Kerwazeit = Krapfenzeit!

Knui- und Fenschdrkieachle, Auszogne, Schmalznudel, Langos, Hut-, Hochzeits- und Kerwakrapfen, Pfannkuchen, evangelische und katholische Kiachle…

Ob herzaft mit Schmand, Käse, Paprika und Knoblauchsauce, süß mit Vanillepudding, Rosinen, Puderzucker und Marillenmarmelade oder einfach pur – Auch wenn sich heute nicht mehr unbedingt am Durchmesser des goldgewandeten Kreises aus Hefeteig ableiten lässt ob die Schöpferin bzw. das dazu notwendige Knie katholisch oder evangelisch war (die breiten nach oben gewölbten sind die katholische, die eher schmalen, nach unten gewölbten die evangelischen) und man selbst im tiefsten Oberfranken statt gutgefetteter Frauenknie (daher der Name: Kniekiachle) ein Krapfenstock der entfernt an die dem indischen Gott Shiva geweihten Phallussymbole erinnert verwendet wird, was wären Kirchweih, Dult, Volksfest, Kerwa, Hochzeit, Taufe und Erntedank ohne die wulstigen Leckereien mit dem zartgoldenen schmelz von echtem Schweineschmalz und dem bibelseitendünnen Innenleben!

Eine fröhliche Kerwazeit und lasst’s Euch schmecken!

 

Und für alle, die noch nicht wissen wie man sie macht:

Man bereite je nach gewünschter Anzahl (1 Kilo Teig reicht ca. für 10-12 Kiachle, bei spaarsamen Schwaben auch für ein paar mehr 😉

einen sehr feinen Hefeteig mit etwas Butter zu, lasse diesen mit einem sauberen Küchentuch zugedeckt, sehr gut an einem warmen Ort ziehen (am besten über Nacht auf dem Kachelofen oder in einer sommerlichen Dachgeschosswohnung). Knete ihn anderntags nochmal kurz durch (nicht zu fest!), trenne ca. faustgroße (bei Männerhänden auch etwas kleiner) Portionen ab, forme diese vorsichtig in mit Schmalz vorgefetteten Händen zu Kugeln und lasse diese nochmals auf einem mit Mehl bestreuten Untergrund ca. 1/2 Stunden gehen.

Währenddessen in einem möglichst großen Küchentopf Schweineschmalz (nur im allerhöchsten Notfall tut’s auch ordinäres Speiseöl, aber der Geschmack ist dann ein absolut anderer!) auf ca. 170-180°C erhitzen (dauert ne ganze Weile, wer kein Thermometer hat, kann versuchsweise ein kleines Teigstück mit der Dicke des Kiachlesrandes in das heiße Fett tun, wenn es nach ca. 1 Minute goldgelb ist und innen nicht noch roh, stimmt die Temperatur)

Das Originalrezept für Knuikieachle sieht am Ende der Ruhezeit das Formen über gut gewaschenen, möglichst enthaarten und mit Schmalz gut eingefetteten Knien vor (ersatzweise genügt auch ein Krapfenstock, allerdings ist das Formen der Kiachle darauf deutlich schwieriger), ganz mutige können auch die Freihandvariante wählen, allerdings benötigt diese einiges an Übung. Ziel ist es, eine möglichst dünne und große Innenfläche mit einem kreisrunden, nicht allzu dicken Rand zu versehen, ohne dass die Kiachle reißen. (wer am Fett spaart hat’s schwerer!).

Die fertig Ausgezogenen Kiachle sofort ins heiße Fett geben und goldgelb ausbacken, dabei mit heißem Fett übergießen und nach ca. 3/4 der Zeit Wenden (die Unterseite braucht immer etwas länger) . Die fertig gebackenen Kiachle kurz auf Küchenkrepp abtropfen lassen und mit Zutaten der Wahl noch warm servieren!

PS: Die ersten Kiachle gehen grundsätzlich daneben! Kein Grund aufzugeben! Und mit etwas Geschick bekommt man ganz schnell auch den Dreh für Hutkrapfen, evangelische und katholische Heraus (den Spaß überlass ich aber Eurem Experimentiertalent!).

 

Hutkrapfen mit Puderzucker

Hutkrapfen mit Puderzucker, Seitenansicht

klassisches /r (halbkatholisches) Knuikiachle, Krapfen, Pfannkuchen, Kerwakrapfen, Langos etc. mit Puderzucker

 

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