Von renitenten RamsauerianerInnen und anderen gesetzes(un-)treuen Bürgern.

„Sie sind wohl farbenblind!“

Wer kennt ihn nicht, den Ausruf wenig hilfreicher Mitmenschen meist fortgeschrittenen Altes, wenn man als Fahradfahrer gesetzeskonform (?) die rote Fußgängerampel (die ohne Fahradsymbol, und ohne dass eine andere Fahradampel daneben existiert) ignoriert und sich nach der grünen Fahrbahnampel (der großen runden für die Autos ;-)) richtet?

Aber haben wir nicht alle schon als Grundschulkinder im Verkehrssicherheitsunterricht gelernt, dass für Fahradfaher die Fußgängerampel gilt?

Richtig…aber seit dem 1.9.2012 stimmt das nicht mehr, alles ist anders, oder doch nicht?

Hm…

Wie so häufig im realen Leben kann man die Sache dank des gut-deutschen Überregelungswahns so und so sehen…

Fakt 1:

Mit Inkrafttreten der 46. Novellierung der Straßenverkehrsordnung am 1.9.2012 ist eine komplette Neuordnung  der Verkehrszeichengültigkeit für Radfahrer gültig geworden, derzufolge reine Fußgängerampeln (also jene ohne Fahradsymbol, oder einer 2. „Fahrradampel“ daneben) keine Gültigkeit mehr für Fahradfahrer haben, sondern die Signalfarbe der Ferkehrsampel (also der großen runden für Autos…;-)) gilt, und das egal ob ich auf der Fahrbahn oder einem wie auch immer gekennzeichneten Radweg (Es gibt eine Fahrradfurt und einen Fahrradweg, und einen gemeinsamen Fahrad- und Fußweg ,die Unterschiede sind aber dank der unterschiedlichen und alles andere als stringenten Markierungspraxis von Radwegen selbst für Fachleute manchmal äußerst schwierig zu erkennen…) radle…

Kurz, reine Fußgängerampeln haben mich als Radfahrer jenseits des Gebots zur gegenseitigen Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer nicht mehr zu interessieren

Doch langsam…Es gibt da noch Fakt 2.:

Dank eines kleinen Teufels namens „Zitierfehler“ ist Bundesverkehrsminister Ramsauer der Meinung es gelte bis zu einer etwaigen für 2015 angestrebten Neufassung der 46. Novellierung der STVO, nicht die 46. sondern  nach wie vor die alte 45. Novellierung, die vorschreibt dass reine Fußgängerampeln auch für Radfahrer gelten..Das Bundesjustitzministerium ist aber der Meinung, dass die 46. Novellierung rechtens ist und demnach seit 1.9.2012 auch gilt.

Und was sage ich jetzt der echauffierten Mitsechzigerin, die zwischen Austraße und Unterer Brücke (die ist übrigens KEINE Fußgängerzone!) anhält und einen lautstark auffordert dasselbe zu tun? Oder dem dabeistehenden Verkehrspolizisten in Zivil, der meint einen Bußgeldbescheid wegen Nichtbeachtens der Ampelanlage ausstellen zu müssen, weil er sich gemäß Verkehrsminister Ramsauer an die alte, angeblich noch gültige 45. Novellierung der STVO hält…

Die Welt der radfahrenden und radfahrerüberwachenden Menschheit ist gespalten in Ramsauerianer und Justitzministeriumsanhänger.

Rechtssicher Radfahren kann man eigentlich nur noch auf ampelfreien Feldwegen (die selbstredend zuerst für die Nutzung als Fahrweg zugelassen sein müssen, aber dass ist eine ganz andere Geschichte…) oder man lässt bis zum Inkrafttreten der  Neufassung der 46. Novellierung der STVO 2015 das Fahrrad stehen und mutiert evolutionär zurück zum homo pedes.

Für alle, die das Schlamassel genauer aufgedröselt gaben wollen noch ein kleiner, hilfreicher Link:

http://www.radverkehrspolitik.de/welche-ampel-gilt-fur-den-radverkehr/

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