12. Türchen: Von Matrioschkas, kleinen Klimts und Wohnzimmer-diktatoren

Eigentlich sind sie jMatrioschkasa ganz niedlich, die kleinen, rundlichen Holzpüppchen, die als 3er, 5er, 7er, 9er oder 35er Set nicht nur zur Adventszeit den Kaminsims unsicher machen. Mit ihren Kulleraugen und bunten Kleidchen betteln sie darum mitgenommen zu werden. Kaum ein Osteuropa-Tourist (oder Ethnologe) wird ohne ein oder zwei Exemplare wieder gen Westen reisen. Doch scheinen die klassischen „Volkskunst-Matrioschkas“ mit Trachtenspitze oder russischer Winterlandschaft auf der Brust in letzter Zeit ziemlich aus der Mode gekommen zu sein…

Fragt man die Händler nach den Top-Ten der Matrioschka-Hitparade muss es für den modernen Globetrotter und Cosmopoliten, der/oder die eh schon alles hat, überall war  und die nichts mehr überrascht (traurig!) mindestens die gesamte Romanov-Dynastie im Miniaturformat, ein Potpurri aus Klimt-Bildern oder die stolze Reihe echt altrussischer Heilger mir kirchenslawischen Umschriftbändern, die selbst die meisten Russen nicht ohne weiteres entziffern können sein; Selbstverständlich alle von Schülern der berühmten Petersburger Kunstakademie in Öl auf das eigentlich wenig malfreundliche „Rohformat“ der Matrioschkas gebannt!

Auch das Diktatoren-Quartet aus „Väterchen“ Stalin, Pol Pott, Mao und einem gewissen Hitler erfreut sich als Matrioschka allergrößter Beliebtheit als geschmackvolles Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

Aber will man sowas wirklich neben den Nippesdelfinen aus Murano-Glas, dem Thailändischen Muschellämpchen, den falschen Musketen oder Omas gutem Pralinenservice aus der „guten alten Zeit“ in der Wohnzimmervitrine stehen haben?

Da bleibe ich doch lieber bei den niedlichen kleinen Mütterchen, die unter Stickereien, Spitze und Kopftuch immer noch eine kleinere Ausgabe ihrer Selbst beinhalten!

С Рождеством Христовым!

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