Montage im April

April_crNein, ich gehöre wohl nicht zu den braungebrannten Halbgöttern, die mir pünktlich zum Frühlingsanfang in Bademoden von Plakatwänden ihr Bleechinglächeln entgegenschleudern. Montagmorgende sind nicht cool, sie sind schäbig, abgewetzt und stressig. Nächtliche Hahnenschreie um 2:45 machen das nicht besser, Wetter mit Hagel und Sturm auch nicht.

Trotzdem stakse sich mit meinem – selbstverständlich nur waagerecht und zu Fuß zu transportierenden – streikenden Farb-Drucker unterm Arm durch aprilliche Graupelschauer und Windböen durch die Stadt. Angesichts der mit abgefallenen Kirschblüten bedeckten Steine des Kopfsteinpflasters erweißt sich der Tausch der winterlichen Gummisolen gegen glitschig-sommerliche aus Leder als verfrüht. Mein persönliches Hanami. Ich lächle zum ersten mal an diesem Tag – würde ich in diesem Moment einen Glückskeks in die Finger bekommen und würde dieser ausnahmseise wahr wahrsagen, auf seinem Zettelinhalt stünde: unerschütterlicher Berufsoptimist.

Ich stelze weiter mit Drucker, Patronen und glitschigen Ledersohlen ins Café mich aufwärmen. Beim zurückschlagen der Winterportière empfinde ich ungewohnte Solidarität für weibliche Wesen mit drei dutzend Einkaufstüten und auf zu hohen Stöckelschuhen.

Ich bestelle, nicke freundlich, versuche zu lächeln. In der druckfrischen Morgenausgabe die Nachrichten von Vorgestern. Der beste Espresso des Stammbarista schmeckt heute nach aufgedunsenen Kernseifenresten. Es ist Montag, es ist kalt, hagelt und stürmt. Ich beginne zu verstehen, warum die Chips der Druckerpatronen heute einfach keine Lust haben, zu Arbeiten…;-)

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