The only true way of drinking espresso ;-)

Isn’t it wonderfull to smell the pure flavour of fresh roasted Espresso made from 100% arabica beans? Add a little carpet from Uzbekistan, and a japanese Art Deco cup, with delicate miniature paintings showing people celebrating the „Hanami“ festival, and you’ll turn a normal everyday action into the perfect postmodern and globalized springtime event!

Bild

 

Advertisements

Früh-Jahr alias Spring!

Buschwindrößchen!

Buschwindrößchen!

Spatzen, die trotz türkischem Twitterverbot ihr Zwitschern zwecks Paaranbindung unbeeindruckt fortsetzen; Krähende Hähne, die schon morgends um 4 mutig der städtischen Ruhezeitenverordnung trotzen;  Jubilierende Amseln, deren Haupt-Lebenszweck die totalderbleckung des Nachbarskaters zu sein scheint…

Es ist Frühling, zarte Buschwindrößchenblüten schwanken heiter im Wind, klebrige Phallusknospen lauern an Kastanienbäumen und auf dem dreibeinigen Cafeehaustischchen steht passend zur Annektion der Krim die erste Russenhalbe!

Wären da nicht fleißige Nachbarn, die beim ersten Sonnenstrahl zum fröhlichen Frühlingssynchronsägen blasen, die dunkel dräuende Gefahr einer Schlechtwetterfront aus Nord-Nord-West würde mich nur perifer in meinen Überlegungen zum wissenschaftlichen Langzeitprojekt tangieren – kurz, es ist Frühjahr und das Leben ist einigermaßen perfekt…
(gerade habe ich über einen Doktoranden gelesen, der seit bald 50 Jahren promoviert, der war „zwischendurch“ aber auch noch Allgemeinmedizinier)

Á propos Medizin: Unsere Frühlingsgefühle werden trotz Mafiasonnenbrille nicht von frischerblühten Veilchenteppichen, sondern vom dazwischen verrottetenden Gras ausgelößt (Methylenschock ;-), fast wie damals beim Orakel von Delphi), aber was solls, Gefühle fragen ohnehin nicht nach dem woher und wohin, was gelegentliche Messaliancen erfolgreich und jedes Jahr auf’s neue bestätigen.

und ich frage mich, ob ich nicht im vorletzten Jahr, den gleichen Stuss zum gleichen Thema fabuliert habe – vermutlich schon, und das ist gut so, denn (frisch erfundene) Traditionen, oder wie es meine akademisch verbildeten amerikanischen Freunde ausdrücken „Roots & Heritage“ (kurz: HR) halten im potmodernen Kontinuum der Zweiten Moderne schließlich Welt & Seele zusammen!

Was wäre aus uns global dislozierten Maybes denn schon ohne das noch aus herrlichen Jungmädelzeiten stammende Eintopfrezept unserer Großmütter geworden? – Erbsen, Kartoffeln, Karotten, Nudeln und Leberkäs – bodenständig deutsch eben! Welches narzistische Wrack (alias Businessperson / Veganischer Gutmensch)  wären wir heute, ohne die weisen Ermahnungen des Grundschulreligionspädagogen, der uns dereinst in weihevollem Ernst schon in der Ersten Klasse darauf hinwies das „Mildtätigkeit der Anfang aller Liederlichkeit sei, und die Armen eh allesamt in die Hölle kämen, weil sie von GOTT verworfen worden seien?“ – gut, der Mann war prädestinativer Pietist (nicht zu verwechseln mit pädophilen Creationisten!), aber ganz unwahr ist die Sache ja nicht, und gelernt haben wir dabei immerhin auch was:

Nicht jede lächelnden Blondine, die nach Einbruch der Dunkelheit in Sanitäteruniform an der Tür um mildtätige Gaben bettelt ist eine angenehme Überraschung! – die heiligen Drei Könige langen vollauf!

Zurück zum Frühjahr! Ich habe Schneckenkorn gestreut und dem Wasserhahnen im Hof einen Messingschlauchanschluss verpasst! Vorbereitung ist alles – schließlich wollen wir das Gartenjahr nicht mit nagender „german angst“ vor Nacktschnecken und unvermittelt abbrechenden Plastikdruckventilen beginnen! Die gleiche „german angst“ trieb mich vermutlich auch dazu, kurz nach Aschermittwoch meinen begrünten Pseudo-Garten-Innenhof in einen handbemaltem plastikostereibewehrtem Frühlingstraum samt Osterbrunnen, Osterstrauch und Osterhecke umzudekorieren – Es wär ja schad drum, das ganze Zeug zu haben und es dann nicht maximalsemantisch-mehrwertschaffend einzusetzen. Ein Frühlingspräventivrundumschlag sozusagen, und außerdem: der Nachbar macht’s auch! – ich mein das Ostereiergehänge. Schneckenkorn braucht er nicht, sie haben Laufenten. Und überhaupt: was kann ich dafür, das Ostern dieses Jahr so spät ausfällt?

Fehlt nur noch der Frühjahrsputz – also der drinnen – nicht der draußen, schließlich haben wir wie jedes ordentliche Haus ‚Kerwoch‘! Vermutlich verschieb ich den aber auf Sommer, irgendwas muss man ja bei 30 Grad im Schatten machen.

Schönes Frühjahr noch,

ALexnikanor

Als New York noch ein Kleines abgelegenes Eiland am anderen Ende der Welt mit Klinkerhäusern im holländischen Stil war…

Beknopte Beschryving der Engelschen en Franschen Bezittingen 1755

Beknopte Beschryving der Engelschen en Franschen Bezittingen 1755

Es sind die seltsamen kleinen Zufälle, die halbvergessenen Dinge und die Neugier, die unser Leben erst lebenswert machen

Einer dieser seltsamen kleinen Zufälle ist mir heute Abend in Form eines kleinen Stapels mit altertümlichen Lettern bedruckten Seiten aus dem 18. Jahrhundert begegnet. Irgendwann mit rostigen Heftklammern in längst verblasstes, vielleicht einmal Blaues Einschlagpapier „gebunden“ hatte ich das in Alt-Niederländisch geschriebene Büchlein vor über 20 Jahren in einem Schaufenster eines Antiquars entdeckt und es weniger wegen seines barock-umständlichen Titels, denn wegen der Verwendung einiger weniger Holzschnittinitialen gekauft.

Erst beim flüchtigen Durchsehen auf dem Heimweg entdeckte ich, welche wahrhaft welthistorische Prätiose ich mir mit der:

Beknopte Beschryving Der Engelsche en Fransche Bezittingen, in het Vaste-Land van Noord America, Dienende tot Verklaaring van de Land-kaart oder dezelce Tytel uitgegeven, Door J. Palairet. Agent van haar H.H.M.M. de Herren Staaten Generaal der Vereenigdte Neederlanden &c. Uit het Fransch Vertaalt Door H. W. Löhner. Te Amsterdam, By R. En J. Ottens, Kaart-Koek-en Konstverkoopers, 1755.“

zugelegt hatte.

Nicht nur, dass bereits der Titel eine wahre Fundgrube für die Sprach- und Kultur-, Wirtschafts-, Politik-, Medien- und Kolonialgeschichte der Niederlande darstellte, und den Beleg lieferte, dass nicht nur wir Deutschen, sondern auch die Niederländer Holland und Holländer als Synonym für das ganze Land und seine Bewohner gebrauch(t)en, nein, in dem schmalen Bändchen von gerade einmal 72 Seiten fand sich beinahe das gesamte Mitte des 18. Jahrhunderts verfügbare Wissen über Landeskunde, Geographie, Wirtschaft, Ressourcen, Politische Zustände und das Alltagsleben in den gerade neu kolonialisierten Französischen und Englischen Kolonien in Nordamerika!

 

Ähnlich wie moderne Spielanleitungen zu Phantasy-Rollenspielen schien das Büchlein eine Art „Anleitung“ für eine virtuelle Reise mittels einer – leider verschollenen – gleichnamigen Landkarte zu sein.

Doch war dies hier „real“, eine Art Zeitreise in eine längst vergangene Epoche. Details aus den Biographien längst vergessener Kapitäne und Gouvaneure, Angaben zu Pelzhandel, Indianerstämmen, Trappern und dem eigentümlichen Gebrauch von Tabak, ließen Bilder vor meinem Inneren Auge tanzen. Wie mochte es Mitte des 18. Jahrhunderts gewesen sein, in einem noch weitgehend „unentdeckten“ Land zu leben? Welche Hoffnungen und Erwartungen hatten die Kolonisten? Was mochten sich die eigentlichen Herren des Landes – die sogenannten „Indianer“ – angesichts der immer neuen Wellen europäischer Einwanderer denken, die ihnen nach und nach immer größere Teile ihres angestammten Landes streitig machten? (Noch gab es ein „Miteinander“ beider Gruppen in den Neuenglischen und Französischen Kolonien). Welches gefühl muss es gewesen sein, tage- und wochenlang durch scheinbar „menschenleeres“ Land zu wandern und niemandem zu begegnen?

Das Bändchen besaß noch eine weitere Besonderheit:

Eine ganz „wörtlich“ genommene Orientierungshilfe und gleichzeitig Beleg der europäischen „Landnahme“, schließlich waren es nicht Indianische Namen, sondern Bezeichnungen wie Nieuw Spanjen, Maryland, Virginien, Carolina, Nieuw Schottland, Bezittingen der Engelschen oder Nieuw Bretanje aus denen der Autor am Anfang der einzelnen Kapitel  versuchte die geographische Gestalt der Nordamerikanischen Landmasse nachzubilden, indem er sie teils quer zur eigentlichen Leserichtung stehend, auf dem Papier anordnete.

Am meisten aber beeindruckte mich eine kurze Beschreibung einer kleinen Provinz an der Ostküste der Neuen Welt.  Da konnte man von einer  Königin Christina und der „Entdeckung“ durch die Schweden  lesen, die das ganze erst einmal Nieuw Sweden tauften bevor es ihnen die Holländer abnahmen in  Nieuw Nederlandt umbenannten und dort ein kleines Städtchen nach holländischem Vorbild namens Nieuw Amsterdam umbenannten.

(…) de Hooftstaad is in een klein eiland, aan de mond van de rivier Hudzon: De Hollanders noemden dezelve Nieuw Amsterdam. (…) Deeze Stad is de aangenaamste van gentsch Engelsch America. De huizen zyn van klinkers en steenen na da Hollandsche manier.

Beknopte Beschryving Der Engelsche en Fransche Bezittingen, 1755, Nieuw York

Beknopte Beschryving Der Engelsche en Fransche Bezittingen, 1755, Nieuw York

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer hätte es im Jahr 1755 auch ahnen können, dass das kleine Städtchen an der Mündung des Hudson einmal zu einer der größten Metropolen der Welt mit dem – von den Briten abermals abgeänderten Namen – N(i)e(u)w York heranwachsen würde?

Ich hatte das Büchlein lange Jahre nicht angesehen. Es hatte einige Umzüge und auch eine Überschwemmung überlebt, welcher große Teile meiner Sammlungen zum Opfer gefallen waren. Jetzt lag es, wenig beachtet seit 6 oder 7 Jahren neben einer Balinesischen Knochenschnitzerei, einigen antiken japanischen Tellern und einem Band über Indonesische Ikat-Stoffe. Wie es dort hingeraten war? In einem Sammlerhaushalt suchen sich Dinge irgendwann von allein ihren Platz…vor allem jene, die in irgendwelchen längst vergessenen Ecken, Schublanden und Kisten ausharren…Manchmal werde ich den Verdacht nicht ganz los, das das der eigentliche Zweck des Sammelns ist. Man umgibt sich solange mit Dingen, das man vergisst, dass man sie eigentlich besitzt und feiert dann alle paar Jubeljahre eine Art triumphale Wiederentdeckung sofern Motten, Schimmel, Staub oder andere Unwägbarkeiten des Schicksals nicht schneller waren. Es ist jener Zustand dekadenten Überflusses an der Grenze zum Massietum, jener Zustand zwischen gerade noch wissen und endgültigem Vergessen, welche den alten, erfahrenen Sammler, der es längst aufgegeben hat, von jedem seiner vielen Schätze genau zu wissen wo er sich befindet, von einem Anfänger der noch brav jedes neue Stück mit dem unverholenen Grinsen eines erfolgreichen Jägers penibel in sein „Inventarbuch“ einträgt unterscheidet.

Doch bei diesem Büchlein verhielt es sich anders. Nicht nur, dass die Beknopte Beschryving in mir vom ersten Tag an dem sie in meinen Besitz gelangt war, die Grille eines „was wäre wenn es keinen Unabhängigkeitskrieg, keine französische Revolution, keine Vereinigten Staaten, keinen Washington und keinen Ersten und Zweiten Weltkrieg gegeben hätte in den Kopf gepflanzt hatte (Die Welt von 1755 war eine Welt, in der das alles noch nicht passiert war!), nein, das Buch ließ mich auch deshalb nie ganz los, weil mir zu seinem wirklichen Verständnis etwas entscheidendes fehlte: Die zugehörige Karte, für die es eigentlich gedacht war, und ohne die das Leserlebnis „unvollständig“ war.

War es eine jener bis ins 19. Jahrhundert hinein üblichen, reich mit Darstellungen von Meeresungeheuern, exotischen Tieren und fernen Kulturen geschmückten Karten, deren schierer Anblick einem die traurige Phantasielosigkeit der aufgeklärten und sich allwissend gebenden Gegenwart schmerzhaft bewusst macht, oder war es doch schon eine jener nüchternen von Längen und Breitengraden zerteilten Darstellung von menschengemachten Grenzen und Besitzstreben? Wie viel würde man sehen, was von dem Vaste-Land van Noord-America war schon bekannt, was noch nicht?

Der Gedanke an die geheimnisvolle Karte ließ mich nicht los und ich machte mich in Bibliotheken, Museen und Antiquaren auf die Suche nach ihr…erfolglos!Wie hoch mochte wohl die ursprüngliche Auflage gewesen sein? Was, wenn nur noch das Buch, nicht aber die Karte die Zeitläufte überstanden hatte? Würde ich jemals den gleichen Blick auf beide Stücke werfen können, wie ein leser des 18. Jahrhunderts? Und war die Karte ebenso detaillreich und innovativ gestaltet wie das kleine zugehörige Büchlein?

Fragen über Fragen die über zwanzig Jahre unbeantwortet blieben.

Irgendwann hatte ich die Suche aufgegeben, das Buch lag als seltsames Kuriosum in einer abgelegenen Ecke einer auch nicht gerade zentralen Vitrine.

Und dann räumte ich mal wieder auf. Nicht viel, eigentlich suchte ich – nachdem ich sie mühsamst mittels eines Pinsels und Wattestäbchen von einer zentimeterdicken Staubschicht befreit hatte – nur einen besseren Platz für eine chinesische Miniaturkommode aus Stroh, die gleichzeitig als höchst ungewöhnliches Schmuckkästchen gedacht war (aber diese Funktion nie wirklich übernommen hatte). Da in der Vitrine noch Platz war, kam sie neben dem Büchlein zu stehen, und ich hätte eigentlich nicht mehr daran gedacht, wenn ich nicht zufälligerweise den Pinsel daneben hätte liegenlassen. Den brauchte ich heut – und siehe da – anstatt die Fehlstelle des Wandanstrichs auszubessern hatte ich plötzlich die Beknopte Beschriyving in der Hand und stellte mir promt wieder die Frage nach der verschollenen Karte…

Heute besucht man in diesen Fragen nicht mehr irgendwelche Bibliotheken, Messen oder staubige Buchläden…nein, man befragt das Internet! uns siehe da, nach gerade mal 60 Sekunden fand ich das Gesuchte im Digitalen Archiv der Library of Congress. Die Nachkommen jener Nieuw Amsterdamer hatten sie für mich gesammelt und aufbewahrt!

Da lag sie nun. Auf den Ersten Blick war ich enttäuscht. Keine Seemonster, keine wilden Indianer, nicht einmal ein Wappen oder ein Schiff. Doch bei genauerem hinsehen entfaltete das dichtbeschriebene bunte Stück virtuellen Papiers einen eigentümlichen Sog. Da lagen sie wie an einer Perlenschnur aufgereit, die so lebendig beschriebenen Orte und Städte, Flüsse und Seen, Berge, Wälder und Küsten des kleinen Buches. Und es gab noch viel mehr. Namen, die heute kein Mensch mehr kennt, die Bezeichnungen stolzer Indianer-Stämmen, die heute längst aus ihrer Heimat vertrieben oder ganz ausgerottet worden sind, Grenzen und Farben die längst jede Bedeutung verloren haben. Auch gab der Zusatzt

Uit Het Fransch Vertaalt

auf dem Frontspitz plötzlich Sinn, vielleicht hatte es ja neben dem holländischen auch ein französischens Büchlein gegeben? Die Karte jedenfalls war zweisprachig, oder fehlte bei mir einfach die französische Übersetzung, oder wurde sie vielleicht nie gedruckt? Die Library of Congress schien auch nur das zugehörige  holländische Büchlein zu besitzen.

Und da war noch was: Obwohl die Karte sonst erstaunlich genau war,  Bermudas waren viel zu klein und lagen viel zu weit nord-östlich, New Orleans und St. Luis waren Grenzstädte zwischen Frankreich und Großbritannien, und von den Weiten Louisianas (also jenen Gebieten die westlich des Mississippi lagen, waren lediglich die Küsten und die größeren Flüsse und Seen bekannt.

Was wäre wenn…das Kino im Kopf hatte mich wieder.