Reise nach Kythera 6 – Aphorismen zu Kytheranischen Straßen

Weg zu Sehenswürdigkeit…für Autos geeignet!

Wie versprochen heute die nicht ganz ernstgemeinten Aphorismen zu Kytheranischen Straßen….und ja, liebe Kyhteraner, ich liebe und genieße Eure Insel gerade in vollen Zügen, gerade wegen des morgendlichen Stromausfalls, dem Zwang zur Langsamkeit und der „Nicht-Perfektheit“! Giassas!

Kytheranische Straßen-Aphorismen:

Zur Einstimmung:

Aus einer kürzlich mitverfolgten Unterhaltung zwischen einem mehr als augenscheinlich amüsierten Einheimischen (er konnte sehr gut Englisch!) und einer aufgebrachten holländischen Touristin (ihr Englisch war stark verbesserungsbedürftig, ihr Griechisch war aber noch schlechter!), die gerade mit ihrem gemieteten SUV auf der „Hauptstraße“ zwischen Fratsia und Mitata  an einer Trockensteinmauer „hängengeblieben“ war:

„Aber hier kann man ja gar nicht mit dem JEEP fahren“

„Ja, aber das ist trotzdem die HAUPTSTRAßE!“

„Aber sie hat Schlaglöcher, und die Hälfte ist weg…“

„Es ist die HAUPTSTRAßE!“

„Aber sie ist nur 1,70 breit…“

„Ist sie asphaltiert?“

„Ja…“

„Dann ist es die HAUPTSTRAßE!“

„Aber mein Auto passt hier nicht durch…“

„Da kann ich auch nichts machen. Es ist die HAUPTSTRAßE“.

Holländische Touristin, inzwischen reichlich entnervt:

„Und wie komme ich jetzt zur Autowerkstatt?“

Einheimischer kratzt sich am Kopf, fasst sich ans Kinn und antwortet dann (mit einem wunderbar vielsagenden Lächeln):

„Garnicht…“

Verkehrsuntertricht auf Kyhteranisch:

–          Die Bremse ist das wichtigste Bauteil an einem Auto, Licht ist hingegen entbehrlich. Grund: Kein normaler Mensch fährt hier freiwillig nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Auto! (außer er MUSS zur Nachtfähre nach Diakofti oder kommt von dort…).

–          Sie haben die absolut freie Wahl, entweder nehmen Sie die schlechte Straße, oder die noch schlechtere.

–          Man kann nie genug Kurven haben, gerade Straßen bauen nur die Deutschen [= Deutsche sind seltsame Menschen die viel zu schnelle Autos bauen und deshalb gerade Straßen BRAUCHEN (Übersetzung durch Autor)].

–          Solange man irgendwie runter kommt ist es eine Straße und daher ist sie auch auf der Straßenkarte eingezeichnet. Ob man allerdings die gleiche Straße auch wieder rauf kommt ist eine andere Frage und lässt sich nicht mit der Straßenkarte klären.

–          Straßen sind nicht dafür da, das das Auto ganz bleibt, wenn man auf ihnen fährt!

–          Ziegen, Felsbrocken und mitten in der Spitzkehre quergestellte Pickups gehören zur Inselfolklore, Fußgänger und Zisternen auf dem Mittelstreifen ebenfalls!

–          Eine Schlucht zur Linken, eine Felswand zur Rechten, 25% Steigung und fünf Spitzkehren im maximalminimalen Abstand sind besser als jedes Radargerät!

–          Es fallen nur ganz wenige runter, raufgefallen ist sogar noch gar keiner.

–          Ein Hügel ist KEIN Verkehrshindernis, Hühner schon!

–          Verkehrsschilder und Leitplanken sind optional aber (meist) hilfreich!

–          Im Zweifelsfall ist den Wanderhinweisen zu folgen. Sie sind präziser als die offiziellen Straßenschilder.

–          Liegende Straßenschilder gelten trotzdem…meistens.

–          Bilinguale oder Straßenschilder mit lateinischen Buchstaben können, müssen aber nicht das gleiche bedeuten wie ihr (manchmal nicht vorhandenes) griechisches Pendant.

–          Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnhinweise sind lediglich für die ganz Dummen (Touristen), normalerweise weiß man hier einfach, dass alles über 20 Stundenkilometern lebensgefährlich ist.

–          Parkplätze sind die potentiell gefährlichsten Orte.

–          Schilder die sich wiedersprechen sind keine Absicht, kommen aber vor.

–          Das potentiell gefährlichste Fahrzeug der Insel ist das Müllauto!

–          Es geht immer irgendwie weiter, zur Not auch mitten durch’s Feld.

–          Wenn es in die eine Richtung ein Schild gibt, heißt das noch lange nicht, dass in der anderen Fahrtrichtung auch eines da ist. Besser man hält kurz an, verschafft sich einen 360° Umblick und merkt sich die Kapelle an der man abbiegen muss. (Vorsicht: Der Name der Kapelle kann trügerisch sein, manche gibt es mehrmals und sie sehen – zumindest für den/die Ungeübte/n – alle gleich aus…).

–          Durchfahrtsverbote gelten maximal vom 15. Juli bis 15 September! (v.a. für Nichtgriechischmächtige wichtig!)

–          Griechische Polizisten müssen martial aussehen!

–          Parkverbote gelten ausschließlich für Nicht-Einheimische! (Gerücht!)

–          Immer wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Weglein her.

–          Oben und unten sind relativ, links und rechts nicht!

–          Ortsnamen können je nach Standpunkt und Herkunft des Herstellers des Straßenschildes wechseln. Es gibt gleiche Orte mit mehreren Namen (insbesondere die Inselhauptsta/ädt(e), aber auch unterschiedliche Orte mit gleichen Namen (s. Aphorismus zum Abbiegen u. den Kapellen!). Es ist besser man hat die ungefähre Richtung im Kopf (im Zweifelsfall hilft ein Kompass, aber nur wenn keine Schlucht im Weg ist!) >>> Daraus folgt: a) Navis sind nutzlos! (Außer für die ungefähre Bestimmung des Längen und Breitengrades!) b) Es hat in erstaunlich vielen Fällen (v.a. bei Kapellen und der Inselhauptstadt) überhaupt keinen Sinn nach einem OrtsNAMEN zu fragen. Man muss eine Ortsbeschreibung geben, oder das jeweilige Wahrzeichen nennen (was bei Kapellen sinnlos ist, die sehen alle ziemlich gleich aus…)

–          Die besten Straßen sind auch die besten Ziegenpfade (meinen jedenfalls die Ziegen!)

–          Folglich: Eine Straße ist IMMER auch ein Ziegenpfad! Ein Ziegenpfad aber nicht immer eine Straße!

–          Ein Schlagloch ist ein Ärgernis, viele Schlaglöcher sind ein Weg!

–          Bei Regen sind tiefer gelegene Straßen zu meiden, höher gelegene auch!

–          Es gibt kein Wetter, nur Staub, Steinschlag oder Matsch.

–          Es gibt immer mindestens 2 Wege!

–          Piraten sind heute nur noch ganz selten auf den Straßen anzutreffen. Touristen häufiger.

–          Wanderwege und Straßen können, müssen aber nicht identisch sein.

–          Trockensteinmauern sind aktive Verkehrsteilnehmer! Sie stehen plötzlich im Weg, Drehen sich um 180° und fallen gelegentlich spontan um!

–         Halten sie IMMER vor einem Dort/Siedlung/Weiler/Kurve an und vergewissern Sie sich vor der Einfahrt, dass Sie auch wieder herauskommen/finden.

–        Die bestaussehendste Aus-/Einfahrt ist nicht immer die offizielle. Frisch geteerte oder gepflasterte Wege ohne eindeutige Straßenmarkierung sind unbedingt zu meiden, da sie meist als Sackgassen ohne Wendemöglichkeit zu Privatanwesen mit bissigem Hund führen!

So, ich glaub ich hab jetzt genug aphorismisiert. Aphrodite ist aus Zypern zurück, und hat Zephyr samt gutes Wetter mitgebracht!

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