Herbst!

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Beim Bäcker haben Stollen und Weihnachtsgebäck ihr glanzvolles Debut. Auch auf dem Wühltisch neben der Supermarktkasse blinzeln erste Schokoladenweihnachtsmänner noch schüchtern zwischen übriggebliebenen Halloweenkostümen hervor. Die Bockbieranstiche sind für’s erste (fast und Gott sei Dank!) geschafft.  Statt rauchigem Malz schwängert der Duft der ersten gerösteten Maronen die Innenstadt. Im Domgrund lauern die letzten raschelnden Blätter und schieben sich sanft unter Schuhsohlen.  Die ersten Latte Macchiato Mütter unterbrechen ihre Bestellung von Glühwein und Lebkuchenschokolade für einen entsetzten Blick auf den fashiongeschädigten Nachwuchs der sich endlich und hemmungslos im Laubhaufen suhlt. Als sei auf irgendeiner fernen Autobahn ein unerklärlicher Rückstau rostroter Reisebusse entstanden, scheint sich selbst der sonst nie enden wollende Touristenstrom auf der Oberen Brücke etwas auszudünnen. Bamberg im Herbst kann melancholisch sein. Gerade war es noch Sommer und die Stadt barst schier vor biergetränkter Lebenslust. Jetzt atmet sie aus, wird brüchig wie alter Brokat und zieht sich bei Schmalzbrot, Zwiebelkuchen und jungem Wein in sich selbst zurück. Nicht mehr lange und die träge auf dem Ludwigskanal schwimmenden Ahornblätter werden mit funkelnden Pfannkuchen aus Eis ihren Platz tauschen. Noch ein letzter Café im Freien…dann können’s von mir aus die Buden für den Christkindlesmarkt aufstell’n.

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