Adventskalender 2014 – 5. Türchen – Warum in meiner Krippe Affen, Schildkröten und ein wilder Eber hausen…

Peruanische Weihnachtskrippe

Peruanische Weihnachtskrippe

Wisst ihr noch, wie es damals am heiligen Abend war, als man mit vier oder fünf Jahren noch an das Christkind und/oder den Weihnachtsmann glaubte und es garnicht erwarten konnte bis endlich ein kleines Glöcklein erklang und man in das Zimmer mit dem Chrisbaum und der Krippe durfte?
Eigendlich hatten sich meine Eltern ausgedacht, dass wir Kinder in der Woche vor Weihnachten überhaupt nicht ins Wohnzimmer sollten, weil dort angeblich das Christkind dabei war den Weihnachtsbaum zu schmücken und – viel wichtiger – unsere Geschenke einzupacken, und wenn wir es dabei stören würden, würde es nichts geben…well so ganz geglaubt haben ich und mein Bruder das glaube ich damals schon nicht, schließlich waren wir nicht auf den Kopf gefallen (na ja, mein Bruder manchmal schon, aber das ist eine andere Geschichte und hat viel mit Obstbäumen und Skifahren ohne wirklich Bremsen zu können zu tun) und konnten uns halbwegs ausrechnen, dass der Christbaum vom Chrisbaumverkauf und die vielen Bunden Geschenke vom Weihnachtsmarkt nicht von irgendwelchen Engeln auf die Autodächer geschnallt und in den Kofferaum gelegt wurden und nach Hause gefahren wurden…

Trotzdem trotteten wir bis weit in die Grundschulzeit hinein jedes Jahr brav hinter meinen Großeltern in den damals noch tief verschneiten Wald und positionierten unsere Wunschzettel ans Christkind in einem Vogelhäuschen, dass rein zufällig nur wenige dutzend Meter vom Waldrand entfernt über der Lieblingsbank meines Großvaters hing.

Nebenbei gesagt war mein Großvater – wie übrigens auch unsere Kindergartentanten und Grundschullehrerinnen – nicht ganz unschuldig, dass wir schon ziemlich früh nicht mehr so ganz an die Geschichte mit dem Christkind und dem Weihnachtsmann glaubten*.

Grund dafür war, dass alle eine ausgeprägte Vorliebe dafür teilten, irgendwelche kleineren oder größeren Krippen zu basteln. Erst aus Papier und mit Fingerfarben, dann durften wir unsere ersten Tonkrippenfiguren kneten (das meine ich jetzt ganz wortwörtlich) und als diese dann fertig gebrannt und bemalt waren brauchten die natürlich auch eine echt schwäbische Krippe mit Stall und allem sonstigen Bremborium (das ist vermutlich der Grund, weshalb zwar Maria und Josef mitsamt dem Jesuskindlein und einem Schaf heute hart gebrannt sind, Ochs und Esel, der Hirte, die restlichen Schafe, ein Hund und vor allem die heiligen Drei Könige aber nicht – was heißt, dass diese im Laufe der Jahre x-mal geklebt werden mussten).

Wirklich ins Grübeln gebracht hat uns aber die Mammutaufgabe des Krippenbaus, derer sich selbstverständlich mein Großvater mitsamt seiner ziemlich Umfangreichen Werkstatt im Ölkeller annahm. Eigentlich durften wir da ja nicht rein…wegen der Explosionsgefahr…und wer uns zwei Racker kannte, der weiß dass wir durchaus auch auf die Idee hätten kommen können versuchsweise auszuprobieren ob man den Öltank nicht mit der Bohrmaschine, der Flex, oder dem Stemmeisen aufbekommt…Well, ich und mein Bruder leben noch, ich nehme also an, dass wir das nicht wirklich ernsthaft ausprobiert haben…

Kurz, es wurde geschnitzt, genagelt, geschraubt, kleine Schuppen von Fichtenzapfen als Dachziegel aufgeklebt und gemalt…Und tatsächlich wurde das Meisterwerk, wenn auch erst zwei Jahre später,  tatsächlich vollendet – Inklusive Riesenbatterie und winziger Laterne mit noch winzigeren Birnchen. Dass das Ganze ein wenig zu klein für die Tonfiguren ausgefallen ist, liegt ganz bestimmt nicht drann, dass sich mein Großvater eventuell vermessen hat…das war eindeutig das Christkind, das, weil mein Bruder und ich immer ins Weihnachtszimmer geschlichen sind und die dort aufbewahrten Weihnachtsbrötchen gegessen haben, zur Strafe unsere Krippe geschrumpft hat!.

Ja, und da steht sie nun, neben unseren 5 anderen Krippen (inzwischen haben wir glaub noch mehr, wenn man die in divesen  Streichholzschachteln, Kürbissen, Glaskugeln etc. mitzählt…)…Ich werd sie auch dieses Jahr wieder bei meinen Eltern aufbauen, vorrausgesetzt es findet sich noch ein Plätzchen…

Jahre später – ich hatte gerade zu studieren begonnen – habe ich dann zufälligerweise ein Gespräch zweier Verkäuferinnen im Dritte Welt Laden (der hieß damals wirklich noch so) angehört. Sie hatten ein garnicht so kleines Problem: Irgendeine ihrer gutmeinenden Kolleginnen hatte nämlich eine das gesamte linke Schaufenster ausfüllende Peruanische Krippenszene aus ca. 30 cm hohen Tonfiguren zum weiterverkauf erstanden…und die blockierte jetzt schon seit über 4 Jahren zu jedem Weihnachtsfest das Schaufenster, weil sie niemand kaufen wollte. Die Krippe hatte nämlich zwei Probleme: a) war sie fürchterlich teuer und b) sah sie einfach überhaupt nicht so aus, wie ein normaler oberfränkischer Käufer sich eine Krippe vorstellt. Es gab zwar einen Engel, aber der fasste sich an die Brüste, Maria und Josef und ein Esel waren mit Müh und Not auch noch irgendwie am Hirtenstab den Zöpfen und den Langen Ohren zu erkennen, aber der Rest? Irgendwie waren die Heiligen Drei Könige und Hirten zu kleinen Inkas mutiert, die Fische, Chilischoten, Bananen, Schildkröten und sogar Affen anschleppten. Am schlimmsten aber war, dass der Ochse, dieses vertraute dummtreue Tier aus der oberammergauer Hirtenidylle aus unerfindlichen Gründen zu einem fetten, grimmig dreinblickenden Eber mit riesigen Stoßzähnen mutiert war. Das mag ja in Peru so üblich sein, aber unter dem eigenen Christbaum wollte das ganz offensichtlich kein Bamberger haben…

…und so stand sie nun da, die peruanische Monsterkrippe, und stand, und stand und stand…Nach der Lautstärke ihres Gesprächs war es den Verkäuferinnen im Jahr als ich zu studieren anfing offensichtlich endgültig zu bunt geworden und sie beschlossen, während ich nach biologischdynamischsozialgerechter Schokolade suchte, dass Ding loszuwerden – egal zu welchem Preis!

Als Schwabe mit einem ausgesprochenen Faible für kuriose Krippendarstellungen habe ich mir das natürlich nicht zweimal sagen lassen – und ganz beiläufig gemeint, dass ich sie – aus reiner Herzensgüte – für einen Fünfziger von dem Ding erlösen würde…Das war ungefähr ein fünftel dessen, was die Krippe eigentlich kosten sollte und ehrlichgesagt nicht ganz ernst gemeint.

Und dann geschah das Wunder: Offensichtlich hatten die Verkäuferinnen nicht damit gerechnet die Krippe des Schreckens – wie sie in Bamberger Gutmenschenkreisen inzwischen hieß – jemals wieder loszuwerden, schon garnicht für Geld…und sie fingen an zu jauchzen und zu jubilieren, mich als ihren Retter zu preisen und eine Geschäftigkeit zu entwickeln, wie sie selbst die Himmlischen Heerscharen beim großen Gloria in excelsis nicht entwickelt haben…Da wurde eingepackt und verstaut, nach Bananenkisten gesucht und ganz schnell die Kasse aufgeschlossen und kassiert, bevor der Verrückte der sich ernsthaft eine Peruanische Horrorkrippe unter den Christbaum stellen wollte es sich doch noch im letzten Augenblick anders überlegt hat…Ja ich krigte meine Tafel Schokolade sogar noch umsonst obendrauf und eine Gratisprobe Apfelsinen aus Equador gabs auch noch obendrauf!

Uns so stehen sie nun seit Jahren bei mir, die wackeren kleinen Peruaner mit ihren Affen, Schildkröten, Fischen, Chilischoten, dem Monsterschwein und dem sich vor lauter weihnachtlicher Wonne an die Brüste greifenden Engel.

Ich mag sie – und manche Gäste sind, nachdem sie sich nach dem ersten Schreck wieder eingekriegt haben, sogar ein bisschen neidisch, dass ich eine so ungewöhnliche, große und teure Krippe mein Eigen nenne…

 

*Wir haben aber trotzdem mitgespielt, schließlich machte das unseren Eltern einen Heidenspaß uns angeblich an der Nase herumzuführen – und warum soll man den den Erwachsenen als Kind nicht auch mal gönnen.

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