Staatsfeiertag, Discobeats und Karneval auf dem Wasser…Kleiner Nachtrag zum Ulmer Schwörmontag 2013G

...Mit Pauken und Trompeten

…Mit Pauken und Trompeten

Bauer und Bäuerin

Bauer und Bäuerin

Gabenspeere

Gabenspeere

Fischerinnen im Festtagsstaat

Fischerinnen im Festtagsstaat

Die Fahne Ulms und des Schwäbischen Reichskreises

Die Fahne Ulms und des Schwäbischen Reichskreises

In Tracht!

In Tracht!

Angetreten zum Menuett!

Angetreten zum Menuett!

Stadtgendarmen

Stadtgendarmen

Im Sonntagsstaat beim Stechen

Im Sonntagsstaat beim Stechen

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Lichterserenade 2013

Ulm_Lichterserenade_2013 (33)

Geschmückt und beflaggt

Geschmückt und beflaggt

Die Lustige Forelle

Die Lustige Forelle

Nein, es hat keinen Sinn einem „Neigschmeckten“ zu erklären, warum die Ulmer jedes Jahr pünktlich kurz vor den großen Ferien ihren „Schwörmontag“ feiern.

Würde man des dennoc versuchen, könnte man ein dickes, abgegriffenes Buch aus dem Schrank herausholen und auf eine kleine, kaum lesbare Zeile in einer aus dem späten 14. Jahrhundert stammenden Urkunde zeigen und dann lang und breit von der ältesten noch „in Vollzug“ befindlichen Verfassung Deutschlands anfangen, dergemäß der hochedel und wohlgebohrene Oberbürgermeister alljährlich schwört gemein zu sein, jedem gegenüber und ohne allen Unterschied und in den gleichen, redlichen und gemeinsamen Dingen. Und weil die Meisten „Reingeschmeckten“ sich heute mit Mittelaltersprech etwas schwer tun, könnte man sie dann am letzten Montag im Juli auf den Weihnhof schleppen wo selbiger Bürgermeister von einem kleinen Balkon aus schwitzenden Bürgern, Großtanten, Neigschmeckten, Zufallstouristen, Gewerkschaftsfunktionären, Orchestermusikern, Gräfinnen und Stadtwachen in Allongeperücken erklärt was in diesem Jahr mit ebendiesen gemeinsamen und redlichen Dingen gemeint war.

Viel helfen würde das alles nicht, schon garnicht, wenn die von all den Zahlen und Projekten, Schwierigkeiten und Erfolgsmedlungen gelangweilten Auswärtigen Besucher neugierig nachfragen warum um alles in der Welt die Ulmer so seltsame Fahnen mit doppelköpfigen Adlern, Menschenfressenden Wölfen und inversen Schweizerkreuzen an ihren Gebäuden aufhängen.

Man könnte nun von „Ur-Ulmern“ (eine inzwischen ziemlich seltene, dafür umso halsstarrigere und renitente Rasse Mensch) reden, die bis heute weder den Frieden von Lunéville noch die illegale Besetzung durch Bayern und schon gar nicht die Anektion der Hälfte IHRES Staatsgebiets durch dahergelaufene Württemberger akzeptiert haben und deshalb immer noch die rotweißen Fahnen des Alten Reiches, den Reichsadler, die Schwarzweißen Farben der Ulmer Reichsstadt-Republik und die Gelbschwarzen des alten Herzogtums Schwaben als dessen stolze Metropole sie sich definieren hissen.

Dummerweise hilft diese Erklärerei ziemlich wenig, weil inzwischen selbst die meisten Ulmer nicht mehr so ganz genau wissen, was da genau abgeht. Es ist wichtig, man macht es schon immer so, und wer zuviel nachfragt holt sich schnell eine blutige Nase…

Und seien wir mal ehrlich, spätestens, wenn sich die verwirrten Besucher, Neigschmeckten und Zugewanderten dann urplötzlich weißgewandeten jungen Männern mit Tournierspeeren, fuchsschwanzgeschmückten Narren, Reifenschwingenden Gesellen, durch die Straßen gleitenden Prunkschiffen, goldbetressten Gendarmes oder einer riesigen Menschenmenge die mit allem was schwimmt auf der Donau eine Art feuchtfröhlichen Sommerkarneval (die Ulmer bevorzugen das Wort „Nabada“ an dessen – selbst für geübteste SWR-Kommentatoren keinesfalls einfacher – korrekt ulmischer Aussprache mit drei unterschiedlichen „a’s“ die jeden Chinesischlehrer stolz machen würden, erkennen sie sofort die reinrassige oder zumindest gut integrierte Abkunft des Gegenübers).

Dass dann auch noch eine junge Prinzessin zu vorgerückter Stunde mittels einer Leiter einen an einer Fassade klebenden Thron besteigt und in Negligée zu „Heil Dir im Siegerkranz“ und Nussecken (oder einem kleinen Song aus der Little Horror Picture Show, oder irgendetwas anderem das ihrer königlichen Hoheit gerade in den Kram passt) eine hochoffizielle Regierungserklärung alias Thronrede verkündet ist dann meist mehr, als der normale eventgestählte „Ausländer“ und „auswärtige jugendliche Komasäufer“ in seinem längst eingetretenen Feiertaumel versteht oder verstehen will…

Dabei wurden sie von ihren treusorgenden Gastgebern noch nichteinmal auf die Gefahren eines Regenwürmerfütternden Griesbadmichels oder den wüste Flüche ausstoßenden Kreddaweber hingewiesen oder über die selbst eingefleischtesten „Räsen“ (die Nachfahren der urulmischten der Urulmer) manchmal rätselhaften Regeln des Fischerstechens aufgeklärt…

Kurz gesagt…es hilft nix, als Fremder muss man entweder mindestens ein 10 jähriges Studium der ethnologisch-brauchtümlichen Insonderheiten der Ulmischen Festkultur hinter sich bringen oder, man muss da einfach durch, auch wenn man es nicht versteht und es vermutlich auch nie so ganz verstehen wird, warum sich tausende von Bürgern bei brütender Sommerhitze eineinhalbstunden lang Statistiken und Jubiläumsnachrichten anhören und bei den Worten: „Der Haushalt ist in Ordnung“ in wahre Begeisterungsrufe ausbrechen.

Es muss schon etwas sehr besonderes sein, die Verbindung der Ulmer mit ihrer uralten Republik.

Und wenn wir es dann ohne Tote und neuerlichem Grenzkrieg mit Bayern durch die wüsten Drohungen und kurzfristigen Straßensperrungen der sperrstundenbedrohten Wirte, die Sauforgien der Biberacher Nicht-mehr-Kirchweihhunfern, die grölenden Laupheimer Ochsen, schwankenden Ehinger Baule, taumelnden Blaubeurer Blaumännle, bierseligen Leipheimer Saufköpf, verirrten Blausteiner Jungesellen, spritzigen Heidenheimer Moschtdätz, hummelfrohen Dornstädter Obschwiesábronzr, grinsenden Wiblinger Gôga, nicht mehr ganz taufrischen Günzburger Leicháfleddr’r, alternden Cocktailbräute vom Safranberg und junggebliebenen coolen Caipirinha-Jungs aus der Weststadt geschafft haben, wenn wir nicht in der Straßenbahn von halbnackten Nabadern samt Gummiboot und Schwimmflügeln erdrückt wurden, wir nicht an einem echt ungarischen Langos erstickt sind und der völlig entnervte Busfahrer vor lauter Feiertagsfrust nicht beschlossen hat, heute Nacht einfach mal nicht an unserer Haltestelle zu halten, sondern stattdessen gleich wegen Überfüllung ins Busdepot zu fahren….dann, aber nur dann war es wieder das schönste, beste größte, tollste, wunderbarste und herrlichste Fest des Jahres und wir können „richtig abgschafft“ und mit wundgelaufenen Füßen (hatte ich schon erwähnt, dass das ganze auch was von einer Pilgerfahrt hat, bei der man 3-4 Tage lang ständig zwischen irgendwas hin und her rennen muss) sagen, dass wir uns schon jetzt mit einem „Ulmer Spatzá Wasserratzá“ auf’s nächste Mal freuen! Schön war’s!

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Integration

Lindenblüten im Fackelschein, Margeritenkugeln an Zitronenjus,

unter crèmefarbenen Baldachinen: die dörfliche Gentry.

Über dem Sportplatz grillen die Türken,

man sitzt erhöht, degustiert Wein und betrachtet die Spiele.