Kiefernzapfen gegen Amseln…

Anti-Amsel Kiefernzapfen im Blumenbeet

Zugegeben, der heutige Titel klingt etwas gewalttätig, aber ich war auch ernsthaft sauer…

Warum?

Nun, fangen wir am Anfang an:

Frühlingsluft liegt in der Luft, als ökologisch bewegter Man(n) wuchtet man wie in jedem Jahr gefühlte Tonnen von Blumenerde im viel zu kleinen Fahradkorb durch die Gegend (Es lebe die CO²-Billanz!), wird dabei gleich noch zur Belohnung von einem Gewitter überrascht (nein ich bin keine Pflanze, und ich brauche auch keinen Frühlingsregen, aber danke!), gab Unsinnig viel Geld für die neueste schwarz gelbe Petunienvariante aus, holt die mundgeblasenen Glaskugeln aus dem Keller (zerbricht dabei natürlich promt eine, aber ohne so ein gelegentliches Malheur wäre die ganze Gartensache ja nur halb so spaßig!), überlegt ob man vielleicht wegen des wundrsamen nächtlichen Leuchteffekts halber doch noch die rosanen gegen weiße Geranien austauschen sollte, harkt und jätet und putzt und freut sich nach getaner Arbeit über den sprießenden Schnittlauch, die (noch) blattlausfreien Salatpflänzchen und die niedlichen hellblauen Blüten des Immergrüns…

Und dann?

Dann kommt so ein saublödes rabenschwarzes Amselmistviech daher und meint, es müsse ausgerechnet im sauber zurechtgezupften Blumenkasten nach dort garantiert nichtvorhanden Regenwürmern suchen! Natürlich folgt das Tierchen nur seinem natürlichen Instinkt…aber muss es dabei wirklich die ganze geradeeben erst mühsam auf Vordermann gebrachte Gartenpracht in ein südostbengalisches Matschschlachtfeld kurz nach dem letzten Jahrhundert-Zyklon verwandeln?…Offensichtlich ja, und Aufräumen bringt nichts, Frau Amsel hat nunmal ganz genaue Vorstellungen wie so ein umgepflügter Garten am besten auszusehen hat…

Was nun?

Eigentlich würde man die renitenten und nicht besonders intelligenten Viecher ja am liebsten einfangen und auf nimmer wiedersehen im Tierheim abgeben…dummerweise lassen sich Amseln verdammt schlecht in Pappkartons sperren, und außerdem bin ich mir nicht so ganz sicher, ob die Sache legal wäre…

Aber weiterhin dulden dass die Turdus merula, der lebende Bulldoser unter den Vögeln alles umwühlt?

Eher nicht!

Also umgesehen, und nachgedacht.

…Netze, Leimruten, Schreckschussanlagen, der Nachbarskater…alles denn doch etwas matrialisch, und außerdem:

Ganz verscheuchen will man die emsigen Viecher ja  denn auch nicht, immerhin sind sie an anderem Ort im Garten beim Raupenbeseitigen ganz nützlich und zumindest Herr Amsel verfügt über ein nicht zu unterschätzendes Sangestalent, dass sich an lauen Sommerabenden doch ganz gut zu gebratenen Oberginen und Rosé-Wein macht…

Nach mehreren gescheiterten Versuchen mit Alufolienstreifen, einer Ersatzfutterstelle und einer kleinen Vogelscheuche, kam die Lösung dann wie immer aus einer dieser Ecken mit denen man am allerwenigsten rechnet:

Beim Auspacken des Grills!

Nein, ich hab Familie Schwarzdrossel nicht als Amusegeul verspeißt, obwohl sich in meinen noch garnicht so alten Kochbüchern bei gelegentlichem Nachstöbern tatsächlich recht interessante Rezepte fanden.

Die Lösung lag denn auch eher neben dem Grill: Ein riesen Haufen alter Kiefernzapfen, die ich vorletzten Herbst mit der Absicht sie als gesunde Altzernative zu Mineralölgrillanzündern zu verwenden eingesammelt, aber nicht aufgebraucht hatte.

Eher unabsichtig verteilte ich nahm ich einige auf die frisch bepflanzten Blumenkästen um sie aus dem weg zu haben. Und siehe da: schon kamen Herr und Frau Amsel trotz aller Mühe nicht mehr ans Erdreich (die Kiefernzapfen sind schlichtweg zu sperrig und schwer, als das Amsel sie ohne weiteres durch die Gegend wuchten kann, außerdem „bewegen“ sich die Dinger wenn sie nass werden, was insbesondere bei Frau Schwarzdrossel für erhebliche zusätzliche Verwirrung sorgte. )

Kurz, es wirkt, sieht einigermaßen hübsch aus, Ich kann meine schwarzgefiederten Raupenkiller mit Starsängerallüren behalten und auch die Pflanzen können weiter ungestört wachsen (Dafür sind die Kierfernzapfen nämlich leicht genug!) Und das Beste: Wenn dann in ein paar Tagen alles ordentlich angewachsen ist und der Boden sich soweit verfestigt hat, dass Herr und Frau Amsel kein Regenwurmbergwerk mehr in ihn hacken können, kann man die getrockneten Zapfen als den perfekten Grillanzünder recyceln!

Besser geht’s nicht, oder?!

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Chablis zu Hanami

spring in Burgundy

Auf der Suche nach einem passenden Kirschblütenphoto für einen e-mail-Anhang zum Hanami-Fest (jap. Blütenbetrachten) an einen japanischen Freund stöberte ich vor einigen Tagen in den alten Photodateien meines kleinen, roten „Reisecomputers“ und entdeckte dabei lächelnd einige längst vergessene Bilder eines Frühlingsausflugs in ein kleines burgundischen Dorf.

Eigentlich hatten wir uns – wieder einmal – gründlich verfahren, weil sich unser Navi strikt weigerte zu den vielen gleichlautenden Ortsnamen auf St. Irgendwas die entsprechenden genaueren Ortsangaben (sur, les oder du irgendwas…) anzugeben. Vielleicht war’s uns aber   auch nur zu blöd geworden, uns ständig in typisch deutscher Baedecker-Manier „nach Reiseführer“ rastlos von a) nach b) zu begeben. Sewi’s wie es mag, als angehende Kunstgeschichtler nahmen ich’s sportlich und tat, was man im Burgund nunmal tut, wenn man sich gründlich verfranst hat: Man schaut zu, dass man jemand findet, der einen Schlüssel zum herrlich versteckten Chateau, dem örtlichen Weingut oder – wie in diesem Fall – der halb verfallenen Dorfkirche hat.

Garnicht so einfach in einem Dorf mit vielleicht 10 ständigen Einwohnern, die sofern sie tagsüber nicht in der nächsten Stadt arbeiten, im Frühjahr reichlich anderes zu tun haben, als zwei neugierigen Deutschen das „hübsche Örtchen“ vorzuführen. Der Weinberg will hergerichtet, das Ausschlagen der Reben beobachtet, die Cuvée ein letztes Mal auf ihre korrekte Zusammensetzung geprüft und der Weidezaun geflickt sein.

Schließlich fanden wir doch noch eine Alte Dame, welche uns zunächst kritisch durch ihre dicken Brillengläser musterte und uns aber nach bestandener Überprüfung mit einem riesigen, halb angerosteten Schlüssel umständlich das Kircheninnere öffnete.

Wie so oft erwartete uns auch hier eine Überraschung:  Im hellen Frühlingslicht das  mit uns durch die geöffnete Tür in die Kirche strömte erschienen die leuchtend-lustvollen Abbildungen eines Totentanzes des frühen 16. Jahrhundert. Es dauerte, bis wir zwischen stolzen Damen, Landsknechten und Kaisern den Bischoff und seinen blondgelockten Geliebten (sic!) auf ihrem Weg in den am Langhausende lauernden Höllenrachen entdeckten.  Zuerst verstanden wir nicht. Etwas auch nur annähernd Ähliches hatten wir nie gesehen.

Die Alte Dame amüsierte sich köstlich als sie uns begriffsstutzigen Kerlen in ihrem altertümlichen Charrolais-Dialekt und mit herrlich rollendem „r“ die Szene genüsslich zum dritten Mal erklärte. Auch wir hatten unser Vergnügen, denn jedes mal kam ein neues schlüpfiges Detail aus der Lebensgeschichte der Beiden hinzu. Irgendwann machte es klick. Ich habe selten so laut in einer Kirche gelacht. Auch der Tod schien uns aus seinem zahnlosen Mund mit einem lustvollen „Genießt…ich komme früh genug!“ zuzulächeln.

Die von Engeln geleiteten Frömmler der Gegenseite erschienen dagegen geradezu langweilg. Auch Madame du Brais hatte für sie kaum mehr als ein indigniertes  „les autres“ übrig.

Hinter dem Kirchhof lag ein Friedhof, und dahinter, am Ende einer langen Kastanienalee ein halb verfallenes Schloss (Nein, nicht verfallen. burgundische Schlösser MÜSSEN genau so aussehen. Was wäre das auch für ein Schloss, in dem es nicht irgendwo zumindest ein wenig zum Dach hereinregnen würde?…).

Längst hatte Madame du Brais, welche sich zwischenzeitlich als leibhaftige Comtesse entpuppt hatte, aber nichts darauf gab, mich am Sakkozipfel gepackt und mich in Richtung einer kleinen Tür in der Parkmauer gezogen.

Venez, venez,  j’ai une autre gâterie!“

Ich wurde ich den Gedanken an die Hexe aus Hänsel und Gretel, samt dem zugehörigen Lebkuchenhaus nicht los.

Als hätte man uns erwartet stand mitten auf einer von Schlüsselblumen bedeckten saftiggrünen Wiese ein mit einem weißen Leintuch gedeckter Tisch, dazu vier Stühle aus Schmiedeeisen und eine Schüssel mit frischem Kohlsalat mit kleinen, gebackenen Speckstückchen.

Bon appétit“

Statt mit zuckersüßen Zelten wurden wir mit selbst gebackener quiche und reichlich Chablis gefüttert.

Madame la Comtesse waren selig, wir auch!

Auf dem Weg zurück überquerten wir einen kleinen Bach. Die drei weit ausladenden  Bögen der alten Brücke wirkten ziemlich ambitioniert für das schmale Rinnsal. Aus seinem Wasser ragten einige Schwertlilienblätter, darüber ein kleiner, weiß blühender Kirschbaum, dessen Blütenblätter langsam ins Wasser vielen…

Madame du Brais verabschiedete sich, dankte für den amüsanten Nachmittag und gab uns noch eine Flasche von „ihrem Besten“ mit. Ein herrlicher, goldgelber „grand cru“ mit smaragdgrünen Reflexen und himmlischem Geschmack.

Schöner lässt sich selbst in Japan kein Hanami-Fest verbringen…

Dream of a tulip…

golden tulip

Sometimes, when spring is entering the land with first pale green buds of the white lilac streching against the gray and wetish sky, I look out of my office window searching the tangle of orange-red roofs for a smal brownish rectangle of grass. Nothing special, just a peace of dirty chestnut under a bare and scanty apple tree. I seek neither the bizarre branches pruned, nor the sound of the red tabby mackerel neighbor’s cat looking for a new bride. My eyes are wandering deeper, searching for olive-green tips. Pointed traps designed by a malevolent troll for invisible giants.

Two, three, warm sunny days, and the alleged pitfall will flowerish into a splenderous tulip.

She’ll stretch her snakelike leaves into the azure sky, most proud and arrogant. Always aware she is the one and only legitimate imperial descendant under all the vulgar mud-born springtime green. Wars and intrigues were fought out just for her, property and lifes were squandered thousandfold unscrupulously for her perishable favor. After what others of the thriving creatures whole eras were named for ?

No, nothing on this earth is like a tulip in the springtime!

I‚m smiling. Summer’s coming, and with him comes the heat, and with the heat, the delicate and aristocrat tulip will wither into an unsightly yellowish skeleton, leaving only a thick unsightly bulb deep in the ground under the voluptous fruiting apple tree…until the spring.