Der Ball ist rund und muss ins Eckige…

der Ball ist rundDa sitzen sie wieder, die wohlbeleibten Männer (und Frauen!) mit deutschlandfarben gestyltem Fokuhila und den obligatorischen Tennissocken zu braunen Salamandersandaletten essen Pressack und fachsimpeln schon zwei Tage vor der Direktübertragung über die spielerischen Finessen des angetäuschten Abseits und der „gegnergerechten“ Schwalbe, aber sie sind ein Auslaufmodell.
Der „echte Fußbalfan“ von Heute sitzt nicht mehr in der Eckbar, er geht noch nicht mal zum Public Viewing oder hortet- für alle Fälle- unterschiedlichste Nationalflaggen für den obligatorischen Autocorso danach.
Nein, der moderne Fan ist mindestens komplettdigitalisiert, studiert Spieler wie Spielstrategien im Netz, voted online und sitzt inklusive perfekt abgestimmtem Stereosurroundsoundsystem mit maximal 1 Bekannten auf einsamen Parkbänken, Brückengeländern und Cafeehauststühlen (von Thonet) und schreit in rhythmischen Abständen – zur allgemeinen Freude der aussterbenden Spezies  nichtdurchdigitalisierter Individuen – voller Begeisterung auf sein Smartphone oder den Tablett-PC ein.
Sicher, irgendwann erwischt auch mich garantiert noch der Fußbahlwahnsinn aber so ganz versteh ich nicht, was so toll daran sein soll, sich schwitzend mit hunderten anderen in praller Sonne stundenlang vor eine Leinwand zu hocken und darauf zu warten das 22 narzistische Spornosexuelle auf einen Ball eintreten…Ja, ja, jetzt kommt wieder der Satz ich sei noch immer im 19. Jahrhundert steckengeblieben und hätte mich nie von der „Fußlümmelei-Ideologie“ unseres guten Kaiser Willhelms (zwo, wenn ich nicht irre) distanziert. Ne, nicht wirklich, ich weiß nur nicht, warum ich für etwas Eintritt zahlen soll, bei dem ich genau weiß, dass ich am Ende heißer und taub bin und dazu noch einen Hitzschlag samt Sonnenbrand habe, von dem leicht schlechten Gewissen, dass mir die nationalistisch-dekadente Freude an einem geglückten deutschen „Gegenschlag“ angesichts der brassilianischen Favela Realität(en) auf den Mozarella-mit-Tomate-gefüllten Magen schlagen könnte

Vielleicht geht es ja mehr Leuten wie mir und vielleicht ist das ja der wahre Grund für den neuen Trend des „Smartphone-viewings“ – diskret, überall, auf Flat, im Schatten und- sofern man die Twitter- und Facebookoption abschaltet auch ohne jegliche Gefahr politisch korrektweisender Gutmenschen! Wenn das mal keine Argumente für die Komplettdigitalisierung des everyday fan life sind…nur etwas einsam, so ganz ohne Körperkontakt, Vuvuzela im Ohr und Bratwürstchenfett unter der Gürtellinie.

Euch allen eine schöne WM, hoffentlich ohne Sonnenstich und Trommelfellriss 😉

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