kennen scheinen und einen mitsamt Kind und Kegel auf der verzweifelten Suche nach „dem“ ultimativ einmaligen und ganz besonderen Geschenk einfach umrennen).

Nicht, dass ich diese Aversion nur an Weihnachten oder speziell an Weihnachtsmärkten hätte…ich kann es einfach auf den Tod nicht ausstehen, wenn Menschen mir ohne ausdrückliche vorherige Aufforderung näher als 50 cm kommen…Komfortzone nennt sich das wohl und ist zugegeben eines jener exotisch-westlichen Luxusprobleme, die uns unsere Urinstinkte inmitten einer überbevölkerten Welt globalisierter Egomanen gelegentlich spielen.

Trotzdem „gönne“ ich mir jedes Jahr auf’s Neue das „Gwörch“ (fränk. für hdt.: Gewürge/Gedränge). Ihr sehr also, ich muss sie sehr lieben, die Weihnachtsmärkte und Spätshopper, die Glühweinsäufer und Rauschgoldengel, die Schafe und die Esel, die Steiff-Stofftiere und auch die Zwergenbahn in die ich leider nicht mehr reinpasse…

Einen schönes Hochfest der unbefleckten Empfängnis Mariens Euch allen, und wenn ihr jetzt auch etwas Mühe mit der Geschichte mit der Unbefleckten Empfängnis, dem Heiligen Heist und der Turboschwangerschaft Mariens (3 Wochen!) habt, empfehl ich ganz dringend einen Besuch auf dem nächsten Weihnachtsmarkt: Glühwein und Eierpunsch helfen, immer!

 

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